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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rüde ist m. E. territorial-aggressiv



Naughty-Rocky
28.12.2002, 14:00
Hallo liebe Hundefreunde,
habe Problem mit meinem 1-jährigem Westie-Rüden. Er ist m. E. territorial-aggressiv. Er greift alle ihm unbekannten Besucher an insbesondere Männer. Er stammt aus einer Kft-Zucht und wurde liebevollst großgezogen, wir besuchten gute Welpenspielstunden, haben erfolgreich die Hundeschule absolviert und werden uns ab Januar auf dem Agility-Platz austoben, wenns dem Rocky Spass macht. Wir haben kein Dominanzproblem, denn sämtliche Ratschläge des Amichien Bonding von Jan Fenell verfolgen wir. Auch uns gegenüber, d. h., Herrchen, Frauchen und die Leute, die er liebt oder lieben gelernt hat, empfängt er mit angelegten Ohren und schwanzwedelnd, auch noch nach 5 Minuten Ignoranz.
Ferner kann er nicht mit sehr kleinen Kindern. Auf die würde er am liebsten losgehen, aber auch nur, wenn sie nicht selbstbewußt genug sind einfach auf ihn zuzugehen.
Wer weiß Rat? Kennt jemand einen guten Verhaltenstrainer rund um den Münchner Süden?

kimba450
28.12.2002, 14:31
Hallo,
hast du dich schon mal an die gleiche Hundeschule gewand,in der du schon vorher warst?Eigentlich müßten die das Problem in einer Hundeschule in den Griff kriegen.
Gruß Ela

Cockerfreundin
28.12.2002, 19:45
.... wiegen sie uns doch allzu leicht in der Sicherheit, Hund ist Hund... und wir haben jetzt alles total im griff und sind auf der sicheren Seite ....

Zitat
______

Auch uns gegenüber, d. h., Herrchen, Frauchen und die Leute, die er liebt oder lieben gelernt hat, empfängt er mit angelegten Ohren und schwanzwedelnd, auch noch nach 5 Minuten Ignoranz.
______

Seit wann, frage ich mich, ist es ein erstrebenswertes Ziel, dass mein Hund mich mit angelegten Ohren (Unterwerfungs-/ Beschwichtigungsgeste) und Schwanzwedeln (in diesem Fall vermutlich Ausdruck eines Konfliktes/ Unsicherheit) begrüßt??

Bei uns läuft das etwas anders ab: Natürlich darf Basti sich freuen, wenn ich wieder nach Hause komme und er wird auch nicht 5 Minuten (soll ich mir etwa die Eieruhr stellen??) ignoriert.

Auch Basti kommt schwanzwedelnd zur Tür, wenn ich wiederkomme. Nachdem ich mir in aller Ruhe Mantel und Schuhe ausgezogen habe und ggf. auch noch die Einkäufe im Kühlschrank deponiert habe, geht's ins Wohnzimmer zur richtigen Begrüßung. Egal, ob 5 oder erst 1 Minute vergangen sind. Die Freiheit, das zu entscheiden, lasse B]ich[/B] mir jedenfalls nicht nehmen.

Wichtiger und hilfreicher als derartige Rundum-Patent-Rezepte finde ich es, meinen Hund lesen zu lernen und eine Beziehung aufzubauen, in der er sich sicher und geborgen fühlt.

Das löst jetzt sicherlich nicht Euer akutes Problem, aber ich mußte es mal loswerden.

Annette

Thomas
29.12.2002, 02:25
Auf Fenell und die Beschwichtigungsgesten möchte ich nicht weiter eingehen, hätte das so ähnlich geschrieben wie Annette.


Er stammt aus einer Kft-Zucht und wurde liebevollst großgezogen
Mein Westie stammt ebenfalls aus ein KfT-Zucht und wurde liebevollst aufgezogen. Tja, was soll ich Dir sagen? Schön das Du Dich für einen KfT-Westie entschieden hast (ist meiner ebenfalls), aber bist Du Dir auch sicher, das dieser Züchter, abgesehen von einer liebevollen Betreuung (was ja eingentlich ne Selbstverständlichkeit sein sollte) auch einer ausreichenden Sozialisierung genug Augenmerk geschenkt hat? Ich spreche das jetzt nur an, weil Du es so ausdrücklich erwähnt hast.

