Hallo ema und liebe „stille“ Mitleser,
Vielen Dank, ema, dass Du Dir so viel Mühe gemacht hast, und alles übersetzt hast.
Da wir zu diesem Thread aber bisher keine weitere Rückmeldung erhalten haben, sollten wir dies Thema vielleicht doch bald beenden, oder?
Man könnte noch mal einige Sachverhalte ansprechen bzw. zusammenfassen, damit alle Rohfütterer Anhaltspunkte haben, aber eine Diskussion in der momentanen Intensität ist sicher nicht für viele von Interesse. (?) (Finde übrigens, dass Taurin auch für Fertigfutter-Fütterer eine interessante Substanz ist!)
Ich kann mir vorstellen, das viele gerne die wichtigsten Daten zur Hand hätten, das heißt, wissen möchten, wo ist viel Taurin drin, und wo wenig. Was muss ich beachten, damit der Tauringehalt im Futterfleisch nicht ungewollt (und/oder unbemerkt) abnimmt. Und in groben Zügen die Wirkungen von Taurin im Körper.
Das ist im Prinzip im Großen und Ganzen ja auch schon geschehen. Das wichtigste waren sicher die Werte mit den Tauringehalten, damit man Orientierungspunkte hat.
Ich will Dir Deine Fragen natürlich gerne beantworten, soweit es mir möglich ist.
Deine Frage:
…..wenn das Blut gefroren wird, zu dem Zweck, daß Taurin austritt – würde das nicht auch darauf deuten, daß bei gefrorenem Futter (Fleisch) das Taurin durch das Gefrieren austritt? Also, Verlust über das Tauwasser, das man demzufolge auf keinen Fall wegschütten sollte?....
Es ist durchaus richtig, dass rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Thrombozyten beim Einfrieren und Auftauen platzen können.
Sicher verliert das Fleisch über das Tauwasser etwas Blut, aber sehr viel ist das meistens nicht. Blut färbt sehr stark, so dass das Wasser häufig bluthaltiger aussieht, als es ist.
Tauwasser mitverfüttern finde ich ok, wenn das Fleisch im Kühlschrank aufgetaut wurde und dann schnell z. B. mit einem Schuss heißem Wasser auf „Fresstemperatur“ gebracht wurde. Tauwasser von Geflügel würde ich nicht mitverfüttern.
Das Tauwasser von Fleisch, das langsam bei Zimmertemperatur aufgetaut wurde, speziell Geflügel, würde ich persönlich eher verwerfen, da sich Mikroorganismen (z. B. Salmonellen) bei Zimmertemperatur schnell vermehren und sich vorwiegend im Tauwasser finden, weniger am/im Fleisch.
Das Auftauen im Kühlschrank ist auch gleichzeitig ein Schutz vor übermäßigem Taurinverlust durch mikrobiellen Abbau. Mikroorganismen können sich bei Zimmertemperatur schneller vermehren und sie benutzen Taurin für ihren eigenen Stoffwechsel. Damit sinkt der Tauringehalt, der der Katze zur Verfügung steht.
Dies ist auch ein Grund, weshalb bei Tieren, die durch Verkehrsunfall getötet werden, der Tauringehalt ganz beträchtlich schwankt. (schau mal in die Taurin-Tabelle unter den Werten, die mit Road-Kill bezeichnet sind!)
Je länger der Todeszeitpunkt zurückliegt, umso geringer ist der Tauringehalt. Das kann man nur verhindern, indem man Fleisch möglichst frisch einfriert, weil dann die mikrobielle Zersetzung gestoppt wird.
Dies ist ein wichtiger Punkt für Rohfütterer!!
Ebenfalls sinkt der Tauringehalt in einem Lebewesen durch Stress und auch starke körperliche Betätigung. Das will ich jetzt nicht weiter ausführen. Wer sich dafür interessiert findet genug Untersuchungen in die Richtung.
Was ich aber als Schlussfolgerung wichtig finde: Die Katze fängt und tötet schnell (also keine lange Stressphase und Hetzjagd durch mehrere Reviere für das Beutetier, dies bedeutet -mal nur auf das Taurin bezogen-: kaum Verlust! Und sie verzehrt ihre Beute normalerweise direkt nach dem Fang, also auch keine Gelegenheit für Bakterien sich dort „einzumischen“ und den Tauringehalt zu verringern.
Außerdem ist zu erwähnen, dass die Katze automatisch das Blut ihrer Beutetiere mitfrisst, das ja auch Taurin enthält. Unsere regulären Schlachttiere, deren Fleisch wir beim Schlachter für uns oder unsere Katzen kaufen, sind ausgeblutet.
Es ist nur noch wenig Restblut enthalten, womit auch eigentlich Deine Frage nach dem Taurinverlust im Tauwasser beantwortet wäre. Ob man das Tauwasser mitfüttert, muss, wie erwähnt, jeder selbst entscheiden. Wie gesagt, bei Geflügel würde ich eher verwerfen (da ist sowieso meist kaum noch Blut zu finden!)
Das waren jetzt einige wichtige Erklärungen, wo und wie die hauptsächlichen Taurinverluste stattfinden!
Ich hoffe, es ist so für jedermann und –frau verständlich erklärt!?
Wer sich intensiver damit befassen will, findet Unmengen von Arbeiten dazu und kann dann nach Lust und Laune weiter vertiefen.
Aber da das wahrscheinlich eher der geringere Teil von Euch sein wird, will ich die anderen, die nur „handfeste“ Tipps haben möchten, nicht damit langweilen!
