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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : kinderängstlicher Hund



Briddy
11.04.2004, 07:34
Hallo, kennt einer von Euch Foris Hunde, die Angst vor Kindern haben? Was tut Ihr dagegen bzw. wie geht Ihr damit um? Auslöser dieser Fragerei ist folgendes: Meine Hündin Jenna - früher extrem ängstlich, da vom Bauernhof stammend und null sozialisiert - hat sich ja in ihren 3 Lebensjahren an vieles gewöhnt und geht sehr viel gelassener mit allem um als früher, aber ihre Angst vor Kindern sitzt tief. Leider mochte mir auch nie jemand seine Kinder zwecks Desensiblisierungstraining ausleihen ;-) Wir gehen jedes Wochenende mit zwei Frauchen und deren Wuffs spazieren und seit einiger Zeit kam deren kleine Nichte - ein echt hundeangst-resistentes Mädel - mit. Da sie mit den Hunden viel spielte, war mein Wöffel bald recht begeistert von der Kleinen. Das erste Kind, das sie anfing zu lieben! Ich hatte den Eindruck, das sich das auch auf andere Kinder übertrug, denn vor kurzem hatte sie sich eine aufdringliche Dreijährige nur mit einem leisen, fast zarten "Wöff" vom Leibe gehalten. Verglichen mit dem vehementen Verbellen von früher ein enormer Fortschritt, sie hätte ein Kind früher auch gar nicht erst so nah rankommen lassen. Letztes Wochenende passierte aber folgendes: Ich ging den beiden anderen Frauen entgegen, mein Hund lief vor, um sie zu begrüßen, und anschließend zu dem weiter hinten mit den Hunden spielendem Kind. Dem fiel leider nichts besseres ein als wie von einer Kanone abgeschossen auf Jenna zuzurennen. Die ließ vor Schreck ihren Ball fallen, klemmte den Schwanz ein und rannte davon. Den Rest des gemeinsamen Weges hielt sie immer 5 Meter Abstand von dem Kind und warf ihr mißtrauische Blicke zu. Dieser Vertrauensbruch hat sie so mitgenommen, daß sie abends nicht mal fressen wollte. Mal wieder ein Fall für Rescue-Tropfen, danach ging's ihr besser. Jetzt stellt sich die Frage, soll ich das Kind in nächster Zukunft eher meiden oder trotzdem mitgehen, damit Jenna merkt, daß ihr ja gar nichts böses passiert. Da sie ja in Feld und Wald nicht angeleint ist (jetzt kommt mir aber nicht mit Leinenzwang wegen Brut- und Setzzeit;-), kann sie ja ihre individuelle Fluchtdistanz halten und evtl. nach eigener Entscheidung verringern. Nach meiner Erfahrung mit dem Hunde tendiere ich zu letzterem, aber was raten mir die erfahreneren Hundehalter? Danke für Euren Rat.
Briddy

kallewirsch
11.04.2004, 09:35
hallo briddy,

ich habe hier auch so einen Fall zu Hause. Meine Hündin ist in diesem Monat ein Jahr alt und kommt über Istanbul zum Mainzer Tierheim und dann zu uns. Da ich selbst keine Kinder habe, hier aber um die Ecke sowohl der Kindergarten als auch die Grundschule sind, wollte ich aber einen "Kinderstressfreien Hund". Das war aber nix. Wir sind so vorgegangen.
1. Ich habe mir in der Nachbarschaft vier Elternpaare mit Kindern und Hunden ausgeguckt, deren Kinder alle unterschiedlich alt sind (1-8 Jahre). Mit denen habe ich besprochen, dass wir das Vorbeigehen üben. Also die Kinder bleiben stehen, tun wenn es geht nichts und der Abstand zwischen Hund und Kind wird immer geringer. Das haben wir so 7-8 Wochen durchgezogen. Etwa so 3-4 Mal die Woche.
2. Anschließend bin ich mit unserer Hündin auf die Parkbank vor dem Kinderspielplatz und habe mich da hingesetzt und gewartet bis mein Hund ruhig wurde. Das waren auch noch mal so 4 Wochen, weil das Wetter ja lange Zeit so blöd war und die Kinder nicht in der Kälte spielen wollten
:rolleyes:
3. Im Freilauf versuche ich es auch immer mit hunderesistenten Kindern, die uns begleiten. Das klappt momentan aber nur dann wirklich gut, wenn andere Hunde dabei sind.
4. Wir arbeiten weiter dran. Sind jetzt sozusagen im 6. Monat.
Ich lasse mir da aber auch viel Zeit, weil ich meine Hündin, die auch so schnell gestresst ist, nicht überfordern will.
Also wirklich nur Babyschritte.

