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Thema: Es tut so weh..

  1. #1
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    Es tut so weh..

    Am 19.12.2016 musste ich meinen fast 14-jährigen Jack-Russel einschläfern lassen. Er hatte seit 3 Jahren beide Herzklappen undicht und seit 1 Jahr Blasenkrebs. Durch die Herzmedis ging es ihm eigentlich gut, obwohl Wasser in der Lunge (wenig) und Wasser im Bauch (mehr) vorhanden waren. 2 Wochen vor seinem Tod bekam er heftigen orangefarbigen Durchfall und musste sich ca. 1 Woche vor seinem Tod überwiegend morgens erbrechen. Mit dem Harnabsatz bekam er dann auch plötzlich Schwierigkeiten. Schmerzen waren ihm bis an dem Freitag vor seinem Tod allerdings nicht anzumerken. Freitags dann wollte er beim Gassigehen gleich wieder zum Auto. Neben mir sitzend fing er an zu zittern. Seine Schleimhäute waren fast weiss. Ich bin gleich zum TA gerast. Auf dem Tisch wurde es dann schon besser. Er bekam Cortison und ein Schmerzmittel. Den ganzen Freitag lag er dann und wollte nichts mehr fressen. Samstags das gleiche. Nur Wasser wollte er haben, ich habe es ihm immer wieder vor die Nase gehalten. Sonntags dann wieder zittern und weiße Schleimhäute. Wieder zum Arzt. Cortison, Schmerzmittel, Mittel gegen Übelkeit gespritzt bekommen. Ich solle ihn laufen lassen, solange es ohne Schmerzen ginge. Auch Sonntag nichts gefressen. Kaum getrunken. Montags habe ich den TA angerufen. Er ist gekommen und hat ihn auf seinem Lieblingsplatz eingeschläfert. Bis zur letzten Sekunde habe ich seinen Kopf gehalten und geküßt. Seit dem ist nichts mehr wie es war. Ich bin geschieden und musste lange um diesen Hund kämpfen, damit er ganz bei mir sein konnte. Wir haben uns ohne Worte verstanden. Ich weine seitdem sobald ich alleine bin. Arbeiten geht mehr schlecht als recht. Meine Kolleginnen wissen Bescheid. Die selber Tiere haben können meine Verfassung nachvollziehen. Andere nicht. Meine Familie teilweise. Ich weiß nicht, wie ich mit der Trauer fertig werden soll. Ich versuche mich immer zusammen zu reißen. Dazu kommen die Zweifel, ob ich noch hätte einen oder mehrere Tage warten sollen. Was nun sein Ende eingeläutet hat, weiß ich auch nicht genau. Könnte lt. TA auch ein poröser Tumor im Bauchraum gewesen sein. Sein Bauch war dicker geworden. Der TA hatte aber zum Einschläfern geraten. Er wäre sonst wahrscheinlich erstickt. Ich weiß, er war alt und krank. Aber es hilft mir nicht. Ich habe bereits 5 kg abgenommen, weil ich keinen Hunger verspüre. Er fehlt so sehr. Wie lange habt ihr denn gebraucht, bis es etwas besser wurde. Kommt mir bitte nicht mit dem Vorschlag, ehrenamtlich im Tierheim auszuhelfen. Das mache ich bereits, aber es hilft nicht. Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll.

  2. #2
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    Hallo Tömmchen,

    fühl dich mal ganz doll gedrückt. Mir ging es ähnlich wie dir, als wir unseren Artus gehen lassen mussten, die letzte lebende Erinnerung an meinen Vater, der schon 2001 starb. Da bleibt ein Loch zurück, und man weiß nicht mehr wohin mit der Liebe, die plötzlich nur noch weh tut.

    Es hat ein gutes Jahr gedauert, bis wir so weit waren, uns wieder nach einem neuen Hund umzuschauen. Irgendwann wird die Sehnsucht stärker und man versteht, dass es kein Verrat ist, kein "Ersatz" für den, der gehen musste. Du wirst deinen kleinen Freund nie vergessen - aber du wirst den Punkt finden, an dem du dich an fröhliche Tage erinnerst. Versprochen. Vielleicht kannst du auch versuchen, dich ein bisschen dazu zu zwingen: Wenn die Trauer kommt, such dir eine Erinerung, die dich zum Schmunzeln bringt. Mir hilft das jedenfalls...
    Wenn du einen reichen Freund nicht besser behandelst als einen armen; wenn du der Welt ohne Lüge und Täuschung gegenüberstehen kannst; wenn du sagen kannst, dass es in deinem Herzen keine Vorurteile gegen die verschiedenen Rassen und Religionen gibt; wenn du bedingungslos lieben kannst, ohne Druck auszuüben oder Erwartungen zu haben - dann, mein Freund, bist du fast so gut wie dein Hund.

    Alina und Renée mmmmmmmmund Artus (+ 2007) in liebender Erinnerung

  3. #3
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    Hallo Tömmchen,
    das ist ein trauriger Anlass, der dich ins Forum führt

    Ich würde versuchen, mich nicht so sehr auf das "Hätte er noch zwei Tage leben können" usw. zu fokussieren. Quantität ist nicht Qualität! Du hast alles getan, was möglich war, und ihn dann auch von seinen Schmerzen erlösen lassen.

    Mein Rat wäre: Versuche, die Trauer zu akzeptieren, so wie sie sich aktuell anfühlt, nicht dagegen wehren und fragen "wann wird es besser, was hätte ich anders machen können?" Es ist im Moment schlimm. Punkt. Aber es wird besser, wenn du den ersten Schmerz verarbeitet hast und das geht am besten (meiner Meinung nach) wenn du dich nicht gegen ihn wehrst, sondern ihn als das akzeptierst, was er ist: Ein Teil des Lebens. Kein Leben ohne Tod, keine Freude ohne Trauer.

    Natürlich kann die Arbeit dich auch zeitweise ablenken, was vollkommen okay ist, denn grundlegende Alltagsdinge sind leider auch in Trauerphasen zu bewältigen.

    Irgendwann wird der Punkt kommen, an dem du dankbar sein wirst für die gemeinsame Zeit, die ihr hattet!

    Danke für die schöne Zeit: Merlin (2002 - 2018), Orko (2001 - 2019) und Gandalf (2002 - 2016)

  4. #4
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    Ihr seid sooo lieb und ich weiß das ja auch alles. Seine Zeit war abgelaufen und ich habe ihm wahrscheinlich großes Leiden erspart. Leider hilft mir das im Moment nicht. Ich bin jetzt ganz allein und deshalb ist es wahrscheinlich doppelt schwer. Meine Familie (Kinder habe ich nicht) sagt jedes Mal nur: Er hat es doch so gut gehabt bei Dir. Wein doch nicht um einen alten Hund. Er wäre ja so oder so gestorben.
    Ich kann das irgendwie nicht mehr hören. Mein Vater z.B. ist fast 97 Jahre alt und ein Pflegefall. Trotzdem werde ich auch um ihn weinen, das hat doch nichts mit dem Alter zu tun. Leider kann ich mir keinen neuen Hund anschaffen, weil ich wieder mehr Stunden arbeiten muss, um leben zu können. Ich bin ja deshalb jetzt ehrenamtlich im Tierheim helfen. Aber es ist halt nicht das Gleiche wie mit dem eigenen geliebten Haustier....aber ganz lieben Dank für Eure tröstenden Worte...

  5. #5
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    Tömmchen, ich finde es prima, dass du ehrenamtlich im Tierheim hilfst

    Natürlich ist es auch schmerzhaft, wenn jemand, ob Mensch oder Tier, alt war. Ich würde mich auch gar nicht vor anderen rechtfertigen, wenn die anfangen mit "Hat es doch gut gehabt..." blabla. Ich denke, auch wenn ich nicht weiß, ob es bei dir so ist: Oft geht mit dem Tod eines Tieres auch ein persönlicher Lebensabschnitt zuende und man denkt dann so oft "nie mehr..." "Nie mehr dieser Blick am Futternapf", "Nie mehr dies..." usw. Und das zu verarbeiten, braucht eben Zeit, die du dir ohne Druck geben kannst!

    Danke für die schöne Zeit: Merlin (2002 - 2018), Orko (2001 - 2019) und Gandalf (2002 - 2016)

  6. #6
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    Hallo Tömmchen

    Mein Mitgefühl. Es dauert so lange, wie es dauert. Da gibt es kein Patenrezept. Leider Mit der Verarbeitung der Trauer muss jeder selber für sich so klar kommen, wie es für ihn am besten ist. Manchmal dauert es länger, manchmal weniger länger.

    Ich wünsche Dir viel Kraft

    Susanne
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    Dennis,Duke und Frieda

  7. #7
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    Danke. Endlich mal verständnisvolle Worte. Nicht dieses übliche Bla-Bla wie schon beschrieben. Was haltet ihr eigentlich von Tierkommunikatoren? Hätte noch wichtige Fragen an meinen alten Freund. Hat schon mal jemand Erfahrungen damit gesammelt? Eigentlich halte ich ja so was für Quatsch und Abzockerei. Aber vielleicht habt ihr ja schon mal was in die eine oder andere Richtung davon gehört....

