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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hund lässt sich nicht anfassen



sina2
25.08.2007, 01:15
Hallo,
ich habe einen 8jährigen Mischling (türkischer Straßenhund), der im Allgemeinen sehr pflegeleicht ist. Ich habe ihn als kleinen Welpen gefunden, er lebt eim ersten Jahr mit seinem Bruder in meinem Garten in der Türkei. Daher fehlt ihm die 'knuddelsozialisation' deutscher Hunde. Er interessiert sich im Allgemeinen nicht für Menschen - nur für andere hunde. Mein Problem: Wenn jemand an ihm vorbeiläuft und ihn völlig unbeachtet lässt, passiert nichts. Schaut man ihn nur an, vielleicht ein 'was für ein süßer' und mein schnuckel knurrt und schnappt (kläfft eigentlich, ich weiß nicht genau, wie man das beschreiben kann. Beißt aber nicht!!). Das Hauptproblem liegt jetzt dabei, dass ich regelmäßig auf Mittelaltermärkte fahre und meinen Vierbeiner mitnehme. Dort muss ich dann immer aufpassen, dass niemand wagt, ihn anzuschauen/fassen (und er ist wirklich süß.) Ich fände es natürlich sehr angenehm, wenn er positiver auf Menschen reagieren würde. Fällt euch eine Lösung ein, wie ich ihn zum 'Menschenfreund' machen kann oder muss ich ihn einfach von anfasswütigen leuten fernhalten?was in der marktsituation wirklich schwierig ist....

outdoogs
25.08.2007, 11:07
Hallo Sina,

such Dir eine Freundin, die in dieser Zeit auf Deinen Hund aufpasst. Das ist streßfreier für Deinen Hund und für Dich. Und dann beginn bitte langsam ihn an Menschen zu gewöhnen (Leckerli, loben etc., das übliche Programm).

outdoogs

der dicke hund
25.08.2007, 11:36
hi du
schade das ihm dieses verhalten 8 jahre antrainiert worden ist. und das bis nun nichts gemacht worden ist.
suche dir ein trainer der dir hilft dieses verhalten wieder abzulegen.
oder lasse ihn zuhause...........

sina2
25.08.2007, 12:41
naja, antrainiert ist relativ....
ich hatte schon mal vor einiger zeit nach 'anfassen von fremden' gefragt. dort kam von den meisten foris der hinweis, dass sich ein hund eben nicht von jedem anfassen lassen muss und es mein job wäre, die leute von ihm fern zu halten. wenn er frei läuft, ist das auch kein wirkliches problem, da er eh den leuten ausm weg geht.
zuhause lassen ist leider nicht möglich. ihm machen die märkte auch denke ich spass (viele andere hunde!).
Soll ich leuten, die ihn anfassen wollen, jetzt leckerlies in die hand drücken? beruhigend auf ihn einsprechen ist wohl nicht gut, sonst denkt er ja wieder, etwas ganz furchtbares passiert. wenn er knurrt: bestrafen oder ignorieren?

Wicki
25.08.2007, 12:46
Das Verhalten abzutrainieren dauert längere Zeit bis Jahre.

Zuerst einmal nimm ihn nicht mit auf diese Märkte, das Streßt und blockiert den Hund.

Ich finde, ein Hund muß kein "Knuddelhund" sein. :?: Zuerst einmal solltest du ihn anfassen dürfen und auch hier brauchst du Geduld. So ging es mir mit meiner Straßenhündin, die ich ohne Leckerlies dazu erzogen habe, sich von mir und meinen Ehemann anfassen zu lassen.
Meine Hündin kennt von dem Straßenleben keine Leckerlies (verweigert diese sogar) und so mache ich vieles über Mimik und Gestik, sowie Körpersprache. Habe mir alles über Wölfe und Hunde angeschaut, angelesen und beobachtet und habe dies mit Erfolg nun angewandt.

Weiterhin:

Blickkontakt direkt in´s Auge mögen keine Straßenhunde. Ich kenne Hunde, die Knurren auch oder flätschen dann die Zähne. Meine Hündin, macht sich klein und läuft im Notfall weg. Oder:
Ja, sogar vor knurren und beißen schreckt sie nicht zurück, wenn sie sich durch Blickkontakt in die Enge getrieben fühlt.

