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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : eigenwilliger hund.....



lenajanice
15.12.2002, 01:09
Hallo!

ich habe diesen beitrag genauso auch im fressnapf-forum gepostet, aber bisher nur 2 antworten erhalten. deshalb poste ich ihn hier nochmal in der hoffnung, dass euch dazu was einfällt:

Ich brauche dringend euren rat. Es geht um meinen hund flynn (6 jahre, collierüde, haben ihn vor gut 10 monaten aus dem tierheim geholt, er war ausgesetzt worden, wir wissen also nichts über seine vorgeschichte)

Mein problem:
Ich arbeite nun schon einige monate intensiv mit flynn. Mein problem ist, dass der hund es grundsätzlich unterscheiden kann, ob wir arbeiten oder nicht. Auf dem hundeplatz war er immer sehr eifrig bei der sache und hat alles supi gemacht. Wenn ich hier draussen mit ihm arbeite, ist es zwar schon schwieriger, seine volle aufmerksamkeit zu kriegen, aber wenn ich sie dann habe, macht er toll mit. (z. b. fuss mit drehungen usw.) Er kennt viele befehle (sitz, platz, halt, warte, pass auf, bleib, such). Zufällig habe ich entdeckt, dass er auch das vorsitzen beherrscht.... (ruf: hier und fingerzeig auf meine füße)
Leider ist es so, dass ich nicht sagen kann, dass ich ihn immer unter kontrolle habe. Wenn er nicht will, will er nicht! Draussen ist es dann z. B. so, dass ich mit dem tollsten leckerli oder spielzeug winken kann, mich verstecken, richtung wechseln, wenn aber in entfernung ein anderer rüde bellt, kommt er nicht auf ruf. Er rennt los und bellt und achtet null auf mich. oder läufige hündinnen....
Hat er sich beruhigt, kommt er dann oder ich hole ihn ab. Oder er muss irgendwo was erschnuppern, einen anderen hund begrüßen oder oder oder. Er entscheidet in der situation, nicht ich . das ist besonders unangenehm in situationen, wo wir jemanden mit angeleintem rüden treffen und der mich bittet, meinen auch lieber anzuleinen. würde ich dann gern, gestaltet sich aber etwas schwierig...

Belohne ich ihn jedes Mal (!) mit besonderen leckeli kommt er (fast) immer. Das habe ich ganz lange gemacht. Dann habe ich angefangen, auch mal keines zu geben, sondern ihn nur überschwänglich zu loben. Fazit: er kommt sofort nicht mehr jedes Mal *grrrr*

Wenn wir nachhause kommen, muss er erst mal Platz im flur machen. Macht er auch, wenn er es will. Ansonsten stehe ich vor ihm und sehe schon zu, dass er den befehl auch ausführt. Das kostet aber nerven, denn er kann sturer als ein maulesel sein. Man soll so einen befehl nur einmal geben.... toll, dann muss ich ihn körperlich durchsetzen, aber wie? Die hundetrainerin zeigte an ihrem hund, wie man mit schnauzgriff und gleichzeitigem halten des halsbandes, den hund sanft herunterzwingen kann. Geht bei flynn nicht, der bewegt sich nicht!

Es sei noch erwähnt, dass er vermutlich eine sehr strenge erziehung „genossen“ hat, denn klatscht man mit der hand auf die oberschenkel oder hat eine zeitung in der hand liegt er sofort flach. Hebt man die hand, hat er angst und legt sich sofort unterwürfig hin. ich vermute, dass er schläge bekommen hat. Das sind aber nun nicht meine methoden.
Ich habe es schon mit dem clicker versucht, er reagiert gut darauf, arbeitet gut mit, so er will