  8. #8
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    Ich verstehe dich total! Ich hatte damals, als ich unseren Joschi gehen lassen musste auch keinen Appetit mehr und war richtig in mich gekehrt. Gib deiner Trauer Platz und rede mit Leuten darüber, die dich verstehen und mitfühlend sind (und nicht mit den "er war doch schon alt"-Leuten). Das hilft einem wirklich nicht weiter. Unser Joschi war auch alt und das Einschläfern war eine Erlösung - aber wie du schon geschrieben hast ändert das alles nichts daran, dass der treue Freund nun weg ist und der Platz im Herzen leer.

    Akzeptier die Trauer und lass sie raus. Schäm dich nicht dafür und rede mit guten und mitfühlenden Freunden darüber. Ich bin sicher, ihm ist der Abschied von dir genauso schwer gefallen wie deiner von ihm.

    Alles Gute dir!

  9. #9
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    Nochmals danke für eure tröstenden Worte. Leider habe ich im näheres Kreis keine Tierbesitzer bzw. nur solche, die noch nie ein Tier verloren haben, geschweige denn die Einschläferung entschieden und begleitet haben. Ich hatte meinem alten Freund immer gesagt, gib mir ein Zeichen, wenn du nicht mehr kannst oder willst. Er hatte dann ja aufgehört zu fressen. Ich habe das als Zeichen genommen. Ob es richtig war, weiß ich nicht. Man sagt sich immer: vielleicht wäre er morgen wieder gerne Gassi gegangen. Aber man weiß es halt nicht. Ich muss jetzt langsam auf mich selber aufpassen. Ich esse kaum, schlafe fast gar nicht. Wenn, dann nur auf dem Sofa, weil er die letzten Krankheitsjahre bei mir im Bett auf seiner Decke schlafen durfte. Ich schaffe es einfach nicht, dort allein ins Bett zu gehen. Trotzdem gehe ich 30 Std arbeiten mit ziemlich viel Stress, kümmere mich um meinen Haushalt und um meine betagten Eltern. Mir geht langsam die Kraft aus. Ich bin immerzu müde. Außer bei euch habe ich das Gefühl, niemand kann meine Gefühle nachvollziehen. Ich würde am liebsten nur noch schlafen. Es muss bald besser werden. Aber es ist ja alles erst 5 Wochen her. Die Bilder sind immer noch präsent. Tun immer noch so weh.

  10. #10
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    Das ist natürlich doof, dass du in deinem Umfeld nicht das Verständnis erfährst, das du eigentlich jetzt brauchst...

    Aber ganz ehrlich: Wenn du merkst, dass du in Richtung Depression rutschst - nicht essen und nicht schlafen sind da Alarmzeichen - solltest du dir vielleicht doch professionelle Hilfe suchen. Das mag übertrieben klingen, vielleicht denkst du, da wirst du ausgelacht. Aber aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, es hilft, einfach darüber zu reden. Selbst wenn es für Außenstehende nur um eine "Kleinigkeit" geht - für dich ist es das nicht, und ein guter Psychologe erkennt das auch. Wie gesagt, ich hab das selbst durch.

    Eine Idee, um deinen Schmerz zu verarbeiten: Bastel dir ein Fotobuch, oder auch ein Fotopuzzle. Mit den Bildern verbindest du positive Erinnerungen, das kann auch helfen, dich aus dem Tief zu holen, ohne den Schmerz zu verdrängen (das wäre in der Tat am ungesündesten).

    Ich wünsche dir viel Kraft
    Wenn du einen reichen Freund nicht besser behandelst als einen armen; wenn du der Welt ohne Lüge und Täuschung gegenüberstehen kannst; wenn du sagen kannst, dass es in deinem Herzen keine Vorurteile gegen die verschiedenen Rassen und Religionen gibt; wenn du bedingungslos lieben kannst, ohne Druck auszuüben oder Erwartungen zu haben - dann, mein Freund, bist du fast so gut wie dein Hund.

    Alina und Renée mmmmmmmmund Artus (+ 2007) in liebender Erinnerung

  11. #11
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    5 Wochen sind nicht lange - man kann Jahre nicht binnen einigen Wochen einfach abhaken. Das was Du durchmachst ist normal - für Trauer, seine Zeit, seine Dauer gibt es kein Zeitfenster. Bei dem einen geht es etwas schneller "besser" bei dem anderen dauert es länger. Es tut weh und es zerschneidet einem das Herz.

    Die Entscheidung einer Einschläferung ist nicht einfach. Mir wurde sie abgenommen, mein Hund verstarb in der Tierklinik und ich war nicht bei ihm - das hat auch lange an mir genagt. So oder so - der Gefährte ist nicht mehr da

    Die Zeit wird es für Dich irgendwann leichter machen, erträglicher. Auch wenn es heute nicht so scheint und der Himmel immer noch dunkel und verhangen ist. Sie kommt, die Zeit, die es erträglicher macht. Und eines Tages kommt die Zeit, wo Du mit einem Lächeln im Gesicht Dich an Eure schönen Zeiten erinnern kannst.

    Du hast alles getan, was Du für ihn tun konntest

    Susanne
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  12. #12
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    Zitat Zitat von Tömmchen Beitrag anzeigen
    Danke. Endlich mal verständnisvolle Worte. Nicht dieses übliche Bla-Bla wie schon beschrieben. Was haltet ihr eigentlich von Tierkommunikatoren? Hätte noch wichtige Fragen an meinen alten Freund. Hat schon mal jemand Erfahrungen damit gesammelt? Eigentlich halte ich ja so was für Quatsch und Abzockerei. Aber vielleicht habt ihr ja schon mal was in die eine oder andere Richtung davon gehört....
    Was ist eigentlich ein Tierkommunikator?

  13. #13
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    He Tömmchen,

    auch von mir Beileid. Sowas ist immer hart.
    Bei mir hat es einen Monat gedauert, aber ich bin auch aufgrund von meinem Beruf etwas abgehärtet. Halt einfach durch und vor allem den Kopf gerade!

    LG

  14. #14
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    Hallo Animallove! Das sind Menschen, die behaupten von sich, dass sie auf irgendeiner geistigen Ebene mit Tieren kommunizieren können. Sowohl mit noch lebenden als auch mit verstorbenen Tieren.
    Ich bin leider ein ziemlich nüchterner Steinbock
    Irgendwie würde ich denken, die interpretieren irgendwie nur irgendwas rein und man zieht sich dann raus, was man braucht. Ich dachte nur, dass vielleicht irgendeiner von euch schon mal Erfahrungen damit gesammelt hat; positive oder negative.
    War übrigens heute bei meinem alten Freund im Streuwald des holländischen Krematoriums (wohne an der Grenze in Süd-West-Niedersachen.)
    Seine Gedenkplatte kann leider wegen der tiefen Temperaturen nicht angeklebt werden. Es ist aber ein sehr schöner Ruheplatz, denke ich. Ich werde ihn dort wohl öfter besuchen, wenn mir danach ist. Aber erst einmal muss ich unbedingt wieder zu Kräften kommen, sonst kann ich meine ehrenamtliche Tätigkeit im Tierheim gleich wieder aufgeben.... Seid alle ganz doll gedrückt!

  15. #15
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    Wow, davon habe ich noch nie gehört - wenn da jemand Erfahrung hat, her damit! Das würde mich auch mal interessieren

    Das ist schön, dass du ihn heute besucht hast. Was mir immer hilft bei meinen verstorbenen Haustieren: Am Grab mit ihnen sprechen (also nicht nur gedanklich). Im ersten Moment kommt man sich echt bescheuert vor, aber das hilft wirklich gut. Ich habe meinen verstorbenen Tieren immer erzählt, was ich so mache und dass ich ihnen dies und das so gerne noch gezeigt hätte. Im ersten Moment musste ich immer sehr weinen aber auf die längere Frist hatte ich das Gefühl, dass sie einfach ein Teil meines Lebens bleiben <3

    Alles Liebe Tömmchen!

  16. #16
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    Ja, ich konnte ihn aber nicht richtig besuchen. Er liegt ja in einem Streuwald. Dort gibt es einen See, wo auch die Gedenkplaketten angebracht werden und Kerzen und kleine Mitbringsel abgelegt werden. Seine Plakette ist ja noch nicht dran wegen der frostigen Temperaturen. Ich hab sie aber gesehen, sie ist wunderschön mit seinem Namen, allen Daten und einem Gruß von mir.
    Leider bin ich gar nicht bis zur Gedenkstätte gekommen. Meine alte Mutter wollte unbedingt trotz aller Warnungen mit, konnte dann nach ein paar Metern nicht mehr laufen, wollte nicht stehen bleiben und warten, nicht im Auto bleiben usw. Ich weiß zwar nicht, wo er ausgestreut wurde, war ihm aber endlich wieder nahe. Aber ich konnte mich nicht 1 Minute richtig von ihm verabschieden. Ich bin weinend und wütend wieder mit ihr nach Hause gefahren. Es ist zu weit weg (zwar nur 35 Minuten, allerdings mit Autobahn 30 km, durch viele Ortschaften durch.) Da kann ich nicht mal eben so schnell hin. Ich war so enttäuscht. Ich könnte nur noch schreien...

