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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Aufreiten von acht Monate altem Rüden



UlrikeLZ
06.11.2002, 13:30
Hallo zusammen!

Ich brauche mal wieder Euren Rat bzw. eine Erklärung für folgendes Verhalten!

Gehe zur Zeit häufig absichtlich in Gegenden mit
regem Hundeverkehr mit meinem Dobi-Rüden spazieren, damit er den Kontakt zu anderen Hunden lernt. Klappt seit einigen Wochen auch echt prima, zumindest wenn er von der Leine ist. Mein Dicker
ist ein "second-hand"-Hund und noch ziemlich unsicher im Umgang mit anderen Fiffis, aber keinesfalls aggressiv. Wir treffen gestern auf ein Paar mit zwei mittelgroßen, jungen Hunden, Rüde (acht Monate alt!!!) und eine junge Hündin. Klappt
kurz ganz gut mit Spielen bis der junge Rüde anfängt meinen Dicken zu besteigen. Ich wußte erst auch nicht so recht, wie ich reagieren sollte. Ich sagte den Leuten nur, dass meiner das nicht mag und ich nicht wolle, dass es eine Beisserei gibt.
Der junge Mann meinte nur, dass sein Rüde, dass nur bei kastrierten!! Rüden tue und die meisten sich das gefallen liessen. Mein Dicker "biss" ihn
vorsichtig weg ohne ihn zu verletzen, dann kam
wieder eine Spielphase und schon ging das aufreiten wieder erneut los. Dieses Mal wurde mein Rüde schon etwas grantiger und ich appellierte
abermals an den jungen Mann, dass er seinen Hund wegholen sollte. Dann kam noch ein vierter Hund dazu und die Besitzerin meinte zu dem jungen Pärchen, dass dies mal ganz schön ins Auge gehen könnte. Mir reichte es dann und ich machte meinen Hund an die Leine und lief in die andere Richtung.
Abends als mein Dicker sich den Bauch streicheln liess, bemerkte ich, dass er seitlich rechts und links ganz schöne Striemen von den Krallen des anderen Hund hatte und innerlich war ich stinkig.

Wie hätte ich mich korrekt verhalten müssen? Hätte
ich schon beim ersten "Aufreiten" meinen Hund anleinen und weggehen müssen bzw. hätte ich den fremden Hund selber am Halsband runter ziehen sollen? Kann dieses "Aufreiten" tatsächlich zu einem Kampf führen?
Warum besteigt der andere Hund (kastrierte) Rüden, Dominanzgehabe????

Ganz schön viele Fragen, aber ich wäre dankbar für
Eure Antworten.

Liebe Grüße, Ulrike mit (noch) gutmütigem Dicken:confused:

Ilona
06.11.2002, 15:46
Hallo liebe Ulrike,

ja, das Aufreiten ist so eine Dominanzgeste der Rüden untereinander genau wie das Kopf auf den Widerrist auflegen. Dass Dein Dicker so gutmütig ist, hat Euch vor vielleicht Schlimmem bewahrt. Wenn Hundehalter nicht einschreiten, wenn ihre Hunde diese Dominanzgeste bei einem anderen Rüden zeigen, dann würde ich in jedem Fall sofort weg gehen. Das ist ein Verhalten, das man nicht tolerieren muss. Mein Benji war auch so ein verrückter, der ständig jeden Rüden dominieren wollte. Ich hab ihn immer und immer wieder runter ziehen müssen. Zweimal gab es deswegen schon Beißereien, weil Benji eben nicht an gutmütige, sondern eher selbstbewußte und wehrhafte Rüden geraten ist:( Aber für mich besteht kein Unterschied, ob ein selbstbewußter, kastrierter oder Weichei-Rüde bestiegen wird - ich finde, dass das Verhalten nicht unbedingt zum Repertoire eines Rüden gehören muss und erziehe es meinem Hund ab.

Na ja, will sagen, wie der Hundebesitzer sich verhalten hat, find ich nicht korrekt. Ich mach es anders. Vor allem auch, weil ich meinem Hund das Dominieren von anderen Hunden abgewöhnen will. Damit werden wir ruhiger leben. Und ein wenig besser ist es auch schon geworden :)

Ich würde keinen fremden Hund von meinem runter ziehen. Das kann ins Auge gehen. Das soll der Besitzer schön selber machen. Tut er es nicht, drehst Dich halt um und gehst.

