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cynthi
17.12.2007, 17:30
Ich hab noch mal meinen Fragebogen ein bisschen überarbeitet und mal gleich mit den wichtigsten Hinweisen und Erklärungen versehen. Ich übernehme keine Verantwortung auf Vollständigkeit und für Rechtschreibfehler :floet:

Selbstverständlich gibt es immer Ausnahmen von der Regel - also lest einfach mal und sollten eure Fellis grad ein Pinkelproblem haben, hoffe ich, dass ich euch etwas helfen konnte :tu:

Ich habe einen Fragebogen bei Pullerproblemen entwickelt. Dieser umfasst jede Menge Daten, die für eine Ursachenforschung wichtig sind. Oft ist dem Besitzer einer verhaltensgestörten Katze nicht klar, welche simplen Regeln es gibt, um der Katze ein zufriedenes Leben zu ermöglichen.


1. Wenn Sie genau wissen, welche Katze fremdpinkelt, dann mit dieser umgehend zum Tierarzt. Die häufigste Ursache ist eine organische. Die Katze pinkelt vorzugsweise (nicht ständig) auf etwas Weiches, um den Schmerz beim Pullern zu lindern. Verantwortlich sind Blasen- und/oder Nierenprobleme. Wenn die Katze sogar Blut im Urin hat, müssen Sie SOFORT mit ihr zum TA, keine Stunde mehr warten.
2. Der TA stellt keine Erkrankung fest, kann man nun nach anderen Ursachen suchen.
3. Wie alt ist die Katze?
4. Wie lange ist lebt sie schon bei Ihnen?
5. Was wissen Sie zu ihrer Vorgeschichte?
6. Freigänger oder nicht? Wenn ja, wann, wie oft – wenn nein, war sie das schon immer?
7. Ist die Katze/Kater kastriert? Seit wann?
8. Ist es ein Kater oder Katze, die pullert?
9. Wie sieht das optisch aus – Popo hoch u. Schwanz hoch oder im Sitzen?
10. Wann wurde das erste Mal pullern bemerkt?
11. Gibt es andere Katzen/Tiere in Ihrem Haushalt?
12. Welche Beziehung hat sie zu der/den anderen Katzen?
13. Wie viele Personen sind sie Zuhause, gibt’s da oft Trubel, unregelmäßige Zeiten?
14. Haben Sie oft Besuch?
15. Wo und was füttern Sie und wie oft?
16. Wenn Trockenfutter, steht es den ganzen Tag zur freien Verfügung?
17. Wo steht das Wasser?
18. Was für Toiletten haben Sie?
19. Wie viele Toiletten?
20. Wo stehen diese?
21. Welches Streu benutze Sie? Haben Sie dieses in letzter Zeit gewechselt?
22. Wie oft wird die Toilette saubergemacht u. wie oft komplett gereinigt?
23. Womit wird das Klo gereinigt? Womit die Pinkelstellen?
24. Wo genau pullert sie hin, bei mehreren Orten ist wichtig, wo das erste Mal war und welcher Ort zur Zeit am häufigsten benutzt wird?
25. Wie oft?
26. Sind Sie dabei oder passiert das nur in Ihrer Abwesenheit?
27. Wenn Sie dabei sind, was passierte unmittelbar vorm Pullern?
28. Gab es in letzter Zeit Veränderungen? Renovierung, neue Möbel, Lieblingsdecke gewaschen, einen neuen Lebenspartner, Babys, neue Nachbarn und evtl. In Nachbars.chaft einen neuen Hund, etwas umgestellt in Wohnung etc – jede Kleinigkeit zählt.
29. Haben Sie Rituale mit der Katze, wenn ja welche?
30. Wie oft ist die Katze täglich allein?
31. Wie reagieren Sie, wenn die Katze gepullert hat?

cynthi
17.12.2007, 17:30
Ich werde nun einzelne Punkte aus dem Fragebogen erläutern und Ihnen somit Anregungen und Hilfestellungen zur Beseitigung der jeweiligen Probleme geben.

Pkt. 1 – Eine kranke Katze muss gründlichst untersucht und behandelt werden. Sehr häufig sind Blasenerkrankungen wiederkehrende Geschichten und selten nach nur ein paar Behandlungstagen auskuriert. Oft muss die Ernährung umgestellt werden, das regelmäßige und ausreichende Trinken entsprechend der Nahrung ist sehr wichtig. Eine Katze, die hauptsächlich mit Trockenfutter ernährt wird, braucht wesentlich mehr Wasser als eine Katze mit überwiegender Nassfutter-Ernährung.

Pkt. 3 – 5 Tiere, die schon öfter das Zuhause wechseln mussten, schlechte Erfahrungen gemacht haben oder einfach eine Eingewöhnungszeit brauchen pullern aus seelischem Druck heraus. Unsicherheit und nicht verarbeitete Erlebnisse können sie stark quälen. Ein Tierheim-Aufenthalt ist für sehr viele Tiere traumatisierend. Eine professionelle Bachblüten-Therapie kann sehr vielen Tieren helfen, die negativen Geschehnisse besser zu verarbeiten. Sehr oft hört nach erfolgreicher Therapie das Pullern dann auf.

Pkt. 6 Einer Katze den gewohnten und geliebten Freigang nicht mehr zu gewähren, führt ganz sicher zu einer Unmutsbekundung Ihrer Katze. Selbst wenn sie für das Tier das Beste wollen, weil Sie z.b. an einer verkehrreichen Straße wohnen, müssen Sie überlegen, ob sie das Tier unglücklich machen wollen. Oder ob Sie sich beispielsweise ein Tier im Tierheim aussuchen, welches reine Wohnungshaltung gewohnt ist.
Auch bei Katzen, die man beispielsweise vom „Streunen“ retten möchte, muss man sich im klaren sein, dass diese Katzen weiterhin raus müssen. In Schlechtwetter-Phasen werden sie zwar ein warmes, trockenes Plätzchen an Ihrer Seite auf der Couch zu schätzen wissen, aber der Drang in die Freiheit ist ungebrochen. Auch ein Nacht-Freigang ist für viele Katzen schlichtweg notwendig, um das Revier zu sichern, zu markieren, gegen Rivalen zu schützen. Sind solche Tiere dann nachts im Haus und können schlimmstenfalls noch aus Glastüren oder Fenstern beobachten, wie andere Katze durch ihr Revier schleichen, kann es passieren, dass Sie morgens eine Pfütze außerhalb des Klos finden. Bei solchen Ursachen sind sie in der Pflicht, den Bedürfnissen ihres felligen Bewohners nachzukommen und ihnen den nötigen Freiraum einzuräumen.

Pkt. 7- 9 Kastration kann ein Pullern bzw. ein Markieren abflachen oder ganz aufhören lassen, hierauf werde ich im nächsten Artikel aber noch genauer eingehen.

Pkt. 10 Wenn man rückverfolgen kann, wann das erste Mal auftrat und noch rekonstruieren kann, was unmittelbar davor geschah, kann dies Katzentherapeuten helfen, ein genaues Bild zu bekommen.

Pkt. 11 – 13 Andere Tiere, andere Artgenossen oder auch eine turbulente Familie oder viel Besuch können sensible Katzen enorm stressen. Revierstreitigkeiten, Verständigungsschwierigkeiten z.b. mit Hunden oder Besuch der gerne an den Tieren rumknuddeln möchte, können manchen Katzen ein Graus sein. Revierstreitigkeiten können durch zu schnelles Eingreifen vom Menschen verlagert werden. Hier sollten Sie sich raushalten, solange kein Blut fließt, hören und sehen Sie am besten weg. Wird allerdings ein krankes, also real schwächeres Tier, immer wieder angegriffen, müssen Sie dies schützen und ganz klar, dem Angreifer die Grenzen aufzeigen. Bei Problemen mit Besuchern erklären Sie ihm das Problem und bitten Sie ihn höflich, die Katze zu ignorieren. Ignoriert man Katzen, bekommen Katzen dadurch ein Sicherheitsgefühl. Sie kennen ja sicher alle Erlebnisse, wo die Katze genau auf den Menschen zugeht, der Sie am wenigstens beachtet, weil er Angst oder Unbehagen vor Katzen hat. Bei Verständnisproblemen mit Hunden beispielsweise, aufgrund unterschiedlicher Körpersprache, kann ich Ihnen einen guten Tiertherapeuten ans Herz legen, der sich in beiden Arten Zuhause fühlt.

Pkt. 17 Die häufigsten Fress-Plätze befinden sich in der Küche. Ein Napf fürs Futter und daneben ein Napf mit frischem Wasser. Katzen sind Wüstentiere und würden ihr Futter nie in der Nähe einer Wasserstelle vergraben, weil das Wasser dann verunreinigt werden könnte. Auch Aas, was im Wasser schwimmt, verseucht Wasser und die Katzen könnten erkranken. Deshalb stellen Sie bitte das Wasser mind. 2 Meter vom Futter entfernt auf. Optimal sind mehrere Wasserstellen in der Wohnung bzw. im Haus verteilt. Gern angenommen werden sie auch an den Laufwegen der Katze. Ob Katzenbrunnen, einfache Schälchen oder Reste in Blumentöpfen ist ganz egal. Frisches oft leicht nach Chlor riechendes Wasser wird gemieden, Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser hingegen geliebt.

Pkt. 18 – 23 Wie Sie in dem Katzen-Interview oben lesen konnten, ist die Toilette an sich enorm wichtig. Ein ruhiges geschütztes Plätzchen soll es sein. Angriffs- bzw. Einsichtsmöglichkeiten von Rivalen verhindert werden müssen. Genügend Toiletten angeboten werden. Die Faustregel für ein harmonisches Katzenleben – speziell in Katzengruppen – lautet „Immer ein Klo mehr als Katzen“. Kaufen Sie keine Haubentoiletten. Haben Sie schon welche und Ihre Katze uriniert fremd, dann nehmen Sie als erstes alle Hauben ab. Achten Sie auf die Größe der Toiletten: Was für das Kitten noch reichte, kann für die erwachsene Katze einfach zu klein und unbequem sein. Auch Streu, die als Kitten gemocht wurde, kann für eine große Katze einfach nur schmerzhaft sein. Es gibt Streu, das ist recht spitz und durch das höhere Gewicht gegenüber einem Kitten, tut dies nun an den Pfoten weh. Zu häufiges abruptes Wechseln der Sorten kann eine Katze auch extrem verwirren. Wechseln sie langsam und mischen Sie die neue Sorte in immer steigenden Dosierungen unter das alte. Entfernen Sie am besten morgens und abends sämtliche Hinterlassenschaften aus den Toiletten. Je nach Streuart ist eine Reinigung von wöchentlich bis monatlich erforderlich. Hier sollten Sie möglichst auf Reiniger verzichten und mit Heißwasser arbeiten. Benutzen Sie Reiniger, dann unbedingt ammoniakfreien Reiniger verwenden (Ammoniak riecht nach fremden Katzenurin und kann somit ein Fremdpullern verursachen) und viel heißem klarem Wasser nachspülen.

Pkt. 24 Der Ort des Geschehens lässt viel Rückschlüsse auf die Ursache schließen. Pullert die Katze ausschließlich auf ihre Badematten z. b. schmeißen sie die Matte weg. Entweder kaufen Sie welche ohne Gummierung oder aus Holz oder sie hängen die Matten weg, wenn Sie sich nicht benutzen. Der Gummigeruch oder auch der Geruch nach ihrem Menschen kann Katzen dazu bringen, immer wieder die Badematte zu bepinkeln.
Auch das Bett wird gerne genutzt, weil das ein Ort ist, wo es am intensivsten nach uns Menschen riecht. Die Katze ist oft verunsichert, will anderen Katzen signalisieren, dass der Mensch mit zum Revier gehört oder der neue Lebenspartner wird als fremd und störend empfunden.
Katzenurin kann Beton zerfressen, er ist sehr aggressiv. Die Urinkristalle sind für unsere Nasen oft nach einem Waschmaschinengang nicht mehr feststellbar. Aber für eine Katzennase allemal. Verwenden Sie einen Reiniger, der auch wirklich die Kristalle zerstört. Oftmals werden Sie gezwungen sein, die Reinigungsgänge mehrfach zu wiederholen. Sie werden keinen bzw. gegenteiligen Erfolg haben, wenn Sie Weichspüler, Duftzusätze oder Geruchsvertilger verwenden. Riecht die Katze noch den Urin wird sie sich animiert fühlen, immer wieder genau dahin zu pullern. Auch die eben angesprochenen Duftübertüncher werden bepullert, sie sind unangenehm für die Katze und sie wird ihren, für sie, wohlriechenden Urinduft drübersetzen, um das alte vertraute Wohlfühlambiente herzustellen.
In Apotheken können Sie beispielsweise das Präperat „Urineoff“ erwerben, welches gute Ergebnisse erzielt. (Ich weiß nicht, ob ihr direkt den Namen nennen wollt)
Ist der Malheur frisch und man keinen Profi-Reiniger zur Hand, hilft auch Sofort-Maßnahme eine 50 : 50 Mischung aus Weißweinessig und warmen Wasser.
Sind z.B. im Bad Betonfugen betroffen und der Zeitraum des Pullerns schon sehr lang, hilft oftmals nur, die Fugen rauszukratzen und neu zu machen. Es gibt Fußböden und Wände, die sind regelrecht zerfressen. Biegt sich Parkett und Laminat schon hoch, muss man diese austauschen.
Werden die Stellen ständig gewechselt, ist auch hier eine gründliche Reinigung unerlässlich. Es zeigt aber, dass ein sehr mannigfaltiges Problem vorliegt und die Katze hat wahrscheinlich schon einen hohen Grad der Verzweiflung erreicht.
Badewannen u. Duschen bekommt man urinefrei indem man entweder immer etwas Wasser stehen hat oder einfach dort ein Klo reinstellt. Möchte man diese dann selbst benutzen, nimmt man die Toilette einfach heraus.
Viele Besitzer legen Futter auf die benässten Stellen, bei manchen bringt das Erfolg, doch die meisten erleben ein Ausweichen auf immer andere Stellen, denn sie haben ja die Ursache nicht gesucht und gefunden bzw. nicht behoben.

