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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie soll ich meinen Hund erziehen???



julius
19.10.2002, 15:29
Ich weis nicht wie ich meinen Hund richtig erziehen?Könnt ihr mir bitte ein paar Tips geben :confused: ?

gini_aiko
19.10.2002, 17:05
hallöchen,

dein angaben sind leider etwas dürftig ausgefallen. vielleicht könntest du uns noch sagen, ob es sich um einen welpen (genaues alter) oder älteren hund handelt? welche rasse, ...

gut wäre auch, wenn du spezielle probleme nennen könntest, die auftreten.

mit diesen angaben können wir dir dann sicher helfen!

lg claudia, gini und aiko

julius
19.10.2002, 20:26
Er ist ein Mischling und zehn monate alt.Ich habe ihn aus dem Tierheim.Ein problem ist das er zwar sitz kann aber nur in unserem Haus.
Danke für die Hilfe!

Tina2809
19.10.2002, 21:24
Hallo Julius!
Am Besten wäre es, wenn Du Dir eine guteHundeschule oder einen Hundeverein in der Nähe suchst (Wie Du eine gute Hundeschule erkennst? -> In der Suche mal Hundeschule eingeben). Dort bekommst Du gute Tipps und Ihr beide lernt unheimlich viel! Ausserdem kann ich das Buch von Jan Fennell, "Mit Hunden sprechen" empfehlen. Im Archiv findest Du auch viele Threads zu den verschiedenen Erziehungsproblemchen.
Viel Glück!
Tina

julius
20.10.2002, 08:22
Danke für deinen zweiten Tip Tina2809 .Danke für die Hilfe!!!!!!!!! :) :) :) ;) ;) ;) ;):cool: :cool: :cool:

Agility Aussie
21.10.2002, 17:31
Hallöchen

Ich muss mal schnell was los werden da ich deine aussage ja fast etwas unvernünftig finde. Ist es so wichtig das dein Hund zu Hause Sitz macht, und draußen nicht??? Am aller wichtigsten ist doch das dein Hund so gut erzogen ist das er aus allen möglichen Situationen einfach gerufenwerden kann und dann zu dir kommt! Was hilft der ein einwandrfreies "sitz" wenn dein Hund z.B. sich nicht rufen lässt?!
Ich finde das immer ganz witzig wenn die Leute ankommen und: "ja sitz kann er ja auch schon", schön für den Hund, vorallem wenn er nicht von der leine ab darf weil er ja nur ein einwandfreies sitz kann. Oder findest du nicht??? Klaro, so ein nettes Grundgehorsam das du deinen Hund hinsetzten oder legen kannst wann du willst ist schon schön, vorallem für irgendwelche arbeiten beim Gassi, aber am wichtigsten ist erstmal das "kom".
Vielleicht kann das dein Hundi ja auch schon?! Das wäre am besten *g*. Aber zu "erziehen" gehört meiner Meinung nach auch das "kom"

Viel spaß noch mit deinem Hundili
VlG Sandra

Sommersprosse
21.10.2002, 19:11
Sorry, ich konnte noch nie viel Verständnis dafür aufbringen, wenn man sich einen Hund anschafft und DANACH fragt, wie man ihn erziehen soll...:mad:

Dagi
21.10.2002, 22:00
Ich würde an Deiner Stelle a) ein wirklich gutes Erziehungsbuch anschaffen (stöber mal im Forum, sind einige gute genannt worden, z.B. "Lassie, Rex & Co.", "Kosmos-Erziehungsprogramm" etc.) und b) nach gründlichem lesen DANN eine Hundeschule aufsuchen. So hast Du schon mal ein wenig theoretisches Wissen, wie überhaupt mit Hunden gearbeitet wird. Ich habe wirklich viel über Hunde gelesen, BEVOR ich in der Lage war einen Hund halten zu können, uns so konnte ich einige "Anfängerfehler" vermeiden - wenn auch sicherlich nicht alle, aber es war schon mal ein gutes Basis-Wissen vorhanden.


@ Agility Aussie
Hallo Sandra, ich schließe mich zwar der Meinung an, daß es mit das wichtigste ist, daß ein Hund zuverlässig herankommt, doch muß man auch sagen, daß es mit das schwierigste überhaupt ist, und langes Trainig erfordert. Da verwundert es doch wohl nicht, daß man auch Dinge wie "Sitz", "Platz" übt, die dagegen ja echt leicht und schnell erlernt sind! Und man übt ja auch nicht nur eine Sache ein, sondern mehrere, und es ist eben ein langer Prozess, bis ein Hund WIRKLICH ZUVERLÄSSIG, auch unter großer Ablenkung herankommt.
Also ist auch klar, daß die Leute es als erstes erwähnen, wenn der Hund bereits "sitz" kann.
Aber Recht hast Du schon!

