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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage zur Merkfähigkeit von Hunden



Daggi
27.12.2002, 14:39
Hallo, na habt Ihr alle Weihnachten gut überstanden und auch ein paar "Speckröllchen" mehr auf den Rippen wie wir .... ? Na ja, Weihnachten ganz ohne Leckereien ist doch nur halb so schön, oder?

Ich habe heute mal folgende Frage, hab es irgendwie nicht ganz begriffen: Warum heißt es immer, dass ein Hund innerhalb der ersten 2 Sekunden gelobt werden muss (oder "gerügt"), um zu begreifen, dass sein Handeln O.K. oder nicht in Ordnung war? Es heißt doch, wenn man später lobt oder rügt weiß der Hund nicht mehr, warum dies geschieht.
Meine Frage geht dahingehend, wie es dann sein kann, dass ein Hund jedoch z. B. ein Kommando erhält (Platz oder Bleib), er es ausführt und er sich dieses doch "ewig" merken kann (also beibehält), weil ja dieser Befehl erst aufgehoben werden muss. D. h. Hund bleibt liegen, obwohl doch das Kommando schon lange her ist. Merkt er sich das, weil er sich in einer bestimmten Position befindet und dann halt weiß, dass er dies erst verlassen darf, wenn das Aufhebungskommando kommt? Also das interessiert mich doch sehr. Denk ich zu kompliziert?
Tschüß zusammen!

Chris62
27.12.2002, 16:35
hallo daggi,
diese frage stellt sich wohl jeder. ich glaube aber das hunde über ein sehr gutes gedächnis verfügen wenn es sich um dinge dreht, die wir täglich üben. z. b. bei den UO übungen oder spielen. anders ist es wiederum bei sachen oder tricks die wir neu einüben. dort sollte schon nach sofortigem erfolg gelobt werden. ich meine gelobt werden soll natürlich immer. aber bei übungen die eh schon sitzen weiß und merkt der hund ja sowieso das er es richtig gemacht hat und wenn das lob dann nicht innerhalb sekunden folgt, macht ihm das herzlich wenig.
gestern konnte ich mir dann endlich auch mal die dokosoap " hundeschule" ansehen und mir ist aufgefallen, das Fr. Dr. sich nach dem clickern ganz schön zeit gelassen hat bis sie endlich ihre leckerlies, die meines erachtens etwas zuviel des guten waren, aus der tasche gezaubert hat. aber auch daran konnte man sehen, das hunni nach kürzester zeit genau weiß " jetzt kommt noch was" .
also ich denke lanzeitgedächnis ja, aber nur bei sachen die erlernt wurden.
liebe grüße gaby

Dodo H
27.12.2002, 23:11
Hallo Daggi
: Warum heißt es immer, dass ein Hund innerhalb der ersten 2 Sekunden gelobt werden muss (oder "gerügt"), um zu begreifen, dass sein Handeln O.K. oder nicht in Ordnung war? Es heißt doch, wenn man später lobt oder rügt weiß der Hund nicht mehr, warum dies geschieht.
-- Ich sehe das so, Hunde sollten in der Lernphase innerhalb von 2 sec gelobt werden, damit sie bei dem richtigen Verhalten gelobt werden, wie schnell schaut der Hund mal zur Seite oder schnüffelt rum. Das Lob sehe ich als Wegweiser, und gutes Timing dient als Wegbeschreibung.

: (Platz oder Bleib) Merkt er sich das, weil er sich in einer bestimmten Position befindet und dann halt weiß, dass er dies erst verlassen darf, wenn das Aufhebungskommando kommt?
-- ich würde sagen, er hat gelernt, das nach dem "Platz" auch ein Aufhebungskommando kommt, auf das er wartet.

klasu
27.12.2002, 23:43
Hi Daggi,
mal ein einfaches Beispiel zur Verdeutlichung: Stell Dir vor, Du bist in einem fremden Land, dessen Sprache Du nicht sprichst oder nur in kleinen Fragmenten und Du wirst aufgefordert, eine bestimmte Handlung durchzuführen und Du verstehst nur , daß Du etwas tun sollst und ansonsten nur blablabla. Also fängst Du an, bestimmte Sachen auszuprobieren. Wann würdest Du am ehesten darauf schließen, daß Du die richtige Handlung durchgeführt hast - wenn Du sofort ein positives Zeichen bekommst oder wenn das Zeichen erst 10 sekunden später kommt und Du schon eine andere Handlung angefangen hast?
Bei der zweiten Variante wirst Du die falsche Handlung mit dem Lob verknüpfen und wenn Du dann beim nächsten Mal aufdiese gleiche Aufforderung das selbe machst und Du nicht gelobt wirst, wirst du auch erstmal ganz schön verwirrt sein :confused:

Wenn eine Handlung im Gedächtnis des Hundes erstmal drin ist, wirst Du sie jederzeit abrufen können, auch ohne das der Hund nun jedesmal positiv bestärkt wird.
Ich denke auch, daß der Hund bei bestimmten Unterordnungsübungen weiß, daß es einen Handlungsablauf gibt. Wenn Du z.B. für die BH-A übst, weiß der Hund nach einiger Zeit, daß er nach dem Sitz aus der Bewegung heraus sitzen zu bleiben hat, bis er abgeholt wird. Bei diesen Übungen für die Prüfungen hin muss man sogar aufpassen, daß der Hund nicht den ganzen oder grössere Teile des Schemas auswendig von alleine durchführt.
der Vorteil des Clickerns liegt ja auch darin, daß man sofort positiv bestärken kann, auch wenn situationsbedingt eine Bestärkung durch Leckerchen gerade nicht möglich ist (Sitz oder Platz aus der Entfernung) -der Hund weiß, ok ich habs richtig gemacht und gleich werde ich auch dafür belohnt.
MfG
klasu

Daggi
28.12.2002, 12:16
Jetzt ist es mir klarer. Ich danke Euch ganz herzlich für Eure Ausführungen.
Wir haben uns auch die "Hundeschule" auf Arte angeschaut. Wir fanden Sie sehr interessant, wenn auch leider pro "Hundebeispiel" etwas abgehackt. Es wurden die Sachen, die uns z. B. interessierten (jagen) zu kurz gezeigt. Aber so ist es ja leider meistens bei Dokus. Trotzdem, man wurde auch wieder auf neue Denkweisen bzw. Anstöße zum Ändern gebracht. Tschüüüüüß