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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : MRSA @ Doc????



Bonzo
02.03.2005, 09:13
Können Katzen MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) bekommen? Ich habe gehört das Katzen Überträger dieser Infenktionskrankheit waren. Wenn ja, wie bekommen Katzen MRSA??
Danke !
:wd:

admin
02.03.2005, 09:53
@Bonzo,
da muss Frau Doc erst einmal passen....:?:
mache mich aber gerne für Sie schlau. Bitte allerdings um etwas Geduld. ;)

:cu:
Dr. Kirsten Thorstensen
Vet Services Manager

Zooplus AG

Bonzo
02.03.2005, 10:31
Danke schön!!

RotFuchs
05.03.2005, 19:09
Hallo Bonzo,

mache ja gerade ne Ausbilung zur MTA.
Da lernen wir auch den S.aureus und seine Familie kennen, zu der ja auch der MRSA gehört.
Meines Wissens ist dieser Keim (der MRSA) zum größten Teil ein echtes Problem in Krankhäusern.
Der eigentliche S.aureus verursacht fast immer "nur" eitrige Infektionen ( auf Haut und Schleimhäuten).

Ich habe bis her nichts davon gehört, das er durch Katzen übertagen wird.

Wie gesagt, der MRSA ist in Krankenhäusern ein großes Problem.

Habe gerade mal gegoogelt und folgendes gefunden:

Bakterien der Art Staphylococcus aureus können bei Mensch und Tier als Bestandteil der Hautflora vorkommen. Beim Menschen sind meist die vordere Nase und die Leistenregion besiedelt.

Staphylokokken sind im Vergleich zu anderen Bakterienarten unempfindlich gegen Austrocknung und können auf trockenen Oberflächen/Gegenständen lange überleben.

Bei Eindringen in normalerweise keimfreie Teile des Körpers kann Staphylococcus aureus Infektionen verursachen. Neben den eher harmlosen Furunkeln können schwere Wundinfektionen, Pneumonien und Sepsisfälle durch diese Bakterien hervorgerufen werden.

Staphylococcus aureus ist einer der wichtigsten Erreger nosokomialer (= im Krankenhaus erworbener) Infektionen.

Die Übertragung erfolgt vor allem über die Hände !

Ein Multi-Resistenter-Staphylococcus-Aureus (ursprünglich Methicillin- resistenter...; benannt nach einem heute nicht mehr verwendeten Antibiotikum, bei dem die Resistenz in den 60er Jahren zuerst beobachtet wurde) ist in seinen biologischen Eigenschaften von den antibiotikaempfindlichen Staphylococcus aureus - Stämmen nicht zu unterscheiden.

MRSA-Stämme produzieren ein verändertes Penicillinbindeprotein. Damit werden sie resistent gegenüber allen Beta-Lactam-Antibiotika (Penicilline, Cephalosporine und Carbapeneme). Diese resistenten Bakterienstämme führen aber nicht häufiger zu Infektionen als ihre antibiotikasensiblen Verwandten.

Eine Infektion mit einem MRSA ist aber wesentlich schwieriger zu behandeln.

Daher muß versucht werden, die Ausbreitung von MRSA besonders im Krankenhaus zu verhindern.



Als Risikofaktoren, die mit einer häufigeren Besiedlung des Menschen mit MRSA assoziiert sind, gelten beispielsweise das Vorhandensein von:

* Intravasalen Kathetern (ZVK, Arterie, Dialyse-Shunt)
* Wunddrainagen
* Wundflächen (postoperativ, Verbrennungen)
* Chronischen Hautläsionen (Ulcus cruris/"offenes Bein", Dekubitus)



Hygienemaßnahmen gegen MRSA

Ziel ist die Verhinderung einer Übertragung von MRSA-Stämmen auf Patienten und Personal. Sobald im Labor ein MRSA nachgewiesen wird, erfolgt eine Information der Krankenhaushygiene der MEK. Möglichst umgehend wird die betroffene Station von der zuständigen Hygienefachkraft besucht. Vor Ort werden die notwendigen Maßnahmen besprochen und weitergehende Informationen über den Patienten erhoben.

Folgende Maßnahmen müssen bei Nachweis von MRSA immer durchgeführt werden:

* Einzelzimmerunterbringung des Patienten (Isolation).
* Sorgfältige Händehygiene: Händedesinfektion nach jedem Patientenkontakt und nach Ablegen von Handschuhen und Kittel !
* Tragen von Schutzhandschuhen und eines Schutzkittels.
* Tragen einer OP-Gesichtsmaske (verhindert die Besiedelung der eigenen Nase mit MRSA).
* Diagnostik/Operation immer am Programmende. Flächendesinfektion erforderlich.
* Bei Verlegungen/Konsiluntersuchungen sollte der Patient begleitet werden. Die besuchte Abteilung ist vorab zu informieren.
* Bei Verlegungen/Entlassungen muß immer sowohl der Krankentransport als auch das Aufnahmekrankenhaus (Altenheim; Hausarzt) informiert werden.
* Die Isolation kann beendet werden, wenn die entsprechenden Voraussetzungen (siehe unter "Therapie") gegeben sind.

Therapie

Zur Bewertung der klinischen Relevanz des MRSA-Isolates und der Planung einer optimalen Antibiotikatherapie sollte sich der Fachkompetenz eines Infektiologen versichert werden. Neben den Kollegen des zuständigen Labors beraten der Infektiologische Konsildienst und die Krankenhaushygiene der MEK in diesen Fragen.

Generell gilt: Eine alleinige Besiedelung mit MRSA ist keine Indikation für eine systemische Antibiotikatherapie.

Regelmäßig erforderlich ist die Behandlung der Nasenvorhöfe mit Mupirocin-Salbe (Handelsname:Turixin), um die Besiedelung der Nase mit MRSA zu beseitigen. Ist der nachgewiesene MRSA-Stamm auch gegen Mupirocin resistent, sollte umgehend mit der Krankenhaushygiene Kontakt aufgenommen werden.

Weitere Sanierungsmaßnahmen werden nach Rücksprache mit dem Infektiologischen Konsildienst und der Krankenhaushygiene festgelegt.

Nach erfolgter Behandlung werden an drei Tagen (z.B. Montag, Dienstag, Mittwoch) jeweils Abstriche aus beiden Nasenvorhöfen, der perianalen Region und von allen Stellen, an denen MRSA zuvor nachgewiesen wurde, genommen. Bei Vorliegen von offenen Wunden, Ulcera oder auffällig veränderten Hautarealen sind diese Bereiche ebenfalls abzustreichen.

Sind alle Abstriche (also mindestens 6 Proben !) MRSA-frei, kann der Patient aus der Isolation entlassen werden.

Die Entlassung eines Patienten nach Hause kann auch bei MRSA-Nachweis erfolgen, wenn die Angehörigen keine Risikofaktoren (siehe oben) aufweisen und der Hausarzt die weitere Betreuung übernimmt.

Bei Wiederaufnahme eines Patienten, der zuvor mit MRSA besiedelt/infiziert war, sind alle oben angeführten Hygienemaßnahmen zu ergreifen. Nach erfolgten Abstrichen ohne MRSA-Nachweis können die Maßnahmen beendet werden.



Literatur:

Empfehlung zur Prävention und Kontrolle von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen (MRSA) in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen. Mitteilung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am RKI, Bundesgesundheitsblatt 1999, 42 (12) S.954-958

© Krankenhaushygiene im Klinikum der Universität zu Köln (10/1999). Telefon 478- 5191, 478-3072, 478-3078. Funk: 1890, 1820, 2275.

Infektiologischer Konsildienst im Klinikum: Prof. Dr. med. H. Seifert (Sprecher): Tel. 3065, Funk: 1893

admin
09.03.2005, 13:11
@Bonzo,
aus humanmedizinischer Sicht hat Rotfuchs ja schon einiges dazu eingestellt.

Nach meiner Recherche und Nachfrage bei einer Kollegin in den USA ist ein Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus bei Katzen kein problem, weil sie ohnehin nicht zu pyodermien (eitrigen Hautentzündungen) neigen.

Generell gibt es immer mehr bakterielle Erreger, die eine Immunität gegen gängige Antibiotika entwickeln, besodners dramatisch ist das in Krankenhäusern, wo es aufgrund unzureichender Hygiene zu Wundinfektionen bei Patienten kommt, die daran durchaus sterben können.

Einen Grund zur Panik, was Ihre Haustiere angeht, gibt es sicherlich nicht.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Kirsten Thorstensen
Vet Services Manager

Zooplus AG

Bonzo
11.03.2005, 08:21
Danke für deine Mühe war wirklich echt lieb von dir. Ich weiß das Staphylococcus aureus, sowie Pseudomonaden ein großes Problem in Krankenhäuser darstellen. Wir bauen gerade mit meinem Chef die Firma Biorec auf. Er hat ein System entwickelt für Waschbecken, speziell für den Siphon der ein großes Keimreservoir darstellt. Durch den Einsatz dieser Entwicklung konnten wir nachweisen, dass keine Feuchtkeime aus dem Waschbecken treten. Somit werden nosokomiale Infektionen deutlich vermindert. Durch Recherchen bin ich auf eine Frau im Internet gestoßen die sich durch die KATZE an MRSA angesteckt hat. aus diesem Grund habe ich näher nachgefragt. Leider habe ich die Seite nicht abgespeichert. Ich kann es mir auch nicht wirklich vorstellen, dass die Katze diese Krankheit übertragen hat.
Danke @ Doc für Ihre Mühe
:wd:

admin
14.03.2005, 17:27
@Bonzo,
leider ist es nicht selten so, dass Haustiere als Ursache herhalten müssen, wenn für die Kollegen Humanmediziner keine andere Infektionsquelle auszumachen ist.....:(
Tatsächlich dürfte das in den seltensten Fällen der Fall sein....die Kenntnisse über Zoonosen sind oft recht dünn....


Mit freundlichen Grüßen
Dr. Kirsten Thorstensen
Vet Services Manager

Zooplus AG