Lese dir Literatur an und zwar:
Calming Signals
von Turid Rugaas

und

Mein junger Hund hat Probleme
Diagnose und Lösungen für Verhaltensprobleme
von Joel Dehasse

das mache ich gerade, denn meine Hündin ist 4 Jahre alt und war bis vor 6 Monaten ein Straßenhund. Die Chance, einen Hund in diese Gesellschaft zu integrieren, braucht Zeit und viel Geduld, sowie Einfühlungsvermögen.
Es kann bis zu 2 Jahre dauern, bis der Hund einigermaßen stabil in dieser Gersellschaft ist.

Dennoch, wird der Hund entscheiden, wer ihn anfassen darf und wer nicht. Das ist ein überbleibsel des Straßenlebens und war eine Funktion des Überlebens.

Wenn jemand meine Hündin anfassen will, sage ich einfach:
"Nein, nicht" Die meisten Menschen machen es trotzdem...und das wildfremde Leute auf der Straße.:b
So sage ich einfach: "Vorsicht, sie beißt. Gehen sie bitte weg!!!" und mit einem scharfen Unterton, das funktioniert solangsam.

Ps:
Wenn du es dir leisten kannst, hole dir einen guten Hundetrainer.
Ansonsten, lerne es dir an über Bücher, über Tierhilfen (die geben gerne Tips), über Sendungen im TV über Straßenhunde etc.

Deargi
25.08.2007, 15:56
Hallo Sina,
ich würde mich erst einmal fragen, warum der Hund keinen Kontakt zu fremden Menschen möchte. Ist es ihm unangenehm oder hat er vielleicht sogar Angst?
Möchtest du von jedem angetatscht werden? Und schon gar nicht, wenn der Hund möglicherweise sogar noch Stress hat durch den Lärm des Marktes.
Du, schreibst, dass du ihn als Welpe von der Straße geholt hast. Vielleicht hatte er in seinem jungen Leben schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, wurde mit Steinen beworfen, getreten oder geschlagen. Durch mangelnde Sozialkontakte zu anderen, netten Menschen wurde die schlechten Erfahrungen vielleicht nicht wieder aufgewogen.
Es ist nicht so, "was Hänschen nicht lernt, lernt Hänschen nimmer mehr." Aber es braucht deutlich mehr Zeit und Geduld deinerseits.
Nungut, da nun wahrscheinlich nicht mehr zu klären, ist warum der Hund so reagiert, gehen wir von schlechten Erfahrungen aus und setzen da mit unserer Lösungsmöglichkeit an.
Diese Angst wird oft unbewusst vom Hundehalter noch verstärkt. Oft ist es so, dass, wenn der Hund alleine wäre in der Situation, er schnell seine Ängste ablegen würde. In den meisten Fällen gibt es eine Ursache für diese Ängste, die unbewusst aufrechterhalten wird. Der Hund bekommt unbeabsichtigt ein Lob für seine Angst und zeigt bei der nächsten entsprechenden Situation erneut Angst. Dieser Kreislauf kann aber durchbrochen werden, damit Hund und Halter entspannt leben können - ohne Angst vor der Angst.
Nun kommt es darauf an, wie dein Hund bei den Fremdpersonen reagiert. Duldet er ihre Nähe, ohne Anzeichen von Stress? Wird er nur "agressive" wenn die Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet ist? Dann müsstest du genau an dieser Situation arbeiten.
Leider ist es recht schwer aus deinem Angaben eine Schritt für Schritt- Anleitung zu formulieren, dazu müsste man den Hund sehen, deshalb empfehle ich dir ebenfalls einen guten Hundetrainer aufzusuchen.

PS: Es gibt natürlich auch Hunde, die einfach keine starke Bindung zum Menschen wünschen weil sie ihren eigenen kopf haben.

LG
Deargi

peanutsnorfolks
25.08.2007, 16:51
Der Hund kam als Welpe und ist nun 8 Jahre alt.
Zeigt er dieses Verhalten denn erst seit Kurzem? Dann würde ich mal darüber nachdenken, ob er vielleicht eine Erkrankung hat, sieht er vielleicht schlecht?

