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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Abenteuer mit einem ägyptischen Hund



Viento
31.10.2006, 11:02
Im März 2005 flogen wir nach Ägypten in den Urlaub und als Mitglied des TSV AAI war ich gespannt, ob dort auch Tierschutzvereine gab. So kam ich in Kontakt mit dem Verein SPARE in Kairo (Society for the Protection of Animal Rights Egypt) und da wir doch über Kairo zurückflogen, wollte AAI einen Hund aus diesem Tierheim vermitteln. Auch wenn es nur um einen Hund ging, das TH war sehr froh über die ausländische Hilfe und das Interesse an ihrer Arbeit. In einem Land, in dem der durchschnittliche Tageslohn € 1,50 beträgt, haben die Menschen andere Dinge am Kopf als sich um Tiere zu sorgen.

Das Tierheim liegt ein ganzes Stück außerhalb der Stadt, in Gizeh, in der Nähe der Pyramiden. Es sah alles versorgt aus, etwa 50 Hunde, jeweils zwei in einem Zwinger, und ein Innenplatz zum Spielen. Außer dem Auffangen von Hunden bietet SPARE gratis medizinische Hilfe an Pferde und Esels, da Brooks Hospital nur in Kairo aktiv ist. Kairo ist, nach Mexiko City, die größte Stadt der Welt mit einer Bevölkerung von 20 Millionen Menschen Auch in der Stadt selber gibt es hier und dar verlassene Gebiete, in den Hunde aufgefangen werden. SPARE Helfer geben den Wächtern Geld in der Hoffnung, daß sie aufpassen, wenn die Gemeinde wieder einmal Hunde tot schießt oder vergiftet.

Der Hund den wir mitnehmen würden, hieß Fulla. SPARE hatte keine Boxen, daher sollte Fulla in einem großen eisernen Käfig reisen, in dem man ein Löwen transportieren konnte:D ! Die ägyptische Fluggesellschaft hatte Mona Khalil, unsere Kontaktperson im Tierheim informiert, daß Fulla kostenlos mit uns reisen durfte. In Ägypten darf eigentlich niemand, der keinen Flugschein hat, ins Flughafengebäude. Das bedeutete, daß der Fahrer, der Fulla zum Flugfeld bringen sollte, draußen bleiben musste. Ich machte mir darum schon ein bisschen Sorgen, wie das alles ablaufen würde.

Um 1:15 Uhr nachts kam der Bus uns im Hotel abholen. Mohammed war zeitig da und sollte hinter dem Bus fahren. Ich hatte mit Mona abgesprochen, daß Fulla eine Beruhigungspille kriegen sollte, aber wie Mohammed uns erzählte, hatte sie keine bekommen. „Kaum zu glauben“, dachte ich. Sie saß so ruhig und entspannt in ihrem Käfig, der an drei Seiten mit einem Laken abgedeckt war. Ich hatte unseren ägyptischen Reiseleiter Mahmoud informiert, dass ein Hund mit zurückreisen würde. Mahmoud hatte nämlich als Reiseleiter einen Spezialpaß, mit dem er in das Flughafengebäude rein kam. Mahmoud war ein wenig überrascht, packte danach jedoch tatkräftig mit an. Er kontrollierte die Papiere und sorgte, daß Fulla gut an den Röntgenmaschinen vorbei kam. Bis zu diesem Punkt durfte Mahmoud mit, hier wurden unsere Reisepässe und unsere Koffer kontrolliert.

Zum Einchecken hatten wir uns absichtlich ganz hinten angestellt. Mahmoud war inzwischen schon eifrig am reden mit dem Mitarbeitern der Fluggesellschaft. Sie wollten eine Kopie von Fulla’s Reisepapieren und extra Kopien hatte ich nicht. Mahmoud gab jemanden ein paar ägyptische Pfund und schickte ihn zum kopieren. „Wer hat Dir gesagt, daß der Hund umsonst mitfliegen darf?“ fragte er mich. Oh mein Gott, jetzt fängt der Ärger an, dachte ich. Dieser Herr Amr, der das gesagt hat, ist sicher nicht da. Mahmoud trug mir auf, alles in Englisch aufzuschreiben, was abgesprochen war. Ich schrieb alles schnell auf, unterstrich ganz fett das Wort „kostenlos“ und danke zum Schluß der Fluggesellschaft ganz herzlich für ihre Mitarbeit (immer freundlich bleiben!). Mahmoud übersetzte das Ganze dann ins Arabische.