Ansonsten kann ich nur sagen, Dein Fiffi scheint ziemlichen Stress zu haben. Was nun genau dieser Streßauslösende Faktor ist kann ich leider auch nicht sagen, nachdem Du selbst nicht den leisesten Verdacht zu haben scheinst.

Vielleicht solltest Du Dir selbst mal folgende Fragen stellen, u.U. kommst Du dann selbst auf die ein oder andere Antwort:

1. Seit wann zeigt er dieses Verhalten?
2. Falls Frage 1 mit seit x Wochen/Monaten beantwortet wird, was hat sich zu diesem Zeitpunkt geändert?
3. Wie steht mit der Verträglichkeit gegenüber anderen Hunden
a. im eigenen Revier
b außerhalb des eigenen Reviers
4. Du schreibst er greift alle Besuche an. Wir kann man sich das vorstellen? Hängt er wirklich schon am Hosenbein oder ist es nicht vielmehr eine verbellen mit Sicherheitsabstand?
4. Warum ausgerechnet Männer? Hast Du wirklich keine Erkärung dafür? War der Züchterhaushalt Männerlos? Sonst irgend ein Negativ-Erlebnis? Irgend einen Grund muss das ja haben....

Das er sich vornehmlich auch kleine, unsichere Kinder als "Angriffsobjekte" aussucht liegt, liegt m.M. nach daran, das er sich bei Ihnen überlegen fühlt - wo er doch ansonsten wahrscheinlich (Achtung: Mutmassung) eher ein Schisser ist...

Zuguterletzt möchte ich Dich noch auf diesen Thread <click> (http://forum.zooplus.de/forum/showthread.php?threadid=6205) aufmerksam machen. Dort wurde vor kurzem ein ähnliches Problem diskutiert - evtl. sind da ja noch passende Anregungen für Dich dabei...

Gruß
Thomas

PS. Hey Brana, auch hier wird evtl. Dein Rat zwecks Hundeschule gebraucht...

Naughty-Rocky
29.12.2002, 15:24
Hallo Ihr Lieben, vielen Dank für Eure Antworten.
Zu der Frage, ob mein Rocky beschwichtigend ankommen soll, kann ich nur sagen, soviel Ahnung hab ich auch schon, er freut sich immer mit angelegten Ohren, auch, wenn er ein Schweineohr bekommt. Dass Du hier Deinen Frust auf andre Hundebesitzer loswerden willst, find ich nicht lustig, denn das löst tatsächlich nicht mein Problem.
Deine Fragen,Thomas, kann ich wie folgt beantworten:
Dieses Verhalten zeigt Rocky seitdem er in die "Pubertät" gekommen ist. Verträglichkeit mit anderen Hunden ist kein Problem. Er ist brav und wartet ab, was der andere Hund macht, wenn der keift, keift Rocky natürlich zurück. Aber größere Schwierigkeiten gibts keine, wenn Rocky merkt, dass der andere Hund überlegen oder älter ist, dann ist er unterwürfig. Spielen mag er aber doch lieber mit Hündinnen oder Rüden, die er gut kennt, aber das ist, denk ich doch, normal.
Auch im eigenen Revier kommt er gut mit anderen Hunden aus.
Ja, er würde tatsächlich gleich am Hosenbein hängen, aber dabei zieht er den Schwanz ein und geht sofort wieder ein paar Schritte zurück. Wie kann ich in so einer Situation meinem Hund sagen, dass alles ok ist? Ignorieren kann ich so ein Verhalten wohl kaum? Am besten klappts noch mit einer Umweltstrafe aus der Wasserpistole oder einem Schlüsselbund, der neben ihm landet.
Gibt sich jemand die Mühe, ihm zu demonstrieren, dass er rangniedriger ist, ist alles ok, aber das kann ich wohl kaum von jedem Handwerker erwarten oder?
Das mit den Männern kann ich mir nur so erklären, dass er tatsächlich hauptsächlich von Frauen geprägt wurde: Züchterin, Mann kaum zu Hause, meine Wenigkeit als Frauchen, die sich hauptsächlich um ihn kümmert und zwei Trainerinnen.
Dein Thread hab ich schon gelesen, aber wirklich Neues hab ich nicht entdeckt. Was ich bräuchte, wären eine MIllion Freiwillige Hundekenner, die vier Wochen lang einer nach dem anderen kommen und sich mit mir die Mühe machen ihm zu zeigen, dass Besuch etwas Schönes ist. Aber das ist wohl nicht machbar, denn die wenigsten wollen das, und die Bekannten, die sich das trauen, liebt Rocky eh.

