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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : extrem Menschenscheu!



irene
20.11.2002, 11:12
Hallo,
ich brauche ein paar Tips, wie ich mit einem Hund umgehe, der panische Angst vor allen fremden Menschen hat. Unseren "Janno" haben wir mit fünf Monaten aus einem Tierheim bei uns aus der Gegend geholt, ursprünglich ist er aber aus Italien ,wurde von einer Tierschutzorganisation nach D gebracht , mitsamt seinen drei Brüdern. Er war der übriggebliebene im Tierheim, da extrem scheu und er niemanden an sich heranließ. Die Brüder zeigten zwar ein ängstliches, vorsichtiges Verhalten, aber lange nicht so extrem. Jetzt ist er zwei Monate bei uns, hat sich zu einem netten, unheimlich anhänglichen und super folgsamen Hund entwickelt, läßt sich von "seinen" Menschen (nur wir in der Familie) leidenschaftlich gerne streicheln und jede Berührung und Behandlung widerspruchslos und relaxt gefallen läßt. Die panische Angst vor Menschen, die er nicht oder kaum kennt, hat aber kaum nachgelassen. Kommt jemand in unser Haus oder mein Büro, bellt er vor Schreck erst mal wie verrückt und versucht ein Versteck zu finden. Wenn der Besuch ihn aber trotzdem vorsichtig streichelt, knurrt und bellt er aber nicht, hat aber einfach schrecklich Angst.
Jetzt hört und liest man ja überall, dass solche Hunde Angstbeisser werden können, das ist eigenlich meine einzige Sorge. Besteht diese Gefahr tatsächlich? Wir haben noch einen 10-jährigen Zwergschnauzer( vor zwei Jahren ebenfalls aus dem Tierheim geholt), der sich nicht von Jungs und Männern anfassen lassen will und bellt und knurrt, wenn ihn jemand anfasst, der aber noch niemals auf den Gedanken gekommen ist, er könnte mal hinschnappen. Aber ist halt auch ein kleines Hundchen, deshalb fürchten sich die Menschen auch vor ihm nicht, aber Janno wird wohl mindestens so groß wie ein Schäferhund. Er ist ein wahrer Prachtkerl, eine Mischung aus vermutlich Bordercollie( das kann man hauptsächlich an einem Bruder erkennen, der ganz in der Nähe lebt, bei Janno spricht die Größe eher dagegen), Schäferhund, Dalmatiener oder gar Tiger-Dogge.
Hat irgendwer Tips für mich, wie ich ein wenig mehr Vertrauen zu Menschen aufbauen kann? Oder auf was ich besonders achten muss?

Grüße

Irene

edda
20.11.2002, 15:32
Hallo Irene,

ich kann nur sagen viel Geduld und gute Nerven. Ich habe selber so ein Exempar zu Hause.
Wichtig ist, das du die Leute davon abhälst ihn von oben herab auf den Kopf zu fassen. Am Besten sollen sie sich hinhocken, ihn nicht direkt anschauen und ihm ein Leckerli geben oder hinwerfen. Das ist eine Methode, die bei uns manchmal funktioniert. Die andere Methode, die wir vor allem zu Hause und im Büro anwenden, heißt: Ignorierern. Irgendwann hört mein Waro auf zu bellen und wird neugierig. Das ist eigentlich die bessere Variante, kann man aber leider nicht immer durchführen.
Hunde brauchen einen bestimmte Distanz und Zeit diese zu überbrücken, gerade wenn sie mit Menschen vielleicht nicht so gute Erfahrungen gemacht haben. Schimpfen und den Hund dazu zwingen sich anfassen zu lassen bewirkt das genaue Gegenteil. Ach ja, und ganz wichtig ist, dass du mit deinem Hund in die Stadt gehst (auch am Samstag), U-Bahn/Bus fährst, ihn ins Restaurant mitnimmst und ihn an Orte bringst,wo viele Menschen auf einem Haufen, dass er merkt, das die sich nicht für ihn interessieren und ihm auch nichts tun.
Ich habe Waro jetzt seit 6 Monate und sein Verhalten Erwachsenen gegebüber ist schon besser geworden, aber bei Kinder ist er immer noch nicht zu bremsen. Wir können ihn mittlerweile auch überall (Restaurant, Stadt, Notar) mit hinnehmen, er hat "nur" noch das Problem des Anfassens und wenn ein fremder Mensch sein Revier sprich Wohnung bzw. Büro betritt.
Daher heißt für mich das Zauberwort Geduld und viele positive Erlebnisse. Gib deinem Hund die Zeit, die er braucht um auf einen Menschen zu zugehen.

Es grüßen Edda & Waro

irene
20.11.2002, 19:54
...das haben wir und ganz speziell ich, deshalb haben wir uns Janno ja ausgesucht. Im Grunde genommen ist er weit weniger schwierig, als ich zu Anfang befürchtet hatte, denn mit so einem folgsamen Hund hatte ich noch nie zu tun. Natürlich braucht er sich nicht streichen lassen, wenn er das nicht will und auch wenn er zunächst bellt, finde ich das eigentlich nicht weiter schlimm, denn wenn ich "Schluss" sage, dann läßt er es sofort, nur das Gerede vom "Angstbeisser" macht mich ein wenig nervös, denn ich kenne Hunde, die Artgenossen aus purer Panik sofort beissen, wenn die sich auch nur nähern, weil sie eben anderen Hunden gegenüber nicht richtig sozialisiert wurden. Janno fehlt eben der positive menschliche Kontakt in den ersten Monaten seines Lebens.
Wie alt ist denn dein Waro? Hast du in diese Richtung keine Bedenken?

Chelsea
21.11.2002, 09:36
Hi Irene,
hab` bitte Geduld mit Deinem Hund und lass Dich von dem Gerede über Angstbeisser nicht verrückt machen!
Ich habe seit 2 1/2 Jahren genauso einen Fall zu Hause.
Unsere Dobihündin kam mit 6 Monaten aus dem Tierheim zu uns (da war sie allerdings nur 3 Tage). Vorher hat sie die gesamte Präge- und Sozialisierungsphase völlig isoliert in einem Keller verbracht !!!
Sie hatte Angst vor ihrem eigenen Schatten, kannte weder Rasen, andere Tiere, Autos, Treppen steigen, geschweige denn andere Menschen. Wir konnten anfangs immer nur kurze Strecken spazieren gehen, weil ihr alles Angst machte und sie keinen Schritt mehr gehen mochte !!!
Zuhause war sie von Anfang an eine Seele von Hund. Sehr anhänglich, verschmust, lernte sehr schnell und war immer schon unheimlich gehorsam. Andere Menschen wollte sie auch nicht an sich `ranlassen. Sie zog den Schwanz ein und versteckte sich immer hinter uns, hätte aber nie gebissen, dazu war sie viel zu unterwürfig !!!
Wir haben anfangs den Fehler gemacht (auf Anraten unserer Hundeschule und im Hinblick auf den Verhaltenstest, den ein Dobi als Listenhund in NRW absolvieren muss, wenn er von Leine und Maulkorb befreit werden soll), dass wir unserer Hündin möglichst viel unterschiedlichen Menschenkontakt ermöglicht haben. War für unsere Chelsea aber zuviel. Sie wurde immer scheuer, wenn das überhaupt noch möglich war.
Also haben wir es anders gemacht( nachdem ich mich sehr ausführlich mit Literatur beschäftigt habe). Lass Deinen Hund entscheiden, ob er Kontakt aufnehmen möchte. Dann auf die Weise, die schon Edda beschrieben hat: hinhocken, den Blick abwenden und den Hund einfach mal schnüffeln lassen. Wenn es geht, ein Leckerli reichen, aber möglichst noch keinen Körperkontakt (hängt von Deinem Hund ab). Wenn er Streicheln erlaubt, bitte nicht über den Kopf, sondern nur Brust und Schulter. Alles andere ist für so ein ängstliches Hundeexemplar zu viel !!! Und das klappt auch nicht beim ersten oder zweiten Treffen ! Manche Leute kommen heute noch nicht an unsere Hündin `ran, weil sie einfach nicht meinen Rat befolgen und die nötige Geduld mitbringen. Sie stürzen mit ausgebreiteten Armen von oben auf unsere Hündin zu. Kein Wunder, dass Chelsea dann abhaut! Für diese Leute ist der Hund gestört,weil er nicht schwanzwedelnd auf alle Fremden zurennt. Ansonsten kann jeder, wenn es auch länger dauert, sie irgendwann streicheln. Da sie sehr verspielt ist, bringt sie sogar irgendwann ihren Ball zum Spielen und so entsteht wieder positiver Kontakt mit fremden Menschen.
Auf jeden Fall dauert es sehr lange, bis so ein Hund seine Scheu verliert. Ganz überwinden wird er sie wahrscheinlich nie, denn die negative Präge-und Sozialisierungsphase lässt sich nicht so einfach in einem Hund auslöschen!!! Vielleicht wurde er ja auch in Italien geschlagen oder getreten, so dass Du ihm seine Schüchternheit nicht verdenken kannst.
Noch ein Tipp: `nimm ihn in der ersten Zeit nicht soviel in stark belebte Gegenden mit !!! Das schockt ihn noch mehr. Die Welpenphase, in der er möglichst viel auf einmal kennenlernen sollte, ist bei ihm schon vorbei ! Bau langsam sein Vertrauen auf und erweitere dann seinen `"Menschenradius". Wenn er Dir vertraut, wird es auch besser. Aber er wird sicherlich nie ein ganz "normaler" Hund werden.
Ein kleiner Trost. Unser ängstliches Sensibelchen hat ihre Verhaltens-,Wesens-und Gehorsamsüberprüfung mit viel Menschen-,Tier- und sonstiges Kontakten mit Bravour bestanden. Trotz ihrer Menschenscheu.
Noch ein Tipp: in der Zeitschrift "Der Hund" gibt es zur Zeit eine Beitragsreihe über "Angst/Aggressionsverhalten" bei Hunden. Besonders die Hefte 11/2002 und 12/2002 beschreiben ganz gut das Angstverhalten bei Hunden und zeigen auch, dass nicht jeder Hund, der ängstlich ist zwangsweise zum Angstbeisser wird, auch wenn viele Leute das glauben.
Meine Hündin ist eindeutig ein Typ, der defensive Angst zeigt und sich immer nur abwendet ohne je irgendwelches Aggressionsverhalten zu zeigen. Auch in Situationen (zB. Tierarzt) in denen sie nicht flüchten kann.
Also nur Mut, es wird auf jeden Fall besser !!! Lass Deinem Janno nur genug Zeit, um sich einzuleben, `bau Vertrauen auf und steigere die Belastungen durch seine Umwelt nur recht langsam. Hab`Geduld, Geduld, Geduld !!!
Viel Glück, CHRIS und CHELSEA:) :) :)

