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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kennenlernphase



Nadine28
26.12.2002, 17:41
Hallo,

ich bin neu hier im Forum und habe mal eine kurze Frage.

Ich habe einen 3 jährigen Stockhaarschäferhund der "Bobbi" heißt.

Wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich z.B. zwei Hunde kennengelernt haben? Ich gehe immer auf eine große Wiese mit ihm wo die meisten Leute die Hunde frei herumrennen lassen. Bobbi ist meist sehr stürmisch und manchmal rauft er sich auch etwas. Er beist aber nicht, sondern versucht manchmal die anderen Hunde zu unterwerfen. Wenn sich Hunde nun dreimal gesehen haben kann man dann davon ausgehen, das diese sich dann kennen und niemals eine größere Rauferei stattfinden kann? Die Leute auf der Wiese sind alle total locker und lassen die Hunde dann einfach unter sich ausmachen und die sagen auch, das es normal ist, wenn auch mal Haare fliegen. Bobbi versteht nur ab und zu nicht, wenn er genug getobt und hat dann auch ziemlich wild herumtollt. Ich kann dann auch rufen, das juckt ihn dann auch nicht sonderlich. Soll man im Spiel überhaupt den Hund rufen?

Gruss und danke Nadine

Hovi
26.12.2002, 18:03
Hallo Nadine,

wenn Dein Bobby an und fürsich ein verträglicher Hund ist und nur selten rauft, dabei auch keinen Hund verletzt, sind solche Rangeleien normal. Dann kann man durchaus auch mal die Hunde "Unter sich" ausmachen lassen, wer nun der Stärkere ist. Die Crux an der Sache ist nur: Es gibt Hunde, die kommen "auf den Geschmack" am Raufen und provozieren dann Raufereien. Das macht bei so einem Hundetreffpunkt natürlich nicht sonderlich beliebt. Darum ist entscheident: Fängt Dein Bobby von sich aus Raufereien an, provoziert er gerne, und steigert sich die Häufigkeit? Dann mußt Du klarstellen, dass Du dieses Verhalten NICHT duldest, und zwar unter keinen Umständen. Er ist nämlich NICHT der Chef dieses Hundetreffs. Eins muß klar sein: solch ein Hundetreff ist kein "Rudel", sondern nur eine lockere Zusammenkunft.

Hunde, die sich einmal ausgiebig beschnüffeln durften, vielleicht auch kurz miteinander spielten, "kennen" sich. Und diesbezüglich haben Hunde ein prima Gedächtnis.

Wenn Du allerdings nach einer ausgiebigen Toberunde der Meinung bist, Bobby habe nun genug gespielt, dann bestimmst Du auch den Zeitpunkt, wann es wieder nach Hause geht. Du richtest Dich also nicht danach, ob Dein Hund grad Bock drauf hat, mit Dir mitzukommen, sondern setzt Dich durch! Auch das macht einen guten Rudelführer aus. Aber steh nicht daneben und rufe 100 Mal "Bobby, Bobby!" wenn er in der Situation sowieso nicht kommt! Auf diese Art lernt er ruck-zuck: Aha, das Rufen meines Namens ist bedeutungslos!

Entweder, Du rufst ihn EINMAL und verläßt dann kommentarlos den Ort des Geschehens. Wenn er schon eine gute Bindung zu Dir aufgebaut hat, wird er spätestens nach ein, zwei Minuten nach Dir suchen und Dir hinterherrennen.

Oder, wenn das nicht funktioniert, "pflückst" Du ihn nach einmaligem Rufen aus dem Spiel heraus, leinst ihn an und gehst mit ihm weg. Sollte auch dies nicht funktionieren, weil Bobby zwischenzeitlich weiß: "Oh, Frauchen hat gerufen, das heißt, sie will heim, da lass ich mich lieber mal nicht einfangen!", dann hilft nur:

Bindung zu Bobby festigen, das Herankommen wieder und wieder üben, bis es auch unter Ablenkung sitzt, und ERST DANN darf er wieder mit seinen Kameraden spielen. Du kannst hier auch mit der Schleppleine arbeiten, die ist beim Spielen allerdings u. U. hinderlich. Das Herankommen muß aber sitzen, und Du mußt in der Lage sein, in aus dem Spiel heraus abzurufen. Wenn das nicht klappt, mußt Du an der Grunderziehung solange arbeiten, BIS es klappt.

Und noch ein Tipp am Schluß:

Rufe Deinen Bobby nicht nur, wenn etwas für ihn Unangenehmes folgt (z. B. Spielabbruch, Anleinen etc.), sondern öfters "einfach so". Dann gibt´s Lob, Leckerli, ein ausgelassenes Spiel... und dann darf Bobby wieder frei laufen. So lernt er, dass Herankommen etwas für ihn Positives ist! Übe das erst mal ohne Ablenkung, wieder und wieder, bis Du merkst, dass er mit Begeisterung angerannt kommt, wenn Du ihn rufst! Dann hast Du Dich für Deinen Hund nämlich so interessant gemacht, dass es für ihn lohnt, zu kommen!

Liebe Grüße
Claudia

Nadine28
26.12.2002, 18:19
Hallo Claudia,

vielen Dank für die prompte Antwort.

:)

Also heißt das das Bobbi auch lernen muss, wann das Spielen beendet ist und das wenn ich einmal rufe er zu kommen hat?

Bedeutet das auch, das ich einfach gehen muss, wenn er nicht kommt? Er kennt denn Befehl " Kehr um"! Dann muß man sich umdrehen mit einer großen Armbewegung und einfach gehen. Wenn er dann nicht sofort kommt, soll ich dann nochmal rufe oder einfach gehen? Wenn er kommt, muß ich ihn dann sofort loben oder?

