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Mascha
23.05.2002, 14:51
Gerade am letzten Wochenende wurde ich wieder von einem Hundehalter, dessen Wauz mit meinem über die Wiese tobte, ganz besorgt gefragt: "Tun die sich auch nichts?" Ich bin fast umgefallen! Es gibt offenbar wirklich Leute, denen schon ein Wettrennen gefährlich erscheint.

Ein spielerisches Balgen und Toben wird wohl jedeR schon einmal gesehen haben: Die Hunde rennen miteinander herum und spielen Fangen; sie kauen sich gegenseitig fast die Ohren oder Vorderläufe ab, wenn sie sich gepackt haben. ;) Mal liegt der eine oben, mal der andere; dann wird wieder gerannt. Das alles passiert ohne Knurren oder andauerndes Bellen. Die Hunde haben ihren Spaß dabei; ein wohlerzogener Hund ist von seinem Menschen abrufbar, bei anderen wird das schwierig. Für die Hunde ist solches Spiel sehr wichtig! Sie lernen dabei u.a., ihre Kommunikation mit Artgenossen zu verbessern. Außerdem kann ein Hund, der genug freundlichen Kontakt zu anderen Hunden hat, auch mal ohne Probleme an einem vorbeigehen, wenn gerade keine Zeit zum Spielen ist. (Was der Mensch bestimmt.)

Ein Schaukampf beginnt mit Drohgebärden und -lauten, also solchen Sachen wie Zähnefletschen, hochgestellten Nackenhaaren und Knurren - das ist individuell unterschiedlich. Auch der Kampf selbst ist ziemlich lautstark! Die Hunde wollen sich dabei aber nicht verletzen oder gar töten.
Bei einer solchen Keilerei kann es hilfreich sein, wenn sich die dazugehörigen Menschen kommentarlos in entgegengesetzte Richtungen einige Meter entfernen. Die Hunde folgen dann ihrem Rudel und beenden dadurch den Streit.

Zu einem Ernstkampf kann es dabei beispielsweise kommen, wenn sich ein Hund in die Ecke gedrängt fühlt. In den meisten Fällen endet der Streit aber ohne ernsthafte Verletzungen und mit Beschwichtigungsgesten; die Hunde bewegen sich langsam und steifbeinig noch eine Weile umeinander, dann gehen sie ihrer Wege. Bei ihrer nächsten Begegnung können sie wieder freundlich miteinander spielen! Ein Schaukampf bedeutet keine Feindschaft.

Der - sehr seltene - Ernstkampf vollzieht sich lautlos; hierbei geht es den Hunden nur noch darum, den anderen zu verletzen bzw. zu töten. Er findet meist ohne vorheriges Imponiergehabe statt und endet mit dem Tod oder der Flucht des Unterlegenen.

caro
23.05.2002, 18:48
Hallo Mascha,

zu diesem Thema hätte ich auch einige Fragen:

Ich habe einen sehr freundlich gesonnen Hund (11 Monate), der nur spielen will und (so habe ich den Eindruck) es nicht leiden kann, wenn andere sich ständig anbellen oder knurren. Bei solch einem Fall geht er lieber seinen eigenen Weg. Nicht ängstlich, aber mit Abstand eben.

Nun hat er einen Freund (Terrier, 15 Monate) der neuerdings, kaum dass wir ihn treffen, zunächst anfängt ihm während des Spielens und Laufens ständig anzuknurren und ihm auch in die Lefzen zu beißen und auch versucht ihm über den Fang zu greifen. Versuche meines Hundes ihn mit Lecken zu beschwichtigen, schlagen fehl, man hat eher den Eindruck das dieses Verhalten den Terrier noch mehr dazu annimiert, zickiger zu werden.

Früher haben sie ähnlich gespielt, jedoch ohne Knurren usw.

Ich habe bei diesem Verhalten keineswegs Angst, dass meinem Hund etwas passiert und gehe nur im Ausnahmefall (wenn z. B. trotz quieken meines Hundes der Terrier nicht abläßt und weiter an ihm rumbeißt oder wesentlich aggressiver knurrt) dazwischen.

Bei der Besitzerin ist dieses anders. Diese versucht ihren Hund bereits bei dem kleinsten rumgezicke (sofern sie es mitbekommt) Ihres Hundes dieses zu unterbinden. Hier habe ich das Gefühl, dass das Verhalten des Terriers danach eher schlimmer wird.