Wenn er es natürlich schon die ganze Zeit macht und Ihr habt das bis jetzt nicht im Griff, dann wird es sicher auch schwierig, das Verhalten kurzfristig zu verändern. Denn dann ist es tatsächlich "antrainiert".
Es ist sicher keine gute Idee, den Hund weiterhin mit auf die Märkte zu schleppen und zu hoffen, dass alles gut geht.

Die Verhaltenskorrektur wirst Du anderswo und in ruhigerer Umgebung beginnen müssen, wo Du auch nicht abgelenkt bist.

Jutta

sina2
26.08.2007, 00:57
erstmals vielen dank für eure antworten. war unterwegs und konnte nicht antworten.
damit das vieeilleicht etwas klarer wird: mein hund bellt nicht jeden an oder beißt wild um sich. ich hab bis vor kurzem mitten in berlin gelebt und kann ihn in cafes etc mitnehmen ohne angst zu haben.
die eigentliche problemsituation ist folgende:
hund ist an der leine, fremder mensch steht vor ihm und streckt die hand aus, damit mein wuff schnuppern kann. der weiß´allerdings nicht, was er damit machen soll (so kommt mir das zumindest vor), dreht zunächst den kopf weg, bleibt der fremde mensch vor ihm und hält ihm die die hand weiter vors gesicht kläfft er kurz und wendet sich dann sofort ab. meine frage: meint ihr es hilft, wenn ich allen anfasswütigen mitmenschen zb leckerlies in die hand drücke? nochmals: in der situation: soll ich beruhigen oder ablenken oder ignoriere?
natürlich ist mir klar, dass ich schon früher daran hätte arbeiten sollen. vermutlich ist es mein fehler, da sich meine innere einstellung von "meinen hund muss eben nicht jeder anfassan" zu "wäre auch nicht so schlimm, wenn jeder meinen hund anfassen könnte" geändert hat. würde mich also über tipps sehr freuen.

sina2
26.08.2007, 00:59
und zu meiner schande noch folgendes: er zeigt das verhalten wirklich schon ziemlich lange...es hat sich aber mit der zeit - wen sollte es überraschen - verstärkt.

Theolino
26.08.2007, 14:46
@sina

also, wen ich Dich richtig verstehe, besteht keinerlei Gefahr für die anfass-wütigen Menschen durch das Verhalten Deines Hundes - nur ist er halt nicht sehr kundenfreundlich (so nenn ich´s mal).

Ich denke, dies kannst Du tatsächlich erstmal in ruhiger Umgebung mit Freunden und Bekannten (die der Hund vielleicht nicht so gut kennt) üben.

Auf dem Markt würde ich in dieser Situation ihm das Bellen/ Kläffen "verbieten", damit er merkt, daß dies unerwünscht ist.

LG, Helma

0401
27.08.2007, 10:52
weiß´allerdings nicht, was er damit machen soll (so kommt mir das zumindest vor), dreht zunächst den kopf weg, bleibt der fremde mensch vor ihm und hält ihm die die hand weiter vors gesicht kläfft er kurz und wendet sich dann sofort ab
EINDEUTIG ein Zeichen der Beschwichtigung. Bitte lies das o.g. Buch!!!

Und was ist es für eine Mischung? Wäre ganz wichtig, denn türkischer Strassenhund??? Könnte vielleicht ein Herdenschutzhund drin sein???

So eine Rasse habe ich, die sind fremden gegenüber rassebedingt sehr vorsichtig.

Hunde lassen sich eh nicht gerne von fremden Menschen am Kopf anfassen, manche dulden es, manche nicht, so wie unserer.

Ich bin bei einer sehr guten Hundetrainerin, die sich mit HSH auskennt, Fazit:
wir müssen uns damit abfinden, dass kein Fremder unseren Hund streicheln kann, es wird als unhöflich empfunden und nicht geduldet!

Und ich finds nicht schlimm, ich möcht mich ja auch nicht von jedem x-Beliebigen angegrabscht werden:D

0401
27.08.2007, 10:59
PS:

Sollte ein HSH mit drin sein, ist dieses Buch zwar anstrengend, aber absolut (!)
interessant. Seit ich dieses gelesen haben, sehe ich meinen Hund mit anderen Augen und bin stolz auf ihn und sein unbeugsames Wesen!!!