  17. #17
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    Hallo Tömmchen, ich bin zum ersten mal in diesem Forum und habe deine Zeilen unter sehr vielen Tränen gelesen. Deine Worte lesen sich, als kämen sie direkt aus meinem eigenen Mund... Ich habe vor drei Tagen meinen geliebten Parson Russell "Fionn" gehen lassen müssen, und das hat mich fast selbst umgebracht...seither sitze ich nur mehr da und weine mir die Augen aus. Ich kann nicht klar denken und die Zweifel, ob es vielleicht eine minimalste Chance gegeben hätte, ihn noch zu retten, zerfressen mich zusätzlich. Fionn war weit mehr als nur ein Hund - er war mein Leben.
    Auch ich kriege kaum einen Bissen runter und bin körperlich wie seelisch am Ende...

    Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass meine Traurigkeit jemals besser werden kann...
    Aber so wie du auch, werde auch ich versuchen, nicht jedweden Lebenswillen zu verlieren...

  18. #18
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    Hallo Fion, ich sitze hier auch mit total verweintem Gesicht.. Jedes Mal, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, ist es noch schlimmer als sonst schon. Ich bin wirklich Du am Ende meiner Kräfte. Jeder sagt, die Zeit heilt die Wunden. Aber das stimmt nicht. Sie heilt einfach nicht. Tommi war fast 14 Jahre mein treuer Begleiter und Tröster in schweren Stunden. Jetzt ist niemand mehr da.
    Mit Deinem kleinen Freund tut es mir auch so leid. Ich wünschte, ich könnte Dich mal drücken.... Melde Dich nochmal, ja ? L.G.

  19. #19
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    Hallo Tömmchen,

    ich bin in derselben Lage, wie du.
    Fionn wurde am 23.12.2016 genau 15 Jahre alt, und ich war einerseits so glücklich, dass wir schon so weit gekommen waren, gleichzeitig stieg in mir aber immer mehr die Angst und Gewissheit auf, dass ihm nicht mehr sehr viel Zeit bleiben wird...
    Ich versuchte das so gut es ging zu verdrängen. Habe eine Woche vor seinem Tod noch einen großen Gesundheits-Check machen lassen und die Tierärztin sagte zu mir: Wenn sie heute zuhause sind, geben sie ihm eine extra gute Belohnung - seine Werte (Organe, großes Blutbild, Herzkontrolle, Nierenwerte, Urinkontrolle, usw, usw.) alles TOP. Sie sagte, man käme nie auf die Idee, dass er 15 Jahre alt ist.

    Ich war voller Freude. Wir haben teils noch 2-3 Stündige Spaziergänge gemacht und mit seiner Lieblingsfrisbee gespielt..alles schien gut.
    Ich habe mit Anfang des Jahres ein neues Auto mit Klimaanlage gekauft, damit er es im Sommer nicht mehr so heiß hat, wenn wir unterwegs sind.

    Am 22.1.2017 (also vorvorigen Sonntag) war er total gut drauf, wir waren auch wieder ausgiebig spazieren.
    Da hat er offensichtlich im Schnee verschüttetes Scheibenfrostschutzmittel aufgeleckt... nach sechs Tagen war er trotz zweimaligem Tierklinikaufenthalt tot... Meine Welt hat sich mit diesem Tag um 180 Grad gedreht...nichts macht seither mehr Sinn und ich habe keine Ahnung, wie ich ohne ihn weiterleben soll...

    Auch mir sagt jeder, ich solle nach vorne schauen, wieder das tun, was ich früher auch gerne gemacht habe...doch das alles hat ohne Fionn für mich keinen Wert mehr. Ich liebte ihn abgöttisch, von dem Tag an, als er bei uns einzog und die Liebe wuchs von Tag zu Tag und Jahr zu Jahr.
    Als vor 8 Jahren unsere Mutter ganz plötzlich gestorben war, war er der Grund für mich raus zu gehen und mich nicht daheim zu vergraben...

    Fionn und ich waren 7 Tage die Woche, 24 Stunden zusammen - wo ich war, war er. Und wenn ich mal jemanden besucht habe ohne ihn, hieß es nur: Wo ist Fionn - geht es ihm gut? Er war mehr als mein Hund - er war mein Leben.

    Im Moment scheint es so, dass sich mein Verstand in eine Art Selbstschutzmodus geschaltet hat.
    Ich sitze da und sobald ich zu seinen Lieblingsplätzen daheim oder im Büro schaue, schaltet sich mein Verstand aus und ich kann kein Bild mehr von ihm aufrufen...selbst in meinen Träumen sehe ich ihn nicht, obwohl ich weiß, er kommt im Traum vor, kann ich ihn nicht erfassen...
    Es scheint so, als würde mein Verstand versuchen, mich von der Erinnerung an sein liebes Gesicht zu isolieren.
    Mir ist jede Sekunde zum weinen, doch seit gestern scheint es, als wäre auch diese Funktion betäubt.
    Sobald ich an ihn denken will, bin ich unfähig zu denken - so als würde sich mein Hirn wegschalten...
    Es zerreißt mich, weil ich ihn nicht mehr erfassen kann...es kommt mir vor, als wäre ich plötzlich in Trance...
    habe im Internet gesucht und so wie es aussieht, habe ich ein Trauma erlitten.


    Ich glaube, dass er wirklich tot ist, habe ich in den letzten Tagen noch nicht vollends begriffen, auch wenn ich es weiß, kann ich die Tragweite noch nicht erfassen.
    Mir ist aber bewusst, dass das in den nächsten Tagen, Wochen kommen wird und dann wird es noch unerträglicher... davor habe ich sehr große Angst...
    Mein Herz hat es am Samstag in Millionen Stücke zerrissen...und auch ich habe dieses Gefühl des Zweifelns, ob es irgendeine minimale Chance gegeben hätte, ihn nochmals zu retten...dieser Gedanke zerstört mich, weil ich keine Antwort darauf finden kann.

    Ich wünsche Dir und mir, dass wir beide eines Tages an den Punkt gelangen, an dem wir uns die Fotos unserer beiden Lieblinge anschauen können, und keine Träne mehr an unserem Gesicht herunter läuft, sondern wir ein kleines Lächeln in unseren Gesichtern erkennen, in Dankbarkeit für weit über hunderttausend Stunden, die sie uns so unsagbar schön gemacht haben... LG

  20. #20
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    Ich glaube, wir haben beide ein schweres bis sehr schweres Trauma erlitten. Mein Kleiner war fast 14 und hat mir immer auch in sehr schweren Zeiten zu Seite gestanden. Niemand kann diese Lücke füllen. Ich kann das Gerede von anderen Leuten nicht mehr hören: er hatte doch den Himmel auf Erden bei Dir, Hunde werden nun mal nicht so alt, Zeit die Wunden, er war doch schon alt usw.
    Ich könnte sie dann alle anschreien. Meinen die echt, dass das den Schmerz in irgendeiner Weise lindert. NEIN!!! Ich bin nach wie vor am Ende und wie betäubt. Mittlerweile habe ich mich fast komplett zurückgezogen, gehe nur ins Tierheim um dort ehrenamtlich zu helfen. Aber mit Tommi ist auch ein Stück von mir gestorben. Ich weiß nicht, ob eine Infusion ihn evtl. eine Woche länger am Leben gehalten hätte. Ich weiß es nicht. Tag und Nacht diese Zweifel. Nur wenige - so wie Du - können das nachvollziehen.
    Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Am liebsten wäre ich bei ihm. Was soll ich hier noch ? Ich funktioniere nur noch wie ein Roboter. Bei der Arbeit reiße ich mich zusammen, trotzdem weine ich dort auch. Meine Kollegen wissen Bescheid.
    Meine Mutter versucht mich wenigstens zu trösten, weint aber auch noch um ihn.
    Ich kann nicht mehr..ich kann einfach nicht mehr... L:G:

  21. #21
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    Fionn, entschuldige bitte die vielen Tippfehler, aber ich kann vor lauter Tränen gar nicht sehen, was sich schreibe.