irene
21.11.2002, 15:58
..für die viele Schreibarbeit, die du dir gamacht hast und auch für deine Ratschläge! Ich nehme Janno hin und wieder mit in´s Büro, damit er viele verschiedene Menschen kennen lernt, aber zuletzt hatte ich auch den Eindruck, dass ihn das nur überfordert und er dadurch eher wieder einen Schritt zurück macht. Das werde ich zunächst wieder bleiben lassen und die ganze Sache noch langsamer angehen. Insgesamt finde ich schon toll, welche Fortschritte er gemacht hat, wir konnten zunächst auch überhaupt nicht spazieren gehen. Im Haus hatte er ein Versteck und im Freien war einfach ALLES eine Bedrohung für ihn. Nur fremde Hunde fürchtet er nicht, vorausgesetzt sie sind von ihren Herrchen weit genug weg!
Nun kann er aber schon fremde Hunde beschnüffeln, wenn sie ziemlich nah bei ihrem ebenfalls fremden Herrchen sind, solange dieser sich ruhig verhält.
Nur so gewisse Situation, die entspannen sich überhaupt nicht, zB bei uns im Haus, wenn jemand kommt. Aber ich kann nur wieder betonen, Geduld habe ich zur genüge und ich nehm Janno sein Verhalten kein bisschen übel und das es je ganz verschwindet, das glaube und erwarte ich nicht. Ich kenne genügend Hunde, die mit weit weniger Grund als Janno, ihre Angst vor zB Männern nie verlieren. Mir ist nur wichtig, dass es eben eine defensive Angst bleibt, wie du so schön schreibst!

Viele Grüße und danke für die guten Wünsche

Irene mit Chicco und Janno

PS: Ansonsen ist er wirklich ein Prachtexemplar, ich bereue kein bisschen, dass wir ihn genommen haben! Ständig werde ich angesprochen, was das für eine Rasse ist :-)) Obwohl ich das am Ende nebensächlich finde, denn wir sagt mein Mann:" So häßlich kann der Hund garnicht sein, dass ich am Ende nicht finde, unserer ist der Schönste von allen!"

Chelsea
22.11.2002, 09:18
Hi Irene,
noch ein kleiner Tipp zu Jannos Verhalten bei Besuch.
Chelsea hat auch immer Theater gemacht, wenn jemand zu Besuch kam. War völlig ungewohnt, da sie ja sonst so ein Angsthase ist. Aber auch das war Angst, da schließlich jemand in den einzigen Bereich eingedrungen ist, in dem sie sich völlig sicher fühlte. Sie bellte und knurrte mit eingezogenem Schwanz und gesträubtem Fell und rannte weg. Wir haben Besuch darauf vorbereitet, dass der Hund etwas "merkwürkwürdig" ist, aber nichts tut und sie ansonsten völlig ignoriert. Wenn der Besuch sich hingesetzt hatte, siegte ihre Neugier. Sie beschnüffelte ihn (natürlich ohne sich anfassen zu lassen) und alles war OK. Wenn Leute kamen, die Angst vor Hunden hatten oder zB. Handwerker etc., haben wir sie von vornherein auf ihr Sofa verwiesen und da blieb sie dann auch liegen, ohne großes Theater (höchstens mit leisem Grummeln).
Auf jeden Fall möglichst wenig Aufhebens machen, denn je lauter man wird, umso mehr denkt der Hund, dass er mit seinem Verhalten recht hat.
Inzwischen hat sich bei Chelsea die Aufregung um Besuch fast völlig gelegt, nur bei ganz "unheimlichen" Personen grummelt sie noch ganz leise, meistens wedelt sie aber schon. Sie weiß wohl inzwischen, dass Besuch nett ist, schließlich lassen wir ihn ja in unser Reich hinein.
Also, viel Grüsse und lass` mal von Deinen Fortschritten hören.
Bin an anderen Erfahrungen sehr interessiert, da wir in unserer Gegend scheinbar die einzigen mit so einem "Angsthasen" sind und sogar sämtliche Hundeschulen überfordert schienen.
Vielleicht hast Du ja auch mal einen nützlichen Tipp für mich !!!

CHRIS und CHELSEA :) :) :)

