PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gemeinsam - Flugpatenschaften



Moni Zudno
30.12.2011, 23:24
Flugpatenschaften unterliegen den „Bestimmungen zur Verbringung von Tieren innerhalb der EU und aus Drittländern (gelistet/nicht gelistet)

Eigentlich sind die Bestimmungen ganz klar:

Seuchenrechtliche Bestimmungen:
Alle Tiere MÜSSEN mit einem Chip gekennzeichnet sein und über einen Heimtierausweis verfügen, aus welchem die vorgeschriebenen Impfungen hervorgehen.
Jedes Tier muss über eine gültige Tollwutimpfung verfügen. Aus diesem Grunde ist es NICHT LEGAL, Hunde, welche jünger als 3 Monate sind, innerhalb der EU zu verbringen.
Ausnahmen: Hunde, die jünger als 3 Monate sind und noch keine gültige Tollwutimpfung haben, werden mit dem Muttertier gemeinsam verbracht, welches die gesetzlichen Bestimmungen erfüllt.
Hunde, die jünger als 3 Monate sind, sind NACHWEISLICH NICHT mit wildlebenden Tieren – deren ausreichender Schutz gegen Tollwut NICHT gewährleistet ist – in Kontakt geraten. Der Eigentümer hat eine dementsprechende Erklärung abzugeben.

Für Drittländer gelten erweiterte Bestimmungen:
Hunde aus gelisteten Drittländern dürfen erst 4 Wochen nach erfolgter Tollwutimpfung ausgeführt werden.
Hunde aus nicht gelisteten Drittländern dürfen erst ausgeführt werden, wenn durch einen Bluttest ein genügend hoher Impftiter nachgewiesen wird. Dieser Test kann erst frühestens 4 Wochen nach Impfung erfolgen.
In ALLEN FÄLLEN muss der Chip VOR DER IMPFUNG eingesetzt worden sein, um eine zweifelsfreie Zuordnung des Hundes zum Heimtierausweis und der darin vermerkten Impfungen zu ermöglichen.
Was passiert in der Realität?
Am Häufigsten liest man in den Vermittlungsanzeigen: „Der arme Kleine wurden mit wenigen Wochen über den Zaun des Tierasyls geworfen…in einem Karton aus dem Auto geworfen…auf dem Markt von einem „Züchter“ gekauft…etc… und wartet jetzt auf seiner Pflegestelle in Deutschland sehnsüchtig auf seine Familie…
Sind diese Welpen bei ihrer Ankunft in Deutschland jünger als 12 Wochen, KÖNNEN die gesetzlichen Bestimmungen NICHT eingehalten worden sein, eine Bescheinigung, der Welpe wäre SEIT SEINER GEBURT NICHT mit wild lebenden Tieren in Kontakt gekommen, ist in keinem dieser Fälle möglich!
Dennoch gelangen viele solcher Welpen, aber auch ältere Hunde ohne die erforderlichen Papiere nach Deutschland.

Wie ist das möglich?

Dazu müssen wir uns zunächst die Transportbestimmungen für die Verbringung von Heimtieren ansehen:
Transportbestimmungen für gewerbliche Verbringung:
Hierbei wird die Verbringung der Hunde und deren anschließende Vermittlung als GEWERBE angemeldet (Erlaubnis nach § 11 TSchG). ALLE HUNDE, welche von einem dieser GEWERBETREIBENDEN nach Deutschland verbracht werden, MÜSSEN ÜBER TRACES angemeldet werden, d. h. die Hunde müssen einen Tag vor dem Transport einem vor Ort ansässigen Tierarzt vorgestellt werden, der die Gültigkeit der Papiere und den Gesundheitszustand des jeweiligen Hundes prüft und dessen Transportfähigkeit bescheinigt.
Anschließend MUSS dieser Transport dem zuständigen Veterinäramt am Zielort gemeldet werden, damit die Tiere bei ihrer Ankunft vom dortigen Amtstierarzt kontrolliert werden können auf Gesundheitszustand und zweifelsfreie Identifikation.
DIESE BESTIMMUNGEN GREIFEN AUCH BEI NICHT-GEWERBLICHEN (ALSO PRIVATEN) TRANSPORTEN VON MEHR ALS 5 HEIMTIEREN!