Thomas Achim Schoke:
Herdenschutzhunde

sina2
27.08.2007, 12:01
vielen dank für die hinweise.
1. frage: wie kann ich mit 'fast-bekannnten' trainieren? über belohnung/ leckerlies?
2. der hund ist wirklich 100prozent straße. sieht in etwa aus wie ein Kromforländer (schrieb man das so?)...noch hat jeder tierarzt und tierkenner eine andere rasse gefunden. schwanz vom spitz, kopf wie ein border (nur braun)...ob sich da rassebedingt irgendein verhalten durchgesetzt hat???
3. buch ist bestellt!
4. wenn es beschwichtigungssignale sind, ist es dann mein job zu sichern, dass die menschen das auch verstehen? (oder sollte ich dafür erst das buch lesen?)
vielen dank erstmal.

0401
27.08.2007, 12:21
Ringelschwanz, dunkler Kopf??? Stell doch mal ein Foto rein, hört sich schon nach HSH an...

Beschwichtigung: die Menschen die sich damit nicht auskennen, werden das nicht verstehen. Dein Job ist es, den Hund zu verstehen und in der o.g.
Situation zu sagen: Hände weg, er mag das jetzt nicht!

Wenn er eh schon beschwichtigt und auch noch knurrt, kann die nächste Reaktion schnappen bzw. beissen sein.

MicoMaushund
27.08.2007, 14:09
Hallo Sina,


hund ist an der leine, fremder mensch steht vor ihm und streckt die hand aus, damit mein wuff schnuppern kann. der weiß´allerdings nicht, was er damit machen soll (so kommt mir das zumindest vor), dreht zunächst den kopf weg, bleibt der fremde mensch vor ihm und hält ihm die die hand weiter vors gesicht kläfft er kurz und wendet sich dann sofort ab.

Eindeutig keine Beschwichtigung ... wozu und warum sollte er den Menschen auch beschwichtigen wollen? - sondern eine (wohlgemeinte) VERWARNUNG! Das Bellen heißt ganz klar "Fass mich nicht an und nimm deine Stinkefinger weg!".

Sag DU den Menschen, sie sollen ihre Hände sonstwohin tun. Ein Hund ist kein Allgemeingut und kein Spielzeug. Er muss sich nicht streicheln lassen, egal, ob nun ein HSH mit drin ist oder nicht. Das sagt er ganz deutlich, und denen, die es nicht verstehen, müsst IHR es einfach übersetzen.

Versetzt euch doch einmal in das LEBEWESEN HUND: DAs wichtigste Sinnesorgan ist für den Hund die Nase, Hände riechen für ihn ähnlich penetrant wie für uns Käsfüße oder verschwitzte Achseln. Möchtet ihr das euch oder euren Kindern zumuten, dass jeder Pasant euch den Achselschweiß unter die Nase reibt? ? Sicher nicht, also verschont die Hunde damit.

Viele Grüße
MicoMaushund

PS Mein voriger Hund war ein HSH :)

0401
27.08.2007, 14:17
Er beschwichtigt deshalb den Menschen, weil er sich unwohl fühlt!

Und weil nicht jeder Hund gleich zubeisst.

Micomaus: lass sie halt erst mal das Buch lesen, vielleicht beschwichtigt er nicht, vielleicht doch und leckt er sich aber übers Maul oder zwinkert, wir können doch das aus der Ferne nicht so beurteilen:bow:

Aber wir sind hoffentlich hier einer Meinung: Einen HSH muss man anders betrachten als einen z.B. DSH?:cu:

Und dass er sich nicht von jedem anfassen lassen muss, kann ich nur unterstreichen!
Wieso auch, wie gesagt, die Menschen wollen das auch nicht!

MicoMaushund
27.08.2007, 16:27
.. ein Bellen ist in der Regel KEIN Beschwichtigungssignal. Und ich habe in 35 Jahren auch noch nie einen Hund gesehen, der sich über das Maul leckt, zwinkert und DANN bellt und den Kopf wegdreht ...