Ilona
30.12.2002, 19:43
Hallo Rocky,

was tut Dein Westi, wenn Fremde kommen? Greift er sie massiv an? Springt er auf sie los und will beißen oder zeigt er gleichzeitig Meideverhalten?
Meinst Du wirklich, es sei Revier-Aggression? Kann es auch Unsicherheit sein, also Angst-Aggression? Wie verhaltet Ihr Euch in so einem Fall?

Bei Angstaggression hilft nur ein Desensibilisierungsprogramm: Aggression zunächst abbauen, Angst ausschalten. Gleiches gilt für Kinder, die er nicht mag. Weißt Du, wie man so was anstellt? Wenn nicht, Anfrage genügt. Ich kann gern versuchen, Dir zu helfen. Du musst lediglich das Problem genau beschreiben.
Und sicher können Dir auch noch viele andere helfen. Dazu braucht es lediglich ein paar mehr Infos.

Liebe Grüße, Illi

Thomas
31.12.2002, 01:07
Von den, von Dir genannten Abbruch-Signalen (Wasserpistole, Schlüsselbund) würde ich im Moment Abstand halten. Du siehst ja selbst, das sich auf diese Weise kein dauerhafter Erfolg einstellt. Auch ein beherzter Schnauzengriff würde wahrscheinlich derzeit keine langfristige Besserung herbeiführen, eben bestenfalls für die aktuelle Situation - aber der nächste Besuch kommt ja bestimmt.

Du hast betont, das Rocky die Hundeschule erfolgreich absolviert hat. Was kann ich mir darunter vorstellen? Funktioniert ein Bleib-Kommando zuverlässig? Zuverlässig bedeut für mich auch unter Ablenkung, wie z.b. eben Besuch. Weise ihm bei Besuch einen stets gleichen Platz zu, z.b. sein Körbchen. Ich denke, das Du derzeit nur mit einem Positiv-Training vorankommst. Der Clicker wäre eine wunderbare Möglichkeit, bei ihm das Bleib-im-Körbchen Kommando fest zu etablieren. Das ganze dann mit steigender Ablenkung. Du brauchst dazu auch keine Millionenen freiwillige Pseudo-Besucher. An der Tür kann ja zunächst auch mal ein Famlienmitglied schellen - ich nehme an, das er ja bereits beim Türklingeln "Gewehr bei Fuß" steht. Lass ich da auf keine Kompromisse ein - der Hund bleibt im Körbchen wenn Besuch da ist - fertig aus.

Bis es soweit ist - und da hast Du sicherlich einiges an Arbeit vor Dir- würde ich jeden Attacke-Erfolg bei Rocky verhindern. Ich wäre da kompromisslos. Hund (am Geschirr!) per Leine sichern (Heizkörper o.ä.). Er übt schließlich eine selbstbelohnende Tätigkeit aus. Dies gilt es unter allen Umständen zu verhindern - OHNE großes Aufsehen. Hund kann sich gebährden wie er will - na und? Er wird sein Ziel, den Besuch zu vertreiben, nicht erreichen.

Viel Glück
Thomas

PS @ all: Wo sind eigentlich die ganzen Fenell-Anhänger?? Hier haben doch einige das Buch gelesen, empfehlen es vehement weiter und erteilen Ratschläge aus selbigem. In diesem Thread bittet nun jemand um Hilfe der sich lt. eigenen Aussagen stikt an das Buch hält....erfolglos..und kaum jemand von euch meldet sich zu Wort. Find ich schon bemerkenswert.....

