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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Spröde und brüchige Hufe - was tun?



Staffgirl
13.08.2008, 12:54
Hallo ihr Lieben,

meine mittlerweile 20 jährige Vollblutstute hat sozusagen Problemhufe.
Als ich sie vor 10 Jahren bekam waren ihre Hufe katastrophal, sie waren so lang, dass sich die Zehe bereits hoch bog, der linke Hinterhuf hatte eine längen tiefen Spalt und Strahlfäule in der man die komplette Spitze des Hufkratzers versenken musste um den Eiter auszuschaben...

Die Hufstellung hat sich natürlich deutlich verbessert und die Strahlfäule ließ sich zwar nie restlos weg kriegen, aber ich halte sich mit Socatyl in erträglichen Grenzen. Der damals extreme Hufspalt ist heute nur noch ein kleiner oberflächlicher "Kratzer" an der Zehe und die Hufe sind insgesammt, im Gegensatz zu früher in einem top Zustand.

Das einzige Problem was ich noch habe, ist dass ich die "Oma" noch nicht mal ohne Eisen auf die Wiese stellen kann, da sie dermaßen fühlig ist. Versucht hab ichs natürlich, hab gehofft es legt sich nach einer Gewöhnungszeit. Doch sobald sie zwei Wochen ohne Eisen auf der Wiese steht, kann ich fast die Uhr danach stellen, dass sie ein Hufgeschwür bekommt. Im Grunde habe ich mich damit abgefunden sie weiterhin beschlagen lassen zu müssen, denn wenn sie schon nicht unbeschlagen auf die Weide kann, dann brauch ich an Ausritte in unserem leider sehr steingigen Gelände gar nicht erst denken.

Zudem ist ihre Hornqualität nicht so toll, sodass ständig irgendwelche Ecken ausbrechen und an den genagelten Stellen Risse entstehen.
Ich hab schon sämtliche Fette, Öle usw. ausprobiert, aber das Horn bleibt hart und brüchig.

Kennt jemand ein Wundermittelchen, welches die Hornqualität elastischer und widerstandsfähiger gegen Bruch und Risse macht???
Über gute Tips und Erfahrungsberichte würde ich mich freuen.

speddy86
13.08.2008, 14:55
Hufteer und das ölgel von leovet sind ganz klasse.
Wg der Strahlfäule: Davon kann ich auch ein Lied singen. Hast du es schonmal mit Jodoformäther probiert? Das Zeug bekommst du in jeder Apotheke!

Talia
15.08.2008, 00:01
Kennt jemand ein Wundermittelchen, welches die Hornqualität elastischer und widerstandsfähiger gegen Bruch und Risse macht???


regelmäßige Bearbeitung in kurzen Intervallen um die Hufe in optimaler Stellung zu erhalten - und möglichst immer wieder raus auf die feuchten Wiesen morgens - der Huf braucht Feuchtigkeit. Bei dem Wetter brechen sogar die Hufe meiner Kleinen - hatte sie zu lang werden lassen und dann bröckelte es halt - die sind einfach zu trocken - und meine hat BOMBENhufe!
Abgelaufene scharfe Kanten am Tragrand sollten nicht sein .- die brechen leichter als regelmäßig berundete Kanten.
Bei dem Wetter mach ich meiner kleinen alle drei bis vier Wochen ne kleine Pediküre - soll heissen dass ich zum gezielten "in Form laufen" die Wände an den nötigen Stellen ausdünne und dann eben alles gut berunde - letzteres kann man sich auch vom Schmied zeigen lassen.

Ansonsten - Fett schmiert den Huf nur zu und lässt die nötige Feuchtigkeit nicht rein.

Gibt wohl auch sowas wie Waterboots - das sind ne Art Hufglocken die sehr gut Feuchtigkeit speichern und die wieder an den Huf abgeben - sind nciht sehr teuer und wären vll auch ne Überlegung - ne viertelstunde wässern bringt jedenfalls nciht viel...

Staffgirl
15.08.2008, 09:15
@ speddy86
Teer und Leovet Ölgel hab ich alles schon durch. Auch Jodoformäther haben wir schon probiert, aber für die Stahlfäule kommen wir tatsächlich am besten mit verdünnter Socalyl klar. Um die Strahfäule mach ich mir auch kein großes Kopfzerbrechen mehr, das Problem ist mehr der Bruch an den genagelten Stellen.