Lasst die Kirch im Dorf, die Hunde Hund sein. Macht selber eure Augen auf! Vieles - und vor allem viel Geschriebenes - sind nur "Modeerscheinungen", ohne jegliche fachliche Kompetenz. Jeder Trottel darf eine Hundeschule aufmachen oder ein Buch schreiben. Ob das auf DIESES Buch zutrifft, weiß ich nicht, hab's aber auf meine Liste, ich werde es bestimmt bei Gelegenheit lesen und eine entsprechende Rezension schreiben.

Unterschiede zwischen einem DSH und einen HSH müssen nicht zwangsläufig sein. Einer meiner DSH war der Prototyp eines HSH, aus einer Herdengebrauchszucht. Kein Fremder durfte ihn auch nur ansprechen, das wurde sofort mit einem Bellen quittiert, dann wurde der Mensch ignoriert :D.

"Das ist aber ein schöner Hund, folgt der? Mach mal "Sitz" "WUFF" Hund geht weg.

Anzulangen hatte ihn außer der Familie, wenigen sehr guten Bekannten und den Tierärzten niemand. Was aber nicht bedeutet, dass er ansonsten jemals auch nur die geringste Aggression gegen Menschen (oder andere Tiere) gezeigt hätte ... er teilte einfach nur ganz konkret meine Auffassung, dass es-er Fremde nichts angeht :cu:. Und er hatte die HSH-typische Eigenschaft, selber entscheiden zu können (und zu dürfen), was nun gemacht werden muss ... den richtigen Weg im Gelände finden, Verletzte bergen und vieles mehr, ohne direkt dafür ausgebildet zu sein.

Viele Grüße
MicoMaushund

0401
27.08.2007, 16:59
und vor allem viel Geschriebenes - sind nur "Modeerscheinungen", ohne jegliche fachliche Kompetenz. Jeder Trottel darf eine Hundeschule aufmachen

oh mann:D

guckst du unter "www.hundeschule-liberty.de"

auf diesen wortwechsel zwischen euch würd ich mich freuen!!!

Jedoch:cool: Barbara würd sich auf so ein Geplänkel nicht einlassen.

MicoMaushund
27.08.2007, 17:11
Iris,

das geht absolut nicht gegen deine Ansicht ... und auch nicht gegen dieses Buch, wie gesagt, noch kenne ich es nicht. Versprochen, ich werde es lesen.

Aber von zehn Büchern, die ich hier stehen habe, sind acht für den Müll. Ganz sicher. Und dass es mit den Hundeschulen genau so ist, ist leider auch ein Fakt. Traurig, aber wahr ... davon "durfte" ich mich dieses Wochenende (wieder einmal) auch überzeugen.

Übrigens ist es auch bei DSH nicht unbedingt leicht, ihnen zu zeigen, wer der Boss ist, nur gehen die Hunde aus einer guten Leistungszucht nie an Laien, sondern werden - auf Vorbestellung - nur an Fachleute wie Polizei, Bergwacht, Rettung etc. vergeben. Den zweiten "Komissar Rex-Hund" (das waren mehrere, die ihn im Lauf der Jahre dargestellt haben) kenne ich übrigens samt Halter-Ausbilder persönlich ... der wurde auch nicht im Handumdrehen erzogen, bestimmt nicht.

Das Bild vom "devoten" DSH ist nur ein Bild, Deutschland ist eines der wenigen Länder, wo er nicht auf der "Liste" steht!

Liebe Grüße
die MiMaus

MicoMaushund
27.08.2007, 17:17
Iris,

es geht nicht gegen ALLE Hundeschulen, selbstredend gibt es gute, ich kann dir durchaus auch welche nennen. Jedoch weiß ich echt nicht, was dieser Link nun mit dem Thema noch zu tun hat.

Kleine Gegenfrage am Rande: Wieviele DSH und wie viele HSH hast DU schon ausgebildet?