cynthi
17.12.2007, 17:32
Pkt. 28 – Veränderungen wie Umzüge, Möbelumstellen, neue Lebenspartner ja sogar wenn Sie vom Einkaufen kommen und eine neue Tüte abstellen werden Ihre Katze erst mal in Alarmbereitschaft versetzen. Jegliche Änderung bedeutet eine Gefahr für Ihre Revier. In jeder Einkaufstüte könnte ja ein Rivale versteckt sein. Sie kennen das sicher, dass Ihre Katze erst mal ganz genau alles untersuchen muss. Pakete werden teilweise sehr interessiert mit ausgepackt. Ein verrückter Sessel wird stundenlang durch Reiben markiert. Wenn Sie renovieren oder neue Möbel kaufen oder auch umziehen wollen, machen Sie es ihrer Katze leicht. Unterlassen Sie „Hauruck“-Aktionen, geben Sie der Katze Gelegenheit alles zu prüfen und kennenzulernen. Unterstützen Sie sich z.B. mit Feliway-Steckern. Diese versprühen Katzenpheromone und signaliseren der Katze, dass keine Gefahren lauern. Oder reiben Sie die Katze mit einem Baumwolltuch im Gesicht und Halsbereich ab und legen Sie dieses auf das neue Möbelstück oder reiben sie damit die z.B. die neue Couch ein. Erblickt die Katze nun die Couch riecht diese schon vertraut nach ihr und Sie haben den Stress für die Katze erheblich minimiert.
Ein neuer Lebenspartner sollte nicht auf die Katze einstürmen und sie beschmusen wollen. Gehen sie langsam und abwartend vor, lassen Sie die Katze das Tempo bestimmen. Mit ein paar der Lieblingsleckerlies in der Hand wird die Katze schnell neugierig und man kann sich hervorragend einschmeicheln.

Pkt. 29 – Rituale sind für jede Katze absolut lebensnotwendig. Ein geregelter und möglichst immer gleicher Tagesablauf vermitteln ihr ein Wohlgefühl und geben ihr Sicherheit. Kommen Sie nun immer zu gleichen Zeit nach Hause, wird die Katze sie schon sehnsüchtig erwarten. Auch sind Katzen ein verlässlicher Wecker, gerade am Wochenende werden Sie erfahren, dass längerschlafen nicht gut ankommt bei unseren Fellnasen.
Feste Spielzeiten – Uhrzeit u. Länge – wird die Katze gern einfordern.
Verabschiedungs-, Begrüßungs- oder Futter-Rituale stärken das Vertrauen in ihren Menschen. Lassen Sie sich was einfallen, die Palette ist vielfältig. Ihr Vierbeiner wird nach kurzer Zeit genug Rituale auf Lager haben, halten Sie daran fest und ihre Katze wird sehr zufrieden sein.

Pkt. 30 - Sie haben eine Wohnungskatze und halten diese aus verschiedenen Gründen allein, sie sind täglich 8 Stunden außer Haus und ihre Katze pullert die geliebte Kuscheldecke regelmäßig voll. Der Katze ist höchstwahrscheinlich langweilig. Sie sind selbst nicht da, Abwechslung kaum vorhanden. Denken Sie über einen Katzenkumpel nach, es gibt nur wenige Tiere, die sich in Einzelhaft wohlfühlen. Sie sollten aber mit Bedacht ein zweites Tier auswählen, es sollte in Charakter und Temperament zur Ihrer Katze passen. Eine ältere und ruhigere Katze kann mit einem Kitten total überfordert sein. Ein selbstbewusster Kater mit einem gleichaltrigen und vorwitzigem Kater unzufrieden sein, starke Revierstreitigkeiten meist vorprogrammiert.

Pkt. 31 Ganz entscheidend für den Verlauf eines Puller-Problems ist ihr Verhalten. Bleiben Sie gelassen, versuchen Sie sich in das Tier reinzuversetzen. Beachten Sie die Ursprünglichkeit Ihres Tieres, also ihr natürliches Verhalten. Setzen Sie keine menschlichen Logiken voraus. Vergessen Sie Weisheiten wie „Nasetunken“. Schimpfen und grollen Sie nicht, auch nicht innerlich. Üben Sie keinen Zwang aus, indem Sie das Tier aufs Klo setzen und festhalten.
Bringen Sie das Tier zum Tierarzt. Nehmen Sie sich den Fragebogen und meine Hinweise zur Hand und versuchen Sie, das Problem zu finden oder vertrauen Sie sich einem Katzenpsychologen an.