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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wenn Fiffi sich verbissen hat



Alpha
11.05.2002, 01:39
Den angekündigten Beitrag will ich nun in Kurzform abgeben:
Wenn sich Hunde verbissen haben,ist es das Falscheste:
hysterisch rumzuschreien(feuert Hund an)
ihn im Nacken zu schütteln,zu treten,zu schlagen,an ihm rumzuziehen(dieBeute nur streitig-er bleibt erst recht dran)
nur zu zuschauen(bringt gar nichts).
Richtig wäre es:
ruhig und bestimmt zu handeln:
erstmal versuchen,über klare(nicht hysterische)Dominanz den Hund zur Raison zu bringen
Passanten davon abhalten,rumzuschreien
bei gleichgrossen Hunden:zwei Menschen nötig-jeder packt je einen Hund an den Hinterläufen und gleichzeitig! werden die Hunde so nach hinten-oben weggeruckt
bei verschieden-großen Hunden:zwei Menschen halten je einen Hund am Halsband fest,während einer das Maul aufhebelt(mit Stock,Besen).
Ideal ist ein Eimer Wasser,den man auf die Hunde schmeisst-aber wer hat den schon dabei und gleichzeitig müssen wieder zwei Menschen die Hunde festhalten,um erneutes Festbeissen zu verhindern.
Wenn "Gegenhalter" nicht hysterisch ist und keine neunmalklugen Passanten anwesend sind,geht auch folgender Trick:Hand am Hund,der sich verbissen hat,auflegen im Schulterbereich und monoton und ruhig auf ihn einreden,dann im Moment des Loslassens Hund am Halsband festigen.
Nach dem Vorfall:beide Hunde nicht groß betüddeln,da sie sonst in Schock(der tödlich sein kann)verfallen oder verhaltensgestört bei nächster Hundebegegnung reagieren können.Erst nach einigen Minuten quasi beiläufig(für Hund)nach Blessuren schauen.Wenn ein Hund direkt schon im Schock liegt,natürlich gleich nachschauen und erste Hilfe leisten(die jeder Hundehalter beherrschen sollte).Ich erlebe leider immer wieder,wie schrecklich Menschen bei solchen Vorfällen reagieren und damit die Situation nur verschlimmern.Jeder Hundehalter sollte mit der Möglichkeit rechnen und dann,wenn er nicht im Vorraus richtig gehandelt hat(eigenen Hund bei Angriffsabsicht abstrafen/fremden Hund wegjagen),besonnen zu reagieren imstande sein.Das scheint jedoch zuviel verlangt,jeder denkt"das passiert mir nie".Es nützt nichts,emotional zu reagieren und schadet nur.Und eigentlich sollte jeder Besitzer das Beste für seinen Hund wollen-handeln tun sie jedoch gegen Hund(durch Rumgeflenne,Hysterie,Getrete usw).Mir tun dann immer die Hunde leid,da sie meist für den Rest ihres Lebens geschädigt bleiben und Frauchen sagt"das ist der Beisser von damals schuld",dabei ist sie für sein Verhalten verantwortlich bzw.andere Menschen.Hunde ansich stecken Beissereien schnell weg,langfristige Schäden haben stets Menschen zu verantworten,da sie sich falsch verhalten haben während einer Beisserei.
So,das war die Kurzform.Bitte "programmiert" Euch für solche Beissereien und seid dann stets überlegt und aufs Beste für Hund bedacht-immer ruhig bleiben,fremde Menschen fernhalten und besonnen reagieren1
Danke
Alpha

sporty
11.05.2002, 19:26
danke für die erklärung. ich denke das es hier vielen helfen wird( mir auch), da du es gut erklärt hast. drucke gerade deinen text aus und werde ihn morgen in meinem verein verteilen und aushängen.

tschöö

plunze
11.05.2002, 19:57
Leider wird Dein Text die Leute, die es am nötigsten haben warscheinlich nicht erreichen.