Private Verbringung:
Diese Hunde sind nicht für den Weiterverkauf bestimmt. Die den privaten Transport übernehmende PRIVATPERSON gilt als BESITZER DES HUNDES und haftet damit auch für alle entstehenden Kosten, welche im BESITZZEITRAUM anfallen.
Für Flugpaten bedeutet dies konkret, dass ALLE KOSTEN, welche durch den Hund entstehen WÄHREND er sich im Besitz des FLUGPATEN befindet, auch vom Flugpaten übernommen werden müssen. Läuft alles glatt – der Hund besteht unbeschadet den Transport und kann ohne Zwischenfälle am Zielflughafen einem Beauftragten der Tierschutzorga übergeben werden – gibt es auch keine Probleme.
Gelingt es dem Hund jedoch zu flüchten, WÄHREND er sich noch im Besitz des Flugpaten befindet, so haftet der Flugpate für alle daraus entstehenden Kosten. Oder muss aufgrund gesundheitlicher Komplikationen der Tierarzt gerufen werden, bevor der Besitz in die Hände des Beauftragten der TSO übergegangen ist, so muss auch für diese Kosten der Flugpate einstehen. Genauso, wenn sich bei einer Prüfung der Papiere am Abflug- oder Zielflughafen herausstellt, dass diese unvollständig oder gar dem Hund nicht eindeutig zuzuordnen sind (=gefälscht) oder die tierseuchenrechtlichen Bestimmungen nicht erfüllt sind. Die anschließenden Unterbringungskosten (Quarantäne/Tierheim) und evtl. Rücktransportkosten, medizinische Versorgung sowie STRAFEN für den illegalen Transport gehen auch zu Lasten des Flugpaten.
Die gleichen Konsequenzen treffen natürlich auch für den Transport mit dem Schiff/dem PKW zu.

Umgehen kann man diese rechtlichen Konsequenzen für die Privatperson, indem sie eine Bescheinigung der TSO hat, dass dieser Hund Eigentum der TSO bleibt und diese Privatperson NUR ALS BEGLEITPERSON für den Transport fungiert.
Und jetzt wird es rechtlich kompliziert…
Die rechtlichen Bestimmungen für Pflegestellen sind nicht eindeutig und werden von Gericht zu Gericht anders beurteilt, unklar ist hierbei, ob Pflegestellen als tierheimähnliche Unterbringungsstätten anzusehen sind oder nicht. Aber dies ist noch mal eine andere Diskussion…
In JEDEM FALL muss dieser Transport dann aber als gewerblicher Transport angemeldet werden und unterliegt den Bestimmungen für TRACES.
Für die Privatperson hat diese rechtliche „Grauzone“ jedoch folgende Bedeutung:
Entweder handelt sie als Privatperson und kommt damit für alle evtl. entstehenden Kosten auf (zwar ist eine Rückerstattung der Kosten durch die TSO auf dem Rechtswege einzuklagen – jedoch ist dies immer eine Einzelfallbetrachtung und vom jeweiligen Richter abhängig, wobei IMMER zu berücksichtigen ist, dass diese Privatperson aus FREIEN STÜCKEN diese Verantwortung und die daraus resultierenden Konsequenzen übernommen hat, zu deutsch: Im Zweifelsfall ist man dem GOOD-WILL der TSO ausgeliefert und bleibt auf seinen Kosten sitzen…)
Oder man beteiligt sich an einer illegalen Verbringung eines Hundes – und trägt auch hierbei die Konsequenzen…

Die Eingangsfrage lautete allerdings:
Dennoch gelangen viele solcher Welpen, aber auch ältere Hunde ohne die erforderlichen Papiere nach Deutschland.
Wie ist das möglich?
Möglich gemacht wird dies durch die Grenz- und somit Kontrollfreiheit innerhalb der EU und die Überlastung der in Deutschland ansässigen Veterinärämter.
Zum einen werden an den Grenzübergängen nur noch stichprobenartige Kontrollen durchgeführt – dies trifft sowohl für den Luft- , Schiff- als auch Straßenverkehr zu. Dazu sind die allermeisten Heimtiertransporte nicht augenfällig als Tiertransporte gekennzeichnet – aus gutem Grund? Immer wieder gibt es Berichte in den Medien über gestoppte Tiertransporte, nicht selten mit der Information über verendete Hunde auf der Transportfläche (und das sogar von großen TSO…)
Zum anderen stehen die Veterinärämter vor folgendem Problem (Aussage mehrerer von uns kontaktierter Amtstierärzte): „Wie soll eine Kontrolle vonstatten gehen, wenn die betreffenden Organisationen diese Transporte nicht anmelden, und darüber hinaus diese Hunde/Katzen dann auch noch auf Parkplätzen in verschiedene Hände übergeben werden? Wo sollen wir dann kontrollieren?“

Durch solche Praktiken werden also bewusst Lücken in der Kontrolle ausgenutzt, illegal wohlgemerkt – oder kennt ihr EINE PERSON, welche nach Übernahme eines Hundes ohne Kontakt zu anderen direkt innerhalb von 24 Stunden zum Amtstierarzt gegangen ist, um den Hund dort wie vorgeschrieben prüfen und erfassen zu lassen???

Jede/r möge selber für sich den moralisch/ethischen Aspekt einer solchen mindestens Rechtsbeugung, oft auch RECHTSBRECHUNG bewerten…

Um das Ganze abzurunden, noch 2 weitere Aspekte:
1. Gewerbetreibende (wer die Erlaubnis nach 3 11 TSCHG) hat, vermittelt Hunde als VERKAUFSOBJEKTE in private Hände. Wenn eine TSO nach diesem Paragraphen handelt, muss sie fundierte Kenntnisse haben in den besonderen steuerrechtlichen Bereichen, damit sich diese Tätigkeit nicht negativ auf ihre Gemeinnützigkeit auswirkt. Hat sie ungenügende Kenntnisse, verliert sie die Gemeinnützigkeit – oder aber sie arbeitet gar nicht gemeinnützig, heißt: es sind Hundehändler. Zu erkennen AUSSCHLIESSLICH über Darlegung der Finanzen…
2. Sinn und Unsinn von Impfungen unserer Hunde – wer kennt diese Diskussion hier in Deutschland nicht? Sie bekommt einen völlig neuen Aspekt unter dem Gesichtspunkt unkontrollierter Verbringung von Hunden nach Deutschland, da bis vor einigen Jahren quasi ausgerottete Seuchen wie z. B. Parvovirose oder Staupe plötzlich wieder in Deutschland aufgetreten sind. Sarkastisch ausgedrückt könnte die Zukunft bei Hundebegegnungen in Deutschland demnächst so aussehen: „Was für ein hübscher Hund – aus dem Ausland gerettet? Dann zeigen Sie mir doch bitte die Papiere, ob bei ihrem Hund alles in Ordnung ist – schließlich will ich nicht, dass meiner sich ansteckt…“

Zu viel Sarkasmus? Ist aber schon so geschehen, eine Welpenbesitzerin lässt ihren Welpen NICHT mit dem Nachbarswelpen spielen, weil dieser dubioser herkunft ist– und jetzt bei der ortsansässigen Tierärztin behandelt wird aufgrund unklarer Gesundheitsprobleme…

Kamee
31.12.2011, 11:34
Ich habe nun 3 Tiere aus dem Auslandstierschutz und diese stammen von 3 unterschiedlichen Orgas, ich kann nur sagen, dass sie sich an die Einreisebestimmungen nach Deutschland exakt gehalten haben! Womit ich nicht sagen will, dass es hier nicht auch schwarze Schafe gibt. Ich kenne im Bekanntenkreis auch einen Fall wo es anders war!

Ich würde aber jederzeit die Flugpatenschaft für ein Tier übernehmen, sofern sich die Orga an die Bestimmungen hält. Und ich würde um da sicher zu gehn, die Flugpatenschaft schon vor der Reise "planen" und nicht einfach vor Ort ein Tier für eine Orga mitnehmen (es sei denn sie ist mir bekannt).

In dieser Broschüre, werden die jeweiligen Einreisebestimmungen eigentlich sehr schön und übersichtlich dargestellt:

http://www.msd-tiergesundheit.de/Binaries/SP_Nobivac_Einreisefibel_07-11_1507_tcm61-161282.pdf

Moni Zudno
31.12.2011, 13:35
Der link ist eine sehr schöne Ergänzung Astrid, danke dafür!

Da ich heute nicht so viel Zeit habe wünsch ich dir jetzt schon mal einen Guten Rutsch!

:cu:

Olle Ziege
01.01.2012, 14:30
Das mit dem Gewerbe ist nicht ganz korrekt: Man muss kein Gewerbe anmelden, um "gewerblichen Hundehandel" i.S.d. Tierschutzgesetzes zu betreiben. Das sind unterschiedliche Gesetze, die von den Gerichten auch unterschiedlich ausgelegt werden.


Und was für negative Auswirkungen soll das ggf. auf die Gemeinnützigkeit haben? :?:

Moni Zudno
01.01.2012, 14:51
Frohes Neues Heidrun, und danke für die Ergänzung!

Auf die Gemeinnützigkeit hat es u. a. dann Auswirkungen, wenn dieser gewerbliche Bereich den gemeinnützigen Bereich überwiegt und kein direkter Zusammenhang mehr für die Gemeinnützigkeit erkennbar ist.

Aber auch wenn die Erträge nicht oder nicht in genügend hohem Maße wieder den satzungsgemäßen Zwecken der Gemeinnützigkeit zugeführt werden, kann es bei einer Prüfung des Finanzamtes zu einer nachträglichen Aberkennung der Gemeinnützigkeit führen.

Je umfassender die Tierschutzaktivitäten sind, desto umfassender sind auch die steuerrechtlichen Aspekte, die zu berücksichtigen sind. Und diese sind ja ausschlaggebend für "gemeinnützig" oder eben "nicht gemeinnützig" (s. a. den link im Haupttext zu "allgemeine Fachkompetenzen")

Olle Ziege
01.01.2012, 15:04
Weiß gerade nicht, welchen Link du meinst (sorry, Neujahr :o). :?:

Wie gesagt, der Begriff "gewerbsmäßig" wird unterschiedlich ausgelegt, je nachdem in welchem Gesetz er nun gerade vorkommt. Für gewerbsmäßigen Tierhandel i.S.d. Tierschutzgesetzes ist bspw. eine Gewinnerzielungsabsicht nicht erforderlich. Das muss also nicht zwangsläufig mit der Gemeinnützigleit kollidieren.

Hab hier noch einen recht informativen Link zum Thema (insb. der Text unten):

http://www.doggennetz.de/index.php?option=com_content&view=article&id=536:aua377-gewerbsmaessigkeit-in-nordrhein-westfalen-gilt-schleswig&catid=35:aua&Itemid=53

Moni Zudno
01.01.2012, 17:37
heidrun, macht doch nix (hicks :o ups, lauf auch noch was neben der Spur...)

Dieser link Seriöser-Tierschutz (http://forum.zooplus.de/showthread.php?81718-Seriöser-Tierschutz), in diesem Hauptthread findest du die links u. a. zur Gemeinnützigkeit und zu Fachkompetenzen allgemein, dort sind die einzelnen Aspekte noch mal genauer erklärt.

Moni Zudno
01.01.2012, 18:00
Heidrun: Interessanter link, hab grad ein bisschen reingeschnüffelt und folgendes gefunden (ist zwar völlig OT, aus nem ganz anderen Sachverhalt...aber trotzdem...

Zitat..." Tiere suchen ein zu Hause und Menschen ein Gehirn"

Wollt ich euch nicht vorenthalten - ich schrei mich immer noch weg...:man: :D:D:D:D:D