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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angst vor Fremde



gitti
04.12.2002, 14:20
Hallo,

ich hoffe es kann mir jemand bei meinem Problem mit meiner 11 Mon. alten Hündin helfen.

Folgende Situation wenn wir spazieren gehen und wir treffen Menschen auf der Straße dann ist meine Hündin immer total aufgeregt stellt vorsichtshalber schon mal ein bisschen die Haare auf und schnauft total aufgeregt stellt die Ohren hoch und ist sichtlich angespannt, ich muß dazu sagen wir wohnen in einem kleinen Dorf wo wir nur wenig Menschen treffen, da ich aber diesen Zustand ändern möchte wollte ich jetzt mit gezielten Training versuchen ihr ein ruhiges und lockeres Verhalten beizubringen.
Wie gehe ich aber am besten vor, soll ich erst mal in kleinen Schritten anfangen wo wir nur Menschen von größerer Entfernung sehen und dann die Distanz verkürzen oder soll ich lieber gleich täglich in die Stadt fahren und dort üben mit viel Leckerlis.

Ich muß noch hinzufügen das sie nie schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hat auch waren wir in der Welpenschule wo viele Sachen auch fremde Menschen geübt wurde und wir sind mit ihr als Welpe auch in die Stadt gefahren und in Geschäfte damit sie das alles kennen lernt, damals war sie eher neugierig und nie ängstlich, sie ist aber eher ein zurückhaltender Typ auch wenn wir besuch bekommen und von Fremde würde sie sich nie so anfassen lassen.

Ich hoffe es kann mir jemand weiter helfen, danke schon mal im vorraus.

Gruß Gitti

Ilona
04.12.2002, 15:37
Hallo liebe Gitti,

ich würd mit der Hündin erst einmal nicht so starke Herausforderungen wie Stadt üben, sondern langsam anfangen. Wenn Euch Leute entgegen kommen und Du merkst, dass Deine Hündin aufgeregt wird, läufst Du nicht mehr direkt auf die Leute zu, sondern gehst, die Hündin auf der dem fremden Menschen abgewandten Seite einen Bogen so groß wie möglich um den Menschen herum. Siehst Du dabei, dass Deine Hündin relativ entspannt ist, lobst Du sie tüchtig.
Ich hab das mit Benji noch ein wenig anders gemacht: Immer, wenn ein Mensch an uns vorbeigelaufen, ein Fahrrad an uns vorbei gefahren ist, gab es ein Leckerchen. Ich hab ihm so beigebracht, sich nur auf mich zu konzentrieren und die vorbeigehenden Leute ziehen zu lassen und zu ignorieren. Allmählich beginnt er jetzt schon von sich aus, mich anzuschauen, wenn er in der Ferne einen Menschen kommen sieht. Und genau das ist es, was ich erreichen wollte. Denn ich brauche im Dunkeln nun wirklich keinen Hund, der von sich aus eine daherkommende finstere Gestalt gleich anspringt oder gar vor Angst beißt. Dann hieße es gleich wieder: Jaja, die Rottweiler sind eben doch Kampfhunde!

Das oben geschriebene wäre Phase eins.

Phase zwei sollte sein, den Hund auch mal einem Konflikt auszusetzen, indem man ihn mit (unbekannten) Menschen direkt konfroniert. Das heißt, Hund soll lernen, gelassen und locker zu bleiben, sobald Du Dich zum Beispiel mit einem fremden Menschen unterhältst.
Vielleicht kannst Du Leute überreden, mal zu helfen? Zum Beispiel könntest Du jemanden, mit dem Du Dich vorher abgesprochen hast, bitten, Euch entgegen zu kommen. Seid Ihr auf gleicher Höhe, bleibt Ihr in einiger Entfernung voneinander stehen und Ihr gähnt mal ganz herzhaft. Für den Hund ist Gähnen ein beschwichtigendes Signal. Gähnt Frauchen, kann die Situation nicht wirklich bedrohlich sein. Und gähnt dann auch noch der Fremde, so will er nix Böses. Der Fremde schaut den Hund nicht an sondern stellt sich so, dass er seine eine Körperseite zum Hund wendet. Vielleicht kann er ja was ganz leckeres in der Hand halten dabei (was Du ihm natürlich vorher gegeben hast). Ihr unterhaltet Euch entspannt und Du beobachtest Deinen Hund aus den Augenwinkeln. Bleibt er ruhig und geht er gar auf den Fremden zu, kann dieser sofort ein Leckerchen neben den Hund fallen lassen. Wenn Hund das Leckerchen genommen hat, verabschiedet Ihr Euch und Du lobst Deinen Hund wie doll und verrückt.

Phase drei wäre dann die Stadt. Oder Du gehst zu verschiedenen Tageszeiten in die Stadt: mal, wenn es noch fast ganz leer ist, dann wenn es voller ist usw. Das geht natürlich auch und übst so ähnlich, wie Du es in Deinem Dorf getan hättest.

Denk auch dran, ihre Unsicherheit niemals durch Einreden auf den Hund zu bestärken. Das kann genau den gegenteiligen Effekt haben. Auch eine beruhigende Stimme kann die Angst oder Unsicherheit schüren, denn Hund versteht nicht, was wir sagen, sondern hört, wie wir was sagen. Ich tröste: "Ist ja gut, du hast Angst, ich weiß. Gleich ist der Mensch wieder weg, dann geht es Dir besser". Hund ist verkrampft, ängstlich, unsicher und wird für dieses Verhalten belohnt, weil ich hab ja mit lieblicher Stimme gesprochen, er denkt also, wie er sich benimmt, so ist es ok.
Ich habe immer versucht, betont locker zu laufen, den Hund vom Objekt der Begierde abzulenken und ihn zu loben, wenn das Objekt vorbei war. Es hat ne Weile gedauert, aber nun haben wir es fast geschafft. Im Dunkeln lauern nur noch wirklich minimale Gefahren - in Benjis Augen:)
Und wer weiß, vielleicht helfen auch Dir die Erfahrungen ein Stück weiter, auch, wenn es nicht unbedingt dunkel sein muss beim Üben.

Liebe Grüße, Illi

gitti
04.12.2002, 21:07
Hallo Ilona,

vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht, ich werde morgen gleich mal anfangen so wie du es beschrieben hast und Schritt für Schritt vorgehen.
Gruß Brigitte

Ilona
04.12.2002, 22:33
Liebe Brigitte,

ich hoffe, dass Dir meine Ideen oder Erfahrungen ein wenig weiter helfen. Vielleicht berichtest Du mal, wie es so voran geht bei Euch?

Sei lieb gegrüßt und toi toi toi,

Illi und Benji