Hallo zusammen,

beim Durchofrsten meiner Dateien ist mir ein Artikel in die Hände gefallen, der vor 5 Jahren bei NTV online veröffentlicht wurde. Vielleicht kann sich der eine oder andere noch an den Braunbären "Bruno" erinnern, der Problembär des damaligen bayersichen Ministerpräsidenten Stäuber. Der ließ ihn letztendlich von einem Jäger genüßlich abknallen. Hier noch einmal der Artikel bei NTV im vollen Wortlaut:

"Schni, Schna, Schnappi
Bruno war Gast bei Freunden


von Heidi Driesner

Der Braunbär "Bruno" ist tot. Er hat uns wochenlang an der Nase herumgeführt. Das lässt kein Bayer auf sich sitzen. Schließlich entstand ja durch das gefährliche Urvieh (Millionen)-Schaden. Die bekanntermaßen im Gesundheitswesen fehlen. Und der Mensch steht nun mal an erster Stelle. Dann kommt eine Weile nichts. Irgendwann kommen auch Bären. Wenn sie kommen.
"Bruno" war nur kurz zu Gast. Freunde hätten ihn gern länger lebend gehabt, Feinde gerne länger vor der Flinte. Ich gehöre zu den Freunden. Gewiss, ich persönlich kenne Bären nur aus Filmen. Und aus dem Zoo, mir sind sie aber in Freiheit allemal lieber. Ich negiere nicht, dass "Bruno" Probleme bereitete, aber ihn zu einem "Problembären" abzustempeln, war wohl etwas zu einfache Politik. Auch Schaden zum Beispiel bei Schafzüchtern richtete der Bär an, weil er das tat, was wilde Bären tun und was seinen Ahnen in Bayern schon vor 170 Jahren zum Verhängnis wurde: Er ging auf Nahrungssuche.
Bruno der Bär war auch für den Menschen super-gefährlich. So gefährlich, dass Mountainbiker noch am Wochenende hinter dem Bären herfuhren, Wanderer hinter ihm herlatschten und ihn in aller Ruhe fotografierten. Ich frage mich: Wieso sollten wir vor Bruno geschützt werden? Wird nicht anders herum ein Schuh draus? Und wieso kommen Wanderer so dicht an den Bären heran, wenn so genannte Jagdkundige das mit einem Betäubungsgewehr wochenlang nicht vermochten? Totschießen konnte man ihn aus sicherem Abstand von 150 Metern. Sind Jäger etwa feige?
Ein Zeuge, der "Bruno" noch am Sonntagabend fotografiert hat, sagte, das Tier sei sogar vor Kühen geflohen. "Der Bär hat mehr Angst vor mir gehabt als ich vor ihm", sagte Thomas Krapichler, Koch in der Berghütte Rotwandhaus, dort, wo Bruno die letzte Stunde geschlagen wurde. Der Bär sei unter seinem Küchenfenster vorbeimarschiert, und er sei rausgelaufen, um ihn zu fotografieren, erzählte Krapichler. Der Bär habe sich getrollt und sei auf einer nahe gelegenen Wiese von Kühen verscheucht worden, als er ein Schaf fressen wollte. Einige Wanderer bedauerten, dass der Bär getötet wurde. "Der hat doch Menschen nichts getan", sagte einer.
Politik und Behörden beteuern, dass der Fangschuss nach wochenlangen Fangversuchen der netten Art die Ultima Ratio gewesen sei. Nur ziemlich verwunderlich, dass das Wildtier justament in dem Augenblick, als drei "Jagdkundige" amtlich bestallt auf der Lauer liegen, blind und doof, wie Bären nun mal sind, vor die Flinte tappst. Wenn ich es schaffen sollte, mich in die Psyche eines Jägers hineinversetzen zu können, würde ich denken: Als anständiger Jäger will man schließlich auch mal was Anständiges vor die Büchse bekommen. Oder? Halali! Der Bär ist tot!
Welchem Politiker soll ich nun sein "Sorry, aber es ging nicht anders" abnehmen? Bayerns Landesumweltminister Werner Schnappauf (CSU)? Der hatte sich vehement geweigert, die Abschussgenehmigung - wie von Tier- und Naturschützern und anderen Experten gefordert -zurückzunehmen. Nun werden Forderungen laut, der oberste Bärentöter möge seinen Hut nehmen. Schnappi für Bruno? Das dürfte genauso übertrieben sein wie der Abschuss des Bären. Versagt als Umweltminister hat er zwar, der Schnappauf, aber vielleicht ist er ja lernfähig. Dem Vernehmen nach soll sich nämlich Brunos Verwandtschaft aus dem Italienischen bereits auf den Weg nach Norden gemacht haben. Da ich das mit dem Lernprozess nicht so richtig einzuschätzen vermag, wünsche ich mir, die Bären-Sippe sollte lieber im Trentino bleiben. Dort kann man offenbar besser mit Bären umgehen. Wir würden uns und den Petzen womöglich wieder nur einen Bärendienst erweisen.
Das Politiker-Mitleid wirkt tatsächlich etwas befremdlich. Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel spricht gar vom "Tod eines großen Europäers", der den Schengen-Freiraum voll ausgeschöpft habe. Ich bin ja gewillt, das als Witz zu verstehen. Makaber ist es trotzdem."

Viele Grüße aus Can Pastilla
Beagletim