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Cindimoa
14.10.2007, 15:17
Hallo liebe Foris,

ich bin mit meinen Hunden wirklich sehr zufrieden und sie machen mir viel Freude.

Die Erziehung bei den Grundkommandos sind wirklich super und da klappt alles.

Sie gehen beide z.B. perfekt bei Fuß. Wunderbar. Es macht sehr viel Spaß mit den Beiden zu arbeiten.

Was ich leider überhaupt nicht in den Griff kriege ist das Bellen speziell am Gartenzaun.

Im Haus schlagen sie nur kurz an wenn es klingelt. Besucher werden nicht angebellt. Wir haben uns immer leise verhalten wenn es geklingelt hat und Besucher kamen. Das hat alles wunderbar geklappt.

Aber

am Gartenzaun wird jedem Hund hinterhergebellt bis er ausser Sichtweite ist.

In unserer Wohnsiedlung gibt es viele Hunde und wenn ich mich mal mit jemanden Unterhalten möchte kann ich mein eigenes Wort nicht verstehen weil die Beiden so kläffen. ...und sie hören nicht auf. Ignorieren bringt leider keinen Erfolg.

Speziell Karnello ist fast hysterisch, nein, er IST hysterisch...er will unbedingt zu jedem Hund, und er wurde schon 2 mal gebissen. Scheint ihn nicht die Bohne zu interessieren dass der andere das gar nicht möchte.
Er will immer spielen und es ist ihm egal ob der andere das nicht möchte oder sagen wir es mal so er versteht nicht das andere Hunde Ihre Ruhe haben möchten.


Wer hat hat einen guten Tipp für mich? Was mache falsch? Wie kann ich das ändern? Gibt es Erziehungshilfen die auch sinnvoll sind?

zipfelhut
14.10.2007, 17:16
Mein Tip ist sehr pragmatisch - auch wenn er das Problem nicht an der Wurzel packt: Verwehre zuallererst Deinem Hund, sich an der Bellerei aufgeilen zu können! Wieso bekommt er die Möglichkeit dazu? Leine dran und zur Ruhe bringen, wenn ein anderer Hund in Sichtweite kommt - also gezielt die Abrufbarkeit im Garten trainieren.
Das ganze ist Territorialverhalten, Du solltest den Hunden mit dem Zurückbringen hinter die "Front", also hinter eine gedachte Horizontlinie, die Du darstellst, eineindeutig klarmachen, daß es DEIN Job ist, sich ums Territorium zu kümmern, nicht ihrer. Bitte verwende um Himmels Willen keine Hilfsmittel wie Rappeldosen, Sprühhalsbänder oder dergleichen. Zunächst an der kurzen Leine in den Garten gehen, kommt ein anderer Hund forderst Du von deinem Kläffer eine Leistung ab wie z. B. Hinsetzen. Im nächsten Schritt machst Du Anrufübungen an der langen Leine, bis das klappt. Und Du solltest wie gesagt den Hunden ab sofort jede Möglichkeit verwehren, weiter so ein Theater am Zaun zu machen.

Cindimoa
14.10.2007, 19:58
Hallo Zipfelhut,

danke für Deine Antwort!:bl:

Also bislang habe ich die Beiden immer reingeschickt. Ist natürlich keine tolle Lösung gewesen aber so klingeln die Ohren nicht mehr;)


Ja, die Beiden geilen sich wirklich total daran auf. Steigern sich total rein.

Ich habe das Gefühl dass Karnello den Hund nicht verbellt...also wegjagen will, sondern im Gegenteil...das Bellen klingt manchmal richtig jämmerlich...fast ein jaulen. Ich glaube er möchte dass der Hund kommt.
Ist das dann trotzdem Territorialverhalten?


Also an die Leine nehmen und absitzen lassen. Ok, dann mach ich das so. Bin gespannt wie er darauf reagiert. Dann besser mit Beiden separat üben oder?


Bei Karnello hab ich manchmal das Gefühl das sich dann das Hirn ausklinkt! Null Konzentration auf mich wenn er andere Hunde sieht. Bin sehr ratlos deswegen.

Nach vielen Übungsstunden draußen lenken andere Dinge nicht mehr ab. Aber Hundebegegnungen.

Das habe ich mir schon fast gedacht dass diese Hilfsmittel nicht wirklich sinnvoll sind.



Andere Hunde ignorieren ist für uns noch ein Problem. Wenn wir Abends spazieren gehen dann treffen wir meistens unsere Nachbarshündin Leica.
Abends gehen wir immer ohne Leine. Ich rufe die Beiden ab und sie gehen dann bei Fuß. Leica sitzt ab und wartet. Die Hunde kennen und verstehen sich sehr gut. Es ist eine gute Übung. Bei Leica klappt das gut. Bei anderen Hunden leider noch nicht. Ich dachte eigentlich dass der Karnello seitdem er letztens von einem Beagel gebissen wurde, merkt dass ihn nicht jeder Hund mag. Aber das juckt ihn gar nicht!

Es war nicht seine Schuld, denn meine Hunde waren Beide an der Leine. Der Beagel war frei und der Halter in weiter ferne rufend: Der tut nix!:rolleyes:

zipfelhut
14.10.2007, 23:58
Dieses heftige Drängen nach den anderen Hunden, das für Dich paradox anmutet, werte ich als aktives Beschwichtigungsverhalten - eben weil er mal gezwickt wurde. Vermutlich versucht er nun verzweifelt, um schönes Wetter zu bitten, sobald er einen anderen Hund sieht... (Beim Gassigehen).

Wie alt ist denn Karnello? Und wie ist seine Aufzucht verlaufen? Hast Du ihn von kleinauf?
Und wie ist seine Sozialisation verlaufen? Wie oft hat er die Möglichkeit, mit anderen Hunden frei (also ohne Leine) umgehen zu können? Das zu wissen würde helfen, das Bild von Deinem Hund etwas zu vervollständigen.

Wenn er andere Hunde wirklich nur am Gartenzaun ankläfft und sonst nicht, denke ich, daß da schon ein Territorialfaktor zu Buche schlägt, manchmal können Hunde dann über sich selbst hinauswachsen...Aber erzähl mal ruhig noch ein bißchen mehr...:)

Cindimoa
15.10.2007, 01:17
Hallo Zipfelhut,

ok, dann erzähle ich mal. Also erstmal Karnello ist 3 Jahre und Sam 2.

Also wir haben Karnello von kleinauf. Er war in der Junghundgruppe und später auch in der Grundausbildung. Wir haben aber dann später überwiegend alleine geübt da es leider keine Gruppe für Kleinhunde gab.
Als Karnello 1 Jahr alt war haben wir Sam dazu bekommen. Die Beiden verstehen sich sehr gut. Sie verstehen sich mit allen anderen Hunden. Nur die nicht immer mit Unseren. Die letzte Begegnung mit dem Beagel war wirklich eine schlimme Erfahrung die aber GSD gut ausgegangen ist.

Karnello freut sich immer wenn wir Hunde treffen. Er freut sich sowieso immer so sehr. Auch wenn wir Besuch kriegen. Muss sich dann durch die Beine quetschen und bellt dann auch schonmal kurz. Will jeden abschlecken!


Wenn wir erwachsene Rüden treffen dann werden unsere fast immer angegiftet und wenn wir mal das Glück haben und einen jungen Hund treffen dann spielen sie schön. Hündinnen will Karnello aber immer sofort besteigen, was widerum dann wieder dazu führt das diese giftig reagiert weil sie das eben nicht möchte.

Hundebegegnungen

Ein kleines Beispiel:

Wir waren im letzten Jahr auf einen Maltesertreffen. Erst waren wir gemeinsam mit ca 15 Maltesern in einem Restaurant essen...und obwohl wir vorher noch nie in einem Lokal mit den Hunden waren haben sie sich sehr gut verhalten. Allerdings wurden unsere Hunde mal wieder von allen Rüden angegiftet. Später haben wir dann im Hotel zusammen in einem Aufenthaltsraum gesessen und uns unterhalten. Es waren 3 Rüden und 1 Hündin und unsere beiden Rüden mit im Raum. Karnello und Sam waren die Einzigsten Hunde, die sich dort frei bewegen konnten weil sie sich gut benommen haben. Sie sind nie agressiv anderen Hunden gegenüber. Sie wollen immer spielen. 2 Rüden und die Hündin waren auf dem Schoß die 2 Rüden haben jedes Mal geknurrt wenn Sam oder Karnello hingegangen sind und der 3. Rüde war ängstlich und traute kaum sich zu bewegen. Er hat Sam gebissen. Der auf den Schoß sitzende Rüde hat als Karnello mal hochschnuppern wollte geknurrt und dann seine Halterin gebissen (ausversehen) HUCH!

Ich war nach dem Treffen doch recht enttäuscht! Ich hatte es mir ganz anders vorgestellt. Ich dachte alle Hunde könnten zusammen spielen. Ich fand es vor allem schade für unsere Beiden.


Nochmal zum Gartenzaun. Die Hunde die bei uns täglich am Grundstück vorbei laufen kennen Karnello und Sam. Natürlich spielen sie auch ab und zu zusammen. Man trifft sich ja zwischenzeitlich mal und dann spielen sie. Es sind alles Hündinnen. Auch unser direkter Nachbar hat eine große Hündin. Die Leica! Sehr liebes Tier.

Also es sind keine fremden Hunde, so dass Karnello sich jetzt davor fürchten müßte.
Er wil auch die große Leica und auch die Huskyhündinnen (Nachbarn) immer besteigen....ist schon witzig ...er ist doch so klein...ganze 25 cm ;)

Da die Hunde sich von Welpenalter her kennen gibt es da aber nie Streit zwischen den Hunden.

Wir haben in unserer Strasse 6 Hündinnen.

Ich selber habe das Gefühl als wenn Karnello extrem vom Trieb gesteuert ist. Ich habe auch das Gefühl das er darunter leidet. Er hat immer das Gefühl was zu verpassen. Ich weiß es eben auch nicht. Ich habe mit meiner Züchterin schon darüber gesprochen. Sie meint auch das es daran liegt.

Aber deswegen kastrieren? oder Hormonspritze? Zumal ich ja nicht mal weiß ob es wirklich daran liegt. Ich möchte natürlich erstmal wissen ob es das wirklich ist und ob ich das Verhalten nicht auch ohne OP oder dergleichen abstellen kann.

Wenn die Hündinnen läufig sind dreht er immer total am Rad!

Sam ist vom Typ her anders. Aber zieht schon in die gleiche Richtung. Er läßt sich von Karnello anstecken.

Uii...jetzt hab ich aber viel geschrieben....

Cindimoa
15.10.2007, 01:29
achso und noch was...wenn Karnello die Stimme des Halters von den Huskyhündinnen oder unserem direkten Nachbarn von der Leica hört dann will er sofort nach Draußen um wie üblich am Gartenzaun zu bellen.

Er steht dann winselnt vor der Terassentür und manchmal bebt er richtig. Sam natürlich immer hinterher.

zipfelhut
15.10.2007, 01:57
Okay, das war ja ein umfassender Bericht :D

Du wirst lachen, aber während des Lesens ging mein Gedanke auch in Richtung Kastration...die ich hier gar nicht so unangemessen fände...
Offenbar ist er wirklich sehr hormongesteuert und "Sklave" seiner Trieblagen.
Bevor wir nun aber die Keule auspacken, würde ich Dir raten, erstmal den Tierarzt zu konsultieren. Mit Sicherheit gibt es auch eine medikamentöse Variante, den Hormonhaushalt des Hundes zu regulieren. Vielleicht auch ergänzend/alternativ mit Bachblüten? In der Naturheilkunde bin ich allerdings nicht so sattelfest, da können Dir andere Foris mehr erzählen...

Ein weiterer Faktor, der "prägungstechnisch" zu Buche schlagen dürfte, ist die Tatsache, daß Karnello als junger Hund umfangreich Gelegenheit zu Sozialbegegnungen hatte und dies nun nicht mehr so recht möglich ist. Dieser Triebstau birgt ein nicht unerhebliches Frustrationspotential für den Hund. Das in Welpentagen geweckte, gewachsene und forcierte Bedürfnis nach Sozialkontakten findet nun plötzlich kein Ventil mehr - das ist für den Hund nur schwer zu verstehen und hinzunehmen.
Ein Hund, der im Welpenalter nur wenige Kontakte zu anderen Hunden hatte wächst freilich nicht unproblematisch auf, jedoch wird sein Bedürfnis nach Sozialbegegnungen eben auch nie so umfassend sein - und damit leidet dieser Hund bedeutend weniger als Karnello. (Selbstverständlich ist dies kein Appell für reizarme Aufzucht...!) Es ist unheimlich schwer, das Gleichgewicht zwischen zuviel und zuwenig Sozialkontakten für ein Hundekind herauszufinden, weil die Persönlichkeit des Hundes ja die entscheidende Grundlage für sein Sozialverhalten darstellt...
Mein Tip wäre also wirklich erst einmal den Doc dazu zu befragen - und vielleicht kann ja noch jemand noch von Erfahrungen mit der Bachblütentherapie berichten.

Cindimoa
15.10.2007, 11:09
Hallo Zipfelhut,

das beruhigt mich jetzt ungemein dass Du auch denkst dass das mit eins seiner Probleme ist und nicht etwas anderes.
Leider hat er wirklich wenig Kontakt zu anderen Hunden mit denen er einfach mal frei spielen kann.
Ein großes Problem ist einfach auch die Körpergröße. Alle anderen Hunde sind viel größer. Die Leica ist 3 mal so groß wie er. Sie spielen zwar zusammen, aber die großen Pranken von Leica sind schon eine potenzielle Gefahr für den zarten Kerl und es kam auch schon zu einer Augenverletzung. Das war natürlich keine Absicht; tat aber trotzdem weh.


Vielleicht ist der Hormonhaushalt ja irgendwie in den Griff zu kriegen.

Ich habe letztens gelesen, dass Rüden die einen starken Trieb haben und erst spät kastriert werden Ihr Verhalten nach der Kastration nicht unbedingt ablegen. (weil zu spät gemacht)

Ja, genau so empfinde ich das auch. Er hat FRUST. Richtigen Frust. Ich kann mich zwar mit ihm beschäftigen und mit ihm arbeiten und spielen, aber ich kann eben keinen Hund ersetzen.

Ich werde jetzt auch nicht mehr zögern sondern heute noch einen Termin machen beim TA.
Werde natürlich berichten was weiter passiert.

Ich danke Dir!

Ich werde trotzdem an der Leine im Garten mit Beiden üben. Denn das Problem bleibt ja bestehen.

Cindimoa
15.10.2007, 11:22
Meinst Du es würde ihm helfen wenn ich wieder zur Huschu gehe und mit ihm die Prüfung ablege?
Sie haben mittlerweile nämlich eine Gruppe für Kleinhunde.
Allerdings würde er dann wieder Gefahrlaufen wenn er die Hundedamen besteigen will wieder angegiftet zu werden. und von den Rüden angeknurrt.

Dann wäre er wieder gefrustet oder?

Er sucht den Kontakt zu anderen Hunden und wird immer wieder angegiftet. Er tut mir wirklich leid.

Cindimoa
15.10.2007, 12:10
Da hätte ich doch noch mal eine Frage :)

Warum verstehen sich erwachsene Rüden nicht?
Ist das bei unseren nur Zufall das sie sich mit anderen verstehen, ja sogar gerne mit Ihnen Kontakt hätten?

Ich habe gelesen, dass es ein Rangproblem ist. Stimmt das?

Ist es vielleicht auch vererbt oder anerzogen? schlecht sozialisiert?

Ich wüßte gerne mehr darüber, denn bislang rege ich mich über agressive Rüden immer nur auf und schiebe den Halter das in die Schuhe. Vielleicht ja von mir einfach voreingenommen und unwissend, denn Karnello und Sam sind ja nunmal meine ersten Hunde.

Die Rangordnung steht bei uns immer an erster Stelle. Damit meine ich speziell auch die Kleinigkeiten die gerne manche Halter durchgehen lassen wie z.B. das Vordrängeln an Engpässen oder das Liegen auf erhöhten Sitzplätzen ect.
Darauf achte ich ganz haargenau!

zipfelhut
15.10.2007, 13:49
Hallo Zipfelhut,

das beruhigt mich jetzt ungemein dass Du auch denkst dass das mit eins seiner Probleme ist und nicht etwas anderes.
Leider hat er wirklich wenig Kontakt zu anderen Hunden mit denen er einfach mal frei spielen kann.
Ein großes Problem ist einfach auch die Körpergröße. Alle anderen Hunde sind viel größer. Die Leica ist 3 mal so groß wie er. Sie spielen zwar zusammen, aber die großen Pranken von Leica sind schon eine potenzielle Gefahr für den zarten Kerl und es kam auch schon zu einer Augenverletzung. Das war natürlich keine Absicht; tat aber trotzdem weh.


Vielleicht ist der Hormonhaushalt ja irgendwie in den Griff zu kriegen.

Ich habe letztens gelesen, dass Rüden die einen starken Trieb haben und erst spät kastriert werden Ihr Verhalten nach der Kastration nicht unbedingt ablegen. (weil zu spät gemacht)

Ja, genau so empfinde ich das auch. Er hat FRUST. Richtigen Frust. Ich kann mich zwar mit ihm beschäftigen und mit ihm arbeiten und spielen, aber ich kann eben keinen Hund ersetzen.

