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Thema: Mein kleiner Engel ist von mir gegangen

  1. #1
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    Unhappy Mein kleiner Engel ist von mir gegangen

    Hallo zusammen,

    mein Name ist Shani, ich bin 34 Jahre alt.
    Am 15.10.2008 kam mein Hund in Rumänien auf die Welt. Er war ein Beagle und da mein älterer Bruder für seinen Sohn auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk war und eben auch gerade frisch ein Haus gekauft hatte, entschloss er sich nach eigener Recherche zu einem Beagle, da das sehr gute Familienhunde sind. So holte er ihn Ende Dezember direkt von einem rumänischem Züchter. Ich muss hier noch dazu sagen, dass ich zu der Zeit eine Wohnung in dem neu gekauftem Haus hatte (ganz unten ich, ganz oben meine Eltern und in der Mitte mein Bruder mit seiner Familie) Es ist ein Mehrfamilienhaus mit Vordergarten und einen größeren Garten hinten. Da wir alle zusammen gewohnt haben, liegt wohl auch an unserer Herkunft.

    Zwei Tage später wurde ich von dem Kauf überrascht, als mein Bruder plötzlich mit dem Beagle im Haus stand. Mein Neffe, der damals 11 war, war sichtlich überfordert und hatte auch kein Interesse am Hund. Unabhängig davon hat Spikey (So wurde der kleine Engel getauft vom Züchter und wir haben den Namen übernommen) sich direkt in der allerersten Nacht in mein Bett geschlichen und ist dort eingeschlafen. Er war noch nicht stubenrein und da es Winter war, hat er sich geweigert sein großes Geschäft draußen zu machen, sodass das anfänglich wie bei allen Welpen gedauert hat bis er sich merkt, dass seine Toilette nicht im Haus ist.
    Lange Rede kurzer Sinn: Spikey hat von Anfang an eine sehr enge Verbindung zu mir gesucht und diese aufgebaut. Ich damals sichtlich unerfahren mit Hunden war zugegebenermaßen teils sehr überfordert und habe alles in meiner Macht stehende Versucht Spikey so gut es geht zu beschäftigen. Wir sind tagtäglich mit Freunden die ebenfalls Hunde haben auf einen ehemaligen Friedhof wo sehr viele Frauchen und Herrchen zusammen gekommen sind und wo die Hunde sich austoben konnten. Es entstand sowas wie ein Rudel. So verging seine "Welpenzeit" wie im Flug und es kam der Tag an dem ich aufgrund eines Studiums vom Elternhaus auszog und ca. 20km entfernt in eine Stadt. Mein Hund war unter der Woche weiterhin bei meinen Eltern und ich habe ich am Wochenende immer zu mir geholt. Meine Eltern, insbesondere meine Mutter hat ihn immer gehütet und verwöhnt mit zu viel Fressen (war auch mal ein Streithema zwischen ihr und mir, dass sie ihm nicht immer so viel geben soll :-) )
    Als ich in den Urlaub bin, war meine erste Reaktion nicht die bei meinen Eltern anzurufen und zu erzählen, dass ich gut angekommen bin, sondern meine allererste Frage war immer: Wie geht es Spikey?
    Spikey war nicht wie ein typischer Hund, selbstverständlich hat er auch seine Streicheleinheiten gebraucht, aber er hat einem nie die Hand abgeleckt oder das Gesicht. Ich konnte mit meinem Gesicht direkt an seine Schnauze und er hat immer nur kurz geschnuppert und dann den Kopf zur Seite weggedreht. Immer wenn ich in die Küche bin ist er mir hinterhergelaufen und hat sich direkt hinter mir hingesetzt in der Hoffnung, dass er dafür einen Leckerli bekommt, was auch oft passiert ist. Wenn er gesundheitliche Probleme hatte, war ich (sofern es mir möglich war) sofort zur Stelle und habe dementsprechend die Ärzte oder Kliniken aufgesucht.
    Spikey hatte einen Hodenhochstand, wurde mit knapp 2 Jahren rausoperiert.
    Spikey hat mit ca 6 Jahren Blasensteine vom Trockenfutter bekommen, diese habe ich von einer Tierklinik entfernen lassen.
    Spikey hat ca mit 9 Jahren einen Tumor in der Analdrüse gehabt was sehr viel Stress bei mir ausgelöst hatte und dieser wurde aber von einem guten und erfahrenen Tierarzt operativ entfernt.

    Ab 12 Jahren hat es ca angefangen, dass Spikey teils Probleme mit dem Rücken hatte (Hexenschuss) und ich bin damit zum Arzt, der hat ihm meistens eine Spritze verabreicht und mir etwas Medikamente mit nach Hause gegeben und damit war es dann wieder okay.