LG, MiMaus

0401
27.08.2007, 18:24
MiMaus, ich will mich hier nicht streiten, hat auch nix mit dem Thema zu tun.
Der Link sollte Dir nur zeigen, dass es auch gute Hundschulen mit gut ausgebildeten Trainern gibt.
Ich wollte nur sagen, vom Wesen ist ein HSH viel selbstständiger und evtl schwerer zu erziehen als andere Hunde. Auch wenn Du da nicht meiner Meinung bist.
Deshalb der Buchtipp, Herdenschutzhunde.
Könntest Dir ja gerne meinen Dickkopf ansehn, und er ist halt nu mal ein HSH.
90% der Schäferhunde werden einfach mit strenge erzogen, bei uns ists jedenfalls so. Komm mal einem HSH mit Strenge...:floet:

Und es könnt doch sein, dass ein türkischer Strassenhund was vom HSH hat, und die sind halt mal Fremden gegenüber misstrauisch und lassen sich nicht leicht mit Leckerlies bestechen.

Lass mich aber gerne eines besseren belehren.

MicoMaushund
27.08.2007, 23:02
Hallo Iris,

ich hatte beides, DSH und HSH, alle erwachsene "Problemhunde", die von etlichen Haltern vor mir versaut wurden. Bei BEIDEN kann Strenge komplett daneben sein, es ist immer am Halter, die Mischung zu finden, wie der Hund zu erziehen ist. In Amerika ist der DSH der Beißer Nr. 1 :D. Warum habe ich nur den Eindruck, du liest immer nur das, was dir gerade ins Konzept passt ;).

Ganz klar kann der Mischling was vom HSH haben (wobei nirgend steht, ob groß oder klein). Meinetwegen also "Minikangal" :D. Und wenn hier schon ein HSH reininterpretiert wird, dann sollte auch berücksichtigt werden, dass ein HSH hundertmal eher fremde Menschen verwarnt als beschwichtigt, sie eher beißt als sich unterwirft. Genau deswegen haben die HSH es - in falschen Halterhänden wohlgemerkt -es auf die Liste geschafft.

Fakt ist, dass dieser Hund nicht mit den vielen Menschen klarkommt, knurrt, bellt! Egal warum er nun knurrt - und vielleicht auch eines Tages beißt - die A-Karte hat immer der Hund. Es wird niemand interessieren, ob er nun aus generellem Unabhängigkeitsstreben oder aus Angst beißt. In vielen Bundesländern stehen Kangalmixe unter SoKa 2. Einen Wesenstest würde dieser Hund NICHT bestehen. Und dann?

Also ist es doch vernünftiger, Sina geht der Situation aus dem Weg. Der Hund macht dies seit ACHT Jahren, ohne, dass eine Änderung erreicht (versucht) wurde. Wenn er nun alt wird, Ohren und Augen nachlassen, er vielleicht dies und jenes Zipperlein bekommt und Schmerzen hat, wird es sicher nicht besser. Im Gegenteil :rolleyes:.

Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder der Hund geht nicht mit auf Märkte, was eindeutig besser wäre. Oder er wird vor den Menschen geschützt, indem die vom Halter entsprechend aufgefordert werden, ihre Hände bei sich zu lassen.

Es geht mir hier generell nicht um irgendwelche Grundsatzdiskussionen, sondern um Halter und Hund, vor allem um letzteren :cu:.

Das von der Hundeschule LIEST sich echt gut, aber ich beurteil HuSchus wie auch Bücher (ebenso wie Hunde und Halter) erst dann (endgültig), wenn ich die oder das jeweilige selber kennengelernt habe. Papier und Internet sind unendlich geduldig :floet:

Ich finds übrigens super, dass du widersprichst und kritisch bist ;).

Liebe Grüße
der Mimaushund

sina2
28.08.2007, 01:25
danke für die anregende diskussion.
also: er ist - Leider? - klein (ca. 10kg) und deshalb finden ihn auch alle niedlich. beim kopf wegdrehen wird er auch immer ganz steif (sieht zumindest so aus)...hab ich auch schon beobachtet, wenn er artgenossen begegnet (wobei ich dabei noch nie offene agression seinerseits beobachtet habe).
ich muss ihn auf die märkte mitnehmen (ich lebe davon und jedes wochenende hundepension kann ich mir nicht leisten)...ich denke aber auch, dass er da ziemlich drauf steht (durch die vielen anderen hunde)...und ich werde am besten ein 'guckst du nur' - schild anbringen. und dann fange ich mal im ferneren bekanntenkreis mit üben an. vielleicht kann 'hans' ja doch noch was lernen, wenn herrchen das bei 'hänschen' hat schleifen lassen.
ich muss übrigens auch sagen, dass er keinen mux macht, wenn ihn jemand ohne vorheriges hand-austrecken ganz beherzt anfasst. ich habe ein wenig das gefühl, dass er diese hand-ausstrecken-damit-hund-schnuppern-kann als unsicherheit (oder bedrohnung?) deutet. und wenn jemand direkt zupackt fehlt ihm das selbstbewußtsein?!?!

