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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Komische Frage



angle07
07.01.2003, 21:57
Hallöchen,

ich habe mal eine Frage zum reiten.
Ich habe letztens gehört das man das Pferd im Galopp auf dem Zirkel auch mal nach aussen stellen soll und das man den inneren Zügel auch schlabbern lassen kann......
d.h. wenn ich den inneren Zügel loslasse , sollte das Pferd allein mit Schenkelhilfe und äusserem Zügel trotzdem auf dem Zirkel gehen! :confused:

Also mir kam das etwas komisch vor....
Mich würde mal interessieren ob jemand von Euch schon mal so etwas erlebt bzw. etwas darüber weiß.


liebe grüße
angi

Patricia
08.01.2003, 05:26
*grins* Ja, das wurde, denke ich, etwas sehr krass beschrieben. Spontan fällt mir hierzu ein, dass gerade junge Pferde oder Pferde, die Probleme haben auf der richtigen Hand anzugaloppieren, auf dem Zirkel nach aussen gestellt werden, damit das Angaloppieren auf der richtigen Hand leichter fällt. Dies nennt man dann auch Handgalopp.
Schlackern sollte ein verwahrender Zügel allerdings nicht.
Möglich ist ein Zirkelreiten trotzdem, da ja alle Hilfen des Reiters an der Richtungsvorgabe beteiligt sind, also auch Dein Gewicht und Deine Schenkel. Die Zügelhilfen bleiben ebenfalls bestehen, sodass eine komplette Paradenwirkung trotzdem greift.
Liebe Grüsse
Patricia

AnnaS
08.01.2003, 13:43
Also, erst einmal ist es richtig, dass man Pferde auch mal auf dem Zirkel nach außen STELLT. Eine Stellung heisst aber nicht, dass man den einen Zügel durchhängen oder schlackern lassen soll.

Nur der Kommentar, junge Pferde oder Pferde mit Problemen im richtigen Galopp ist irgendwie nicht nachvollziehbar. Es ist sogar mehr als unlogisch.
Ein Pferd galoppiert immer auf der Hand, auf der es gestellt ist. Im gewollten Außengalopp stellt man die Pferde nach außen, und gibt eben mit den Schenkeln die ensprechende andere Hilfe. Doch wenn man ein Pferd nach außen stellt, es aber auf der richtigen Hand angaloppieren soll, ist es mehr als verwirrend für ein Pferd. Und besonders junge Pferde oder Pferde mit Problemen beim Galopp stellt man etwas eindeutiger auf der Hand, auf der es angaloppieren soll.

Ich bilde junge Pferde aus, und bisher ist jedes junge Pferd im Außengalopp angaloppiert, wenn es mehr nach außen als nach innen gestellt war.

Also erklär mir doch mal bitte, mit welcher Begründung es bei jungen Pferden oder denen, die Probleme im Galopp haben, hilfreich sein soll, sie nach außen zu stellen.

Gruß,
Anna

angle07
08.01.2003, 13:56
Also ich erkläre mal wie ich das gemeint habe.
Ich bin am Montag in einem Turnierreitstall gewesen und bin dort zwei Pferde geritten.
Die Besitzerin hat gemeint das ich den inneren Zügel länger lassen solle (er ist dann durchgehangen), ich fragte sie warum sie mir so etwas erzähle...
das Pferd soll angeblich trotz durchhängenden innenzügel auf dem Zirkel gehen....

also ich fand das ein bisschen komisch, denn ich weiß das der Zügel nicht zu straff sein sollte, aber auch nicht zu locker.
man soll ja das pferd noch ''spüren''

genauso wie mit dem nach aussen stellen.
sie setzte sich dann drauf und stelle das pferd im gallop richtung Bande...also das Pferd konnte mit dem Kopf bald den Bandenrand putzen...

ich fand das eben komisch und wollte mich mal erkundigen

angle07
08.01.2003, 13:57
das waren turnierpferde (ist ja klar) die L und M Springen gehen.

sind so ca. 7 oder 8 jahre alt

liebe grüße
angi

AnnaS
08.01.2003, 14:43
Also, ein gut gerittenes Pferd nimmt eine natürliche Anlehnung ein, weil es für ein Pferd angenehmer ist, in einer gewissen Anlehnung zu gehen, anstatt als "Sternengucker" z.B.

