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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ängste abgewöhnen?



Suse & Trixi
07.11.2002, 11:17
Hallihallo!!

Da ich in diesem Forum nun schon einige hilfreiche Beiträge gelesen habe, hoffe ich, dass ihr mir vielleicht weiterhelfen könnt.

Wir haben vor zwei Jahren einen 11 Monate alten Zwergpudel von einer ehemaligen Kollegin bekommen, die meinte, durch ihre neue Arbeitszeit nicht mehr genug Zeit für Lucky zu haben (kurz danach hatte sie wieder einen ganz jungen Welpen...)

Lucky hat sofort aufs Wort gehört und kam - ohne Leine!- gleich mit uns mit. Hätte mich ja schon stutzig machen müssen. Vor allem weil sein altes Frauchen hinter uns stand und gewunken hat, als wir mit ihm davon gingen. So weit, so gut, er lebte sich schnell bei uns ein, versteht sich gut mit den beiden Katern, die schon länger bei uns waren, und war zu Anfang ein richtiger Rabauke. Heute dürfen wir ihn nicht mal bei meinen Schwiegereltern lassen, ohne dass er sich nach einer Stunde die Augen ausheult.

Nach und nach stellte ich aber fest, dass er auf bestimmte Laute, Gesten und Bewegungen ganz merkwürdig reagierte. Ich fragte die Kollegin, ob sie den Hund erzogen hätte und sie sagte, nein, das wäre ihr Lebensgefährte gewesen, der auch schon Polizeihunde erzogen hätte (???)

Jedenfalls springt er in einem hohen Bogen beiseite, wenn man mit dem Fuß etwas fester neben ihm auftritt, über ihn drüber steigen, wenn er liegt geht schon gar nicht. Wenn man ihn ausschimpft, weil er mal wieder Blödsinn macht, kriecht er ohne sich umzudrehen in die nächste Ecke und kommt erst nach Stunden wieder. Schlimmer geworden ist es, seitdem wir eine kleine Mischlingshündin haben, die ja erst erzogen werden muss. Natürlich fällt da manchmal ein scharfes NEIN, nur dass er das gleich mit auf sich bezieht und wie ein Häufchen Elend daneben sitzt. Ich habe mir schon angewöhnt, oft Trixis Namen mit zu erwähnen, in der Hoffnung, er merkt, dass er nicht gemeint ist.

Kennt jemand solche Hunde? Was kann man da machen? Oder sollte ich ihn so akzeptieren und das Beste draus machen? Von Natur aus ist er nämlich sehr unerschrocken. Das habe ich schon festgestellt, als ich mit ihm bei uns im Wald war. Dahinter fängt ein Truppenübungsgebiet an und er schaut bei Panzer- oder Maschinengewehrschüssen nur kurz in die Richtung, aus der sie kommen. Auch zuschlagende Autotüren stören ihn nicht. Große Hunde schon gar nicht. Nur kleine Kinder.

Viele Grüße, Suse

Tasi2002
07.11.2002, 15:24
Hm , das hört sich echt so an, als ob der vorbesitzer richtig vies zu ihm gewesen ist! Vielleicht ist er ihm extra wenn er etwas falsch gemachtt hat auf di pfoten getreten, so dass der hund jetzt angst davor hat, oder er wurde geschlagen, wenn er nicht sofort auf nein gehört hat, deswegen hat er jetzt angst davor! etwas anderes könnte ich mir da nicht vorstellen. Oder er wurde getreten.
Wegen den Polizeihunden. ich weiß ja nicht wie die erzogen werde, denn es sind ja mestens schäferhunde. vielleichtw werden die mit schlägen erzogen, deshalb meinten die vorbesitzer die auch meinen zu müssen. das ganze kommt mir sehr merkwürdig vor. war der hund nicht traurig, als er von seinen vorbesitzern weg musste? Wenn nein, würde ich mir schon da gedanklen machen. mein Hund guckt mich immer traurig an, wenn ich zb aufs klo gehe, so nach dem motto "wei kannst du mich jetzt alleine lassen" und sie freut sich immer wenn ich zurück bin. oder sie stellt sich vors klo und kratzt an der tür bis ich sie reinlasse. sie ist immer sehr traurig wenn ich z.b. abend mal weg muss und sie bei meinem freund lassen muss oder zu hause bei meinen eltern.
Akzeptieren würde ich das ganze nicht, denn das hört sich wirklich schlimm an!
Gewinne erst mal vertauen zu deinem hund, so dass er merkt, dass du ihm nichts bödes willst! Er braucht erst mal viel liebe und zuneigung! ich glaube das ist erst mal das wichtigste! Ich hoffe ich konnte dir helfen, muss jetzt leider raus! nathi

igelchen
07.11.2002, 15:51
Hallo Suse, hallo Nathi!

Auch wenn es in Euren Ohren extrem merkwürdig klingt: Der Hund muss nicht unbedingt verprügelt worden sein, um derart ängstlich zu reagieren. Ich habe mit meiner Boxermix-Hündin ganz ähnliche Probleme (schaut mal unter "wie erziehe ich meinen Hund" oder so ähnlich hier im Forum), weil ich sie, als sie anfangs mir gegenüber sehr dominant und aggressiv auftrat, auf Anraten meiner Hundefreunde und -bücher intensiv und bei jeder Gelegnheit unterworfen habe, indem ich sie auf den Rücken gedreht habe. Ich habe sie weder geschlagen noch angeschrien - und trotzdem reagiert sie auf jedes harte Wort, jeden scharfen Blick und jede (zu) schnelle Bewegung von mir, indem sie sich direkt unterwirft und sehr ängstlich wird.

Suse, Du solltest Trixies Vertrauen stärken, indem Du solche Situationen absolut meidest und jede angstfreie Reaktion sofort belohnst. Meiner Hündin hilft es sehr, wenn ich viel mit ihr arbeite, denn dann weiß sie genau, wie sie reagieren soll und dass sie belohnt wird. Wir arbeiten auch seit kurzem mit Clicker, was ihr Vertrauen in mich noch mehr gestärkt hat (sie ist auch sehr verfressen und fängt schon an zu sabbern, wenn sie nur merkt, dass ich den Clicker eingesteckt habe...).

Viele Grüße und viel Erfolg beim Vertrauensaufbau
Igelchen

cheroks
08.11.2002, 10:05
Hallo Suse,
ich kann dir zum Thema ängstlicher Hund das Buch Calming Signals von Turid Rugaas empfehlen. Dadurch kannst du die Signale deines Hundes besser deuten und sehen, welche Situation ihm Angst bereitet (nicht nur die ganz offensichtlichen), und wie du diese Situation entschärfst. Der Mensch kann auch "Calming Signals" aussenden, die dein Hund versteht. z.B. kannst du durch gähnen oder bewußtes Kopf abwenden deinem Hund zeigen, von mir geht keine Gefahr aus.
Das Buch hat mir echt weiter geholfen, da ich auch eine eher ängstliche Hündin hatte. Jetzt hat sie mehr selbstbewußtsein, ich verstehe sie besser und sie mich.
LG

Suse & Trixi
08.11.2002, 10:16
Prima, das hört sich doch schon mal gut an. Ich habe jetzt auch schon erfahren, dass es durchaus Hunderassen gibt, die etwas ängstlicher reagieren als andere.

Mit dem Thema muss ich mich nun erstmal etwas ausführlicher beschäftigen. Das Vertrauen ist ja da, er macht alles, was ich mache bedingungslos mit.