Flocke
11.05.2002, 22:27
Plunze,

das sollte aber eigentlich jeder gute Hundetrainer vermitteln können.

sporty
12.05.2002, 00:33
hi flocke,
bin mir jetzt nicht sicher ob du mich meinst, aber ich antworte einfach mal.
ja unsere trainer prädigen das auch immer, aber gerade die leute in den welpen, junghunde und Grundkursen vergessen das und reagieren im ernstfall eben mit panik.

wenn wir den "anfängern" diesen zettel aushändigen, hoffe ich, dass sie es sich einprägen werden.
mit dem beitrag hat alpha mir insoweit geholfen, dass ich es nicht selber schreiben muss :rolleyes:


tschöö

Flocke
12.05.2002, 10:05
Hi Sporty,

nein, ich meinte damit niemanden persönlich, sondern der Hinweis sollte allgemein sein.

Wenn euer Trainer das Problem in ähnlicher Art angehen würden, ist doch okay
;)
Vielleicht hat hier aber jemand einen Trainer, der nicht weiß,wie er sich verhalten soll :confused:

Hallo Alpha,

wie verhält man sich richtig, um eine Beißerei zu vermeiden?

Alpha
20.05.2002, 21:05
Hallo Flocke!
Man verhindert eine Beisserei am besten dadurch,daß man stets Einfluß auf seinen Hund hat,d.h.ihn bremsen /abrufen kann bei geringsten Anzeichen von Aggression.Zudem sollte man jeden fremden Hund,dessen Absichten man nicht abschätzen kann bzw.eigener Hund an der Leine ist,wegschicken .Wenn beispielsweise Rüden miteinander raufen,sollte man sich nur bedingt einmischen,da es ansonsten zu Beisserein kommen kann.Meistens kommt es erst dann zu ernsthaften Beissereien,wenn Mensch sich einmischt.Beisserei verhindern kann man am besten,wenn man als erster vor dem eigenen Hund direkten Kontakt zum fremden Hund aufnimmt und erst danach seinen Hund Kontakt aufnehmen lässt.
Gruß,Alpha

Flocke
20.05.2002, 21:35
Ich meinte eigentlich, wie verhält man sich am Besten, wenn man z.B. durch das Imponiergehabe, anschließendes Fixieren und Erstarren der Hunde davon ausgehen kann, dass es zu einer Beißerei kommen kann.
Ich kann zwar die Wuffis zurückrufen, aber das ist ja nicht bei allen Menschen so.
Hilft das sich von den Hunden entfernen?

Alpha
20.05.2002, 21:42
Hallo Flocke!
Wenn man sich auch vorher in der Situation nicht eingemischt hat,ja.Wenn man sich bereits verbal geäußert hat,sollte man das durchziehen.Ansonsten z.B. bei Rüden,die sich "umwandern",geht man einfach belanglos und desinteressiert weiter und ruft Hund dann nach.Das kann man machen,ja.Schwierig wirds,wenn der andere Halter(womöglich hysterisch) zwischen die Hunde geht,dann sollte man selber sich nicht einfach nur entfernen.
Gruß,Alpha

Flocke
20.05.2002, 21:45
Danke Alpha,

genau das wollte ich "hören".

Alpha
20.05.2002, 22:35
Hallo Flocke!
Natürlich passiert das eigentlich erst gar nicht,wenn man vorher richtig gehandelt hat.Diese Tipps beziehen sich immer auf Halter,deren Hunde nicht richtig gut hören.Besser ist es,nicht jeden Hund an seinen Hund heranzulassen bzw.auch nicht seinen Hund selber entscheiden zu lassen,wann er zu welchem Fiffi hinrennt.Wenn man dann noch "über" seinem Hund steht,kommt es nicht zu solchen Situationen.Aber Du hast schon recht:was nützt es mir,wenn ich meinen Hund abrufen kann,der fremde Hund aber dranbleibt und sich dann womöglich erst recht "dranhängt".Das ärgert mich auch oft.
Gruß,Alpha

Alpha
20.05.2002, 22:40
Hallo-hallo ich hab was vergessen:
Was auch noch wichtig ist,wenn Fiffi sich festgebissen hat:Wenn man soweit ist,daß man das Maul aufhebeln muß,sollte man auch von Anfang an den Kopf des "haltenden"Hundes festhalten,damit dieser an Schüttel-und Reißbewegungen gehindert wird,welche die wirklich schlimmen Verletzungen herbei führen können.Solange ein Hund nur "hält",nicht reißt oder schüttelt,sind die Verletzungen meist nur sehr gering,wenn überhaupt.
Gruß,Alpha

Flocke
21.05.2002, 16:20
Hallo Alpha,


Aber Du hast schon recht:was nützt es mir,wenn ich meinen Hund abrufen kann,der fremde Hund aber dranbleibt und sich dann womöglich erst recht "dranhängt".Das ärgert mich auch oft.

