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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neues schwieriges Familienmitglied!



irene
29.04.2003, 18:16
So, wir haben ein neues Hundchen aus dem TH, nachdem wir unseren Zwergschnauzer leider vor drei Wochen verloren haben und Hundchen ist genau die richtige Beschreibung für die kleine Dame - ein Zwergschnauzer- (Yorki?)Terrier-Mix, ca. 5 Jahre alt, wir sind ihr drittes oder viertes Zuhause, muss ich noch mehr sagen??
Ich habe sie im Internet entdeckt im Zergportal als Notfall (kann nicht alleine bleiben und hat im TH fürchterlich gelitten) in einem TH ca. 120 km entfernt. Tagelang habe ich meiner Familie nichts davon gesagt, da ich eigentlich keinen Hund wollte, der mich so an unseren Chicco erinnert und auch keinen so kleinen Hund, denn wenn sie sterben, ist es, als ob man ein Baby verliert, selbst wenn sie alte Herren sind!
Aber speziell meine beiden Männer ( Sohn und Gatte) haben so getrauert, dass es mir dann doch unfair erschien, also habe ich den beiden ein Bild gezeigt und ihnen die Entscheidung überlassen, na klar, keine Stunde später sind wir gefahren und haben sie geholt!

Nun ist sie seit ein paarTagen bei uns und einfach völlig durch den Wind! Im TH wurde sie als sehr dominant beschrieben, duldet keine anderen Hunde neben sich, absolut verschmust und anhänglich. Mit so gearteten Hunden hat unser ´Janno ja nun ausreichend Erfahrung gesammelt und für eine echte Auseinandersetzung ist er doch eine Nummer zu groß für sie und so ist das zumindest mal momentan kein Problem. Aber ansonsten, hmmm, wie soll ich sagen, sie ist hinundher gerissen zwischen "Ich möchte an dir kleben und du sollst mich zu Tode streicheln" und "Ich habe solche Angst vor jeder Berührung und möche mich unter dem Bett verstecken".
Wenn ich nur auf die Toilette gehe, macht sie Kopfstände im wahrsten Sinne des Wortes, wenn ich wieder da bin, sie geht auf denHinterbeinen wie ein Zirkushund und macht Purzelbäume, sie rollt richtig über denKopf ab und liegt dann auf dem Rücken vor einem, das alles in dem Bemühen einem zu unablässigem Streicheln zu animieren und ja nicht wieder weg zu gehen. Sie arbeitet sich richtig auf dabei, kriecht dann unter den Tisch und hechelt, muss schnell wieder zu Atem kommen um dann weitere Kunststücken aufzuführen.
Jegliche andere Berührung wertet sie scheinbar als Angriff auf ihr Leben, dabei läßt sie sich alles gefallen, verharrt in angstvoller Regungslosigkeit bis man sie entläßt, um sich dann sofort irgendwo zu verkriechen und Stundenlang nicht mehr hervorzukommen, so geschehen bei Augenbrauen etwas nachschneiden, Anus ganzganz vorichtig ansehen, noch nicht mal berühren, nur Schwanz etwas anheben (denke sie hat Schwierigkeiten mit der analdrüse), Treppen hochtragen....

Tja,und was mache ich da jetzt? Meine Idee dazu ist, dass ich einfach wenig mache und versuche ein suveräner Alpha für sie zu sein. Mit der Familie habe ich abgesprochen, dass wir versuchen werden, sie möglichst nicht zu streicheln, wenn sie sich derart "prostituiert", erst wenn sie sich zumindest ein wenig beruhigt, ansonsten bekommt sie sowieso bei jeder passenden und eventuell auch unpassenden Gelgenheit Zuwendung, sie darf zunächst in niemandes Bett schlafen, sie bekommt nichts vom Tisch, wenn wir essen und sie bettelt und alles weitere wird man sehen, wenn weitere "Unarten" nach und nach zu Tage treten, wenn sie etwas sicherer wird. Und davon hat sie genügend, da bin ich überzeugt, ich gehe davon aus, dass sie ihr kleines Köpfchen am Ende immer durchsezten konnte, denn wer kann soll kleinen kugelrunden Teddybär-Knopfaugen widerstehen?? Das kann ja ich kaum! :D

Hat irgendwer nützliche Ideen zu diesem Fall?

Grüße

Irene mit Janno und Lizzy

Cheeky
29.04.2003, 21:28
Hallo!