Was ratet ihr mir, was kann ich besser machen?
Und wie reagiere ich, wenn er nicht kommt? Soll ich (so die hundetrainerin) sein verhalten wirklich ignorieren? (einfach sagen: und schluß und es nochmal probieren) Nur das loben, was er richtig macht? Also, dabei habe ich kein gutes gefühl. Ich nehme ihn dann oft für eine kurze zeit an die leine. Hilft aber auch nichts, Aber wenn ich mit ihm schimpfe, wenn er schließlich doch kommt, verknüpft er das ja dann mit mir und nicht mit dem nicht-hören. *stöhn*

Weiß jemand rat oder hat einen ähnlich sturen (bzw. entscheidungen selbst treffenden) hund?
Ansonsten ist er ein lieber, verschmuster und ganz toller hund *freu*, der wahrscheinlich irgendwann auch seine begleithundprüfung machen könnte (ist ja reine arbeit *ggg*), die dann draußen keinen pfifferling mehr wert wäre....

Liebe grüße

lenajanice

AnnaS
15.12.2002, 10:27
Hallo

Ich habe ein ähnliches Problem mit meiner Hündin, allerdings ist sie erst etwas über 6 Monate alt. Ich habe sie, seitdem sie 9 Wochen alt ist, habe also ihre ganze Erziehung selbst in die Hand genommen.
Peppa hört eigentlich wunderbar für ihr Alter. Schon von Anfang an, und sie lernte wirklich leicht.

Ich habe bei ihr das Problem, dass sie sehr gut gehorcht, wenn ich mit ihr übe. Dann ist sie auch sehr konzentriert bei der Sache, will alles richtig machen, und freut sich super, wenn ich sie ausgibig lobe. Naja, bis hierher ist es ja nicht wirklich ein Problem :D . Das kommt jetzt:

Peppa belibt immer in meiner Nähe und kommt auf den ersten Ruf, wenn ich Leckerlie verteile. Doch manchmal muss sie auch kommen, wenn gerade mal keines zur Hand ist, und das merkt sie sich sofort, denn beim nächsten Mal kommt sie nicht mehr.

Ich habe einen Hof und Pferde. Wenn ich mit Peppa draußen auf dem Hof bin und z.B. die Boxen mache, läuft sie frei auf dem Hof herum. Wenn ich sie rufe, kommt sie, bekommt Leckerlie und alles ist super. Doch wenn sie merkt, dass ich meine Arbeit draußen erledigt habe und rein gehen will, kann ich rufen, ich kann mit Leckerlie oder Spielzeug locken, sie kommt einfach nicht mehr. Ich kann dann in die entgegengesetzte Richtung gehen, sie kommt hinterher. Aber wehe ich gehe zur Haustür - Peppa läuft weg. Komischerweise macht sie es nur mittags. Morgens und abends nicht. Morgens ist es meist noch dämmerig, dann bleibt sie bei mir. Abends ist es dunkel, da bleibt sie sowieso bei mir. Aber jeden Mittag ist es ein Krampf.

Ich habe es auch schon so gemacht, dass ich einfach rein gegangen bin. Bei uns kann nichts passieren, da wir am Ende einer Sackgasse wohnen, und dort kaum Verkehr ist. Die Autos, die fahren sind Anlieger und durch diverse Kinder wird eh nur Schritt-Tempo gefahren hier. Doch selbst das stört sie nicht, wenn ich dann reingehe.
Freitag hat sie den Vogel abgeschossen, da blieb sie noch 2,5 Stunden draußen.

Wenn ich mit ihr spazieren gehe, ist es das gleiche. Sieht sie was interessantes, kommt sie nicht. Gehe ich weg, ignoriert sie das. Verstecke ich mich, ist es ihr auch egal. Sie hat nie ab, doch sie lässt sich nicht anfassen. Sie kommt zwar und nimmt ein Leckerlie, aber sobald ich sie anfassen will, ist sie weg.