Das ist das, was mich am meisten ärgert. Wenn ich draußen bei Spaziergängen UO mache (denn ich will keinen Hund, der nur auf dem Platz "funktioniert") und andere Hundehalter das sehen und z.B. trotzdem ihren Hund zu meinem lassen. Da kannst du sagen, die möchten bitte ihren Hund zurückrufen, die machen es einfach nicht. Meistens bekommst du dann die Antwort: "Meiner tut nix". :mad:

Ebenfalls finde ich es schlimm, wenn Hundehalter ihre Hunde einfach laufen lassen. Okay, es herrscht Leinenzwang, aber wenn wir im Park sind und Jogger, Mütter mit Kindern etc. kommen auf uns zu, bekommen meine entweder das Kommando "Sitz" oder ich rufe sie zu mir. Sie würden zwar nicht den Leuten vor die Beine rennen, aber die anderen fühlen sich von Anfang an sicherer, wenn sie sehen, dass die Hunde hören. Ich hatte - selbst als ich die DSH noch hatte - nie Probleme und konnte meine Hunde frei laufen lassen (wo kein Kläger, da kein Richter).

Mehr Rücksichtsnahme untereinander würde allen Hundehaltern das Leben erleichtern.

Noch eine Frage im eigenen Interesse:
Wenn ein fremde Hund auch dich und deine Hunde zukommt, der schon sofort einen deiner Hunde fixiert, wie verhälst du dich dann?

"Wir" treten in so einer Situation dann als Rudel auf.

Lotta
21.05.2002, 21:37
Hallo,

mir hat mal folgendes geholfen:

Mein kleiner Pinscher-Mix wurde aus einem Grundstück heraus von einem Schäferhund angegriffen. Meine Hündin rannte auf mich zu, der Schäfer hinterher und hat sie von hinten gepackt und geschüttelt. Ich hab dann den Schäfer von oben am Nacken gepackt und mit aller Kraft runtergedrückt. Der sackte richtig in sich zusammen, ließ los und blieb liegen, bis die Besitzer mal endlich auftauchten.
Keine Ahnung, ob dass nun besonnen war, es hat meinem Hund aber wahrscheinlich das Leben gerettet. Ich denke, die Besonnenheit ist ganz schön schwer, wenn der eigene Hund fünfmal kleiner ist und vor Angst und Schmerz schreit.
Hoffentlich muss ich so was nicht noch mal erleben und auch sonst niemand hier im Forum!

Gruß von Lotta

Alpha
21.05.2002, 23:18
Hallo Flocke!
In so einem Fall jage ich den fremden Hund auf jeden Fall alleine weg,notfalls -wenn er vor Mensch keinen Respekt hat-rede ich in seiner Sprache sprich ziehe die Lefzen hoch,drohe an und,wenn das nix nutzt, mache ich ne Scheinattacke,wirkt am besten.Wer sich nicht dergleichen zutraut oder sich vor Passanten schämt,kann auch den Schlüssel in Richtung des sich nähernden Hundes werfen und dabei "Hau ab"rufen.Meine Hunde halten sich dann hinter mir,sie dürften auch gar nicht mitmachen,da sie somit meine Position in Frage stellten.Alpha regelt alles erstmal alleine.Ist ja schließlich mein Job,sie zu schützen!Lässt Du Deine Hunde mit vor("wir treten als Rudel auf")?
Gruß,Alpha

Lotta
22.05.2002, 11:45
Hallo Alpha,

in diesem Fall und einem anderen Schäferhundangriff, den ich erlebt habe, kam der fremde Hund so schnell und plötzlich, dass eine Aufstellung nicht möglich war. In beiden Fällen ging auch keine hündische Kommunikation voraus, die Schäferhunde griffen direkt von ihrem Grundstück aus an, meine Hündin bemerkte sie erst danach und ergriff sofort die Flucht. Im zweiten Fall war ich nicht in der Lage, den fremden Hund zu packen, er lief einfach um mich herum und beachtete mich nicht weiter. Meine Hündin hat sich letztlich durch ihr Tempo und ihre Wendigkeit gerettet.
Seitdem fürchtet sich meine Hündin ziemlich vor heranstürzenden großen Hunden. Sie stellt sich immer hinter mich bzw. mein Fahrrad/ Kinderwagen. Ich trete dem großen Hund dann in den Weg und bremse ihn ab.