Dein Beitrag kam mir sehr bekannt vor, denn ich habe auch einen Hund aus schlimmen Verhältnissen (reine Zwingerhaltung), der ähnliche Verhaltensweisen gezeigt hat bzw. immer noch zeigt. Seitdem sie hier ist, hat sich ihr Wesen sehr zum Positiven verändert, doch ihr einige Macken, die sie hat, werden wohl für immer bleiben. Natürlich bin ich bei ihr besonders vorsichtig und lieb, aber habe auch von Anfang an versucht, Normalität ins Rudel zu bringen. Sie läuft halt mit, und bei Sachen, wo ich weiß, daß sie Probleme hat, helfe ich ihr. Ich liebe diesen Hund und akzeptiere sie so, wie sie ist. Eurer Hündin solltet Ihr einfach ein bißchen Zeit geben, aber ganz verändern wird sich ihr Verhalten nicht. Mit der Zeit wird sich alles einspielen. Irgendwann wird es für Euch völlig normal sein, daß sie bestimmte Sachen macht oder auch nicht macht. Genauso ist es bei mir. Wichtig ist, daß Ihr sie nicht so sehr bedrängt. Meine Hündin kann das bis heute nicht leiden. Wenn Sie Zärtlichkeit sucht, kommt sie zu mir und dann wird gekuschelt. Klar verkrampft sie auch da dabei, aber mittlerweile registriere ich das nicht mehr so; weiß aber, daß sie es trotzdem genießt.
Freue mich für Eure Hündin, daß es sie nun endlich gut hat und Leute gefunden hat, die sich auch ein paar Gedanken um sie machen.

Viel Glück und Spaß!
Cheeky

mellyonsurf
30.04.2003, 13:20
Bevor ich mich hier "schriftlich ergieße" mal ´ne ganz doofe Frage: WER ist Janus? Ein zweiter Hund oder euer Sohn???:confused:

LG

irene
30.04.2003, 13:40
@mellyonsurf: Janno ist unser anderer Hund, ein riesiger weiß-schwarzer, italienischer Straßenhund, jetzt gut ein Jahr alt. In Ivonne´s "Bilder von euren Wauzis"-Thread in "Hunde von A-Z" gibt´s Bilder von Janno und Chicco zu sehen. Da ich früher schon geschrieben habe, dachte ich, das wäre bekannt.

@Cheeky: Ob sie wirklich aus schlechter Haltung kommt? Ich weiß es nicht. Natürlich hat sie ein absonderliches Verhalten, aber das kann an allem mögliche liegen. Sie fürchtet sich, wenn man eine Zeitung durch die Wohnung trägt, aber ich kann mir einfach beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand einen Hund, der noch nicht mal 5 kg wiegt, mit ner Zeitung schlägt! Aber was weiß man schon. Trotzdem weiß ich, dass Hunde aus dem TH ganz absonderliche Ängste haben, die nichts mit früheren Mißhandlungen zu tun haben, auch wenn man das immer sofort vermutet. Es gibt auch Hunde, die immer schon in der gleichen Familie leben und sich vor Männern fürchten, obwohl ihnen noch nie einer was getan hat. Also jedenfalls gehe ich nicht davon aus, dass sie soooooo schlecht behandelt wurde. Aber in diesem Tierheim, aus dem wir sie haben, war sie schon das dritte mal jetzt, ich glaube, das alleine reicht für alle möglichen Absonderlichkeiten.

Grüße

Irene mit Riesen-Janno und Minni-Lizzy

Ilona
30.04.2003, 15:55
Hallo liebe Irene,

Glückwunsch zu Eurem Nachwuchs und viel Glück mit der Lütten. Ich bin recht neugierig auf Deine weiteren Berichte, echt mal:)

So richtig was raten, was man tun kann, fällt mir echt schwer. Deinen Ideen dazu kann ich nur zustimmen, so würd ich es auch machen. Je weniger Gewese um die Kleine, um so besser:) Allerdings ist das von Dir beschriebene Verhalten schon so eine Sache für sich und gibt mir schon zu denken. Es ist einfach zu extrem. Zumindest lese ich es so.

Sollte sich dieses Verhalten auf absehbare Zeit nicht ändern, denk vielleicht mal dran, sie von einem Tierarzt checken zu lassen (Blut, Hormonspiegel, Schilddrüse etc. etc.). Klar werden sie im Tierheim untersucht, die Vierbeiner, aber ob auf eine krankheitsbedingte Ursache hinsichtlich eines solchen Verhaltens hin, wage ich zu bezweifeln.

War mir nur grad so eingefallen. Möglicherweise bringt einen das auf die Spur dieser Verhaltensauffälligkeit. Möglicherweise ja auch nicht. Umso besser für ihren Gesundheitszustand.

