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Thema: Es tut so weh..

  1. #41
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    Hallo Tömmchen,

    bürde Dir nicht die ganze Last auf!

    So, wie Du die ganze Krankengeschichte und die letzten Stunden beschrieben hast, gab es nur zwei Möglichkeiten für Dich. Einschläfern oder zusehen wie er qualvoll stirbt. Es gab keine weiteren Optionen mehr. Tommi war nicht mehr zu helfen. Hätte der Tierarzt den leisesten Zweifel daran gehabt, hätte er Tommi gar nicht einschläfern dürfen.

    Ich habe schon öfter mit meiner Tierärztin über ähnliche Situationen gesprochen, da ich ja auch immer wieder vor solchen Entscheidungen stehe. Sie hat mir z.B. erzählt, dass manchmal Tierbesitzer ihr krankes Tier einfach nur nicht mehr pflegen wollen und es deshalb einschläfern lassen möchten. Sicher würde das Tier vielleicht nicht mehr lange leben mit seiner Erkrankung, aber im derzeitigen Zustand besteht oft noch kein Anlass zur Euthanasie. Meine Tierärztin bezieht hier ganz klar Position. Sie darf das nicht auf Verlangen!

    So war es bestimmt auch bei Deinem Hund. Hätte der Tierarzt noch eine Chance gesehen, hätte er es Dir gesagt. Zumal er ja auch wusste, wie sehr Du Dich um ihn kümmerst und ihn
    pflegst. Er hat Tommi nicht eingeschläfert weil Du der Meinung warst, dass es nicht mehr geht. Sondern weil ER gesehen hat, dass aus medizinischer Sicht nichts mehr für Tommi getan werden kann, was seinen Gesundheitszustand so weit gebessert hätte, dass er noch ein würdiges schmerzfreies Leben hätte führen können.

    Tömmchen, ich kann Dich so gut verstehen! Als mein "Seelenkater" gestorben war, ging es mir fast so schlimm wie Dir jetzt. Ich hatte auch niemand zum Reden, musste den ganzen Tag funktionieren und eine Fassade aufrechterhalten. Ich wollte keine Tiere mehr, ich hatte das Gefühl absolut versagt zu haben, nicht genug für ihn getan zu haben (vielleicht noch ein anderes Medikament, vielleicht doch öfter den Tierarzt aufsuchen, vielleicht immer wieder vielleicht). Ich ging oft in den Wald, besuchte seine Grabstätte und redete mit ihm. Ich erzählte ihm, wie schön es da ist, dass ich ihn nie vergesse und er jetzt mit allen anderen meinen Tieren zusammen sein kann. Und dass wir uns einmal wiedersehen.

    Es dauerte sehr lange bis ich die erste große Trauer etwas überwunden hatte. Die Besuche dort halfen mir. Irgendwann hatte ich dann das Gefühl, dass mein Kater an zwei Orten zuhause ist. Ich konnte mich damit abfinden, dass der Wald ihm und zu ihm gehörte. Und dann, so nach und nach, fühlte es sich für mich nicht mehr ganz richtig an. Irgendetwas hatte sich in meinen Empfindungen geändert. Ich kann nicht sagen, was es war oder wodurch es ausgelöst wurde. Es klingt vielleicht merkwürdig (macht aber nichts, weil es ja meine Empfindungen sind), aber ich bekam das Gefühl, immer wenn ich vom Wald nach Hause kam, ihn mitgenommen zu haben. Ihm seine Ruhe und seinen Frieden nicht zu geben. Dadurch, dass ich ihn immer noch unbedingt bei mir haben wollte, konnte er in seinem neuen Zuhause nicht seinen Frieden finden. Es war ein sehr eigentümliches Gefühl, ich kann es auch nicht besser beschreiben. Es erschreckte mich und tat weh. Ich hatte doch zu seinen Lebzeiten alles für ihn getan und jetzt fühlte ich mich egoistisch weil ich ihm seine Ruhe nicht gönnte.

    Ich musste immer wieder darüber nachdenken, habe mit ihm gesprochen, ihn besucht und irgendwann war es ganz leicht geworden loszulassen. Ich wusste, dass ich ja keine wirkliche Freude mehr an ihm und mit ihm gehabt hätte, weil ich nur noch gesehen hätte wie er leiden muss. Ich erinnerte mich an die Anfangszeit als ich ihn aus dem Tierheim geholt hatte. Wie krank er aussah und wie er sich im Laufe der Monate entwickelt und sich sein Zustand verbessert hatte. Es war von Anfang an klar, dass er ein "Todeskandidat" war. Niemand hatte damit gerechnet, dass er sich noch einmal so gut erholen würde.

    Ab diesem Zeitpunkt konnte ich mir endlich selbst verzeihen. Ich fühlte mich nicht mehr schuld an seinem Tod oder dass ich zuwenig getan hätte. Es waren doch meine Pflege und konsequente Medikamentengabe gewesen, die ihm sein Leben noch einmal so lebenswert gemacht hatten. Ich hatte ihm versprochen für ihn da zu sein und war es auch bis zum Schluss.

    Nachdem ich das alles für mich tatsächlich begriffen hatte ging es mir besser. Ich hatte es akzeptiert. Natürlich vermisse ich ihn auch heute noch sehr und manchmal schmerzt es immer noch. Aber ich weiß, dass er auf jeden Fall keine Schmerzen mehr hat und darüber freue ich mich. Ich gönne es ihm, an einem schönen Ort zu sein. Er war eine zeitlang bei mir und hat mein Leben außerordentlich bereichert. Dafür bin ich ihm dankbar. Ich war immer an seiner Seite und ließ ihn nicht leiden. Das hatte ich ihm doch versprochen.

    Wir haben uns voneinander verabschiedet, aber nur, um uns eines Tages wieder zu sehen.

    Ich kann Dir leider nur schildern wie es mir erging. Du musst damit selber fertig werden. Aber vielleicht kann ich Dir manchmal kleine Anstöße geben, die ganze Situation auch einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen.

    Mach es für Tommi.

    Alles Liebe

  2. #42
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    Deine Worte tun gut. Diese verdammten Zweifel, ob man alles richtig gemacht hat oder nicht machen einen Menschen kaputt. Seelisch und körperlich. Mein Verstand sagt mir: es war alles richtig. Mein Herz sagt etwas ganz anderes.

    Die Folge ist ein schlimmes Krankheitsbild mit vielen Schmerzen und Übelkeit.

    ich komme einfach nicht zur Ruhe, da ich auch im Job sehr gestresst bin. Es ist unwahrscheinlich viel zu tun. Aber ich merke, dass mir seit Dezember immer mehr Kraft fehlt. Ich kann nichts dagegen machen. Es wird immer schlimmer.

    Ich habe übrigens nicht das gleiche Gefühl wie Du auf dem Friedhof bzw. im Friedwald. Er liegt dort für mich verstreut (zumindest die Hülle) und ich besuche ihn dort lediglich. Ich nehme ihn aber nie mit.

    Privat ist auch ständig was. Mal die Heizung kaputt, dann Probleme mit dem Auto. Mit Tommi zusammen habe ich immer alles prima geschafft. Jetzt fällt mir alles unendlich schwer. Er fehlt an allen Ecken und Enden. Aber ich gönne ihm die Ruhe ohne Schmerzen und Atemnot. Vielleicht ist er ja als eine Form von Energie tatsächlich noch bei mir. Eine Tierkommunikatorin hat mir so etwas gesagt. Er sei nicht fort. Könne mich nicht alleine lassen. Uns hätte ein viel zu starkes Band verbunden, das auch er nicht zerreißen möchte. Sie meinte, er wird zurückkommen zu ihnen, wenn es ihnen besser geht. Er hat noch nicht abgeschlossen mit seinem alten Leben. Ich solle deshalb aber kein schlechtes Gewissen haben. Habe ich auch nicht; ich stelle es ihm frei.