Endlich kamen wir an die Reihe. Am Schalter saß ein älterer Herr, der uns nach dem Namen des Hundes fragte. „Fulla“ antworteten wir (arabisch für Gardenia). „Was für ein schöner Name. Eigentlich sollten Sie ihn Lucky nennen, der er das Glück hat, mit Ihnen mitzureisen. Frau Khalil hat mir gesprochen“. Ich erinnerte mich in der Tat, daß Mona mit jemandem vom Flughafen gesprochen hatte. Das was also dieser Herr Sayed. Was für ein Glück, daß er jetzt hier war:) . Ich bedankte mich überschwänglich, dass wir Fulla gratis mitnehmen konnten. „Sie brauchen sich nicht zu bedanken“, lächelte er „es ist keine Gunst“. Alles verlief danach problemlos, auch dank Mahmoud, dem wir noch ein reichliches Trinkgeld gaben. Ich rief noch schnell Mona an, daß alles gut geklappt hatte und daß sie jetzt ins Bett gehen konnte. Wir hatten natürlich noch keine Ahnung, was uns noch erwartete…

Eine halbe Stunde später brachte uns ein Bus zum Flugzeug. Der Käfig mit Fulla stand schon bei der Maschine. Sie lag ganz lieb und ruhig. Als wir im Flugzeug waren frage ich sogleich an den Steward ob der Sauerstoff und die Heizung im Frachtraum angesetzt werden konnte. „Wir müssen noch gucken, ob überhaupt Platz ist für den Hund“, sagte er zu meinem Erschrecken:( . „Setzen Sie sich auf Ihren Platz, wenn es nötig ist, komme ich noch mal zu Ihnen.“ O Gott, so viel Gepäck konnte es doch nicht geben? Etwas später kam der Steward wieder: „Wollen Sie bitte mitkommen?“ O je! Das kann nicht gut sein.

Mit klopfendem Herzen lief ich nach vorne. Da stand ein Ägypter der fließend niederländisch sprach und wohl verantwortlich war für das Verladen des Gepäcks. „Wir haben ein Problem“, ließ er uns gleich wissen. „Der Käfig ist viel zu groß und passt nicht durch die Tür des Laderaums“. Ich lief mit ihm mit um zu sehen ob man nicht was anderes probieren konnte. Aber in der Tat, der Käfig passte auf keine Weise durch die Tür! Entgegen besserem Wissens fragte ich ob er vielleicht einen anderen Käfig hatte, den wir benutzen konnten.

Natürlich hatte er keinen anderen Käfig, woher auch? Ich sagte ihm, dass wir die Masse des Käfigs an Herrn Sayed durchgegeben hatten und er uns gesagt hätte, daß es kein Problem wäre. Sollte es für Fulla hier auf dem Flugfeld von Ägypten enden? Was sollte ich tun? Mona anrufen, dass sie Fulla wieder abholen muss:0( :0( :0( ? “Kann sie nicht mit an Bord?“ fragte ich. „Sie ist ein ganz ruhiger Hund, sie hat Beruhigungstabletten bekommen und wir sitzen ja auch beim Notausgang“. „Nein, das geht nicht” war natürlich die Antwort. „Andere Passagiere können sich beschweren.“ Ich schaute ihn verzweifelt an. „Aber was sollen wir denn machen?„ Er fragte mich, ob sie gesund wäre und ich holte ganz schnell die Papiere. „Ja, sie ist kerngesund, hier steht alles schwarz auf weiß“.

Der Angestellte sah sich alles genau an und sagte dann: „Sie kann hinten, in der Toilette bleiben. Aber wenn etwas beschädigt wird, sind Sie verantwortlich.“ Oh Gott, ich hätte ihn küssen können! Ich rannte zu Fulla, nahm sie aus dem Käfig und nahm sie auf meinen Armen mit ins Flugzeug. Ganz ruhig lag sie auf meinem Arm und gab keinen Mucks. Ok, Fulla auf die Toilette und Tür zu. Das Flugzeug startete, ich saß total geschafft auf dem letzten Stuhl beim WC. Endlich! Wir flogen! Jetzt nur noch hoffen, daß Fulla nicht bellen würde, am Toilettensitz knagen oder ins WC springen… Ich saß gerade ein paar Minuten, da roch ich es auch schon: ja, ein kleines Häufchen im Gang. Schnell räumte ich alles auf mit ein paar Servietten. Die Stewardess kam auch noch ein wenig Blumenduft aus der Flasche versprühen. Ich hörte noch was Gekrabbel an der Tür, aber weiter blieb Fulla ruhig.