Also ich bin neugierig auf weitere Berichte:)

Lieben Gruß

irene
30.04.2003, 18:24
Der TA brennt mir natürlich auf den Nägeln! Das wäre mein erster Gang gewesen, aber nachdem sie derart panisch auf jede Berührung, die nicht direkt eine Steicheleinheit ist, reagiert, habe ich es ein wenig aufgeschoben. Aber sicher nicht lange, denn da bin ich ja ein gebranntes Kind. Irgendwie habe ich auch ein wenig Angst davor und denke mir, hoffentlich ist sie halbwegs gesund, diese letzten Monate mit Chicco haben mächtig an meinen Nerven gezerrt!
Sie hat zB so eine seltsame Art zu laufen, erst dachte ich, ihr fehlt etwas an der Hüfte ( na prima, sowas hatten wir ja erst), aber jetzt glaube ich, sie kann es einfach nicht richtig! Sie kommt garnicht richtig vorwärts dabei, wenn sie es denn mal probiert, sieht völlig ungelenk und unkoordiniert aus, sie hat ganz dünne Beindchen, null Muskeln, viel zu lange Krallen......ich glaube, sie muss es erst richtig lernen. Mein Mann meint, sie war ein reiner Wohungshund, da könnte was drann sein. Das finde ich dann wieder richtig schlimm!
Aber ich will sie nicht allzusehr bedauern und wir alle freuen uns darauf, ihr jetzt bis an´s Ende ihres hoffentlich langen Lebens ein hundegerechtes Umfeld zu bieten!
Ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe ich Janno gegenüber, denn ich hätte ihm ja auch einen adequaten Spielkammeranden suchen können und nun muss er sich wieder mit so nem Zwerg begnügen! Nur gut, dass er ALLE Hunde liebt!

Liebe Grüße

Irene und ......na weißt schon

Cheeky
30.04.2003, 20:28
Hallo,

muß jetzt auch mal wieder meinen Senf dazugeben. Hatte auch mal eine Hündin aus Kistenhaltung, die auch sehr komisch lief und null Muskeln hatte. Wegen HD würde ich mir keine Gedanken machen, da sie doch eher klein ist, oder?

irene
30.04.2003, 20:54
Oh mein Gott, was es alles gibt! Hat sie denn richtig laufen gelernt? Lizzy ist ja schon fast fünf Jahre, die wird doch hoffentlich irgendwann in ihrem Leben richtig rauß gekommen sein, wenn nicht bei ihrem letzten Herrchen, so doch bei den vorletzen!?
Unser Zwerschnauzer Chicco ( war auch aus dem TH) war eine totale Rennsemmel und wenn er einmal nicht rannte wie verrückt, dann hatte das immer schwerwiegende Gründe, in diesem Falle waren es die Bandscheiben. Auf die (für mich beruhigende Idee im Sinne des Gesundheitszustandes ) mit dem Wohnungshund bin ich gekommen, weil meine Nachbarin kürzlich einen Minni-Minni Yorki aus der Verwanschaft zur Pflege hatte und der wird eigentlich immer nur getragen. Der zeigte einen ähnlichen Laufstil. Natürlich hat das Vögelchen auch null Kondition. Wir waren heute Nachmittag 1 1/2 Studen draußen, sind aber nicht allzuweit gegangen, da wir mit ihr sehr langsam unterwegs sind, Gott sei dank treffen wir immer Hunde, mit denen sich Janno austoben kann, sofern er das will, da steht sie dann nur bei mir und geht keinen Schritt. Seit dem schläft sie, hat noch nicht mal gefressen. Lizzy ist ca. 30 cm hoch und maximal 5 kg schwer.

Ilona
30.04.2003, 21:05
Liebe Irene,

was ich schon vorhin sagen wollte und vergaß: Hut ab vor Dir und Deiner Familie! Es ist einfach anerkennenswert, dass Ihr Euch dieser Herausforderung stellt. Und das, wo Ihr grad kürzlich diesen Schicksalsschlag mit Chicco habt hinnehmen müssen. Ich bin völlig hin und weg.

Ich kann Deine Gefühle völlig verstehen und hoffe nun, dass Du trotzdem nicht so lang wartest mit dem Tierarztbesuch. Vielleicht schon deshalb grad jetzt, damit Ihr ein wenig mehr Gewißheit bekommt? Aber Du schriebst ja schon selber, dass Du hingehen wirst.

Hm, das mit dem komischen Laufen und den langen Krallen...Wenn man jetzt den Gedankengängen Deines Mannes folgt und seine Phantasie spielen läßt - also bei mir kommt da nix gutes bei raus:( Ich bin eigentlich nur voller Trauer und auch Zorn, wenn ich an all die Vorbesitzer denke, die möglicherweise das aus dem Hund gemacht haben, was er heute ist.

Ich hoffe und wünsche Euch, dass Ihr alles, was auf Euch auch immer zukommen mag, in den Griff bekommt. Ihr habt Erfahrung, Einfühlungsvermögen und Geduld - was kann Eurem neuen Zwerg besseres passieren?