  22. #22
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    Am Freitag war ich nochmals in Holland im Streuwald, um meinen Kleinen zu besuchen. Es ist ein sehr schöner Streuwald. Ruhig und würdevoll. Auf dem für ihn bestellten Gedenkstein ist die Messingplakette mit seinen Daten und dem Satz "So sehr geliebt - und unvergessen " angebracht. Ich habe vor dem Streufeld mit ihm gesprochen und ihn um Verzeihung gebeten, dass ich ihn einschläfern ließ. Ich habe ihm versucht zu erklären, dass ich es nur für ihn gemacht habe. Ich hoffe, es ist im Regenbogenland angekommen. Getröstet haben mich die hundert weiteren Gedenkplaketten für Hunde, Katzen und Pferde. Dann merkt man, dass man doch nicht alleine ist in seinem Schmerz. Nachdem ich 2 Kerzen und einen Gedenkstein mit der Inschrift "Ich vermisse Dich" niedergelegt hatte, bin ich weinend wieder nach Hause gefahren. Am nächsten Wochenende will sich eine Tierkommunikatorin mit ihm unterhalten, sofern er dieses zulässt. Ich verspreche mir allerdings nicht allzu viel davon. Ich befürchte, dass es allgemeine Aussagen geben wird wie : Er vermißt sie auch, ist immer bei ihnen usw. Überzeugen würden mich nur Aussagen, die nur er und ich wissen können. Mal abwarten. Das Geld investiere ich mal, andere spielen Lotto oder rauchen und geben es dafür aus. Ich wünschte, sie würde mich mit Tatsachen überraschen, die sie eigentlich nicht wissen kann. Sie hat nur 1 Foto, den Namen, Geb.- und Todestag. Ich bin so verzweifelt, dass ich sogar so etwas versuche. Irgendwie schäme ich mich auch ein bißchen dafür. Aber mir geht es immer noch so schlecht. Sobald ich von der Arbeit zu Hause bin, muss ich wieder weinen. Dann darf ich. Ansonsten reiße ich mich so gut es geht zusammen. Nachts ist es besonders schlimm. Ich vermisse ihn so sehr....

  23. #23
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    Ich habe keine Erfahrung mit Menschen, die mit verstorbenen Tieren in Kontakt treten, aber wenn es Dir hilft, warum nicht

    Und wenn Du magst, berichte Deine Erfahrung damit - es sich sicher nicht uninteressant.

    Susanne
    Für immer im Herzen
    Dennis,Duke und Frieda

  24. #24
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    Jetzt sind schon 4 Monate vergangen und es ist nichts besser geworden. Trotz Arztbesuchen, Medikamenten, dauernde Aktivitäten, Hilfe im Tierheim - es geht mir nach wie vor sehr schlecht. Bei der Arbeit geht es so gerade. Aber wenn ich nach Hause komme, weine ich jeden Tag. Ich vermisse meinen Kleinen unendlich. Morgen fahre ich wieder zum Streuwald, um ihm eine Kerze und eine Rose zu bringen. Es steht auf seinem Gedenkstein jetzt auch ein Foto von ihm. Dort kann man weinen, die anderen Menschen dort - falls welche dort sind - weinen ebenfalls und schauen einen nicht verächtlich an. Er ist nicht der erste Hund, den ich verloren habe. Aber er war mein Seelenhund. Wir haben viel zusammen durchgestanden. Jetzt bin ich alleine. Er fehlt so sehr. Manchmal wünschte ich, ich könnte zu ihm. Irgendwie bin ich mit ihm gestorben. Die Ärzte können auch nicht wirklich helfen. Und die Zeit heilt keine Wunden. Das weiß ich jetzt. Manchmal kann und will ich einfach nicht mehr. Kennt jemand von Euch das
    Gefühl auch ?

  25. #25
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    Tömmchen, hast du denn ein paar Menschen, die dir nahe stehen und mit denen du dich austauschen kannst? Und damit meine ich nicht unbedingt über deinen Verlust, das auch, aber auch über anderes in deinem Leben, Freude und Leid eben? Hast du mit deinem Arzt mal über eine Psychotherapie gesprochen? Mir scheint, das evtl. doch mehr dich belastet als der Tod deines Hundes.

    Ich wünsche dir jedenfalls, dass du bald wieder nach vorne schauen kannst!

    Danke für die schöne Zeit: Merlin (2002 - 2018), Orko (2001 - 2019) und Gandalf (2002 - 2016)

  26. #26
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    Hallo Sheratan, doch ich hab ja Familie. Die sagen aber alle immer nur das Gleiche, das ich eigentlich ja auch weiß: Du musst nach vorne gucken, war halt alles ein bißchen viel in den letzten Jahren (Scheidung, Krebstod des neuen Lebensgefährten, Tod des Hundes). Beim Therapeuten war ich auch schon. Der hatte allerdings nie ein Haustier. Seinem Gesicht konnte ich ansehen, dass er eigentlich gar nichts nachvollziehen kann. Die Medikamente nehme ich nur, wenn es mir sehr, sehr schlecht geht. Ich bin nicht so für Tabletten. Ich kann nur auf die Zeit hoffen. Aber meine Kraft wird immer weniger. Ich versuche, regelmäßig zu essen. Gehe ja auch zur Arbeit und sonstigen Verpflichtungen nach. Aber alles wie betäubt - wie ein Roboter. Die alten Wege spazieren zu gehen, schaffe ich psychisch nicht. Ich habe es versucht. Wie ich schon sagte, irgendwie ist ein Teil von mir mit ihm gestorben. Ich will und kann mir auch keinen neuen Hund anschaffen. Es gibt keinen Ersatz für ihn.
    Ich verzweifel an mir selber....

  27. #27
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    Ich habe heute den ganzen Tag geweint. Eigentlich wären wir heute ein paar Tage an die Nordsee gefahren - mein Kleiner und ich. War alles gebucht. Ich musste auch meinen Urlaub antreten, obwohl ich ihn gar nicht mehr wollte. Aber ich hatte für dieses Jahr meinen Jahresurlaub im Plan schon für meinen Kleinen in mehrere Teile aufgeteilt. Ich dachte, er hätte mehr davon, wenn ich öfters einmal zu Hause wäre. Jetzt sitze ich hier alleine und es tut so unendlich weh. Er fehlt jeden Tag, jede Sekunde. Uns gab es fast 14 Jahre nur im Doppelpack. Alle fragen nach ihm. Ich hoffe, dass es ihm gut geht und er viele Kumpels gefunden hat, damit er nicht alleine ist. Er war so gerne in Gesellschaft. Lieber Gott, pass mir gut auf ihn auf. Bitte.

  28. #28
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    Hallo Tömmchen,

    Deine Worte haben mich sehr bewegt! Ich kann Deine Trauer sehr gut verstehen und nachvollziehen. es gibt in dieser Zeit auch keine tröstenden Worte. Mir geht es jedes Mal so - immer und immer wieder. (Es gibt nur vielleicht manchmal das Gefühl, mit der Trauer nicht allein zu sein und Verständnis zu bekommen). Zu trauern dauert immer seine Zeit. Und jeder, der trauert hat auch das Recht sich seine Zeit zu nehmen.

    Mit Logik und sachlichem Denken kommt man nicht weiter. Trauer ist individuell wie Du und Dein Tier.

    Von meiner Tierärztin habe ich einmal ein, wie ich finde, sehr schönes ergreifendes Gedicht bekommen. Leider ist der Verfasser unbekannt. Aber es muss ein sehr großer Tierfreund gewesen sein, denn es sind genau die Worte, welche die Seele berühren.

    Dieses Gedicht bewegt mich jedes Mal so sehr, selbst wenn ich nicht gerade trauere. Vielleicht kann es Dir helfen zu sehen, dass Du alles richtig gemacht hast und Dein Kleiner Dir unendlich dankbar ist. Und noch eines: Ich habe schon so viele Tiere begleitet, aber ich sage jedem, dass wir uns wiedersehen. - Wir sehen uns alle wieder.

    Abschied

    Vielleicht werd' ich einst gebrechlich und schwach,
    und quälende Pein hält ständig mich wach.
    Was dann getan werden muss, entscheide allein.
    In diesem Kampf können wir nicht die Sieger sein.

    Und bist du dann traurig, versteh' ich es wohl,
    doch deine Hand vor Kummer nicht zögern soll.
    Denn an diesem Tag, mehr als je zuvor gescheh'n,
    muss deine Freundschaft und Liebe auf's Schwerste bestehn.

    Schau, wir hatten so viele Jahre voll Glück.
    Keine Furcht darf, was kommen muss, halten zurück.
    Du möchtest doch nicht, dass ich leide dabei,
    drum gib, wenn die Zeit kommt, mich bitte frei.

    Bring mich dahin, wohin ich gebracht werden muss.
    Nur eins noch, bitte bleib' bei mir bis zum Schluss.
    Halte mich fest und red' mir gut zu
    bis meine Augen kommen zur Ruh'.

    Ich weiß, mit der Zeit wirst du es wissen,
    es war eine Wohltat, die du mir erwiesen.
    Und denke, wenn ich schon längst nicht mehr hier,
    mir blieb Leid und Schmerz erspart, dank dir.

    Und dann gräme dich nicht, dass du es bist,
    der entschied, wann die Zeit gekommen ist.
    Wir zwei waren doch viele Jahre glücklich vereint,
    lass nicht zu, dass dein Herz jetzt bittere Tränen weint.

    Ich wünsche Dir von Herzen ganz viel Kraft und sende Dir viele liebe Grüße.