Jeder kann sich jetzt selbst ausrechnen, wie man am besten Taurinverluste vermeidet, bzw. ob er das Fleisch so zur Verfügung stellen kann, das seine Katzen ohne Taurinzusatz gesund bleiben.
Es ist möglich Katzen ohne Taurinzusatz zu ernähren. Es gab schließlich schon vor der Einführung von Fertigfutter Katzen. Und es gibt Züchter und Halte, die schon jahrzehnte lang die Selbstzubereitung des Futters praktizieren und sehr gesunde Katzen haben. Diese Tiere zeigen auch keine Probleme bei der Fortpflanzung, was bei Taurinmangel. durchaus auftreten kann.
Aber ohne Kenntnisse über die Eigentümlichkeiten von Taurin ist es nicht ungefährlich ohne Zusatz zu füttern.
Es dauert nämlich einige Zeit bis ein Taurinmangel sichtbar wird (bis zu vielen Monaten!).
Ich möchte niemanden, der sich unsicher fühlt –im Interesse der Gesundheit seiner Katzen- dazu überreden ohne Taurinzusatz zu füttern.
Wer meint, die Kriterien an die Qualität und Frische (und Menge) des Fleisches zu erfüllen, und auch weiß, in welchen Fleischteilen hohe und/niedrige Tauringehalte sind, sich trotzdem aber unwohl fühlt, könnte auch einen Kompromiss eingehen, und z. B. alle paar Monate für 2 oder 3 Wochen Taurin zufüttern. (Ein paar Tage langsam ansteigende Dosen, etwa eine Woche „volltanken“, dann ein paar Tage langsam wieder ausschleichen). Das wäre so ein Vorschlag meinerseits für diejenigen, die möglichst auf Zusätze jedweder Art verzichten möchten, sich aber doch unsicher sind, ob sie genügend Taurin anbieten.
Dann hast Du noch gefragt:
…..Dazu fällt mir gleich das Thema Salz ein; Katzen sollten ja in ihrem Futter auch eine adäquate Menge an Salz erhalten. Inwiefern beeinflußt denn der Tauringehalt den Bedarf an NaCl (Kochsalz)? Also, ich meine damit: wenn viel Taurin im Futter enthalten ist, brauchen die Katzen dann weniger Kochsalz oder ... ?? (Oder verrenne ich mich jetzt da in eine Sackgasse )
Ja, es gibt eine Wechselwirkung zwischen Taurin und Natrium. Aber das ist wieder so speziell, das ich denke, wir sollten es nicht weiter ausführen. Solange alles in Mengen vorhanden ist, die der Körper beherrschen kann, ist das auch kein Problem, da gibt es Regelmechanismen.
Noch eine Frage:
--> Loulou schrieb:
„Der Magen und auch bestimmte Teile des Darms samt Inhalt, werden also oft verschmäht. Selbst Mäuse werden nicht in jedem Fall komplett gefressen. Ich selbst kann dies aus eigenen Beobachtungen bestätigen und sicher auch diejenigen unter Euch, die Ihre Freigänger und deren Fressverhalten beobachten.“
Dies ist auch wieder interessant, da man ja immer liest, man müsse den „Mageninhalt“ mit verfüttern, also z.B. Gemüse oder Getreide. Wenn die Katzen das in der Natur gar nicht immer mitfressen würden, bedeutet es für sie dann nicht eine ungewohnte Belastung, wenn wir ihnen jetzt bsp. jeden Tag Gemüse ins Futter mischen? Oder anders formuliert, wieviel Gemüse (und welche pflanzlichen Bestandteile überhaupt) sind überhaupt gut für Katzen? Ich habe die Fasermenge in dem Futter meiner Katzen erhöht, damit sie einen regelmäßigeren Stuhlgang haben und den Kot leichter ausstoßen können, jetzt frage ich mich, ist das ausschließlich von Vorteil oder schade ich ihnen damit andersherum vielleicht wieder?
Antwort:
Katzen verschmähen kaum den gesamten Magen-Darm-Trakt, sondern bevorzugt bestimmte Anteile (v. a. Magen, Colon, Caecum), der Dünndarm wird bei kleineren Tieren oft mitgefressen. Bei größeren beginnen sie, wie schon beschrieben, mit dem Fressen fast immer an der vorderen Körperhälfte und sind dann irgendwann gesättigt, bevor sie das hintere Teil erreichen. Weiterhin unterscheiden sie auch nach Beutetieren, was sie übrig lassen. Mäuse fressen sie z. B. oft - wenn auch nicht immer - komplett.
Katzen können mit Hilfe ihrer Schnurrhaare, die als feine Sinnesorgane wirken und die sie eng an ein Beutetier legen (z. B. eine Maus wird damit vollkommen „umfasst“), feststellen, wo vorne ist. Es ist auch insofern praktischer, weil eine Maus mit dem Haarstrich geschluckt besser „rutscht“, als gegen den Strich. Übrigens: Werden Katzen diese wichtigen Sinneshaare entfernt, fressen sie Mäuse auch von der „falschen“ Seite!! (also von hinten). Diese Haare haben auch sonst bei der Orientierung wichtige Funktionen und man sollte sie niemals entfernen!
Hier muß ich einen Bruch machen, sonst wird das Wortlimit überschritten!
Weiter geht es im nächsten Posting...
LG Loulou
"With dogs and people, it`s love in big splashy colors.
When your`re involved with a cat, you`re dealing in pastels."
(Louis A. Camuti, D.V.M.)
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Übrigens: Wenn Katzen zu dick werden, sollten sie Mausgleichssport treiben.