Was sind tierische Nebenprodukte?
Tierische Nebenprodukte sind diejenigen Teile eines geschlachteten Tieres, die nicht
unmittelbar vom Menschen verzehrt werden; dazu zählen auch im Haltungsbetrieb
verendete Tiere sowie Küchenabfälle (das sind Lebensmittelabfälle aus Gaststätten,
Einrichtungen von Lebensmittellieferanten und Küchen), die gekochte oder
ungekochte Fleischerzeugnisse enthalten oder mit solchen in Berührung gekommen
sind. Zum Teil werden sie in tierischem Eiweiß, wie Fleisch- und Knochenmehl,
verwendet oder in Fett, Gelatine, Collagen, Heimtierfutter und anderen technischen
Erzeugnisse, wie Klebstoff, Leder, Seife, Dünger usw. Die Alternative besteht in der
Vernichtung, meist durch Verbrennen.
Man hat geschätzt, dass bei Hähnchen nur 68 % vom Menschen unmittelbar
verzehrt werden, beim Schwein nur 62 %, beim Rind nur 54 % und bei Schaf und
Ziege nur 52 %. Somit werden alljährlich in der EU über 10 Mio. Tonnen Fleisch
gesunder Tiere erzeugt, das nicht zum unmittelbaren Verzehr durch den Menschen
bestimmt ist . Dieses Material wird zu einer Vielzahl von Erzeugnissen verarbeitet, die
in Lebensmitteln, Futtermitteln, Kosmetika, Arzneimitteln und sonstigen technischen
Anwendungen eingesetzt werden. Einige Beispiele:
•Knochen, Haut und Bindegewebe (z. B. Sehnen) werden zur Herstellung von
Gelatine verwendet, die wiederum in Lebensmittel (Desserts,
Weingummiprodukte, Marshmallow und Fleischzubereitungen), Futtermittel
(Überzug für Vitamingaben, Bindemittel für pelletierte Futtermittel und
Kauspielzeug) und Arzneimittel (harte und weiche Kapseln) Eingang finden und
zu technischen Zwecken verwendet werden (im photographischen Bereich zur
Beschichtung von Papier und als Bestandteil von
Silberhalogenidbeschichtungen usw.).
• Aus Gemischen von Knochen und Schlachtabfällen werden Fett und tierisches
Eiweiß ausgeschmolzen, die wiederum in Lebensmitteln, Futtermitteln,
Kosmetika, Arzneimitteln und technischen Produkten Verwendung finden.
• Schlachtabfälle werden als frisches Ausgangsmaterial für Heimtierfutter und
Arzneimittel oder nach einer genau definierten Hitzebehandlung (133°C, 20
Minuten, 3 bar) für Futtermittel verwendet.
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Einteilung in Kategorien
Die Verordnung ordnet die tierischen Nebenprodukte nach dem potentiellen
Risiko für Tiere, Menschen und Umwelt in drei Kategorien ein und schreibt vor,
wie jede Kategorie zu entsorgen ist.
Material der Kategorie 1 (das sind die tierischen Nebenprodukte mit dem
höchsten Risiko, wie TSE, Scrapie oder Rückstände verbotener Stoffe (z. B.
wachstumsfördernde Hormone oder Umweltkontaminanten wie Dioxin und
PCB) muss vollständig als Abfall entsorgt werden, und zwar durch Verbrennung
oder Verbringung auf Deponien nach entsprechender Hitzebehandlung.
Unter Material der Kategorie 2 werden tierische Nebenprodukte verstanden, die
das Risiko anderer Krankheiten bergen (z. B. im Betrieb verendete Tiere oder
Tiere, die im Rahmen von Maßnahmen zur Krankheitseindämmung im Betrieb
getötet werden oder bei denen Rückstände von Tierarzneimitteln möglich sind).
Sie dürfen nach entsprechender Behandlung anderen Zwecken als der
Futtermittelherstellung zugeführt werden (z. B. Biogaserzeugung, Kompostierung,
Fettverarbeitung).
Nur Material der Kategorie 3 (das sind Nebenprodukte gesunder Tiere, die zum
menschlichen Verzehr geschlachtet wurden) dürfen – nach angemessener
Behandlung in zugelassenen Verarbeitungsbetrieben – zur Herstellung von
Futtermitteln verwendet werden