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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst auf dem Hundeplatz



Libelle
11.07.2010, 16:38
Hallo,

habe mal eine Frage bezüglich des Verhaltens meiner Hündin:

Ich habe sie seit etwa einem dreiviertel Jahr. Sie kommt aus einem Tierheim im Ausland und war am Anfang sehr, sehr ängstlich und schreckhaft. Das hat sich schon sehr verbessert, so dass der Alltag mit ihr fast normal ist.

Das einzige, wo ich irgendwie nicht weiter komme ist auf dem Hundeplatz.

Einmal die Woche gehen wir da hin und machen ein bisschen Erziehung, ein bisschen Sozialkontakte pflegen, ein bisschen Agility. Die ersten Male hat sie nur zitternd am Zaun gesessen und wollte nix machen, aber dann ist sie mehr und mehr aufgetaut und machte auch alles ganz interessiert mit. Aber die letzten vier - acht Wochen macht sie irgendwie wieder Rückschritte:

Läuft die ganze Zeit rum wie ein "geprügelter Hund", läuft betont langsam, führt die simplesten Kommandos nicht mehr durch, bei Übungen ohne Leine geht sie sogar einfach weg und setzt sich irgendwo in die Ecke.

Wenn wir beim Agility dran sind scheint sie auch Ängste vor den anderen Hunden die am Rand stehen, zu haben. Guckt sich immer um, läuft mit eingeklemmten Schwanz ...

Doch wenn ich beim Spazieren gehen Übungen mit ihr mache, klappt alles ganz super! Und wenn die anderen Hunde und Menschen nicht da sind klappt auch der Agility Parcours so super und sie zeigt soviel Freude daran, dass ich schon von Turnieren träume.

Darum glaube ich, dass es irgendwie damit zu tun hat, dass sie es nicht haben kann, wenn alle Augen auf sie gerichtet sind.

Habt ihr Ideen, was ich tun kann in diesen Situationen, wie ich mich am besten Verhalte um ihr Verhalten nicht noch unbewusst zu unterstützen?

shelly
11.07.2010, 16:44
Hallo Libelle,

wie sehen es die Trainer? Gab es da schon einige Tipps und Ratschläge?

Kenne Persönlich auch jemanden der so ein ähnliches Problem wie du hast. Die Hündin setzte sich aber vor Angst noch nicht einmal hin. Diese Hündin wird aber homöopatisch behandelt. Sie spricht momentan sehr gut darauf an.

Libelle
12.07.2010, 13:39
Die Trainerin sagt im Wesentlichen, es seien zwei unterschiedliche Probleme:

Zum einen sei es ihre Unsicherheit vor anderen Hunden in Gruppen (weil sie im Tierheim mehrmals arg attackiert wurde und im Zwingerrudel ganz unten stand). Zum anderen glaubt sie aber auch, dass mein Hund ab und an auch ihre Unsicherheit "schauspielert", weil sie gelernt hat, dass sie dann viel positive Aufmerksamkeit von mir bekommt.

Darum hat sie mir geraten, ruhig mal zu schimpfen und sie zurück zu holen, wenn Missy wieder schwanzklemmend weggeht mitten in der Übung, anstatt mit Leckerchen zu locken und so noch für die Unsicherheit zu belohnen.

Aber ich wollte mal eine zweite oder dritte Meinung hören. Hört sich das wirklich sinnig an, können Hunde Unsicherheit vortäuschen?

Was für ein homöopathisches Mittel bekommt der Hund deiner Bekannten denn?

nureinhund
12.07.2010, 18:04
Die Trainerin sagt im Wesentlichen, es seien zwei unterschiedliche Probleme:

Zum einen sei es ihre Unsicherheit vor anderen Hunden in Gruppen (weil sie im Tierheim mehrmals arg attackiert wurde und im Zwingerrudel ganz unten stand). Zum anderen glaubt sie aber auch, dass mein Hund ab und an auch ihre Unsicherheit "schauspielert", weil sie gelernt hat, dass sie dann viel positive Aufmerksamkeit von mir bekommt.

Das klingt sehr plausibel ;)

Darum hat sie mir geraten, ruhig mal zu schimpfen und sie zurück zu holen, wenn Missy wieder schwanzklemmend weggeht mitten in der Übung, anstatt mit Leckerchen zu locken und so noch für die Unsicherheit zu belohnen.

Richtig. Du musst nicht wirklich heftig schimpfen, aber so in der Art "Stell dich net so, auf gehts" oder "Vorwärts. Marsch!" also nicht "böse" sondern forsch, ernergisch, macht Hunden Mut und zeigt ihnen, dass da gar nichts ist. Leckerchen geht schon gar nicht, es kann gut sein, dass sie damit gelernt hat, wirklich auf Angsthase zu machen.

Aber ich wollte mal eine zweite oder dritte Meinung hören. Hört sich das wirklich sinnig an, können Hunde Unsicherheit vortäuschen?

Was für ein homöopathisches Mittel bekommt der Hund deiner Bekannten denn?

Verinnerliche DIR, dass es keinen Grund gibt, auf dem HuPlatz Angst zu haben! Und genau das vermittelst du deinem Hund dann.

Libelle
12.07.2010, 18:54
Danke für die Bestätigung, genauso hat sie es mir auch erklärt! :tu: Manchmal macht mans genau falsch, wenn man meint es richtig zu machen ...

Und was tun in Situationen, in denen sie Kommandos, die sie eigentlich im Schlaf ausführen kann, einfach ignoriert und gelangweilt in der Gegend rum guckt? Da hilft dann kein scharfer Tonfall und auch kein Leckerli, beides interessiert sie dann überhaupt nicht mehr. Da weiß selbst unsere Trainerin manchmal nicht weiter und sagt, in fünf Minuten noch mal probieren. Aber dann lernt Hund ja auch nur, dass er damit durch kommt, oder?

nureinhund
12.07.2010, 19:00
Ich würde einfach nicht so lange mit ihr üben. Mit solchen Hunden läuft es am besten, wenn man auf jedem Spaziergang 5 - 10 Minuten arbeitet, und das muss nicht mal am Stück sein. Drei, vier Übungen und dann hat er wieder "frei".

Wenn ein Hund weder auf Leckerchen reagiert noch auf Kommandos hört, ist er zu angespannt, zu überfordert. Vielleicht kannst du auf dem Platz ja auch nur einen Teil der Übungen mitmachen, zwischendurch sie einfach ablegen oder mal "vorn draußen" (wenn es das Gelände zulässt) ne kleine Runde drehen. Ganz viele Angsthunde schaffen es einfach nicht, sich 30 oder gar 60 Minuten zu konzentrieren. Hier gilt es gut zu beobachten, wann der Hund in der Aufmerksamkeit nachlässt. Manchmal hilft es auch, Übungen in der Anzahl zu varieren. "Heute mache ich 10 Platzübungen am Stück, und morgen nur eine." So hast du es in der Hand, und nicht der Hund ;)

Sprich mal darüber mit deiner Trainerin, denn die kennt euch ja.

nureinhund
12.07.2010, 19:08
Ich würde es auch mit den Leckerchen so machen, mal gibt es was, dann wieder nichts. Zeig einfach die leere Hand :D.

shelly
12.07.2010, 21:08
Was für ein homöopathisches Mittel bekommt der Hund deiner Bekannten denn?

Das kann ich dir beim besten Willen nicht sagen, da ich es nicht weiss. Sollte aber eh nur in Absprache mit einer THP gemacht werden, da jeder Hund was anderes braucht bzw. darauf anspricht.
Ich sehe aber die Hündin 2x in der Woche und sehe halt die Verbesserungen wie bsp. das mittlerweile ausgelassene Spielen mit den anderen Hunden, sie geht mittlerweile auch durch eine Menschenansammlung (zwar immer noch mit Abstand aber immerhin) oder auch durch die Geräte die vorher absolut ein NoGo waren.

Lotta
12.07.2010, 22:00
Hallo Libelle,

wie alt ist die Hündin denn, oder habe ich das überlesen? Ein Hundeplatz ist für einen Hund mit der Vorgeschichte ein äußerst stressiger Ort, müsst ihr da wirklich hin?

Meine Hündin hat sich als junges Tier auf dem Hundeplatz auch nie wohlgefühlt. Sie hat zwar "funktioniert", aber Spaß war nie dabei. . Ich habe dann irgendwann einfach damit aufgehört und sie allein weiter trainiert. Jahre später bin ich dann mit ihr zum Agility gegangen, und das war kein Problem. In der kleinen Gruppe erwachsener Hunde hat sie sich wohlgefühlt.

Vielleicht wäre das auch für dich ein Weg, Agility in einer kleinen, ruhigen Gruppe. Oder mal ein Wochenendkurs? Auch wenn das keine Sport-Karriere gibt, ich kann mir nach dem, was du schreibst, kaum vorstellen, dass dein Mädchen sich auf einem fremden Platz inmitten eines lauten, wimmelnden Tunier-Publikums ja wohlfühlen wird. Aber wer weiß, auch das kann mit den Jahren kommen.

Viele Grüße von Lotta

Libelle
13.07.2010, 23:16
Danke euch!

@shelley: das gibt mir Hoffnung!

@nureinhund: Das mit dem fehlenden Durchhaltevermögen habe ich mir auch schon gedacht. Am Anfang bin ich mit beiden Hunden jeweils einzelnd zur Hundeschule gegangen. Jetzt gehe ich mit beiden gleichzeitig und mache die meisten Übungen abwechselnd. Dann werde ich von jetzt an einfach gezielt ein paar Runden mit Tobi weiter machen, wenn ich merke, dass es für Missy zu viel wird.

@Lotta: Sie ist jetzt mittlerweile geschätzte 2 Jahre. Ich weiß nicht, ich denke die Gruppenstunden machen schon deshalb Sinn, weil ich Missy ja nur zeigen kann, dass mehrere Hunde auf einmal nicht gleich Mord und Totschlag bedeuten, wenn sie möglichst viele positive Erfahrungen in dieser Hinsicht machT. Die Gruppe ist schon sehr klein. Außer meinen beiden Hunden sind nur vier andere da, alle erwachsen und perfekt sozialisiert. Das sind doch eigentlich die besten Voraussetzungen um der Angst entgegen zu wirken, oder?

Libelle
05.11.2010, 15:41
Es gibt übrigens positive Neugikeiten:

Inzwischen macht Missy der Hundeplatz gar nichts mehr aus! Im Gegenteil, sie scheint richtig Spaß an der Arbeit dort zu haben! :wd: (Lediglich wenn mal ein neuer Hund in die Gruppe kommt ist sie erst noch wenig begeistert, aber auch das hat sich bisher immer schnell wieder gelegt)

Irgendwann hat es einfach klick gemacht, glaube ich, und sie merkt, dass sich keiner auf sie stürzt wenn sie sich frei bewegt. Und plötzlich klappt alles früher oder später wie es soll und die Leckerli schmecken auch wieder.

Den Tunnel beim Agility, vor dem sie Panik hatte, nimmt sie jetzt auch ganz ohne Probleme. Ich bin einfach ein paar mal ganz alleine auf den Hundeplatz gegangen und habe nur mit meinen beiden geübt, immer mal wieder kurz, bis sie sich eines Tages getraut hat. Dann ging alles ganz schnell und jetzt macht sie es auch in der Gruppe! :tu:

Bin froh, dass ich am Ball geblieben bin! Danke für eure Tipps!

schlaue liese
06.11.2010, 01:18
super:wd:
habe es eben erst gelesen wollte dir auch vorschlagen es in aller ruhe zu versuchen..........


vielleicht noc ein tip .immer positiv mit viel getöse vom platz gehen......vielleicht sogar mit beute im maul.
ich habe dafür einen futterbeutel den enny tragen darf wenn wir den huplatz verlassen.

Libelle
07.11.2010, 14:20
Ja, so eine Superbelohnung am Ende jeden Trainings ist auch eine gute Idee, danke!

schlaue liese
07.11.2010, 15:41
man sollte den hundeplatz immer!!!! positiv verlassen.......den hund immer mit viel freude und gemache vom platz führen.
nie gefrustet oder wenn eine übung nicht geklappt hat oder man selber sauer ist.
wenn der hund mist macht auf dem platz gut....dann eine übung raussuchen die 100% *sitzt* die ausführen lassen dann mit großem getöse vom platz......so baut sich beim hund kein frust auf und angst ab.