Inge1810
31.12.2002, 10:54
Guten Morgen, zufällig bin ich beim rumstöbern im Internet über einen Text aus meiner früheren Fibel :D gestoßen und der scheint mir hier gut zu passen. Ich habe vor längerer Zeit dieses Buch so oft empfohlen, dass ich mich fast für Provisionszahlungen vom Verlag qualifiziert hätte ;) Bis auf wenige Punkte konnte ich Vieles auch für uns übernehmen und es hat sich bezahlt gemacht. Wer mich kennt, weiß, dass ich von Frau Dr. Felicia Rehage (leider verstorben) und "Lassie, Rex & Co." spreche. Nun hör ich aber auf zu quasseln und kopier einen kleinen Nachdenktext von ihr hier rein:

Hilfe, unser Hund liebt keinen Besuch!
Da haben wir schon ein größeres Problem: Sie und Ihr Hund scheinen echte Partymuffel zu sein. Aber Spaß beiseite: Wenn Hunde Besuch gegenüber trotz all Ihrer Bemühungen grummelig, ängstlich oder gar agressiv sind, dann ist der Sozialisation des Welpen einiges schiefgelaufen. Man sollte in solch einem Fall den Rat eines verhaltenstherapeutisch tätigen Tierarztes einholen. Und was genauso wichtig ist auch die eigene innere Einstellung einmal ehrlich und kritisch überprüfen: Wäre es nicht möglich, daß es uns imponiert oder uns einfach ein gutes Gefühl gibt, wenn das Tier ( unliebsame) Gäste stell? Vieleicht im Hinblick auf zufällig vorbeikommende Einbrecher? Nun es mag für solch einen Wunsch viele Gründe geben. Der Nachteil ist dabei lediglich, daß solche Hunde die Neigung haben, gelegenlich auch die kleinen Freunde und Freundinnen unserer Kinder zu stellen ( diese haben wiederum die Neigung, dann wegzubleiben), oder auch ganz harmlose Verwandte oder eben auch mal Erbtanten. Vom Briefträger einmal ganz zu schweigen, aber der ist ja diesbezüglich Kummer gewohnt...

Grundsätzlich gilt folgendes:
Es gibt freundliche und nicht freundliche Hunde.
Zuverlässige und unzuverlässige. Welche, die beißen und welche, die nicht beißen. Die wenigsten Hunde bekommen das Kunststück fertig, immer genau dann ( nur dann!) unfreundlich zu werden, wenn es ihrem Besitzer gerade paßt:

Und wenn Sie ein Tier haben, dem es in bestimmten Situationen erlaubt ist unfreundlich zu sein oder sogar zu beißen, dann haben Sie ein unzuverlässiges Tier. Denn besagte "bestimmte Situation" sind eine Frage der Auslegung. Und die kann sich bei Ihnen und Ihrem Hund schon einmal unterscheiden. Mit anderen Worten:
Es ist eine Frage der Zeit, wann solch ein Tier in irgendeinem unvorhersehbaren Augenblick meint, beißen zu müssen. Wenn es dann Nachbars Kind, den Postboten oder die Erbtante getroffen hat, tja, dann war`s eben eine Fehleinschätzung der Situation. Pech. Dann wird es allerdings Zeit, sich zu fragen, ob wir nicht doch besser daran getan hätten, uns einen freundlichen Hund heranzuziehen. Auch auf die Gefahr hin, daß dieser sich u.U. selbst mit Einbrechern bestens versteht. Denn auf einen gestellten Einbrecher kommen schätzungsweise dreißig gebissene Nachbars-(oder auch eigene) Kinder, letztere sind einfach häufiger.

Und bitte bedenken:
Es macht keinen Sinn nach Entschuldigungen zu suchen nach dem Motto: Der Klempner hatte schließlich einen Blaumann an. Unser Hund hat eben Angst vorm Blaumann...Oder: wäre die Frau stehengeblieben, dann wäre sicher nichts passiert... Nun, es gibt Klempner in blauen Hosen und es wird sie immer geben. Kinder reißen , was Wunder, immer die Arme hoch wenn sie Angst vor einem Hund haben. Und niemand hat die Pflicht, vor einem knurrenden Hund stehenzubleiben. Manche Leute können das nicht, weil sie Angst haben. Alle diese Situationen wird es immer wieder geben und das Tier muß damit zurechtkommen, ohne daß es jemandem dabei etwas tut. Somit ist es, wie bereits gesagt, ein unzuverlässiger Hund mit dem man am besten einen verhaltenstherapeutisch tätigen Tierarzt aufsuchen sollte.