    Letzte Woche Sonntag war dann dasselbe Bild, Spikey schien Probleme mit dem Rücken zu haben, weil er sehr unruhig geschlafen hat, öfters den Katzenbuckel gemacht hat und auch nicht wirklich mit mir Laufen gehen wollte. Ich bin direkt bei der ersten Terminvergabe (leider zwei Tage später) zum Tierarzt, dieser hat ihm wie gewohnt eine Spritze verabreicht und mir einen Saft mitgegeben der entzündungshemmend wirkt. Davon musste sich Spikey übergeben, sodass ich eigenständig die Dosis herunter gesetzt habe. In der ersten Nacht nach der Spritze hat mein kleiner Engel wieder sehr ruhig schlafen können und mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Leider hielt dieser Zustand nicht an und es verschlimmerte sich noch mehr am darauf folgenden Tag, sodass ich einen weiteren Tierarzt konsultiert habe, der ihn ebenfalls nur kurz abgetastet hat und ihm dann eine Spritze verabreicht. Das war letzten Freitag am 22.10.2021. Spikey ging es aber über der Nacht schlechter, am nächsten Morgen wollte er kaum noch Laufen und hat draußen nur kurz Pipi gemacht. Fressen wollte er auch nicht mehr ,also bin ich am Samstagmorgen direkt in die nächste Tierklinik wo er bereits mal die Blasenstein-OP hatte gefahren. Im Auto habe ich ebenfalls bemerkt, dass Spikey nicht wirklich entspannt da liegt. dort haben sie sein Blut kontrolliert und ihn geröngt. Blutwerte ergaben schlechte Zahlen bei den Nieren, weißen Blutkörpechen und scheinbar war noch die Bauchspeicheldrüse entzündet. Dies hatte zur Folge dass sie ihn bis heute (Montag 25.10.2021) in der Klinik behalten wollten an einer Infusion und eine Therapie ausprobieren, sodass ich ihn dort gelassen habe ab dem Samstag.

    Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie sichtlich verängstigt und gestresst mich ansah, als ich aus dem Raum gelaufen bin. Ich habe ihn nicht extra nochmal geknuddelt oder ihm gut zugeredet. Ich bin guter Hoffnung einfach gegangen und dachte es wird alles gut. Er ist am Samstagabend den 23.10 um 23.00 Uhr in der Klinik verstorben. Sie sagen mir zwar dass er eingeschlafen ist und sie versucht haben ihn zu reanimieren, aber das kann ich mir kaum vorstellen. Er war sicherlich ganz alleine in seinen letzten Stunden in einem Käfig und an einer Infusion. Ich war nicht bei ihm, er ist jetzt weg und ich hatte keine Chance mich von ihm zu verabschieden.

    Ich hatte am Samstag ca. 18.00 Uhr in der Klinik angerufen um zu fragen wie es ihm geht. Mir wurde gesagt, dass der Arzt mich in 20 Minuten zurück ruft. Ich bin draußen ca 1 Stunde die Wege entlang spaziert und habe auf einen Rückruf gewartet, aber es kam keiner weil sie offenbar meine Nummer falsch aufgeschrieben haben. Am Nächsten Tag um kurz vor 10.00 Uhr morgens habe ich wieder angerufen und wurde mit der Ärztin verbunden und sie teilte mir mit, dass er letzte Nacht eingeschlafen ist. Mein Herz war zerstört, es ist komplett zerstört. Ich konnte es nicht fassen und bin direkt in die 80km entfernte Klinik gefahren und dann lag er da... mit halb offenen Augen und sah aus wie immer. Nur, dass er sich nicht mehr bewegt hat. Ich habe ihn dann geholt und ihn gestern begraben im Garten meines Elternhauses. Jetzt bin ich wieder in meiner Wohnung und er ist nicht da. Er ist weg für immer, ich breche hier zusammen und kann nichtmal mehr klar denken, weil ich nicht bei ihm war in seiner letzten Stunde. Er ist ganz alleine verstorben und das kann und werde ich mir niemals verzeihen. Er war mein Baby, der einzige der mich getröstet hat, mit dem ich aktiv war und auf den ich mich immer verlassen konnte. Ich kann so nicht. Tut mir Leid wenn alles kreuz und quer geschrieben ist, mir kommen einfach nur die Tränen. Ich würde alles aufgeben um noch eine Stunde mit ihm sein zu können, ihn zu knuddeln, ihm tschüss zu sagen. Alles!
    Was in Erinnerung bleibt, ist der Blick den er mir zugeworfen hat, als ich die Klinik verlassen habe. So als hätte er es geahnt oder vllt. hat er sich auch gedacht: "Schau mal er lässt mich ausgerechnet jetzt alleine"

    ich kann nicht mehr und konnte seither auch nichts mehr essen und habe Alkohol getrunken.
    Die Schuldgefühle und meine Trauer kann ich nicht in Worte fassen und dass er nicht mehr da ist und ich ihn nie wieder neben mir haben werde kann ich nicht bearbeiten.