Sie weiß ganz genau, wenn sie was falsch gemacht hat, und DAS es falsch ist, nicht zu kommen. Wenn sie dann doch bei mir ist, schleicht sie mit gesenktem Kopf und angelegten Ohren auf mich zu. Dabei muss sie keine Schläge oder so erwarten, denn die hat sie nie erfahren müssen. Sie ist dann auch erst wieder "normal", wenn ich wieder freundlich bin und ihr sage "ist alles wieder okay".

Ich denke, bei Peppa liegt es auch viel am Pflegelalter. Und auch wenn es nicht gefährlich ist, weil sie ja nie wirklich abhaut, ist es wahnsinnig nervig, wenn sie sich einfach nicht anfassen lassen will und ich sie somit weder an die Leine bekomme, noch irgendwie anfassen kann.

Ich habe nun den Rat bekommen, es mit einer Schleppleine zu versuchen. Der Rat stammt aus diesem Forum. Ich werde mir schnellstens eine besorgen und es dann auch versuchen. Das gleiche würde ich dir auch empfehlen, denn alles andere, was man so rät, hast du ja schon ausprobiert.

Ich wünsche dir (und mir :D ) viel Glück

Liebe Grüße
Anna

Aliantha
15.12.2002, 11:52
@AnnaS

das Problem mit dem Leckerlie abholen und dann wieder abhauen hatten wir bei Luna am Anfang auch. War ja auch logisch, denn immer wenn wir nach ihrem Halsband gefasst haben wurde sie ja angeleint und vorbei war der ganze Spass. Also haben wir die Reihenfolge geändert. Sie kam an, wir haben als erstes nach dem Halsband gefasst und dann erst das Leckerlie gegeben. Somit wusste Sie irgendwann, ok nur wenn ich mich fassen lasse bekomme ich mein Leckerlie und dann werde ich evtl auch nochmal frei gelassen. Seit dem haben wir keine Probleme mehr damit.

Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen, denn mit dem Befehle ignorieren haben wir selber noch Probleme :)

Gruß, Aliantha

Maggie_HH
15.12.2002, 12:26
Man soll so einen befehl nur einmal geben.... toll, dann muss ich ihn körperlich durchsetzen, aber wie?

Ich würde mich auf jeden Fall durchsetzen und wenn es nicht anders geht auch körperlich, was nicht schlimm ist! Wir reden ja nicht von Schlägen, die ein Hund sowieso nicht verstehen würde! Mir fallen zum Thema Platz im Moment 2 Möglichkeiten ein:
1. Du lässt die Leine am Halsband und sagst "Flynn, Platz!" Nicht laut oder böse, ganz ruhig als wenn du davon ausgehst er tut es 100%ig! Wenn er es nicht macht, sagst du nichts mehr und legst deinen Fuss auf die Leine (am besten ganz dicht am Halsband) und stellst ihn dann auf den Boden. Der Kopf deines Hundes wird so ziemlich dicht über dem Boden sein, was unangenehm ist solange er steht oder sitzt! Das sieht vielleicht ein bisschen komisch aus, ist aber nicht schlimm, er wird sich bestimmt bald hinlegen, weil es einfach unbequem für ihn ist! falls nicht, drück seinen Popo noch sanft hinterher, falls er sich zu sehr sträubt! Loben würde ich ihn dann aber nicht, wenn er liegt, schließlich war es keine freiwillige Entscheidung. Sollte er es dann freiwillig tun wird gelobt! (wichtig ist, dass er kein Leckerchen mehr bekommt fürs Platzmachen)!
2. Genauso wie oben, nur dass du nach dem Platz-Sagen nicht auf die Leine trittst, sondern deinen Hund einfach einen Schubs gibst, so dass er liegt! Das ist eine etwas hartere Methode und nicht ganz einfach, weil man schnell sein muss. Du sollst deinen Hund aber nicht zu Boden schlagen!!!!!! Nur schubsen, das wird er sich dann beim nächsten Mal überlegen, ob er nicht doch lieber von selbst das Platz macht, weil das ist natürlich angenehmer!
Zu deinen anderen Problemen kann ich nur sagen, dass du mal überprüfen solltest, ob du in der Rangordnung über deinem Hund stehst oder ob ihr ein DEMOKRATISCHES :D Verhältnis habt!!!!

