PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gibt es Eifersucht bei Hunden oder nicht?



BrittaW
01.08.2007, 17:22
Hallo Zusammen,
ich wäre dankbar für Eure Meinungen und Tipps zu folgendem Problem:

Vorab-Info:
Wir, mein Freund und ich haben seit 1,5 Wochen eine 1 Jahr und 10 Monate alte Mischlingshündin (Labrador? + ?, ca. 50 cm und zart) namens Flyka aus dem Tierschutz (Slowakei) und sie ist eigentlich ein echtes Goldstück! Soweit man das nach der Zeit halt beurteilen kann, sie ist sehr schüchtern, wird aber von Tag zu Tag sicherer.

Menschen mag sie sehr, Hunde immer mehr, sie ist teilweise noch unsicher und bellt Hunde auch aus Unsicherheit an. Ohne Leine können wir leider noch nicht durch die Gegend ziehen.

Vor ein paar Tagen hat sie ein neues Verhalten an den Tag gelegt:
Ich habe den Hund meine Eltern, Balou, gestreichelt, den sie an diesem Tag kennengelernt hat, sie kam dazu, ich streichelte Beide und dann hat sie knurrend in Richtung Balou geschnappt (in die Luft, aber trotzdem).

Ich dachte, eindeutiges Zeichen dafür, dass sie eifersüchtig ist und die Streicheleinheiten für sich will.
Gelesen habe ich dann, dass es Eifersucht bei Hunden nicht gibt, sondern dass dies ein Zeichen von Dominanz mit gegenüber ist. > Ansonsten ist sie nie dominant und wir tun nichts, um das zu fördern (kein Sofa, kein Schlafzimmer, wir gehen zuerst durch die Tür, ... das Übliche)

Und gestern wurde sie von einer netten Frau mit einem netten Hund gestreichelt, dieser nette Hund kam dann dazu um sich auch Streicheleinheiten bei seinem Frauchen abzuholen, selbst DEN hat sie weggebellt und geknurrt. Gibts da? Bei einer fremden Frau...

Fragen:
1.
muss man sich bei einem Hund aus dem Tierheim und vorher sicherlich nicht sehr guter Haltung einfach in Geduld üben und verliert sich sowas evtl. mit der Zeit?

2.
Ist es nun Dominanz oder Eifersucht?

3. wie genau soll ich mich genau verhalten, in dem Moment wenn sie so reagiert?

Herzlichen Dank schonmal für alle Meinungen und Tipps,
Britta

Deargi
01.08.2007, 17:39
Hallo Britta,
Eifersucht gibt es in dem Sinne, dass Ressourcen verteidigt werden. Der Zugang zu Ressourcen ist dem Alpha vorbehalten. Hier ging es um deine Aufmerksamkeit, welche aus der Sicht des Hundes, der sich um seinen Status betrogen fühlen kann und ihn mit aller Kraft verteidigen wird. Ein Abschnappen, wie es dein Hund bei dem "Fremden" gezeigt hat, ist ein deutliches Zeichen. In deinem Falle: "Finger weg! Meins!". Sicher hat dein Hund vorher kleine Zeichen gesendet, ehe er den anderen abgeschnappt hat. (Lefzenzucken, Starren, Knurren,...). Da hättest du reagieren müssen um einen solchen "Eifersuchtsanfall" zu verhindern. Manche Hunde verbeißen sich in solchen Situation sogar.

1. Das verliert sich meisten nicht, da der Grad von Ressourcenverteiding einerseits charaktrliche Ursache hat, andererseits durch Erfahrungen beeinflusst wird.

2. Beides. Ressourcen werden aus Egoismus verteidigt (liegt nunmal in der Natur des Tieres). Das dominate Tier beansprucht den freien Zugang zu diesen für sich. Alle Privilegien gehören dem Rudelführer.

3. Den Zeichen deines Hundes eher Beachtung schenken, bevor er zum "äußersten" greifen muss.

LG
Deargi

BrittaW
01.08.2007, 17:53
Hallo Britta,

3. Den Zeichen deines Hundes eher Beachtung schenken, bevor er zum "äußersten" greifen muss.


Lieber Deargi
danke für Deine Antwort, beruhigt mich ja nicht gerade.. :?:
> Wie genau verhalte ich mich richtig? Wenn ich erste Anzeichen bei ihr bemerke laut "NEIN" sagen und sie abrufen bzw, wegziehen? Und dann? Zur Tagesordnung übergehen? Ignorieren/ Auszeit?

Hat jemand die Erfahrung gemacht, dass sich dieses Verhalten einstellt, wenn man immer richtig reagiert?