  2. #2
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    Hallo Shani!
    Deine Geschichte hat mich sehr bewegt und es tut mir sehr leid, dass Spikey gestorben ist und du dich nun mit Schuldgefühlen plagst.
    Das, was du gerade durchmachst, kenne ich aus eigenem Erleben und kann mir sehr gut vorstellen, wie du dich fühlst.
    Ich musste meinen Kater Theo in eine Tierklinik, welche 1 Fahrstunde von mir weg ist, bringen. Theo ging es sehr schlecht, aber meine Tierärztinnen, die den Kater "auf Links gedreht" und wirklich alles versucht haben, konnten keine Diagnose finden. Darum war ich auch zuversichtlich, dass nach dem Klinikaufenthalt alles wieder gut wird. Auch ich habe, genau wie du, keinen Zirkus beim Verabschieden gemacht, in dem Glauben, Theo sonst unnötig noch mehr zu beunruhigen und wir sehen uns doch morgen oder übermorgen wieder....Am nächsten Tag, während Theos Operation, kam der Anruf, es ist ein Tumor gefunden worden. Acht Klinikärzte stimmten überein, es gibt keine Chance mehr auf Genesung. Ich wurde gebeten, zu entscheiden, ob Theo aus seiner Narkose wieder aufwachen oder er erlöst werden soll. Ich kriegte kein Wort heraus vor Entsetzen! Hinfahren, um Theo nochmal zu sehen, war wegen der Entfernung nicht möglich. Und ich bereute es sooo sehr, mich nicht richtig von meinen wunderbaren Kater verabschiedet zu haben. Das ist heute auf den Tag genau 5 Jahre her und es tut mir noch immer sehr leid.
    Ich denke, Trost sollte uns sein, dass wir immer das Beste wollten, aber Vieles leider nicht in unsere Hand liegt. Dein Spikey und auch mein Theo haben gespürt, dass wir sie nicht böswillig verlassen haben, sondern helfen wollten. Da bin ich mir sicher!
    Sehr geholfen hat mir auch, weiteren Katzen, die kein Zuhause hatten, eines zu geben. Vielleicht wirst auch du eines Tages wieder einen vierbeinigen Gefährten an deiner Seite haben, der dich wieder aufleben und an die SCHÖNE Zeit mit Spikey vordergründig denken lässt. Ich wünsche dir viel Kraft und den Blick nach vorn!

    Für eine Zeit halten wir deine Pfötchen fest, dein Herz aber ein Leben lang!



    Liebe Grüße von Heike mit ihren Schnurrern Luis, Willi, Fritzchen, Rudi und Rico


    Für immer im Herzen und im Kopf ....Plüschi, Oskar, Jacki, Otti, Lottchen, Theo, Hugo und Nelly

  3. #3
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    2
    Guten Morgen Heike,

    ich danke dir für deine wohltuhenden Worte. Gestern Abend habe ich einige Fotos von Spikey ausgedruckt und eine Kerze angezündet und dabei zwei Stunden Rotz und Wasser geheult. Spikey war auch der Grund für meinen so engen Bezug zu Tieren, durch ihn lebe ich vegetarisch. Genau jetzt wäre ich mit ihm rausgegangen, hätte ihn gefüttert und mich dann im Homeoffice an meinen Schreibtisch gesetzt, wobei er nicht auf seinem Bettchen im Flur geblieben wäre, sondern sich hinter mir auf den Teppich hingelegt hätte zum Schlafen. Er war so anhänglich und seit Beginn der Corona-Krise praktisch 24 Stunden mit mir, da ich seither auch im Homeoffice bin.
    Die Wohnung fühlt sich so leer an, gestern Nachmittag kam meine Mama vorbei unangekündigt und wollte mich schon zwangsernähren. Sie hat das ebenfalls sehr sehr hart getroffen, schließlich war sie es ja, die Spikey immer gehütet hat als ich nicht konnte. Ich wünschte ich könnte ihr helfen mit ihrer Trauer, aber ich benötige aktuell einfach Zeit für mich alleine. Alles fühlt sich so unwirklich an, es ist zum Verzweifeln.

    Ich kann mir nicht vorstellen in absehbarer Zeit ein neues Haustier zuzulegen, der Schmerz des Verlustes sitzt viel zu tief. Gestern Abend habe ich dann noch sein restliches Futter und Leckerlis zu einem Tierschutzverein gebracht in der Nähe.

    Und für dich tut es mir auch Leid, dass du keine Möglichkeit hattest dich von deinem geliebten Theo ordnungsgemäß zu verabschieden. Ich hoffe du konntest deinen Frieden damit finden. Für Theo war es das Beste, wenn sie ihn aus der Narkose nicht nochmal aufgeweckt haben um ihn danach wieder einschlafen zu lassen. Ich wünsche mir, dass unsere Tiere es gemerkt haben, dass wir nur das Beste für sie wollen und ich mir das gerade nicht einfach einrede um mich irgendwie besser zu fühlen.

    VG Shani

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