Ich werde jetzt auch nicht mehr zögern sondern heute noch einen Termin machen beim TA.
Werde natürlich berichten was weiter passiert.

Ich danke Dir!

Ich werde trotzdem an der Leine im Garten mit Beiden üben. Denn das Problem bleibt ja bestehen.


Das alles können wir so stehen lassen, genauso sehe ich das auch.

Zu Deinen Fragen:
Ich würde das mit der Hundeschule durchaus machen, wenn er da die Gelegenheit bekommt, mit anderen spielen zu können, ist das doch eine tolle Sache. Die Gefahr, daß er gemobbt wird ist natürlich so eine Sache:
Es ist als "Kunde" Dein gutes Recht, einzufordern, daß die Hunde nach Temperamenten geordnet spielen. Es kann und darf nicht sein, daß in einer Spielstunde ein Hund penetrant gemobbt wird - wenn das passiert, ist der Trainer nicht verhaltenskundig. Das Aufreiten sollte ja hoffentlich mithilfe des Tierarztes in Bahnen gelenkt werden. Da er ja stets freundlich ist wie Du beschreibst, ist davon auszugehen, daß sein Aufreiten wirklich s.exuell motiviert ist - und dann muß ihm da auch geholfen werden.

Tja, und Aggression unter Rüden ist definitiv ein menschengemachtes Problem. Die Ursachen dafür sind allerdings so vielfältig, daß man damit Bücher füllen könnte...
Aggression dient für die Hunde der heutigen Gesellschaft vorrangig als Konfliktlösungsprogramm, als Werkzeug; mit dem sie zum einen oft nicht richtig umgehen, aber auf der anderen Seite durchaus auch höchst erfolgreich sein können. Mit Aggression kann der Hund über seine Angst hinwegtäuschen, seinem Ärger Luft machen, sich profilieren oder in den Mittelpunkt des Geschehens rücken.
Das objektiv vermehrte Auftreten von "Problemhunden" die aggressiv agieren, läßt sich zu 70% auf ungenügende Sozialisation zurückführen. Auch Frust spielt eine große Rolle. Die Hunde der heutigen Zeit sind in erster Linie geknechtet, oft bekommen sie weder die Möglichkeit, soziale Erfahrungen sammeln zu können, und, was fast noch schlimmer ist, sie finden kaum Ventile für ihre Probleme. Sie haben kaum Freiräume, sind in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und dürfen Artgenossen nahezu gar nicht mehr frei begegnen.
Eine Aufzucht die ebenfalls problematisch sein kann, ist mit einem "zuviel" an Sozialkontakten verbunden. Junge Hunde, die intensiv in den Genuß einer Welpenspielgruppe kamen, fallen mit der Pubertät oft ins "soziale Loch"; dort ist nämlich in aller Regel Schluß mit der Spielerei - in mehrfacher Hinsicht. Zum einen werden ihre Menschen oft ihrer überkieksenden Triebe und dem verstärkten Drang, sich sozial auszuprobieren nicht Herr, so daß der zunehmend "aggresive und gestörte" Hund lieber aus der Spielgruppe entfernt wird - und es werden die sprichwörtlichen "anderen Saiten" aufgezogen.
Zum anderen werden auch kaum Spielgruppen für heranwachsende/ erwachsene Hunde angeboten.
Der junge Hund guckt nun in die Röhre; denn ihm wurde aufgeprägt, daß andere Artgenossen Spaß versprechen und nun hat er aber keine Gelegenheit mehr, diesem geweckten und zum Teil auch geschürten Bedürfnis eine Befriedigung zu verschaffen. Das birgt ein nicht unerhebliches Frustpotential für den Hund und markiert den Anfang einer Spirale, aus der oft nicht mehr herausgefunden wird. Das hab ich Dir ja oben schon mal umrissen.

Sicher ist der Einfluß des Gefüges ("Rangordnung") zwischen Mensch und Hund von Bedeutung; aber eher in der Hinsicht, daß der Mensch ihm oft nicht aus seiner Problemlage heraushilft - weil er sie nicht als solche erkennt. Und auch, weil er den Hund in seinem Verhalten durch Unkenntnis bestärkt.
Rangordnung a la "Wenn der Hund richtig untergeordnet ist, hat er nicht rumzukläffen/-beißen/-..." spielt eine eher bedeutungslose Rolle bei der Betrachtung von Aggressionsverhalten. Und Rangordnung allein kann und wird Aggressionsprobleme nie lösen können, dazu ist die ganze Geschichte eben zu komplex. Ein ungelöstes Problem wird sich bei Deckelung, also einem Verbot des Verhaltens, immer nur verlagern, es verschwindet davon nicht. (Stichwort Autoaggression...)
Das ist sicher Wasser auf die Mühlen derjenigen, die meinen, daß Rangordnung das Maß aller Dinge ist, ich halte es für eine sehr schmalspurige Sichtweise.

Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß dies nicht so ist, mein eigener Hund ist isoliert und reizarm aufgewachsen, die Rangordnung ist eineindeutig geklärt, er folgt mir auf den leistesten Wink - aber wenn er Streß bekommt, reagiert er derart programmatisch, daß man ernste Zweifel bekommen kann, ob da derselbe Hund neben einem steht. Ich lasse es selbstverständlich nicht dazu kommen - und selbstverständlich unterliegt das Werkzeug Aggression bei Streß einem Tabu, aber ich kann und werde das nicht aus dem Hund herausbekommen, weil es eben sein Programm ist, Streß zu begegnen. Es ist zum einen genetisch vordefiniert und zum anderen gewachsen, teils aus Erfahrungen, teils aus Unvermögen, andere Wege beschreiten zu können.
Ein Hund, der sozial stabil ist, hat wortwörtlich keinen Grund, also kein Fundament, um überhaupt Streß beim Anblick von Artgenossen zu empfinden.

Thomas Baumann hat mal ne sehr gute und umfassende Artikelreihe zu diesem Thema in der Zeitschrift "Der Hund" veröffentlicht; sie hieß "Vom Umgang mit Konfliktverhalten".

Cindimoa
15.10.2007, 14:12
Das ist sehr aufschlußreich. Würde mein Karnello lange in diesem Frust bleiben könnte er sich auch komisch entwickeln, oder? auf jeden Fall wäre es nicht gut das er zu lange in dieser Situation ist.

Es ist ja nicht so, dass er jetzt permanent nur "daran" denkt. Wir sind ja auch unterwegs und da gibt es auch immer viel Ablenkung, trotzdem ist das Problem jeden Tag present. Ich kriege ja auch nicht mit wie sehr in das belastet. Womöglich mehr als ich denke.

Ein knurrender Rüde:
Unterbindet man, also verbietet man z.B. das Knurren so stellt man nicht die Empfindung des Hundes ab sondern nur die Lautäußerung. Die Gefühle des Hundes bleiben, richtig?
Sind das dann die Hunde die ohne jegliche Reaktion vorher einfach zuschnappen?

Das hab ich schon selber erlebt.

Wir waren in einem Freizeitpark. Neben uns stand eine Frau mit einem Schäferhund. Er sah recht teilnahmslos und gelangweilt aus. Die Rute war unten, nicht eingeklemmt aber tief.
Naja, auf jeden Fall standen die Beiden eine Weile neben uns und eh ich mich versah schnappte der Schäferhund zu. (Hat aber nicht getroffen)

Er hat nur geschnappt ohne jegliche Regung, keine Mimik. Wußte auch nicht was ich davon halten sollte. Er dann erstarrte er wieder in seine Ausgangsposition.

Was nur in so einem Hund vorgeht.

Cindimoa
15.10.2007, 14:26
Zu der Hundeschule:

Als ich das erste Mal da war habe ich sehr viel Angst um Karnello gehabt. Alle jungen Hunde durften am Anfang der Stunde spielen und zum Schluß nochmal.

Karnello war mit einem anderen Malteser die einzigsten und natürlich auch die kleinsten Hunde in der Runde. Unter anderen war auch ein Wolfhund dabei. Der zwar von der Größe her sehr beeindruckt hat aber einer der liebsten und sanfsten Hunde dort waren. Leider waren viele Roudies dabei die Karnello immer wieder überrannt haben so dass er die ersten 3 Male immer irgendwo zwischen den Beinen der umstehenden Leute Schutz suchte.

Es ist nie etwas passiert. Die Trainerin sagte, sie würde nur dann dazwischen gehen wenn ein Hund extrem respektlos den anderen niedermacht. Ansonsten sollen sie selber ein Gefühl dafür entwickeln.
Ist natürlich ein Kunststück für die großen, denen tut das ja auch nicht weh.:rolleyes:

Die andere Maltibesitzerin ist nach der 2. Std. wortlos vom Platz gegangen und hat mir gleiches geraten.