Liebe Grüße,
Britta

Deargi
01.08.2007, 18:14
Hallo Britta,:cu:
dein Hund würde es nicht verstehen, dass er plötzlich nur noch zweite Geige spielt, sobald ein anderer Hund da ist. Am besten man begegnet solchen Situationen, indem man den Hund nicht ausschliesst.
Die Sozialordnung von deinem Hund und dem Fremdhund müssen auf einen Nenner gebracht werden. Das ist eigentlich leicht, weil sie im Idealfall deckungsgleich sein sollten. Keiner wird bevorzugt, keiner benachteiligt. Erhält der eine Sozialkontakt/Leckerchen/Aufmerksamkeit, so wird dem anderen das selbe zu Teil. Denn der Hund ist ein Gesellschaftswesen mit sehr strengen, aber einfachen Regeln.
Entziehe deinem Hund nie den Kontakt zum Fremdhund. Lasse ihn von Anfang an Kontakt aufnehmen, vor allem braucht der Hund Geruchskontakt. Entzug (wie viele Kleinhundehalter ihren Hund hochreissen, um Kontaktaufnahme zu verhindern) verwirrt Hunde. Sie suchen ihn dann eventuell auf ihre Weise. Also kontrolliert miteinbeziehen. Und immer muss der Hund sich akzeptiert vorkommen dürfen, niemals in die „Ecke" stellen.
Machst du das geschickt, wird der Hund sich nicht ausgeschlossen oder gar zurückgestuft vorkommen.
Vielleicht sollstet du deinem und dem Fremdhund viele positive Kontakte ermöglichen, sollen sie sich auch in Zukunft gut miteinder verstehen. Damit dein Hund den Fremdhund nicht mehr als Konkurrenten sieht, sondern vielleicht sogar als Rudelmitglied. Gemeinsame Spaziergänge, Erziehungsarbeit (sehr produktiv! in solchen Fällen), Abenteuer. Auf keinem Fall solltest du Ressourcen als mögliche Streitquelle zw. diese zwei Hunde bringen. Also keine Spielzeuge, Aufmerksamkeit und Leckerchen, wenn der andere es nicht auch bekommt. Nur Spielzeug würde ich ganz außen vor lassen, weil der Hund denken könnte, dass das Spielzeug des anderen Hundes vielleicht doch interessanter ist, als sein eigenes und es dann unbeding haben möchte - Streit wäre vorprogrammiert. Genauso verhält es sich mit selbstgewählten Spielsachen, Stöckchen z.b.
Also im Grundsatz, keinen bevorzugen, keinen benachteiligen, potentielle Streitauslöser aus dem Weg gehen.

LG:bl:
Deargi

BrittaW
01.08.2007, 18:24
Hi nochmal,
ok, soweit verstanden, vielen Dank schonmal!

Aber noch eine konkrete Frage:
Bei dem Hund meiner Eltern war es so, dass ich beide gleichzeitig gestreichelt habe, laut Deiner Aussage habe ich die Ressourcen doch gleichmäßig verteilt?

Und: der Hund der Frau bei Situation 2 hat ihren Hund noch gar nicht gestreichelt, da war Flyka schon dabei, ihren Hund zu vertreiben.

Deine Maßnahmen kann man anwenden, wenn man die Gelegenheit hat, einen Hund öfters zu sehen, aber was ist in Einzelfällen? Neue Begegnung, neue Person mit neuem Hund, neue Person streichelt Flyka, Flyka verbellt/verschnappt neuen Hund.
> Kind in Brunnen gefallen, was tu ich in genau diesem Moment in dem sie schon geschnappt/verbellt hat??

Und nochmal danke im Voraus :bow:
Britta

Deargi
01.08.2007, 19:24
Hallo Britta,
ich gehe mal davon aus, dass deine Hündin auf der Straße gelebt hat. Sollte dies der Fall sein, hat sie Artgenossen zum Großteil nur als Nahrungskonkurrenz kennengelernt. Von Menschen, welche ihr Aufmerksamkeit zuteil werden ließen, gab es vielleicht auch ab und zu Futter. Das heißt, die Aufmerksamkeit eines Menschen war und ist ein wichtiger Bestandteil im Leben deines Hundes. Andere Hunde, welche die Aufmerksamkeit der Menschen streitig machten, waren damit auch Futterkonkurrenten.
Wenn sich zwei Hunde die sich noch nicht kennen, zum ersten mal begegnen, so macht man dies auf möglichst neutralem Territorium. So hätten sie eine entspannte Möglichkeit sich kennenzulernen. Beide Hunde waren es aber gewöhnt, deine ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen. Letztendlich mussten sie sie doch teilen, auch wenn sie nicht ganz unbeachtet geblieben sind, ist das doch eine Rückstufung in Sachen Privilegien.
Der Hund bei der Frau kam aber näher und mischte sich da ein. Deine Hündin sah darin eine Konkurrentin.
In dem Moment gibts ne klare Ansage von dir. Ein NEIN! Mit diesem NEIN brichst du die Situation ab. Wenn es doch unausweichlich ist, in solch eine Situation zu geraten, gibst du deiner Hündin eine Aufgabe. Sie soll sich z.b. neben dich, möglichst weit vom anderen Hund weg, hinsetzen. Und für dieses tolle, friedliche Verhalten kannst du sie dann loben.
D.h. "Eifersuchtsattacken" sind kontraproduktiv, da erstens negativ (NEIN) und zweitens erreicht sie ihr Ziel (deine ungeteilte Aufmerksamkeit) nicht. Ist sie dagegn ruhig und gelassen, gibt es Lob und Leckerchen. Dieser Weg führ dann zum Ziel.

LG
Deargi

BrittaW
02.08.2007, 13:40
Danke Dir für Deine ausführlichen und hilfreichen Antworten, das kriegen wir schon hin :wd:

Wenn hier noch jemand diese Erfahrungen gemacht hat und seine eigene Lösung erzählen möchte, immer gern, würde mich freuen!

Viele Grüße,
Britta