Liebe Grüße, Illi und Benji (der manchmal meint, er sei der King)

Hovi
06.11.2002, 16:00
Hallole Ulrike,

wie alt ist denn Dein Dobi-Rüde, dass er sich von einem 8 Monate alten "Rotzlöffel" das Aufreiten gefallen läßt? Es wäre Sache der Besitzerin des anderen Hundes gewesen, ihrem Halbstarken das zu verbieten, und zwar nachdrücklich!

Mein Jason (19 Monate), Hovi-Rüde, spielt eigentlich mit allen fremden Hunden, egal ob Rüde oder Hündin. Er hat ein extrem freundliches Wesen... aber beim Aufreiten hört bei ihm der Spass auf! Einige haben es schon probiert (letzte Woche erst wieder ein 10 Jahre alter Cocker-Spaniel), und etwa 1 bis 2 Minuten lang weicht Jason diesen Hunden dann aus. Das ist die Zeitspanne, die ich dazu nutze, den Besitzern der anderen Hunde freundlich zu erklären, dass Jason das nun mal gar nicht mag. Wenn die Besitzer aber der Meinung sind (so wie es jetzt bei dem Cocker der Fall war) "Ach, das macht doch nix, meiner spielt doch nur!", tja, dann halte ich mich vornehm zurück, weil ich meinen Jason kenne ;) . Der fährt dann urplötzlich rum, packt sich den Möchtegern-Macho im Genick und drückt ihn zu Boden. Dabei achtet er peinlichst genau darauf, den anderen Hund nicht zu verletzen! Diese Situation gab es nun schon einige Male mit verschiedenen Hunden, und sie lief immer gleich ab. Jason hat sich das Aufreiten eine oder zwei Minuten lang gefallen lassen, dann siehe oben... und nie hat er den anderen Hunden auch nur ein Haar dabei gekrümmt. Die Besitzer reagierten zwar bisweilen etwas panisch, aber ich hatte sie ja gewarnt. Übrigens haben wir den Cocker heut morgen wieder getroffen, und siehe da... die zwei spielten miteinander, und im Spiel ließ sich Jason sogar gefallen, dass der Cocker auf ihm rumhüpfte, während er selber auf dem Rücken lag.

Ich weiß zu wenig über Deinen Dobi, um nun sagen zu können: lass die das unter sich ausmachen! Vielleicht würde er aufgrund seiner Unsicherheit den fremden Hund verletzen. Sowas muß ja nicht sein. Darum würde ich an Deiner Stelle die jeweiligen Besitzer nachdrücklich dazu auffordern, ihre Hunde zur Ordnung zu rufen. Tun sie das nicht, lein Deinen Hund an und geh einfach weg. Die Kratzer an der Seite sind weniger tragisch, aber auf eine Beisserei muß man es nun wirklich nicht ankommen lassen :)

Liebe Grüße
Claudia

Ilona
06.11.2002, 19:56
Liebe Claudia,

schwärm...so möchte ich auch, dass mein Benji mal wird:) Wir arbeiten dran. Schade, dass man so wenig Hunde/Rüden wie Deinen trifft, die mit einer solchen Situation so souverän umgehen. Solch einen Trainingspartner könnt ich gut brauchen:)

Dickes Lob an Deinen Hund!

Gruß Illi und Benji, der Möchtegernstarksein

Suse & Trixi
07.11.2002, 09:20
Hallo, Du Arme!

Ich kann diese Menschen auch nicht leiden, die ihren Hund immer verteidigen mit "aber der macht doch gaaar nichts!!!"

Jedenfalls das nicht, was Herrchen bzw. Frauchen gerne möchten.

Ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten: ich habe einen 3jährigen (hat heute Geburtstag) Zwergpudel, der von der Vorbesitzerin kastriert wurde. Mit dem in eine Gruppe von Hunden, die ihn nicht kennen, überfordert ihn total. Denn die fremden Hunde - auch die Hündinnen - finden anscheinend nichts spannender, als ihre Nasen unter seinen Bauch zu schieben. Da er natürlich sehr klein ist und ziemlich sensibel, legt er sich sofort auf den Rücken und rührt sich nicht. Egal, was die anderen machen. Da hilft wirklich nur Abstand halten. Zuerst habe ich ihn aus Reflex auf den Arm genommen, allerdings sprangen die anderen dann an mir hoch...

Bei seinen Freunden ist das anders. Die haben sich an seinen anscheinend sehr eigentümlichen Geruch gewöhnt.

Ich kann Dir also auch nur den Tipp geben, in solchen Situationen souverän zu zeigen, dass Ihr Euch das Verhalten nicht gefallen lasst.

Viel Erfolg, Suse

Dagi
07.11.2002, 10:36
Hallo Suse,

na denn mal: HERZLICHEN GLÜCHWUNSCH zum Geburtstag!!! Ein dreifaches Wau-Wau-Wau!!! Und das es noch viele, viele gemeinsame Jahre für euch werden!!!

Dagi, Amy, Summer + Shorty

edda
07.11.2002, 11:14
Hallo,

ich muss uns leider jetzt auch outen. Waro (10 Monate) ist auf so ein Rüde, der gern ausprobiert wie mächtig er ist. Ich kann nur sagen, dass ich ihn sofort runterziehe wenn er anfängt aufzureiten egal ob Rüde, Hündin oder Kastrat. Läßt er es nicht sein, wird Waro angeleint und wir gehen weiter. Ich bin halt der Meinung, es ist mein Hund der sich unerwünscht verhält und dann habe ich auch wegzugehen und nicht der Hund, der nur spielen will.
Aber auch wir arbeiten an diesem Dominanzgehabe und so einen Hovi wie dein Jason, Ulrike, könnten auch wir sehrgut als Trainingspartner gebrauchen.
Ein Bekannter vom Hundeplatz ist übrigens der Meinung, man sollte den fremden, aufreitenden Hund selbst von seinem Hund runterziehen, da man das Alphatier ist und sein Rudel(Hund) verteidigt. Ich kann das nachvollziehen, aber ein Risiko ist es, weil man nie weiß wie der fremde Hund reagiert.

Es grüßen Edda & Waro

UlrikeLZ
07.11.2002, 14:43
zuerst @ Claudia and Jason

hmm...entweder ich bin blind oder ich finde keine Option, wo ich
jedem direkt antworten kann, ausser der Option "antworten" ganz unten am Schluß. Nun denn dann muß es eben so gehen.

Zunächst mal vielen Dank für Deinen/Eure Beitrag(e).
Mein Dobi ist im Oktober vier Jahre alt geworden und trotzdem
hat er sich das von dem jüngeren gefallen lassen :(
Vielleicht zum Glück, denn ich wäre auf eine Beisserei nicht gefasst gewesen. Außerdem möchte ich, dass mein Dicker positives bei Hundebegegnungen erlebt und möglichst keine schlechten Erfahrungen macht. Ich weiß, dass dies nicht immer möglich sein wird, aber ich muß mich einfach ran trauen.
Eigentlich spricht es doch für sein Wesen, dass er so "gutmütig" reagiert hat oder ist das ausschließlich auf seine Unsicherheit zurück zu führen???

Im übrigen toll, wie Dein Jason bei anderen Hunden reagiert.
Ich denke da hätte ich weniger Angst, wenn ich wüßte, dass
mein eigener so souverän reagiert. Und den "Aufreitern" muß
man allemal sagen, wo es langgeht.
Ich weiß jetzt nicht, ob der Charakter meines Dobis im Umgang
mit anderen Hunden eine Ausnahme ist??! denn von zwei anderen Dobi-Rüden weiß ich, dass die bei anderen Rüden
nicht lange fackeln.

Liebe Grüße, Ulrike

UlrikeLZ
07.11.2002, 14:49
Hallo ihr zwei,

aha, hast auch so einen Rüden, der gerne dominiert ;)
Tja, kann man sich wohl nicht aussuchen, aber Deine Einstellung dazu finde ich echt gut im Gegensatz zu dem Paar, auf dass ich getroffen bin. Einfach zu sagen: die meisten Rüden haben sich das schon gefallen lassen, war ziemlich gefährlich, was ich jetzt im nachhinein weiß. Irgendwie tat
mir mein Dicker schon etwas leid, dass er sich das von so
nem "kleinen Jungen" mußte gefallen lassen. Aber wer weiß,
vielleicht war das nur ne einmalige Sache und beim nächsten Mal reagiert er vielleicht anders? Ich weiß es auf jeden Fall jetzt besser.

Viele liebe Grüße,

Ulrike;)

UlrikeLZ
07.11.2002, 14:58
Nachträglich auch erstmal alles Gute an Deine Trixi!!!
Mein Dicker hat auch erst am 28.10. Geburtstag gehabt ;)

Tja, das mit dem Kastrieren ist so eine Sache. Ich hab meinen - als er noch Pflegehund bei mir war - bereits kastrieren lassen.
Bin mir allerdings nicht sicher, ob ich das nochmals machen lassen würde. Deine Beschreibung mit Trixi und den anderen Hunden, die sie nicht kennen, erinnert mich ein wenig an unsere Situation. Wie schon im 1. posting erwähnt, suchen wir jetzt häufig Plätze auf, wo viele Hunde in Gruppen, Rudeln frei laufen und ich hab auch den Eindruck, dass mein Dicker anfangs etwas "gemoppt" wird :( Selbst die Hündinnen zeigen ihm die Zähne und jagen ihn erstmal eine Runde. Keine Ahnung, ob es am Kastrieren liegt oder einfach, weil er neu in
dem Revier ist. Ich hab den Eindruck, dass er sich mit ebenfalls kastrierten Rüden besser als mit Hundemädels versteht. Hmm, ob das normal ist?

Na ja, wir bleiben am Ball und hoffen, dass wir künftig auf
verständnisvollere Besitzer stossen, zumal ich gleich von
Anfang sag, dass mein Hund ziemlich unsicher ist.

Liebe Grüße, Ulrike

UlrikeLZ
07.11.2002, 15:03
Hi Edda,

ich finde Dein Bekannter hat vollkommen recht, was das runterziehen vom andern Hund angeht. Die Frage ist nur,
was ist, wenn Du mal an einen Hund gerätst, dem das gar nicht gefällt? Ich werde dieses Thema am Samstag auch
bei uns in der Hundeschule mal ansprechen. Mal sehen,
wie die das sehen. Mir tat mein Dicker (großer, ansonsten
frecher, menschentrietzender Dobi! ;) auf jeden Fall schon
etwas leid, weil er wohl nicht so recht wußte, was er mit dem
"Flegel" anfangen sollte. Aber besser so als dass er den Kleinen verletzt hätte.

Viele Grüße an Deinen Wauzi

Ulrike :)

Hovi
07.11.2002, 17:45
Ich denke mal, Dein Dobi hat sich das von dem "Jungspunt" einerseits gefallen lassen, weil er den noch nicht richtig "für voll" genommen hat (das kann sich aber von einer Sekunde auf die nächste schlagartig ändern, wenn´s ihm einfach zu dumm wird), und weiterhin denke ich, dass seine Unsicherheit und Gutmütigkeit eng zusammenhängen. Er will einfach keinen Streit! Hierbei erinnert er mich an meinen älteren Hovi, Bandit. Der läßt sich auch ewig drangsalieren, ohne sich zu wehren, einfach, weil er absolut keine Lust auf Raufereien hat. So ähnlich hört sich das Verhalten Deines Dobis auch an. Ausserdem: Ich kenne sehr viele Dobermänner, und die meisten sind vom Wesen her grundgutmütig (fast so, dass es schon ans "vertrottelte" grenzt). Drum wundere ich mich immer wieder aufs Neue, dass der Dobi so ein "gefährliches" Image in der Öffentlichkeit hat.

Ich schätze mal, je selbstbewusster Dein Dobi mit der Zeit wird, desto weniger wird er sich in Zukunft von fremden Rüden gefallen lassen. Andererseits: mit steigendem Selbstbewußtsein sinkt auch die Gefahr, dass er wirklich zubeisst. Wünschenswert wäre aber vorerst, dass er viiiiele Kontakte mit freundlichen Rüden macht, damit es nicht zu brenzligen Situationen kommt, die dann seine Fortschritte eventuell auch wieder zunichte machen. Und auf Spaziergefährten, die ihre Rüden aufreiten oder andere dominieren lassen, ohne einzugreifen, kannst Du mit Sicherheit gut verzichten!

Liebe Grüße
Claudia