    Vielen Dank, dass Du mir nochmal zugehört hast. Eigentlich bin ich gar kein Jammerlappen, wie man das so nennt. Aber im Moment geht es mir leider wirklich sehr schlecht, physisch und auch psychisch.

    Ich würde mich trotzdem sehr freuen, von Dir zu hören.
    Bis dahin sei ganz herzlich von Tömmchen gegrüßt !!

  3. #43
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    Hallo Tömmchen,

    jeder geht natürlich anders mit Trauer um und empfindet sie auch anders. Was ich Dir geschildert habe dauerte Monate. Bis sich das Gefühl langsam entwickelte, dass nun der Wald sein neues Zuhause ist dauerte es mindestens ein halbes Jahr. Und auch die darauf folgenden emotionalen Veränderungen zogen sich wieder über mehrere Monate hin.

    4 Monate sind auch für eine Veränderung Deiner Empfindungen, glaube ich, noch viel zu kurz. So viele, viele gemeinsame Jahre lassen sich nicht in so kurzer Zeit aufarbeiten bzw. emotional bewältigen. Ich glaube aber doch, dass in einiger Zeit sich die Anspannung lockern wird, so dass auch Du wieder leichter atmen und freier denken kannst.

    Hat Dir die Tierkommunikatorin erklärt warum Dich Tommi nicht alleine lassen kann? Ich habe das auch nicht ganz verstanden wie das mit dem Band zu verstehen ist (er hing ja an Dir und durch den Tod kann es doch nicht zerreißen) bzw. in welcher Form soll er zurückkommen? Aber vor allem ist die Frage wichtig: Konnte sie Dir mit ihren Aussagen helfen?

    Du hast geschrieben, dass Dein Arzt meinte, er könne Dir nicht helfen. Vielleicht solltest Du für Dich auch mal eine zweite Meinung einholen! Im Übrigen könntest Du gegen Magenschmerzen einfach mal Heilerde versuchen. Es gibt sie auch als Kapseln zu kaufen (für mich selber war aber die Pulverform besser geeignet). Sie wirkt positiv auf das Magen-Darmsystem, neutralisiert Säuren und bindet sog. Giftstoffe. Außerdem trägt sie zur Darmsanierung bei. Du musst nur aufpassen, falls Du wichtige Medikamente einnimmst. Es kann durch die hohe Bindungsfähigkeit sein, dass auch die Medikamente nicht mehr richtig wirken.

    Hast Du schon einmal daran gedacht Dir für Deine Psyche Bachblüten zu besorgen? Du kannst Dir in einer Apotheke (in manchen kannst Du Dir sogar eine eigene Mischung zusammenstellen lassen) "Globulimischung Trauer" oder "Notfallglobuli" besorgen. Es ist natürlich immer eine persönliche Einstellung zu solchen Mitteln. Mit Homöopathie kenne ich mich nicht aus und kann Dir dazu auch keine Empfehlung geben. Aber Heilerde und Bachblüten habe ich selber schon mit positivem Ergebnis verwendet, sonst würde ich es Dir nicht vorschlagen. Du darfst nur nicht eine sofortige Wirkung erwarten, ein paar Tage musst Du dazu schon durchhalten und alles regelmäßig einnehmen.

    Ich werde Dir weiterhin schreiben, mach Dir dazu mal keine Sorgen. Es kann nur sein, dass es ab und zu etwas länger mit der Antwort dauert, da ich momentan einige kranke Tiere versorgen muss.

    Wir bleiben in Kontakt!

    Bis zum baldigen nächsten Mal

  4. #44
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    Danke für Deine lieben Vorschläge. Ich nehmen bereits einige pflanzliche Mittel (hochdosiertes verschreibungspflichtiges Johanniskraut z.B.) und habe auch bereits eine Notfall-Spritzenkur erhalten. Leider hat bis jetzt gar nichts geholfen.
    Sicherlich kommen zur enormen Trauer auch noch private Probleme, Sorgen und Streß am Arbeitsplatz dazu, dass ich nicht mehr abschalten kann.
    Ich bin total erschöpft, komme abends aber nicht zur Ruhe. Trotzdem war ich letzten Samstag den ganzen Tag im Tierheim, weil dort dringend Hilfe benötigt wurde. Ich will das unbedingt weitermachen. Ich merke aber, dass mir im Moment die körperliche Kraft fehlt. Das wird mich aber nicht abhalten, nächsten Samstag dort wieder zu arbeiten. Und wenn ich irgendwann umkippe - macht nichts. Dann weiß ich wenigstens einmal, weshalb ich überhaupt aufgestanden bin. Wenn es mir etwas besser geht, werde ich mich wieder melden. Im Moment kann ich nicht mehr weiterschreiben. Bitte nicht böse sein. ich würde mich sehr freuen, wieder von Dir zu hören, auch wenn es etwas dauern sollte. Ist doch kein Problem. Ganz liebe Grüße sendet Dir Tömmchen

  5. #45
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    Hallo Tömmchen,

    ich verstehe, dass Du momentan die restliche Energie für Dich brauchst um zu funktionieren.

    Manchmal ist es einfach so, dass gut gemeinte Ratschläge oder echtes Mitgefühl trotz allem nicht weiterhelfen. Manchmal braucht man einfach nur Ruhe. - Ohne viel reden oder schreiben.

    Ich hoffe dennoch, dass Du einen Weg für Dich finden wirst und mir dann auch bald wieder schreiben kannst.

    Bis dahin drücke ich Dir Daumen und wünsche Dir alles Liebe.

  6. #46
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    Liebe/lieber Tiere im Glück,
    leider bin ich erst heute wieder in der Lage zu schreiben. Am Samstag war ich wieder im Tierheim um zu helfen. Ich musste in den Vorratsraum, um einige Dinge zu holen. Da fiel mir ausgerechnet eins von Tommis Körbchen vor die Füße. Sogar einige Haare von ihm klebten noch daran. Ich war total fertig, musste stark weinen und bin erst einmal rausgerannt.
    Als ich mich einigermaßen wieder beruhigt hatte, wollte ich ein Katzenzimmer reinigen und da lag Tommis Lieblingsstofftier in der Mitte des Raumes. Ich habe es sofort erkannt, ich hatte es damals extra für ihn bestellt.
    Das war zu viel für mich. Ich bin fast zusammengebrochen.
    Klar, ich hatte die Sachen ja bewusst abgegeben dort, damit noch einige bedürftige Tiere etwas von seinen schönen Sachen haben. Aber es hat mir so unendlich weh getan, die Sachen zu sehen. Es tat so weh. Ich weiß weder wie ich die letzten Stunden im TH irgendwie verbracht habe noch bin ich bewusst nach Hause gefahren. Es war einfach nur schrecklich. Die anderen Helfer konnten das irgendwie gar nicht nachvollziehen, hatte ich den Eindruck.
    Aber in dem Moment war es mir einfach nur egal. Es gab nur meine Trauer und mich. Ich schäme mich auch nicht dafür.
    Trotz allem fahre ich Samstag wieder helfen. Es nützt ja nichts.
    Wie lange ich das noch durchhalte, weiß ich allerdings nicht. Ich gehe ja auch noch arbeiten und habe ziemlich viel Stress dort. Dazu noch die Schmerzen.

    Aber ich will unbedingt weitermachen im Tierheim. Am Sonntag fahre ich dann wie jeden Sonntag ganz früh in den Friedwald nach Holland, um meinen Kleinen zu besuchen und neue Kerzen anzuzünden - sofern mein Auto noch mitmacht.
    Das macht mir auch zusätzlich Sorgen, da die Werkstatt einen heftigen Elektronikfehler gefunden hat, der bald für viel Geld repariert werden muss.

    Irgendwie hatte ich nie Glück in meinem Leben - das einzige Glück war Tommi.
    Und der ruht sich nun hinter der Regenbrücke aus, was ich ihm auch von Herzen gönne. Trotzdem fehlt er mir unendlich.