Liebe Grüße an alle
Dagi + Amy

Tina2809
21.10.2002, 23:20
Ihr Lieben!
Ich bin ehrlich gesagt froh, wenn sich jemand überhaupt Gedanken macht. Vor der Anschaffung wäre es zwar besser, aber es gibt leider immernoch so viele Leute, die sich weder vorher noch nachher informieren, ein Buch lesen oder in die Hundeschule gehen.
Ich habe zwar auch vorher viel gelesen, aber erst hier habe ich wirklich gute Büchertipps bekommen.
Also, Julius: Lesen, lesen, lesen und im Forum stöbern und ne gute Hundeschule suchen und dort fragen, fragen, fragen!
Was ist denn drin in Deiner Mischung?
LG

Cockerfreundin
22.10.2002, 18:59
... aber nicht zu viele :) :)

Hallo Julius!

Auch meine "Hunde-Bibliothek" umfasst mittlerweile fast ein ganzes Regalbrett - zum Leidwesen von Basti sind gut 1/3 davon Erziehungsbücher ;) ;)

Habe mich also auch durchgelesen, aber irgendwann festgestellt, dass es grundpfeiler in der Hundeerziehung gibt, wo es MIR hilft, wenn ich mich auf eine Richtung/ Schule oder wie auch immer man es nennen will, festlege, weil ich (und damit mein Hund) sonst völlig konfus werde.

Ein Beispiel das beliebte Thema: Hund knurrt, weil er sein Futter/ Knochen oder ähnliches bewacht. Die meisten Bücher deuten dies als ein Zeichen von Dominanz, die es sofort im Keim zu ersticken gilt, wehalb geraten wird, dem Hund am besten schon mal prophylaktisch und damit er ja nicht auf solche dummen Gedanken kommt, beim Fressen den Napf wegzunehmen.

Hab ich nie gemacht, weil Basti nie geknurrt hat und ich solche prophylaktischen Erziehungsversuche ziemlich bescheuert finde. Bis ich dann eines Tages die beiden Bücher von Anders Hallgren (ABC der Hundesprache; Hundeprobleme - Problemhunde) gelesen habe, wo das beschriebene Verhalten grundlegemnd anders gedeutet wird und damit auch das Erziehungsverhalten. Nur ein Beispiel von vielen.

Ab dem Zeitpunkt habe ich mich in meinem Interpretations- und Erziehungsverhalten innerlich viel sicherer gefühlt und konnte und kann dann auch an bestimmten Punkten sagen: SO erziehe ich meinen Hund nicht, weil ..... auch wenn 50 Hundetrainer sagen: Du mußt das so machen.

Also, langer Rede kurzer Sinn: Bücher lesen ja, aber noch wichtiger finde ich es, den Hund lesen zu lernen!

Viel Erfolg dabei wünschen
Annette + Basti :)

Agility Aussie
22.10.2002, 19:14
Guten Abend

Sodele, wie mir heute aufgefallen ist, ist mein Beitrag von gestern Abend ja gar nicht hier angekommen :( . naja, also schreib ich dir nochmal ;)

Also, ich kann dir da nur zustimmen das man nicht nur eine Sache übt das das es durchaus von Vorteil ist wenn der Hund gut hört. Ich selber weiß es ja, da mein hundi ja auch so mega viel quatsch kann. Ganz viele Tricks, Sitz, Platz, steh, fuss, hand usw. natürlich ist das unglaunllich praktisch und je besser der Hund solche kommandos beherscht je einfacher ist es mit ihm ja auch im Alltag.
Ich habe es auch lieber wenn ich mit meinem Hundi irgendwo unangeleint vorbei gehen kann oder ihn neber mich setzte oder lege oder aus der entfernung hinlege oder was weiß ich, als wenn ich mir bei jeder Kleinigkeit einen rießen Streß und Panik machen müsste weil der hund nicht hört.
Außerdem, wer hört nicht gerne "ach, der Hudn hört aber gut"... welcher Hundebesitzer wird da nicht für ein paar cm größer :p .

Aber trotzdem, das Lebensnotwendigste ist nach wie vor das "kom"

Liebe Grüße Sandra

Dagi
22.10.2002, 23:04
@ Sandra

Dem habe ich und dem will ich ja auch gar nicht widersprechen!!! Trotzdem ist das zuverlässige kommen des Hundes mit am schwierigsten!