Um so eine natürliche Anlehnung zu erreichen, reitet man ein Pferd von hinten, also mit den Schenkeln und durchs Kreuz. So steuerst bzw lenkst du ein Pferd gewissermaßen auch. Und wenn dein Pferd rein auf Schenkeldruck und Gewichtsverlagerung (Kreuz) reagiert, hast du ein sehr gut gerittenes Pferd.

In der Dressur gibt es ein "Überstreichen", dabei geht die Hand etwas nach vorne. Es ist eine Rittigkeitsprüfung, denn bleibt dein Pferd in der Anlehnung und geht mit dem Kopf nicht sonst wo hin, zeigt es, dass es rittig ist.
In dem Moment des Überstreichens hast du auch keine direkte Verbindung mehr zum Pferdemaul, da die Zügel gelockert sind, d.h. du spürst dein Pferd auch nicht mehr, so wie du es ausgedrückt hast.

Wenn du nun ein Pferd reitest, und den inneren Zügel durchhängen lassen kannst, und das Pferd dennoch in der Anlehnung bleibt, ist es ein sehr gutes Zeichen, allerdings ist die Methode des Zügel durchhängen lassens doch eher sehr ungewöhnlich.
Ich denke also mal, diese gute Frau wollte einfach nur demonstrieren, dass ihre Pferde gut geritten sind.

Was nun das nach außen stellen angeht, so macht man das tatsächlich. Aber nur, weil du den äußeren Zügel hältst, und mit dem inneren nachgibst, ist das Pferd noch nicht nach außen gestellt. Stellen tust du dein Pferd ebenfalls mit Gewichtsverlagerung, und bei den Zügeln gibt es eben die Paraden, mit denen du ebenfalls stellst.

Wenn diese Frau nun ihr Pferd so nach außen gestellt hat, dass es die Bande hätte putzen können, dann war es eine Stellung, in der man eigentlich den Außengalopp reitet. Hat sie aber nicht die entsprechenden Schenkelhilfen gegeben, galoppiert das Pferd eben weiter im Handgalopp, ist aber nur nach außen gestellt.
Auch das zeugt von Rittigkeit, da das Pferd weiterhin auf den Schenkeldurck und die Gewichtsverlagerung reagierte und nicht auf das Stellen durch den Zügel.

Hm, ob es mir gelungen ist, das zu erklären, weiß ich nicht. Wenn du noch Fragen hast, frag ruhig.

Gruß,
Anna

angle07
08.01.2003, 21:13
Hi Anna,

danke für die ausführliche erklärung.
ich habe es so einigermaßen verstanden.

das war mal wieder eine neue erfahrung.
bisher kam ich ganz gut ohne diese art und weise zurecht, bis mich diese ''dame'' drauf aufmerksam machte.

ich fande jedenfalls nicht das die pferde so gut ausgebildet waren, denn das pferd bzw. die pferde reagierten nicht richtig auf meine schenkelhilfen und gewichtsverlagerungen.
ich habe es allein beim trockenreiten gemerkt.

da lässt man ja normalerweise den zügel durchhängen damit sich das pferd strecken kann....naja dann hab ich eben mal allein mit schenkel und gewicht versucht einen handwechsel zu machen....hat aber nicht geklappt, wäre fast in ein anderes pferd reingeritten....ich weiß auch nicht ob es an mir lag, aber bisher hatten alle die pferde, die ich geritten bin darauf reagiert.

trotzdem nochmal vielen dank...jetzt weiß ich ein stück mehr (man kan ja nie genug wissen) ;)

schönen abend noch

liebe grüße
angi

shiela
09.01.2003, 11:05
Hallo,

hmm, also da habe ich nun wieder eine ganz andere Sicht der Dinge.