Viele Grüße, auch an den Partymuffel :D

Hovi
31.12.2002, 13:02
@ Thomas

Huch, das Fenell-Buch ist gestern bei mir angekommen - bei Amazon bestellt.... hälst Du es für gut oder schlecht? Speziell DEINE Meinung dazu würd mich interessieren :)

@ Annette

Hmm - ich verstehe auch nicht, warum ich meine Hunde ignorieren soll, wenn sie mich begrüßen???? Ich weiß, es steht in irgendwelchen Hundebüchern drin, von wegen Rangordnung und blabla. Aber die zwei freuen sich so riesig, ich MUSS sie einfach abknuddeln, zuerst natürlich Bandit, und dann Jason-Klein-- und das für mindestens zwei Minuten pro Hund, sogar, wenn ich nur kurz am Mülleimer war:D. Ich würde mich ja selber geißeln, wenn ich das NICHT täte. Manchmal stehen in Hundebüchern schon seltsame Tipps.... finde ich wenigstens;)

Liebe Grüße
Claudia

Thomas
31.12.2002, 13:33
Claudia, mir fehlen noch ca. 50 Seiten - dann bin ich da durch. Ich könnte mir den Rest zwar auch schenken, da ich nicht wirklich neues mehr erwarte (eigentlich schon nach der Hälfte des Buches), aber man soll ja nicht vorschnell urteilen.
Ich hatte ohnehin vor, mal meinen Senf zu dieser neuen "Bibel" abzugeben - kommt also in Kürze (?).

Grüßla
Thomas

Hovi
31.12.2002, 14:00
@ Thomas

Fein, da bin ich jetzt schon gespannt. Ich werd auch mal anfagen, das Buch zu lesen... mal schaun, ob wir unsere Meinungen unter einen Hut bekommen;) .

Liebe Grüße
Claudia

Cockerfreundin
31.12.2002, 14:17
Jau, Ihr Beiden ... macht man ... und ich geb dann auch noch meinen (detaillierteren:D ) Senf dazu :D :D :D

Grüße von
Annette:)

Naughty-Rocky
01.01.2003, 14:59
Hallo liebe Leute.
vielen Dank für Eure Hinweise, Ilona, Dir hab ich ne email geschickt.
Hier noch mal mehr Infos zu Rockys Verhalten:
Also: Es klingelt an der Tür. Rocky merkt, wer da draußen steht.
Wenn es ein Fremder ist, dann kläfft er wie blöd; kommt der Fremde tatsächlich durchs Gartentor und Rocky ist frei, dann geht er aufs Hosenbein los und dann aber sofort drei, vier Schritte zurück, ich denke es ist doch eher Angstaggression. Sind Handwerker im Haus und Rocky ist im selben Raum angebunden, dann versuche ich mit dem Clicker immer, wenn er von denen wegsieht: Click+Leckerli, das geht dann auch. Aber sobald sich der Handwerker in Richtung Haustür bewegt, würder er sofort wieder loslegen.
Steht jedoch ein Bekannter vor der Tür, den Rocky liebt, dann freut er sich wie toll.
Steht jemand vor der Tür, der keine Angst vor Hunden hat und ihm gleich mit scharfen Ton ein Nein gibt, dann dauerts ca. noch 5 Minuten und es ist ok. Der Besucher hat ihm durch sein selbstsicheres Verhalten klargemacht, dass er über Rocky steht.(Das hat unsere Zuchtwartin angewandt, aber das kann ich ja von keinem verlangen)
Das mit dem Anbinden bei Besuch haben wir schon öfters praktiziert, auch unter Zuhilfenahme des Maulkorbes, an den Rocky gewöhnt ist. (Lustig findet er ihn nicht)
Dann gehts solange, als Rocky angebunden ist und sich niemand bewegt, bewegt sich aber jemand, dann würde er am liebsten durchstarten. Und ganz ehrlich: so oft haben wir keinen fremden Besuch, dass sich dadurch eine Gewöhnung einstellen könnte.
Hoffe bald wieder von Euch zu hören.
Regina

Ilona
02.01.2003, 18:24
Hallo Naughty und Thomas,

Ihr habt in den Postings geschrieben, dass Ihr den Hund anbindet (Heizkörper etc.) bei aggressivem Verhalten gegenüber Fremden im eigenen Haus/in der eigenen Wohnung.

