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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Minki



Nachtkatze
29.12.2002, 12:02
Früher hatten wir eine kleine süsse schwarz-weisse Katze. Mein Onkel hat sie mir zu Weihnachten geschenkt; ich hab sie Minki genannt.
Minki hatte als Winzling Katzenschnupfen und konnte nie richtig schnurren oder "anständig" miauen.

Die Gute musste sich viel "Kinderkram" anhören. Wo die Eltern schimpften und die Gleichaltrigen lachten, guckte sie mich nur an und hörte zu. So merkwürdig sich das vielleicht anhört, aber als Kind hatte ich keinen besseren Freund.
Lange Jahre haben wir mit ihr gelacht (natürlich oft auch über sie), uns geärgert (wenn selbst die grössten Aludosenstapel sie nicht davon abhalten konnten, nachts den Esstisch zu inspizieren), uns Sorgen gemacht und sie geliebt.

Und dann hat man sie vergiftet. Wie viele Katzen in unserer Nachbarschaft. Ein Kind versteht nicht, wieso das liebe Pelztier sich auf einmal im Keller verkriecht und in Pfützen legt.

Ein paar Tage später fuhren wir in Urlaub. Die Katze ist in der Katzenpension, sagte mir mein Vater. Im Nachhinein weiss ich, dass er mich nicht angesehen hat dabei.

Ich weiss nicht, ob es richtig für mich war, dass ich vom Tod meiner Minki erst zwei Wochen später erfuhr. Damals war ich froh, nicht mitbekommen zu haben, dass mein Vater sie einschläfern lassen musste.

Viele Monate später sah ich eine Sendung über Tierärzte. Unter anderem zeigten sie die vorläufige "Unterbringung" der Tierleichen in Containern. Dieses Bild bin ich nie wieder losgeworden.

Ich sitze vor dem Computer, meine Missy auf dem Schoss, und tropfe, getröstet von blauen Katzenaugen, vor mich hin.

gerdax
29.12.2002, 13:22
Liebe Claudia,

ich bin sicher, daß Dein Vater Dich damals schützen wollte. und sich selber natürlich auch.

Stell Dir vor, Du wärst mit dieser Trauer in den Urlaub gefahren. Viele Eltern können nicht mit solchen Wahrheiten an ihre Kinder herantreten, weil ihnen einfach die Worte fehlen und - egal, was man sagt und tut - es ändert nichts an der Tatsache, daß es furchtbar bleibt. Dein Papa wollte Dir sicher den Urlaub nicht verderben - er selbst hätte es sicher besser gehabt, ohne diese Belastung der ohnehin kommenden Aufklärung. Ich mußte das Meerschweinchen meiner Tochter einschläfern lassen, als sie in einem Feriencamp war. Zwei Wochen lang hat mich das Wiedersehen bedroht. Aber sie hatte zwei schöne Wochen. Dein Papa hat so gehandelt, wie er es für richtig gehalten hat.
Tatsächlich gibt es in so einem Fall kein Richtig oder Falsch - keiner kann aus seiner Haut.
Übrigens -ich hatte als Kind bei meiner Oma auf dem Land eine kleine Katze, die Minka hieß. Nur einen Sommer lang. Zuhause in der Stadt durfte ich keine Katze halten. Im nächsten Jahr war sie nicht mehr da. ???? Ich habe diese große Liebe nie vergessen und mir als Erwachsene endlich meinen Katzentraum erfüllt. Wenn ich heute eine kleine schlicht-graue Katze sehe, geht mir immer noch das Herz auf.

Enya
29.12.2002, 18:06
Hallo Claudia,
auch ich denke das dein Paps dich schützen wollte. Er wollte dir den Schmerz vor dem Urlaub ersparen. Auch ich hatte als Kind meine erste eigene Katze. Er war schwarz, bis auf eine weiße Schwanzspitze. Kater hörte auf den Namen Mikesch. Warum dieser Name? Ich weiß es nicht mehr. Auch er wurde vergiftet. Als Kind habe ich nicht verstanden, was vergiften bedeutet. Aber es tat weh, das der kleine Kerl nicht mehr da war. Er wurde noch nicht mal ein Jahr alt.
Bis heute habe ich keinen solch gefärbten Kater mehr gesehen.
Aber eines ist geblieben, die Liebe zu den Samtpfoten. Diese wird für den Rest meines Lebens auch so bleiben.

Berglöwe
29.12.2002, 21:23
Liebe Claudia,

sei Deinem Papi nicht böse, auch Eltern sind manchmal rat- und hilflos.

Ich hatte als Kind mal einen Wellensittich, den ich über alles liebte. Der hat sich dann, als ich verreist war, den Käfig selber aufgemacht, na ja und weg war er. Meine Eltern haben mir das auch nicht erzählt. Sie haben dann still und heimlich einen neuen gekauft. Und als ich von der Reise zurückkam hatte ich einen neuen und das natürlich sofort gemerkt. Ich hatte ihn noch viele Jahre und ihm sogar sprechen beigebracht.

In diesem Frühjahr ging es meiner alten Katzen gar nicht mehr gut und mein Sohn sollte an einer Klassenreise nach England teilnehmen. Ich habe ihn darum gebeten,schon mal vorher von ihr Abschied zu nehmen weil ich nicht wusste, was in dieser Zeit passieren würde. Das hat er dann auch mit viel geheule gemacht und sie sogar noch einmal fotografiert. Nah wie gut auch, ich musste sie dann nämlich einschläfern lassen. Ich habe ihm zwar geschrieben, aber von Katze kein Wort, das hatten wir auch vorher abgesprochen. Und dann das schlechte Gewissen an dem Abend wie er wiederkommen sollte. Dann kam er zu Hause an und das erste war, wo ist die Katze? Au weia, da haben wir alle zusammen geheult.

Also bitte sei Deinem Papi nicht böse er hat es doch nur gut gemeint.

Liebe, aber doch traurige Grüße
von Berglöwe

Nachtkatze
29.12.2002, 22:53
Hallo!

Dies hier ist das traurigste Forum. Ich muss mich regelmässig vorher mit Taschentüchern bewaffnen...

Vielen lieben Dank für Eure Zusprüche. Dies alles ist eine Weile her, trotzdem macht mich das Ende meiner Katze jedesmal aufs neue traurig. Das geht wohl jedem von uns so.
(Allerdings muss ich auch zugeben, dass in Kinofilmen ich regelmässig dann heule, wenn nichts wirklich Schlimmes passiert, aber ein Kätzchen traurig guckt.)

Meinem Vater bin ich nicht böse, nie gewesen. Ich habe ja selbst festgestellt, dass es so ein wenig einfacher war für mich. Alles war ja schon recht lang vorbei...

Liebe Grüsse,
Claudia