Kann es sein, dass sich dadurch mehr Aggressionen aufbauen. Soweit ist weiss, hat der Terrier wenig Kontakt mit anderen Hunden. Die Hundeschule wurde nur in den ersten Wochen besucht, dann war Winter und das Wetter zu schlecht(!), bisher hat sie sich noch nicht wieder aufraffen können dorthinzugehen.

Wie kann man dieses Verhalten jetzt deuten. Ist es sinnvoll dazwischen zu gehen? Ergeben hat sich von den beiden Hunden dem jeweils anderen Hund noch keiner. Kann es hier soweit kommen, dass der Terrier von sich aus bald nicht mehr weiss, wann Spiel und wann Ernst??

Oder liegt das alles im "normalen" Bereich?

Einstein
23.05.2002, 19:49
Ja als mein Hund das erste mal angegriffen wurde hatte ich noch keine Ahnung und wolte da zwieschen aber ein per Leute haben mich abgehalten und gesagt das es viel schlimmer ist da zwischen zu gehen er wenn man sieht das es Ernst wir soll man eingreifen.
nach kurzer aus einandesetzung war auch alles vor bei ein paar min Später haben die dann gespielt.

Ich schätze mal wenn ich ihn immer von allen fern gehalten hätte könnte er heute nur noch an der Leine laufen.
da er so kein Sozialverhalten gelernd hätte

Luna
28.05.2002, 07:19
@ Mascha

Bei meinem ist es zu 90 % bei anderen Rüden so das er und der andere(wer auch immer) sich umkreisen. Er geht ganz steif, die Haare stellen sich auf, sie umkreisen sich und meiner geht zuerst wieder in meine Richtung. Der andere geht noch bißchen hinterher und geht dann weg. Was heißt es das meiner zuerst geht? Geht er dem Streit aus dem Weg oder sieht er das er der schwächere ist oder wie kann man das deuten?

Mascha
01.07.2002, 08:28
Hallo Leute!

Sorry, ich habe einfach nicht mitgekriegt, dass hier Fragen gestellt wurden... Antworten kommen... (besser spät als nie!) :o

@ Luna:
Er geht ganz steif, die Haare stellen sich auf, sie umkreisen sich und meiner geht zuerst wieder in meine Richtung. Der andere geht noch bißchen hinterher und geht dann weg. Das ist so ein typisches Imponiergehabe: beide geben ein bisschen an, wie toll sie sind, wollen sich aber gar nicht ernsthaft streiten. Wenn die dazugehörigen Menschen ruhig bleiben und z.B. einfach weitergehen, wird daraus kein Kampf entstehen.
Wer "stärker" ist, ist den Hunden dabei egal - sie wissen ja, dass sie nicht eng zusammenleben müssen (dann wäre die Rangordnung wichtig); sie zeigen nur, dass sie beide stark sind.


@ caro:

Ich denke, bisher ist noch alles im normalen Bereich. Da der Terrier noch jung ist, kann es sein, dass er das laute Spielen erst mit dem Erwachsenwerden angefangen hat. Kinder spielen eben anders!

Du kannst ja versuchen, die Besitzerin dazu zu überreden, nicht mehr dazwischenzugehen. Es kann tatsächlich sein, dass der Terrier gerade dadurch den Eindruck gewinnt, dass es eine ernste Sache ist, obwohl er anfangs eigentlich nur spielen wollte.

- Es ist aber nicht möglich, aus der Ferne hier genau zu sagen, worum es sich handelt! Ich würde an Deiner Stelle die Hunde weiterhin miteinander spielen lassen, wenn sie das wollen. Dein Hund ist auch noch jung und muss lernen, alle hundlichen Kommunikationsmöglichkeiten einzusetzen. Wenn es ihm wirklich zu viel bzw. zu wild wird, kann er dem Terrier ja einfach aus dem Weg gehen.

Chaostruppe
02.07.2002, 17:58
Hallo!

Jetzt muß ich aber auch nochwas fragen. Wie kann ich denn einen Schaukampf von einem Ernstkampf unterscheiden? Und geht nicht ein Schaukampf oft fast fließend in einen Ernstkampf über?

Ich habe einen großen Rüden (40 kg), der in jungen Jahren nicht ganz ohne war. Jetzt ist es 10 J. alt, und vieeeel gelassener, aber früher durfte kein anderer Rüde ihn auch nur schief anschauen, dann gab´s was auf die Mütze. Große und sehr selbstbewußte Rüden konnte er von vornherein nicht ausstehen. Und selbstverständlich gehörte JEDE Hündin ihm, auch wenn er sie noch nie gesehen hatte, und wehe es bekundete ein anderer Rüde Interesse. :( Gott sei Dank ist er jetzt ein "alter Knacker!" :)
Manchmal ist es dann bei diesem hier beschriebenen Imponiergehabe geblieben, manchmal wurde auch nur ein kurzer Schaukampf ausgetragen, ohne daß es ernst wurde. Aber ich habe oft erlebt, daß es richtig zur Sache ging. Lautlos war das nicht, dafür aber blutig. Ich hab IMMER so schnell es ging eingegriffen, weil ich echt Angst hatte, die hören erst auf, wenn einer tot ist. Aber ich konnte nie wirklich den Übergang von Schau zu Erst feststellen. Gibt es da bestimmte Anzeichen?

Außerdem hab ich sogar schon erlebt, daß aus Balgen und Toben ein Ernstkampf wurde. Mein Rüde war schon 3 J. alt, als ich ihn bekam, und ich hab nie erlebt, daß er mit anderen Hunden gespielt hätte. Wenn eine Gruppe Hunde am balgen war, rannte er zwar hin. Aber nicht um mitzuspielen, sondern um sich einen Hund der Gruppe auszusuchen, um ihn dann zu "besteigen". Und wenn ihm einer der anderen Hunde auch nur spielerisch dazwischenkam, konnte ein Kampf daraus werden. :mad:

Jedenfalls habe ich, nachdem ich ihn besser kennengelernt hatte, wenn möglich schon eingegriffen solange noch "nur" gedroht wurde, und von Hundegruppen halte ich mich heute noch fern. Ich traue ihm immer noch nicht so richtig! :rolleyes: Außerdem habe ich mich oft gefragt, ob er gestört ist, oder ob das noch unter "normales" Rüdenverhalten fällt.
Sein Bruder war ein Angstbeißer, und ist von seinem ersten Besitzer erschossen worden. Er sollte auch erschossen werden, ist aber gerettet worden.

Viele Grüße,
Andrea

Odilíntintin
10.07.2002, 09:06
Hallo allesamt!
Ich bin zwar mit meinem Beitrag nun mehr als hinterher, aber gut, besser spät als gar nie.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich noch nie einen Ernstkampf bei Hunden erlebt habe und auch gut und gerne darauf verzichten kann.
Bei unseren drei Hunden - vor allem bei den beiden Männchen - sind aber Schaukämpfe an der Tagesordnung. Es fängt meist damit an, dass ihre Mutter einen der beiden ärgert, ihm in die Pfoten oder in den Nacken zwickt, und das andere Männchen halt mitmachen will. Da die Mutter aber immer noch eine besondere Stellung bei den beiden hat, lässt der "Gezwickte" eben seinen Ärger am anderen Rüden aus. In der Regel rennt dann der eine hinter dem anderen her, beißt eben auch in die Pfote oder zieht am Schwanz, und alles dann so lange, bis einer stolpert und einen Purzelbaum macht. Dann regt der sich wieder auf und geht etwas saurer auf den anderen los, na ja, sie schaukeln sich eben gegenseitig hoch.
Wir hatten ja früher nur einen Hund, der mit allen anderen Hunden gespielt, nie auch nur ansatzweise einen Schaukampf veranstaltet hat. Von daher bin ich anfangs, als eben diese "Machkämpfchen" mit ca. 5 Monaten etwas lauter und heftiger wurden, dazwischengegangen, aber dadurch habe ich nur gewonnen, dass ich dann eben ganz nebenbei auch gezwickt und angeknurrt wurde, weil die beiden sich so reingesteigert hatten, dass sie im ersten Moment schon nicht mehr wussten was was ist. Also lasse ich die beiden einfach, und wenn es mir zu heftig wird, rufe ich sie und gehe weg. Das schnallen sie dann auch mal, und sie kommen hoch erhobenen Hauptes nach. Klar, es hat ja keiner nachgeben müssen.... :rolleyes: Diese Hochnäsigkeit ist auch erst dann weg, wenn sie sich kräftig schütteln. Danach geben sie sich wieder "Küsschen", schlecken sich also gegenseitig schwanzwedelnd ab.
Von daher denke ich durchaus, dass man die eigenen Hunde - sofern sie nicht schon durch Ernstkämpfe negativ aufgefallen sind - ruhig auf andere zugehen lassen sollte, je mehr Hundebekanntschaften, desto besser. Der Hund will ja von Natur aus nicht andere zerfleischen und wird von daher, wie wir Menschen auch, mit dem einen besser klar kommen als mit dem anderen. Und wenn der andere Hund weniger sympathisch ist - dann wird er schon von alleine weitergehen!