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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Beschützerinstinkt beim Welpen?



Inge1810
18.05.2002, 17:58
Diese Frage richtet sich an alle, die sich mit Hundeverhalten auskennen und mir vielleicht eine Sache erklären können. Wie ja mittlerweile allgemein bekannt sein dürfte, denn genug getrommelt hab ich ja jetzt :D , ist meine Labbi-Mix-Hündin 4,5 Monate alt. Seit einiger Zeit fällt mir immer wieder auf, daß sie scheinbar einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat. Vor einigen Wochen fing es an, daß in der Welpenspielstunde ein etwas größerer Welpe einen kleinen in der Mangel hatte. Auf einmal hechtet meine Kleine dazu und ich dachte erst, holla, jetzt fängt sie auch noch an, kleinere Welpen zu ärgern, aber von wegen, sie hat den großen angegangen und weggelockt. Ich dachte erst an einen Zufall oder daß sie halt gerne mit genau diesem Hund spielen wollte. Es blieb aber nicht bei diesem einen Mal, sondern passiert seitdem immer wieder. Eben kommen wir von der Welpenspielstunde zurück und da war wieder ein ganz kleiner Welpe, der etwas brutaler von einem überlegeneren angegangen wurde. Wieder kam meine als strahlende Retterin angesprungen und hat sich auf den Brutalo gestürzt. An Zufall glaube ich jetzt nicht mehr, aber woher kommt das? Ich habe das bisher noch nie so ausgeprägt bei einem Welpen beobachtet, daß so ein starker Beschützerinstinkt vorhanden ist, denn sie geht nicht immer dazwischen, nur, wenn es zu heftig wird und ein Hund stark unterlegen ist. Lt. Alpha kennen Hunde kein Mitgefühl, aber was ist das sonst und noch dazu mit Leckerle-Erziehung :confused: Ansonsten ist sie wirklich nicht ohne und spielt mit gleichstarken oder auch größeren Hunden, daß einem fast Angst werden könnte, weil es sich gar so gefährlich anhört, aber niemals macht sie das mit Kleineren.

Thomas
18.05.2002, 19:01
Hallo Inge1810!

Kleiner Exkurs vorweg: was bedeutet eigentlich das 1810 hinter Deinem Namen?

Ein paar Vorschläge:
* Deine Größe in cm (hmmm, ganz schön GROSS ;))
* In 18 Jahren willst Du 10 Hunde haben
* Du hast im Jahre 1810 schon mal gelebt (vielleicht als Hund?) und bist z.Zt. bei Deinem 2.ten Leben als Hund
* Du willst in diesem Forum insgesamt 1810 Beiträge verfassen

Nichts von all dem? Na dann klär uns mal auf... :cool:



Zu Deinen Beobachtungen:
Ich denke es ist von hier aus schwer einzuschätzen, was die Beweggründe für das Verhalten Deines Hundes sein könnten da die jeweiligen "Calming Signals" von entscheidender Bedeutung für eine richtige Interpretation wären. Allerdings habe ich eine Vermutung mit der ich u.U. falsch liege...aber ein "Versuch" isses wert:

Ich weiß ja mittlerweile, das bei Deinem Labbi-Mix auch ein bischen Collie, also Hütehund, mit drinn steckt. Falls also der Hütehundanteil wesensmäßig bei Deinem Hundi relativ stark ausgeprägt ist, könnte folgende These zutreffen: Bei Hütehunden habe ich schon oft in div. Hunde(schulen)-Gruppen beobachtet, das sie eben oft "meinen" andere Hunde hüten zu müssen; d.h. die "preschen" einfach zwischen zwei gerade spielenden Hunde (Deine Interpretation, das gerade ein "großer" ein "kleinen" unterbuttert kann zwar richtig sein, könnte u.U. aber auch noch im Bereich "Spiel" angesiedelt sein) und treiben die quasi auseinander. Es sieht vielleicht auf den ersten Blick so aus, als ob Dein Hund hier eine Beschützterrolle einnimmt, in Wirklichkeit will sie aber evtl. nur einen Spielabruch erzwingen. Falls es sich wirklich um eine Art von "Mobbing" handeln sollte, müßte dem eigentlich entgegengewirkt werden. Spielt Deine Hündin, nachdem sie dazwischengegangen ist eigentlich mit dem "stärkeren" Hund oder dreht sie danach wieder ab und kommt zurück zu Dir?

read ya´
Thomas

Inge1810
18.05.2002, 22:05
Meine Güte Thomas.... tststststs... ich muß Dich tadeln ;) Da merkt frau doch gleich, daß Du es mit Kochtöpfen gar nicht hast. Schau Dir mal nen Edelstahltopf an. Ist doch klar, daß ich als junge und begeisterte Hausfrau 1810 als Zusatz nehme. Steht auf allen Edelstahltöpfen und Pfannen drauf. Außerdem weiß doch Jeder, daß 1810 die ersten Erfahrungen mit der Elektrizität gesammelt wurden, was ja auch wieder für meine Kochtöpfe von Bedeutung ist. Ganz zu schweigen von den Befreiungskämpfen der spanischen Kolonien in Amerika (1810 - 1825)....... herrje, was lüg ich hier rum :D aber immerhin was dazugelernt... Du wirst enttäuscht sein, wie simpel die Lösung, die ich Dir nun unterbreite, ist.... Inge; geb. 18.10.1971.
Etz aber zum Thema. Ich hab Dir ja gesagt, daß ich den Collie bei der Mutter mit bestem Willen, zusammengekniffenen Augen nicht erkennen konnte. Die sah nach allem aus, aber nicht nach Collie. Nungut, nachdem ich gutgläubig bin, will ich der armen Hundedame das ja nicht absprechen. Vielleicht war irgendwann mal bei ihren Vorfahren einer im Spiel.
Apropos Spiel, meine Kleine spielt mit dem Überlegenen weiter. Also die Situation, wie unten geschildert, sie beobachtet kurz, hechtet dann rein und lenkt den Grobian ab und spielt mit dem. Spielen zwei Hunde normal miteinander, interessiert es sie nicht oder sie gesellt sich dazu, trennt aber nicht, wie in den Fällen mit den hilflosen Hunden. Es ist ja erfreulich und so dringend brauche ich keine Erklärung, aber interessieren tut es mich schon, weil ich es eben so noch nie gesehen habe. Vielleicht fällt Dir ja noch eine Theorie dazu ein.

Alpha
19.05.2002, 00:23
Der Junghund geht zwischen zwei "spielende" Welpen(wahrscheinlich auch Junghunde) unterschiedlicher Stärke,da es sich für ihn hier lohnt,dem Schwächeren zu zeigen:sieh her,ich bin auch stärker als der,welcher dich "bezwang"-ich stehe über allen Hunden hier.Gefährlich,wenn man nicht spätestens hier mal eingreift!Es handelt sich weder um Gerechtigkeitssinn,noch "strahlenden Retter"oder Beschützerinstinkt.Dieses Verhalten sollte dem eigenen und fremden Hunden gegenüber zuliebe abgestellt werden.Das viel zitierte Spiel ist kein Spiel sondern stets Kräftemessen der Hunde.
Da der Junghund mit dem Stärkeren der beiden Kontrahenten "spielt",zeigt sich deutlich sein Hintergedanke-er meint,er sei der Größte.
Hüteinstinkte würden sich ganz anders zeigen.

Thomas
19.05.2002, 00:51
@ Inge

Ok - Du hast mich also als Nicht-Koch entlarft, vielen Dank Inge - mit Diesem Outing werde ich jetzt wohl Zeit meines Leben klarkommen müssen :)

@ Alpha

Alpha schrieb:"Hüteinstinkte würden sich ganz anders zeigen."
Nach Inge´s erstem Posting war das allerdings noch nicht so klar. Mit dem weitergehenden Infos aus ihrem 2-ten Beitrag rücke ich von meiner Theroie ab, da meiner Theorie folgend, ihr Hund mit keinem der beiden weitergespielt hätte. Ist klar.
Deine Erklärung klingt im Ansatz recht schlüssig. In diesem Zusammenhang wäre es evtl. ganz interessant zu erfahren in wieweit Du Deinen Hunden das Spielen (Kräftemessen?) mit anderen Hunden gestattest, unter welchen Voraussetzungen, mit welchen Hunden (ranghöher/-niedriger) usw.

Alpha
19.05.2002, 01:39
Hallo Thomas!
Meine Hunde dürfen untereinander in unserem Rudel soviel Kräftemessen wie sie wollen,da misch ich mich nicht ein,schließlich wird ja auch keiner in Gefahr geraten.
Fremde,also rudelfremde ,Hunde dürfen sie weder dominieren ehe ich das nicht getan hab("ich dominiere alle")noch lasse ich zu,daß sie untergebuttert werden("ich schütze mein Rudel").Allerdings lasse ich sie auch nicht mit jedem dahergelaufenen Hund "spielen"-das wäre nicht artgerecht.Ich achte also darauf,daß meine Hunde niemals einen anderen Hund unterbuttern als auch,daß ihnen nie Gefahr durch fremden Hund droht.
Gruß&gute Nacht,Alpha

Thomas
19.05.2002, 13:38
@ Inge

Ich habe Deine Beschreibungen zusammen mit Alphas Meinung nochmal durchgelesen, habe das Ganz nochmal durchgedacht und bin zu einer "neuen" These gelangt:

Ausgangssituation: Vermeintlich starker (ranghoher, dominanter) Hund geht schwächeren (rangniederen, unterwürfigen) Hund an; zeigt also agressives Verhalten (muß nicht gleich zähnefletschend zum Ausdruck kommen). Kann es vielleicht sein, das Dein Hund die Agression des anderen Hundes einfach beschwichtigen will, ohne eine bewußte Retteraktion damit zu verknüpfen? Ich meine, im Hunderudel kommt es doch immer wieder mal zu Agressionen die dann von anderen Hunden beschwichtigt werden. In diesem Zusammenhang sollte vielleicht nochmal klar gesagt werden, das Beschwichtigungssignale grundsätzlich sowohl von dominaten als auch von unterwürfigen Hunden als Mittel\Sprache eingesetzt werden. In Deinem Fall denke ich, das Dein Hund aus einem Gefühl der Stärke heraus beschwichtigen will. Aber wie gesagt eben nicht primär um den Kleinen zu "retten". Wie ich in meinem ersten Beitrag in diesem Thread schon erwähnt habe, denke ich, das es für eine richtige Einschätzung der Situation wichtig wäre die ganzen Signale die Dein Hund aussendet genau zu beobachten. Erst dann könnte man wahrscheinlich treffender sagen, ob es dich um Beschwichtigung oder um eine Demonstration der eigenen Stärke gegenüber dem schwächeren Hund handelt (Einschätzung von Alpha). Ich denke des beides durchaus der Fall sein könnte...:confused:

@ Alpha:
Heißt das, das Du Deine Hunde nur mit etwa gleichrangigen (fremden) Hunden Kräftemessen läßt, da es ja ansonsten sehr leicht zu Unterbutter- bzw. Dominier-Situationen kommen könnte die Du ja (richtigerweise) nicht zuläßt? Ein schmaler Grad, oder?

Nochwas: Ich stimme Dir zu, das im freilebenden Hunderudel das Spielen als solches nicht wirklich existiert sondern eigentlich immer ein Kräftemessen darstellt. Allerdings läßt sich das m.E. nicht auf unsere heute Situation 1:1 übertragen. Ich denke das bei unseren Hunden, die ja letzlich domestizierte Haustiere sind, durchaus mal gespielt wird, des spielens willen. Nicht unter Welpen, allerdings durchaus mal z.b. unter kastrierten Rüden, oder anderen erwachsenen (oftmals gleichrangigen) Hunden, die sich von klein auf kennen.

read ya´
Thomas

Inge1810
19.05.2002, 23:57
@ Thomas, ich hoffe, daß beim Durchdenken und Aufstellen einer neuen These nicht die ganze letzte Nacht draufgegangen ist, das könnt ich mir ja niieee verzeihen. ;)
@ Thomas + Alpha
Jedes Mal wenn sie dazwischengeht, handelte es sich um einen ihr gewachsenen Hund und einem viel jüngeren Welpen. Ich werde es einfach so stehen lassen und weiter beobachten. Dazwischengehen werde ich allerdings nicht. Ich sehe auch keine Veranlassung dazu, meine Kleine buttert unter und wird untergebuttert. Daß ich vorher alle Hunde in der Welpenspielstunde abklappere um ihr zu vermitteln, daß ich im Endeffekt noch über allen stehe, halte ich für nicht umsetzbar und es leuchtet mir auch nicht ein. Es sind alles noch Baby`s bzw. Junghunde. Außerdem sind immer ein oder zwei ältere Hunde dabei und die sehen keine Veranlassung einzuschreiten, also warum sollte ich das tun? Beim normalen Spazierengehen ist es für mich selbstverständlich, daß ich sie beim Auftauchen eines fremden Hundes erstmal zu mir rufe und mir den anderen Hund genau angucke. Erst auf mein "lauf zu" darf sie hin. Wir haben in unserer Ecke einen Hund, der sämtliche Hunde der Nachbarschaft mind. einmal gebissen hat und daher kennt sie es von Anfang an nicht anders, weil ich keine Lust habe einen zerbissenen Hund zum Tierarzt zu fahren. Kommt mir ein Hund nicht geheuer vor, dann laß ich sie neben mir sitzen, bis der andere vorbei ist. Ich habe nur diesen einen Hund, also kein Rudel, außer meinem Sohn, mir und zwei Katzen, deshalb sehe ich es ganz gern, wenn sie sich hundischen Ersatz sucht, weil ich da ein Defizit habe und auch immer haben werde. Ich kann machen, was ich will, aber ich werd einfach nicht zum Hund, sondern bleibe ein Mensch. Einen Rüden (der uns adoptiert hat) finde ich besonders interessant. Der unterwirft sich scheinbar, also wirft sich auf den Rücken, sie beißt ihn in die Kehle und hopst (er ist locker das 3-fache von ihr) auf ihm herum. Darin sehe ich kein Problem in meinem Hund, daß sie überdominant wäre etc., sondern zeigt einfach nur, daß er sowieso weiß, daß er überlegen ist, denn steht er einmal auf, läßt sich umfallen und sie steht ungünstig, ist sie unter ihm verschüttet. :D Ich finde es wichtig, daß sie Erfahrungen mit schwächeren und stärkeren Hunden macht und hab damit immer nur gute Erfahrungen gesammelt. Klar ist sie noch jung, aber sie ist ja nicht mein erster Hund und es gab nie Dominanzprobleme. Ich wünsch Euch nen schönen Pfingstmontag.