    Ich würde mich freuen, wenn wir weiterhin in Kontakt bleiben könnten.

    Sei herzlich gegrüßt vom traurigen Tömmchen

  7. #47
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    Hallo Tömmchen,

    anscheinend ist Dir Deine Arbeit im Tierheim sehr wichtig.

    Dass Du trotz Deiner Lage noch an andere Tiere denkst, verdient ganz große Anerkennung. Du befindest Dich ja sozusagen im Ausnahmezustand - dennoch liegen Dir die Tiere am Herzen. Es ist gut, dass es Menschen wie Dich gibt.

    Kannst Du mir mal genauer beschreiben, welche Aufgaben Du dort hast? Das interessiert mich sehr.

    Ich schicke Dir ganz liebe Grüße und freue mich auf Deine Antwort.

  8. #48
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    Hallo liebe/lieber Tiere im Glück,

    ich arbeite in einem eher kleinen Tierheim auf dem Lande. Wir haben nur wenige (Problem-) Hunde und ca. 30 Katzen (zumindest bis letzte Woche) . Ich denke es sind mittlerweile mehr, da ja jetzt die Kitten gebracht werden.

    Ich mache eigentliche jegliche Arbeit, die anfällt. Gassi gehen, Hundezwinger säubern, Katzenhaus reinigen mit gefühlten 50 Katzentoiletten, Näpfe schrubben, erneut füllen, Katzen streicheln, wischen, Hof fegen. Na ja - eigentlich alles.

    Da ich ja von Montag bis Freitag auch arbeite, bin ich am Samstag Abend- ehrlich gesagt - ziemlich kaputt.

    An jedem Sonntag Morgen fahre ich dann um ca. 8.00 h nach Holland in den Friedwald, um Tommi dort zu besuchen. Bringe ihm neue Kerzen, neue Blumen, säubere seinen Grabstein, poliere sein Gedenkschild. Dann setze ich mich auf eine Bank mit Blick auf den kleinen See, weine und halte Zwiesprache mit ihm.
    Auf dem Rückweg fahre ich - wie jeden Tag - kurz bei meinen betagten Eltern vorbei. So um 11.00 h - 11.30 h bin ich dann wieder zu Hause und versuche dann wieder zur Ruhe zu kommen.

    Leider leide ich immer noch an gesundheitlichen Beschwerden, ausgelöst durch Stress und natürlich Trauer. Daher kann ich nicht so agieren, wie ich es eigentlich möchte. Aber die Kraft fehlt mir leider noch. Ich hoffe verzweifelt auf die Zeit, die angeblich Wunden heilt. Leider hoffe ich bislang vergebens.

    Auch nach 20 Wochen tut es noch sehr, sehr weh. Bei ihm ist alles anders als bei seinen Vorgängern. Aber ich habe mittlerweile sehr viel über Leber- und Nierenversagen nach jahrelanger Medikamenteneinnahme gelesen und denke, dass ich ihm einen qualvollen Tod erspart habe. Der Körper hätte sich täglich mehr vergiftet mit allen Begleiterscheinungen. Ihm war ja schon permanent übel und er hatte ständig Durchfall. Er hatte schon 3 Tage nichts mehr bei sich behalten können und am letzten Tag nicht einmal mehr Wasser aus der Spritze angenommen. Manche sagen, die Hunde schlafen damit friedlich ein. Aber es gibt auch viele Hunde, die unter Krämpfen sterben. Außerdem war das Wasser/die Flüssigkeit im Bauch angestiegen und er wäre wahrscheinlich sogar erstickt. Das hat kein Lebewesen verdient; es muss schrecklich sein.

    Aber ich will Dich nicht mit seiner Krankengeschichte langweilen.

    Erzähl doch mal bei Gelegenheit, welche Tiere Du besitzt. Das würde mich wirklich interessieren.

    Bis dahin sei herzlichst gegrüßt vom traurigen Tömmchen.... !

  9. #49
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    Hallo Tömmchen,

    was Du im Tierheim leistest ist schon sehr beeindruckend. Ich kann mir gut vorstellen, dass Du einen straffen Tagesablauf hast. Anders ist das Pensum auch nicht zu bewältigen.

    Zeit, die Wunden heilt, kenne ich auch nicht. Jedoch gibt es die Zeit, die Dir hilft, einen Weg zu finden mit den Wunden zu leben.

    Ich hatte schon mehrere Katzen mit einer Niereninsuffizienz. Wahrscheinlich ist der Krankheitsverlauf bei Katzen und Hunden gleich. Es ist tatsächlich so, dass die Tiere sozusagen langsam vergiftet werden. Die harnpflichtigen Stoffe können über die Niere nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden, reichern sich mehr und mehr im Körper an und können im Endstadium sogar die Gerhirnschranke überwinden. Die Tiere können in eine Art Koma fallen und auch die von Dir erwähnten Krämpfe, ähnlich epileptischen Anfällen, sind nicht auszuschließen. Es wird zwar behauptet, dass die Tiere die Anfälle selbst nicht mitbekommen. Ich weiß aber mit Sicherheit, dass sie die Ankündigung und das Ausklingen eines solchen Anfalles sehr wohl noch bewusst erleben.

    Ja, es ist schrecklich. - Und Du musst daneben stehen und kannst rein gar nichts mehr für Dein geliebtes Tier tun. Tömmchen, das zu erleben ist viel schlimmer als die Trauer nach dem Einschläfern. Denn hier hast Du wenigstens die Zuversicht Deinem Tier noch einmal etwas Gutes getan zu haben. Das letzte Gute für die Ewigkeit.

    Und dieses Wissen ist es auch, das Dir helfen wird, mit der Trauer umgehen zu lernen. Dann wird irgendwann nicht mehr die Trauer über den Verlust des geliebten Tieres im Vordergrund stehen, sondern die Erleichterung und Freude im richtigen Moment das Richtige für einen lieben Freund getan zu haben.

    Ich glaube, eigentlich weißt Du das ja auch schon. Es muss nur noch stärker in Dein Bewusstsein gelangen. - Und das bringt Dir die Zeit.

    Alles Liebe und bis bald

  10. #50
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    Liebe/lieber Tiere im Glück,
    ich schaffe es einfach nicht, meine Zweifel über die Richtigkeit meines Handels zu überwinden. Ich schaffe es einfach nicht. Ich überlege Tag und Nacht, ob ich ihn nicht noch an die Infusion hätte legen lassen sollen. Dann hätte ich ihm noch eine kurze Lebenszeit verschaffen können. Manchmal frage ich mich dann : für ihn oder für mich. Du musst verstehen, dass er noch klare Augen hatte, er wedelte noch mit dem Schwanz, wenn ich ihn nur ansah. Sein Fell glänzte noch. Er sah nicht ausgemergelt aus, dieses aber wegen seiner Flüssigkeit im Bauch. Seine Hinterhand war aber bereits sehr schwach. Wie gesagt, wenn ich mit der Spritze kam am vorletzten Tag, um ihn Wasser einzuflössen, drehte er den Kopf zur Seite. Wenn ich ihn heraustrug, hatte er Schwierigkeiten beim Urinieren; entweder wegen seiner Nierengeschichte oder auch wegen seines Blasenkrebses. Ich weiß es nicht. Dazu orangefarbener heftiger Durchfall. Trotz allem hatte er nicht - wie seine Vorgänger - diesen berühmten gebrochenen Blick, der um Hilfe bittet. Und das macht mich so fertig. Lässt mich so sehr zweifeln. Aber er war halt auch ein typischer Terrier, zumindest bzgl. der Schmerzempfindlichkeit. Hat nie etwas angezeigt, nie gejault. Ich hab es nur am Lefzen lecken oder Zucken gemerkt. Deshalb war es bei ihm sehr schwierig. Die Unsicherheit macht mich fertig, auch gesundheitlich. Ich würde mich sehr gerne einmal in Ruhe mit einem Tierarzt darüber besprechen, der total objektiv beurteilen müsste. Aber ich kenne leider niemanden. So muss ich mit meiner Schuld weiter leben. Mit dem Zweifel, ob ich meinen Hund - weil dieser in Würde zu Hause sterben sollte - nicht zu früh habe erlösen lassen. Vielleicht wollte er noch nicht sterben. Er ist nicht gefragt worden. Ich habe bestimmt. Ich weiß im Moment nicht, wie ich so weiterleben soll. Die Angst, etwas falsch gemacht zu haben, frißt meine Seele auf und ich kann nichts dagegen tun. Verstand hin oder her. Der hilft mir nicht. Aber Deine tröstende Worte tun so gut. Du hast ja auch Tiere verloren. Vielleicht unter anderen Umständen. Aber Du kannst es sicher nachvollziehen - diese Zweifel und die Angst. Auch wenn ich weiß, dass ich bestimmt im Moment kein amüsanter Unterhalter bin, würde ich mich freuen, vielleicht noch einmal von Dir zu hören. Liebe Grüße sendet Dir Tömmchen!