Juliane

Ilona
15.12.2002, 14:34
Liebe Lenajanice,

ich würd auch, wie von Juliane vorgeschlagen wurde, prüfen, ob ihr ein "demokratisches" Verhältnis zuhause habt. Das nämlich versteht ein Hund ganz und gar nicht. Die Rangfolge muss in jedem Fall klar sein. Ist sie das Deiner Meinung nach und Hund hört zuhause zu nahezu 100 % (und nicht nur, wenn er will), kannst Du draußen üben. Bedenke aber immer: Leckerchen sind schön und gut. Bekommt Hund zuviel davon, wird sein Verhalten früher oder später schlechter.
Du solltest also darauf achten, dass Hund Leckerchen in Übungssituationen, in denen Du zu fast 100 % sicher sein kannst, dass er sie ausführt, langsam abbaust. Gib ihm 4x ein Leckerchen für Gehorsam, einmal keins. Übe weiter, gib ihm sofort ein Leckerchen, dann wieder eins, dann keins. Gestalte das Leckerchengeben nach dem Lottoprinzip (Hund soll nie wissen, wann er ein Leckerchen bekommt.. Hat er mal nicht gehört, weil er keins bekommen hat, übe nochmal dieselbe Übung. Hört er, bekommt er eins, hört er nicht, die Übung gleich noch einmal, danach gibt es einen Superjackpot. (was ganz, ganz, ganz besonderes. So lernt er allmählich, dass es nicht jedesmal was gibt und Du behältst die Oberhand. Versuche also zunächst, die Leckerchen allmählich wegzulassen, wenn Hund 100 %ig hört. Aber ganz ganz langsam. Dann übst Du weiter mit vielen Leckerchen in Situationen, wo Du weißt, dass Hund noch nicht 100 %ig hört. Klappt es immer besser, läßt Du auch hier allmählich die Leckerchen weg.
Und das Üben des Abrufens mit Ablenkung ist so eine Sache für sich. Ich würd hier immer mit einer Schleppleine arbeiten. Erst 10 m, dann 20 m usw. Hört Hund auf das Komm, auch wenn ein anderer Rüde in der Nähe ist, verlängere ich die Distanz. Ich würde es nicht darauf ankommen lassen, dass Hund ein Signal ignorieren kann. Leine, Hund sieht eine Ablenkung, Ruf "...,komm". Hört er nicht, wird die Richtung gewechselt und sobald sich die Leine lockert und Hund folgt, wird gelobt ohne Ende. Das Üben ist nervenaufreibend, bleibt aber nicht ohne Erfolg. Benji und ich üben nun schon ein Jahr und ich habe immer noch nicht die 100 %ige Gewißheit, dass er auf Entfernung hört. Aber ich sehe auch Fortschritte. Ich gestatte ihm lediglich nicht, seinen Kopf durchzusetzen und dahin zu gelangen, wo er grad hin will.
Das Problem ist immer dasselbe. Hab ich Hund zuviel mit Leckerchen gefüttert und den Zeitpunkt verpaßt, die Leckerchen auch mal wegzulassen, verschlechtert sich automatisch das Verhalten. So auch bei uns: Benji konnte so gut bei Fuß über die Straße laufen. Da ich ihn aber jedesmal belohnt habe, wurde das Fußlaufen plötzlich schlechter, er ging weit weg von mir und in einer ihm genehmen Geschwindigkeit. Ich hab dann plötzlich Hindernisse eingebaut, bin nicht mehr nur gerade aus gelaufen, sonder um parkende Autos herum, mal langsamer, mal schneller, so dass er nicht wußte, was auf ihn zukommt. Und Leckerchen gab es nur noch, wenn er das bei Fuß laufen ohne Korrektur geschafft hat. Jetzt klappt es wieder wundervoll und ich kann stolz sein auf meinen Benji und auf mich.
Also, Vorsicht mit zu vielen Leckerchen!!!