Aber so schnell wollte ich nicht aufgeben. Also bleib ich.

Ich weiß, dass sie jetzt endlich eine Gruppe für Kleinhunde haben. Das hatten sie zu unserer Zeit leider noch nicht.

Ja, eine Spielstunde für erwachsene Hunde. Das wäre toll.

Ich werde mich dort mal wieder blicken lassen:)

peanutsnorfolks
15.10.2007, 14:29
Ich habe mal eine ganz andere Frage.
Wieviel Haar haben Deine Malteser im Gesicht?
Jetzt nicht lachen.
Manche Rassen sind heutzutage durch ihr angezüchtetes Äußeres für andere Hunde nur schwer einzuschätzen.
Ihre Mimik kann durch entsprechende Behaarung oder rückgezüchtete Vorgesichter etc. schwer bis gar nicht mehr zu deuten sein.

Ich hatte vor etlichen Jahren eine Bouvier-Hündin. die Züchterin hat mir damals erklärt, Bouviers und DSH würden sich nicht miteinander vertragen.
Und so kam es dann auch.
Meine DSH-Hündin hat Chayenne mehrfach gebissen, ohne erkennbaren Grund.
Wenn man sich nun die Gesichter von DSH und Bouvier ansieht, ist das erklärlich.
Durch sein vieles Haar über den Augen und am Fang verbirgt der Bouvier seine komplette Mimik. Selbst Augenkontakt unter den Hunden ist so gut wie unmöglich.
Der DSH hingegen ist ja am Kopf sehr kurzhaarig, ähnlich wie ein Wolf und zeigt durch geringste Bewegungen der Gesichtsmuskulatur sofort seine Regungen an, ob nun Calming signals, Aggression, Freude.
Hierdurch kann es zu echten Missverständnissen unter den Hunden kommen.

Vielleicht kannst Du gar nicht sehen, wenn Dein Rüde vielleicht doch Aggressionssignale aussendet.

Gruß
Jutta

Cindimoa
15.10.2007, 14:40
Huhu Jutta, meinst Du mich?

Also meine Rüden sind immer verträglich mit anderen Rüden.

Es war ein mir unbekannter Schäferhund! Er zeigte vor den Schnappen keine Mimik...gar nichts...

oder meintest Du Zipfelhut?

Meine haben natürlich viiiel Haare im Gesicht;) aber die Mimik bei Maltesern ist beachtlich. Sie können sogar lachen:):) das meine ich ernst...schade dass man hier keine Bilder einstellen kann, sonst könnte ich es Dir mal zeigen.
Ich weiß natürlich nicht ob er wirklich lacht, aber es sieht so aus.

Malteser sind sowieso von Naturaus sehr liebenswerte und spaßige Hunde und manchmal sogar albern. also sehr verspielt...

zipfelhut
15.10.2007, 14:55
Hey, der Tip von Jutta ist guuut! Auf diese Idee bin ich nicht gekommen.
Ja, sie meint Dich, Cindimoa, mein Leomoppel hat nur wenig Haare im Guschi - Siehe Avatar:D

Das ist durchaus nicht abwegig - so blöde wie das klingt - probier doch mal, ihm die Haare aus dem Gesicht zu nehmen und nen Bommelzopf aufm Kopf zu machen, damit er klare Sicht hat und auch klar eingeschätzt werden kann. In der Tat kann es gut sein, daß die anderen ihn aufgrund der Tatsache daß sie ihn schlecht einschätzen können, eben präventiv angreifen.:?:

Cindimoa
15.10.2007, 16:00
Achso ...aber er hat einen Zopf ;)

aber interessant zu wissen ......

Theolino
15.10.2007, 16:13
naja.... aber Karmello wurde ja auch von anderen Malteser-Rüden angepöpelt.... die müßten das doch eigentlich wissen, daß das nur Haare sind :D

zipfelhut
15.10.2007, 16:20
Nee, Theolino, die Haare verdecken ja (nun nicht bei Karnello, wie wir gerade erfahren haben) die Augen, und damit das gesamte Minenspiel. Stell Dir vor, hinter nem dichten Fliegenvorhang macht einer Pantomime und Du sollst sagen, was er grade zeigt :D

Theolino
15.10.2007, 16:21
Nee, Theolino, die Haare verdecken ja (nun nicht bei Karnello, wie wir gerade erfahren haben) die Augen, und damit das gesamte Minenspiel. Stell Dir vor, hinter nem dichten Fliegenvorhang macht einer Pantomime und Du sollst sagen, was er grade zeigt :D

is schon schön, daß unser Theo so kurzes Fell hat ... :)

An was man alles denken muß!