  11. #51
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    Hallo Tömmchen,
    schade, dass du noch keinen Frieden machen konntest mit dir. Ich möche dich aber ermuntern, die Kraft in dir zu suchen und wiederzuentdecken. Du schreibst sinngemäß, Tommy habe dir Kraft gegeben, vieles zu bewältigen, aber die Kraft wohnt stetig in dir, auch jetzt.

    Du schreibst außerdem, Tommy habe ja "vielleicht nicht sterben wollen". Als Hautierhalter haben wir eine Verantwortung und entscheiden über Tiere. Täglich. Wir "zwingen" ihnen schließlich auch unsere Gesellschaft sowie unsere Haltungsbedingungen auf, täglich entscheiden wir für sie und so können wir auch im Augenblick des Abschieds nur versuchen, unserer Verantwortung bestmöglich gerecht zu werden. Leider liegen die Antworten nicht immer klar auf der Hand, es ist aber sicher ausreichend und entscheidend, dass wir zum Wohle des Tieres zu handeln versuchen und nicht zu unserem eigenen und das scheinst du ja getan zu haben.

    Mir sind beim Lesen heute noch zwei Dinge eingefallen, zum einen ein Gedicht von Rilke:

    Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
    und er verarmte mir in den Armen
    und wurde klein, und ich wurde groß:
    und auf einmal war ich das Erbarmen,
    und er eine zitternde Bitte bloß.

    Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, -
    und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
    er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
    und wir haben langsam einander erkannt...


    Ich wünsche dir, dass du das Leben (wieder) lernst.

    Zum anderen ist mir noch dieses Büchlein eingefallen, ein Kinderbuch:
    https://www.stiftunglesen.de/service...ngen/buch/1902

    Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen; ein Werdender wird immer dankbar sein.

    (aus: Goethe, Johann Wolfgang: Faust, Vorspiel)

  12. #52
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    Hallo Tömmchen,

    Du hast vollkommen recht. Es ist nicht immer einfach bei unseren Vierbeinern Schmerzen direkt zu erkennen. Das hat seinen Grund darin, dass Hunde und Katzen ursprünglich alle aus der Wildnis stammen. Und wer in freier Natur auf sich gestellt ist und dann Schmerzen bekommt oder gar krank wird, geht unter. Ich kann Dir ja nur immer aus Katzensicht berichten, aber organisch und in manchem Verhalten sind sie sich doch gleich bzw. ähnlich. Auch Katzen versuchen immer Schmerzen zu verbergen und können sehr viel kompensieren. Selbst wenn man sein Tier wirklich gut kennt, ist es nicht immer eindeutig zu erkennen.

    Aber Du kannst davon ausgehen, bei all den vielen Erkrankungen von Tommi, dass er tagtäglich mit Unwohlsein und Schmerzen zurechtkommen musste. Eine weitere Infusion hätte dahingehend keine Wirkung mehr gebracht. Es gibt verschiedene Infusionslösungen (z.B. Glucose, Ringer, Natriumchlorid . . . ). Wahrscheinlich hätte er nur noch eine Infusion für den Flüssigkeitshaushalt bekommen, die ihm aber bzgl. der Erkrankungen nicht geholfen hätte. Dazu sind diese Infusionen auch nicht gedacht.

    Du schreibst, dass er noch mit dem Schwanz gewedelt hat, seine Augen noch klar waren und das Fell glänzte. Das ist ein paradoxes Phänomen, das ich auch schon bei meinen todkranken Katzen beobachtet habe. Es ist, als ob der Körper noch einmal seine ganzen Reserven mobilisiert. Es war aber nie von Dauer. Oft lebten meine Katzen noch maximal 1 Woche, meistens aber nur wenige Tage. Es ist leider nicht immer eindeutig zu erkennen, wann der entscheidende Tag gekommen ist. Ich habe es Dir ja schon einmal geschrieben, dass es für mich immer die schlimmste Phase der Erkrankung ist sobald ich weiß, dass mein Tier unheilbar krank ist bis zu dem Moment, ab dem sein Leben nur noch Schmerz bedeuten würde.

    Eigentlich hast Du es doch erkannt. Und nicht nur das: Dein Tommi hat es Dir auch gezeigt! - Dass er das Wasser nicht mehr wollte, ist ein eindeutiges Signal gewesen.

    Ich hatte und habe diese quälenden Zweifel auch oft. Wie gesagt, es ist nicht immer eindeutig zu erkennen wann der entscheidende Moment/Tag gekommen ist. Ich hoffe sehr, Du nimmst es mir jetzt nicht übel Tömmchen: Für Deinen Tommi war es Zeit zu gehen. Ich hätte es ganz genau so entschieden. Jeder weitere Tag wäre nicht mehr zu verantworten gewesen.

    Tommi war am Ende seiner Kräfte.

    Ich weiß, dass man es nicht wahrhaben will und nicht glauben kann. Dennoch ist es so. Hätte er noch einen Tag gelebt, dann wären Dir auch am nächsten Tag wieder Zweifel gekommen. Und auch am darauffolgenden Tag. Insofern hast nicht Du letztendlich entschieden, sondern die Krankheiten. Denn Zweifel sind nur dann berechtigt, wenn es noch Aussicht auf Besserung gibt bzw. gegeben hätte.

    Dein Tommi hatte so viel Glück mit Dir. Dass Du Dich so gekümmert hast, dass Du ihm Liebe gegeben hast, dass Du bis ganz zum Schluss zu ihm gehalten hast und bei ihm geblieben bist. Und vor allem, dass Du ihm die wirklich großen Schmerzen erspart hast. Denn das ist ganz sicher, die hätten nicht mehr lange auf sich warten lassen!

    Es wäre falsch gewesen noch zu zögern. Tommi hat den Kopf weggedreht. Er musste gehen dürfen. - Auch das muss man seinem Tier vermitteln "du darfst gehen".

    Tömmchen, Du hast es gut gemacht!!!

    Nimm mir meine Offenheit bitte nicht übel und lasse es Dir vielleicht noch einmal durch den Kopf gehen.

    Bis hoffentlich bald und liebe Grüße

  13. #53
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    Vielen Dank für Eure lieben Antworten ! Sheratan, Dir ganz besonderen Dank für das wunderschöne Gedicht. Es liegt viel Wahrheit darin.

    Ich habe heute Nacht und den ganzen Tag über sehr viel nachgedacht.

    Man will wirklich die Wahrheit manchmal nicht sehen und klammert sich an vage Hoffnungen, die jeder Grundlage entbehren.

    Als ich vor 3,5 Jahre zum Tierarzt ging, weil Tommi hustete und fast erstickt wäre, sagte mir der Arzt nach den Diagnosen 2 kaputte Herzklappen und Hodenkrebs, dass er noch max. 8 bis 12 Monate hätte.