Thea
22.11.2002, 13:04
Hallo,
ich habe die gleichen Probleme wie ihr mit meiner Hündin. Sie kommt aus der Türkei und hat dort in ihrer Sozialisierungsphase entweder versteckt in Istanbuls Straßen oder im Wald gelebt und ist dann dort ins Tierheim gekommen. Sie ist ebenfalls extrem ängstlich Menschen gegenüber, mit Kindern gabs keine Probleme, die waren für sie nicht bedrohlich, Männer sind eine Katastrophe für sie. Wir haben sie jetzt ein halbes Jahr und sie macht immer noch einen Riesenrabatz, wenn Besuch kommt, hat aber Fell und Schwanz oben. Wenn sie jemand in so einer Situation anfassen wollte und ihr Drohen nicht beachten würde, würde sie garantiert zuschnappen. Neulich hat sie geschnappt, als jemand, der sie schon streicheln darf ihr die Ohren kraulte, und ihr dann etwas zu lange in die Augen schaute. Sofort hat sie in die streichelnde Hand geschnappt. Sie beisst nicht zu, sondern hält die Hand mit den Zähnen kurz fest. Zum Glück hat die Person besonnen reagiert und das Schnappen ignoriert und sie ohne anzuschauen weiter gestreichelt. Das Problem ist, dass wenn der Hund mit Schnappen Erfolg hatte, er es immer wieder einsetzt. ich würde drauf achten, dass dein Hund auf keinen Fall bedrängt wird. Wir begegnen immer wieder so superschlauen Leuten, die meinen "Ich kann mit Hunden umgehen", dann mit ach komm mal her ich tu dir doch nichts auf den Hund zugehen wollen. Meine Hündin droht dann so massiv, dass sie es doch lieber lassen und kopfschüttelnd weitergehen. Ich meide solche Aktionen so gut es geht, da dann oft noch ein barsches ach du blöder Hund hinterher kommt. Andere wiederum, die sie ignorieren erwecken dann ihre Neugier und bei der 2. oder 3. Begegnung können sie sie eventuell kurz streicheln. Der Schlüssel zu allem sind einfach Leckerlies, die fremde nette Menschen ihr geben dürfen. Wenn Besuch kommt machen wir es mittlerweile so, dass wir sie kurz in ein anderes Zimmer bringen, bis man sich begrüsst hat und wieder Ruhe einkehrt, dann darf sie raus, bellt noch ein bisschen oder versucht Kontakt aufzunehmen, oder legt sich in ihrem Korb. Ich glaube der Schritt zum Angstbeisser geht schon sehr schnell, wenn man dem Hund die von ohm gewünschte Distanz nicht gewährt. Ich würde meine Hündin z.B. nie vor Geschäften anbinden und reingehen, wo es eben passieren kann, dass jemand versucht sie anzufassen, ohne dass sie fliehen kann. Meine Hündin hat das erste mal nach einem kleinen Kind geschnappt, das sie gut kannte, wir saßen all direkt daneben und in sekundenschnelle beugt sich dass Kind von vorne über sie und will sie umarmen. Sie hat kurz vor das Gesicht geschnappt, es ist nichts passiert, ausser dass meine Hündin ihr erstes Erfolgserlebnis mit Schnappen hatte, dass Kind hat sie natürlich danach in Ruhe gelassen. Solche Situationen sollte man möglichst vermeiden. Lieber einmal zu häufig sagen, der Hund beisst, bitte nicht anfassen.

Viel Glück mit euren Hunden und schön zu wissen, dass es noch mehr verrückte Menschen gibt, die es auf sich nehmen solch einen Hund zu sich zu nehmen.

irene
22.11.2002, 18:18
..das müssen wir noch fleißig üben! Da unser Zwergschnauzer leider auch ein äußerst nervöser Hund ist, ist es schon ein wenig schwierig, Ruhe in die Besucher-Situation zu bringen. Da dieser sich hauptsächlich maßlos aufregt, wenn Freunde meines Sohnes ( 12 Jahre) kommen, sieht es sich doch vielleicht auch ein paar Unarten von unserem Chicco ab. Auf der anderen Seite haben wir den Vorteil, dass wir eben diesen Hund haben, denn Janno gibt ein anderer Hund jede Menge Sicherheit, selbst wenn dieser zu ihm ecklig ist und ihn zB draußen herum jagt - Hauptsache es ist ein zweiter Hund dabei, zu Hause, beim Gassi.....alleine ist er ein Nervenbündel. Er hat eben die ersten Monate wahrscheinlich nur mit seinen Brüdern ( und zunächst mit Mutter) verbracht, ob auf der Straße oder im Tierheim, das weiß man nicht.

irene
07.12.2002, 18:32
Hi Chris!

Janno hat tolle Fortschritte gemacht die letzten Wochen und ich überlasse ihm das Thempo jetzt ganz alleine. Wir treffen täglich soviele verschiedene Personen schon alleine beim spazieren gehen mit ihren Hunden und da er alle Hunde toll findet, akzeptiert er ganz allmählich auch die vielen Menschen dazu. Und so ist es auch bei uns zu Hause, da die Kinder jede Menge Besuch bekommen und kürzlich hat er im vorüber gehen einem Freund meines Sohnes schnell die Hand geleckt. Heute haben wir erstmalig eine 100km-Reise mit dem Auto angetreten unter Einnahme von Reisetabletten. Da wir Weihnachten verreisen und er das Autofahren ganz und garnicht verträgt (ist wohl psychologisch, ich denke, die paar Autofahrten die er gemacht hat, von Mittel-Italien in´s Überganslager nach Ober-Italien, von dort nach Bayern in´s Tierheim, von dort wieder weg zu uns, haben ihn sicher einfach negativ geprägt) musste ich das mal ausprobieren. Wir sind zu meiner Schwägerin gefahren, die auch einen jungen Hund hat. Er hat sich ganz prima geschlagen und nach zwei Stunden toben mit dem anderen Hund heimwärts tatsächlich im Auto geschlafen!
Einzig Jogger und Fahrradfahrer sind noch problematisch, wenn sie zwischen mich und Janno geraten, weil der gerade mit einem anderen Hund spiel und etwas weiter weg ist, dann packt ihn die Panik und er läuft schnurstracks heim.

Grüße

Irene

Chelsea
08.12.2002, 14:31
Hi Irene,

zunächst mal eine kurze Richtigstellung bzgl. meines Namens bzw. Geschlechts. Ich heiße eigentlich Christiane, werde aber immer nur Chris genannt, daher auch die Gewohnheit immer nur mit Chris zu unterschreiben. Sollte man nicht tun, wenn es eigentlich ein männlicher Name ist, ich weiß. Aber die Macht der Gewohnheit....
So, nun zu Dir und Deinem Janno. Toll, dass Ihr schon so gute Fortschritte gemacht habt. Mit dem Autofahren wird es bestimmt auch besser, vor allem, wenn ihr hin und wieder zu anderen Hunden zum Spielen fahrt. Bei Chelsea war es zumindest so. Im Moment steigt sie allerdings wieder recht ungern ein, das liegt aber zur Zeit an der Kälte. Seit ein paar Tagen hat sie eine "Hundewachsjacke" (bitte nicht lachen) und siehe da, sie steigt wieder in das anfangs so kalte Auto ein. Im Sommer bei sehr warmen Wetter ist es übrigens auch so. Da ist es ihr im Auto zu warm..... Tja, wir können ja nicht immer nur 20 C Grad haben.
Jannos Fortschritte mit Kindern sind ja auch schön. Wenn seine Neugierde weiterhin bestehen bleibt und die Kinder nett sind, wird er bestimmt auch seine Menschenscheu immer mehr verlieren. Chelsea findet die Menschen mit denen wir immer spazieren gehen auch nett. Vor allem natürlich wegen der Hunde und Leckerlies.... Andere Menschen, ohne Hunde und Leckerlies ignoriert sie vollständig. Nur zum Streicheln läuft sie nicht zu ihnen.... Kinder sind ihr nicht ganz geheuer, da diese immer genauso schnell erschrecken, wie Chelsea selbst. Na, vielleicht finden wir nochmal Kinder zum Üben. Wir selbst haben ja keine.
Die Sache mit den Joggern und Radfahrern gibt sich bestimmt auch bald. Vor allem wenn das Vertrauen zu Dir gefestigt ist. Chelsea rannte anfangs auch immer in die falsche Richtung weg, wenn sie sich erschreckt hat (allerdings nicht sehr weit). Inzwischen bin ich ihr sicherer Ort zu dem sie immer flüchtet, wenn irgend etwas "gefährlich" sein könnte. Es wird immer besser, auch wenn die Fortschritte nicht mehr so riesig sind, wie am Anfang. Im großen und ganzen ist sie schon sehr gefestigt, auch wenn sie nie ein Großstadthund werden wird. Aber das muss sie im auf dem Lande ja auch nicht.
So, viel Spass auf Eurer Weihnachtsreise.
Viele Grüsse
CHRIS(tiane) und CHELSEA:) :) :)

AnnaS
09.12.2002, 09:45
Erst mal möchte ich sagen, dass ich mich ehrlich für jeden freue, der Fortschritte mit seinem ängstlichen Hund gemacht hat.
Aber ein wenig "Kritik" oder besser gesagt Anregungen möchte ich dennoch loswerden.

Ich denke, man muss einfach die Ängstlichkeit in zwei verschiedene Richtungen aufteilen.
Erstens die Ängstlichkeit, die meine Kleine zum Beispiel manchmal an den Tag legt. Sie ist 6 Monate alt und empfindet manches als "bedrohlich" weil sie es nicht kennt und zudem zur Zeit in einer Phase ist, wo sie sich behaupten will, wo sie zeigen muss, dass sie gaaaaaaanz toll aufpassen kann :D . Bei ihr reicht es, wenn man ihr sagt, dass alles okay ist, oder ihr auch mal mit einem energischen "Nein" verbietet, jemanden anzubellen.