MicoMaushund
28.08.2007, 02:03
Hallo Sina :bl:,

Ferndiagnose ist sooo schwer ;).

Du schreibst, er mag auf die Märkte wegen der Hunde - aber auch, dass er sich anspannt, wenn er Artgenossen sieht. Das Anspannen ist immer eine Abwehrhaltung. "Achtung, ich mag (noch) nicht ... "

Wenn er so klein ist (grins, ein HSH, der ja hier vermutet wurde, hat so ab 45 kg), dann beugen sich die Leute beim Handhinhalten zwangsläufig auch runter, vornüber, über den Hund. Vielleicht ist es nicht die Hand, sondern die Beugehaltung, die er als Bedrohung ansieht und die ihn unsicher macht. Der Hand sieht Hund es nicht unbedingt an, was Hinhalter vorhat, aber beim Berühren spürt er ja sofort, dass es nicht bös gemeint war.

Vielleicht hilft wirklich ein Schild ;), eine Decke beispielsweise, auf der "Pfoten weg" oder "Nicht berühren" "Nycht beryhren" steht. MA-Markt-Leute sind ja unendlich kreativ, dir fällt da sicher was Tolles ein.

LG, MicoMaushund

0401
28.08.2007, 08:53
Dein Job ist es, den Hund zu verstehen und in der o.g.
Situation zu sagen: Hände weg, er mag das jetzt nicht!


so und etz mag i nimmer, wie du siehst genau des hab ich auch geschrieben.

Ausserdem wurde nichts "reininterpretiert", sondern hätt ja wohl sein können, oder???

Und das mit den Märkten, ich würd den Hund nicht mitnehmen, aber wenns nicht anders geht...

Hm, dann biete deinem Hund wenigstens ein ruhiges Plätzchen an, wo er etwas zurückgezogener liegen kann und nicht die Gefahr besteht, ewig angetatscht zu werden.

MicoMaushund
28.08.2007, 09:51
Hallo Sina,


meine frage: meint ihr es hilft, wenn ich allen anfasswütigen mitmenschen zb leckerlies in die hand drücke? nochmals: in der situation: soll ich beruhigen oder ablenken oder ignoriere?

Ein Hund sollte generell nur Futter aus der Hand seines Halters/der Familie annehmen oder aus seinem Napf. Fremde füttern meinen Hund nicht und er frisst nicht von der Straße, weil sonst immer ein Risiko besteht, dass er vergiftet wird. Außerdem dürfte es rein technisch weitaus schwieriger sein, einem streichelwütigen Fremden erst die Leckerli in die Hand zu drücken, ihm zu erklären, warum, als ihm einfach sofort zu sagen, "bitte nicht anfassen".

Wenn Leckerli, dann von dir, und genau dann, wenn er nicht geknurrt, geschnappt oder gekläfft hat :).

Wenn du den Hund beruhigst, ist es nicht anders, als ob du ihn für sein Verhalten lobst. Es macht für den Hund in dieser Situation keinen Unterschied, ob du "ruhig, brav, keine Angst" sagst, oder "prima, fein gemacht".

Ablenken - schwierig, weil du ja auch schnell sein musst, ihn vor der Hand bewahren. Das kann aber funktionieren. Ablenkung ist aber keine Dauerlösung, wie der Name sagt, lenkt sie vom Problem ab ;).

Ignorieren könnte auch gut sein, weil er so nicht mehr unterstützt wird. Das ist aber ohne dich, den Hund und die Situation selber erlebt zu haben, reine Spekulation. Hier wäre dann ein guter Trainer zu empfehlen, der sich das ansieht. Alternativ kannst du auch - gerade auf Märkten - all die Hundehalter fragen, deren Hund total entspannt ohne Leine durch das Gewühl marschiert.

Viele Grüße
MicoMaushund