    Tatsächlich hat er noch 3,5 Jahre gut gelebt. Ist gut gelaufen, hat jeden Tag gespielt, war glücklich und ausgeglichen. Montags ist er eingeschläfert worden, Donnerstags hat er noch Ball gespielt ! Er hat also nicht lange leiden müssen, soweit ich das beurteilen kann. Klar, er hatte mal Durchfall, alle paar Monate musste er sich morgens mal übergeben. All dies aber ohne Beeinträchtigung seines Allgemeinbefindens. Jeder sagte: der macht aber einen glücklichen und zufriedenen Eindruck. Er hatte keine Ängste, keinen Stress, seinen geregelten Tagesablauf. Ich habe ihn nur das Allernötigste alleine gelassen.

    Ein Außenstehender wie Du, liebe/lieber Tiere im Glück, hat wirklich eine objektivere Sichtweise als ich als Betroffene. Es tut mir unheimlich gut, dass Du gesagt hast, Du hättest genauso gehandelt wie ich und einschläfern lassen.

    Ich hatte wirklich Angst, dass er Schmerzen hat und mir verdurstet und verhungert. Vielleicht sogar unter Krämpfen stirbt. Ich hab ihm immer gesagt, dass er mir ein deutliches Zeichen geben soll, wenn er nicht mehr kann oder will. Ich würde ihm dann helfen zu gehen. Dass er Essen und Trinken eingestellt hat, hab ich als solches Zeichen angesehen.
    Ich hatte es ihm versprochen und ich habe alle meine Versprechen ihm gegenüber eingehalten. Als ich ihn nach meinem Auszug zurücklassen musste bei meinem Ex-Mann habe ich ihm versprochen, ihn nie im Stich zu lassen, mich weiterhin um ihn zu kümmern und ihn zu holen, koste es, was es wolle. Ich habe auch dieses Versprechen eingehalten. Dieser Kampf um ihn hat mir auch sehr viel Kraft gekostet, aber er war es wert.

    Meinst Du wirklich, dass ihm das Leber-u. Nierenversagen noch Schmerzen bereitet hätte? (wenn er nicht schon welche hatte...)Ich habe eine Kollegin, die erklärte Gegnerin des Einschläferns ist. Sie hatte mir gesagt, dass sie für das natürliche Sterben ist und es sich manche Leute mit dem Einschläfern sehr einfach machen, weil sie den Sterbeprozess nicht mitmachen und begleiten wollen. Er wäre wohl friedlich eingeschlafen mit dem Organversagen. Ich habe daraufhin erwidert, dass ich auch für das Natürliche bin, allerdings nicht einem Ende mit Schmerzen und Angst zuschauen möchte, wenn ich einschreiten kann. Keiner konnte mir garantieren, dass Tommi friedlich einschläft, was natürlich schöner gewesen wäre.

    Sein Bauch war prall und hat sicherlich gespannt. Wo hätte dort noch Platz für Futter sein sollen ? Seine Leber war auch schon 3 Jahre vergrößert.
    (Stauungsleber).
    Durch die schleichende Vergiftung waren Magen und Darm entzündet. Seine Augen tränten die letzten 2 Tage. Ich schreibe dies alles, weil ich mir jetzt selber sage: Tommi war am Ende seines Weges angelangt.

    Ich habe alles Mögliche versucht, ohne egoistisch zu sein. Ich hätte ihn liebend gerne noch 1 Jahr gepflegt. Auch wenn er inkontinent geworden wäre - es hätte mir nichts ausgemacht. Ich hätte alles für ihn getan. Aber quälen wollte ich ihn nicht.

    Wenn ich alles so zusammenzähle, was er hatte, wundere ich mich selber, dass er fast 14 Jahre alt geworden ist. Aber ich habe ihn auch sehr hingebungsvoll gepflegt. Gesundes, hochwertiges Futter, meist frisch gekocht, pünktliche Tablettengaben.Er hat mich jeden Tag seine Dankbarkeit dafür spüren lassen.

    Heute ist Dank Eurer lieben Worte der 1. Tag nach seinem Tod, wo ich auch ein wenig dankbar sein kann, dass ich ihn trotz allem sooo lange haben durfte. Nicht jeder Hund wird fast 14. Viele müssen vorher aufgrund einer Krankheit sterben.

    Mein kleiner tapferer Kämpfer hat sehr lange durchgehalten.

    Jetzt kommen mir trotzdem wieder die Tränen und ich höre besser auf zu schreiben.

    Ich hoffe wir hören wieder voneinander. Ganz liebe Grüße von Eurem Tömmchen...

  14. #54
    Registriert seit
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    Hallo Tömmchen,

    es freut mich so sehr für Dich, dass Du endlich ein wenig Erleichterung findest.

    Die großen Schmerzen wären gekommen. Da kannst Du wirklich sicher sein. Du schreibst ja selbst Magen und Darm waren bereits entzündet. Jeder, der schon einmal Magenprobleme hatte, weiß wie schmerzhaft das sein kann. Dazu noch Hodenkrebs und massive Flüssigkeitsansammlung, die alle Organe einengt und einen enormen Druck erzeugt. Er hätte sich zu Tode gequält.

    Es ist sicherlich nie eine leichte Aufgabe einen Sterbeprozess zu begleiten, egal ob Mensch oder Tier. Allerdings gibt es ja noch den Tierarzt, der durchaus größere Erfahrungen hat, und nicht einfach so ein Tier einschläfert. Nur weil seine Besitzer das so möchten. Ich habe Dir dazu früher schon einmal geschrieben.

    Hat Deine Kollegin denn auch schon so etwas erlebt wie Du? - Natürlich wünscht sich bestimmt jeder für sein Tier ein ruhiges Einschlafen und somit friedliches Ende.
    Nur wird das wohl in den seltensten Fällen so sein. Ich könnte es jedenfalls nicht meinem Tier antun, ihm guten Gewissens in die Augen zu sehen wenn es sich im Todeskampf befindet. Tömmchen, ich kenne Deine Kollegin nicht und will ihre Meinung bestimmt nicht schlecht machen, doch jedes Sterben verläuft anders. Genauso wie auch jede Erkrankung bei jedem Tier ihren eigenen Verlauf nimmt. Manche Tiere sterben tatsächlich bevor die Schmerzen kommen. Eben je nach Krankheitsverlauf und körperlicher Verfassung. Ich habe schon Tiere zum Einschläfern gebracht, die dann allein durch die Narkose gestorben sind oder teilweise sogar durch das Beruhigungsmittel, das ich ihnen für die Fahrt zum Tierarzt gegeben hatte. Es gab Tiere, die ich zunächst zuhause begleiten konnte. Sie wurden nur immer schwächer. Aber ganz plötzlich bekamen sie schreckliche Krämpfe. Andererseits hatte ich Kaninchen, die morgens tot im Käfig lagen (ohne irgendeine Erkrankung). Abends waren sie noch munter und kamen auch zum Fressen. Am nächsten Morgen waren sie einfach nicht mehr aufgewacht. Ich habe schon viele Nächte neben meinen sterbenden Tieren durchgewacht, habe sie gestützt wenn sie keine Luft mehr bekamen, ihnen gut zugeredet und sie beruhigt wenn die Angst in ihren Augen stand.

    Jedes Sterben ist anders. Und jedes Mal muss anders entschieden werden.

    Dass Dein Tommi trotz der Diagnose noch so lange gelebt hat, ist sicherlich zum großen Teil auch Dein Verdienst. Man darf wirklich nicht die enorme Wirkung eines liebevollen Zuhauses unterschätzen.

    Ich wünsche Dir sehr, dass es von nun an jeden Tag ein bisschen leichter wird. Dann wirst Du bald mit liebevollen Erinnerungen an Tommi denken und darfst auch auf Dich stolz sein, auf das, was Du alles für ihn geschafft hast.

    Ich freue mich sehr auf Deine Antwort.