Zweitens gibt es aber die Ängstlichkeit, von der ihr hier redet. Nämlich die, wo die Hunde aller Wahrscheinlichkeit nach etwas wichtiges (wie Sozialisierungsphase) verpasst haben oder aber mal sehr schlechte Erfahrungen haben machen müssen. Und genau aus dieser Angst ist die Wahrscheinlichkeit auch sehr hoch, dass sie doch irgendwann einmal aus Angst beißen.
Ich denke, niemand von euch kann die Hand ins Feuer dafür legen, dass eure Hunde NIEMALS jemanden beißen werden, weil dieser jemand eventuell doch komplett falsch und "aufdringlich" auf euren Hund trifft. Oder? Und genau das ist gefährlich. Denn es ist schön und gut, wenn man erwachsenen Menschen sagen kann, der Hund würde/könne beißen und man solle ihn besser nicht anfassen. Zwar gibt es komische Blicke oder mal verächtliche Kommentare, aber damit kann man ja leben.
Doch kann man einem Kind sowas sagen? Kann man einem kleinen Kind klar machen, wieso es den Hund nicht streicheln darf? Und ich selbst habe auch ein Kind, ich weiß, wie schwer es manchmal für die Eltern ist, die Kinder immer im Blick zu haben und dann auch noch schnell genug zu sein, wenn das Kind beim Spaziergang auf einen Hund zu rennt, der vielleicht auch noch freilaufend ist, so dass sein Besitzer das Kind nicht vom Streicheln abhalten kann.

Zum anderen kann es auch sein, dass der Hund einfach irgendwann die Nase voll hat, und anstatt abzuhauen sich doch lieber gegen so einen unerwünschten "Anfasser" wehrt.
Stellt euch mal vor, euer Hund ist nun in euren Augen so weit "gefestigt", und ihr wagt den ersten Gang in eine "Menschenmasse", z.B. Fußgängerzone, Tierpark, Veranstaltungen. Und dort wird es eurem Hund dann irgendwann zu viel. Wie gesagt, legt ihr eure Hand dafür ins Feuer, dass euer Hund niemals beißen würde?

Zumal ihr eines bedenken müsst:
Eure Hunde hatten anfangs gar kein Selbstbewusstsein, denn wären eure Hunde so selbstbewusst, hätten sie nicht eine solche Angst (gehabt). Nun werden eure Hunde aber cooler, d.h. sie haben durch eure Arbeit mit ihm und durch euer Verhalten und euren Umgang auch mehr Selbstbewusstsein bekommen. Doch ein Hund mit Selbstbewusstsein wird nicht mehr unbedingt weglaufen, sondern er wird nicht selten ausprobieren, in wie weit er sich etwas wagen darf. Und das bezieht sich auch auf das Wehren, da Hunde dann nicht mehr unbedingt pure Angst haben, sondern sie wollen sie einfach nur der Situation entziehen, die ihnen unangenehm ist und mit denen sie schlechte Erfahrungen gemacht haben.
Damit will ich sagen, dass es nicht unbedingt gesagt ist, dass die Gefahr des Beißens geringer wird, weil eure Hunde vertrauensvoller geworden sind.

Nun denke ich, dass vieles von dem, was hier geschrieben wurde, einfach nur Schadensbegrenzung war, anstatt die Lösung des ursächlichen Problems.
Jemand hat geschrieben, man würde die Hunde erst mal bei Besuch in ein anderes Zimmer bringen und erst später wieder rauslassen, wenn sich die erste Aufregung gelegt hat. Was bitte lernt ein Hund daraus??? Er lernt, dass es eine ganz ungewöhnliche Situation ist, wenn es an der Tür klingelt und fremde Menschen das Haus betreten. Das heißt, Besuch geht so überhaupt nicht in die Normalität eines Hundes ein.
Ein anderer hat geschrieben, man solle es ignorieren, wenn ein Hund schnappt, weil man ihn angefasst hat. Und was soll der Hund hier lernen? Das es okay ist, zu schnappen! Denn man lässt es ja zu. Und sorry, wenn ich das nun sage - aber ich finde es sehr traurig, wenn man sagt, schade dass es bei einem Kind passiert ist, was das Schnappen nicht ignoriert hat, weil der HUND somit Erfolg hatte. Entschuldigt, aber mir tut da eher das Kind leid, anstatt der "Rückschritt" in der "Erziehung"! Zum anderen kann da auch das Kind einen bleibenden Schaden davontragen. Denn bei einem Kind kann sowas prägen, und so manches Kind hat wegen sowas immer Angst vor Hunden.

Wenn ein Hund schnappt, egal ob aus Angst, aus Aggression, aus Futterneid, oder aus was für einem Grund auch immer, DARF man das nicht ignoriert lassen, sondern der Hund muss so ein Verhalten mit einer negativen Reaktion verbinden. Und wenn Ignoranz in einigen Erziehungsmaßnahmen angebracht sind, so darf man sowas ganz sicher nicht ignorieren.

Nun will ich hier meine Meinung nicht als DIE Lösung schlechthin präsentieren. Aber erstens sollte man einen Hund daran gewöhnen, dass auch andere Menschen das Haus betreten dürfen.
Zum Beispiel gewöhnt man einen Hund daran, in bestimmten Situationen in sein Körbchen oder auf seine Decke zu gehen und abzuwarten. Das kann man beim Staubsaugen machen, wenn man den Einkauf aus dem Auto holt und der Hund nicht mit herumtoben soll.....und auch wenn Besuch kommt. So zeigt man einem Hund, dass es bestimmte Situationen gibt, in denen er sich eben mal still verhalten und abwarten muss, und das eben an seinem Platz. Nun klingelt es an der Tür, ihr sagt eurem Hund, er solle ins Körbchen gehen, ihr lasst den Besuch rein und sorgt dafür, dass der Hund in seinem Körbchen bleibt. Will er raus, setzt euch bei eurem Hund durch und kümmert euch dann um den Besuch. Wenn der Besuch dann vielleicht mit euch zusammen am Tisch sitzt, ruft ihr als Besitzer den Hund zu euch und lobt ihn mit einem Leckerlie. Dann begibt Hund sich schon mal unter fremde Menschen, hat sie vorher aber von seinem Platz aus sehen können, und verbindet das mit etwas tollem. Dann geht es der Reihe nach, jeder vom Besuch ruft ihn, gibt ihm Leckerlie.
Macht bitte für den Hund keine große Sache aus dem Besuch, in dem ihr ihn wegsperrt.
Denn überlegt mal, euer Hund erkennt euer Haus als sein Revier an, euch als sein Rudel. Besuch ist bedrohlich für ihn, und er wird dann von seinem Rudel getrennt, weggesperrt und kann nicht mehr sehen, was in seinem Revier passiert, weiß aber, dass etwas bedrohliches sein Revier betreten hat.

Und ansonsten kann ich euch nur dringend ans Herz legen, dass ihr mit eurem Hund eine Hundeschule besucht, wo ihr von Anfang an sagt, dass euer Hund Angst hat. Und wenn ihr einen guten Trainer findet, dann wird er sich um die "Ursachenbekämpfung" dieser Angst kümmern.
Ich habe den Satz hier irgendwo gelesen, der Hund würde niemals angstfrei sein. Und das ist Quatsch. Jeder Hund kann und sollte seine Angst verlieren. Erst dann werden ihr irgendwann auch wissen, dass die Gefahr, euer Hund könne irgendwann doch mal aus Angst zubeißen, nicht mehr existiert. Ansonsten ist es ein Spiel auf Zeit, wie lange es gut geht.

Ich finde, es ist keine Schande, vor einem Profi zuzugeben, dass man da ratlos ist. Eine Schande ist es, wenn man versucht, das Problem durch eigenes Ausprobieren in den Griff zu bekommen. Denn scheinbar seid ihr ja überfragt, sonst würdet ihr nicht hier um Rat fragen, sondern wüsstet genau, was zu tun ist. Profi kann da auch jeder werden, nur muss man sich erst mal von einem anderen Profi zeigen lassen, wie man mit so einer Angst bei Hunden richtig umgeht.
Bitte tut euch, anderen Menschen und vor allem auch dem Hund den Gefallen und geht mal zu einem solchen Hundetrainer. Schaden kann es doch nicht, oder???

So, ich hoffe, ihr habt euch nicht angegriffen gefühlt. Denn böse meine ich das nicht. Ich denke nur, man macht selbst so einiges falsch in der Erziehung und so ist es echt sehr hilfreich, wenn man hier und da mal einen Tip liest, den man für sich anwenden kann. Doch bei einem solchen Problem sollte man um Rat fragen anstatt mit einem recht hohen Risikopotential zu spekulieren.

Ich wünsche euch viel Erfolg!

Liebe Grüße
Anna

PS: Sorry, dass mein Beitrag so lang wurde :D

edda
09.12.2002, 10:50
Hallo Irene,

erst einmal Entschuldigung, dass ich nicht eher auf deine Frage geantwortet habe.
Waro ist jetzt 11 Monate alt und ich habe eigentlich keine Angst, dass er beißen würde. Natürlich ausschließen kann man es nie, aber sein Verhalten ist eher so, dass er zwar fürchterlich bellt (er hört leider nicht auf , wenn ich es ihm sage) und knurrt, aber sollte die Person sich auch nur auf ihn zubewegen, dann springt er sofort zurück, versteckt sich hinter mir oder will nur weg.
Was meinst du wie lange es gedauert hat, dass er in der Hundeschule sich mir genähert hat, wenn ich mit den anderen Hundebesitzern zusammen stand und wir unsere Hunde gerufen haben. Wir gehen oft mit ihm in die Stadt (auch samstags oder jetzt zum Weihnachtsmarkt) und da verhält er sich mittlerweile recht angstfrei. Er geht durch die Menschenmassen durch, als wenn das schon immer so gewesen wäre.
Wenn zu uns Besuch kommt, wird dieser zwar angebellt, aber ich sage jedem, er soll Waro nicht beachten und dann kommt Waro von selbst schauen. Er läßt sich zwar nicht unbedingt streicheln, aber er schnüffelt die Leute ab und legt sich dann irgendwo hin.
Autofahren macht Waro für sein Leben gern, weil er mit Autofahren immer schöne Spaziergänge, Hundeplatz, ect. verbindet. Er springt auch freiwillig rein. So würde ich übrigens auch üben, ohne Beruhigungsmittel. Ins Auto mit Leckerli locken, loben wenn er von selbst reingegeangen ist, ganz kurze Fahrt und dann raus und Spaziergang oder tolles Spiel. Was anderes ist es natürlich, wenn eurem Janno beim Autofahren schlecht wird.

So jetzt habe ich mehr geschrieben, als ich wollte.
Es grüßen Edda & Waro

irene
09.12.2002, 12:01
...erstmal edda, danke für die Antwort und unser Problem beim Auto-Fahren ist: Janno steigt zwar sofort problemlos ein, aber bis ich am Steuer sitze und in den Rückspiegel sehe, dann speichelt er bereits und ich bin noch nicht durch die Stadt ( Kleinstadt wohlgemerkt!) dann übergibt er sich schon, auch wenn der Magen völlig leer ist und nur ein wenig Schleim und Galle kommt. Da es ihm bereits schlecht ist, bevor wir los fahren, denke ich doch, dass es psychologisch bedingt ist. Wir fahren immer nur kurze Strecken, immer in den Wald oder zum Joggen oder um andere Hunde zu treffen. Jetzt habe ich ihm keine Beruhigungsmittel gegeben, sondern erst mal Reisetabletten ausprobiert und das hat wirklich gut funktioniert!
Auf der Heimfahrt war er schon viel ruhiger, aber eben auch totmüde :-)

und Anna, natürlich hat die Sicherheit aller Kinder OBERSTE Priorität, deshalb habe ich hier nachgefragt, da ich davon ausgehe, dass Leute die einen ähnlichen Hund haben, vielleicht am besten Bescheid wissen und Erfahrung haben. Ansonsten macht man alles, was sich anbieter, Literatur lesen, bei Profis nachfragen. Eine Hundeschule bringt meiner Meinung nach nichts, da ich dort lerne, wie ich ihm Gehorsam beibringe, aber gehorsam ist er. Wenn ich sage "Platz!Bleib!", dann bleibt er, auch wenn es an der Türe läutet und wer kommt. Ihm beizubringen, dass er weder von Groß noch Klein etwas zu fürchten hat und dass es einfach nur toll ist, wenn jemand kommt (Leckerlies nimmt er nur von ihm ganz gut bekannten Personen und besonders scharf auf Leckerlies ist er garnicht, deshalb für ihn auch keine sooo tolle Belohnung), das ist ein länger währender Prozess, hier muss das Leben selbst die Schule sein, das kann er nicht zwei mal in der Woche in der Hundeschule lernen, oder??? Aber ich lass mich gerne eines Besseren belehren.
Alles weitere wenn ich mehr Zeit habe, bin nachwievor für alle Tips offen!

Grüße

Irene

edda
09.12.2002, 12:13
Hallo Irene,

ich glaube auch nicht, dass in eurem Fall eine Hundeschule hilft, denn dort lernst du Unterordnung und wie du ja selber schreibst, Janno ist gehorsam.
Ich habe nicht gedacht, dass er so starken Stress beim Autofahren hat. Ich würde in dem Fall auch mit Beruhigungsmitteln arbeiten, allerdings würde ich es mit Bachblüten versuchen, obwohl das wahrscheinlich egal ist.

Viel Geduld und viele positive Erlebnisse wünschen euch
Edda & Waro

AnnaS
09.12.2002, 12:23
Liebe Irene

DIR habe ich ja nicht unterstellt, dir wären die Kinder mehr oder minder egal. Es wurde nur in einem Beitrag hier geschrieben, der Hund habe mal nach einem Bekannten geschnappt, der habe es ignoriert und es wäre richtig gewesen. Doch dann habe der Hund nach einem Kind geschnappt und das habe ihn leider nicht ignoriert und das wäre doof für den Hund bzw die Erziehung. Und darauf war mein Kommentar mit den Kindern bezogen. Ich denke, es ist selbstverständlich, dass Hunde NIEMANDEN beissen dürfen und besonders bei Kindern vorsichtig zu sein haben.

Nun noch einmal zu der Hundeschule:
Es gibt die klassischen Hundeschulen, wo man Gehorsam und Erziehung lernt. Klar, das wäre für deinen Hund sicher nicht das richtige in Bezug aufs Angst haben.
Doch wenn du dir die Zeit nimmst und mal viele Hundeschulen anrufst und den dein Problem schilderst oder auch mal deinen Tierarzt bzw diverse Tierärzte auf Trainier in Bezug auf die Angst fragst, wirst du garantiert jemanden finden, der sich auf solche Problemhunde spezialisiert hat. Und überleg mal - er ist für deinen Hund völlig fremd. Er wird wissen, dass dein Hund Angst hat, wird aber wissen, wie er auf ihn einzugehen hat. Davon kannst du lernen. Und auch mit diesem Trainer, der ja auch dir etwas beibringt, wird es eine langwierige Geschichte sein, doch es wird sich sicher lohnen. Zum anderen kommt dann sicher das Leben, der Alltag, der deinen Hund ebenso schult. Doch bei Problemen sollte man sich wirklich in erster Linie an Fachleute wenden, denn die sind Fachleute, eben weil sie sich auf so etwas spezialisiert haben.

Hm, ich erkläre es dir mal anders:
Ich habe Pferde und ich helfe anderen Menschen, die Probleme (von kleinen Schwierigkeiten bis hin zu handfesten Problemen) mit ihren Pferden haben. Für mich ist es eben so, dass ich mal damit anfing, mich Problempferden zu widmen, die Verhaltensauffälligkeiten haben. Nun sage ich nicht, die Pferdebesitzer könnten alle nicht mit ihren Pferden umgehen, sondern ich sage mir einfach, so etwas hatten sie noch nie, und sind nun überfragt. Und bevor sie ein Risiko eingehen oder aber diese Verhaltensauffälligkeiten noch verschlimmern, helfe ich ihnen gerne, weil ich mir anmaße, durch meine langjährige Erfahrung damit auch u.U. helfen zu können. Ich arbeite zum Beispiel mit dem Beziehungstraining, was die natürlichste Art und Weise ist, einem Pferd Vertrauen und Respekt zu vermitteln, und was zusätzlich völlig gewaltfrei ist. Wenn ich anderen Menschen und Pferden auf dieser Basis weiterhelfen kann, sind die meisten Menschen sehr überrascht, denn sie haben von so einer Methode noch nie gehört, und zusätzlich ist es eine erfolgreiche Methode. Nun übernehme ich diese Pferde aber nicht, sondern ich erziehe sie nur für eine gewisse Zeit, ich erziehe auch gleichzeitig den Besitzer oder Halter mit. Denn wenn mein Part in der Sache erledigt ist, müssen Pferd und Mensch auch im Alltag, im Leben klarkommen. Und nichts anderes ist es mit dem Hund. Vielleicht gibt es einen Trainer, der eine Methode kennt, die dir noch gar nichts sagt, die aber erfolgsversprechend ist, wenn man sich als Besitzer konsequent daran hält.
So wie es rüberkam lehnst du das Kapitel Hundeschule ab, und das fände ich schade. Denn du willst ja sicherlich auch nichts unversucht lassen.

Und noch mal zur Klarstellung:
Dieses Forum hier hat mir auch schon diverse Male bei meinem Hund weitergeholfen. Ob ich nun direkt eine Frage hatte oder auch nur andere Beiträge gelesen habe, die auf mich und meinen Hund genauso zutrafen. Doch wenn man wirklich ein handfestes Problem hat, kann niemand per "Ferndiagnose" einen richtigen Tip geben. Denn so kennt man weder dich noch deinen Hund. Und ein Hund braucht auch bei Angst ein konsequentes Verhalten. Da du aber tausend verschiedene Meinungen hören wirst, wirst du wohl auch alles mehr oder weniger mal ausprobieren, dir von jeder Antwort etwas mitnehmen. Und wie gesagt, in meinen Augen geht sowas bei kleineren Problemchen, aber eben nicht bei einem so großen Problem. Und selbst diese Ängstlichkeit kann eben ein riesiges Problem werden, wenn dein Hund erst mal gelernt hat, durch einmaliges Zuschnappen, dass man damit unerwünschte Fremde vergraulen kann.

Ich meine es wirklich nicht böse, und ich hoffe, du fasst es auch nicht so auf.

Gruß,
Anna

Dodo H
09.12.2002, 14:07
Hallo Zusammen
Ein interessantes Tema
Hundeschule finde ich nicht verkehrt, wenn man sich gut aufgehoben fühlt, wenn es Ansprechpartner gibt, zu denen man Vertrauen haben kann. Ich bin in einem Hundeverein aktiv, und ich finde nicht, das dort nur Gehorsam trainiert wird, sondern das man in allen "Hundebereichen" versucht Hilfestellung zu geben. Wichtig ist, "Seine" Hundeschule/Verein zu finden, wo man sich in den wichtigen Bereichen wohlfühlt, und wo die Trainer auch zugeben, überfordert zu sein und einem andere Anlaufstellen nennen können.
Zum Thema ignorieren würde ich folgendes sagen, man sollte die Angst ignorieren, aber nicht das Verhalten, das sich daraus entwickelt, man sollte positives Verhalten bestärken und negatives unterbinden (eventuell dem Hund eine Ersatzhandlung ausführen lassen).
Es ist immer schwer, bei solchen Problemen zu helfen, wenn man den Hund nicht kennt, ich finde es aber sehr hilfreich, wenn man von anderen hört, wie sie an diese Problematik zurechtgekommen sind.
Bei uns hat es einigen Hunden geholfen, das sie in Extrastunden "geübt" haben, zunächst mit einer Person, die abgewendet zum Hund saß, die Neugierde des Hund siegte, er machte den ersten Schritt auf die Person zu, nahm auch irgendwann ein Leckerchen, dann tauschte man diese Person aus, damit er verschiedene Menschen kennen lernt, dann hockte sich die Person, dann stellte sie sich, dann waren auf einmal zwei da.... , aber wir schauen dann immer, wie weit man bei "diesem Hund" gehen kann, nicht überfordern.
Das man Angst ganz wegbekommt, glaube ich persönlich nicht, sondern man kann dem Hund mehr Sicherheit geben, in an gewisse Dinge/Personen gewöhnen, die Angst vielleicht abschwächen, aber weg bekommt man sie nie ganz, meine Meinung
Dodo

irene
09.12.2002, 20:49
Nochmal hi @ Anna ( und all),

Anna, ich fühle mich keineswegs angegriffen oder so, ich wollte nur klar stellen, dass mir eben WEGEN der Kinder dieses "Problem", das aber noch garkeines ist, sehr am Herzen liegt.
Was Hundeschulen anbelangt, nun, ich wohne praktisch neben einer und ich treffe all diese Leute, die da aktiv sind täglich beim Spazieren gehen mit den Hunden, Hundetrainer genauso, wie "gemeine" Mitglieder. Ich kenne diese Leute alle schon lange, hab ja noch einen Hund. Und man redet natürlich und holt sich "Tips". Und dann haben wir auch eine Tierärztin, die einen berät und auch richtige Kurse abhält, aber all das befriedigt mich insofern nicht, da es hauptsächlich darum geht, wie man zB agressives Verhalten abbaut. Agressiv ist Janno aber ganz und garnicht, er ist nur auf der Fluch. Deshalb habe ich auch kein akutes Probelm mit ihm. Ich denke, ihm die Angst zu nehmen ist viel schwieriger, als bei einem folgsamen Hund agressives Verhalten zu unterbinden. Und da ich ebenfalls nicht glaube, dass er seine Angst jemals ganz verliert (dieser Glauben beruht ganz einfach auf Erfahungen mit anderen Hund, die zB auch die Angst vor anderen Hunden niemals ganz verloren haben), interessieren mich Erfahrungen anderer und die Entwicklung von solchen Hunden, wie Chirs´ Chelsea, die ja den Wesenstest bestanden hat, also kann es nicht so falsch sein, wie sie es angestellt hat, nämlich Chelsea die Angst zu nehmen.
All das was zB Dodo beschreibt machen wir ja eh, aber eben nicht in der Hundeschule sondern zu Hause. Auch so ähnlich wie du es beschreibst machen wir es. Wenn jemand kommt lasse ich Janno "Sitz und bleib" auf seiner Decke machen und vorsichtshalber jemand anderen die Tür öffnen (damit ich ihn besser beobachten kann) und dann "Hey, schau mal wer da kommt! Der Bodo, na toll!" Rießen Freude, dann bisschen palaver, palaver , ohne Janno weiter zu beachten, der sitzt, bleibt und schaut. Bodo verzieht sich mit meinem Sohn in dessen Zimmer, später schau ich mal rein, Janno natürlich immer im Schlepprtau, der schnüffelt dann neugierig. Das klapp jetzt schon prima. Einzig unser alter, kleiner Giftzwerg Chicco macht uns manchmal einen Strich durch die Rechnung, indem er sich wild aufführt . Der ist keineswegs so leicht in Zaum zu halten wie Janno, da auch nicht so gehorsam, aber Janno sitzt und bleibt schon,selbst wenn Chicco nicht zu bremsen ist.
Und über all diese Gewöhnungsrituale und -zeremonien muss eines klar sein, Fluch ist erlaubt, Anknurren niemals!
Das ist es, was ich mir aus Büchern , Ratschlägen und Tips aus Boards ausgesucht habe, dabei habe ich auch alle "professionellen" Hilfe in Anspruch genommen, die ich in so einer kleines Stadt auftun konnte.

Viele Grüße

Irene

Dodo H
09.12.2002, 21:43
Hallo Irene
Darf ich fragen, warum Knurren nicht erlaubt ist, es ist doch mit die einzigste Möglichkeit des Hundes seinem Gegenüber zu zeigen, das er etwas nicht möchte. Meiner Meinung nach darf ein Hund knurren, wenn er sich in die "Ecke" gedrängt fühlt, ansonsten wäre die nächste Stufe ja das zuschnappen, was man ja vermeiden will.
Du hast mich glaube ich mißverstanden, eine Person sitzt auf der Hundewiese, der Besitzer kommt mit seinem Hund dazu und läst den Hund frei laufen, die Person die sitzt macht gar nichts, der Hund soll die Möglichkeit haben, wenn er will, auf die Person zuzugehen, wenn er nicht will, kann er Abstand halten. Sollte der Hund neugierig geworden sein, hat die Person vielleicht mal ein Leckerchen oder Ball neben sich, was der Hund sich abholen kann, wenn er will. Also, der Besitzer macht gar nichts, sondern der Hund soll lernen, das ihm Fremde nicht tun. Wir hatten bisher nur Hunde, die in Panik wegrannten wenn ihnen jemand zu nah kam oder dabei noch bellten, denen wollte man positive Begegnungen mit Menschen ermöglichen (es waren Ausnahmen, denen man helfen wollte, ansonsten schicken wir sie zu einer Verhaltenstherapeutin)
Ich glaube dir gern, das es mit zwei Hunden schwierig ist, doch du bist doch auf einem guten Weg, also weiterhin viel Erfolg.
Dodo

Chelsea
10.12.2002, 10:22
Hallo,

muss mich doch noch mal zu Wort melden, da mir an den letzten Beiträgen einiges nicht gefallen hat...
@ Anna
Ich finde es nicht so schön, dass Du alle Leute mit ängstlichen Hunden in einen Topf wirfst, Ihnen Inkompetenz, Desinteresse an Hundeschulen etc. vorwirfst.
Sicherlich gab es hier einige Beiträge, die mangelndes Fachwissen und Nichterkennen des eigentlichen Hundeproblems, nämlich Unerzogen-, bzw. Ungezogenheit des Hundes erkennen ließen. Weiterhin wurde über ängstliche Hunde berichtet, die ein ganz anderes Vorleben hatten, als zB. Janno oder auch Chelsea. Und deren Angstproblematik nicht mit Jannos zu vergleichen ist (wie Du ja auch schon richtig erkannt hast).
ABER alle ängstlichen Hunde als Angstbeisser abzustempeln, geht mir gewaltig gegen den Strich!!! Sorry ,daß ich das so ausdrücke, aber ich habe in den vergangenen 2 ½ Jahren soviel Blödsinn darüber anhören müssen, dass das mal `raus muss. Sicherlich kann niemand für ein Tier seine Hand ins Feuer legen, aber das gilt für "normale" Hunde ganz genauso!
Was Hundeschulen und Tiertrainer angeht... Wir haben Chelsea grade 2 Monate gehabt, als in NRW die Landeshundeverordnung aktuell wurde. Unsere schon vorher angelaufene Suche nach einer geeigneten Hundeschule (mit Vorstellung des Hundes und Probestunden) verlief nachher noch chaotischer mit dem Gipfel einer Aussage eines "kompetenten" langjährigen Hundetrainers. "In einem Dobermann soviel Arbeit und Zeit zu investieren lohne nicht, der muss sowieso sein Lebtag mit Leine und Maulkorb `rumlaufen!"
Dass mir da einige Male zum Heulen zumute war, kannst Du Dir sicher vorstellen! Trotzdem haben wir eine gute Traininggruppe gefunden und mit einem Jahr hat Chelsea ihren ersten "Wesens-,Verhaltens, und Gehorsamstest" abgelegt. Mit 2 Jahren wurde er noch einmal wiederholt (da das Wesen beim 1-jährigen Hund noch nicht ausgereift ist). 5 Stunden lang an unterschiedlichen Orten (Kleinstadt, Großstadt im Samstagseinkaufsgewühl, auf Spielplätzen, im Wald, mit ballspielenden Kindern, Joggern, Radfahrern, Katzen, Vereinsamung mit Fremdkontakt, in die Enge treiben, Überfall auf Frauchen etc). Die lieben Familienhunde (Labrador, Golden Retriever, Berner Sennenhunde) wären alle durchgefallen, wenn es für sie denn ernst gewesen wäre. Der Test wurde von wirklich kompetenten Verhaltensforschern und Amtstierärtzten abgenommen.
Was ich damit sagen will. Auch ein scheuer, ängstlicher Hund kann an so etwas gewöhnt werden, deswegen bleibt sein Charakter ( ein defensiv ängstlicher Hund) aber trotzdem eher zurückhaltend und er muss sich beim Samstagseinkauf nicht wohl fühlen (der einzige Grund warum, meine Hündin nicht mitkommt). Und er muss nicht zwangsläufig zubeissen, das haben da schon eher die "normalen" Hunde gemacht, weil sie viel eher genervt waren.
Als kleiner Tipp. Die Zeitschrift "Der Hund" hat in den Ausgaben 10/02 bis 12/02 sehr gut über die verschiedenen Formen von Angst-,Aggressionsverhalten berichtet. Sehr zu empfehlen. Damit vielleicht der Horror vor Angstbeissern etwas genommen wird, die es sicherlich ohne Zweifel mehr als genug gibt und die auch zur Korrektur nur in wirklich sachkundige Hände gehören. Weitere gute Literatur zu Verhaltensauffälligkeiten sind ebenfalls anzuraten. Das gilt aber für alle und nicht für Anna persönlich (die hoffentlich meinen Beitrag nicht krumm nimmt !!!)
Noch eine kleine Bemerkung. Meine Hündin hatte am Tag ihrer Kastration so starke Schmerzen, dass wir nachts nochmal zur TÄ mußten. Die hat dem vor Angst und Schmerzen (!) zitternden und fiependen Hund ohne Probleme den OP-Bereich abgetastet, ohne dass Chelsea irgendwelche Abwehrreaktionen gezeigt hat. Soweit zum Angstbeisser....
@Irene
Wenn ich Dir durch meine Erfahrungen mit Chelsea falsche Tipps gegeben haben sollte, sorry. War auch nicht als Ferndiagnose für Janno gedacht, denn nur Du kennst Deinen Hund und sein Verhaltensmuster. Trotzdem weiterhin viel Spass mit ihm.

Viele Grüsse,
Christiane und Chelsea

AnnaS
10.12.2002, 11:09
Liebe Christiane

Hmm, scheinbar hast du mich nicht richtig verstanden. Ich habe NIEMANDEN angreifen wollen, es war nicht meine Absicht, alle in einen Topf zu werfen und ich wollte auch nicht sagen, dass DEINE Beiträge zu diesem Thema schlecht sind.

@Irene - das gleiche gilt für dich!

OK, bevor ich nun wieder "zweideutig" werde, schreibe ich mal den Namen, über den ich mich aufgeregt habe: Es war Thea, die sowas von unverantwortlich in meinen Augen mit der Angst ihres Hundes umgeht, dass es mich tierisch aufregen kann. Denn dieser Hund hat zwei Mal geschnappt, einmal bei einem Kind! Dieser Hund wird weggesperrt, damit Hund merkt, Besuch ist etwas vollkommen unnormales. Und solche Kommentare stehen als RATSCHLAG zu einem solchen Thema. Sorry, aber sowas kann und möchte ich nicht unkommentiert stehen lassen, auch wenn ich ganz gewiss nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen habe. Doch sowas widerspricht jeglichem logischen Denken und jeglichem Verstand, jeglicher Verantwortung und "darf" einfach nicht so im Raum stehen gelassen werden.

Von Irene fand ich es einfach nur schade, dass sie Hundeschulen abgelehnt hat (so kam es rüber), weil sie denkt, dort wird nur Gehorsam geübt. Und auch das stimmt so nicht ganz. Klar, es gibt Hundeschulen, die sich strikt an ihren Gehorsam-Lehrplan halten, und mit Scheuklappen herumlaufen, um nicht auf den Hund individuell eingehen zu müssen. Das sind in meinen Augen eh schlechte Hundeschulen. Aber es gibt für Hunde mit Verhaltensauffälligkeiten sehr gute Methoden, von denen aber leider nicht jeder Besitzer eines solchen Hundes weiß. Und das ist ja auch gar nicht schlimm, man kann eben nicht alles wissen und alles kennen.

Ich muss an dieser Stelle nochmals auf meine Pferde zurück kommen. Ich hätte alle drei schon längst verkaufen MÜSSEN, wenn ich keine alternative Methode gefunden hätte, mit der man verhaltensauffällige Pferde natürlich und gewaltfrei erziehen kann, da meine Pferde alle drei einfach nur gefährlich waren! Heute tummle ich mich unter gefährlichen Pferden, weil ich gelernt habe, mit ihnen umzugehen. Und ich habe so viele Menschen, die sich mit solchen Pferden an mich wenden, da viele eben ratlos sind, und nicht mehr weiter wissen. Und mit Hunden ist es da nichts anderes. Aus diesem Grunde habe ich einfach nur gesagt, dass man doch auch mal andere Wege suchen und ausprobieren kann.

Zu guter Letzt möchte ich noch einmal betonen, dass ich hier niemanden angreifen wollte. Ich habe auch schon deutlichst gesagt, dass ihr alle mir mit diversen Beiträgen selbst weitergeholfen habt. Und somit denke ich schon, dass man sehr viel aus einem solchen Forum lernen und für sich mitnehmen kann. Doch manche Dinge können einfach nicht durch ein paar Erfahrungen gelöst werden, die schriftlich mitgeteilt werden, und das, ohne Hund und Halter zu kenne. Denn es KANN gefährlich ausgehen, MUSS aber sicherlich nicht zwangsläufig, und das habe ich auch mit keiner Silbe erwähnt. Sollte es so rübergekommen sein, als hätte ich gesagt, alle ängstlichen Hunde würden mal beißen, dann tut es mir leid, denn ich wollte nicht alle in einen Topf werfen.

Ich finde es TOLL (!!!), wenn man aus eigenem Verständnis und aus eigener Kraft einen ängstlichen, aggressiven oder sonst wie verhaltensauffälligen Hund ganz allein so erziehen kann, dass sie in jeder Situation mit ihrer Angst, etc umgehen können. Und jeder, der das geschafft hat, kann wirklich stolz auf sich sein.
Doch meine Antworten sollten lediglich als Rat gedacht sein, sich a) alternativen (vielleicht unbekannten) Methoden zu öffnen und b) sich persönlich mit Hund an einen Profi zu wenden.

Ich wollte hier niemanden angreifen. Noch nicht mal Thea, auch wenn ich sage, sie geht unverantwortlich und irgendwie unlogisch mit ihrem ängstlichen Hund um. Auch an sie sollte es eine reine Kritik sein und kein Angriff.

Es tut mir leid, wenn mich jemand falsch verstanden hat. :(

Einen lieben Gruß,
Anna

irene
10.12.2002, 12:15
...ich habe mich keineswegs angegriffen gefühlt, denn es ist ein ernstes Thema, dem man sich ruhig kontrovers annähern darf. Und Chris, ich denke auch nicht, dass dein Beitrag falsche Tips enthalten hat. Ich kann nur sagen, er hat mir Mut gemacht, mich beruhigt und ich nehme Janno nicht mehr mit in´s Büro. Das hat er dir zu verdanken! :-))

Jetzt zum Knurren: Dodo, wie willst du denn das eingrenzen, wann er knurren darf und wann nicht? Wenn er in die Ecke gegrängt wird schon und wenn er unterm Tisch liegt und es kriecht ein Kind zu ihm nicht? Ich denke, dass ist doch sehr schwierig. Ein rigoroses "Nein" in jeder Situation erscheint mir hier am sichersten. Er hat Menschen, ob groß oder klein, einfach in keiner Lebenslage anzuknurren. Auch wenn das garnichts heißen muss, unser kleiner Giftzwerg knurrt sich die Seele aus dem Leib, wenn ihm was nicht paßt und am Ende, läßt er sich von JEDEM alles machen, überall anfassen, hochheben oder was weiß ich, ohne auch nur einen Zucker zu machen. Der ist jetzt über 10, ich glaube eigentlich nicht, dass der sich´s eines Tages noch überlegt und schnappt. Er hat aber auch trotz seines Getues kein wirkliches Probelm mit Menschen. Bei Janno liegt der Fall anders und ich sehe es als reine Vorsichtsmaßnahme, soll heißen "So benimmt man sich nicht Menschen gegenüber!"

Und nochmal Anna, ich verstehe gut, was du mti den Pferden sagen willst und sollte Janno je agressives Verhalten zeigen, dann muss ich mir natürlich etwas anderes überlegen. Nur kann ich es schlecht behandeln, bevor es auf irgend eine Art und Weise in Erscheinung tritt. Du kannst sicher sein, dass ich ein wachsames Auge auf Janno haben werde, meine Kinder selbst sind nicht mehr klein, aber wir haben kleine Kinder in der nächsten Verwandschaft und auch Nachbarschaft. Der Terriermischling meiner Schwester zB ist ein verzogenes Bürschchen, der Kinder nicht nur anknurrt, sondern auch schnappt. Das finde ich garnicht witzig!

Liebe Grüße an alle

Irene mit Giftzwerg und Riesenbaby

Dodo H
10.12.2002, 19:40
Hallo Irine
: Jetzt zum Knurren: Dodo, wie willst du denn das eingrenzen, wann er knurren darf und wann nicht? Wenn er in die Ecke gegrängt wird schon und wenn er unterm Tisch liegt und es kriecht ein Kind zu ihm nicht? Ich denke, dass ist doch sehr schwierig.
-- Es ging mir darum, das ich einige Leute kenne, da wurde der Hund bestraft, wenn er knurrte, also taten es einige nicht, sondern schnappten dann zu.

: Ein rigoroses "Nein" in jeder Situation erscheint mir hier am sichersten.
-- das meinte ich eigentlich, er darf knurren, muß aber aufhören, wenn ich es sage. Situationen, wo sich ein Hund unwohl oder unsicher fühlt, würde ich versuchen zu vermeiden, und wenn ich ihn nur zu mir holen würde, um in unter Kontrolle zu haben.

: Er hat Menschen, ob groß oder klein, einfach in keiner Lebenslage anzuknurren.
-- wie soll er sich aber sonst äussern, gerade wenn er Angst hat und nicht ausweichen kann, oder das ausweichen nicht gelernt hat? So einfach ist das alles nicht, aber du kannst deinen Hund ja einschätzen und dementsprechend handeln.

: Der Terriermischling meiner Schwester zB ist ein verzogenes Bürschchen, der Kinder nicht nur anknurrt, sondern auch schnappt. Das finde ich garnicht witzig!
-- Würde ich auch nicht witzig finden und schon gar nicht meine Kinder hinlassen, da mir dieser dann zu unberechenbar wäre. Ärgern die Kinder den Hund, oder hat er einfach gelernt, seinen Willen mit schnappen zu erreichen?
Neugierige Grüße Dodo

irene
11.12.2002, 18:59
...meine Schwester sagt, ihr Teenager-Sohn und seine Freunde hätten ihn geärgert und seitdem schnappt er. Na, ich weiß nicht, das sagen sie ja alle. Jetzt schnappt er, wenn ihn irgendetwas stört, zB der Dreijährige meiner anderen Schwester. Aber sie ist total zufrieden damit, wie folgsam er doch ist, obwohl Terriermischling!! Hmmmm......

Chelsea
11.12.2002, 22:23
Hallo alle zusammen,

muss mich noch mal melden, wenn auch etwas spät....

@Anna
Auch ich habe mich nicht persönlich angegriffen gefühlt, auch wenn es sich vielleicht so angehört hat. Wenn mein Beitrag doch etwas zu "hart" war, dann sorry, war nicht so gemeint.
Ich wollte nur "verhindern", dass diese Gerüchte um Angstbeisserei in der gleichen Hysterie enden, wie seinerzeit die "Kampfhunde"-Diskussion. Und das aufgrund dessen nette und verantwortungsbewußte Hundehalter, die bereit sind in einen verhaltensauffälligen Hund viel Zeit, Arbeit und auch noch Geld stecken, dermaßen verunsichert werden (vor allem wenn Kinder in der Familie sind), dass sie ihren Hund vielleicht wieder abgeben.
Ich spreche da, wie gesagt, aus eigener Erfahrung. Da meine Hündin anfangs nicht nur ein extrem ängstlicher und scheuer Hund, sondern auch noch ein gelisteter Dobermann war/ist. Und denen wird die Angstbeisserei ja geradezu angedichtet. War zu Beginn der Hundeverordnung nicht leicht mit den ganzen plötzlichen Anfeindungen und der Hysterie klar zu kommen. Daher wollte ich Irene nur Mut zusprechen, dass nicht jeder ängstliche Hund gleich ein Angstbeisser ist (wie auch nicht jeder Listenhund eine kämpfende Killermaschine).
Aber wie es scheint, sind wir ja doch einer Meinung, so dass wir mit den gegenseitigen Entschuldigungen aufhören können.
Übrigens, dass manche Beiträge das Thema verfehlt haben und keine guten Tipps waren...Dem kann ich nur zustimmen.

@Irene
Schön, dass Janno durch die geringeren Bürobesuche weniger Stress hat. Wenn er sicherer wird, werden auch sie für ihn vielleicht irgendwann kein Problem mehr sein.

Viele Grüsse und viel Spass Euch allen mit Euren Hunden.
Christiane und Chelsea