In Luxor hatten wir eine Zwischenlandung. Als wir still standen öffnete ich die Tür zur Toilette, um zu sehen, wie es Fulla erging. Sie lang zusammengerollt auf dem Boden. Gott sei Dank, alles ging gut. Was ein musterhafter Hund. Natürlich sprang sie gleich auf und ich konnte gerade noch verhindern, daß sie durch die Tür kam. In Luxor kamen noch mehr Passagiere an Bord und jetzt flogen wir wirklich Richtung Niederlande. Ich konnte mich endlich entspannen. Ungefähr auf der Hälfte des Fluges kam die Stewardess zu mir: der Pilot wollte mich sprechen. Ich wurde gleich ganz nervös. Was war jetzt wieder los?

Ich lief zum Cockpit und zu meiner Überraschung sah ich ein bekanntes Gesicht: der Mann, den ich zu Anfang unseres Fluges gesprochen hatte wegen des zu großen Käfigs und der mit mir zusammen eine Lösung gesucht hatte, war der Pilot:D ! Und ich dachte, das es jemand vom Bodenpersonal war…“Wie geht es dem Hund“, fragte er mich. „Muss er nicht was essen oder trinken?“ Er war etwas besorgt, ob wir in Schiphol-Amsterdam keine Probleme bekommen würden, das wir keine Transportbox oder eine Leine bei uns hatten. Darüber machte ich mir nun gar keine Sorgen. Und wenn! Nach Ägypten zurück schicken würden sie uns sicher nicht. Ich danke ihm noch mal für seine Freundlichkeit, konnte es jedoch nicht lassen, ihm noch mal zu sagen, daß wir doch die Abmessungen des Käfigs ordnungsgemäß durchgegeben hatten. Aha, und jetzt wurde es deutlich: im letzten Moment war entschieden worden, mit einer kleineren Maschine zu fliegen. Bei dem ursprünglich geplanten Flugzeug hätte alles gepasst!

Rund 11 Uhr landeten wir in Schiphol-Amsterdam. Als alle Mitreisenden ausgestiegen waren, öffnete ich die Toilettentür. Fulla war noch immer springlebendig. Da wir keine Leine hatten, musste Frank sie den ganzen Weg tragen. Bei der Paßkontrolle zogen wir sie am Halsband mit uns mit. Ohne Probleme. Beim Gepäckband gab jemand uns einen Gürtel von ihrem Koffer. Damit konnten wir Fulla anleinen. „Fulla, yallah“ ermutigte ich sie. „Yallah“ bedeutet im Arabischen „Komm“. Und in der Tat! Fulla hoppelte mit uns mit. Zwar mit eingezogenem Schwanz, aber sie lief. Beim Zoll war niemand zu sehen und wir konnten durchlaufen. Draußen standen schon die Leute von AAI, die uns Fulla abnahmen. Puh… Mission erfolgreich beendet!

Petra

Schlußbemerkung: Mona erzählte mir später, daß Fulla keine Beruhigungstabletten bekommen hatte, da der Tierarzt Angst hatte, daß ihr Blutdruck im Laderaum zu weit sacken würde. Und wir dachten, dass sie so ruhig war, weil sie eine Tablette bekommen hatte! Fulla wurde einige Monate später adoptiert und lebt jetzt bei einer ganz lieben Familie in Hollandsche Rading (in den Niederlanden).

Suzanne
03.11.2006, 17:07
Eine schöne Geschichte :) und toll erzählt dazu :tu:

Ich hoffe, Fulla geht es immer noch "pudelwohl".

Grüße Susanne

Räubertochter
04.11.2006, 21:39
Hallo Petra,

das ist eine sehr schöne Geschichte! Haste gut gemacht, nicht locker zu lassen und dass du "Gardenia";) den Flug in die Freiheit ermöglicht hast:tu:

Da ich mit meinen Beiden auch schon öfter geflogen bin, weiß ich, dass ich selber immer leide wie Hulle und ich erkundige mich auch lieber zehn mal, ob sie auch wirklich an Bord sind und ob es ihnen gut geht.

Bisher ist immer alles gut gegangen, bloß einmal kamen sie auf dem Fliessband an, zwischen den Koffern und ein anderes Mal wurden sie an einem anderen Gate rausgeschoben, ohne dass uns jemand informiert hatte.
Also nachfragen is immer ratsam.

Liebe Grüsse
Simone :cu: