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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unser Hund der Müllschlucker...



Daggi
29.12.2002, 14:48
Hi zusammen. Hach ja, hier bin ichschon wieder mit 'ner neuen Frage:
Wie habt Ihr es angestellt, dass Eure Hundis nicht alles fressen, was sie draußen finden?
Bei uns ist es so, dass unsere Süße eigentlich alles sofort verschlungen hat, wenn sie was gefunden hat. Inzwischen ist es so, dass wir seit einigen Wochen mit dem "Tauschen" angefangen haben. Also wenn sie was aufnehmen will (auch in ca. 3 - 5 Meter Entfernung ohne Leine) sagen wir ruhig (früher hastig und scharf, was zum schnellen Herunterschlingen führte) "Aus" und wenn sie es läßt, bekommt sie ein Leckerli. Das funktioniert inzwischen auch schon so, dass sie uns erst fragend anschaut, nach dem Motto "darf ich es nehmen"? Natürlich nicht, wir sagen ruhig nein und geben ihr ein Leckerli. Aber wenn sie mit anderen Hunden spielt (vor allem da war es so) ist es so, dass wir ja leider nicht mehr in ihrem Einwirkungsbereich sind (Bomber, Wurfkette etc. also nicht durchführbar) und sie bereits mehrfach irgendwo hin verschwand (hinter eine Hecke, hinter ein Gartenhaus) und sie nach dem Herpfeifen nicht kam. Auch nicht beim zweiten Mal. Danach rufen wir sie natürlich nicht mehr und gehen entweder weg (um sie zum Herkommen zu bewegen, was meistens mißlingt) oder wir holen sie und leinen sie an. Sie weiß dann schon, dass irgendwas nicht stimmte, denn sie dreht uns meist dabei auch den Rücken zu, um die Situation "zu entspannen" und keinen Blickkontakt zu haben. Wir sagen dann gar nichts, sondern leinen nur an. Und Schluss ist mit dem Spielen. Dann ist es aber natürlich schon zu spät und sie schleckt sie genüsslich die Lefzen. Grrrrr. Bis jetzt ging es gut, keine Giftköder etc. erwischt, aber wir haben da immer Angst.
Natürlich weiß ich, dass hier wohl noch ein Unterordnungsproblem/Erziehungsdefizit besteht, doch wie löse ich dieses spezielle? Wir wissen, dass sie noch diesbezüglich einiges zu lernen hat und wir arbeiten auch daran, doch habt Ihr Tipps?
Außerdem ist natürlich das Anleinen danach auch so eine Sache, denn es kam auch schon vor, dass wir riefen bzw. pfiffen, sie nicht kam, wir dann zu ihr hin sind und sie (mind. 10 Sekunden nachdem wir das letzte Mal riefen) dann aber auch bereits in unsere Richtung lief. Wir hoffen dann immer (siehe auch meine Frage zu "Merkfähigkeit von Hunden"), dass sie das Anleinen nicht mehr mit dem vorherigen Rufen verbindet (was ja negativ für sie wäre), denn das vermeiden wir sonst immer und sie weiß eigentlich, dass sie nie angeleint wird sofort nach dem Herrufen oder Herpfeifen. Was tun? Wie vorgehen? Einen schönen Sonntag wünsche ich Euch noch!

Chris62
29.12.2002, 17:14
ich hab da mal 'ne frage. was ist ein " bomber?"
gruß chris

Daggi
30.12.2002, 15:18
Sorry, las ich schon mehrfach auf verschiedenen Hundeseiten und ging davon aus, dass es (fast) jeder kennt: Bomper = zusammen geknotetes Handtuch etc. zum Werfen ( wie Wurfkette oder auch Tempopäckchen zu handhaben).

