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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unterschied Hütetrieb -> Jagdtrieb



rondra
12.09.2006, 16:32
Hallo,
habe ja nun schon einigemal über meinen Wildfang berichtet. Aber hier noch mal in Kurzform:( Schäferhund-Mix 4 Jahre alt). Meine Hündin habe ich vor 2 Jahren vom Tierschutz bekommen. Extrem Hyperaktiv aber super lieb. Läuft immer auf 200% kann kaum abschalten bis zur chronischen Magenschleimhautentzündung.
Was bei Ihr mit drin ist, ist völlig unbekannt. Vom Border bis zum Husky vom Jack-Russel bis zum Windhund wurde bereits alles vermutet. Der Schäferhund ist so stark durchgekommen das man kaum sieht was drin steckt. Nur das sie unheimlich zierlich und schmal ist bei knapp 50cm höhe und 15kg gewicht. Kurzes Fell und extrem schmale Taille.
Sie hat einen extremen Jagdtrieb. Kann nie von der Leine und geht über jeden Zaun. Die Sprungkraft ist enorm. Abrufen ist draußen kaum möglich. Nach 2 Jahren Hundeschule habe ich mich auch ungefähr damit abgefunden. Haben bereits fast alle Methoden ausprobiert.

Ich sprach zufällig mit einer Tierheilpraktikerin und sie meinte, dass Laika keinen Jagdinstinkt sonder vermutlich einen Treib- oder Hüteinstinkt hat, da sie keine Tiere tötet sondern "nur" jagt.
Wie kann ich da den Unterschied rausbekommen? Gibt es in der Praxis eigentlich einen Unterschied? Die Schäferhund haben ja eigentlich den Hütetrieb nicht mehr so, wie früher. Ob es dann von ihrem unbekannten Vater kommt? Ich kann ja schlecht zum Bauern gehen und sagen, ich lasse mal meinen Hund auf deine Schafweide, weil ich ausprobieren will, wie er sich verhält...
Wie bekommt man es raus? Und welche Unterschiede gibt es genau bei den Trieben?
Danke
Gruß
Rondra

Juni
12.09.2006, 21:46
Hallo Rondra,

der Hütetrieb ist ein umgelenkter Jagdtrieb, dem (normalerweise) die Endhandlung, nämlich Packen und Töten, fehlt. Viele Hütehunde zeigen das Packen aber zumindest im Ansatz, indem sie z.B. kneifen und/oder dem Vieh ins Genick springen. Bei manchen Rassen ist das erlaubt bzw. erwünscht, bei anderen nicht. Die Hunde lernen gleichzeitig, dass Vieh nicht ins Beuteschema gehört. Bei Hasen, Katzen u.ä. lernen sie das in der Regel nicht. Unterforderte Hütehunde sind oftmals die begnadetsten Jäger.

Auch ein Hütehund, der an der Herde nur die Teilelemente zeigt, ist durchaus in der Lage (und oft auch begeistert dabei), andere Tiere, die er als Beute betrachtet, zu töten. Ich wäre mir aus diesem Grund nicht sicher, dass deine Hündin es beim Hinterherrennen belässt. Von daher würde auch ein Test an einer Herde keine KLarheit bringen. Beute wird oft einfach deswegen nicht getötet, weil der Hund sie nicht erwischt.

Schöne Grüße,
Juni

rondra
12.09.2006, 22:37
Hi,
danke für deine Antwort.
Erwischen tut sie die Beute ( daher war auch Windhund genannt worden, da sie schneller ist als der Windhund Labrador-Mischling auf unserem Hundeplatz, aber an schnelligkeit kann man es meiner Meinung nach nicht festmachen). Maulwürfe , Mäuse etc. werden angesabbert und wenn sie sich totstellen mit der Pfote geschubst und zum weiterrennen animiert.
Bei Kaninchen legt sie sich hin und bellt bis sie weiterrennen.
Sie hetzt ihre Beute fast zu tode ( und sich selbst auch). Die Augen sind anschließend langezeit geweitet und die Leftzen etc. stark durchblutet. Ihre Hinterbeine nur am zittern vor Aufregung und Anspannung.
Es werden auch Autos, Traktoren etc. gejagt. Eingentlich ganz egal.

Ist es bei Hütehunden nur bei Unterforderung, dass sie jagen?
Pauschal würde ich sagen, dass mein Hund nicht unterfordert ist. Auch wenn es bei jeden Hund natürlich individuell verschieden ist und auch der Trainingsstand berücksichtig werden muß. Allerdings langweilt sie sich schnell, wenn etwas nicht abwechslungsreich genug ist. Daher müssen wir beim Agility immer ca. alle 4 Monate eine Pause machen, da sie sonst anfängt nur quatsch zu machen und abhaut. Das wechseln wir dann mit der BGVP-Leistung ab. Denn dort ist es genau das selbst. Also 4 Monate 2x wöchentlich Agility dann 4x Monate Leistung. Da sind wir dann 4 Stunden die Woche. Eine Stunde spielen und eine Stunde arbeiten. 2x die Woche Fahrradfahren. Jedentag 40 Minuten spielen ( Suchspiele, Schnüffelspiele, Dog-Dancing und neuerdings Apport). Dann 2 Stunden am Tag laufen auf 2-3 Spatziergängen aufgeteilt. Und morgens 20 min. schwimmen ( haben einen eigenen kleinen See).
So bekommt mein Hund neben dem Streicheln etc. mindestens 3 bis 3,5 Stunden Action. Wir kennen sämtliche Spiele aus tausenden von Hundebüchern.
Aber richtig ausgelastet scheint mein Hund nie zu sein. Wenn wir vom Fahrradfahren oder Hundeplatz wiederkommen holt sie ihren Ball als ob sie sagen wollte: So, bin jetzt aufgewärmt, wir können loslegen.
Sie ist halt ein Adrinalin-Junkie. :)

Aber Zeit zum jagen und abhauen bleiben allemal. Zum Glück haben wir jetzt 1800qm Grundstück auf 1,80m eingezäunt mit Fundament drunter. Hat echt viel Geld gekostet, aber das ist nun schon seit einigen Monaten ausbruchssicher.

Zum Glück hat sie in den 2 Jahren wo ich sie habe und wo sie schon manchesmal abgehauen ist noch kein Tier getötet. Nicht mal Fliegen. Auch die werden nur nassgemacht damit die armen Tiere nur noch hüpfen können. Dann sind sie ja so interressant...:floet:

Also kann man eigentlich nicht unterscheiden, ob ein Hund Jagd- oder Hütetrieb hat?

Gruß
Rondra

Heidi von Netz
13.09.2006, 09:00
Hallo rondra,

hast du schon mal die Schilddrüse überprüfen lassen? Könnte sich durchaus um eine Überfunktion handeln. Desweiteren würde ich an deiner Stelle mal den Energiegehalt des Futters überprüfen, könnte ein bißchen hoch sein.

Es ist toll, daß du deinem Hund soviel Abwechslung (wer hat schon einen eigenen See?) bietest, aber vielleicht ist das auch zuviel? Auch Hyperaktivität kann man trainieren.

Kann sich deine Hündin entspannen und mal ganz gelöst auf einem Spaziergang ein Päuschen machen?
Wenn nicht - auch das kann man üben. Tellington-Touch ist dabei sehr hilfreich.

LG Heidi von Netz

billymoppel
13.09.2006, 09:21
umgekehrt ist aber bei einem teil der jagdhundrassen so, dass finale endhandlungen nicht erwünscht sind - der hund soll nur fährten und laut geben oder treiben/apportieren.
diese rassen - vor allem die meutejäger und vorstehhunde (aber auch noch ein paar andere) - zeigen das verhalten durch züchterische auslese quasi von selbst. bei den klassischen jagdhundrassen (egal welchen landes) ist das eigentlich insgesamt unerwünscht - wobei gewisse terrier sich natürlich anders verhalten, als ein münsterländer oder pointer.
nicht jeder jagdhund reißt also, was ihm vor die nase kommt :D deswegen ist er noch lange kein hütehund.

rocky1
13.09.2006, 11:16
Hallo!

Ich habe zwar keine Erfahrung mit Jagdhunden, aber einen Schäferhund Mix bei mir. Mittlerweile ist er wegen seines Alters sehr ruhig geworden. Ansätze der Hyperaktivität wie Du sie von Deinem Hund beschreibst hatte meiner auch. Jedoch längst nicht so stark. Ich denke das kommt teilweise von dieser Schäferhundmanier, immer danach zu lechtzen, dem Besitzer gefallen zu wollen, nach dem Motto: "Was kann ich für Dich tun". Dabei war es bei meinem Hund oft so, dass er völlig zu war vom Kopf und nur noch kläffend vor mir herum gesprungen ist.
Eigentlich habe ich überlegt, ob Du Deinen Hund irgendwie ein Level runterfahren könntest in der Aktivität. Du machst sehr viel mit ihr, andere Hund würden sich so eine Beschäftigung auch im Ansatz von ihren Leuten nur wünschen! Ich denke wenn Du sie immer auf einer so hohen Schiene in der Aktivität und den Unternehmungen hälst, wird sie nie zur Ruhe kommen. Schläft Dein Hund zwischendurch auch mal, also gibt es Phasen, in denen sie sich ausruht oder wartet sie nur darauf, wieder Action zu bekommen?
Ich denke auch, dass Du mit Homöopathischen Mitteln wie BB zum Beispiel einiges bewirken kannst. Zuvor solltest Du sie beim TA aber gründlich durchchecken lassen. Heidi hat Recht, dass oft die Schilddrüse hinter solchen Veränderungen stecken kann. Auch andere hormonbildende Organe könnten untersucht werden, bzw. ein großes Blutbild gemacht werden.

