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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Jan Fennell - "Mit Hunden sprechen"



Thomas
01.01.2003, 14:49
Tach allerseits!

Ausgehend von diesem Thread (http://forum.zooplus.de/forum/showthread.php?threadid=6582) möchte ich mal meine persönliche, subjektive Meinung über dieses Buch loswerden:

Leider habe ich mir während der Lektüre dieses Werkes keine Notizen gemacht, so das ich hier nicht auf einzelne geschilderte Fallbeispiele eingehen werde. Würde aber ohnehin nicht viel Sinn machen, da ja alle nach dem selben Stickmuster ablaufen.

Vorwort:
Als erstes möchte ich mal freimütig gestehen, das ich mit dem Begriff des "Amichien Bonding" bis heute nicht wirklich was anfangen kann. Sollte ich eine direkte Übersetzung überlesen haben? Bonding ist ja soweit klar - Bindung halt. Aber "Amichien"? Klingt für mich ein bisserl nach "Alchemy" ;)
Egal, man soll sich ja nicht mit Begrifflichkeiten aufhalten, also flugs weiter mit dem...

Pro:
Nichts von dem was in dem Buch geschrieben steht finde ich wirklich falsch, das war´s aber auch schon, also weiter mit dem...

Contra:
mir ist das Buch VIEL ZU EINSEITIG. Es wird beim Leser, zumdindest bei mir, zweifelsfrei der Eindruck suggeriert, das ALLE Problembereiche im Zusammenleben mit unseren 4-Beinern, in einem Streben nach Rudelführerschaft bzw. bereits dem Innehalten einer Rudelführerschaft begründet liegen, welche dann halt mal eben mit ein bisserl "Amichien Bonding" aus der Welt geschafft werden können. Easy as 1, 2, 3.
Das ist mein einziger, allerdings sehr schwerwiegender Kritikpunkt an diesem Buch. Es ist dermaßen unflexibel das ich es eigentlich nicht fassen kann. Wer meine Ratschläge hier im Forum kennt, weiß, das ich auch hin und wieder Methoden wie "Hund ignorieren" usw. gebe. Es ist ja in vielen Fällen tatsächlich eine richtige und erfolgversprechende Möglichkeit. Aber deswegen kann ich doch nicht hergehen, und behaupten das alle Hunde sich in der erhofften Weise "ändern" werden. Dieses Buch geht auf die Unterschiedlichkeit des Individuums Hund mit keinem Wort ein. Was beim einen prächtig funktioniert wird beim nächsten wirkungslos verpuffen oder gar kontraproduktiv sein. Diese grenzenlose Pauschalisierung geht mir wirklich gehörig gegen den Strich. Statt die Leute mehr in Richtung "Beobachtet eure Hunde - Lernt sie zu lesen", zu ermuntern, wird ein 08/15 Programm empfohlen. Problem erkannt - Problem gebannt. Ursache kann mannigfaltig sein - die Lösung ist jedoch steht´s ein stures Abspulen eines Patentrezeptes. Nochmal - dieses Rezept kann bei vielen Hunden in der Tat Türen öffnen und Probleme beseitigen bzw. zumindest abmildern. Ich lege nur Wert auf das Wörtchen kann, weil ansonten einfach zu leicht der Eindruck entsteht, mit ein ein paar wenigen Verhaltensvorgaben Berge versetzen zu können. Es ist für mich bestenfalls ein Ansatz, wahre Rudelführerschaft macht sich jedoch noch an 1000 anderen Dingen fest. Beispielweise Gestik, Mimik, Auftreten, Selbstsicherheit, Geruch des Hundeführers - die komplette Persönlichkeit eines Menschen. Auch daran läßt sich arbeiten - leider nicht in 5 Minuten oder 2 Wochen - schön wär´s...

Fazit:
Ich bereue es nicht das Buch gelesen zu haben - der/die ein oder andere mag sinnvolles für sich und seinen eigenen Hund daraus ableiten können. Wirklich weiterempfehlen mag ich es jedoch nicht.