Ilona
30.12.2002, 21:04
Hallo liebe Dagi,

auch ich hatte ne furchtbar verfressene Rottihündin. Ich konnte sie nur unter Kontrolle haben, wenn sie relativ dicht bei mir war. Sie hat sich aber bis an ihr Lebensende an meinen Erziehungsmaßnahmen vorbeigemogelt, wenn sie weiter weg war. Sie hat eben dann gefressen, was sie fand. Das mit dem Tauschen ist ne faire und gute Sache. Behalte Dein Hundi am besten noch eine Weile an der Schleppleine und beobachte ihn genau, was er in der Entfernung tut. Je weniger Erfolgserlebnisse er hat, wenn er nicht hört, umso besser. So lange er nicht zuverlässig hört, wird entweder die Leine nicht abgemacht oder eben es werden Maßnahmen ergriffen, damit er hört. Ich hab manchmal den Eindruck, dass man jedem ignorierten Befehl wieder ca. 20 befolgter Kommandos entgegensetzen muss, damit man wieder auf den Stand kommt, dass Hund gehorcht. Das mag übertrieben sein, ist aber fast so.
Ich habe beim ebenso verfressenen Benji gelernt, genau hinzuschauen, was er tut: schnüffelt er oder hat er was gefunden? Hat er was gefunden, wird sofort mit einem "Benji, nein" reagiert. Meist läßt er aus und bekommt sein Tauschobjekt. Dazu muss er allerdings noch immer sozusagen in Reichweite sein. Auf Entfernung (20 m oder mehr) würde das noch nicht klappen bei uns.
Das Unterordnungsdefizit besteht im Heranrufen aus einer Entfernung x, nicht?
Du kannst folgendes üben:
Hund an einer 10, 15 oder 20 m - Schleppleine (erst kurz, dann immer länger). Du wirfst absichtlich ein Leckerchen, Spielzeug oder irgend etwas, was den Hund ablenkt, von ihm weg. Möglichst so weit, dass er nicht da dran kommt. Will er hin, rufst Du ihn zu Dir. Hört er nicht, wird die Richtung gewechselt, weg vom Objekt. Folgt Hund nach einer Weile freiwillig, wird er belohnt, er darf zu dem Objekt und es fressen (Leckerchen) oder aufnehmen (Spielzeug). Das täglich und über mehrere Wochen trainiert, sollte helfen.
Ziel ist es: Hund soll lernen, auch noch so super Ablenkungen zu wiederstehen und auf Kommando zu kommen.

Es sollte helfen. Wäre zumindest einen Denkansatz wert, was meinst Du? Ich werde es jetzt mit Benji angehen. Mal sehen, was wird. Ich bin zuversichtlich:)

Liebe Grüße,

Illi

Daggi
01.01.2003, 18:24
Liebe Illi,
Du hast mir mit Deiner Antwort sehr weitergeholfen. Denn das mit der Schleppleine und Leckerli oder Spielzeug werfen und dann Hund nicht hinlassen, probiere ich gerade seit kurzem (3 - 4 Tage). Doch mir war nicht ganz klar, wie ich reagiere, wenn sie nicht gleich (!) kommt und dann halt irgendwann (!) doch. Ich habe sie dann bisher immer gelobt, wenn sie (irgendwann) kam (alles an der Leine übrigens) und habe sie dann zusätzlich zum Loben auch zu ihrem Ball etc. gelassen. Aber ich denke das war dann des Lobes zu viel (loben und zum Ball lassen). Oder? Denn ich glaube, sie denkt dann ja wohl: Na ja, ich kann ja immer irgendwann kommen und darf dann trotzdem zum Ball oder zum Leckerli. Aber genau das IRGNDWANN unter Ablenkung will ich ja abstellen. Wir werden jetzt feste üben und halt, so wie Du, Hundi möglichst genau beobachten, was man da denn sonst so schnuffelt oder halt doch schon wieder zu fressen versucht!
DANKE NOCHMAL!!!! :)

Ilona
02.01.2003, 09:56
Hi liebe Dagi,

ich freu mich, wenn ich helfen kann. Manches probiere ich an Ideen selber aus und empfehle sie gern weiter, wenn sie geholfen haben. Das ist zwar nie eine Garantie dafür, dass es bei jedem Hund klappt, aber ich denke schon, dass es gewisse Übungen gibt, die von der Grundidee her jedem Hund und Halter ein Stück weiter helfen:)

Weißt Du, das mit dem "Naja, sie kommt ja, aber halt irgendwann und nicht gleich", kenn ich auch sehr gut. Ist bei meinem Benji so und wir müssen daran arbeiten. Im Gegensatz zu früher, wo er gar nicht kam (nie), sondern sich eher noch entfernte, kommt er heute schon freudig, und wenn er weiter weg ist, sogar im Galopp, dass seine Ohren im Wind flattern. Nur halt eben, bis er sich so manchmal (wird auch immer seltener) bequemt zu hören <schnief>. Naja, sag ich mir dann, da war wohl die Ablenkung noch immer interessanter als Frauchen. Ist nicht schlimm, nur ein weiterer Grund, noch intensiver zu trainieren...

In diesem speziellen Fall werde ich jetzt halt eben noch fröhlicher werden und mich spätestens eine Sekunde, nachdem ich gerufen habe (dieses Timing ist meines Erachtens sehr wichtig, denn Hund kommt gar nicht dazu zu überlegen, ob er das Kommando nun ausführen möchte oder nicht), interessant machen durch schnelles Entfernen (rennen, klatschen, locken usw. - Körpersprache!!!) in die entgegengesetzte Richtung. Dass Hund spätestens dann hinterher muss, wenn die Leine sich strafft, ist ja schon ganz gut, ne? Wenn er bei mir angekommen ist (je schneller, je besser), wird er gelobt und es geht sofort wieder in Richtung der Versuchung, von der wir uns wegbewegt haben mit dem Ziel, das Objekt der Begierde als Belohnung zu bekommen. Bei uns heißt das immer in einem überschwänglichen Singsang: "Feeeiiiiiiiiiiin, Jackpot, komm, schnell!" Und allein das Wort Jackpot wirkt bei Benji Wunder. Er dreht sich vor Freude und Aufregung um sich selbst (ein Rotti, grins) und wird plötzlich wieselflink:)

Vielleicht hilft das noch ein Stückchen weiter. Probier es einfach oder wenn Dir beim Üben was besseres einfällt, würde ich mich freuen, von Euch zu hören.

Liebe Grüße Euch beiden, Illi und Benji

Dagi
02.01.2003, 12:15
Hallo Namensvetterin,

ich melde mich jetzt doch noch mal zu dem Thema, da unsere Amy ja am Anfang auch so ein Müllschlucker war, und das ja leider auch zu ihrer OP geführt hat, da sie einen Darmverschluss erlitt. Leider lernt so ein Hund ja nicht: Ich hab was verschluckt = OP. Also, was nun tun, damit sie das Interesse einfach daran verliert?

War gar nicht so einfach, sie war ja damals erst 11 Wochen, und mit 14 Wochen, als die Fäden gezogen waren und der Trichter um den Kopf abkam haben wir dann gezielt angefangen. Ich denke, daß mehrere Faktoren zum Erfolg geführt haben:

1. Wir haben erst mal in der Wohnung geübt, daß sie nichts vom Boden nehmen darf, ohne Erlaubnis. Also: Leckerchen in die Hand genommen, Amy gerufen und "Nimms" gegeben. Ein paar mal hintereinander. Dann Leckerchen auf Boden gelegt, Amy wollte dran, im rechtzeitigen Augenblick "Nein" und sie sanft weggeschoben. Amy doof geguckt und mich trottelig angesehen, sofort "Nimms" hinterher und ihr gegeben. Dann wieder Leckerchen auf Boden, "Nein" weggeschoben und "Nimms" dann hinterher, wenn sie nicht drangegangen ist. Das hat bei uns nicht viele Übungen gebraucht, kommt wohl auf den Hund an. Die Übung wurde dann schrittweise verlängert, auch mit Spielzeugen geübt. Nach zwei Tagen, wenn ich was auf den Boden gelegt habe und "Nein" gesagt habe, tänzelte sie erst noch schwanzwedelnd drumrum, aber wenn sie gesehen hat, daß ich den Befehl nicht aufhebe, ist sie zu meiner Überraschung sogar aus dem Raum gegangen und hat sich seufzend irgendwo in die Ecke gelegt. Jetzt an Weihnachten haben wir erst mal wieder bemerkt, was uns die Übung für Vorteile gebracht hat: die Katzen hatten eine neue Fellmaus, da war Amy natürlich scharf drauf. Ein einmaliges "Nein" hat gereicht - sie liegt seit über einer Woche von Amy unberührt immer irgendwo herum.

2. Auf Spaziergängen haben wir dem Müll nicht mehr DIE Beachtung geschenkt, wie wir es (aus Angst) vorher getan hatten. Wenn Amy auf irgendwas zuging, gab es ein scharfes "Pfui" (wirklich gaaaanz scharf aussprechen - unser ansonsten unerschrockener Hund hat sich beim ersten mal schon etwas verjagt und mich dann fragend angesehen), wenn sie es dann liegen ließ: Lob, lob, lob + Leckerchen. Oder "Pfui" und einfach weitergehen (notfalls Hund mal ein wenig an der Leine zupfen, und zum mitgehen bewegen).

3. Gezielt "Aus" trainieren. Haben wir mit Spielzeug gemacht. Wenn sie es dann hat aus dem Fang fallen lassen: Lob + Leckerchen, und dann wurde es ihr wieder geworfen, so daß Amy gelernt hat: die wollen mir nix wegnehmen, wenn ich fein "Aus" mache, gibt es evtl. was leckeres, oder ich bekomme mein Spielzeug wieder.