Wie merke ich denn, daß er Raufereien provoziert? Machen Hunde denn nicht sofort die Rudelrangordnung klar? Wenn mehrere Hunde spielen und er genug hat, macht er sich flach und flescht schon die Zähne, dann lassen auch die andere Hunde von ihm ab. Wenn die andere Hunde die Schnauze voll von ihm haben, dann zeigen die das deutlich und er versteht es spätestens nach dem zweiten Mal.

Natürlich rufe ich ihn immer zwischendurch und lobe ihn ausgiebigst, wenn er kommt und gebe ihm ein Leckerchen.

Kann es auch sein, daß wenn ein Hund noch nicht so oft die Gelegenheit hatte mit anderen Hunde zu spielen, er erst lernen muss sich richtig zu verhalten?

Ich merke schon, das er bedeutet ruhiger geworden ist, wenn er mit anderen Hunde zusammentrifft. Wenn dann erst mal eine zeitlang richtig viel gespielt wurde, trottet er auch so mit den anderen nebenher und wenn ich dann weggehe und ihn rufe kommt er auch sofort mit mir.

Hovi
26.12.2002, 18:54
[QUOTE]Original geschrieben von Nadine28
[B]Hallo Claudia,

vielen Dank für die prompte Antwort.

:)

---Also heißt das das Bobbi auch lernen muss, wann das Spielen beendet ist und das wenn ich einmal rufe er zu kommen hat?

Selbstverständlich :)

---Bedeutet das auch, das ich einfach gehen muss, wenn er nicht kommt? Er kennt denn Befehl " Kehr um"! Dann muß man sich umdrehen mit einer großen Armbewegung und einfach gehen. Wenn er dann nicht sofort kommt, soll ich dann nochmal rufe oder einfach gehen? Wenn er kommt, muß ich ihn dann sofort loben oder?

Du rufst IMMER NUR EINMAL. Denn mit jedem Kommando, das Dein Hund nicht befolgt, lernt er logischerweise, dass er es nicht befolgen muß, da dies für ihn ohne Konsequenzen bleibt.

---Wie merke ich denn, daß er Raufereien provoziert? Machen Hunde denn nicht sofort die Rudelrangordnung klar?

Das merkst Du, indem Du lernst, Deinen Hund zu "lesen". Körpersprache ist hier extrem wichtig, die mußt Du richtig deuten können. Über feinste Gestik, die wir menschen kaum wahrnehmen, teilen sich Hunde untereinander jede Menge mit. Hier nur ein Beispiel: Das berüchtigte Fixieren. Ein Hund starrt dem anderen fest in die Augen. Der andere versteht ganz genau, was dieser damit sagen will, nämlich: "Komm her, du Schwächling, lass uns austesten, wer hier der Stärkere ist!". Und prompt greift der angestarrte und derart provozierte Hund an, und der Besitzer des starrenden, provozierenden Hundes ruft lautstark "Meiner hat gar nix gemacht!" - weil er eben diese Körpersprache der Hunde nicht kennt. Wie gesagt, das ist nur eins von unzähligen Beispielen.

Und nein, auf der Hundewiese gibt es keine "Rudelrangordnung". Das Rudel Deines Hundes bist DU und Deine Familie. Hunde, die sich nur mal für eine Stunde am Tag sehen, bilden noch lange kein "Rudel"!!!

---Natürlich rufe ich ihn immer zwischendurch und lobe ihn ausgiebigst, wenn er kommt und gebe ihm ein Leckerchen.

Prima, wenn das schon so gut klappt. Übe das dann auch mal mit leichter Ablenkung (z. B. Pferd oder anderer Hund in Sichtweite), notfalls unter Zuhilfenahme der Schleppleine. Rufe Bobby schon, wenn er noch ganz in Deiner Nähe ist! Mit jedem Meter Distanz, die er zu Dir gewinnt, schwindet die Wahrscheinlichkeit, dass er gehorcht!

---Kann es auch sein, daß wenn ein Hund noch nicht so oft die Gelegenheit hatte mit anderen Hunde zu spielen, er erst lernen muss sich richtig zu verhalten?

Selbstverständlich :). Man/Hund muß alles erst lernen, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

---Ich merke schon, das er bedeutet ruhiger geworden ist, wenn er mit anderen Hunde zusammentrifft. Wenn dann erst mal eine zeitlang richtig viel gespielt wurde, trottet er auch so mit den anderen nebenher und wenn ich dann weggehe und ihn rufe kommt er auch sofort mit mir.

Darum: Gib ihm die Chance, sich auszutoben, ohne ihn zu rufen, wann immer das möglich ist. Mit einem ausgetobten und damit ausgeglichenen Hund läßt sich viel leichter arbeiten als mit einem, der noch voller Energie steckt und darum auch gar nicht motiviert ist, auf Herrchen/Frauchen zu achten!

Das mit dem Umdrehen und Weggehen funktioniert, wie bereits erwähnt, nur dann, wenn Bobby bereits eine gute Bindung zu Dir aufgebaut hat. Du kannst es ja mal ausprobieren. Wenn es klappt: prima! Wenn nicht, bleiben Dir ja noch die anderen erwähnten Methoden.

Geduld ist in der Hundeerziehung oberstes Gebot - es muß nicht alles von heute auf morgen klappen. Vermeide jedoch, Kommandos zu geben, die Du nicht durchsetzen kannst, um eben diesen falschen Lerneffekt (Kommando hat keine Bedeutung) zu vermeiden!

Liebe Grüße
Claudia