Gruß
Thomas

Dagi
01.01.2003, 15:26
Hallo Thomas,

also, die Kritik kann ich teilen, aber ich sage jetzt mal kurz wie ich es sehe:

Ich habe es (wenn meine kleine Nuss in dem Schädel da oben mich jetzt nicht im Stich lässt) schon mal in einem anderen Thread erwähnt: KEIN Buch ist eben DAS Hundebuch schlechthin. Ich habe das Buch von Jan Fennell wirklich gerne gelesen und habe es vor allem so geschätzt, weil es sehr persönlich geschrieben ist. Aber: es KANN nicht alleine so stehen bleiben, als einzige Lösung. Für mich ist das so: Jedes GUTE Hundebuch (und dazu zähle ich es trotzdem) ist nur wieder eine Ergänzung zu einem Wissensschatz, den man allmählich erweitert. Alle Erkenntnisse aus allenmöglichen Hundebüchern fügen sich bei MIR so allmählich wie ein Puzzle zusammen. Dazu kennt man sich selbst (hoffentlich) ganz gut, seinen Hund, und all dieses Wissen muss jeder für SICH und seinen HUND zusammenfügen, und meiner Meinung nach müsste das dann auch bei jedem ein wenig anders aussehen. Schlussendlich muss es ein stimmiges Grundbild geben, welches man mit guten und nützlichen Tips, Erfahrungen und auch immer wieder neuen Erkenntnissen erweitert, ein wenig ändert, immer mal etwas neu formt.

Ich kann nur sagen, daß ich wirklich viele Hundebücher (vor allem Erziehung) gelesen habe, es gab KEINS in dem nicht wenigsten EIN nützlicher Hinweis war, auch wenn der Großteil der Bücher sicherlich nicht so toll war.

Genausowenig kann man ja NUR mit dem Buch "Calming Signals" arbeiten, welches aber trotzdem ein wirklich tolles Buch ist, gerade auch für Hundeanfänger.

Auch von Bloch, Zimen und Trumler habe ich einige Bücher gelesen, und für mich war es immer wieder nur eine Aufforderung dazu: Guck Dir Dich und Deinen Hund GENAU an. Ich habe keines der gelesenen Bücher als Patentrezept verstanden, und das sollte man auch nicht tun. Von daher kann ich Deine Kritik an dem Buch auch verstehen.

Trotzdem fand ich es super, daß jemand ganz klar schreibt, was er am Anfang mit seinen eigenen Hunden eigentlich für "Probleme" gehabt hat, und daß die Änderung der eigenen Einstellung schon ansatzweise zu Problemlösungen geführt hat. Und ich denke auch, daß DAS die wichtigste Botschaft dieses Buches ist, das Verhältnis zwischen sich und seinem Tier mal mit Abstand zu betrachten, vielleicht zu analysieren, und das man selbst dafür sorgen muss, alte Denkmuster aufzugeben und "liebgewordene Gewohnheiten" mit seinem Tier vielleicht mal ändern sollte.

So, doch (wie eigentlich immer) lang geworden, und weiß auch nicht, ob rüber gekommen ist, was ich gemeint habe.

Auf jeden Fall lohnt es sich, darüber zu sprechen! ;)

Grüße
Dagi + Amy

klasu
01.01.2003, 16:40
Hallo Alchimist Thomas ;) ,
wahrscheinlich talkt Mrs.Fennell eine wenig französisch und hat das Wort Hunde(chiens) freund(ami) einfach mit dem bonding translated und zusammengefügt.
Ansonsten kann ich mich dagis Beitrag einfach anschließen. In vielen Hundebüchern gibt es etwas lehrreiches und etwas kritikwürdiges. Aber dies herauszufinden macht das ganze vielleicht auch erst richtig spannend.
Happy new year from the international speaking
klasu :cool:

Dagi
01.01.2003, 17:20
Hi Klasu,

Deine Ausführung ist einfach KLASSE!!! Ich lieg hier gleich am Boden :D :D :D
Obwohl ich französisch sprechen kann, bin da drauf echt nicht gekommen!!!