Ich glaube, daß diese drei Dinge wirklich wichtig waren. Gerade das "Aus" war echt ein harter Brocken für uns, da wir durch die OP immer in Panik geraten waren, wenn sie etwas aufgenommen hatte und es ihr aus dem Maul gepuhlt haben. Sie hatte also gelernt, daß sie am besten mit gefundenen Dingen wegläuft. Das war echt ein Fehler, den wir aber gottseidank wieder ausbügeln konnten.

Ach so, das Tauschen hatten wir auch erst durchgeführt, hat aber überhaupt nicht zum Erfolg geführt. Dafür sagt Amy jetzt Bescheid, wenn sie etwas gaaaanz tolles findet (wie neulich die Menschenkacke), sie geht nicht einfach so dran, sondern kommt, stupst einen an und läuft dann wieder zu der Fundstelle.

Gerade gestern hatte sie im Wald irgendetwas ins Maul genommen. Wir unterhielten uns gerade mit Spaziergängern. Ein Blick auf Amy, "Aus" und sofort spuckte sie es aus (war aber nur ne Eichel, die darf sie). Aber die Spaziergänger waren beeindruckt. Und das können wir mittlerweile mit jedem Gegenstand machen! Und wenn ich etwas liege sehe und von vornherein "Nein" sage, nimmt sie es erst gar nicht.

Also: probier es doch mal! Auch wir haben es vom Müllschlucker zum salonfähigen Hund gebracht :D :D :D , und IHR SCHAFFT DAS AUCH!

Liebe Grüße
Dagi

Daggi
02.01.2003, 15:53
@ Dagi mit einem "g" :) :) :) und Illi. Ja wir üben auf jeden Fall weiter. Denn wir können ja auch immer wieder Erfolge verbuchen und wissen: Nur Übung macht den Meister, auch wenn es manchmal so scheint, als ob der momentane Stand eeeeeeeewwwwwwig bleibt oder man (und das ist ja ab und zu auch so) Rückschritte macht. Aber wir wissen ja, dass ein Hund nicht mit 1 1/2 erzogen ist!!!!!
Heute hatte ich auch ein Glückserlebnis: :-) :-) :-) Wir laufen im Supersauwetter unsere große Runde. Plötzlich schnuffelt Hundi und läuft ins Feld (an der langen Leine), ich natürlich gleich "stier, stier, was ist denn da" und siehe da: ein Knochen! Hundi ran und schleckt, ich ganz ruhig, aber bestimmt "nein, aus" und siehe da, Hundi guckt mich an und ich: "SUUUUUUUUPPPPPPPIIIIII", kleiner bis mittlerer Jackpot, Hundi nochmal kurz hin, schnuffel schnuffel, ich "nein aus" und Leckerli, dann kommt Hundi mit mir mit/weiter, ohne Zuckel von mir an der Leine! Yeah, ein Lichtblick. Und ich übe weiter, weiter, weiter, weiter, weiter ...... Vor noch gar nicht so langer Zeit, wäre der Knochen mindestens schon im Maul gelandet ....
Auch das mit dem Leckerchen werfen mit der kurzen Leine und pfeifen/rufen fürs Herkommen, dann Belohnung, haben wir heute schon mit kleinen Erfolgen geübt. Natürlich weiß ich, dass da keine Ablenkung war, aber nachdem unser Flitzer eine total Verfressende ist, bin ich guter Hoffnung das ich auch irgendwann unter Ablenkung gewinne! :p
Tschüßi

Ilona
02.01.2003, 18:35
Hallo Dagi & Dagi,

hihi, klingt gut:)

Dagi aus Niedersachsen:

Danke für den Denkanstoß, zuhause mit Leckerchen das "Nein" oder "Pfui" zu konditionieren. Manchmal sieht man schon den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr <ggg>. Und dabei bin ich es immer, die ständig predigt: Übt zunächst in ablenkungsarmer Umgebung, steigert die Ablenkung allmählich etc. etc.

Ja, so kann es kommen, wenn man seine Gedanken nicht beieinander hat:)

Lieben Gruß, war genial! Und danke nochmals,

Illi und Benji (der verfressene)

Dagi
02.01.2003, 20:01
Hallo Illi,

ja, ja, das kenn ich auch, nennt man auch BETRIEBSBLIND :D :D :D (ist natürlich nur ein Scherz!!!)

Aber mal im Ernst: Deine Beiträge sind immer so genial, da braucht man ja eigentlich nix mehr hinzufügen, und so hab ich es auch nicht verstanden. Ich mußte nur erst mal wieder länger drüber nachgrübeln, wie wir das eigentlich angegangen sind (ja, das liebe Gedächtnis, dabei ist es ja noch gar nicht so lange her).

Liebe Grüße
Dagi + Amy