Cindimoa
15.10.2007, 20:32
Ja, also daran habe ich noch nie gedacht.
Also die Augen sind ja frei erkennbar. na gut, aber die Barthaare sind ja doch recht lang.

*lach* ja die Maltis kennen das natürlich:D

Aber ob andere Hunde das vielleicht komisch aufnehmen...möglich wäre es schon.

Er wirkt ja auch durch die helle Farbe und sein doch recht freundliches Äußeres (weiß nicht, ob ein Hund das anders beurteilt) vielleicht als "leicht zu beeindrucken" ?

MicoMaushund
17.10.2007, 02:19
Hallo Jutta,

denkt schon die ganze Zeit über die "Langhaartheorie" nach ...

Bei meinen DSH (3) war es nie der Fall, dass sich Probleme mit langhaarigen Hunden ergaben. Die Hündin konnte (ohne erkennbaren Grund) schwarze, große Hunde nicht ausstehen, die Rüden hatten von sich aus nie Probleme mit anderen und fauchten nur zurück, wenn sie von noch größeren gebissen wurden, dann aber gründlich.

MicoMix mag/mochte langhaarige Hunde nicht, das fängt/fing aber erst bei Sheltiegröße an und hängt nicht davon ab, ob die Mimik zu erkennen ist.

Wie ist es denn bei euch mit anderen "Fellhaufen" wie Bobtail, Puli, Bearded Colli, um nur ein paar zu nennen?

LG, Barbara

Cindimoa
20.10.2007, 20:57
Huhu,

so ...habe jetzt für Montag einen Termin beim TA. Erstmal sprechen wir in Ruhe über Karnellos Verhalten und dann mal schauen was der TA vorschlägt.

Insgeheim wünsche ich mir natürlich lieber eine Hormontherapie als eine OP, aber da bin ich mir wieder unsicher wegen der Nebenwirkungen. Ich hoffe wir finden eine gute Lösung damit Karnello sich bald wieder neutral den Hundedamen und auch den Rüden;) zuwenden kann. So dass er auch wieder überhaupt Kontakt bekommt ohne zurückgeknurrt oder gebissen zu werden.

Habt Ihr Erfahrungen mit Hormontherapien?

Cindimoa
16.11.2007, 09:17
Hallo,

mittlerweile waren wir auch zum Gespräch beim TA.Er sagte dass Karnello auf jeden Fall eine medizinische Indikation hat, allerdings kann er nicht dafür garantieren, dass sich das Verhalten nach einer Kastration ändert, weil man nicht genau weiß, ob das Verhalten aufgrund des Triebes ist. Das würde man dann erst sehen. Um aber vorher zu wissen, ob es nun wirklich am Trieb liegt wollen wir im nächsten Jahr ein Hormon geben.
Es gibt im Moment nur ein Präparat das ausschliesslich für diesen Zweck entwickelt wurde. Es wird unter die Haut inplantiert, hat keine Nebenwirkungen, ABER ist superteuer; zu teuer für uns.
Im nächsten Jahr kommt ein Präparat auf den Markt genau für dieses Problem des Triebes...und so lange wollen wir jetzt warten. Sobald das Medikament da ist werden wir es geben und abwarten ob sich das Verhalten ändert. Ändert es sich werden wir Karnello kastrieren lassen. Ich finde das ist die vernünftigste Lösung, oder was meint Ihr?

Ich glaube schon, dass das Verhalten von Karnello vom Trieb her ist, aber 100 Prozentig kann ich es eben auch nicht sagen. Darum warten wir bis zum Frühjahr; denn auf ein halben Jahr kommt es jetzt auch nicht an, oder?

Ich fände es unfair wenn er sich einer Op unterziehen müßte und am Ende würde sich herausstellen, dass wir leider falsch lagen.

zipfelhut
16.11.2007, 13:01
Sandra, immer eine zweite Meinung einholen bei so schwerwiegenden Geschichten...das ganze klingt mir nicht danach, als ob Dein Tierarzt seiner Sache sicher ist. Geh mal wirklich zu einem zweiten Arzt und erklär dem, wo genau das Problem liegt und frag ihn, wie er die Sache einschätzt. Erfahrungsgemäß liegt die Wahrheit meist in der Mitte zweier Meinungen...