RESPEKT

Liebe Grüße
Dagi + Amy (= ami = Freund:D )

gini_aiko
01.01.2003, 17:31
hallöchen meine lieben,

meine ausführung ist vielleicht ein wenig off topic, aber ich hoffe trotzdem, dass diese einigermaßen dazupasst!

also: dagi hat es ja schon angeschnitten - auch für mich gibt es nicht das ultimative hundebuch - egal ob für erziehung, ernährung, ... .

zu dem angesprochenen buch kann ich nichts sagen, da ich es noch nicht gelesen haben! bildungslücke?? aber es gibt eben so viele hundebücher und mann/frau kann nicht alles lesen! aber ein gutes beispiel ist sicher auch calming signals wie auch dagi es auch schon erwähnte. ich finde dieses büchlein GENIAL - aber man kann mit diesem buch alleine keinen hund verstehen lernen - es hilft zwar ungemein, aber man kann nicht auf wenigen seiten alles erfassen. jedes buch wird von einem maximal zwei oder drei personen geschrieben und bringt seine/ihre erfahrungen, sichtweisen, ... ein. aus diesen gründen bin ich der meinung, dass jedes buch einseitig ist und man nur aus der kombination allem was man gelesen, gehört, ... hat sich ein bild von der ungefähren *realität* machen kann!

so ich hoffe ich bin nicht zu sehr offgetopt!

liebe grüße claudia mit aiko und gini

Cockerfreundin
01.01.2003, 19:03
Halli Hallo!

Mir geht es mit meinem *Unbehagen* dem Fenell-Buch ähnlich wie Thomas (hab ich an anderer Stelle ja schon mal angedeutet): es suggeriert (ähnlich wie viele Feld-Wald-Wiesen-Ratgeber der Humanpsychologie) viel zu sehr: mit dieser Methode (Rezept) bekommt Mensch jeden Hund und jedes Problem in den Griff... und nach 2 Wochen mit Methode A, B und C (aber keinesfalls nur A anwenden, sondern auch B + C) hat Mensch für immer ruhe mit der Erziehung und all seinen Problemen und Problemchen...

Ehrlich gesagt: ich finde das stink langweilig :rolleyes:

Ne, da hat mir ein Buch wie Calming Signals schon wesentlich mehr geholfen... es fordert mich auch viel mehr... nämlich meinen Wuff immer neu und besser lesen und verstehen zu lernen...

Wie Thomas schon sagte: grundsätzlich falsch ist sicher nichts in dem Buch... aber ob es nun zu den Büchern zählt, in die ich immer mal wieder neu hereinlese... wohl eher nicht...

Gut, mag vielleicht auch daran liegen, dass mein Wuff nicht wirlich zu den Problemhunden zählt ;) ... ergo lass ich das Ganze vermutlich etwas lockerer angehen als jemand, der jetzt wirklich dieses eine Problem in den Griff kriegen will/ muß oder aber die grundsätzliche Rollenverteilung zwischen Mensch und hund noch nicht gesettelt ist...

Soweit dies! Es grüßen
Annette + Basti:)

Naughty-Rocky
01.01.2003, 19:06
Hallo Thomas,
kann Deinen Ausführungen nur zustimmen. Ein Patentrezept gibt es wohl in keinem Hundebuch. Zwischenzeitlich ist die Literatur zum Thema "Hund" so umtassend, dass man gar nicht in der Lage sein kann alle Werke zu lesen, zumal einige Bücher von Bloch oder Zimen ein gewisses wissenschaftliches Interesse und Wissen voraussetzen.
Happy New Year!
Naughty-Rocky

Tina2809
01.01.2003, 21:09
Hallo Ihr Lieben!

Frohes Neues erstmal Euch allen!
Ihr habt ja alle schon mehr oder weniger gesagt, was ich auch sagen würde- ich wollte nur noch was hinzufügen:
Das Buch war eins der ersten, die ich gelesen habe und ich muss sagen, daß ich es als "Denkanstoss" ganz gut fand.
Ich habe das Buch "auf Empfehlung" gelesen- wie das wohl bei den Meisten der Fall ist.
Es gibt natürlich keine (v.a. detaillierten) Tipps, da die Fälle immer nur oberflächlich besprochen sind- aber es hat mir und manchen anderen auch ein wenig das Blickfeld erweitert.
So hat eigentlich jedes Buch, das ich bis jetzt gelesen habe immer einen mehr oder weniger großen Teil zu meinem jetzigen Wissen beigetragen. Wie Ihr schon sagtet- kein Buch ist perfekt.
Wenn man nach und nach andere (bessere oder schlechtere) Bücher gelesen hat, mekrt man den Unterschied schon.
Was aber für mich das allerwichtigste ist, was ich gelernt habe, ist: meinen Hund zu beobachten und auch von ihm zu lernen.

LG
Tina