  29. #29
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    Lieben Dank für das schöne Gedicht. Irgendwann bin ich vielleicht froh, dass ich ihm das lange Leiden erspart habe. Im Moment überwiegt noch die Trauer und der ewige Zweifel, ob ich alles richtig gemacht habe. Eine Antwort werde ich nie bekommen. Heute war ich am Streufeld bei ihm und habe ihm neue Kerzen und Blumen auf seinen Gedenkstein gestellt. Das hilft mir ein wenig. Ich wüßte nicht, was ich ohne die Menschen hier, die einen verstehen und nicht belächeln, machen würde. Habt lieben, lieben Dank dafür. Ihr helft mir wirklich ! Danke!!

  30. #30
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    Hallo Tömmchen,

    denke daran wie Dein Hund früher war und dann zum Schluss. Oft ist die Veränderung ein schleichender Prozess und man nimmt kleinere Veränderungen nach und nach als normal an.
    Erst wenn man an seine gesunde Zeit denkt und diese mit der kranken Phase vergleicht wird der enorme Unterschied bewusst.

    Letzte Zweifel, wann der richtige Moment für seine Erlösung gekommen ist, sind ganz normal und natürlich. Aber ausschlaggebend muss immer sein, dass Du im Sinne für Dein Tier
    handelst. Und das hast Du getan!

    Weitere Infusionen, Schmerzmittel, etc. verlängern nicht das Leben, sondern den Sterbeprozess. Ich habe Dir ja bereits geschrieben, dass ich das schon viele Male mitgemacht habe.
    Oft zeigen mir die Tiere selbst, wann es für sie der richtige Zeitpunkt ist. Z.B. verkriechen sich Katzen manchmal in dunkle Ecken oder wollen nur noch auf kaltem Boden liegen. Oder
    sie verabschieden sich auf eindrucksvolle Art. Ich schildere Dir mal einen Fall, der mir auch besonders nah ging.

    Zu Weihnachten holte ich eine Katze aus dem Tierheim. Sie war schon geschwächt, bekam Infusionen und fraß nicht mehr selber. Ich wusste, dass sie wahrscheinlich nicht mehr lange
    leben würde, wollte ihr aber ein Zuhause geben, wo sie auch in Ruhe und Geborgenheit sterben konnte. Zwei Tage danach fing sie plötzlich an zu trinken und bekam auch wieder Appetit.
    Voller Hoffnung fuhr ich mit ihr in die Tierklinik und ließ sie gründlich untersuchen. Das Ergebnis war ernüchternd. Nierensteine, Tumor an der Niere, Niereninsuffizienz, Leberverfettung, Herzmuskelentzündung, der Darm war ausgeweitet (konnte also nicht mehr den Kot normal transportieren, sie hätte permanent Einläufe bekommen müssen).

    Die Ärztin und ich waren uns einig, der Katze das Leben noch so erträglich wie möglich zu machen. Für den Moment war sie stabil und musste nicht sofort eingeschläfert werden. Diese Zeit ist für mich immer die schlimmste Phase. Sozusagen das "Todesurteil" zu bekommen und dann zu warten und zu beobachten, wann und wie lange das Leben für mein Tier noch lebenswert ist. Jedenfalls war es bei ihr dann so, dass sie am vorletzten Tag richtig fit erschien. Sie kam sogar von sich aus zu mir und schmuste. Das hatte sie in den 12 Tagen vorher nicht gemacht.
    Insofern war dieses Verhalten nicht typisch für sie. Das erschreckte mich, obwohl ich mich natürlich auch darüber sehr freute. Ja, und am nächsten Tag kam dann auch der Absturz. Sie lag da wie apathisch, wollte nicht trinken und fressen, atmete schwer und war nicht mehr imstande sich zu erheben. Da war die Entscheidung schon gefallen und ich musste nicht für sie entscheiden.

    Meine Katze hatte gespürt, dass sie sterben würde und sich von mir verabschiedet.

    Natürlich hätte in der Tierklinik bestimmt noch einiges getan werden können, z.B. Infusionen, Schmerzmittel, künstliche Ernährung usw. Aber wozu? Mit dieser medizinischen Vorgeschichte war sie alleine nicht mehr zu einem normalen Leben fähig und hätte doch nur gelitten. Und letzten Endes ist das Einschläfern und Erlösen von Schmerzen das letzte Gute, das man seinem Tier mitgeben kann. Auch wenn es sehr, sehr weh tut. Aber man muss immer an das Wohl seines Tieres denken und für es in seinem Sinne handeln.

    Du hast alles richtig gemacht. Ich bin absolut sicher, das würde Dir Dein Hund auch sagen.

    Wenn Du möchtest, können wir uns gerne öfter schreiben und Gedanken austauschen. Wenn Du lieber erst einmal alleine innerlich alles klären möchtest ist das auch in Ordnung.
    Es gibt hier kein Richtig oder Falsch.

    Ich wünsche Dir alles Liebe.

  31. #31
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    Dankeschön. Leider weiß ich Deinen Namen nicht, aber ich möchte Dir sagen, dass mir Deine Mail sehr geholfen hat. Tommi kam auch nicht mehr hoch, er zitterte, war blass, hatte kalte Gliedmaßen und wollte erst nicht mehr fressen, dann auch nicht mehr trinken. Ich denke, meine Entscheidung war richtig. Besser ich leide, als er. Eine Behandlung hätte wohl eher mir geholfen, nicht aber ihm. Trotzdem denkt man immer: vielleicht wäre es ihm 1 Tag später von alleine doch noch einmal besser gegangen. Vielleicht hätte er sich für ein paar Tage wieder berappelt. Wer kann mir das sagen ? Niemand ! Das Risiko war mir einfach zu groß. Ihm war ja auch übel und sein Bauch spannte. Das ist auch nicht angenehm. Ich weiß wovon ich spreche, mein Magen und meine Galle spielen seit seinem Tod total verrückt. Ich kann auch nichts essen und mir ist ständig übel. Nur die Entscheidung, dass er in einer Stunden sterben wird, ist mir bei ihm extrem schwer gefallen. Er hatte noch glänzendes Fell und klare Augen, mit denen er mich wie immer angehimmelt hat. Bei jedem Blick von mir ging noch sein Schwanz hin und her. Und sein Tod stand schon fest. Das tut mir so weh. Ich weiß, es war alles richtig so und ich bin auch dankbar, dass er mir trotz seiner Krankheiten so lange erhalten blieb. Nicht jeder Hund wird fast 14. Aber er hat mir durch sehr schwere Zeiten (Scheidung/Krebstod meines neuen Lebensgefährten nach langen Kampf) hinweg geholfen. Jetzt bin ich halt ganz alleine. Jedes Mal, wenn ich in die leere Wohnung komme, kommen mir die Tränen. Er fehlt mir so. Heute war ich schon um 08.oo h bei ihm im Friedwald in Holland. Ich hatte das Bedürfnis, ihm eine neue Kerze anzuzünden. Keine Ablenkung hilft zur Zeit, irgendwann muss ich ja wieder nach Hause. Ohne Euch hier im Forum weiß ich nicht, was ich tun würde. Ich bin einfach nur müde. So unendlich müde. Ich würde mich freuen, wenn Du Dich nochmal melden könntest. Sei ganz lieb gegrüßt und nochmals vielen vielen Dank für Deine Antwort !

  32. #32
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    Hallo Tömmchen,

    verwende doch einfach meinen Benutzernamen.

    Es freut mich, dass ich Dir ein wenig helfen konnte. Du hast ja schon Einiges durchgemacht in Deinem Leben. Alles zehrt und nimmt einem die Kraft. Ein bisschen der Kraft kommt irgendwann zurück, aber es wird nie mehr die volle Energie. Und jedes Mal, wenn ein schweres Schicksal zuschlägt, ist man oft noch ein Stück weiter unten als beim letzten Mal.
    Dann fällt es noch schwerer aus dem Tal wieder herauszukommen.

    Aber irgendwie geht es immer wieder weiter. Erklären lässt es sich nicht. Während der Zeit des Trauerns fühlt man sich wie in Trance, man funktioniert nur noch ohne wirklich etwas
    zu realisieren. Irgendwann kommen dann doch nach und nach wieder Gedanken in den Vordergrund. Und man versucht zu begreifen, zu erklären und in Worte zu fassen. Aber auch das ist wieder ein längerer Prozess.

    Für mich war es oft das Schlimmste, wenn ich länger um das Leben eines Tieres gekämpft habe bzw. klar war, dass es bei bestimmten Erkrankungen von vornherein keine Aussicht auf
    Heilung gab. Es ist nicht nur "einfach" der Schmerz über den Verlust des geliebten Tieres, sondern das Mitleiden während seiner Krankheitsphase. Du hast ja auch das ständige Auf und Ab
    mitbekommen, immer zu hängen zwischen Hoffen und Bangen und zum Schluss doch zu verlieren. Ich glaube, das sind die schlimmsten Momente in der ersten Trauerzeit. Gerade weil man sich so hilflos und ohnmächtig vorkommt und es ja eigentlich auch war und ist.