Liebe Grüße, Illi, die hofft, sich verständlich ausgedrückt zu haben:)

lenajanice
15.12.2002, 23:30
hallo und erstmal danke für eure mühe, so ausführliche zu antworten!

@anna:
es tut doch gut, wenn man hört, dass auch andere solche probleme haben. ich erlebe sonst nur, dass die leute mit dem "finger schnippen" und ihre hunde sind gleich bei ihnen oder entfernen sich gar nicht erst von ihnen.
das mit der schleppleine wurde mir jetzt schon von verschiedenen seiten empfohlen und ich werde das jetzt ausprobieren.

@juliane:
das mit dem an der leine runterziehen habe ich schon 2x gemacht, wenn´s gar nicht anders ging, war mir aber nicht sicher, ob das eine angemessene methode ist. aber dann kann ich das ja machen und hoffe, das er dann bald kapiert, dass er in der situation platz machen muss. das komische ist ja, dass er immer in genau diesem moment so rumbockt. das mit dem umschubsen wurde mir auch schon geraten, aber ich traue mir das nicht zu. wahrscheinlich remple ich ihn zu sanft an und er belächelt mich.... außerdem haben wir hier fliesen, auf denen er sich sowieso sehr unsicher bewegt, ich glaube, das wäre zu rabiat. aber das mit leine scheint mir ok zu sein.

und @illi:
wegen der rangordnung habt ihr sicher recht, da könnte es durchaus sein, dass er im moment probiert, hier mal aufzusteigen, denn wir haben seit 9 wochen einen welpen und seitdem ist vieles mit dem großen schwieriger geworden.
er hört hier drinnen sonst supergut, läßt sich z.b. mit einem fingerzeig wegschicken (ab).
tja, illi, mit den leckerlis habe ich wohl unwissentlich mist gemacht. denn seit der kleine da ist, der natürlich noch für alles ein leckerli bekommt, bekommt der große auch immer eines. z. b., wenn der kleine im garten war, um zu pieschen, bekommt er ein leckeli, wenn er auf ruf hereinkommt. der große liegt dann schon bereit und bekommt auch eines, damit er nicht eifersüchtig wird. aber das ist wohl großer blödsinn gewesen, denn er kriegt dann eines for nothing. und ansonsten ja auch für jede selbstverständlichkeit.
da werde ich mal ganz schnell was ändern und hoffe, es wirkt.

ich habe eine 5m schleppleine und werde das jetzt mal ausprobieren. ich hoffe, sie ist nicht zu kurz, werde ich sehen. sonst muss ich eine längere besorgen.