Für mein Verständis eine sachliche Frage: Mit welchem Lernziel? Oder ist es nur, um den/die Besucher zu schützen? Oder soll er lernen, dass er Besucher sich durch ihn nicht vertreiben läßt?
Ich kann nämlich jetzt den Gedankengang nicht zu Ende verfolgen:-( Würde aber gern noch was dazu lernen.

Lieben Gruß, Illi

Thomas
03.01.2003, 00:43
@ Ilona

Das mit dem Anbinden soll aus meiner Sicht lediglich die selbstbelohnende Tätigkeit verhindern. Im Vordergrund steht also zunächst mal ein Durchbrechen des Verhaltensablaufs "Fremdbesuch - Attacke". Letztlich auch nix anderes als einen jagdfreudigen Hund an der (Schlepp-)leine im Wald laufen zu lassen. Der Erfolg muss erstmal ausbleiben. Das (Positiv-)Training, mit Blick auf das eigentliche Lernziel kann zeitgleich ausgeführt werden.

@ Regina

Puuh, so wie sich Dein letztes Posting ließt - machst Du für mein Dafürhalten alles richtig. Anleinen und gleichzeitig Clickertraining. Ich weiß natürlich nicht wie oft Du das schon so praktiziert hast - evtl. passt ja auch irgendwas am Timing (Clicker) nicht 100%ig? Falls da keine Fehlerquelle Deinerseits vorhanden ist, bin ich wirklich am schon am Ende mit meinem Latain - mir fällt im Moment leider nix gescheites mehr dazu ein. Allgemeines BlaBla in Richtung Rangordnung, Alltagsgehorsam etc. scheint bei euch ja irgendwie nicht der Knackpunkt zu sein - wenn sich alles so wie von Dir beschrieben abspielt. Irgendwie habe ich den Eindruck, das nochmal über die Ursachen seines Verhaltens nachgedacht werden muss. Ich fürchte, solang die nicht zweifelfrei erkannt sind - wird ein herumdoktern an den Auswirkungen evtl. nicht der erhofften Durchbruch bringen. Also, vielleicht doch mal einen Profi "vor Ort hinzuziehen" der Fiffi mal eingehend und die Lupe nimmt, Gespräche mit euch führt - einfach ein bisserl Brainstorming - zusammen mit dem Hund...?

Sorry das ich nicht weiterhelfen kann ...
Thomas

canelupino
03.01.2003, 12:59
@Naughty-Rocky
bitte misverstehe mich jetzt nicht falsch, aber in deinen informationen über euren westi fehlt mir was. der kommt aus ner guten zucht, ist von der züchterin in den ersten wochen gut betreut worden, ihr habt die dominanzfrage klar geordnet, und trotzdem verteidigt er sein revier so massiv das er sogar schnappt (aus angst oder mut ist dabei egal).
jeder hund ist anders, auch meine schwägerin hat so nen westi, gute zucht, gute sozialisierung und trotzdem schnappt er, und die ursachen (welche ich kenne) lagen nicht am hund sondern am verhalten meiner schwägerin und dem fehlverhalten derer kinder.
letztendlich verteidigt er dich oder deine frau gegenüber eindringlingen in euer rudel und aus diesem grund fehlt mir da was an infos.
canelupino

irene
03.01.2003, 14:04
..ich vermute auch, er versucht nur, dich zu beschützen, er denkt, das ist seine Aufgabe, aber sie überfordert ihn und er hat Angst vor der eigenen Courage! Er macht´s nicht gerne, denn eigentlich fürchtet er sich selbst, aber wenn´s denn sein muss...