Deargi
13.09.2006, 13:59
Hallo Ronda,
Ich hab nun nicht sooooooo die Ahnung, versuchst aber trotzdem mal. ;)

Das was ich bisher gelesen habe, lastest du deinen Hund häufig körperlich aus. Das ihm Agility und DogDancing irgendwann zu langweilig wird, liegt vielleicht daran, das sie die Übungen irgendwann im schlaf kennt. Gerade wenn Hütehund drin steckt... diese Hunde sind ja sehr intelligent egal ob DSH oder BC. Die wollen häufig denken, denken, denken... also dachte ich an Kopfarbeit...
Hüttchenspiel, etc.

PS. Entspannund lässt sich auch antrainieren wie hier geschrieben wurde, vielleicht geniesst er ja bürsten, etc...

Grüße Deargi

rondra
13.09.2006, 15:37
Hi,
danke für eure Antworten.
Ich glaube, meine Schilderung hatte ein etwas falsches Bild dagestellt.
Die Hyperaktivität haben wir mittlerweile gut im Griff. Dadurch das sie viel Programm hat. Aber wie gesagt, die aktivität strecken sich nicht über den ganzen Tag hin, sondern auf ca. 3 Stunden - 3,5 Stunden am Tag. Natürlich hat sie genug Ruhephasen. -> Ob sie diese nutzt ist natürlich eine andere Sache. Aber wenn ich arbeite etc. liegt sie dann zu meinen Füssen oder im Körbchen etc. Vom Tierschutz werden 2 Stunden am Tag für alle Rassen als minimum angesetzt. Daher finde ich 3 Stunden für einen aktiven Hund angemessen. Wenn man bedenkt das Arbeitshunde 5 Stunden und länger am Tag arbeiten unter höchster Konzentration...

Wir waren beim TA und in der Tierklinikm. Da wurde uns die Hyperaktivität bestätigt. Es ähnlich wie ADS bei Menschen. Sie läuft z.B. auch liebend gern vor Laternenpfählen etc. da sie mit ihrem Kopf ganz wo anders ist z.B. bei einer Fährte. Die Konzentrationsfähigkeit ist bei ihr nicht lange. Wobei sie aber ziemlich intelligent ist ( wenn man es sagen darf ohne eingebildet zu wirken:) manchmal wäre mir ein etwas weniger intelligenter Hund lieber, aber nur manchmal )
Schilddrüse, Nieren, Leber, Kreislauf u.s.w. sind in Ordnung. Auch bestehen keine Allergien.
Die Hyperaktivität ist psychisch, da sie aus schlechter Haltung kommt und mit 2 Jahren keine Leine oder irgendwelche Befehle kannte. Ihre Muskulatur hatte sich komplett zurückgebildet, so dass sie am Anfang Muskelaufbaupräperate bekam. An der Leine ist sie früher immer total ausgeflippt. Meist hat sie gekotzt vor Aufregung wenn es raus ging. Selbst wenn es nur zum pieseln auf die Wiese ging. Sie kannte kein Spielzeug und nichts. Sie war 2 Jahre nur eingesperrt. Wir mussten bei Ihr anfangen wir bei einem Welpen, nur dass sie schon 2 Jahre war und sich die Eingefahrenheit etc. schon breitgemacht hat.


Futter ist kein Sportlerfutter sondern Rinti Naßfutter gemischt mit HappyDog Premium Croq. Happy Dog enthält viele Kräuter, so dass sie aufgehört hat, Mist zu fressen. 1x die Woche gibt es frischen Pansen und 1x die Woche ein Schweineohr. Hundekekse und andere Leckerlis natürlich auch. Hochleistungsfutter ist meiner Meinung nach wirklich nur für Hochleistungshunde.
Eine Bachblütentherapie haben wir 1 Jahr gemacht. Erfolge haben sich z.B. beim Autofahren etc. eingestellt.

Mir ging es aber eigentlich nur um den Jagdtrieb. Es ist nicht zu bendigen. Wir waren in verschiedenen Hundeschulen und haben auch einen Jäger um hilfe gebeten. Es klappt gar nichts. Haben dann versuche gemacht mit Jagdtrieb Unterdrückung ( man darf auch keine Jagdspiele mehr mit dem Hund machen) -> das ging vollkommen in die Hose.
Dann haben wir Jagdtriebumleitung und Auslasstung versucht mit der Methode nach Jan Nijboer. Aber auch damit wurde es nicht wesentlich besser.

