PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bellen in der Nacht *grübel*



firlefanz
14.10.2002, 10:32
Ich verstehe das nicht:
Wenn man einen Hund für etwas, was er gut gemacht hat, loben will und er den Zusammenhang zwischen seiner Tat und dem Lob erkennen soll, so muß das Lob doch innerhalb von 1-2 sec nach der Tat - am besten noch während der Tat erfolgen.

Wenn ein Hund des Nachts jammert und bellt und man dann zu ihm hingeht (was man ja angeblich keinesfalls tun sollte), so kann ich mir nicht vorstellen, daß er, wegen der nur 1-2 sec. in denen noch der Zusammenhang verknüpft wird wirklich einen Zusammenhang erkennt. Vor allem, wenn man in einer Bell- und Jammerpause bei ihm aufkreuzt... oder?

Wer kann mir was dazu erklären? Danke!

firlefanz

cheroks
14.10.2002, 11:11
Hallo Firlefanz,
Jammert und heuelt ein Hund nachts, fühlt er sich z.B. allein. Er befindet sich in einer für ihn unangenehmen Situation aus der er befreit werden möchte. Heuelt und jammert er, will er sein Rudel zusammen bringen. Kommt jetzt der Mensch und schimpft oder beruhigt, hat er erreicht was er wollte. Das Rudel ist zusammen, egal wie die anderen Rudelmitglieder drauf sind. Er bezieht das Verhalten nicht auf sich (wenn man nun sauer ist, weil er einen geweckt hat). Man reagiert auf sein Verhalten. Anders ist es bei Gehorsamkeit. Man animiert einen Hund etwas zu tun, z.B. Sitz, wenn das Hör oder Sichtzeichen erfolgt. Er zeigt etwas aus seinem Repertoir. Wir sagen ihm dann, wann er das richtige zeigt, mit Lob oder Leckerlie, damit er versteht was wir von ihm wollen.
Zeigt ein Hund aus eigener Motivation ein Verhalten, liegt es am Menschen darauf zu reagieren, dann wird er es weiterhin machen, oder es zu ignorieren, dann wird er es einstellen da er damit keine Reaktion des Menschen hervorruft.
Soll ein Hund ein Kommando lernen, gelten die 1-2 sec. denn ich will ja etwas bei ihm erreichen. Will ein Hund etwas erreichen, gelten die 1-2 sec. nicht mehr! Er ist ja in der Situation, er fühlt also den Zustand des Alleinseins, nicht nur 1-2 Sekunden. Er liegt höchstwarscheinlich hellwach in seinem Körbchen und wartet das jemand kommt. Wölfe die ihr Rudel zusammen "heulen" erwarten auch nicht, dass innerhalb von 2 Sekunden alle da sind. Sie wissen, wer zum Rudel gehört und warten bis das Rudel komplett ist. Man muss trennen zwischen Gehorsam und selbstmotiviertem "natürlichen" Verhalten. Genauso gelten die 1-2 Sekunden nicht mehr, wenn der Hund uns zu einem Spiel auffordert, fressen haben will, gassi gehen will etc. Da beweisen Hunde oft eine Engelsgeduld, liegen vor dem Schrank wo die Spielsachen sind, beobachten den Mensch ganz genau und jeder Blick zum Hund wird als "jetzt gehts los, oder?" aufgefasst. Da zeigt sich, wer die stärkeren Nerven hat!
LG

firlefanz
14.10.2002, 12:44
Hallo Cheroks,
vielen dank für die schnelle antwort. Vieles ist mir jetzt klar geworden, vor allem weil ich noch nie so explizit auf die Unterschiede zwischen Gehorsam und selbstmotiviertem Verhalten in dieser Form aufgezeichnet bekommen habe. Danke.

Eine Sache ist mir allerdings immer noch unklar:

Ist es nun sinnvoller, zu dem Hund hinzugehen, wenn er nachts bellt und heult, ist es besser, dieses zu ignorieren oder sollte man ihn einfach das nächste mal trotz aller zukünftigen Vorsätze mit in´s Schlafzimmer nehmen und was sind bei den einzelnen drei Möglichkeiten die Vor- und Nachteile?

Daß es genau so viele Theorien über Hundeerziehung gibt, wie es Hunde gibt, ist mir inzwischen schon klar. So habe ich kürzlich noch in einer sehr guten Ausarbeitung gelesen, daß ein junger Hund der Nachts bellt und jammert wohlmöglich einen Schock für's Leben bekommt, da er in seiner Einsamkeit Todesängste aussteht.

Oder kann man die Sache nicht verallgemeinern und eine Universallösung nennen?

Danke für Antworten,

firlefanz

cheroks
14.10.2002, 14:28
Hallo Firlefanz,
gehst du nachts hin, wird dein Hund es wieder machen, denn er hat ja Erfolg gehabt mit seinem Geheuel.
Ignorierst du es, wird er merken, es bringt nichts und sich wohl oder übel seinem Schicksal ergeben. Nimmst du ihn einmal mit ins Schlafzimmer, wird er es auch wieder machen, denn genau das will er ja erreichen. Die Frage ist, willst du deinen Hund im Schlafzimmer haben oder nicht? Am besten du überlegst dir das vorher, denn holst du ihn, wenn er jauelt, wird er dieses Verhalten eventuell auch an anderer Stelle einsetzten um zu erreichen was er will. (das lernt ein Hund am schnellsten, wie erziehe ich mir meinen Menschen)

Ich habe meinen Welpen im Schlafzimmer schlafen lassen und da schläft sie auch heute noch. Bei meiner Mutter hat meine Hündin, wenn ich nicht da war, im Wohnzimmer mit den anderen Hunden geschlafen, ohne zu muksen.
Wenn deinem Hund nichts passiert, d.h. wenn nicht eine Katze ihn verprügelt, wenn er alleine schläft, oder sonst etwas passiert, dann weiß ich nicht, was den Schock oder das Trauma auslösen sollte. Er merkt ja von Nacht zu Nacht, dass nichts passiert. Er wird sich daran gewöhnen allein zu schlafen. Nur sollte es eine Linie geben, nicht mal hier schlafen und mal da, dass ist viel schlimmer als eine Sache konsequent durch zuziehen.
LG

edda
14.10.2002, 14:42
Hallo Firlefanz,

kann auch nur sagen: Wenn du deinen Hund nicht im Schlafzimmer haben willst, Watte in die Ohren, die Nachbarn beschwichtigen und durch.
Natürlich schläft der Hund nicht gern allein, aber er wird sich daran gewöhnen. Wobei ich gelesen habe, dass Hunde , die tagsüber auch mal öfter allein sein müssen, gerade nachts bei Ihrem Herrchen seinen sollten.
Mein Hund schläft sagar im Bett. Ich kann aber jeden verstehen, der das nicht möchte. Im Schlafzimmer schlafen heißt ja nicht zwangsläufig auch im Bett schlafen.

Es grüßen Edda & Waro

Chaostruppe
14.10.2002, 16:03
he, bei mir schlafen sogar vier meiner fünf Hunde im Bett. Die fünfte hat einen eigenen Sessel im Wohnzimmer wo sie freiwillig schläft. Die Schlafzimmertür ist offen, sie könnte also jederzeit ins Bett kommen, kommt aber nur bei Gewitter. :)

Hunde SIND ganz einfach Rudeltiere, und es entspricht einfach ihrer Natur nicht allein bleiben zu wollen. Deshalb tut mir eigentlich jeder Hund leid, der als Einzelhund nichtmal bei seinem Herrchen/Frauchen schlafen darf. IM Bett ist ja gar nicht nötig, aber im gleichen Raum ist einfach "gut für die Seele". Kein Rudel,-oder Herdentier sollte allein sein müssen. (deswegen hab ich auch gleich fünf!) :)

Allerdings ist eine klare Linie bei der Erziehung einfach unabdingbar, denn ein Hund kann mit "mal so, mal so" gar nichts anfangen, und hat dann vielmehr das Problem seinen Platz im Rudel zu finden.

Liebe Grüße,
Andrea

cheroks
14.10.2002, 17:00
Also bei mir schlafen die Hunde auch konsequent im Bett;)

Tina2809
14.10.2002, 19:03
Unser Schlafzimmer befindet sich im Dachgeschoss unseres Hauses, Timmys Schlafzimmer im Erdgeschoss.
Wir haben lange hin und hergegrübelt, ob er nun bei uns schlafen darf oder nicht . Da er mal groß und schwer wird und noch keine Treppen steigen soll, haben wir uns dafür entschieden, daß er im EG bleibt. Es ist jetzt schon schwer, ihn ins Auto zu bugsieren.
Die ersten 2 Wochen habe ich bei ihm unten geschlafen, und er fühlt sich hier viiiel wohler als oben (theoretisch könnte er hoch kommen, die Türen stehen offen).
Vor 2 Wochen waren wir ohne Herrchen daheim und ich war krank, da durfte er dann mit hoch und hat brav neben meinem Bett geschlafen;)

Liebe Grüsse

Cockerfreundin
14.10.2002, 19:06
Basti schläft auch auf dem Bett - von der ersten Nacht an. Anfangs mit engem Körperkontakt - da brauchte er halt noch die Mama ;) ... war ein bissel warm im Sommer, aber na gut ... Jetzt liegt er auf seinem Kissen und alles ist gut :D :D

Gebellt hat er Nachts nie. Hoffe aber, dass er das tut, sollte eines Nachts mal ein einbrecher vor unserem Schlafzimmerfenster stehen ;) ;)

Friedlich schnarchende Grüße von
Annette + Basti :)

firlefanz
14.10.2002, 20:02
Hilfe! Je mehr Meinungen und Beiträge hier kommen um so verwirrter werde ich :rolleyes:

Unsere Ausgangssituation ist die Gleiche wie bei Tina: Schlafzimmer im Dachgeschoß, Hund sollte eigentlich in der Küche im EG schlafen, nicht zuletzt auch, damit er nicht so viele Treppen läuft.

Wir haben auch schon überlegt, zeitweise beim Hund in der Küche zu schlafen, doch wenn wir dann nach 1-2 Wochen wieder in unser Schlafgemach ziehen und der Hund dann in der Küche dennoch Theater macht, war doch alles umsonst, oder? Sprich, es ist nicht abzusehen, ob er dadurch lernt an dem Platz zu schlafen, der ihm zugewiesen wird.

Hat jemand schon mal diese Methode ausprobiert:
Körbchen im Schlafzimmer aufbauen und nach und nach weiter weg stellen, bis es dann nach einigen Wochen dort steht, wo es ursprünglich sein sollte ?!?
Über Erfahrungsberichte zu dieser Methode wäre ich sehr dankbar.

Ansonsten schon mal vielen Dank für die vielen hilfreichen (und manipulativen *g*) Antworten zu dieser Problematik :D

firlefanz

Ivonne
14.10.2002, 20:27
Nabend firlefanz,

ich versteh jetzt grad Dein Problem nicht so ganz.
Der Hund soll nicht bei Euch schlafen, macht aber Theater und ihr überlegt, wie "man das abstellen kann" ?
Hab ich das richtig gelesen?

Ich mein, wo liegt da die Schwierigkeit, ein paar Nächte hart zu bleiben (so wie Edda schon ganz richtig schrieb) und es durchzustehen? Ich nehme doch ganz stark an, das ihr bei der restlichen Erziehung auch konsequent seid, oder?

igelchen
14.10.2002, 20:52
Hallo Firlefanz!

Mein Cockerrüde schläft schon immer im Wohnzimmer, während meine Mädels grundsätzlich neben, unter oder im Bett schlafen. Wenn Du möchtest, dass Dein Hund ganz selbstverständlich im EG schläft, solltest Du einfach konsequent sein Geheule ignorieren. Hat er sich erstmal an diesen Schlafplatz gewöhnt, will er nie mehr woanders schlafen...
Damit Dein Hund sich nicht so allein fühlt, kannst Du ihm eine Decke (oder einen Pulli o.ä.) ins Körbchen legen, die nach Dir riecht.

Viele Grüße
Igelchen

firlefanz
15.10.2002, 11:42
Die Nacht ist für alle Beteiligten friedlich verlaufen :D
Der Hund hat unten auf meinem Pulli geschlafen (ein SUPER-Tipp, danke!!!) und hätte, wenn er gewollt hätte nach oben kommen können, da alle Türen offen waren.

Dabei hat er nicht einmal gebellt oder gejammert und als ich noch mal nachts unten ins Bad gegangen bin ist er danach auch unten geblieben obwohl er ja auch hinterlaufen hätte können.

Ich bin ja wirklich mal gespannt, ob das so weitergeht. Man soll ja bekanntlich die Nacht nicht vor dem Morgen loben :D

LG,
firlefanz

firlefanz
25.11.2002, 19:09
Der Thead ist zwar schon etwas älter, dennoch hätte ich etwas interessantes zum Thema nachzutragen:

Beim Tierarzt gab es eine Broschüre: "Wie wär's mit einem lieben Hund - kleines 1x1 der Hundeerziehung" von der Autorin Dr. Felicia Rehage, die auch das Buch "Lassie, Rex und Co." geschrieben hat.

Darin der wirklich logische Rat:

Den Welpen nachts des Öfteren besuchen, auch wenn er schläft ruhig aus dem Schlaf holen, und loben. Aber nur dann, wenn er ruhig ist.

Dadurch lernt er folgendes:

1. Heulen bringt nichts
2. Wenn ich ruhig bin, bekomme ich von Zeit zu Zeit Besuch
3. Ich bin nicht allein

Ich brauche das nicht mehr auszuprobieren, da mein Hund nachts allein bleibt, aber vielleicht ist das ja ein sinnvoller Hinweis (und Buchtipp) für andere, die hier mit ähnlichen Problemen nach Lösung Ausschau halten.