    Aber auch das geht irgendwann vorbei. Irgendwie möchte man diese Zeit behalten, weil man sich so seinem Tier ganz nah fühlt, andererseits kommen dann doch Bilder hoch und Erinnerungen die einen immer mehr in die schöne Zeit zurückführen. Auch wenn Du Dir das jetzt nicht vorstellen kannst oder möchtest (verständllicherweise). Du wirst dahin kommen und dann spürst Du nur noch die Wärme in Dir wenn Du an Tommi denkst. An Eure wundervollen gemeinsamen Unternehmungen, an seine Marotten und wie er Dich zum Lachen gebracht hat.

    Manchmal wirst Du bestimmt trotzdem noch traurig werden. Das ist auch völlig in Ordnung. Er ist ein Teil von Dir und Ihr habt alles gemeinsam durchgestanden. Das bleibt!

    Wenn ich an manche meiner Tiere denke, die schon vor ein paar Jahren gestorben sind, kommen mir auch heute noch die Tränen. Doch es ist nicht mehr dieser schlimme,
    betäubende Schmerz. Und fast wie von selbst sehe ich dann aber auch ihre lieben Gesichter, ihre vertrauensvollen Augen und ihren gierigen Blick wenn die Futterdose auf dem Tisch stand.

    Ich hoffe sehr für Dich und wünsche mir, dass Du bald dahin kommen wirst. Aber lass Dir Zeit! Alles in der Trauer hat seine Bedeutung.

    Bis bald und liebe Grüße

  33. #33
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    Es ist schon merkwürdig, dass viele Menschen beim Tod eines Familienmitglieds oder Freundes das sogenannte "Trauerjahr" als selbstverständlich erachten, aber beim Tod eines Haustiers nach ein paar Wochen oder Monaten erwarten, dass man "endlich drüber weg kommt" Als ob das Tier, mit dem man viele Jahre mehr Zeit verbracht hat als mit den meisten Familienmitgliedern, weniger wert war...

    Aus meiner Erfahrung stimmt das mit dem Trauerjahr. Wenn man alle Jahreszeiten, alle Anlässe und Feiern und Urlaube, die man früher mit dem Tier gemacht hat, dann einmal ohne das Tier durchgestanden hat, wird es leichter. Das erste Mal "ohne" ist immer das Schwerste

    Deshalb hat es auch bei mir ein volles Jahr gedauert, bevor ich uns wieder einen Hund ins Haus geholt habe. Aber dann konnte ich Renée auch wirklich annehmen, habe sie nicht mehr mit Artus verglichen - und sie hat es mir und meiner Mutter in den letzten fast 9 Jahren gedankt und uns sooo viel Liebe geschenkt...

    Ich denke immer noch oft an Artus. Manchmal macht es mich traurig, dann blättere ich durch die Fotos oder erinnere mich daran, wie der Riese von einem Hund vor meinem winzigen Meerschwein geflüchtet ist - und fange an zu lächeln. Und wenn das nicht hilft und ich wirklich anfangen muss zu weinen (auch nach 10 Jahren noch), kommt Renée oder ihre Tochter Alina, springt mir auf den Schoß und küsst die Tränen weg...

    Egal ob man um einen Menschen oder ein Tier trauert: Ich finde, man sollte sich erlauben, den Schmerz zu fühlen. Nicht darin zu versinken, sondern ihn als Teil von sich und der Beziehung zu dem Tier anzunehmen. Nur so kann man ihn verarbeiten. Verdrängen oder betäuben führt nur dazu, dass er im Inneren schwelt und modert.

    Tömmchen, nimm dir diese Zeit Lass dir nicht einreden, dass du jetzt endlich "drüber wegkommen" musst. Aber ehre deinen treuen Gefährten auch dadurch, dass du dich an die zahllosen schönen Momente erinnerst. Und weil Hunde nun einmal Rudeltiere sind, kannst du dir 100%ig sicher sein, dass er nicht will, dass du allein bleibst. Wenn ein Hund ein Testament schreiben könnte, würde er seinen Futternapf, sein Körbchen und seinen Platz in deinem Herzen garantiert einem armen vernachlässigten, verstoßenen und ungewollten Hund vermachen
    Wenn du einen reichen Freund nicht besser behandelst als einen armen; wenn du der Welt ohne Lüge und Täuschung gegenüberstehen kannst; wenn du sagen kannst, dass es in deinem Herzen keine Vorurteile gegen die verschiedenen Rassen und Religionen gibt; wenn du bedingungslos lieben kannst, ohne Druck auszuüben oder Erwartungen zu haben - dann, mein Freund, bist du fast so gut wie dein Hund.

    Alina und Renée mmmmmmmmund Artus (+ 2007) in liebender Erinnerung

  34. #34
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    Vielen Dank für Eure lieben Worte. Heute geht es mir besonders schlecht. Alleine heute morgen haben mich 3 Leute nach ihm gefragt. Wir waren ja immer zusammen. Mir fällt es immer noch sehr schwer, seinen Tod zu erklären. Leider musste ich diese Woche meinen Urlaub antreten, obwohl ich ihn gar nicht mehr wollte. Ich hatte im Jahresurlaubsplan meinen Urlaub aufgeteilt für Tommi, ich dachte, das sei schöner für ihn. Um nichts durcheinander zu bringen, habe ich den Urlaub auch angetreten. Wir wären ein paar Tage an die See gefahren. Jetzt geht es nicht mehr. Er fehlt mir so sehr. Nur wenige verstehen das. Sie sagen, du musst weiterleben, auch ohne ihn. Das weiß ich ja alles wohl. Ich weiß auch nicht, warum es gerade bei ihm so besonders schwer war. Er war wohl ein sog. Seelenhund für mich. Wir haben uns ohne Worte verstanden, konnten die Blicke des anderen deuten. Er hat mich den ganzen Tag angehimmelt, war immer auf Körperkontakt bedacht. Kein anderer Hund war so interessant wie ich. Die Leute haben sich oft gewundert. So etwas gibt es wohl nur einmal im Leben. Jetzt ist er fort. Aber seine Zeit war einfach abgelaufen; sein Körper spielte nach 3,5 Jahren Herz- und Entwässerungsmedikamenten in Höchstdosis nicht mehr mit. Wahrscheinlich hat auch sein Blasenkrebs gestreut. Im Bauch war beim Ultraschall vor lauter Flüssigkeit kaum etwas zu sehen. Wenn ich ihn weiter behandeln hätte lassen, wäre es eher für mich gewesen. Nicht für ihn. Ich musste ihn gehen lassen sagte mein Verstand. Mein Herz hat dagegen angeschrien. Aber es half ja nichts. Trotzdem muss ich jeden Tag weinen. Heute fehlt er mir ganz besonders. Ich bin noch nicht in der Lage, seine Fotos zu sortieren. Ich schaffe es einfach nicht. Die Wege, die wir immer liefen, kann ich nicht mehr laufen. Ich schaffe es nicht ! Manchmal schäme ich mich dafür. Eigentlich bin ich hart im Nehmen. Aber sein Tod hat mir die Beine weggerissen. Ich komme einfach nicht wieder auf die Beine, trotz Arztbesuchen, Medikamenten usw. Langsam verzweifle ich. Ich kann eigentlich auch nicht mehr.

  35. #35
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    Hallo Tömmchen,

    es tut mir leid, dass es Dir heute so schlecht geht.

    So ist das aber mit der Trauer. Manchmal scheint sich alles ein wenig zu beruhigen, dann aber reicht schon der geringste Anlass damit der Schmerz scheinbar von vorne beginnt.
    Ich nehme mal an, dass die Leute nach ihm gefragt haben, war so ein Anlass? Dadurch kommen natürlich alle Erinnerungen wieder wesentlich deutlicher zurück.

    Ich merke, wie sehr Du kämpfst. Du schreibst es ja auch ganz deutlich. Versuche nicht zuviel auf einmal in den Griff zu bekommen. Lass die Fotos einfach noch liegen und Eure gemeinsamen Wege gehören noch nicht zu Deinem Leben ohne Tommi. Sie sind für Dich in der Erinnerung an ihn wichtig. Würdest Du sie jetzt ohne ihn gehen , wäre es nicht auszuhalten. Es gibt Nichts, wofür Du Dich schämen müsstest!

    Auch starke Menschen haben ihre schwachen Momente. Das Problem ist für sie, dass diese Momente meist schwerer wiegen, da sie es gewohnt sind stark zu sein oder stark sein zu müssen. Setze Dich nicht selber unter Druck.

    Es ist tatsächlich erstaunlich, wie lange Dein Tommi mit seinen schweren Erkrankungen noch gelebt hat. Ich glaube, nicht nur die Medikamente, sondern auch Deine Liebe und Pflege haben ihm geholfen. Er hat so lange durchgehalten, durch Dich und für Dich. - Ich hatte vor ein paar Jahren einen Kater, bei dem es ganz genauso war. Selbst meine Tierärztin war erstaunt, dass er mit diesen schlechten Nierenwerten überhaupt noch am Leben war. Wir beide waren auch seelenverwandt. Anders kann man es gar nicht ausdrücken. Obwohl er auch schon sehr alt war (18 Jahre) als ich ihn bekam, entwickelte sich in wenigen Wochen ein so intensives Verhältnis. Er wusste, dass er sich zu 100 % auf mich verlassen konnte und zeigte mir seine Dankbarkeit in seinem Verhalten überdeutlich.

    So eine innige Bindung zwischen Tier und Mensch erlebt man bestimmt nur sehr selten. Wahrscheinlich nur ein einziges Mal im ganzen Leben. Das macht das Zusammensein so wertvoll und perfekt.

    Als dann seine letzten Blutwerte sich so massiv verschlechtert hatten, konnte/wollte ich es erst gar nicht glauben. Ich dachte, dass im Labor die Blutproben verwechselt worden seien. Es ging ihm doch noch so gut. Eigentlich waren die Proben ja nur als Kontrolle gedacht gewesen. Aber es dauerte dann nicht einmal mehr 1 Woche, bis es ihm plötzlich deutlich schlechter ging. Und dann ging alles ziemlich schnell vorbei. - Ich dachte, ich hätte ihn noch ein paar Jahre. Ich hatte doch alles für ihn getan.

    Ich schreibe Dir deshalb so ausführlich, weil Du wissen sollst, dass ich Dich absolut verstehen kann. Diese Bindung geht nie mehr verloren. Auch heute noch fühle ich mich mit ihm verbunden, nicht nur so in Gedanken. Ich meine manchmal, ihn noch immer rufen zu hören. Wie gesagt, das ist alles schon ein paar Jahre her.

    Deshalb Tömmchen, schäme Dich nicht wenn Du in Deiner Trauer etwas nicht schaffst. Ich kann auch heute noch nicht seine Bilder ruhig ansehen. Am liebsten sehe ich ihn in meinen Gedanken. Da lebt er so wie ich ihn kannte und es geht ihm gut.

    Denke daran, dass es Deinem Tommi jetzt auch gut geht. Natürlich tut es weh, dass er körperlich weg ist. Aber Dein Hund hatte so großes Vertrauen zu Dir. Und das hast Du nie enttäuscht. Im Gegenteil, als er Dich am Nötigsten gebraucht hat, warst Du für ihn da. Dieses große Glück haben leider nicht viele Tiere. Dein Tommi hatte den besten Freund, den er sich wünschen konnte. Das wusste er. Sogar Dein Umfeld hat ja Eure besondere Beziehung mitbekommen.

    uta_stareprawo hat Dir so einen schönen Satz geschrieben (Aber ehre Deinen treuen Gefährten . . .), dem kann ich mich nur anschließen. Du hattest mit einem außergewöhnlichen Tier eine außergewöhnliche Bindung. Das schönste dabei ist, wie ich finde, dass Ihr es beide auch wusstet.

    Bis bald und alles Liebe

  36. #36
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    Hallo meine Liebe (oder mein Lieber)
    Du hast Recht, es war eine ganz besondere Beziehung. Die alten Leute im Betreuten Wohnen bei meinen Eltern fragen mich jeden Tag nach ihm. Er war sehr freundlich, kannte nichts Böses und ging zu jedem hin und ließ sich streicheln. Er durfte auch offiziell in den Pflegetrakt. Da sie fast alle dement sind dort, muss ich ihnen jeden Tag neu erklären, dass er nicht mehr kommt, weil er tot ist. Das ist sehr hart für mich. Ich schleiche mich mittlerweile zum Aufzug, um nicht gefragt zu werden.
    Es stimmt auch, dass er großes Vertrauen in mich hatte (und ich in ihn). Bei allen Tierarztbehandlungen hat er mich nur fragend angeschaut und wenn ich dann sagte: alles o.k., bleib schön stehen, hat er alles mit sich machen lassen ohne festgehalten zu werden. Sein Blick hing stets an mir.
    Ich bin auch sehr froh, dass er bei mir sterben konnte du nicht bei seinem Herrchen, der sich nicht mehr richtig gekümmert hat. Ich haben nach meiner Scheidung lange und hart gekämpft, damit ich den Hund ganz bekomme. Bis dahin hatte ich ihn nachmittags bis abends und an den Wochenenden. Wenn er abends abgeholt werden sollte, war dies stets ein Drama. Er wollte nicht mit meinem Exmann mit. Es hat mir jedes mal das Herz zerrissen. Dazu habe ich mich dann noch beschimpfen lassen, dass der Hund verwöhnt sei und dass das der Grund für seine Weigerung sei. Ich habe alles, aber auch alles geschluckt nur für Tommi. Ich habe ihm versprochen, ihn NIE im Stich zu lassen und dass er irgendwann ganz bei mir wäre. Als es ihm schlechter ging und mein Ex in Urlaub wollte, durfte ich ihn dann plötzlich für 2 Wochen haben. Ich habe ihn nicht mehr rausgerückt. Das wäre nur mit Polizei oder über meine Leiche passiert. Selbst mein Ex hatte eingesehen, dass es dem Hund bei mir besser ging. Dann kamen die schönsten Jahre in meinem Leben. Auch wenn ich Sorgen um Tommis Gesundheitszustand hatte, ging es ihm doch immer besser und er hat ja auch sehr, sehr lange durchgehalten. Das sagte selbst der TA. Die Prognose lag bei 8 bis 12 Monaten und er lebte bei mir noch 3,5 Jahre. Er hatte aber auch keinen Streß, keine Angst, keine Aufregung mehr. Nur viel Liebe, Pflege und Körperkontakt. Darauf hat er immer sehr viel Wert gelegt und das auch ganz deutlich gezeigt. Ich war nie so glücklich wie in diesen Jahren in meiner eigenen Wohnung zusammen mit dem tapferen Kerlchen. Ich habe für ihn auf vieles verzichtet, habe ihn nur das Nötigste alleine gelassen. Ich bereue dies aber keine einzige Sekunde. Er war es wert. Jetzt bleibt mir nur der Besuch im Friedwald. Am Sonntag in aller Frühe bringe ich ihm neue Kerzen und Blumen. Ich weiß, dort wurde nur seine Hülle verstreut, aber dort ist der einzige Ort, wo ich etwas Frieden finde. Es ist sehr schön und friedlich dort. Viele alte Bäume, ein kleiner See, nur Vogelgezwitscher. Dann halte ich mit ihm Zwiesprache. Ein kleiner Trost für mich. Aber es tut noch sehr weh. Er war wirklich ein besonderer Hund. Er ist für immer ein Teil meines Herzens.

  37. #37
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    Hallo Tömmchen,

    Du hattest einen schweren Kampf! Aber Du hast es gut gemacht und es war richtig, Dich für Tommi so einzusetzen. Du hast Dich nicht provozieren lassen und sogar alle Beschimpfungen ausgehalten. Tommi hat gewusst, was er an Dir hatte. Tiere spüren so etwas.

    Vielleicht MUSSTEST Du ja auch um Deinen Hund so kämpfen, damit Eure Bindung zueinander so unerschütterlich stark werden konnte. Dadurch war er für Dich noch wertvoller und Du für ihn noch wichtiger. Das ist beneidenswert.

    Bitte nimm es mir nicht übel, wenn ich etwas persönlicher werde: Ich finde, Du bist eine tolle Frau! Und ein wahrer Tierfreund!

    Deine Beschreibung des Friedwaldes finde ich besonders ansprechend. Ich kann es mir direkt bildlich vorstellen, es hat tatsächlich eine beruhigende Wirkung. Ich sehe Dich auf einer Bank sitzen, den Vögeln lauschen und an Deinen Tommi denken. Ich kann mir gut vorstellen, dass Du dort auch wirklich in einiger Zeit zur Ruhe kommen wirst.

    Auch den Gedanken, die Asche zu verstreuen, finde ich sehr schön. So kannst Du überall in diesem Wald Tommi begegnen. Es ist natürlich immer eine sehr persönliche Empfindung und Ansicht dazu, aber so wie Du alles geschildert hast, würde mir das für meine Tiere auch gefallen.

    Viele liebe Grüße

  38. #38
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    Liebe/lieber Tiere im Glück!
    Heute ganz früh war ich wie gesagt im Friedwald. Das Wetter war erst gar nicht so angenehm, kühl und windig. Als ich an seinem Gedenkstein stand, kam die Sonne durch die Wolken.
    Ich habe alles wieder gesäubert, sein Gedenkschild aus Messing poliert und die Kerzen erneuert. Auch habe ich ihm eine Solarlampe gebracht, damit sein Foto im Dunkeln beleuchtet ist. Ich habe sehr lange Zwiesprache mit ihm gehalten. Ich habe mich dann auf eine Bank gesetzt und auf den See geschaut. Ich hatte das Gefühl, er sitzt wieder neben mir. Aber meine suchende Hand ging wie immer ins Leere. Es ist so unsagbar schwer. Ich habe so lange und so heftig um dieses Tier kämpfen müssen. Habe mich - wie gesagt - allabendlich beschimpfen und verspotten lassen. Als ich ihn endlich hatte, habe ich für ihn auf alles verzichtet, da ich ja wusste, dass er sehr krank war. Wir haben jeden Tag zusammen bewusst gelebt und genossen. Dafür wurde ich auch den ganzen Tag angehimmelt, sobald ich von der Arbeit wieder zurück kam mittags. Kein anderer Hund/Mensch war so interessant und wichtig für ihn wie ich. Und er war das Wichtigste für mich. Ich hätte so gerne weiter für ihn auf etwas verzichtet, hätte ihn gerne noch länger gepflegt. Mir wäre nichts zu viel geworden. Aber ich hatte Angst, da er schon heftigste Bauchschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen/Durchfall hatte und in absehbarer Zeit erstickt wäre, weil Bauch und Lunge mit Wasser vollliefen. Das wollte ich ihm auf keinen Fall zumuten. So einen Tod hat kein Lebewesen auf der Welt verdient, finde ich.
    Als tolle Frau empfinde ich mich nicht mehr. Man hat mir immer nachgesagt, ich sähe gut aus und viel jünger. Wenn ich jetzt in den Spiegel schaue, sehe ich nur traurige, verweinte Augen und Leere darin. Ich lass mich ja nicht gehen; pflege mich so wie meine Wohnung weiterhin, gehe auch ins Tierheim, um zu helfen, aber ich mache alles automatisch. Wie ein Roboter. Ich streichele die armen Tiere im Heim und kuschele mit ihnen, aber es ist etwas ganz anderes wie mit Tommi. Mein Herz ist nicht offen. Irgendwie ist ein Teil von mir auch gestorben. Manchmal erschrecke ich mich selber darüber. Ich hoffe, mein Herz öffnet sich irgendwann wieder und ich bin wieder ansprechbarer. In den letzten 4 Monaten habe ich mich in meinem Schmerz oft zurückgezogen. Ich wollte auch niemanden mehr belästigen mit meiner Trauer, die ja auch nicht jeder nachvollziehen kann. Nur meine alte Mutter weint mit ihren fast 90 Jahren mit mir; sie hing auch sehr an ihm. Sie spricht jeden Tag mit seinem Bild. Das tut mir gut.
    Ich möchte mich auf diesem Wege einmal bei Dir bedanken, dass wir einen so tollen schriftlichen Gedankenaustausch führen. Wenn es nicht Menschen wie dich gäbe, wüsste ich nicht, ob ich nicht eine Dummheit begangen hätte in meiner Verzweiflung. Sei lieb gegrüßt und hoffentlich bis bald !

  39. #39
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    Hallo Tömmchen,

    was Du bisher alles durchstehen musstest und bewältigt hast, finde ich schon toll. Du bist eine starke Persönlichkeit. Das hat nichts mit dem äußeren Erscheinungsbild zu tun.

    Natürlich siehst Du jetzt in Deiner Trauer anders aus, als wenn Du glücklich bist. Das ist ja nachvollziehbar. Dennoch wird für Dich auch wieder eine bessere Zeit kommen.

    Alleine jetzt die Kraft zu finden noch im Tierheim zu helfen ist bewundernswert. Gerade dort siehst Du doch jeden Tag Leid und Elend. Tiere, die keiner will oder die lästig geworden sind. Wiegt das jetzt nicht alles viel schwerer für Dich? Ich weiß nicht, ob ich das aushalten könnte.

    Du schreibst, dass Dein Herz nicht offen ist. Das ist ganz normal nach einem großen Verlust. Es ist eine Art Selbstschutz die Dein Körper aufbaut. Du musst erst mit dem gewaltigen Berg an Emotionen fertig werden, bevor wieder Platz ist für neue Eindrücke.

    Ich kann das gut nachvollziehen. Man steht irgendwie neben sich und alles wirkt so unrealistisch. Wenn Du jetzt noch einmal zu entscheiden hättest, würdest Du dann anders handeln?
    Du hast doch alles nur Erdenkliche für Tommi getan. Aber es gibt eine Grenze, die niemand überwinden kann. Und wenn der Zeitpunkt gekommen ist, muss man die Kraft finden, das Richtige zu tun. Dein Tommi hat Dir bis zum Ende grenzenloses tiefes Vertrauen geschenkt. Und Du hast ihn begleitet und ihm bis zum Schluss das Beste mitgegeben, das man seinem Tier nur geben kann. Du hast nicht an den Schmerz gedacht, der kommen würde und nicht an die schwere Zeit danach. Du wolltest nur, dass es Tommi wieder besser geht. Ohne Egoismus, absolut selbstlos.

    Du bist eine tolle Frau! Und ein wahrer Tierfreund!

    Ich hoffe so sehr, dass es Dir bald, zumindest etwas, besser gehen wird! Ich schreibe gerne weiterhin mit Dir. Ich glaube, wir haben beide etwas davon.

    Bis bald

  40. #40
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    Hallo liebe/lieber Tier im Glück,

    ach weißt Du, so toll bin ich gar nicht. Es hat mich sehr viel Überwindung gekostet, ins Tierheim zu fahren und meine Hilfe anzubieten. Ja, es ist mir fast schwergefallen. Fremde Hunde - auch wenn sie mir noch so leid taten, weil sie aus der Tötungsstation in Rumänien kamen - anzufassen, ihre sofortige Anhänglichkeit und Vertrautheit mir gegenüber war zunächst ein sehr, ja, unwohles Gefühl, das ich erst gar nicht so recht erwidern konnte. Mittlerweile kann ich es etwas besser vertragen. Aber - wie gesagt - mein Herz ist noch nicht offen. Die Erinnerungen und Bilder von Tommi sind noch zu präsent. Aber für die Tiere beiße ich die Zähne zusammen und nehme ich auch die längere Anfahrt in Kauf.
    Es gibt dort 2 "schwierige" Hunde (angeblich aggressiv), mit denen kaum einer gehen mag. Ich habe überhaupt keine Schwierigkeiten mit ihnen, der große Schäferhund kann bei mir frei laufen, er hört auf's Wort.
    Auf der Rückfahrt weine ich aber oft. Dann überwältigen mich die Gefühle. Eine andere Entscheidung als die getroffene käme für mich auch jetzt nicht in Frage. Vielleicht hätte ich jetzt noch eine 2. Tierarztmeinung eingeholt, die aber sicherlich nichts an der Diagnose und Einschläferung geändert hätte. Vielleicht hätte ich eine Autopsie machen sollen, um sicher zu sein, das Richtige gemacht zu haben. Aber es ist jetzt eh zu spät.
    Und dann komme ich in die leere Wohnung, sehe die leere Ecke, wo sein Körbchen stand und seine Kiste mit Spielsachen. Jetzt steht dort eine Palme. Es zerreißt mir jeden Tag das Herz, wenn ich dort hinschaue. Manchmal frage ich mich, wie ein Mensch so viele Tränen produzieren kann. Aber mein tapferes kleines Kerlchen ist jede Träne wert. Gleich fahre ich wieder zum Arzt. Er ist langsam ratlos, wie er meinen entzündeten Magen und meine Galle wieder in Ordnung bekommen soll. Er hatte nie ein Haustier und ich sehe in seinen Augen oft Unverständnis, das er wohl immer zu verstecken sucht. Er weiß nicht, was ein Seelenhund ist und war total erstaunt, dass es nicht der erste Hund war, den ich verloren habe. Aber wie soll ich das so einem Menschen erklären ? Ich habe es auch bereits aufgegeben. Er sagt, alles käme wieder in Ordnung, weil ich ja weiter funktioniere und er mich nicht krankschreiben muss. Also lasse ich mir neue Tabletten verschreiben und gehe wieder. Aber ich merke, dass ich immer verschlossener werde. Auch meine Kolleginnen haben dies schon bemerkt. Aber im Moment kann ich nicht anders und es ist mir - ehrlich gesagt - auch egal. Wenn es einem schlecht geht, ist man meistens alleine. Das habe ich in der Vergangenheit schmerzlich lernen müssen.
    Nächsten Sonntag ganz früh fahre ich wieder zum Friedwald. Ich freue mich die ganze Woche darauf, obwohl ich auch dort weinen muss, komischerweise aber ruhiger bin, wenn ich da war und seinen Gedenkstein wieder auf Vordermann gebracht habe. Es ist einfach so friedlich dort. Das steckt irgendwie an.
    Ansonsten versuche ich weiterhin irgendwie meine Tage herum zu bekommen; irgendwie halt. Aber es fällt mir zusehens schwerer, zumal ich fast nichts mehr esse. Aber der Körper gewöhnt sich an alles; an wenig Essen und auch an wenig Schlaf. Ich würde alles gerne ändern - kann es aber im Moment einfach nicht. Ich kann nur auf die Zeit und so liebe Mitmenschen wie Dich hoffen, dass es mir wirklich bald wieder etwas besser geht. Nochmals lieben Dank für Deine netten tröstenden Worte. Bis bald ! Ich freue mich!

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