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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Tier als Pfand



Tiggerbaby
02.11.2002, 15:13
Hallo zusammen,

in der Zeitung habe ich heute nachfolgenden Artikel gelesen. Ein Urteil welches sicherlich Diskussionen herauf beschwört. Ich kann beide Seiten - Tierarzt & Tierhalter - verstehen, aber mit ein bisschen Feingefühl sollte man einen Weg finden können, bei dem man die Gefühle/Bedürfnisse/Ängste des Tieres nicht völlig vergisst !

Gruß
Martin



Wiesbadener Tagblatt vom 02.11.2002

Tier als Pfand
Ein Tierarzt hat bis zur Begleichung seines Honorars grundsätzlich das Recht, das behandelte Tier zu behalten. Dies entschied das Landgericht Mainz. Ein solches "Pfandrecht" verstoße nicht gegen das Tierschutzgesetz. Es widerspreche auch nicht der neuen gesetzlichen Regelung, wonach Tiere nicht mehr als Sachen, sondern als Mitgeschöpfe zu behandeln sind (Az.: 6 S 4/02).

PS: Der Fall, der zu diesem Urteil führte wurde nicht geschildert. Es bleibt also offen, ob der Tierarzt geldgierig war oder der Tierhalter einfach keine Interesse hat Rechnungen zu bezahlen. Vielleicht ist ja einem von Euch die Vorgeschichte bekannt und kann sie hier schildern.

Wheatenmummy39
02.11.2002, 21:17
Hallo Tiggerbaby,


hier ist der komplette Beitrag zu deinem oben erwähnten Urteil.

Urteil: Wenn der Tierarzt den Patienten behält


Köln/NRW, 22.10.02

Verweigert ein Hundezüchter die sofortige Zahlung einer Tierarzt-Rechnung, kann der Arzt das Tier erst einmal einbehalten. Darauf weist der Anwalt-Suchservice in Köln hin. Er beruft sich dabei auf ein Urteil des Landgerichts Mainz (Az.: 6 S 4/02).

In dem verhandelten Fall hatte der Betreiber einer Hundezucht einen Boxer wegen eines Milzrisses in eine Tierklinik gebracht. Die Klinik verlangte nach der erfolgreichen Operation das ausstehende Honorar von 1000 Euro. Als der Mann dies verweigerte, behielt die Klinik den Hund. Die Richter gaben der Tierklinik Recht.

Entscheidend sei, dass der Kläger den Boxer in seiner Eigenschaft als Hundezüchter gehalten habe. Das setze eine gewisse emotionale Distanz zum Tier voraus. Es habe deshalb keine besondere Bindung des Hundes an seinen Halter bestanden. Somit hätte es auch nicht zu Vereinsamungsgefühlen oder seelischem Schmerz bei dem Vierbeiner kommen können. Nur eine solche Gefahr hätte es gerechtfertigt, dem Tierarzt das Zurückbehalten des Hundes abzusprechen.



Sei lieb gegrüsst

Anja und die 3 Fellmonster

samtpfote5
03.11.2002, 14:34
Woher will denn das Gericht wissen, dass ein Hund, der bei einem Züchter lebt, ein distanzierteres Verhältnis zu seinem Rudelchef hat??? Unmöglich, solch ein Urteil und solch eine Begründung!!!
Der TA kann den Betrag doch einklagen oder man kann als "Pfand" einen gleichwertigen Gegenstand aus dem Besitz des Züchters beschlagnahmen, aber bitte doch kein fühlendes Tier!!!! Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit!!!

Christiane
03.11.2002, 23:53
Tja, das ist aber rechtens! Kenne auch so einen Fall! Eine Dobermannzücherin, die 10.000 DM für ihren letzuten Deckrüden aus den USA zahlte, aber sich nicht in der LAge sah, eine TA-rechnung von 600 DM zu zahlen....!

Mein Onkel ist TA und der hat das auch schon häufig erlebt. Es sind gerade die Leute, die nicht zahlen WOLLEN, aber großkotzig auftreten und sagen "Geld spielt keine Rolle!" Nachher aber meckern sie, daß es so teuer ist oder meinen, wenn das Tier stirbt, brauchen sie auch nicht zu bezahlen. Er hat dann auch schon die Tiere behalten, weil ein TA nicht berechtigt ist, bei den Leuten zu pfänden. Das geht über das Gericht, dauert tierisch lange und wenn dann endlich der Gerichtsvollzieher kommt, haben die Leute auf einmal nichts mehr oder alles der Frau überschrieben und so Schoten!
Dadurch hatte mein Onkel auch schon großen Schaden, deswegen macht er das heute auch so, daß er die Tiere behält.

Was soll man denn machen?! Ich kann das schon verstehen, wenn mir die Tiere auch leid tun (aber manchmal geht es denen beim TA besser als bei ihren Besitzern...)
Den Tierkliniken entsteht ein Millionenschaden jedes Jahr durch zahlungsunwillige Tierhalter.
Mir ist es auch schon passiert, daß ich kein Geld hatte, aber ich spreche dann mit dem TA über Raten. Hatte nur einmal Ärger, als ich eine angefahrene Perserkatze gefunden habe. Schilderte das dann auch der Klinik und die riefen mich dann an (ich blöde Kuh gab denen auch noch nichtsahnend meine Adresse und Tel.-Nr., als man mich über das Befinden des Kätzchens informieren wollte, jaja...)und wollten, daß ich die Rechnung bezahle, obwohl erst keine Rede davon war.
Konnte ich nicht (mehr als 800 DM) und sah ich auch nicht ein. Gab aber ein Heiden-Theater deswegen. Mein Onkel rief dort auch noch an. Die dachten echt, ICH wäre die Besitzerin, mir wäre die Katze abgehauen und jetzt wollte ich nicht zahlen.

Da müssen die sich nicht wundern, wenn die Leute aus Angst vor Kosten die Tiere liegen lassen und nicht mehr zum TA bringen....Nicht jeder hat die dicke Knete und schon gar nicht für fremde Tiere.
Aber ich kann das halt nicht; wenn ich sowas sehe, muß ich versuchen zu helfen. Bin trotzdem aus allen Wolken gefallen, weil ich eben von meinem Onkel wußte, daß man in so einem Fall nicht zahlen muß. Die schläfern dann allerdings manchmal bei viel Aufwand die Tiere ein.....

Tiggerbaby
05.11.2002, 00:31
Hallo Christiane,

wie ich bereits oben erwähnte kannte ich den Hintergrund zu diesem Gerichtsurteil nicht. Ich wollte jedoch andere Tierhalter darauf aufmerksam machen, daß Tierärzte nicht nur gerichtliche Mittel haben, sich gegen Zahlungsverweigerung zu wehren. Meiner Meinung nach dürfte dies kaum bekannt sein.

Es ist traurig, wenn beim Streit ums Geld das Tier auf der Strecke bleibt.

Ich habe kein Verständnis für solche Leute, welche Ihr eigenes Tier zum TA bringen und keine Lust haben die Rechnung zu bezahlen. Dies ist verantwortungslos gegenüber dem Tier. In diesen Fällen, Christiane, hast Du sicherlich Recht, geht es oftmals einem Tier beim TA besser als beim Tierhalter.

In Foren habe ich schon des öfteren gelesen, daß TAs einer Ratenzahlung einwilligen. Ich Frage vor größeren Behandlungen / Operationen wie hoch die Kosten pi-mal-Daumen sein werden. Sollten die Kosten bei jemanden an die Grenzen des finanziell machbaren gelangen, könnte er/sie im Vorfeld mit dem TA darüber sprechen. Wenn der TA sieht, daß man gewillt ist die bevorstehende Rechnung zu begleichen, dann geht er u.U. eher auf eine Ratenzahlung ein.

Leider ist es nicht selbstverständlich, daß sich Leute um verletzte, fremde Tiere kümmern und es ist für Dich Christiane lobenswert, wenn Du Dich für diese einsetzt. Gerade bei diesen Tieren ist die TA-Rechnung meist sehr hoch, da i.d.R. eine Operation notwendig wird.


Gruß
Martin

Schnucki
10.11.2002, 12:51
Mir fehlen die worte so eine SAUEREI!!!! :mad:

Carmen
07.12.2002, 00:16
Hallo!

Wenn ein Tierbesitzer die TA-rechnung nicht zahlen kann ist es wahrscheinlich besser, das Tier woanders hin zugeben. Denn hat er noch da Geld für Futter usw.?????

Macht schon Sinn!

thashna
13.12.2002, 17:19
hi carmen,

vergiss schnuckis kommentar einfach - diese dame ist der größte fake, den ich je gesehen habe!!!
hat wahrscheinlich eh nicht verstanden, worum es geht.

liebe grüße

thashna

petra carmen
08.01.2003, 22:30
HALLO, TIGGERBABY
bin total entsetzt über solche machenschaften.
ich arbeite bei einem human(menschendoktor)mediziner , wenn also ein privatpatient wieder einmal seine rechnung nicht bezahlt, nehme ich diesen typen auch als Pfand, tolle vorstellung, hätte dann so jedes quartal ungefähr 10 Patienten die in einer ecke (ohne wasser und brot) stehen, und warte darauf das sie ihre rechnung bezahlen, oder wie??????????
hezliche grüße petra c.
p.s. Kann die tierärzte ja verstehen, aber ein lebendes Pfand???

Katzenmammi
08.01.2003, 22:36
Naja, der Thread ist ja schon was älter.

Aber spinnt das doch mal zu Ende:
Angenommen, jemand bringt sein Tier, nimmt eine Behandlung in Anspruch und zahlt dann nicht. Dann stellt der TA in den Raum, das Tier als Pfand zu nehmen. Was aber macht er dann mit dem Tier??? Dabehalten? Eine Pfand-Station einrichten, bis er das Geld hat? Was soll das kosten, wer würde das bezahlen? Der Halter sicher nicht, der hat so schon kein Geld. Die Tiere weiterverkaufen???? Ins Tierheim geben? Darf er nicht, da er nicht Eigentümer ist.

Die Wahrscheinlichkeit, daß ein TA so handelt, halte ich für sehr gering. Auch wenn er rechtlich gesehen so handeln darf, wird er sich das ganz sicher überlegen!

Gruß