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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Cauda-Equina-OP



ClaudiaElliot
23.10.2002, 18:10
Hallo!

Wer von Euch hat Erfahrungen mit Cauda-Equina-Operationen und kann mir kurz über Erfolg oder Misserfolg berichten.

Vielen Dank!

Grüssle, Claudia.

Zorro
27.10.2002, 08:52
Hallo Claudia,

du wolltes rat wegen OP-Erfahrungen bei Cauda equina.
Ich arbeite seit 11 Jahren in einer Tierklinik. Solche Operationen habe ich schon mehrfach miterlebt und konnte auch den Heilungsverlauf beobachten.
Sinnvoll ist die OP dann, wenn das Tier entweder bereits Nervenausfälle hat oder aber starke Schmerzen.
Bei allen Tieren, die ich begleiten durfte konnte eine Reduzierung der Schmerzen erreicht werden, bei vielen sogar Schmerzfreiheit. Die Nervenausfälle gingen bei 50% vollständig weg, bei den anderen 50% besserte es sich zumindest soweit, daß die Tiere besser laufen konnten als vor der OP.
Verschweigen möchte ich allerdings auch nicht, daß wie bei allen Wirbelsäulen-OP´s auch theoretisch eine Verschlechterung eintreten kann die sogar bis zu völligen Lähmung gehen kann. Ich habe dies aber in den ganzen 11 Jahren nicht miterleben müssen.
So eine OP muß in jedem Fall gut überlegt sein. Der Chirurg sollte diese OP auch schon mehrfach durchgeführt haben und eine gewisse Routine mitbringen.
Ich hoffe ich konnte Dir helfen. Tschau Zorro

ClaudiaElliot
27.10.2002, 10:09
Hallo Zorro!

Du hast mir sehr geholfen. Bei uns scheint die OP ja noch nicht angezeigt zu sein, weil sich die Beschwerden noch sehr in Grenzen halten, aber ich möchte mich vorab einfach gleich mal informieren. Wir haben das Glück, in der Nähe eine relativ erfahrene Operateurin zu haben.

Danke nochmals!

Grüssle, Claudia.

Hovi
27.10.2002, 18:03
Hallo Claudia,
mein Hovawart leidet unter dem Cauda Equina Syndrom. Die ersten deutlichen Symptome (Krallenschleifen, Katzenbuckel, Stehprobe positiv) zeigten sich im Alter von 5 Jahren. Eine OP war unumgänglich, da er Schwierigkeiten beim Laufen, bei der Koordinierung der Hinterläufe und auch Schmerzen hatte. Also ließen wir eine Laminektomie vornehmen (Öffnung des Spinalkanals). Danach ging es ihm ein halbes Jahr lang prima. Cortison wurde in dieser Zeit oral verabreicht, damit sich der Wirbelkanal nicht mehr schließt.
Tja, und so nach 7 oder 8 Monaten gingen die Symptome einfach wieder von vorne los. Ich dachte, das darf doch nicht wahr sein. Erneute Untersuchungen incl. Computertomogaphie ergaben folgenden Befund: Der Spinalkanal ist zwar offen geblieben. Aber um die Öffnung herum hatte sich derart viel Bindegewebe (Narbengewebe) gebildet - trotz des Cortisons - dass dieses nun auf das Rückenmark drückte und die Lähmungserscheinungen hervorrief.
Mein TA riet nun zur Goldakupunktur, da es seiner Ansicht nach ja immer wieder passieren könnte, dass Narbengewebe nachwächst. Der Erfolg der Goldimplantation war gleich Null, die Symptomatik verschlechterte sich sogar noch
:( . Also: Erneute Operation. In einer vierstündigen OP wurde das Narbengewebe, das teilweise schon mit dem Rückenmark verwachsen war, entfernt. Um einer erneuten übermäßigen Bindegewebsbildung entgegenzuwirken, muß mein Hund nun monatlich eine Cortisonspritze direkt an die betroffenen Stellen der Wirbelsäule erhalten. Ein Versuch, nach 6 Monaten das Cortison abzusetzen, scheiterte kläglich: sofort kamen die Symptome wieder. Bandit kann zwar nun wieder laufen und traben, Spaziergänge bis zu anderthalb Stunden Länge sind kein Problem für ihn. Wildes Toben oder langes Rennen jedoch führt sofort zu deutlichen neurologischen Ausfällen in den Hinterläufen. Insofern muß ich nun darauf achten, seine Spaziergänge eher gemütlich zu gestalten, was bei einem 7jährigen Hovawart, der ansonsten noch topfit ist, gar nicht so einfach ist. Trotzdem denke ich, die OP war der einzige Weg, ihm Lebensqualität zu verschaffen... und wenigstens ist er nun schmerzfrei.
Auf alle Fälle muß man, wenn eine Laminektomie durchgeführt wird, ganz genau die Narbenbildung beobachten und nach ca. 8 - 10 Wochen nach der OP am besten nochmals eine Computertomographie durchführen lassen, um sicher zu gehen. Sonst kann´s passieren, dass die ganze Quälerei "für die Katz" war.
Liebe Grüße
Claudia

ClaudiaElliot
28.10.2002, 08:01
Hallo Claudia!

Das hört sich aber nicht so toll an :-((((. Ich find es aber toll von Dir, dass Du auch die negativen Erlebnisse schreibst (wär mir aber lieber, Bandit ging es besser). Ich werde das auf jedem Fall nochmal beim TA ansprechen.

Ich dank Dir ganz herzlich für Deinen ausführlichen Bericht und drücke Euch beiden ganz fest die Daumen, dass es nur noch aufwärts geht!

Danke und liebe Grüssle,

Claudia.

Hovi
28.10.2002, 10:08
Hallo Claudia,
ja, das Problem, was ich bei vielen Tierärzten sehe, ist, dass sie (mehr oder weniger absichtlich) nicht darauf hinweisen, was bei solchen OPs alles schiefgehen kann. Erstens verdienen sie mit so einer OP ja Unmengen an Geld, es kommt ja auch die Vor- und Nachsorge noch dazu. Zweitens gibt es so viele Risiken, dass man eventuell gar nicht an alle denken KANN. Drum meine ich, es ist sehr wichtig, Erfahrungsberichte von bereits Betroffenen zu hören. Da bekommt man ein relativ neutrales Bild und erfährt auch die negativen Seiten. Die Goldimplantation zwischen den beiden Operationen war jedenfalls so unnötig wie ein Kropf und hat auch mal schlappe 600 Euro gekostet, einfach mal so... Mit Cauda Equina haben noch nicht allzu viele Leute Erfahrung, aber es werden immer mehr, LEIDER!
Liebe Grüße
Claudia

Ivonne
28.10.2002, 19:24
Hi Claudia,

mein Dicker "leidet" auch unter CES, das er ererbt hat. Daraufhin erworben hat er HD, ED, Arthrose und Gelenkmäuse in den Schultern.
Und zwar deswegen erworben, weil er durch Schmerzen (die wir ihm jedoch nicht angemerkt haben!!) falsch belastete und somit die anderen Gelenke überstrapazierte.

Es geht ihm gut - letztes Jahr war hart - aber es ist überstanden, fürs Erste.

Jedoch kommen für uns keine OP's in Frage, da er kein gesundes Ausweichgelenk hätte. Soll heißen, was soll er bitte belasten, damit er den operierten Körperteil entlasten kann?

Sorry, wenn ich irgendwie das Pferd so von hinten aufzäum, aber der Grünkohl war wohl zu fett *grins*
Was ich eigentlich sagen wolte, ist, das Du bitte erstmal alles andere abklären/röntgen solltest, bevor Du Dich zu einer OP entschließt. Wer weiß, was schon in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Hätte mein TA damals gesagt, Ivonne, wir sollten operieren, hätt ich ohne Wenn und Aber zugestimmt, weil ich ihm vertraue.

ClaudiaElliot
28.10.2002, 22:43
Hallo Yvonne!

Auch Dir vielen Dank für die Antwort und ich bin zu dem Entschluss gekommen, nur operieren zu lassen, wenn es überhaupt keine andere Möglichkeit mehr gibt. Solange wir mit der gelegentlichen Gabe von Schmerzmitteln auskommen, werden wir das auch so handhaben.

Danke Euch allen, Grüssle, Claudia.

Hovi
29.10.2002, 09:19
Hallole Ivonne,
vorher alles abklären, das hat mein TA mehr als gründlich gemacht... und zwar nicht nur durch röntgen, er hat von allen Gelenken Computertomographien gemacht. Wenn man nun weiß, dass eine einzige CT-Aufnahme schon 200€ kostet, kriegt man so ungefähr eine Vorstellung, was diese Voruntersuchungen gekostet haben. Er hat weiterhin auch CT-Aufnahmen von der gesamten Wirbelsäule gemacht, um auszuschließen, dass vielleicht weiter vorne, etwa in der Halswirbelgegend, auch etwas "verrutscht" ist. Also, da war er sehr genau. Aber um die OP kamen wir unmöglich herum. Bandit zeigte deutliche Schmerzen, das Schleifen der Hinterbeine war deutlich zu hören, und er knickte im Stehen manchmal einfach hinten weg. So konnte und wollte ich ihn nicht weiterleben lassen.
Immerhin ist das Krallenschleifen fast ganz weg, er ist nun schmerzfrei und kann ausgiebig spazieren gehen. Dass er nicht mehr dauerhaft toben kann, damit können wir leben. Wenn er einen Stock (er nimmt nur Baumstämme) anschleppt, werfe ich ihn eben nur fünfmal statt wie früher fünfzigmal.

Alles in allem haben ihm die Operationen schon geholfen. Mich hat nur geärgert, dass man nicht gleich nach der ERSTEN OP die Bindegewebsentwicklung um die Operationsstelle genau beobachtet hat. Dann hätte man nämlich rechtzeitig durch Cortisonspritzen gegensteuern können (so wie es ja jetzt nach der zweiten OP geschieht). Das ganze Brimborium mit Goldimplantaten uns zweiter OP hätten wir uns erspart... Aber deswegen gebe ich genau diese Erfahrung an alle weiter, die diese Laminektomie eventuell vornehmen lassen (müssen): Achtet genau auf die Narbenbildung, fahrt lieber ein CT mehr als eins zuwenig, sonst war alles umsonst und man fängt wieder von vorne an!

Liebe Grüße
Claudia