Geliebte Pelzterroristen

Ich möchte mich ganz herzlich bei allen eurer Art bedanken.
Wie leer wäre mein Leben ohne euch.
Die erste Begegnung vor über fünf Jahrzehnten war nicht so schön. Im Krabbelalter bin ich einer von euch unter die Eckbank nach, weil ich sie unbedingt streicheln wollte. Aber sie wollte nicht. In die Ecke gedrängt, holte sie aus und zog mir ihre Krallen durchs Gesicht. Ich schrie wie am Spieß, meine Mutter zog mich raus, schimpfte mich, nahm die Katze auf den Arm und tröstete sie.
Diese Anekdote erzählte meine Oma immer wieder. Sie konnte es bis zu ihrem Tod nicht verstehen, dass ich Schimpfe bekam und die Katze getröstet wurde.
Ich bin mir sicher, dieser Vorfall war der Grundstein für meine Liebe zu euch.
Es wuselten immer drei bis fünf von euch um uns rum. Ich kann mich erinnern, dass es weder Katzenfutter noch –streu gab. Transportkörbe waren groß, unhandlich, nicht ausbruchsicher und aus Weide. Außerdem waren sie unerschwinglich teuer.
Katzenklos - Fehlanzeige. Wenn eine von euch krank war und nicht nach draußen durfte, kam eine alte Wäschewanne, gefüllt mit normalem Sand, zum Einsatz.
Aber ihr wart damals schon geimpft, die Kater kastriert und die Mädels wurden nach dem 1. Wurf (damals sagten die Tierärzte das so) sterilisiert.
Ihr konntet das Leben als Freigänger genießen. Jahrelang war unsere Straße nichts anderes als ein Schotterschlaglochweg und es gab nicht so viel Verkehr dort.
Trotzdem kamen einige schlimme Verletzungen vor. Denn, böse Nachbarn, die keine Katzen mögen, gab es auch damals schon.
Ganz schlimm war die tödliche Schussverletzung, die ein schießwütiger Jäger innerorts einem Kater von uns zufügte. Der Kater schleppte sich noch heim und ich, gerade mal 10 Jahre alt, musste mit meinem Vater und dem vor Schmerzen schreienden Kater zum Tierarzt fahren. Dort konnte er nur noch erlöst werden.

Auch dies ein Grundstein. Ich hasse Jäger, Waffen und Gewalt.

Jahre später kam eine Katze schwer verletzt heim. Sie wurde mit zwei Operationen gerettet. Laut Tierarzt wurde sie von einem Menschen misshandelt. Sie behielt eine leichte Behinderung, wurde damit aber 18 Jahre.
Sie war eine der beiden Katzen, mit denen meine Kinder aufwuchsen.
Sie und ihr Partner halfen mir durch manches Tief. Einfach dadurch, dass sie da waren, sich zu mir setzten oder legten und schnurrten. Mich so mochten, wie ich eben bin. Die nicht auf Äußerlichkeiten achteten, nicht darauf, ob ich frisch geduscht oder toll angezogen bin. Die mir einfach ihr Vertrauen und ihre Liebe zeigten. Wir sind durch sehr schwere Zeiten gegangen. Ihr beiden schwarzen Teufel, ich liebe euch und werde euch nie vergessen.
Es lebten teilweise 12 Fellterroristen hier.
Nur zwei hätten ohne uns überlebt. Alle anderen wären kläglich verreckt. Denn: „es ist ja nur eine Katze“.
Die Liebe, die sie geben, ist unbezahlbar. Der Unterhaltungswert unschlagbar.
Auch sie trösten, bringen mich immer wieder zum Lachen, auch in schweren Zeiten.
Ich habe mir oft überlegt, wie ein Leben ohne Katzen verlaufen wäre.
Keine Katzenhaare im Kaffee, auf der Kleidung, im Bett. Keine Streukrümel, die überall, wirklich überall auftauchen.
Keine Katze, die mich fast zu Fall bringt, wenn sie Hunger hat und mir deshalb zwischen den Beinen rumwuselt. Kein Katzentier, das mich anschreit, wenn es etwas haben will. Keine Katze, die am Futter rummäkelt, keine Tierarztfahrten, kein Gepolter mitten in der Nacht.
Ausschlafen am Wochenende und im Urlaub.
Keine nasse Nase, die mich morgens schnurrend weckt.
Keine Kotzflecken, in die ich schlaftrunken trete, um auf einen Schlag hellwach zu sein. Kein Durchfall, dessen Gestank den Atem raubt. Keine Sorgen, wenn der Freigänger abends nicht heimkommt. Keine durchwachten Nächte, wenn eine Katze krank ist.
Keine Rückenschmerzen morgens, damit die Katzen bequem in meinem Bett schlafen konnten.
Kein überzogenes Konto, weil die Tierarzt- und Futterkosten mal wieder überhand nehmen.
Keine täglichen, vergeblichen Reinigungsaktionen, um dem Katzenstreu Herr zu werden.
Keine Katze, die genau dann geknuddelt werden möchte, wenn man sich zum Ausgehen chic gemacht hat.
Keine verschwunden Stifte mehr.

Auch in schweren Zeiten hielt ich zu euch. Und ihr sagtet mir immer, wenn ihr nicht mehr konntet. Und ich habe euren Wunsch jedesmal mit schwerem Herzen entsprochen.

Ach, was soll ich mit der Zeit und dem Geld, mit einer hygienisch sauberen Wohnung, wenn das Leben darin fehlt?


Nur noch 2 sind jetzt hier. Aber bald sind es wieder 4. Dann ist hoffentlich wieder richtig Leben in der Bude.

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