PS: Ich arbeite übrigens mit dem Clicker und baue die Übungen auch ganz langsam auf, weil die Kleine auch nicht so schnell ist mit ihrem Köpfchen (Kangalmix halt:D )

Noch mal zu deiner Frage: Ich würde das Kind auf jeden Fall mit nehmen, aber vorher versuchen klare Verhaltensregeln abzusprechen. Müssen ja nur 5 oder 10 Minuten sein, damit du deine Hündin nicht überforderst (und das Kind natürlich auch nicht:p )

Liebe Grüße und noch frohe Ostern

Bettina und die Esenheimer Rasselbande

billymoppel
12.04.2004, 08:04
hallo briddy,
sicher ein schritt zurück, die situation. aber so ist das immer: zwei schritte vor und einer zurück. ich würde das verhalten des kindes auch nicht als vertrauensbruch bezeichnen, damit tust du dem kind unrecht. es hat aus unserer sicht sicher einen fehler gemacht, aber dafür ist man halt kind.
ich würde die gemeinsamen spaziergänge auf jeden fall fortsetzen! ich kenne das kind nicht, aber ich würde auf jeden fall mit ihm reden. ich habe damals mit unserem vierjährigen nachbarsjungen geredet, als moppel ins haus kam und dachte auch: "genauso gut könnte ich gegen eine wand sprechen, er versteht es eh nicht." aber da hatte ich den kleinen mann unterschätzt.
richtig ist, wie du schon schreibst, dem hund stets eine ausweichmöglichkeit zu lassen und natürlich auch, den hund aus der situation zu entfernen, wenn du anzeichen von streß beim spürst. nicht gleich beim ersten streß, aber immer, bevor die situation umkippt. soein kleines mädchen ohne anghst vor hunden ist sicher das beste, was dir und deinem hund passieren kann, so wie es im nachhinein unser nachbarsjunge war und ist.
ich war über ostern meinen elf monate alten neffen besuchen und hatte grosse angst, was moppel angeht. aber sie hat sich, gemessen am ausgangszustand, ausgesprochen gut geschlagen. der kleine ist nämlich auch hundefixiert und es ist unglaublich, in welchem tempo er den hunden hinterher robben kann. dazu ist er natürlich entsprechend laut und seine feinmotorik läßt noch zu wünschen übrig. billy war natürlich der fels in der brandung, das hatte ich auch nicht anders erwartet, aber moppel hat mich wirklich überrascht. natürlich habe ich immer darauf geachtet, dass wenn der streß für sie überhand nahm, sie pause auf der terrasse machen konnte.
moppel ist übrigens ein hund, den ich mit viereinhalb jahren und null sozialisation und ohne richtige beißhemmung übernommen habe!
anfügen will ich noch: natürlich habe ch auch stets moppel gegenüber keinen zweifel daran gelassen, dass ich davon ausgehe, dass sie mit kindern zurecht kommt. dass ich das WILL und daher auch nur in grenzen verhandlungsfähig ist.

lg
bettina

rocky1
12.04.2004, 08:44
Hallo Briddy!

Mein Wauzi hat ebenfalls Angst vor Kindern, leider ist er der Meinung, dass Angriff die beste Verteidigung ist und hat sogar schon nach einem fremden Kind geschnappt.
Nach dieser auch für mich schockierenden Erfahrung, bleibt Rocky jetzt an der Leine bzw. bei Fuß, wenn irgendwo Kinder auftauchen.
Ernst wirds nur, wenn die Kinder ihn trotzdem streicheln wollen. Wenn ich dann sage, dass er lieber nicht gestreichelt werden sollte, sehen mich alle an, als ob ich eine Bestie an der Leine hätte. Hm, ist halt nicht ganz so einfach. Da Rocky mittlerweile zehn ist, und immer diese Angst hatte, und die verschiedensten Tricks (Kinder mit Leckerchens, usw.)nichts genutzt haben, akzeptiere ich diese Macke von ihm, da er ansonsten ein wahrer Traumhund ist.
Trotzdem wünsche ich Dir viel Erfolg auf Besserung mit Deinem Wauzi, ich denke mit Geduld schaffst Du das!!

Viele Grüße
Anne & Rocky :cu:

Briddy
12.04.2004, 09:44
Danke für Euren Zuspruch, dann werde ich wieder mitgehen, wenn das kleine Mädchen dabei ist. Zum Glück war es nie und ist es nicht so, daß Jenna generell kleine Kinder haßt und einfach so auf sie losgeht. Sie weiß auch genau zu differenzieren, ob die etwas tun, was sie angeht oder eben nicht. Soll heißen, wir können an einer Wiese sitzen, wo Kinder Fußball spielen, das findet sie höchstens interessant. Wir können auch an einem Spielplatz voller kreischender Kinder vorbeigehen, das macht auch keine Angst. Alles ist in Ordnung, solange die Kids sich nicht tatsächlich oder vermeintlich ihr zuwenden. Aber wenn die Kiddis auf sie zulaufen und/oder ihr in die Augen starren o.ä., dann hält sie sie deutlich durch bellen auf Abstand.

@rocky
Wenn fremde Kinder auftauchen, nehme ich Jenna vorsichtshalber an die Leine. Normalerweise geht das problemlos, einfach an Kindern vorbeizugehen. Nur weiß man leider nie, ob die Kinder nicht plötzlich zu schreien und zu zucken anfangen vor Angst. Und dann kriegt's mein Wuff auch mit der Angst, manchmal weiß man echt nicht, wer eigentlich mehr Angst hat. Ist mir schon passiert, da gingen wir in der Stadt fast 10 Minuten unbemerkt hinter einer Familie mit 2 kleinen Mädchen her. Kein Problem, bis sich die Kinder umdrehten und plötzlich wie am Spieß anfingen zu schreien. Natürlich fing dann Jenna an zu bellen und das Chaos war perfekt. Ich habe ja einen bösen Hund....:mad:

@billymoppel
Ja, Du hast recht, vermutlich ist das hunderesistente Mädel wirklich das beste Mittel gegen Jennas Angst. Mit "Vertrauensbruch" meinte ich eigentlich: aus Sicht des Hundes. Das Kind weiß es ja nicht besser. Übrigens hatte ich den Eindruck, daß die Situation - wenigstens ein Vorteil - durchaus einen Lerneffekt für das Kind hatte. Das Mädel hat schon gemerkt, daß ihr Spielkamerad plötzlich nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte, und hatte einen recht nachdenklichen Gesichtsausdruck. Die Chancen stehen vielleicht gar nicht so schlecht, daß sie versteht, was sie falsch gemacht hat.
Viele Grüße
Briddy
die sich auf den heutigen Spaziergang nicht so wirklich freut, weil sie wegen der vielen Osterspaziergänger mit kleinen Kindern Jenna wahrscheinlich dauernd anleinen muß. Nerven tut's ja doch irgendwie.

manurtb
13.04.2004, 14:12
Hallo Briddy,

erklär aber bitte dem Mädchen, wie sie besser mit dem Hund umgehen sollte. Ich glaube, dass man so kleinen Kindern durchaus eine tragende Rolle in so einem 'Stück' geben kann. Die wollen helfen und wachsen an solchen Aufgaben!