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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dominanz



Mili
13.05.2002, 19:57
Hallo alle zusammen,

seit dem wir unseren DSH Rocky haben, versuche ich mich intensiver mit dem "Hundeverhalten" auseinanderzusetzen, da wir uns intensiv mit dem Hund beschäftigen. Auch wenn er meistens bei meinen Schwiegereltern ist, habe ich das Gefühl, daß er gerne mit uns arbeitet und uns respektiert. Ausnahmen bestätigen die Regel!;) Wir besuchen seit 2 Wochen auch die Hundeschule und es klappt wirklich gut.
Nun ja, ich habe mir jetzt auch Bücher besorgt und angefangen zu lesen. Zur Zeit "Hunde sind anders..." von Jean Donaldson. Nun ja, ich bin zwar noch recht am Anfang, aber trotzdem habe ich schon Fragen, v.a. zum Thema Dominanz. Ein Beispiel:
Unser Rocky hört eigentlich ganz gut, aber taucht unterwegs am Horizont ein 4beiniges Wesen auf, so gibt er Fersengeld und stellt die Ohren auf Durchzug. Genauso ist es, wenn wir in einer Hundegruppe spazieren gehen. Mehrfach wurde mir gesagt, daß dies ein Dominanzproblem ist, was mir auch bis zu einem gewissen Grad eingängig ist. Jetzt sagt aber das Buch, es handele sich hier um "konkurrierende Motivation". Klingt für mich eigentlich noch einleuchtender, denn sicherlich ist der andere Hund im Moment interessanter als ich, die dort steht und ruft. Wie würdet ihr das sehen, was stimmt denn nun aus eurer Sicht? Donaldson sagt auch, daß man mit dem Begriff Dominanz viel zu schnell etwas erklärt, meistens handelt es sich gar nicht um solche Probleme. Aber wie erkenne ich, daß der Hund wirklich dominanter ist, als ich? Vielleicht klärt sich das ja noch im Laufe meiner Lektüre, aber eure Meinung würde mich auch interessieren!

LG Mili

P.S.: @ alle, die mir zum Thema Schleppleine geantwortet haben: Danke für eure Ratschläge, habe mich aber entschlossen, erstmal die Finger davon zu lassen und zu sehen, was die Hundeschule bringt!

Alpha
13.05.2002, 22:15
Hallo Milli!
Sobald ein Hund in egal welcher Situation nicht auf Dich(Deine Wünsche/Befehle)hört und sein Vorhaben durchsetzt,ja nicht einmal zögert,es zu tun,handelt es sich um Dominanz oder leichter zu verstehen um Deine fehlende Dominanz.Es ist auch eher so,daß Mensch gerne Wörter/Begriffe/Erklärungen erfindet oder sich aus den Fingern saugt("armer Tierheimhund/rassebedingt/schlechte Erfahrungen/Ängstlichkeit usw."),bevor man von Dominanz spricht.Wenn Dein Hund irgendetwas interessanter findet als Dich,bist Du also nicht interessant,bist also nicht ranghöher als er.denn der Ranghöchste in einem Rudel ist für Hund das Wichtigste und Interessanteste auf Erden,dessen Wünsche/Befehle gerne und immer befolgt werden.
Wenn Dein Hund mal wegrennt,solltest Du auch nicht mehr hinterherschreien(da er Deine Wünsche ja sowieso nicht als wichtig empfindet).Solange Du hinterherrufst,weiß er "da ist sie noch,ich kenne ihren Standort,dann kann ich ja auch erst später zu ihr zurück,denn ich weiß ständig,wo sie gerade ist".Handle direkt oder (fauler Trick)gehe weiter,verstecke Dich,damit er Dich suchen muß.Oder renn ihm hinterher(aber mit aller Konsequenz)und schimpfe mit ihm-das bringt jedoch nur dann etwas,wenn er Dich(damit Deine Wünsche )respektiert,da Du über ihm stehst.
Gruß,Alpha

mercuzia
14.05.2002, 08:53
Hallo Milli,

ich halte es genauso problematisch wie Donaldson, jedem Hund gleich etwas dominates anzudichten!! Ich sitmme, mit ihm überein, daß der Reiz eines z.B. Rehes größer ist als mit Dir spazieren zu gehen. Du mußt also dafür sorgen, daß Du das Wichtigste in seinem Leben bist. Du mußt hier sehr Aufmerksam und kontrolliert arbeiten und Deinen Hund mit größerer Motivation ablenken! Erzähl mal was ihr in der Hundeschule so lernt, würd mich interessieren.

Gruß mercuzia

Mascha
14.05.2002, 10:14
Hallo!

Ich lese auch gerade das Buch :) und finde ebenfalls sehr überzeugend und einleuchtend, was darin steht. Bei einigen Sachen hatte ich richtige Aha-Erlebnisse: "Ja!!! Jetzt verstehe ich endlich, warum..."

Im reinen Hunde- oder Wolfsrudel werden eben doch andere Sachen von einander verlangt als im gemischten Mensch-Hunde-Rudel.

Man kann sicherlich vielerlei "Fehlverhalten" des Hundes mit Dominanz oder Angst oder sonstigen schönen Begriffen "erklären", aber damit hat man eben noch nicht unbedingt etwas gewonnen. Wenn ich möchte, dass mein Hund etwas tut, muss ich ihm doch erst erklären, was ich von ihm will - nur dann kann ich es verlangen. Und für Hunde ist die menschliche Wortsprache eben nicht "von selbst" verständlich.

Ich glaube, viele Menschen machen (unbewusst) den Fehler, von ihrem Hund zu glauben, er verstünde ihre Worte. Bei einem kleinen Kind ist es so: Es versteht die Worte, lange bevor es sie spricht. (Sehr ergreifend nachzulesen z.B. bei Helen Keller & Ann Sullivan.)

Aber wenn auch ein Haushund in vielem einem kleinen Kind ähnelt, so fehlt ihm diese Fähigkeit - das Sprachverständnis - völlig.

Jeden einzelnen Wortbefehl muss der Hund einzeln lernen. Und ihm fällt es leichter, auf körpersprachliche oder andere Signale zu reagieren, als auf Laute. Das macht es zusätzlich schwierig. Und dann können Hunde auch nicht gut verallgemeinern - was im Haus gilt, gilt für sie nicht unbedingt auch auf der Straße; was gilt, wenn nur Menschen dabei sind, gilt nicht unbedingt in Hundegesellschaft.

Ich halte es jedenfalls für ergiebiger, mit dem Hund immer wieder die Befehle sorgfältig zu üben - unter wechselnden Bedingungen - als ihn pauschal als "dominant" (wahlweise "ängstlich", "dieser Rasse zugehörig" usw.) zu bezeichnen!

Viel Erfolg allen - und viel Spaß beim Lesen!!! :)

Mili
14.05.2002, 19:58
Hallo ihr Lieben,
danke für eure Statements, bin zwar nicht wirklich schlauer;) , aber interessant sind die verschiedenen Meinungen zu diesem Thema schon. Zur Zeit neige ich eher dazu, zu sagen, daß es sich nicht um ein Dominanzproblem handelt, sondern eher um diese "konkurrierende Motivation". Ich werde berichten, wie es so weitergeht!
Ihr sprecht immer von dem Hundehalter/Besitzer/Führer in einer Person, auf die der Hund hören sollte, weil man ranghöher ist. Aber wie ist das mit Hunden, die auf jeden hören? Auch hier ein Beispiel:
Meine Eltern haben einen Dackel, der jagdlich eingesetzt wird und daher ganz hervorragend ausgebildet ist und auch hört. Dieser Hund hört jedoch nicht nur auf meinen Vater(eindeutig das "Alphatier"), sondern auf wirklich jeden anderen auch. Sogar unsere 12jährige Nachbarstochter kann mit ihr ohne Leine spazieren gehen, ohne das es Probleme gibt. Klar, manchmal muß sie 2 oder 3 mal rufen, aber dann kommt sie auch. Bedeutet das jetzt, daß sich die Hündin generell Menschen gegenüber rangniedriger fühlt? Dies ist auch nicht nur bei diesem Hund, sondern war ganz genauso bei den Jagdhunden davor(Drahthaar und Deutsch Langhaar). Hängt so etwas auch von der Erziehung ab oder hatten wir bisher immer Glück mit unseren Hunden? Denn so wie ich die Gesetze ser Rangordnung verstehe, muß erst festgelegt werden, wer wo steht. In diesem Fall war es aber nicht so. Ist es zuviel verlangt, wenn ich auch von meinem Hund erwarte, daß er im Prinzip auf jeden hört? *grübel*
Ok, jetzt zur Hundeschule:
Erst waren wir im Anfängerkurs, um zu sehen, was Rocky schon kann. Es war recht schnell klar, daß wir die erste Klasse überspringen durften:p und sind jetzt bei den Junghunden. Dort standen Leinenführigkeit, "Sitz,Platz und Bleib" auch auf Entfernung und in Menschenmassen bzw. zwischen anderen Hunden auf dem Programm. Auch mußten die Hunde an der Leine und dann auf Zuruf durch eine enge Menschengasse gehen. Im Prinzip zog sich als roter Faden immer durch, daß der Hund auch Befehle auf Entfernung annimmt bzw. Befehle weiterhin ausführt, wenn der Besitzer sich entfernt oder andere Reize auf ihn einwirken(wie hier z.B. die anderen Hunde)
Es ist ein bißchen schwierig, dies alles genau zu beschreiben, aber auf jeden Fall hat es mir gut gefallen und ich habe ein gutes Gefühl bei dieser Hundeschule. Kleine Anekdote: Wie in fast allen hundeschulen wird auch hier mit Leckerchen und positiver Bestärkung gearbeitet. Leider nimmt Rocky keine Leckerchen und so hatte ich sein Lieblingsspielzeug mit, was als Motivation dienen sollte. Stellt euch bitte vor, wie doof es aussieht, wenn man versucht statt Leckerchen einen großen gelben Gummiigel, der auch noch quietscht, zwischen die Finger zu klemmen, so wie man es sonst mit leckerchen macht, um entsprechende Handzeichen einzuüben! :) Wir hatten die Lacher auf unserer Seite!
LG Mili