@ Annette + Julius

ja, stimmt, zuviele sollte man nicht lesen. Ich habe hier auch 'ne ganze "Batterie" stehen und alles mögliche gelesen, von ganz schlechten bis hin zu guten. Manchmal habe ich mir gewünscht, daß alles nicht zu wissen, denn ich glaube auch daran, daß man einigen Dingen nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken darf. Gerade was das Thema Dominanz angeht habe ich mich teilweise echt verrückt gemacht aus Sorge, daß Amy dominant sein/werden könnte. Z.B. das mit dem Napf wegnehmen habe ich am Anfang ausprobiert - null Problemo. Ich habe das in einigen Abständen noch ab und an mal ausgetestet - kein Knurren. Warum sollte ich das dann immer wieder machen? Eigentlich wohl nur, wenn man WIRKLICH einen dominanten Hund hat, dem man mit jeder Geste zeigen muss, daß einem alles gehört, und er kein Recht darauf hat. Und so ging es mir mit vielen Dingen. Es ist ja auch nicht jeder Hund dominant, der auf dem Sofa liegen darf, oder im Bett schlafen darf. Man muss halt von Hund zu Hund gucken!

(Apropos: Annette, wie wird es denn in Deinem Buch gedeutet? Würd mich mal interessieren!)

Auch zu Amys Leidwesen :D sind die meisten meiner Bücher Erziehungsbücher. Aber was ich noch wichtiger fand: Bücher zum Thema Hundeverhalten. Und was sehr viel hilft: einfach oft Hunde beobachten - wie kommunizierten die untereinander, wie kommunizieren verschiedene Hunde mit ihren Herrchen. Da kann man dann doch sehr viel lernen. Und: man lernt halt nie aus!!!

Und was ich mittlerweile denke: man muß auch sich selbst und seinem Hund vertrauen. Das ganze Thema Erziehung darf nicht angespannt und gequält angegangen werden. Ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, daß ich mit Freude und Spaß an der Sache weiter komme, als wenn ich mich verbissen an irgendwelche Bücher halte. Trotzdem sind einige gut und haben mir auch weitergeholfen. Aber das wichtigste ist, daß die Kommunikation und die Beziehung zwischen Hund und Herrchen stimmt!

Und was hat mit am besten geholfen? Julius, ich kann es Dir nur ans Herz legen: die Tips aus dem Forum. Stöbere viele alte Beiträge durch, und Du wirst eine Menge AHA-Erlebnisse haben! :D

Liebe Grüße und Gut's Nächtle
wünschen Dagi + Amy

volker
23.10.2002, 09:50
Hallo Julius,

Nun hast du ja bereits sehr viel Informationen über Hundeerziehung erhalten. Da dein Hund 10 Monate alt ist mußt du dir auch keine großen Gedanken um verpasste Erziehung machen.

Suche dir doch in aller Ruhe eine gute Hundeschule in der man Dir erklärt wie man seinen Hund erziehen sollte. Es ist wirklich wichtig, daß du entsprechende Fachliteratur liest um dir ein Bild davon zu machen, wie du dein Hund erziehen möchtest ( aber wie Annette u. Dagi bereits geschrieben haben nicht zuviel verschiedene Bücher ).

Die nächsten vier bis acht Wochen solltest du nutzen um deinen Hund kennenzulernen und umgekehrt. Ihr seid euch mit Sicherheit noch fremd und wenn du jetzt bereits mit Erziehung anfangen würdest, könnte es der Vertrauensbildung schaden.

Also erst mal kennenlernen, gleichzeitig etwas Literatur und eine gute Hundeschule suchen wo ihr als Team in ca. 2 Monaten an den Start gehen könnt und das mit der Erziehung klappt dann ganz sicher.

Gruß Volker

Baghira
23.10.2002, 15:50
Hallo Julius,

du hast ja eine Menge Beiträge bekommen und sicherlich auch viele gute Ratschläge.
Da deine Informationen etwas sehr spärlich waren, kam es sicherlich auch zu einigen sehr hitzigen Beiträgen.
Laß dich nicht verrückt machen.
Ich selber bin mit Hunden groß geworden.
Seit wir jetzt unsere Labrador Hündin (übrigens auch 11 Monate und aus dem Tierheim) haben, wurde uns auch erst einmal bewußt, was es heißt einen Hund zu erziehen.
Ganz wichtig ist jetzt erst einmal die Eingewöhnungsphase.
Erwarte nicht allzu viel von deinem Hund, zeige ihm aber trotzdem schon jetzt, wo seine Grenzen sind.

Schau dich dann, so wie Volker es dir geraten hat, nach einer Hundeschule um und mache mit dem Hund eine Grundausbildung.
Führe das gelernte auch konsequent bei deinen Spaziergängen und auch zu Hause weiter, denn nur so erhältst du gute Ergebnisse.
Ein Hund weiß, wenn er auf dem Hundeplatz ist, hier muss ich aufpassen.
Nach der Stunde ist wieder "Freizeit" und da muß man es nicht genau nehmen!