Ich glaube, die territoriale Aggressivität, wie ich sie erlebt habe, ist besonders gefährlich, weil der angreifende Hund nur verjagen/bzw. töten will und weiter keine Beziehung zu dem fremden Hund aufnimmt. Die Einfriffsmöglichkeiten sind darum leider beschränkt.

Gruß von Lotta

Mascha
22.05.2002, 12:32
Original geschrieben von Alpha
Wenn sich Hunde verbissen haben,ist es das Falscheste:
hysterisch rumzuschreien(feuert Hund an)... weiter unten:
... und dabei "Hau ab" rufen.

:confused: Darf man nun rufen und schreien oder nicht?

Brigitte Fenche
22.05.2002, 14:09
Luna ist jetzt schon bald 9 Monate alt und hat für mich eine ernstzunehmende Verhaltensstörung. Sie beißt sich aus dem Spiel heraus ohne jede Agression fest und läßt nicht mehr los. Auffällig ist, das sie es nur bei gleichaltrigen Hunden macht.
Aber auch nur dann, wenn sie sich überlegen fühlt. Bei älteren Hunden benimmt sie sich vorbildlich und mit Respekt. Ich habe noch nicht einmal das Gefühl, das sie es aus Agressivität macht, sondern eher aus Übermut. In der Hundeschule sagt man mir, es ist Terrierart (Unart) und schwer abzugewöhnen. Ich möchte es ihr aber trotzdem abgewöhnen. Bis jetzt ist nichts mehr passiert, weil wir sehr aufpassen und sie an einen eventuellen Kanidaten gar nicht erst ranlassen. Luna schnappt ins Fell und läßt einfach nicht mehr los. Kein schütteln,zerren oder knurren ist dabei.Deshalb wurde zum Glück noch keiner von den drei Hunden verletzt. Gerne möchte ich mehr über dieses Verhalten wissen und wie es im Vorfeld abgeschaltet werden kann. Es ist für mich ein großes Problem, weil sie doch sonst so einen liebe ist und sie würde viel verpassen, wenn ich sie immer fernhalten muß. Es kann doch auch keine Lösung sein, Luna beim spielen einen Maulkorb anzuziehen. Wenns denn doch mal wieder passiert, bekam ich den Tipp, ihr die Luft abzuhalten. Was haltet ihr davon ? Besser finde ich dann schon, den Tipp von Alpha mit dem Handauflegen und ruhig auf ihn einreden. Wirkt das gut? Wann kann ein Schock tötlich für den Hund sein? Viele Fragen warten auf Antworten.

Thomas
22.05.2002, 15:16
Hi Mascha (welcome back!)

Darf man nun rufen und schreien oder nicht?
Nee, zurück bis auf <Los> und nochmal lesen ;)

Unterschieden wird:
1.) Nicht hysterisch rufen, rumschreien sollte man/frau wenn der Kampf bereits "im Gange ist"
2.) Das "Hau ab!" bezieht sich auf eine Abwehrmaßnahme gegen einen fremden Hund VOR einem (möglichen) Kampf.