Liebe Grüße, verbunden mit einem virtuellen Knuddler für Deine Vierbeiner, schickt Euch

Illi

zasko
30.04.2003, 21:18
Hallo Irene,

deinen Überlegungen, dass extreme Verhalten erstmal zu ignorieren, stimme ich völlig zu. Tut nichts was extremes Verhalten belohnen könnte und es so verstärkt, beobachtet den Hund, was noch so alles kommt und versucht, jedes kleine bisschen in gewünschte Richtungen zu bestärken.

Ansonsten möchte ich dir dringend ans Herz legen, ganz langsam am Aufbau von Muskeln und Kondition zu arbeiten. Du tust dem Hund absolut keinen Gefallen, wenn du ihn überforderst. Natürlich möchte sie nicht zurückbleiben und läuft deshalb mit, auf wenn sie eigentlich schon nicht mehr kann. Die Situation ist fast wie bei einem Welpen: Die Muskeln sind nicht kräftig genug, um größere Anstrengungen auszuhalten. Somit kannst du dir Schäden an Knochen, Gelenken, Sehnen etc. einhandeln, wenn sie jetzt zuviel läuft. Mach' häufig am Tag kurze Wege mit ihr (anfangs ruhig nur 5-10 min) und steigere langsam, wenn du merkst, dass die Muskeln aufbauen.
Ich hatte mit Zasko am Anfang das ähnliche Problem. Er ist praktisch nur im Zwinger gehalten worden, war spindeldürr und hatte kaum Muskeln. Ich bin am Anfang max. 15 min mit ihm am Stück gelaufen, dafür häufiger, damit immer wieder ein Anreiz für die Muskeln da ist, sich der gesamte Bewegungsapparat zwischendurch aber immer wieder erholen kann. Der Aufbau ging dann sehr schnell vonstatten, nach einem Monat konnten wir schon eine knappe Stunde laufen.

Alles Gute und viel Erfolg

Susanne & Zasko

irene
01.05.2003, 15:01
...auch mal danke schön für die guten Wünsche, aber für "Hut ab" gibt es eigentlich keinen Grund. Es hilft mir selbst Chiccco´s Tod als Chance für eine andere arme Kreatur zu betrachten und so geht es der ganzen Familie. Wir haben vorher nie darüber gesprochen, trotzdem waren wir uns dann wortlos einig, dass wir wieder einen Hund aus dem TH holen wollten. Hinzu kommt ja, dass unsere Janno ein Leben ohne andere Hunde noch nicht kennen gelernt hatte und seine Trauer war zu allem Übel herzerweichend! Wieoft man in seinem Leben so etwas macht, weiß ich nicht, denn einen Hund einschläfern lassen zu müssen, ist eine Grausamkeit, die man sich sicher nicht oft antun kann! Inzwischen kann ich zwar hier drüber schreiben, aber sprechen darüber kann ich beim besten Willen nicht. Der kleine Hund hilft ungemein, aber heute ist so ein Tag, da könnte ich nur heulen, wenn ich an Chicco denken muss.

Und Susanne, du hast natürlich völlig recht mit dem Überfordern, werde Nachmittag nur einen kleinen Gang machen und Abends nur mit Janno joggen gehen. Der hat natürlich die volle Power bekommen die letzten Wochen, nachdem wir ja vorher auch auf einen kleinen kranken Hund Rücksicht nehmen mussten. Heute morgen ist die kleine Dame auf dem Nachhauseweg vom Morgengassi einmal hinter Janno hergelaufen, das sah schon fast normal aus. Aber nur ganz kurz, dann hört sie von selbst wieder auf.

Viele liebe Grüße

Irene

Ilona
01.05.2003, 22:46
Hallo liebe Irene,

ja, ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, wie oft ich das aushalten werde, einen Hund wegen Krankheit einschläfern lassen zu müssen:( Meine Püppi bekam mit 6,5 Jahren Knochenkrebs in der linken Vorderpfote. Das war vor eineinhalb Jahren. Länger als ein Jahr hab ich dran geknabbert. Sogar noch, als ich meinen Benji aus dem Tierheim geholt hatte. Nee, drüber reden war kaum drin. Da ging es mir wie Dir jetzt. Ich habe vor einem halben Jahr ca. aufgehört, wie ne Irre zu heulen, wenn ich nur an sie dachte. Allmählich wird es bei mir. Ich weiß, dass Benji kein "Ersatz" ist für die Püppi, aber eine große Hilfe bei der Bewältigung meiner Trauer um die süße Maus. Und deshalb kann ich Euren Schritt einigermaßen nachvollziehen.

Was Du über das Laufen Deiner Lütten heute schriebst, klingt ja schon wie ein kleiner Neuanfang:)

Nochmals alles Gute für Euch, liebe Irene! Ich bin gespannt auf weitere Berichte:)