    Bis bald

  15. #55
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    Liebe/lieber Tiere im Glück,
    nein, ich bin nicht stolz auf mich und werde es auch nicht werden.
    Ich habe Tommi damals natürlich operieren bzw. kastrieren lassen wegen seines Hodenkrebses, sobald er herzmässig stabilisiert war. Mehr konnte ich nicht tun. Offensichtlich hat der Krebs dann doch gestreut. Heute frage ich mich, warum ich keine Chemo habe machen lassen. Doch der damalige TA meinte, dass es ein Krebs war, der nur selten streut und dieser gut abgekapselt gewesen sei.
    Vor einem Jahr wurde dann ja durch Zufall beim Ultraschall Blasenkrebs entdeckt.
    Man weiß es nicht. Im Bauch konnte man wegen der Flüssigkeit ja nichts erkennen. Wahrscheinlich waren auch Leber und Milz befallen.
    Ich konnte ihm nicht helfen. Worauf soll ich da stolz sein ?

    Heute war ich wieder ganz früh im Friedwald bei ihm. Es ist jetzt alles grün dort.
    Es hätte ihm dort gut gefallen. Der kleine See, das Vogelgezwitscher.
    Da fühle ich mich ihm mal wieder nah; auch wenn dort nur seine Asche verstreut ist. Ich bin froh, dass ich dort eine Anlaufstelle für meine Trauer habe.

    Als meine Nichte heute kam, um mich auf den Geburtstag ihrer kleinen Tochter einzuladen, meinte sie, dass ich nicht nur ihr Sorgen bereite.
    Ich sei immer ein fröhlicher Mensch gewesen, stets mit einem Lächeln im Gesicht, mit trockenem Humor.
    Seit Tommi tot sei, sei mein Lachen verschwunden. Meine Augen würden nur noch traurig schauen. Wenn man mich von Weitem sähe, könnte man die Trauer erkennen. Ich hab ihr gesagt, dass ich das weiß und versuche, dieses irgendwie -na sagen wir - zu vertuschen. Sie meinte, wenn du lächelst, lächelt nur dein Mund, nicht deine Augen.

    Ich kann leider im Moment nichts dagegen tun, so sehr ich auch kämpfe.
    Heute habe ich wieder eine Tablette genommen (auf pflanzlicher Basis) in der Hoffnung, etwas zur Ruhe zu kommen. Bislang wirkt sie leider nicht.
    Es ist wahrscheinlich auch der wenige bzw. fehlende Schlaf, der mich zermürbt. Aber ich möchte nicht mit Schlaftabletten anfangen.
    Ich muss durch die Trauer durch. Und ich bin der Meinung, dass gerade dieser Hund, der mir in schlechten Zeiten immer treu zur Seite stand und mich getröstet hat, es auch wert ist, betrauert zu werden.
    Wie ich schon schrieb: Besser ich leide als er.

    So versuche ich ab morgen, die neue Arbeitswoche hinter mich zu bringen.
    Am Tag nach Himmelfahrt hatte ich im Jahresurlaubsplan Urlaub eingetragen, weil ich dachte, Tommi freut sich über ein erneutes langes Wochenende.
    Jetzt habe ich immer Angst vor freien Tagen. Ich denke dann zu viel nach.

    Vielleicht fahre ich zum Tierheim, mal schauen. Samstag war es nicht so toll dort; ich war nur mit Praktikanten alleine. Vom Vorstand keiner da. Über die Katzen konnte ich nur vereinzelt Auskunft geben, als Interessenten kamen. So eine schlechte Organisation ärgert mich. Ich hoffe, die Interessenten haben sich zu einem späteren Zeitpunkt nochmals gemeldet. Wäre schade, wenn wegen einer solchen Nachlässigkeit (Präsenz während der Öffnungszeiten) die Tiere kein neues Zuhause finden. Wenigstens ist der Deutsch-Drahthaar endlich in ein neues Zuhause gewechselt, wo er wohl sehr glücklich ist und endlich wieder gefordert wird. Ich freu mich so sehr für ihn.

    Jetzt versuche ich noch ein wenig Ruhe zu finden, damit ich vielleicht ein paar Stunden heute Nacht schlafen kann.

    Für Deine lieben tröstenden Worte hab vielen Dank. Ich wünschte, ich könnte Dir etwas dafür zurückgeben. Ich Moment kann ich es leider noch nicht. Aber ich arbeite daran.

    Bis dahin liebe Grüße und ein großes Danke von Tömmchen !

  16. #56
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    Hallo Tömmchen,

    Du beschreibst nur einen sehr kleinen Ausschnitt von dem großen Ganzen. Du hast um Tommi gekämpft, damit er bei Dir bleiben konnte. Dafür musstest Du Einiges ertragen. Aber Du hast es für Deinen Hund getan. Und obwohl Du wusstest, dass er krank war, hast Du Dich vehement für ihn eingesetzt. Und schließlich wurde Dein Einsatz mit Erfolg belohnt. Nicht jedes Tier hat so einen energischen Fürsprecher und erhält so viel Zuwendung.

    Ich finde schon, dass Du es verdient hast auch auf Dich stolz sein zu dürfen. Denn Du hast Dich nicht einschüchtern lassen und allen Widrigkeiten zum Trotz zu Deinem Tommi gehalten!

    Ob ihm eine Chemotherapie tatsächlich geholfen hätte ist zweifelhaft. Abgesehen davon, dass sie ihm zunächst weitere Beschwerden gebracht hätte, ist er ja nicht am Krebs allein gestorben. Stauungsleber z.B. ist eine Folgeerkrankung einer bestehenden Herzinsuffizienz. Du weißt auch nicht wie Tommi genetisch veranlagt war. Es sind viele Ursachen für seine multiplen Erkrankungen denkbar. Dadurch wird die Behandlung nicht einfacher. Manchmal kann auch gegen die Ursachen nichts mehr unternommen werden und die Therapie kann nur symptomatisch erfolgen.

    Es ist absolut unbefriedigend und schmerzt einfach nur wenn man für sein Tier nicht mehr tun kann. Oft muss man auch abwägen zwischen Aufwand und Nutzen. Aufwand in dem Sinne, was ist dem Tier zuzumuten. Ich pflegte vor ein paar Jahren einen älteren Kater, der an der Wirbelsäule einen Tumor hatte. Seine Hinterbeine waren gelähmt und er zog sich nur mit den Vorderbeinen über den Boden. So hatte ich ihn aus dem Tierheim übernommen. Natürlich ging ich mit ihm zu verschiedenen Tierärzten. Alle meinten übereinstimmend, dass eine OP möglich wäre. Aber aufgrund seines hohen Alters, seiner körperlichen Verfassung und den geringen Erfolgsaussichten rieten sie mir davon ab. Es konnte niemand zuverlässig sagen, ob er nach der OP schmerzfrei gewesen wäre und ob er überhaupt wieder hätte laufen können.

    Du kannst Dir sicher vorstellen, wie ich mich mit dieser Diagnose gefühlt habe. Einerseits hätte er durchaus eine Chance gehabt, andererseits hätte sein Zustand nach der OP schlechter sein können als vorher.

    Es sind uns einfach Grenzen gesetzt. Du kannst nur immer aus der Situation heraus entscheiden. Du musst abwägen und dann im Sinne für Dein Tier handeln. Ich denke, dass Du das getan hast.

    Du musst mir Nichts zurückgeben. Ich hoffe, Du wirst Dich bald besser fühlen und dann nicht mehr nur trauern, sondern Dich auch wieder freuen und dankbar sein können für einen wunderbaren Freund und Gefährten.

    Alles Liebe

  17. #57
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    Hallo Tömmchen,

    ich habe ein Gedicht für Dich gesucht. Dieses fand ich sehr schön:

    Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
    von vielen Blättern eines.

    Das eine Blatt man merkt es kaum,
    denn eines ist ja keines.

    Doch dieses eine Blatt allein,
    war Teil von meinem Leben.

    Drum wird dies eine Blatt allein,
    mir immer wieder fehlen.

    Ich hoffe, dass es Dir auch gefällt.