Liebe Grüße
Thomas

Luna
22.05.2002, 16:12
Bei mir war es auch so das es ganz unverhofft kam. Ich sah einen Dobermann und dachte erst oje, dann kam ein kleinerer dahinter und ich war beruhigt weil ich dachte er hat wohl nichts gegen kleinere. Dann kamen beide zu meinem zum schnuppern und die alte Frau meinte nur "Oh, das ist ja auch ein Rüde, Scheiße" und schwupps ging der Kleine(der trotzdem größer war als meiner-keine Kunst*g*) auf meinen los. Ohne Vorwarnung. Ich hatte eine Kette in der Hand und hab sie auf beide geschmissen und hab "Aus" gerufen. Noch ganz gelassen. Als sich mein Kleiner unterworfen hat und schon das winseln angefangen hat und der andere nicht aufhören wollte bin ich dazwischen. Allerdings mit dem Fuß. Die Frau stand immernoch in einer seelenruhe da und hat geschaut(ihr Verhalten hat sich auch danach nicht geändert). Als ich es geschafft hab Ihren Hund mit dem Fuß wegzutreten(sie stand immernoch blöd da und hat geschaut) hab ich meinen Kleinen gepackt und geschaut was los ist. Er hatte ein Loch im Fuß und hat geblutet. Die Frau meinte nur "da ist doch nichts-meiner hat auch mal aus dem Ohr geblutet nach einer Rauferei und ich bin nicht zum Tierarzt). Was ich von der Frau halte brauch ich glaub ich nicht zu sagen. Und jetzt erst seit so zwei Wochen wird es langsam wieder das er sich wieder einigermaßen mit Rüden verträgt. 5 Monate ist das jetzt her.
Ich versteh wirklich die Leute nicht die wissen ihre Hunde vertragen sich nicht mit anderen und sie ohne Leine laufen lassen. Oder man kann ja vorher rufen ob das ein Rüde ist oder irgendwas, aber sowas ist echt unverantwortlich! (So, wollt ich jetzt mal loswerden*g*)

Flocke
22.05.2002, 23:48
Original geschrieben von Alpha
Hallo Flocke!
Lässt Du Deine Hunde mit vor("wir treten als Rudel auf")?

Hallo Alpha,

eigentlich erübrigt sich diese Frage, da ich ja schon mehrmals geschrieben haben, dass Wuffis mich als Alpha anerkennen. Natürlich nicht! Die Hund bleiben hinter mir und ich stelle mich "drohend" vor den herankommenden Hund hin. Ich habe geschrieben "als Rudel", weil ich davon ausgegangen bin, dass du dies schon so verstehst. Dabei reicht meistens schon das Fixieren aus, um den fremden Hund zu verunsichern. Zeigt dann "mein Rudel" keine Unsicherheit, ist das Problem meistens gelöst.

Mascha
23.05.2002, 12:01
Original geschrieben von Thomas
Unterschieden wird:
1.) Nicht hysterisch rufen, rumschreien sollte man, wenn der Kampf bereits "im Gange ist"
2.) Das "Hau ab!" bezieht sich auf eine Abwehrmaßnahme gegen einen fremden Hund VOR einem (möglichen) Kampf.
Ich gebe zu, nicht ganz genau gelesen zu haben :o - trotzdem:

:confused: Das Rufen und Schreien müsste doch den Hund in beiden Fällen gleichermaßen erschrecken bzw. anfeuern, oder nicht???

Thomas
23.05.2002, 14:23
Mascha schrieb:" Das Rufen und Schreien müsste doch den Hund in beiden Fällen gleichermaßen erschrecken bzw. anfeuern, oder nicht???"
Nö, glaube ich ich nicht.
Ich versuche mal ein bildliches Beispiel: Der sich nähernde Hund hat quasi den Schalter "Kampf" in der Pfote, hat ihn aber noch nicht gedrückt. Ich denke also, das er sich i.d.R. schon von einem "vorsorglichen" (überzeugend wirkenden) Verbalangriff unsererseits beeindrucken läßt. Im Beispiel Nr. 2. (s.o.) ist der besagte Schalter aber bereits umgelegt, weswegen ein Rumgeschreie in dieser Situation er anheizend für den Hund wirkt.

read ya´
Thomas

Mascha
26.05.2002, 21:56
Hallo Thomas!

Wäre es nicht vielleicht hilfreicher, wenn man den entgegenkommenden Hund durch
Beschwichtigungssignale von der eigenen friedlichen Absicht überzeugen könnte?

Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob Hunde wirklich so einen Schalter in der Pfote ;) haben!

Thomas
27.05.2002, 00:05
Hi Mascha!

Wäre es nicht vielleicht hilfreicher, wenn man den entgegenkommenden Hund durch Beschwichtigungssignale von der eigenen friedlichen Absicht überzeugen könnte?
Wenn man sicher wüßte, das es sich bei dem "Angreifer" um einen korrekt sozialisieren Hund handelt (ist das nicht schon ein Widerspruch in sich?), man also voraussetzen könnte, das er die Beschwichtigungssinale richtig auf nimmt und entsprechend reagiert, dann würde ich Dir zustimmen.
In so einer Ausnahmesituation würde ich allerdings i.d.R. eher "die Flucht nach vorne" antreten.

read ya´
Thomas

Mascha
27.05.2002, 10:50
Hallo Thomas!

Warst Du schon mal in einer entsprechenden Situation? Ich nicht - ich habe also weder das eine noch das andere bisher ausprobieren können. Allerdings hatte ich neulich eine Begegnung am Gartenzaun...

Mein Hund war ausnahmsweise nicht dabei. Ich wollte auf dem Bürgersteig einer kleinen Straße an einem eingezäunten Garten vorbeigehen, als darin ein Hund wild kläffend zur Hecke kam und offensichtlich versuchte, mich zu verscheuchen. Im Hintergrund hörte man kurz eine Frau rufen - was sie sagte und zu welchem Zweck, konnte ich nicht verstehen. Ich schrie den Hund an, er solle ruhig sein. Das bewirkte eher das Gegenteil! Auch wenn er mal einen Moment ruhig war und ich ihn dann freundlich ansprach, bellte er sofort wieder los.
Nach einer Weile war es mir zu doof, und ich bin weitergegangen, obwohl der Hund noch bellte. (Es bestand in keinem Augenblick eine Gefahr, weil der Zaun ja zwischen uns war. Ich wollte nur mal ausprobieren, was wohl helfen könnte.)

Im Nachhinein glaube ich, dass eine Bewegung weg vom Hund ihn ruhig werden, jeder Schritt auf ihn zu jedoch das Bellen wieder anfangen ließ. Leider sind mir in der Situation selber die Beschwichtigungssignal nicht eingefallen! Die hätte ich noch explizit versuchen sollen... Beim nächsten Mal dann. :)


Zur Erinnerung hier die ersten Sätze aus dem Buch von Turid Rugaas: "Der große Briard griff mit Vehemenz und großem Getöse an. Der Angriff kam rasch und heftig und galt einer kleinen Elchhündin, die augenblicklich stehenblieb, wie angewurzelt verharrte und den Kopf zur Seite drehte. Nur wenige Zentimeter vor der Hündin bremste der Briard ab, stand und machte ein ganz verwirrtes Gesicht, so als wüßte er nicht, was er tun sollte. ... Der Briard war hier, um zu lernen, sich anderen Hunden gegenüber besser zu benehmen."

Ich will nun nicht behaupten, ich könnte die richtigen Signale hundeverständlich geben (oder meinen Hund dazu bringen, dass er sie gibt) - aber wenn man es könnte... Wenn man vielleicht von seinem Hund wüsste, dass er beschwichtigen kann? Und wenn man selber sich etwas wegdreht und am Boden "schnüffelt"?

:confused:

Thomas
27.05.2002, 13:05
Hi Mascha - das Du immer das letzte Wort haben willst...tzzz, tzzz :D


Warst Du schon mal in einer entsprechenden Situation?
Bislang (zum Glück) nur einmal. Was aber nicht sooo dramatisch. Das ganze hat sich auf einem freien Feld abgespielt. Rotti kommt auf uns zugerannt (Herrchnen 200m weiter hinten....).
Ich bin einige Meter entgegengeganen und habe ein grimmiges "Hau ab" gerufen\geschrien. Zugegebenermaßen wußte ich ihn diesem Augenblick nicht wirklich, welche Absichten der Hund hatte. Es war also eine reine Vorsichtsmaßnahme. Gewirkt hat´s jedenfalls - Rotti ist abgedreht und ab zurück in Richtung Herrchen. Dies ist wie gesagt nur ein Beispiel und sollte nicht als allgemein gültiges Rezept missverstanden werden (wie heißt es immer so schön: "Don´t do this at home!").

Zu Deiner geschilderten Gartenzaun-Story:
Ich denke nicht, das man eine Begegnung "im Freien" mit Deinem Erlebnis dirket 1:1 vergleichen kann. Der Hund hinter dem Zaun hat schließlich nur seinen Job gemacht - nämlich sein Revier verteidigt. Du hast nicht geschrieben um welche Rasse es sich bei dem Hund gehandelt hat. Wenn es "klassischer" Wachhund war, hätte er doch kläglich versagt, wenn er sich durch ein Anschreien Deinerseits beeindrucken ließe. Oder war es nur ein kleiner Fiffi der Sorte "Ich verbell grundsätzlich alles was an meinem Garten vorbeiläuft weil mir so langweilig und das meine einzige Beschäftigung ist"? Solche Hunde sind oftmals gestört, sodas evtl. weder anschreien noch Beschwichtigung etwas "bringt". Einfluss auf die Reaktion dieses betreffenden Hundes hat natürlich auch noch seine sonstige Erziehung. Ich meine, wenn Herrchen\Frauchen in harschem Ton mit dem kommuniziert, dann stellt der evtl. eh´ auf "Durchzug" wenn´s mal lauter wird.

Mein Fazit: Es gibt wahrscheinlich nicht DIE RICHTIGE METHODE. Bei dem einen werden Beschwichtigungs-Signale ausreichen bei dem nächsten nicht. Und da ich die letzteren für die "gefährlicheren" halte, erscheint mir die Anschrei-Methode im zweifelsfalls als einen Tick "sicherer\wirksamer".

read ya´
Thomas

Mascha
28.05.2002, 12:29
Hallo Thomas!


dass Du immer das letzte Wort haben willst...tzzz, tzzz :D Wer antwortet denn hier immer??? Aber für mich ist die Sache auch noch keineswegs klar! :confused:



Ich bin einige Meter entgegengeganen und habe ein grimmiges "Hau ab" gerufen\geschrien. Nun, Du schreibst ja selbst, dass Du nicht weißt, welche Absicht der Hund hatte - aber Du kannst es immer noch besser abschätzen als alle, die nicht dabei waren.
Gut, Dein Rufen hat geholfen. Fragt sich, warum, und was Beschwichtigung bewirkt hätte... (Mein Hund kennt das Kommando "Weg!" Wenn ihm das jemand entgegenrufen würde, würde er vielleicht einfach gehorchen!)


Zu Deiner geschilderten Gartenzaun-Story: Ich denke nicht, dass man eine Begegnung "im Freien" mit Deinem Erlebnis dirket 1:1 vergleichen kann.Da stimme ich Dir zu! Ich hatte bloß kein besseres Beispiel zur Hand. ;)


Der Hund hinter dem Zaun hat schließlich nur seinen Job gemacht - nämlich sein Revier verteidigt. ... Oder war es nur ein kleiner Fiffi der Sorte "Ich verbell grundsätzlich alles was an meinem Garten vorbeiläuft weil mir so langweilig und das meine einzige Beschäftigung ist"? Ich bin mir nicht so sicher, dass das Verbellen von Passanten Revierverteidigung ist... Ursprünglich schon, aber doch bestärkt durch anfeuernde oder ignorierende Reaktion der Besitzer, und somit zu einem guten Teil auch gelerntes Verhalten.


Du hast nicht geschrieben um welche Rasse es sich bei dem Hund gehandelt hat. Wenn es "klassischer" Wachhund war, hätte er doch kläglich versagt, wenn er sich durch ein Anschreien Deinerseits beeindrucken ließe. Rasse? Wie erkennt man denn die Rasse, wenn man nur ein aufgerissenes Maul in der Hecke sieht? ;) Es war ein etwa kniehoher hellbrauner Hund, evtl. Spitztyp. Mehr weiß ich nicht. Jedenfalls hatte sein Mensch im Hintergrund das Anschlagen bereits kommentiert - insofern hat er als Wachhund "kläglich versagt", weil er das Bellen nicht beendet hat, nachdem sein Rudel die Warnung zur Kenntnis genommen hatte!

Ich tippe in diesem Fall auch auf ein in gewissem Maße "gestörtes Verhalten". Meine Frage ist eben, ob man in einem solchen Fall vielleicht mit Beschwichtigungssignalen besser durchdringt als mit Anschreien.

---

Heute morgen habe ich eine Hundebegegnung beobachtet; ich versuche zu beschreiben, was mir wichtig erscheint, und bitte um Kommentare! (Gerne auch von anderen Leuten! :))

Es trafen sich fünf Hunde, die sich fast jeden Tag treffen; drei Hündinnen und ein Rüde, Janosch (Golden Retriever-Kuvasz-Mischling), gingen den Weg entlang, als ein anderer Rüde (Heinrich, Weimaraner, 10 Monate alt) entgegen kam. - Alle Hunde hatten jeweils eine Menschenfrau dabei; alle liefen frei. - Früher haben die beiden Rüden wohl gerne miteinander gespielt, aber seit einiger Zeit, wurde mir neulich erzählt, "verstehen sie sich nicht mehr miteinander", d.h. sie raufen sich.

Ich ging in der lockeren Gruppe weit hinten, so dass ich nicht alles genau gesehen habe, aber es war etwa so: Janosch lief gemütlich ein paar Meter vorneweg und sah durch's Gebüsch hinter der Wegbiegung Heinrich auftauchen. Er beschleunigte seinen Schritt ein wenig. Seine Halterin hatte das bemerkt und fing sofort an zu rufen: "Janosch, nein! Hier! Halt!" - nicht hysterisch, sondern mit relativ fester Stimme. Sie ging gleichzeitig ebenfalls schneller, hatte Janosch aber erst eingeholt, als er schon auf einer Höhe mit Heinrich war. (Der stand "bei Fuß" neben seinem Menschen und schaute nur.)

Janosch wurde von seinem Frauchen am Halsband gepackt und versuchte sofort, sich lautstark auf Heinrich zu stürzen!

Meine Hündin war übrigens inzwischen ebenfalls nach vorne gelaufen und stand still zwischen den beiden Rüden, die dann weitergingen (in Janoschs Fall am Halsband gezogen, Heinrich frei neben seiner Halterin).


Heinrich und mein Hundchen spielten dann eine Weile fröhlich in der Wiese, während ich über Raufereien und Beschwichtigung nachdachte...

Thomas
29.05.2002, 02:04
Fragt sich, warum, und was Beschwichtigung bewirkt hätte...
Berechtigte Frage - dessen Antwort wir, zumindest für diesen konkreten Fall, leider nie bekommen werden...

Es war ein etwa kniehoher hellbrauner Hund, evtl. Spitztyp.
Falls Du mit dem Spitz (bzw. Spitzmischling) richtig liegen solltest, dann hattest Du ja geradezu die Bell-Rasse schlechthin vor Augen.
Der Spitz ist ja bekanntermaßen eine der ältesten Haus- und Hof(wach)hunde schlechthin.

Meine Frage ist eben, ob man in einem solchen Fall vielleicht mit Beschwichtigungssignalen besser durchdringt als mit Anschreien. Ok, ich gebe mich geschlagen, da mit mangels ausreichender Vergleichsmöglichkeiten (zum Glück) keine ausreichend repräsentative Statistik über mögliche Abwehrverhalten vorliegt. Meine persönliche Vorgehensweise habe ich ja bereits geschildert und (subjektiv) begründet. Du kannst ja mal mit gutem Beispiel vorangehen und einen Feldversuch machen:

Vorschlag:
- Besuche einen Abrichteplatz (wird im Volksmund oft auch als Schutzhundesport bezeichnet).
- Warte vor dem Zaun und bitte einen Hundeführer, seinen frisch heiß/scharf gemachten (im Volksmund "Schutztrieb wecken" genannt) Hundi unangeleint das "Trainingsgelände" in Deine Richtung zu verlassen.
- So, und jetzt darfst du üben (erst ein paar "flüchtende" Schritte weg vom Hund und dann umkehren) :D

Viel Erfolg

Thomas

PS 1: Leihe Dir vorher die Schutzkleidung vom Figuranten aus - sonsten kannst Du uns im Zweifelsfall Deine Studienergebnisse nicht mehr mitteilen ;).
Auf der anderen Seite glaube ich, das es nicht wirklich gefährlich werden würde, da die meisten dieser (armen) Hunde eh nur auf dem Platz "funktionieren" und auserhalb eher "dumm aus der Wäsche schauen"...
PS 2: Falls sich hier aktive Hobby-Schutzhundler tummeln: Spart euch eventuelle Kommentare zu meinem Beitrag da ich sie ohnehin ignorieren werde (habe einfach meine eigene Meinung zu diesem Thema und alle Diskussionsversuche mit Leuten dieser Zunft waren erschreckend "unproduktiv")t