@ Talia
Also Feuchtigkeit bekommen ihre Hufe on Mass, da sie in Robusthaltung steht und das ganze Jahr über rund um die Uhr freien Zugang zur Weide hat. Zudem spritz ich ihr täglich ausgießig die Füße ab und bleiben bei Ausritten in jedem Bach eine Weile stehen.
Mit dem regelmäßigen berunden und Kanten in Form bringen wäre kein Problem wenn sie barhuf gehen würde, aber da Madame ja ohne ihre Eisen keinen Schritt läuft... Und der Schmied kommt schon immer recht zeitig, damit nichts zu lang wird.
Ich denke das größte Problem ist tatsächlich der Beschlag bzw die Nägel, das strapaziert den Huf zu sehr, so dass die genagelten Stellen einfach weg brechen.
Ich würde sie zu gern barfuss gehen lassen, aber jeder Versuch ist bisher gescheitert und wurde mit einem Hufgeschwür gestraft - damit tu ich der Oma dann ja auch keinen Gefallen. Wenn sie wenigstens problemlos ohne Eisen auf die Wiese könnte, würde ich mir ja für die gelegentlichen Spazierritte Hufschuhe holen...

Suzanne
15.08.2008, 12:46
Ansonsten - Fett schmiert den Huf nur zu und lässt die nötige Feuchtigkeit nicht rein.


:tu:
dem Satz kann ich mich nur anschließen.

Ich hatte massig Probleme, als ich meine Stute gekauft habe. Geholfen hat dann die Zugabe von Biotin. Anfangs in flüssiger Form (verflixt, wie heißen diese megateuren Flaschen? Hab ich vom TA bekommen :?:) dann habe ich hier aus dem Shop Pellets von Eggersmann gekauft. Der Biotingehalt war weitaus höher, als der aus der Flasche.

Biotin ist natürlich kein Wundermittel. Aber bei meiner Stute war eine deutliche und sichtbare Besserung der Hornqualität unübersehbar. Es dauert mindestens gute 8 Monate. Es dauert bis neues Horn nachwächst, und soweit runtergewachsen ist, daß man es sehen kann. Kaputt ist kaputt.

Ein guter Schmid ist das non plus ultra dazu - aber wem sag ich das :bl:

Grüße Susanne

Talia
15.08.2008, 17:15
...Und bei Nagelproblemen denk ich auch ganz gern an leichtere Eisen und da auch weniger oder kleinere Nägel - so Richtung Alu oder Kunststoff - das kalte Beschlagen kommt dem strapazierten Huf auch noch entgegen - braucht aber genauere Arbeit vom Schmied.

Staffgirl
16.08.2008, 14:04
Biotin Pellets gebe ich ihr schon, allerdings erst seit ca 4 Wochen, somit ist noch keine wirkliche Wirkung sichtbar.

Wegen einem leichteren Beschlag bzw. Kunsstoffbeschlag hatte ich meinen Schmied schon gefragt, allerdings hat er mir aus verschiedenen Gründen davon abgeraten.
Ich überlege nun mal einen Huforthopäden kommen zu lassen. Vielleicht weiß der ja noch einen Rat oder kennt eine Möglichkeit, sie doch ganz ohne Eisen laufen lassen zu können.

Vielleicht kennt ja einer von euch einen guten Orthopäden in Radevormwald, Wuppertal, Remscheid oder der Nähe???