Es wird am Anfang vielleicht etwas schwierig sein, aber je besser der Hund ausgebildet ist, desto mehr Freiheiten kannst du ihm nchher geben und es wird euch beiden auf Dauer riesieg viel spaß machen, zusammen zu arbeiten!

Und denke dran, nie schreien und schlagen und hab immer genug Leckerlies dabei! Dann das ist das beste Bestechungsgeld!!!

Viel Glück und berichte mal über deine Erfolge!!!

Cockerfreundin
23.10.2002, 19:21
@ Volker

Dem, was Du schreibst, ist nichts hinzuzufügen :) :)

@ Daggi

Das mit dem Knurren, wenn Hund sein Futter oder Knochen bewacht, wird bei Anders Hallgren als Signal mangelnden Vertrauens und NICHT Signal mangelnden Respekts (z.B. gegenüber dem Menschen) gedeutet.

Heisst: Wenn mein Hund knurrt, wenn ich mich der Futterschüssel nähere, sagt er mir: Ich bin mir nicht sicher, was jetzt geschieht. Ich weiß (noch) nicht, ob ich Dir vertrauen kann.

Würde ich jetzt den Hund für sein Knurren bestrafen, etwa indem ich ihn anschreie oder auf den Rücken werfe oder was sonst auch immer anstelle, würde ich damit dem Vertrauen, was ja zwischen uns wachsen soll, total den Boden entziehen.

Wenn ich sein Knurren aber ignoriere, einfach weggehe und ihn in Frieden fressen lasse, sage ich ihm: ich habe Deine Angst/ Unsicherheit verstanden - und gebe ihm Zeit und Gelegenheit, neue erfahrungen mit mir zu machen, sicherer zu werden und Vertrauen zu fassen.

Wie gesagt, ein Beispiel nur. Aber Volker und Du, Ihr habt es ja ähnlich ausgedrückt: einander Zeit geben und einander kennenlernen, Vertrauen wachsen lassen, den Hund beobachten und lesen lernen (auch WIR lernen eine neue Sprache!!!).

Und viel viel Ruhe und Geduld :D :D

Wenn ich zurückdenke, wie hektisch (weil unsicher) ich in manchen Situationen gewesen bin, bewundere ich wirklich die Geduld, die mein Hund mit MIR hatte und hat :) :)

Grüße von
Annette + Basti :)

Dagi
23.10.2002, 22:22
Wenn ich zurückdenke, wie hektisch (weil unsicher) ich in manchen Situationen gewesen bin, bewundere ich wirklich die Geduld, die mein Hund mit MIR hatte und hat


Annette, die Aussage kann ich auch blind unterschreiben! ;)

Liebe Grüße von Dagi und der auch sehr gedudigen Amy

igelchen
24.10.2002, 12:03
Original geschrieben von Cockerfreundin
[BDas mit dem Knurren, wenn Hund sein Futter oder Knochen bewacht, wird bei Anders Hallgren als Signal mangelnden Vertrauens und NICHT Signal mangelnden Respekts (z.B. gegenüber dem Menschen) gedeutet.

Heisst: Wenn mein Hund knurrt, wenn ich mich der Futterschüssel nähere, sagt er mir: Ich bin mir nicht sicher, was jetzt geschieht. Ich weiß (noch) nicht, ob ich Dir vertrauen kann.

Würde ich jetzt den Hund für sein Knurren bestrafen, etwa indem ich ihn anschreie oder auf den Rücken werfe oder was sonst auch immer anstelle, würde ich damit dem Vertrauen, was ja zwischen uns wachsen soll, total den Boden entziehen.

Wenn ich sein Knurren aber ignoriere, einfach weggehe und ihn in Frieden fressen lasse, sage ich ihm: ich habe Deine Angst/ Unsicherheit verstanden - und gebe ihm Zeit und Gelegenheit, neue erfahrungen mit mir zu machen, sicherer zu werden und Vertrauen zu fassen.
[/B]
Ich hatte früher immense Probleme mit Nubia: Als mein LAP (Nubia ist ursprünglich sein Hund) und ich zusammen kamen, war sie gerade mitten in der Pubertät und hat mich in keinster Weise akzeptiert. D.h. sie hat mich angeknurrt, wenn ich mich zu ihr aufs Sofa/ Bett gesetzt hab oder wenn ich in die Nähe ihres Futters gekommen bin.
Ich habe sie daraufhin konsequent und bei jeder Gelegenheit unterworfen, indem ich sie z.B. auf den Rücken geworfen habe (wozu mir jeder geraten hatte und was auch mit der Meinung meiner Hundebücher überein stimmte). Ich habe sie NIE geschlagen oder angeschrieen, sondern einfach in allen Gesten gezeigt, dass ich ÜBER ihr stehe. Mit dem Ergebnis, dass ich unangefochtene Rudelchefin bin (mein Wort gilt 100% mehr als das meines LAP), die Hündin aber schnell ängstlich/ mit totaler Unterwerfung reagiert.
Ein Beispiel: Die Mädels spielen im Garten mit einem Ball. Sobald ich in den Garten komme und ohne was zu sagen rasch auf die Hunde zugehe (weil ich z.B. Wäsche aufhängen will und die Hunde vor der Wäschespinne stehen), lässt Nubia direkt den Ball fallen, macht sich total klein und kippt mit eingezogenem Schwanz auf den Rücken (wenn ich weiter auf sie zugehe), während Ayshra mich freudig anschaut und mich zum Mitspielen auffordert (Spielverbeugung und Umherspringen).
Manchmal ist es echt *peinlich*, dass Nubia immer so *zu Kreuze kriecht* wie ein geprügelter Hund!! Ich frage mich immer, ob es nicht ein Fehler war, sie so komplett zu unterwerfen. Ich habe immer das Gefühl, sie traut mir nicht, denn sie *flüchtet* oft, wenn ich sie streichele und mich dabei über sie beuge...
Andererseits: Nubia ist unter den Hunden die ranghöchste und unterwirft andere Hunde mit derselben Konsequenz und noch mehr *Brutalität*, wie ich's bei ihr angewandt habe. Sie ist gegenüber anderen Menschen sehr dominant und knurrt, wenn die in unser Zimmer (oder gar an ihren Fressnapf!!) wollen und geht z.B. immer VOR anderen Menschen durch die Tür (das probiert sie auch bei mir immer wieder). Sie ist insgesamt kein schmusiger Hund und lässt sich von anderen kaum anfassen.
Vielleicht habe ich nur einen falschen Eindruck, weil ich Nubia stets mit meinen beiden vergleiche, mit denen ich echt ALLES machen könnte. :confused:
Ich musste mir das jetzt mal *von der Seele* schreiben!! Was denkt ihr denn darüber?

Liebe Grüße
Igelchen

Cockerfreundin
24.10.2002, 19:59
Hallo!

Ganz spontan und als erstes fiel mir beim Lesen ein: Sie respektiert Dich, aber fühlt sie sich in Deiner Nähe auch sicher und frei??

Sicher genug, um auch mal Fehler machen zu dürfen??

Dann fiel mir das Buch (wieder ein Buch ;) ) von Turid Rudgaas: Calming Signals ein, in dem es ja zentral um Beschwichtigungssignale geht, die der Hund zur Konfliktvermeidung anderen Hunden + auch uns Menschen gegenüber einsetzt, die WIR aber auch zur Konfliktvermneidung und Stressminderung bewußt einsetzen können.

Wenn Du z.B. schnell + direkt auf Nubia zugehst und Dich noch über sie beugst, empfindet sie das als Bedrohung und reagiert, da sie den Konflikt fürchtet, mit starken Beschwichtigungssignalen: sich unterwerfen, sich abwenden beim Streicheln wollen ...

Probier es doch mal, beim auf sie Zugehen einen Bogen um sie zu laufen und finde so heraus, welche Distanz sie braucht, um sich sicher genug zu fühlen, auf Beschwichtigungssignale zu verzichten. Oder beug Dich beim Streicheln nicht über sie, sondern setz Dich neben sie, sodass der (bedrohliche) Blickkontakt entfällt.

Ich selbst habe das Glück, einen Welpen bekommen zu haben, der -anders als Deine Nubia- von Grund auf vertrauensvoll ins Leben gegangen ist. Ich habe mich ihm gegenüber immer mehr als "Mutter" gesehen, denn als "Rudelführerin".

Vielleicht ist die entscheidende Frage nicht: WIE erziehe ich meinen Hund, sondern WARUM erziehe ich meinen Hund?

Für mich kann ich da nur sagen: ich erziehe Basti nicht, weil ich seine Dominanz mit meiner Dominanz brechen will oder ihm und mir beweisen will, wer der Stärkere ist.

Ich erziehe Basti, um ihm und mir DIE Sicherheit zu geben (und die Freiheit), die er in unserer ziemlich komplizierten Welt braucht für ein möglichst stressfreies Hundeleben. Ich erziehe ihn, weil ich mich sicherer fühle mit einem Hund an meiner Seite, auf den ich mich verlassen kann - so wie er sich auf mich verlassen kann. Und ich erziehe ihn, um ihn vielleicht DER einen lebensbedrohlichen Situation (die hoffentlich nie eintritt) schützen zu können.

Liebe Grüße von
Annette + Basti :)

Dagi
24.10.2002, 22:01
Liebe Annette,

vielen Dank für den Beitrag, er war einfach nur KLASSE!!!! :) :) :)

Liebe Grüße
Dagi + Amy

igelchen
25.10.2002, 13:46
Hallo Annette und Dagi!

Danke für Eure ehrliche Einschätzung!

Falls es sich so las, als würde ich Nubias Beschwichtigungsverhalten absichtlich auslösen - dem ist nicht so! Ich versuche vielmehr, ihr die Sicherheit zu vermitteln, die meine beiden anderen in meiner Gegenwart haben. ;)
Es passiert mir jedoch immer wieder, dass ich aus Unachtsamkeit Nubia verunsichere, weil ich z.B. mitm Wäschekorb unterm Arm in den Garten eile, mit den Gedanken längst schon beim Einkaufen bin und gar nicht merke, dass Nubia gerade immer kleiner und kleiner wird, weil ich direkt auf sie zu laufe. :rolleyes:
Ich habe sie nur früher aktiv unterworfen, bis sie ihr aggressives Verhalten mir gegenüber einstellte. Ich bin mit *ihrem* Herrchen jetzt seit 4 Jahren zuzsammen, diese Phase ist also schon eine ganze Weile vorbei...:p

Seither versuche ich vielmehr, ihr Vertrauen in mich mehr und mehr zu stärken. Leider muss ich gestehen, dass ich damit nicht so wahnsinnig erfolgreich bin. :( Ich mache es so ähnlich, wie Du meintest: Ich vermeide es, direkt auf sie zuzugehen und auch, sie einfach anzugreifen. Zum Schmusen lege ich mich neben sie auf den Boden oder kniee mich vor das Sofa auf den Boden, während sie darauf liegt. Im Gegensatz zu Herrchen biete ich ihr nie etwas an, was sie nicht nehmen darf (ich lehne solche *Verarsche* generell ab) und füttere sie sowieso sehr viel aus der Hand.:)

In den letzten zwei Jahren hat sich unsere Beziehung (zwischen Nubia und mir) sehr zum Positiven verändert: Sie kommt mittlerweile auch mal zu mir, um zu knuddeln oder um zu spielen. :) :) Wenn wir spielen oder trainieren, ist sie meistens viel entspannter mir gegenüber (wahrscheinlich, weil sie dann weiß, was ich von ihr will). Sie vertraut mir soweit, dass sie sich hinter MIR versteckt, wenn etwas Beängstigendes geschieht (v.a. nach dem Autounfall) :) , aber sie vertraut mir nicht genug, um auch Fehler machen zu können. :rolleyes: Aber wir arbeiten daran!!!:D

Der schwierigste Aspekt ist für mich, eine Balance zu finden zwischen "Nubia entgegenzukommen, um ihr Vertrauen zu stärken" und "Nubias Dominanzgesten mir gegenüber trotzdem zu unterbinden". :( Denn auch wenn ich mich bei vielem absichtlich eine Stufe unter sie stelle, lasse ich es nicht zu, dass sie z.B. vor mir durch die Tür geht, Essen von meinem Teller klaut oder zu bestimmt, wann wir wohin spazieren gehen. Denn sie versucht sowas immer wieder. :rolleyes: Ich sage dann einfach "nein" oder "zurück" oder ignoriere sie einfach total. Oder was meint ihr, wie ich dann reagieren sollte?!??

Das Buch "Calming Signals" steht schon eine ganze Weile auf meinem *Wunschzettel* und spätestens zu Weihnachten werd ich mir's leisten ;) Momentan lese ich gerade "Mit Hunden sprechen".:) Das geht ja - denke ich - von der Grundeinstellung in eine ähnliche Richtung (nämlich für eine zwanglose Umgehensweise mit dem Hund).

Liebe Grüße
Igelchen

Dagi
25.10.2002, 14:34
Hallo Igelchen,

es ist wirklich schwierig zu beurteilen. Ich kann jetzt auch nur sagen, was ICH generell (gar nicht mal unbedingt in eurem Fall) zu Dominanz / Rudelführer denke:

Natürlich muß man das Verhalten des Hundes ein wenig im Auge behalten, ABER: ich glaube, daß das Thema Dominanz manchmal auch ein wenig aufgebauscht wird. Ich habe am Anfang wie gesagt auch Sorge gehabt, daß Amy sehr dominant sein/werden könnte(sie war der absolut selbständigste Welpe im Wurf!), und ihr durch verschiedene Dinge (zuerst durch die Tür gehen, sie durfte nicht auf's Sofa, wir essen zuerst etc.) versucht zu verstehen zu geben, daß ich "Alpha" bin. Ich glaube, man kann es auch übertreiben - zumindest, wenn man einen nicht sonderlich dominant veranlagten Hund hat. Nach meinen Erfahrungen -bis heute- bin ich besser damit gefahren, "natürlich" mit dem Hund umzugehen, und nicht ständig das Thema Dominanz/Rudelführerschaft im Kopf zu haben. Ich habe erst mal versucht es weitestgehend in den Hinterkopf zu verbannen. Natürlich heißt "Nein" bei mir nein, und natürlich setzte ich es auch durch. Aber ich glaube auch, daß ein ständiges dominieren nicht so gut für den Hund ist. Seit ich also viel selbstverständlicher mit Amy umgehe, ist unser Verhältnis WESENTLICH besser geworden. Nicht das es vorher SO schlecht war, aber es ist intensiver, inniger geworden. Es geht jetzt eher in Richtung "Team". Sie hatte nämlich auch angefangen, Beschwichtigungssignale "auszusenden" als ob sie mir sagen wollte: Ich weiß doch, daß Du der Chef bist, Du mußt es mir nicht immer wieder zeigen! Und das hat mich zum Umdenken bewegt.
Jetzt ist alles viel ungezwungener, noch viel fröhlicher! Und seit dem ist einfach alles viel entspannter. Ich glaube, daß ihr mit diesem rechtzeitigen Umschwenken sehr viel mehr Sicherheit gegeben habe, auch mal sie selbst zu sein, daß sie sich "freier" fühlt. Seit dem können wir auch ganz anders miteinander spielen, ich habe auch das Gefühl, daß die Kommandos ganz anders befolgt werden, als vorher, daß regelrecht ein anderes "Verständnis" da ist. Sie achtet jetzt viel mehr von sich aus auf mich, ohne daß ich ihre Aufmerksamkeit erst auf mich lenken muß.
Ich glaube, daß viel von der inneren Einstellung abhängt! Und nicht nur davon, wie ich dem Hund zeige, daß ich der Chef bin. Ich bin's einfach. Aber das muß ich dem Hund nicht ständig, und immer wieder ("künstlich") zeigen.

Ich weiß nicht, ich kann dieses innere Gefühl hier nicht so zum Ausdruck bringen, es nicht in Worte kleiden. Man muß es vielleicht einfach FÜHLEN. Ich bin nur froh, daß ich bei mir rechtzeitig die Notbremse gezogen habe, und einfach ein "natürlicheres" Umgehen mit dem Hund begonnen habe. Aber wir standen ja zum Glück auch erst ganz am Anfang.

Jetzt darf Amy auch zum Kuscheln abends aufs Sofa, und ich habe ganz bestimmt keine Sorge, daß sie deswegen Dominanz entwickeln könnte. Wir freuen uns einfach aneinander! Und wenn ich sage "so, jetzt aber runter, Frauchen will sich mal richtig ausstrecken", dann gibt's da auch keine Probleme mit.

War Nubias Verhalten denn wirklich damals Agression bzw. Dominanzverhalten Dir gegenüber? Vielleicht war es damals Angst, und Du hast ihr noch mehr Angst gemacht? Ich habe mal gelesen, daß ein Hund sich jede "Ungerechtigkeit" merkt, und dann ein Leben lang "auf der Hut" sein wird - man kann ja bei so einem Menschen nicht "sicher" sein - vielleicht ist er irgendwann wieder so "ungerecht" und ängstigt einen!

Ich kann Dir da leider auch keinen wirklichen Rat geben, Dir nur sagen, wie ich es sehe. :confused:

Aber wenn sich euer Verhältnis in den letzten Jahre schon gebessert hat (und es dauert jetzt eben lange, bis sie vielleicht wieder voll vertrauen kann), dann seid ihr doch auf dem richtigen Weg?

Vielleicht kannst Du mit Bachblüten noch etwas unterstützen?

Ich wünsche Dir und Nubia jedenfalls, daß alles noch ein wenig entspannter wird!

Dagi + Amy ;)

Cockerfreundin
25.10.2002, 17:41
Hallo, Dagi + Igelchen!

@ Dagi

Dem, was Du schreibst, ist nichts mehr hinzuzufügen :) :) :)
Außer dem, dass es mir in fast allem genauso ergangen ist + ergeht.

Auch bei uns heisst "Nein" nein und es gibt auch bei uns den ein oder anderen Punkt, wo mein wundervoller Hund phasenweise an Hörstörungen leidet :D :D

Dann gehen wir im Trainingsprogramm halt wieder einen Schritt zurück und im Ernstfall, wenn ich mich *verar....* fühle, gibts auch schon mal ne freundliche Gardinenpredigt.