Ich hab´einen 10-jährigen Zwergschnauzer, sind vom Charakter den Westis ähnlich, gebärdet sich unheimlich vorallem bei männlichen Besuch und Jungs (Vorbesitzer war aber ein Mann, eigentlich gehe ich nicht davon aus, dass er so schlechte Erfahrungen gemacht hat). Wir haben ihn zwei Jahre und da er nicht schnappt, habe ich ihn meist einfach ignoriert. Jetzt blieb mit aber nichts anderes übrig, als gegen verschiedene Marotten vorzugehen, da wir einen jungen Hund dazugenommen haben, der eh etwas problembeladen ist und sich vor Besuch fürchtet und vorallem muss ich dem Alten UND dem Jungen klar machen, wer denn jetzt hier der Chef und Beschützer ist Ich hab ein wenig herum probiert, lass den jungen Großen PlatzBleib! und den alten Kleinen SitzBleib! machen und dann pflanze ich mich in voller Größe (naja, 1,65 m halt!) vor ihnen auf. Das beeindruckt sie tatsächlich beide. Ich beschütze sie und nicht umgekehrt, ich entscheide, wer wie begrüßt wird. Chicco, der Kleine, macht dann vielleicht noch mal kleinlaut "Wau", um auch seinen Senf abzugeben, benimmt sich dann dem Besucher gegenüber aber ganz anderes, als vormals, als er das Begrüßungszeremoniell bestimmte. Allerdings muss dabei momentan noch jemand anderes die Türe öffnen, den Kleinen, ein äußerst selbstbewußtes Kerlchen, habe ich noch nicht 100% soweit, dass er auch sitzten bleibt, wenn ich zur Tür gehe.

Also ich denke, du musst eine Methode finden, die vielleicht irgendwie so ähnlich ist und ihm klar macht, wer bestimmt,begrüßt,beschützt!

Viele liebe Grüße

Irene mit Chicco und Janno

Naughty-Rocky
03.01.2003, 21:13
Hallom
vielen Dank für Eure neuerlichen Tipps. Ich werd in der nächsten Zeit so einiges mal ausprobieren und testen, was am besten wirkt. Dennoch werde ich unsere beiden Trainerinnen auch noch mal um Hilfe bitten, schließlich sehen wir uns ab und zu zur "Kleinhundespielstunde" für Hunde bis ca. 50 cm Widerristhöhe.
Irene, was ich nicht so ganz nachvollziehen kann, ist, dass er versuchen könnte, mich zu verteidigen, denn dann müßte er doch auch sonst entscheiden dürfen, wer was, wann wie tut und das ist nicht der Fall. Kann es sein, dass er nur im Bezug auf das "Heim und Frauchen/Herrchen" beschützen seine Rolle als Führer des Rudels sieht und sonst uns als ranghöher ansieht? Aus der Literatur geht immer nur hervor, dass der Hund die Führerrolle an sich beansprucht ohne jegliche Kompromisse, aber beim Gassigehen kann ich Rocky jederzeit "hinter mir" gehen lassen. Das klappt. Bin echt verwirrt. Hab sogar schon einen kompletten Leitfaden zum Aggressionsverhalten beim Hund durchgeackert (Grrr, Mordecai Siegal & Matthew Margolis), der mich aber nicht weitergebracht hat, da die (für meine Begriffe) vorschnell mit dem Würgehalsband arbeiten.

Thomas, vielen Dank für Deine vielen Antworten, hab nur noch ne Frage: Rocky hat kein absolut festes Plätzchen, denn er liebt es den Standort zu wechseln, d. h., wenn der Kachelofen an ist, liegt er entweder auf den nackten Fliesen davor oder, wenns ihm zu heiß wird, vor der Terrassentür auf dem nackten Parkett. Zum Schlafen geht er entweder in seinen Kennel im Schlafzimmer oder er liegt im Schlafzimmer auf dem Teppich oder, wenns kalt ist, im Bad auf seiner Decke auf der Fußbodenheizung.
Sein Körbchen hat er nur als Welpe benutzt. Danach hat er das Kissen nur herumgezerrt und kaputtgemacht und, als wir ein Vetbed reingelegt haben, ist er gar nicht mehr reingegangen.
Was er gerne hat, auf der Liege liegen, mit oder ohne Frauchen, natürlich bevorzugt im Sommer.
Ich will aber nicht noch fünf verschiedene Schlafstätten kaufen, um dann festzustellen, dass er doch net reingeht.
Anderseits denke ich, dass er ein festes Plätzchen braucht, oder?
Bin echt ratlos.
Bis bald

Thomas
04.01.2003, 01:02
Anderseits denke ich, dass er ein festes Plätzchen braucht, oder?
Hallo Regina,

ob er im allgemeinen ein festes Plätzchen braucht oder nicht weiß nur er selbst. Wenn er ein "Wanderhund" ist, dann gibts ja zunächst mal nix dagegen zu sagen - ihr bietet ihm ja genügend "Ruheplätze" an. Welches er wie oft nutzt, entscheidet er selbst - da würde ich mir keinen Kopf drüber machen. Anders sieht die Situation im Hinblick auf euer Problem aus - und da wolltest Du ja wahrscheinlich noch ein Denkanstoß..?

Ok, ich würde folgendes machen: Nimm irgendein, ohnehin bereits vorhandes (ggf. bevorzugtes) Deckchen vom ihm und lege es an einen Platz im Wohnzimmer, von dem aus er gesamten Raum überblicken kann. Falls das nicht geht, dann das Hauptaugenmerk auf die Tür und den üblichen Besucherplatz richten. Dieses Deckchen sollte immer dort liegen, nicht nur wenn sich Besuch angekündigt hat.
Du kannst dieses "neuen" Liegeort mittels Clickertraining zu einem "beliebten" Verweilort konditionieren (Platz & Bleib Übungen oder auch Suchspiele bei denen der Jackpot auf dem Deckchen platziert wird usw.) Lege ihn immer wieder mal dort ab, wenn ihr unter euch seit und z.b. fernseht beim Hausputz oder sonst irgendwelchen Alltagssituationen. Abliegedauer langsam steigern und das auflösen nicht vergessen. Click & Treat immer auf dem diesem Deckchen, in der restlichen Wohnung gibts für die nächste Zeit erstmal keine Leckerlis mehr. Wenn das gefestigt ist, sollte dieses "Superdeckchen" als Ankerpunkt für Rocky dienen und zwar grundsätzlich. Ein fester Liegeplatz während des Besuchs wird ihm evtl. etwas mehr Sicherheit geben. Vielleicht kannst Du ja sogar bereits das Türklingeln mit einem Platz & Bleib auf dem Deckchen verknüpfen (Clicker)?

Good Luck
Thomas

irene
05.01.2003, 17:51
...also dass es so eindeutig ist bei den Doggis, dass sie jederzeit die Führungsrolle beanspruchen kenne ich das jedenfalls auch nur aus der Theorie. Beobachte doch mal andere Hunde und "analysiere" sie, das macht man doch automatische. Ich zB kenne einen, der ist wirklich der typische Alpha, mit so einigen Problemen, die das eben mit sich bringt. Trotzdem geht er beim Gassi immer hinter seinem "Baby", ähhh Frauchen wollte ich sagen, ich glaube, bei ihm ist es so extrem, er kann garnicht vorauslaufen, da müsste er sie ja für den Bruchteil einer Sekunde aus den Augen lassen! :-))
Also viele Hunde sind folgsam und unterwürfig unter bestimmten Umständen und unter anderen Umständen, naja, da machen sie so gewisse Dinge..... soweit man sie halt eben läßt. Welcher Hund stürtzt nicht zu erst aus der Tür, sondern läßt seinem Herrchen FREIWILLIG den Vortritt? Wenn du ihn aber läßt, dann meint er aber vielleicht automatisch, er muss sehen, ob die Luft rein ist. Oder kennst du nicht auch all die braven Hunde, die eigentlich jedem Befehl gehorchen und dann aber einfach null Respekt haben, wenn der "Alpha" gerade "frißt" und nicht aufhören können zu betteln?? Naja, and so on.....

igelchen
06.01.2003, 17:05
Hallo Regina!

Momentan ist in der Zeitschrift "Der Hund" (schau mal hier <click> (http://www.derhund.de)) eine Serie über Angst- und Aggressionsverhalten beim Hund. Ich finde die Artikel wirklich sehr interessant und aufschlussreich. In der aktuellen Ausgabe geht's gerade um die Differenzierung Angstaggression - angstfreie Aggression, in der folgenden Ausgabe (ab 15. Januar) geht's um Dominanzaggression. Es gibt auch ein paar Verhaltenstipps und Fallbeispiele im Artikel.

Geschrieben sind diese Artikel von "Thomas Baumann, einem Sachverständigen im Hundewesen, der sich u.a. mit Verhaltenskorrekturen sog. Problemhunde befasst". Noch detaillierter geht Baumann in seinem Buch "... Damit wir uns verstehen. Die Erziehung des Familienhundes" auf die Problematik ein (wenn ichs richtig verstanden habe...). Bezug des Buches über www.dogworld.de (die HP ist auch total interessant!).

Liebe Grüße
Igelchen