lammi88
16.08.2008, 15:09
Hufe die brüchig sind, sind nicht gut durchblutet - sprich bewegen sich nicht richtig. Klar bricht mal bei dem trockenem Wetter etwas raus, aber die Grundsubstanz sollte stimmen.
Auch die Strahlfäule läßt auf einen nicht gut gestellten Huf ohne Bewegung schließen.
Eisen begünstigen eine starre Hufform ohne Bewegung. Die komplette Umstellug auf Barhuf dauert ca. 1 Jahr. Dann stimmt die Hufform und auch die Hornqualität hat sich dann regeniert. Biotin würde ich nur zugeben, wenn der Huf zu langsam wächst. Der Huf Qualität bringt es wenig bis nichts. Auch diese ganzen Mittel, die man kaufen kann (hufvital, etc) hab ich fast alle durch... bringen wenig bis nichts. Einzig die Barhufumstellung hat bei unseren 3 Pferden die Qualität extrem verbessert.
Wenn Du auf Barhuf umstellst, dann schau nach einem Huforthopäden (kein Schmied!!!) der nach Biernat arbeitet und viel Erfahrung hat. Strasser ist die andere Methode, allerdings nimmt sie die Hufgeschwüre bei der Umstellung in Kauf, während Biernat die Umstellung sanfter angeht. Wobei auch da anfangs Hufgeschwüre auftreten können - nicht müssen.... Die ergeben sich teilweise zwangsläufig, wenn Teile der Huflederhaut, die vorher durch falsche Stellung gequetscht waren, nun wieder anfangen zu arbeiten. Dann lösen sich gern mal kleine Teilchen ab um neuem Gewebe Platz zu machen und dann kommt es zum Hufgeschwür. Nicht schön, aber eben vom Körper sinnvoll bedacht. Die verhärteten Lederhautstückchen wären nämlich nicht so leistungsstark wie die neuen ;)
Lamour hat früher ein Hufgeschwür nach dem anderen gehabt. Seit nun 2 Jahren bearbeitet meine Huforthopädin sie und seitdem war nichts mehr. Die Hornqualität ist supergut, der Huf wächst der Beinstellung entsprechend und die Strahlfäule ist weg! Das war zwar ein Kampf, da sie die wohl schon seit gut 6 Jahren (vor mir) hatte. Bei ihr war der Strahl komplett, bis zur Lederhaut hoch, weggegammelt...:sporty:
Durch die Umstellung wurde es besser, kam im Winter aber immer noch wieder durch und warf uns zurück. Was ich jedem da nur raten kann: THM Strahlbalsam! Strahl zurückschneiden, einmal desinfizieren, dann 3 Wochen lang täglich gründlich abwaschen, abtrocknen und mit dem THM einpinseln, ggf austamponieren. Dann kann man auf alle 3-4 Tage gehen. Später auch alle 1-1,5 Wochen. Lamours Strahl mache ich nun alle 4 Wochen einmal und seitdem ist nix mehr. Selbst im Winter, wenn sie in tiefster Matsche stand hab ich den Abstand auf alle 2 Wochen geschoben - nix mehr. Das Zeug ist gut - selbst meine Huforthopädin empfiehlt es nun weiter ;)

lammi88
16.08.2008, 15:10
Ach so: Huforthopäden: www.dhgev.de - zur Not dort mal anrufen - sind nciht alle online ,)

mgm2080
18.08.2008, 14:21
Hallo,

Wenn du lieber keine Eisen drauf hättest und sie sie nur drausen oder beim Ausreiten braucht versuche es mal mit Easy Boots...
die Schuhe sind super, auch nicht allzuschwer zum anziehen und halten sehr gut. Auch bei Ausreiten...
Hat auch den Vorteil das die Hufe drausen nicht so schnell Splittern und die Feuchtigkeit gut gespeichert wird.
Wir haben einige bei uns ihm Stall die keine Eisen mehr
haben aber drausen die Schuhe tragen. Schau mal unter da wird alles super beschrieben.
Das Paar kostet 173 Euro.
Auf die dauer billiger als der Schmied :wd:
wenn´s den funktioniert...


LG
mgm

lammi88
19.08.2008, 09:44
Stimmt - zum Übergang sind Hufschuhe echt toll! Ich hab/hatte die Marquis. Muß man ausprobieren, welche zur Hufform am besten passen.

wiassi
22.08.2008, 08:38
Die wesendlichen Tips sind ja schon gegeben :)
Mein Beitrag: Das künstliche Biotin wird vom Körper oft nicht so gut aufgenommen wie natürliches. Deshalb würde ich zu Bierhefe raten, da ist viel natürliches Biotin drin. Ich füttere es im Winter zum Kraftfutter dazu und mache im Sommer eine Pause, da sie dann genug Biotin über das Gras aufnehmen.
Andere haben bei uns gute Erfahrung im Füttern frischer Hefe kurweise gemacht. Da darf dann aber kein blähendes Futter dazugegeben werden ( Äpfel etc), also sollte man sich genau erkundigen vorher.

Strahlfäule auch in tiefen Spalten kann man mit Ballistol gut gehandeln. Es kriecht in alle Ritzen und desinfizert. Und um den Huf zu härten gibt es Hufhärter wie Terrahip und Keralit. Mit letzterem habe ich gute Erfahrungen gemacht. Da wir auch sehr steinige Böden haben ist mein Pferd im Sommer vorne beschlagen. direkt nach dem Beschlag (Kaltbeschlag mit leichten Trabereisen) trage ich es auf die Nagellöcher und den Hufrand auf. Nachdem im Herbst die Eisen runter sind wird auch jeweils unmittelbar nach dem Ausschneiden der Tragrand 2-3 cm hoch mit Keralit bestrichen. Das erleichtert uns die Umstellung enorm.

Bei zu harten/trockenen Hufen würde ich wässern und danach wenn nur mit Huföl bestreichen.
Fett, Teer etc. kommt bei mir nicht an den Huf.

Staffgirl
23.08.2008, 20:01
So, erstmal vielen Dank für die Antworten und Tips.
Jetzt möchte mal kurz den neuesten Stand berichten:

Ich habe nun eine Huforthopädin (Biernat) kommen lassen, die ihr erstmal hinten die Eisen abgenommen hat und nur wenig ausgeschnitten und berundet hat.
Meine Stute läuft nun noch ziemlich wackelig, aber gewöhnt sich schon langsam an das neue Laufgefühl. Zur Zeit hat sie noch Hufverbände um, damit sie ein kleines Polster hat wenn sie auf der Weide auf fiese Steine tritt... Dafür dass sie über 15 Jahre lang Eisen hatte bin ich mit der momentanen Situation schon zufrieden.

lammi88
24.08.2008, 15:37
Hufverbände sind gut. Sie erleichtern dem Pferd die erste Zeit enorm.
Wenn die ab sind, solltest Du Dir eine Feile besorgen und einmal die Woche die Hufränder rund feilen. Dann brechen sie weniger aus. Laß es Dir von der HO zeigen (und frag sie mal, ob sie nicht eine alte Raspel hat, die sie Dir abtreten kann ;) - die sind nämlich dann für uns "Laien" immer noch okay zum nachraspeln)

butterfly78x
27.08.2008, 23:47
Hallo Lammi

bearbeitest du die Hufe selbst? Habe mich gewundert, da jemand Ahnugn von Hufen hat und da scheint mir bei dir der Fall, wenn ich deine Antworten lese :-)

WAs Lammi geschrieben hat, dem kann ich jedenfalls zu 100% zustimmen, da gibst eignetlich nichts weiteres zu sagen. :tu:

Hufprobleme jeglicher Art, Fühligkeit, Strahlfäule, Webhebelnde Wende bekommt man nur mit einem System weg: sie mit gesundem Hufwachstum überholen. Da das gesunde neue Hufhorn von oben herab wächst, ist das Ziel nur noch, es auch unten ankommen zu lassen. Ja ich weiß, klingt ziemlich einfach, doch leider ist nicht jeder Hufpfleger dazu in der Lage. Daher immer schön zuhören und selbst kontrollieren. Das hat noch keinem Pferd geschadet.

Und durchhalten und bloß nicht aufgeben. Das gesunde Hufform braucht wie schon erwähnt bei KORREKTER Bearbeitung und guter Haltung fast 1 Jahr bis es durchgewachsen ist. Bei problematischen Hufen sogar unter Umständen auch mal länger. Daher ist es vollkommen normal, wenn ein Pferd nach 8 Wochen immernoch fühlig läuft. Von euch läuft auch keiner locker Barfuss über Schotter, wenn er es zuvor nicht gewohnt war, oder?
Ich kann nur jedem empfehlen, sich selbst etwas in der Materie einzulesen, das hilft, gut von schlecht zu unterscheiden.

Lieben Gruß

Nicole