  18. #58
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    Ja, liebe/lieber Tiere im Glück, uns sind leider Grenzen gesetzt.
    Es tut mir wirklich leid, dass es für Deinen alten Kater keine Rettung mehr gab. Aber hier muss ich sagen, hätte ich auch keine OP mehr durchführen lassen.
    Es hätte wohl keinen Sinn mehr gehabt und nur das Krebsleiden verlängert.
    Auch die OP ist alleine schon für ein altes und geschwächtes Tier sehr anstrengend. Der Heilprozess dauert meist länger als die gewonnene Lebenszeit.
    Und er hat sicherlich auch Schmerzen gehabt. Da hast Du wirklich richtig gehandelt.

    Als wir bei Tommi durch Zufall vor einem Jahr den Blasenkrebs entdeckten sagte mir mein Tierarzt: nicht operabel. Laufen lassen solange es ihm so gut geht.

    In einer Tierklinik hätte man sicherlich noch mehr versucht. Aber ich habe damals entschieden, dass an ihm nicht mehr herum experimentiert wird und er in Würde altern soll. Zu diesem Entschluss kann ich heute noch stehen.
    Mit dem Entschluss des Einschläferns tue ich mich bis heute sehr schwer.

    Du sagst, nicht alle würden sich so vehement für ihr Tier einsetzen, wie ich es getan habe. In den vielen Monaten, in denen ich mich jeden Abend von meinen Exmann beschimpfen lassen musste, bin ich auch einige Male schwach gewesen.
    Meine Familie hat mich teilweise gefragt, warum ich mir das antue. Ich hatte jeden Abend Angst, wenn Tommi geholt wurde. Er wollte nie weg, ließ sich kaum von meinem Arm nehmen. Selber laufen war gar nicht drin. Es hat mir jedes Mal das Herz zerrissen. Dazu die Beschimpfungen. Ich stand einige Male kurz davor, ihm zu sagen: Behalt den Hund ganz und seh' zu, wie Du mit dem kranken Tier klar kommst. Dafür schäme ich mich heute.
    Aber ich konnte es nicht sagen. Ich habe immer und immer wieder eine Faust in der Tasche gemacht, habe nur geschluckt. Für Tommi. Ich hatte ihm doch versprochen, ihn nie im Stich zu lassen. Aber so hätte jedes Frauchen reagiert. Das ist wohl nichts Besonderes, denke ich.

    Nach wie vor versuche ich irgendwie, meinen Alltag ohne ihn zu bewältigen. Am 19.05. waren es 5 Monate. Jeden Montag um 09.00 h wird mir übel. Um kurz nach 09.00 h wurde er eingeschläfert. Ich kann noch so viel Arbeit haben und das Telefon wie verrückt klingeln - ich kann dann nicht agieren. Meine Kollegen wissen Bescheid. Was sie denken, weiß ich nicht und interessiert mich auch nicht. Gott sei Dank sind einige Hunde- u. Katzenbesitzer darunter, die es wahrscheinlich nachvollziehen können.

    Jetzt steht mir das lange Wochenende bevor und es graut mir jetzt schon davor.
    Ich hatte dieses Jahr viele lange Wochenende geplant wegen Tommi. Ich dachte, das sei besser als ein oder zwei längere Urlaube. Ich war ganz schön naiv. Hab gedacht, er packt es noch eine Weile, der kleine Kämpfer. Nun muss ich den Urlaub mal so nehmen, wie ich ihn eingetragen habe. Es nützt nichts.
    Ich muss da durch. 2 Familienfeiern stehen auch noch an. Eigentlich habe ich zu nichts Lust. Aber ich gehe natürlich hin, weil ich nicht unhöflich sein möchte.
    Essen kann ich eh fast nichts und mit Fröhlichkeit komme ich im Moment nicht so klar. Das Theaterspielen fällt mir so schwer.

    Ich bin wirklich froh, dieses Forum und Euch liebe Menschen gefunden zu haben. Menschen, die einfach nur zuhören und nicht die Trauer belächeln, wie es viele machen. Wie gesagt - ich möchte gerne etwas zurückgeben - habe aber leider im Moment nichts anzubieten...Ich hoffe, das ändert sich irgendwann einmal.

    Bis dahin viele liebe Grüße sendet Euch Tömmchen

  19. #59
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    Tömmchen, kennst du diese Murmel-Geschichte: Man nimmt am Morgen 10 Murmeln (oder Steinchen, trockene Erbsen...oder sonstiges) in die linke Hosentasche und immer, wenn man etwas Schönes sieht oder einem etwas Gutes widerfährt, dann steckt man eine Murmel in die andere Tasche. Am Abend schaut man sich dann seine "Ausbeute" an und erinnert sich daran, was an dem Tag gut war. Diese Übung lädt dazu ein, den Blick auf das Schöne im Alltag zu lenken. Eine Amsel, die zwitschert, ein schöner Sonnenaufgang, ein nettes Wort...

    Der Blick zurück auf Handlungslalternativen hindert dich am Erleben des Hier und Jetzt. Ob du "genug" getan hast, ob das jeder so getan hätte, ob der Tierarzt dies oder jenes gesagt hat - es ist nicht mehr zu ändern und wichtig ist nur: Du hast es so gut gemacht, wie du konntest! Daran besteht kein Zweifel und das ist das Entscheidende. Trauer ist heilsam, Hadern und Selbstzweifel sind es nicht.

    Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen; ein Werdender wird immer dankbar sein.

    (aus: Goethe, Johann Wolfgang: Faust, Vorspiel)

  20. #60
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    Lieber Sheratan,

    ich würde gerne mein Trauern und Hadern einstellen, wenn ich es könnte.

    Dass ich es nicht kann, war der Grund mich hier anzumelden. Ich hatte nicht vor, mit meinem Trauern und Hadern irgendwelche Leute zu nerven oder langweilen. Wenn dieses so gewesen ist, tut es mir leid.

    L.G. Tömmchen

  21. #61
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    Tömmchen - ich glaube nicht das Sheratans Beitrag so gemeint war, ich sehe ihn eher als Anregung, Moeglichkeit mit dem Verlust umzugehen. Jeder Mensch trauert anders und glaube mir, ich kann deine Trauer eindeutig verstehen ....... Montagmorgen um 10.00 ist unsere Luna über die Regenbogenbrücke gegangen, nach 16,5 Jahren in denen sie ständig mit uns zusammen war. Ich hab sie selber aus der Eihülle geholt und sie bei ihrem ersten Atemzug in der Hand gehalten - den letzten Atemzug hat sie in meinen Armen getan. Und auch wenn ich jetzt schon wieder heulen muss weiss ich das es für sie die richtige Entscheidung war und ich bin dankbar für jeden Tag den ich mit ihr hatte.

    Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht. - Albert Schweitzer -

  22. #62
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    Hallo Tömmchen,

    da Du im Tierheim arbeitest, weißt Du doch wie manche Menschen mit ihren Tieren umgehen. Es ist eben leider nicht selbstverständlich, sich so für sein oder ein anderes Tier einzusetzen!!

    Das Problem bei meinem alten Kater war nicht der Tumor allein bzw. dass es keine Handlungsmöglichkeit mehr gegeben hätte. Eine OP wäre durchführbar gewesen. Ich hätte auch entscheiden können, ihn operieren zu lassen und erst, falls danach keine Besserung eingetreten wäre, ihn einschläfern zu lassen. Ich musste mich damals auch mehr auf die Erfahrung und den Rat der Tierärzte verlassen. Es war eine sehr schwere Entscheidung für mich und eine Sicherheit, ob ich richtig entschieden habe, gibt es bis heute nicht. Aber mir tat der alte Kater so unendlich leid und schließlich musste er die Schmerzen aushalten, nicht ich, das war für mich dann ausschlaggebend zur Einschläferung.