Tja, und Gehorsam klappt, solange sie nicht gereizt wird ( Fährte oder Sicht). Gehorsam machen wir auch weiterhin. Arbeiten an Bronze. Aber die Durchfallquote ist ziemlich hoch, da auch bei der Prüfung natürlich die Jagdgefahr da ist. Schleppleine etc. durchschaut sie. Das versuchen wir seit 2 Jahren mit Erfolg und Rückschlägen. Wenn wir beim schweren Karabiner oder bei kurzes Band angekommen sind, und sie einmal merkt, dass ich keinen Einfluss mehr habe können wir wieder von vorn anfangen.
Methoden, wo ich meinen Hund mit "breche" lehne ich von vorn herein ab. z.B. Teletakt, Zitrusspray etc.

Schönen Gruß
rondra

rondra
13.09.2006, 15:47
@Deargi
Intelligenzspiele machen wir. Da hat sie auch super spaß dran.
Futter aus dem Wasser holen.
Wir haben auch verschiedene Geräte gebaut ( ein Rohr mit schlitzen, wo ich Pappe reinstecke und oben mit Leckerlis fülle. Dann muß sie die Pappe rausziehen, damit die Leckerlis rausfallen) u.s.w.
Oder sie erschnüffelt Kaffee ( ich habe 4 Dosen mit kleinen löchern, die befülle ich mit unterschiedlichen Sachen dort wo Kaffee drin ist kratzt sie).
Dann machen wir Versteckspiele mit Futterbeutel und Spielsachen.
Futtersuchspiele, etc. auch werden Handtücher verknotet mit Futter drin, oder Futter an schwer zugänglichen Stellen, wo sie z.B. Dosen hochheben muß, oder nur mit der Pfote rankommt.
Und Dogdancing und Agility sind natürlich auch Kopfarbeiten neben dem körperlichen. Denn beim Agility ist der Parcours ja jedesmal verändert, und auch schicke ich sie vorraus zu den Hürden. Beim Dogdancing muß sie alle Befehle erkennen können und ausführen. Da ist die Ausführung nicht die Hürde sondern das Unterscheidenkönnen der Befehle.
An Kopfarbeiten hat sie im normalfall auch mehr spaß als am Fahrrad zu laufen, oder zu apportieren.
Gruß rondra

rondra
13.09.2006, 16:01
@rocky1

Das mit dem "vor mir rumkläffen" kommt mir sehr bekannt vor :D

Das lasse ich meinem Wuffi aber seit 1 Jahr ca. nicht mehr durchgehen, da nur ich spiele einleiten darf. Wenn sie es dann zu bunt treibt, muß sie 10 min. raus in ein anderes Zimmer meist ins Wohnzimmer auf ihre Decke.
Nach 10 min. ist sie meist wieder runtergekommen und ich kann sie wieder holen.

Ich muß sie meist schon ruhephasen zuteilen. Wenn sie allein ist schläft sie. Wenn wir da sind, tapert sie meist hinterher oder hält uns im Auge und wartet. Wenn sie Action hatte schläft sie danach meist nach ca. 30 min. Solange braucht sie schon, damit sie weiß, es geht nicht mehr weiter mit der Action. Momentan schläft sie auch zu meinen Füssen unterm Schreibtisch. Ich höre sie nur ab und zu seuftzen.

Die Bachblüten nimmt sie jetzt nicht mehr, aber damit haben wir die Magenschleimhautentzündung und die nervösität im Auto gut im Griff bekommen. Sie ist ja jetzt nicht mehr den ganzen Tag wild. Die Zeiten haben wir zum Glück hinter uns. Wenn es etwas körperliches wäre könnte man es mit Medikamenten im Griff kriegen. Bei ihr ist es psychisch. Das lässt einem meist verzweifeln. Aber die ist ja jetzt "recht" ruhig. Zumindest weiß sie wann schluß ist. Nur das jagen und stöbern lässt sie nicht.

Bei der Hyperaktivität war immer nur der Gesundheitliche Aspekt ein Problem. Einen ruhigen Hund möchte ich ja auch gar nicht wirklich. Aber da sie kein Gewicht hielt, immer wieder Erbrach etc. mußten wir mit ihr zur Tierklinik, da die TA keinen Rat mehr wussten.
Nun sind wir auf dem Level, wo wir gut leben können und keiner Wahnsinnig wird, Laika soweit gesund ist, nur das jagen sollte sie lassen, damit sie auch mal mit Hunden auf einer nicht eingezäunten Wiese spielen kann, oder wir mal ausserhalb des Grundstücks Stöckchen spielen können...
Das ist mein einziger Wunsch für die Zukunft. :?: