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Thema: Meine Lara

  1. #1
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    Meine Lara

    Lara war ein Golden Retriever Mädchen, und wir hatten sie auf den Tag genau 15 Jahre bei uns. Mit 12 Wochen kam sie zu uns, und sie war ein ganz wunderbarer, lieber, entzückender Hund. Sie hat mich durch viele Höhen und Tiefen in all den Jahren begleitet, sie war stets mein Seelenwärmer. Wir waren miteinander wandern, joggen, im See schwimmen, einfach alles. Sie war 4 Jahre lang wie unser Baby, bevor die Kinder kamen, danach dann große Hundeschwester.

    Ihr ging es bis letztes Jahr im Verhältnis noch sehr gut, obwohl sie immer weniger sehen konnte. Seit Frühling hat sie jedoch abgebaut. Die Gassirunden wurden kürzer und kürzer, und ihre Sinne wurden auch immer schlechter. Aber sie genoß es nach wie vor im Garten in der Sonne zu liegen, in den Wind zu riechen, ihre geliebten Kauknochen zu bearbeiten, Leckerlis zu suchen.

    Im September konnte sie vorne rechts plötzlich nicht mehr richtig auftreten, der Tierarzt vermutete Arthrose. Vielleicht war es aber auch ein Tumor, wie ich mir jetzt denke, aber nichts sichtbares. Mit Schmerzmitteln ging es dann wieder, mal mehr mal weniger. Ihr Appetit war aber immer noch gut, und sie forderte auch noch zum spielen auf, so gut es eben noch ging.
    Seit Mitte Oktober wurde es mit Gehen aber immer schlechter. Sie kam schwer in die Gänge, und Gassigehen wurde immer langsamer. Selbst hochdosierte Schmerzmittel schienen nicht mehr richtig zu wirken.

    Ende Oktober bekam sie am Oberkiefer einen Knubbel. Der Tierarzt vermutete eine eitrige Zahnwurzel. Weil er bei so alten Hunden keine Narkose geben möchte, bekam Lara Beruhigungsmittel, und dann wurde der lockere Zahn gezogen. Die Wurzel war allerdings gut, und da kam die Vermutung auf, dass es ein Knochentumor sein könnte.
    Leider bestätigte sich das, denn das Gewächs wurde täglich größer.

    Sie hatte wohl noch keine Schmerzen, weil sie nach wie vor gerne aß und Leckerlis kaute, aber es war abzusehen dass das irgendwann auf einen Nerv drücken würde.

    Gestern morgen waren wir noch ganz normal Gassi, aber da merkte ich, dass es ihr sehr schwerfiel zu gehen. Das Humpeln verstärkte sich auch von Tag zu Tag. Zuhause kam sie kaum mehr aus eigener Kraft vom Boden hoch, das war am Vortag noch besser gewesen.

    Ich habe dann beim Tierarzt angerufen, um ihn zu informieren dass die Geschwulst gewachsen ist anstatt unter Antibiotika geschrumpft, wie wir so gehofft haben. Und da sagte ich von mir aus, ich möchte sie einschläfern lassen.
    Das war ein Freitag, und er bot mir einen Termin nächste Woche an. Und da merkte ich sofort, dass ich das überhaupt nicht konnte, einen Tag festsetzen und dann darauf zu warten. Solche Gedanken, wie das letzte mal Gassi, die letzte Nacht usw.

    Der Tierarzt meinte, wir könnten auch am selben Tag noch kommen. Und da war die Entscheidung gefallen. Und schon diese paar Stunden waren ganz fürchterlich. Ich war mit Lara alleine zuhause, streute fast den ganzen Eimer Leckerlis im Garten aus und ließ sie suchen. Sie sollte sich noch einmal richtig pappsatt essen können. Damit verbrachte sie fast eine Stunde, bis sie erschöpft und zufrieden am Küchenboden einschlief.

    Als die Kinder von der Schule kamen bürsteten wir sie noch einmal, was sie sehr genoß, und sammelten die Haare in einem Beutelchen. Dann streichelten wir sie, machten Fotos und Videos. Die letzte Aktivität in unserer Familie war für Lara, dass wir ihr Pfotenabdrücke nahmen, die Kinder malten jede Zehe verschiedenfarbig ab, die Abdrücke wurden wunderschön. Lara war ganz brav, wach, und ließ geduldig alles mit sich machen.

    Danach kam der schwere Gang, sie musste unser Haus, ihr geliebtes Heim, für immer verlassen. Das waren für mich solche Schockmomente dass ich einfach funktionierte, da konnte ich gar nicht weinen. Beim Tierarzt kamen wir gleich dran, aber das war kein schönes Erlebnis. Er redete wie immer viel, sie wurde ratz fatz auf den Tisch gehoben und schon kam die Infusion. Nicht dass der Arzt besonders unsensibel gewesen wäre, das nicht, aber es ging eben alles wie am Fließband. Ich wollte Lara eigentlich noch umarmen, ihr sagen was für ein toller toller Hund sie war, ihr noch einmal danken für die 15 wunderbaren Jahre, und ihr vor allem eine gute Reise wünschen. Ich wollte sie noch einmal im Arm halten und küssen.

    Aber das war nicht möglich, denn während der Arzt noch redete sank sie schon zusammen, ich hatte gar nicht gesehen, dass er die Kanüle mit der Narkose schon durchgedrückt hatte. Ich wollte, dass sie den letzten Moment, bevor es dunkel wird um sie, in meinen Armen, ganz nah, erleben kann. Aber sie sank auf den Tisch, und ich konnte nur ihren Rücken streicheln. Das hat mich so geschockt, dass ich das weitere kaum mitbekommen habe, wie das zweite Mittel gespritzt wurde und sie zu atmen aufhörte, und wie er abhörte ob das Herz noch schlägt. Die Kinder und ich heulten um die Wette, und alles was ich noch zu ihr sagte hörte sie schon nicht mehr.

    Ich mache mir solche Vorwürfe, dass ich sie nicht würdiger verabschieden konnte, dass ich ihr keine gute Reise über den Regenboden mehr wünschen konnte. Ich wollte sie in den Armen halten, das tut so weh, dass ich nur danebenstand.
    In dem Moment wusste ich, das wird mir mein Leben lang leid tun, diesen schlimmen Moment vergesse ich niemals wieder, dass der Abschied nicht so geklappt hat.

    Danach weinten wir noch zehn Minuten über dem toten Körper, ich fühlte wie ihr Näschen kalt wird. Und seitdem heule ich untunterbrochen, es war so furchtbar nur mit Leine und Halsband nach Hause zu kommen, ihr Bettchen und die Näpfe wegzuräumen. Ich hätte nicht auf das leere Bett sehen können. Der Platz ist jetzt unendlich leer, wo sie so viele Jahre gelegen hat.

    Ich fürchte mich vor der kommenden Zeit, vor dem Vermissen in jeder Minute. Es tut so weh. Danke fürs Lesen!!!


    [IMG]20170827_102529.jpg[/IMG]

  2. #2
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    Ich kann sehr gut nachvollziehen wie es dir geht , wir haben die Situation schon einige male gehabt und es bricht einem jedes mal das Herz. Du wirst sie nie vergessen und auch wenn der Schmerz nicht vergeht wird er irgendwann erträglicher. Sie hat sicher gemerkt das du bei ihr warst, mach dir da keine Gedanken ........

    Ein Optimist findest immer einen Weg. Ein Pessimist findet immer eine Sackgasse. – Napoleon Hill -

  3. #3
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    Hallo roxinchen,

    ich kann gut nachvollziehen, wie schwierig das für dich ist. Aber du hast gut entschieden und ich denke, diesen "allerletzten Momenten" messen wir Menschen vielleicht doch zuviel Bedeutung bei, immerhin warst du da! Ich habe meinen Kater Merlin im Januar einschläfern lassen und ich war bis zuletzt da und hielt ihn ihm Arm, aber sogar ich hadere mit diesen Minuten, obwohl alles "perfekt" war - die Tierärztin hatte einen Raum mit Kerze für uns gewählt und alles war friedlich und langsam und ohne Hektik, aber auch ich "funktionierte" nur und im Nachhinein, obwohl ich ihn auf dem Schoß hatte, bin ich nicht "zufrieden", weil ich das Gefühl hatte, Merlin und ich, wir waren beide "nicht richtig da" Seltsam, aber ich denke, das ist ein Problem dass wir Menschen mit dem Abschied haben, den wir aber den Tieren "bestmöglich" gestaltet haben Versuche solche "Kreisgedanken" mit einem "Stop" zu zähmen, du hast es so gut gemacht, wie es ging, du warst bis zum Ende bei Lara und das zählt!

    Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen; ein Werdender wird immer dankbar sein.

    (aus: Goethe, Johann Wolfgang: Faust, Vorspiel)

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