Aber ich ordne das halt unter normaler Erziehung und ihren Schwierigkeiten ein und mach mir keinen Kopp mehr, ob mein Hund nun dominant ist oder nicht... diese Energie steck ich dann lieber in unsere Erziehungsarbeit.

Auch mir geht es so mit uns besser :) :) :)

@ Igelchen
Vielleicht liegt der Knackpunkt beim Thema Dominanz darin, dass meistens davon ausgegangen wird, dass Dominanz = Aggressivität ist. Heisst: wenn mein Hund domninant = aggressiv ist (wenn ich z.B. Knurren als Aggression deute und nicht als Unsicherheit), dann muß ich noch dominanter = aggressiver sein, um die Oberhand zu gewinnen und zu behalten. Und schon beginnt die Spirale, aus der schwer rauszukommen ist .

Ich stelle mich übrigens bewußt nicht "unter meinen Hund" (wie Du schreibst, dass Du es tust), aber ich (und NUR ICHnehme mir die Freiheit, auch mal 5 gerade sein zu lassen und mich auf die Blödelebene zu begeben, weil ICH inzwischen zu Basti soviel Vertrauen habe, dass ich weiß: er akzeptiert es, wenn ich sage: "Schluß jetzt".

Natürlich sind bestimmte Dinge von dieser Grenzerweiterung ausgeschlossen: das Essen würd ich mir auch nicht vom Teller klauen lassen!

Im übrigen denke ich wie Dagi auch, dass Ihr auf dem richtigen Weg seid. Vieles braucht halt Zeit, Zeit und nochmal Zeit. Und jede negative harte Erfahrung braucht, um wirklich von innen her aufweichen zu können, vielleicht hundert positive Gegenerfahrungen :) :)

Liebe Grüße von
Annette + Basti :)

igelchen
25.10.2002, 18:22
Hallo!

Das was ihr beschreibt, kann ich nur allzu gut nachfühlen! Denn genau so ist auch das Verhältnis zwischen mir und Timmy und Ayshra. :) :) :) Allerdings habe ich die beiden schon von ihren Welpenzeiten an bei mir und sie haben mir NIE die "Rangordnungsfrage gestellt".

Nubia hat mir gegenüber früher wirkliche Aggression gezeigt. Inwiefern das Dominanz war oder Angst kann ich natürlich speziell im Nachhinein sehr schlecht beurteilen. Ich denke aber schon, dass es v.a. anfangs eher Dominanz war.

Ein paar Beispiele:
Wenn ich bei meinem LAP in der Wohnung war und wollte z.B. in die Küche gehen, ist Nubia aufgesprungen, an mir vorbei gerannt und hat sich quer in den Türrahmen gestellt und mich angeknurrt. Wenn ich mich zu ihr auf die Couch/ aufs Bett gesetzt habe, hat sie mich angeknurrt, wenn ich sie darüber hinaus auch noch berührt/ angefasst habe, ist sie aufgesprungen, hat sich vor mich gestellt und geknurrt. Sie hat mehrfach versucht, auf mich aufzureiten (zwei- oder dreimal hat sie's getan, als ich noch nicht drauf gefasst war), als ich z.B. am Boden saß und meine Schuhe zugebunden habe o.ä., dabei hat sie mich angeknurrt. Unter "anknurren" verstehe ich dabei kein leichtes Grummeln, sondern richtiges Zähnefletschen mit tiefem Knurren dabei.
Ich glaube ja schon, dass DAS Dominanz war!

Es kann aber natürlich sein, dass sie, nachdem ich sie die ersten paar Male unterworfen hatte, aus Unsicherheit geknurrt hat und ich's falsch interpretiert hab. Genau an dieser Stelle steht ja auch mein Selbstzweifel und -vorwurf!

Es ist aber trotz unserer Vergangenheit ganz und gar nicht so, dass Nubia nicht immer wieder so kleine "Rangordnungs-Tests" durchführen würde (hab ich vorhin ja schon erwähnt). :rolleyes:

Ganz liebe Grüße
Igelchen

Cockerfreundin
25.10.2002, 18:47
Hallo, Igelchen!

Klingt jetzt vielleicht blöd und hilft unter Umständen auch nicht weiter, aber als ich die Beispiele aus Nubias und deiner Anfangszeit gelesen habe, fiel mir spontan ein: wie bei der bösen bösen Stiefmutter, die mir jetzt meinen *Papa* wegnimmt. Was will die eigentlich hier?? Na DER werd ichs aber zeigen! DIE werden wir schon vertreiben!

Weiß übrigens nicht, wie Basti als Single-Hund ;) in einer vergleichbaren Situation reagieren würde??? weiß auch nicht, ob ichs wirklich wissen will ;) ;)

Nen schönen Abend wünschen
Annette + Basti :)