    Ich kann Dir auch noch von einer anderen Katze berichten, bei der die Entscheidung eindeutiger war aber, für mein Empfinden, bei weitem "unfairer". Es war auch eine ältere Katze, mit drei Beinen, taub und es fehlten auch schon einige Zähne. Aber sie war so ein Sonnenschein. Anhänglich, verschmust, aufmerksam und absolut menschenbezogen - dankbar für jedwede Zuwendung. Sie war auch nie krank. Wenn die anderen mal einen Infekt hatten, der bei mehreren Katzen oft von einem zum anderen wandert, blieb sie immer verschont. Einmal nur hatte sie eine Blasenentzündung, die sich als sehr hartnäckig erwies und ihr ziemlich zu schaffen machte. Nachdem sie endlich auf dem Wege der Besserung war, ging ich mit ihr zur Kontrolle zum TA. Meine Tierärztin entdeckte am After eine kleine Verdickung, die sie sich zunächst nicht erklären konnte. Nach ein paar Tagen hatte sich die Verdickung ringförmig fast um den ganzen After ausgedehnt. Es war aber nicht entzündlich und die Katze hatte auch keine Schmerzen. Im Gegenteil, seit die Blasenentzündung ausgeheilt war, war sie so fit und lebenslustig wie eh und je. Das einzige Auffällige war, dass der Kot schmaler geworden war. Und das zeitgleich mit dem Ausbreiten der Verdickung. Also ging ich wieder zum TA. Reine Routine, wir würden ja bald wieder zu Hause sein. Meine Katze bekam eine leichte Narkose, weil der TA sie am Darm genauer untersuchen wollte. Und das Ergebnis: Darmtumor. Eine OP machte keinen Sinn, da der Schließmuskel bereits davon betroffen war und die Katze nach der OP permanent Kot getröpfelt hätte. Bei der Geschwindigkeit, mit der sich der Tumor ausbreitete und den Darm verschloss waren es wahrscheinlich höchstens noch zwei Tage bis sie keinen Kot mehr hätte absetzen können.

    Du siehst, es gibt auch Situationen in denen man einfach überrumpelt wird. Meine Katze war soweit absolut gesund, hätte noch ein paar Jahre leben können. Wäre der Tumor an einer anderen Stelle aufgetreten, wäre er operiert worden und alles wäre gut geworden. Aber es nützt nichts danach zu fragen "was wäre, wenn. . .". Tritt eine Situation ein, in der eine Entscheidung fallen muss, darf man nicht zögern. Wie gesagt, Tömmchen, das Tier steht im Vordergrund. - Das Tier und sein Wohl!

    Ich habe versucht, meine Einstellung zu meinen Tieren zu ändern. Es sind ja nicht "meine" Tiere im Sinne von Besitz. Ich bekomme nur das große Glück und die einmalige Gelegenheit Tiere zu begleiten. Ich darf mit ihnen eine sehr schöne Zeit verleben und wenn die Zeit gekommen ist, mich zu verabschieden muss ich sie wieder gehen lassen. Das vergegenwärtige ich mir immer wieder, vor allem aber bei Neuzugängen von Anfang an. So erlebe ich die Zeit mit ihnen viel intensiver und lebendiger. Es ist auch nicht die Aufgabe meiner Tiere für mich da zu sein, sondern umgekehrt. Genau so, wie Du das mit Deinem Tommi getan hast. Und weil die Tiere das spüren und sie sich wohl und geborgen fühlen, geben sie uns so viel Liebe und Dankbarkeit zurück.

    Tömmchen, ich habe alles von Dir sehr genau gelesen. Ich wünschte, ich könnte Dir ein bisschen von meinem Erlebten weitergeben. Es macht die Beziehung zu den Tieren freier und bewusster. Sogar mit dem Abschied kann ich mich leichter versöhnen.

    Ich weiß, sie sind an einem wunderbaren Ort und ich werde sie eines Tages alle wiedersehen.

    Es hat Jahre gedauert, bis ich für mich diese Einstellung finden konnte. Aber es war wichtig, wenn man bedenkt in welchem Zustand und mit welcher Vorgeschichte ich manche Tiere übernommen habe. Ich hätte sonst nicht weitermachen können.

    Ich wünsche Dir, dass bald die Erinnerungen an Deinen fröhlichen, quirligen und Dich mit großen Augen ansehenden kleinen Tommi so stark werden, dass alles andere keine Chance mehr hat.

    Bis bald und gib nicht auf.

    Liebe Grüße

  23. #63
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    Hallo Tömmchen,

    es ist sehr schade, dass Du nicht mehr geschrieben hast. Ich hätte gerne noch weiter Gedanken mit Dir ausgetauscht.

    Vielleicht liest Du irgendwann einmal diese Zeilen.

    Ich hoffe sehr, dass Du aus Deinem seelischen Tief herausfindest und Dich wieder freuen kannst.

    Du hast vollkommen recht: Dein treuer Freund ist es wert betrauert zu werden.
    Doch so viele, viele Male hat er Dir in schweren Zeiten beigestanden. Deshalb ist er es auch wert, dass Du - eines Tages - mit Freude im Herzen an ihn denkst!

    Ich wünsche Dir alles Liebe

  24. #64
    Registriert seit
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    35
    Liebe/lieber Tiere im Glück,
    entschuldige, dass ich mich nicht gemeldet habe. Mir ging es gesundheitlich in der letzten Zeit nicht gut. Zur Trauer um Tommi, die jedes Mal beim Nachhauskommen wieder aufflammt, kamen noch Stress auf der Arbeit und sogar im Tierheim dazu. Es wird ja rein ehrenamtlich geführt und hat einen sog. Vorstand, der sich leider m.E. nicht so recht kümmert. Ich bin ja immer samstags da mit 2 weiteren Ehrenamtlichen. Wir alle können aber keine Tiere vermitteln, da wir zu den Tieren außer den Namen nicht viel aussagen können (Geschlecht teilweise, kastriert ja/nein, Alter, zu vermitteln oder reserviert).
    Kommen dann samstags während der Öffnungszeiten Interessenten, müssen wir jedes Mal mit einem Vorstandsmitglied telefonieren und fragen. Der Vorstand glänzt leider durch Abwesenheit. Will eine ehrenamtliche Helferin, die beruflich Erfahrung hat, die Internetseite aktualisieren/besser gestalten, regt sich der Vorstand teilweise über so viel " Frechheit" auf. Das hat mich sehr verstört und vermiest mir die Lust am Helfen. Wir müssen immer so viel improvisieren. Wasser läuft schlecht, der Warmwasserboiler ist defekt und wenn man warmes Wasser braucht, muss man einen Wasserkocher benutzen. Trotzdem kommen wir Ehrenamtlichen, um zu helfen. Auch bei 30 Grad. Auch viele junge Mädchen, die in ihrem Alter eigentlich am Wochenende was Besseres zu tun haben. Die sollte man doch nicht verprellen. Die Tiere sind doch das Wichtigste und deren gute Vermittlung. Nicht Neid und Mißgunst. Ich habe mich dabei ertappt, dass ich gar keine Lust hatte loszufahren. Aber ich hatte schon einen Korb Futter gekauft. Und ein Ehrenamt sollte doch eigentlich Spaß machen..
    All das hat meinem Gemütszustand sehr zugesetzt. Auch trotz meiner gesundheitlichen Probleme würde ich eigentlich gerne weiterhelfen.

    Irgendwie bin ich immer wieder von Menschen enttäuscht. Tiere sind nicht so. Deshalb liebe ich sie auch so sehr.

    Was Du alles leistest, bewundere ich sehr. Wenn ich irgendwann die Möglichkeit hätte, alten und kranken Tieren nochmal ein schönes Zuhause zu bieten, würde ich das sofort machen. Leider habe ich die Möglichkeit nicht, da ich alleine bin und jetzt auch wieder Vollzeit arbeite gehe. Vielleicht mache ich mal was in der Richtung, wenn ich in Rente bin.
    Du hast wirklich meine Hochachtung.

    Melde Dich doch mal wieder.

    Liebe Grüße sendet Tömmchen

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