liebe grüße

lenajanice

irene
16.12.2002, 12:34
Hallo Lena,

ich denke dein Flynn ist eigensinnig, da er unabhängig ist. So ist meine Erfahrung generell bei TH- und Pflegehunden. Sie hatten schon ein Herrchen oder auch mehrere, werden manchmal eine zeitlang hin und her geschoben zwischen verschiedenen "Pflegepersonal" und lernen so, sich nicht mehr hundert prozentig auf jemanden zu verlassen, so kenne ich das und ich habe den Eindruck, dass das auch bei Flynn der Fall ist. Er hat dich noch nicht völlig als A-Wolf akzeptiert und deshalb befolgt er Befehle nur, wenn er etwas dafür bekommt. Eigentlich hättest du ihn garnicht mit Lerckerlies erziehen müssen, denn wie du schreibst war er wahrscheinlich gut erzogen (wenn auch mit den falschen Methoden), er kennt die Befehle also und müsste sie ausführen, weil du der Rudelführer bist und es so willst.
Typisch ist, dass er nur "Platz" macht, wenn er es will. "Platz" hat mit Unterwürfigkeit zu tun, die er nicht jederzeit bereit ist zu zeigen. Unser alter TH-Hund macht generell nicht Platz, er tut einfach so, als ob er mich nicht versteht. Da er ein kleines Hundchen ist, der nie irgendwelchen Ärger macht, hab ich mir nicht die Mühe gemacht, es durch zu setzten und ihm einen gewissen Grad an Unabhänigkeit gelassen. Wer mit acht Jahren sein Herrchen verliert, dann verschiedenes Pflegepersonal durch mach und dann das TH, hat in meinen Augen Nachsicht verdient.
Jetzt ist dein Flynn aber noch nicht so alt und ein großer Hund nachdazu, da würde ich dir raten, dass du zunächst zu Hause gewisse Dinge übst, die dich zum Chef machen. Lass ihn niemals zu erst aus der Tür, oder die Treppe hinauf, lass ihn einwenig auf sein Futter warten, frühstücke du zuerst, wenn er normalerweise morgens etwas bekommt, oder iss abends etwas, wenn seine Fütter-Zeit ist, gib ihm nichts ab vom Tisch, während du isst und solche Dinge. Wenn der dich als Alpha akzeptiert, hat er überhaut kein Probelm damit, zu warten bis du fertig bist. Laß ihn zunächst "Sitz!Bleib!" machen, wenn es mit "Platz" noch nicht funktioniert, eben wenn du aus der Türe gehst oder die Treppe hinauf oder einfach zwischen drinn, nur weil du es willst, oder weil du deinen Kleinen in Ruhe streicheln willst,und das alles ganz ohne Lerkerlies, werd ruhig mal sauer mit ihm und "bell" ihn laut an. Er merkt genau, dass deine Aufmerksamkeit durch den Welpen nachgelassen hat und vielleicht wird er dadurch ermuntert, seine Unabhänigkeit weiter auszubauen, deshalb musst du da jetzt ein wenig aufpassen, damit du weiterhin viel Spaß mit deinen Hunden hast!!

Grüße

Irene mit altem und jungen TH-Hund

PS: lass dich nur nicht von Leuten beeindrucken, die KEINEN TH-Hund haben oder einen TH-Welpen!

Cockerfreundin
16.12.2002, 18:51
Hallo, Lena!

Zitat
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mit den leckerlis habe ich wohl unwissentlich mist gemacht. denn seit der kleine da ist, der natürlich noch für alles ein leckerli bekommt, bekommt der große auch immer eines. z. b., wenn der kleine im garten war, um zu pieschen, bekommt er ein leckeli, wenn er auf ruf hereinkommt. der große liegt dann schon bereit und bekommt auch eines, damit er nicht eifersüchtig wird.
_______

Ob *Mist gemacht*, kann ich nicht beurteilen, aber Du hast in jedem Fall (unwissentlich?) dazu beigetragen, dass Dein *Großer* in eine Konkurrenzsituation zu dem *Kleinen* kommt und damit auch wieder auf eine Stufe mit dem welpen.

Er IST aber der Große/ der Ältere und könnte eigentlich als Euer Helfer bei der Erziehung des Kleinen (in Maßen ;) ) schon mithelfen. Das geht aber nicht, wen er quasi wieder auf Welpenniveau *herabgestuft* wird und sich damit seiner stellung im Rudel ja auch wieder unsicher wird.

Also - mach Dich als Oberboss nicht kleiner als DU bist und lass Deinen Großen der große sein dürfe, ohne Dir die Erziehung aus der Hand nehmen zu lassen!

Viele Grüße von
Annette + Basti :)

lenajanice
16.12.2002, 22:59
Hallo irene,

vielen dank für deinen beitrag. ich denke auch, dass es ein riesenunterschied ist, ob man einen tierheimhund, von dem man so gar nichts weiß, oder einen welpen, den man via internet und persönlicher besuche quasi vom tag der geburt an kennt. beim großen bin ich immer noch auf entdeckungsreise, den kleinen kenne ich schon viel besser. du weißt sicher, was ich damit meine.
diese unterordnungsgeschichte hier im haus haben wir schon lange eingeführt. er ordnet sich auch problemlos unter. er geht nach uns durch die tür, es sei denn, ich erlaube ihm rauszurennen. er frisst nach uns. betteln ist nicht erlaubt, auch sonst hat keinerlei privilegien, darf nie aufs sofa usw. Ich kann ihm sein futter wegnehmen, allerdings ist es mir letztens nicht gelungen, ihm ein stück büffelhaut, das er dem kleinen geklaut hatte, zu nehmen (war ja seine beute, sein vorrecht als ranghöherer - ich weiß- , aber er verträgt davon nun mal nicht solche mengen und hat prompt eine üble magenverstimmung davongetragen)
d.h., hier ist nichts mehr zu machen (?). aber hier drinnen ist er ja auch eingesperrt, weiß, dass wir ihn erreichen (körperlich). im garten sieht das schon wieder anders aus. Er ist ein hund, der sich sehr schnell erregt (er geht hoch wie ein hengst und bellt, was das zeug hält), wenn er das bellen des hundes von gegenüber hört oder andere rüden am zaun entlang gehen. er weiß auch, dass wir das nicht wollen (er hört nicht wieder auf!!!!). hier drinnen, reicht es - je nach entfernung zum hund - ihm das kommando "still" zu geben bzw. laut seinen namen zu "brüllen" und er ist ruhig. draussen rennt er in die hinterste ecke des gartens, wo ich gar nicht so schnell hinkomme, und er bellt und bellt und bellt (bis ich dann da bin, wobei er natürlich versucht, mir zu entwischen).
mir fällt jetzt gerade selber was auf. in der geschilderten situation oder auch draussen, weiß er genau um meine einflußmöglichkeiten. und bei dem "platz" hier drinnen erahnt er sie sicher, denn ich traue mich z. b. gar nicht wirklich, ihn am nacken herunterzudrücken. ich habe es versucht und er bot mir widerstand und da habe ich aufgegeben bzw. in dem moment die leine ans halsband gemacht und ihn damit runtergedrückt.
spürt er doch sicherlich, dass ich da "schwach" bin. wobei, na ja, hartnäckig bin ich ja, ich gebe ihm diesen befehl solange, bis er ihn ausführt. und irgendwann tut er es immer. also ringt er zwar mit mir, aber letztlich akzeptiert er mich dann doch oder nicht?

heute habe ich ihn das erste Mal mit der schleppleine draussen gehabt und ich hatte den eindruck, dass ihn das zutiefst verunsichert hat. aber prompt kam eine situation, in der er sonst auf und davon wäre, um sich fürchterlich aufzuregen (er rennt dann wirklich weit weg) und ich konnte ihn stoppen. war zumindest für mich ein gutes gefühl ;-)

@ anett: ja, das war wirklich unwissentlich, denn gerade konkurrenz wollte ich doch mit der gleichbehandlung vermeiden.
er erzieht ihn schon mit, hat den kleinen letztens richtig angeknurt, als der aufs sofa wollte.aber er ist ein superlieber, sanfter erzieher.

vielen dank für eure antworten, falls euch nun noch was einfällt, ich bin dankbar für jeden tipp.

liebe grüße

lenajanice

canelupino
18.12.2002, 17:09
@ ilona:

toller beitrag! sollte es in diesem forum unüblich sein sowas wie ich jetzt zu posten: ich mein das ernst! zu dem was du sagst ist nichts mehr hinzuzufügen.

nochwas zum thema tierheim hund:

logisch "kauft" man sich da die katze im sack, aber letztendlich bleibt hund immer noch hund.

canelupino