Ein Pferd, das soweit "abgestellt" wird, kann unmöglich korrekt galoppieren, ohne über die Schulter auszubrechen und wird dann vom Reiter mühsam zusammen gehalten. Das sind meiner Meinung nach Hilfen, die anatomisch pures Gift sind für Pferde - egal welchen Alters und Ausbildungsstand. Und in dem Moment, wo die Hand "gegenhält", wie man so schön sagt, wirkt sie bereits rückwärts.

Überstreichen wird - soweit ich es weiß - mit BEIDEN Händen durchgeführt, weil man prüfen möchte, ob das Pferd "an den Hilfen steht". Das ist genau das, was ich schon mal geschrieben habe, ein Pferd bietet die Versammlung an. Wenn ich sie erreite, dann beginnt dort schon das Rückwärtsreiten, denn beim richtigen Sitz kommt das Pferd von ganz alleine.

Als gute Rittigkeit des Pferdes kann ich das nun gar nicht empfinden. Im Gegenteil, denn gerade auf gebogenen Linien, sollte die äußere Hand keinesfalls "stehenbleiben", wie so oft behauptet.
Einfaches Beisp.: Ein Fahrrad, kein Mensch kommt auf die Idee, wenn er um die Ecke fährt, den äusseren Teil des Lenkers gerade zu halten und "innen" anzunehmen ;-)) Man würde gegen die Wand - schlichtweg. Auf jeden Fall käme man so nie um die Ecke.
Genauso verhält es sich mit den Pferden. Wenn außen stehen gelassen wird und die Biegung nach innen verlangt wird, wird das Pferd sich anatomisch derartig zusammenziehen müssen. Und das bringt Verspannungen, die später dann weitere Probleme aufwerfen und somit ein Pferd "widersetzlich" werden lassen können. Dann steht man davor und versteht die Welt nicht. Das ist in meinen Augen Tierquälerei.

Außerdem kann man solche "haarsträubenden" Hilfen mal an sich selbst prüfen,. Einfach mal einen Zirkel laufen, stark nach z.B. links sehen und nach rechts sich drehen. Eure Wirbelsäule wird es Euch danken ;-))

Ist zumindest meine bescheidene Meinung ;-))

Grüsse
Elena

AnnaS
09.01.2003, 11:32
Also, Überstreichen mit beiden Händen ist ja richtig.

Wenn ein Pferd so nach außen gestellt ist, dass es die "Bande putzen" kann, ist sehr übertrieben und sicherlich nicht förderlich. Dennoch würde ein Pferd, was nicht gut geritten ist oder jung und nicht ausballaciert ist, in den Kreuzgalopp verfallen.

Eine Stellung, die nur ein "Kopf herumziehen" ist, ist sicherlich nie angebracht. Darum schrieb ich ja auch, diese gute Dame wolle sicherlich mal vorführen, wie rittig ihre Pferde sind.

Man STELLT nach außen, wobei das sicherlich nicht an der Tagesordnung ist. Doch tun kann man es und es ist auch nicht wirklich bedenklich. Allerdings gibt es eben wirklich den Unterschied zwischen Stellung, Biegen, und schlangenähnlichen Verrenkungen, bei denen ein Pferd die Bande putzen kann.

Doch bleibt ein Pferd lediglich durch Gewichts- und Schenkelhilfen dabei, ist es gut geritten. Auch wenn die Methode sicherlich sehr zweifelhaft ist, auch das sagte ich ja.

Aber ich komme in Frieden und ohne jegliche Diskussions- oder Streitabsicht :cool:

Gruß
Anna

shiela
09.01.2003, 23:08
Hallo Anna,

*lachen muß* keine Sorge, ich hatte das noch nicht mal als mindesten Gedanken. Ich wollte halt nur meine Meinung sagen, deswegen schrieb ich ja auch "nur meine bescheidene Meinung".

Das wir da - glaube ich - etwas unterschiedliche Sichtweisen finde völlig ok. Also bitte nicht auf Dich beziehen *weiße Fahne groß im Bogen schwenk*

Grüsslis
Elena:D