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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : SOS, mein Hund zeigt agressives Verhalten an der Leine!



Kay
13.10.2002, 20:15
Vor ca 10Wochen haben wir unser neues Familienmitglied, Ares, ein ca.2,5 Jahre alten Schäferhund aus dem Tierheim geholt. Er hat eine schlimme Vorgeschichte. Er wurde mit einem anderen Schäferhund aus einer Wohnung geholt, die für 3 Wochen total verwahrloste. Die beiden Hunde mußten in dieser Zeit ohne Futter, Wasser und Gassi gehen auskommen. Deshalb haben sie sich gegenseitig schon angefressen. Ares ist ganz gut davon gekommen, der andere Schäferhund hat noch heute schwere Gesundheitsschäden.
Zuerst hatte Ares extreme Trennungsangst, aus dieser heraus hat er jeden Menschen und Hund verbellt, der mir oder meinem Mann zu nah kam, wenn er angeleint war.Anfangs hat er sogar unser Auto (nach 2Tagen!!!) vor einem Zwölf jährigen Jungen verteidigt, ihn dabei gezwickt. Kurz darauf zeigte er erste Agressionen gegenüber einem anderen Hund, der an uns vorbei gehen wollte, stürmte hin und riß mich an der Leine hinter ihm her. Dabei kam es leider auch zu einem unangenehmen Zwischenfall, da der andere Besitzer das Bein hob,um eine Barriere zwischen Ares und seinem Hund zu schaffen. Leider zwickte Ares dem Mann ins Bein, was mir zu Recht wüste Beschimpfungen einbrachte. Hier faßte ich den Entschluß, mit dem Halti zu arbeiten, denn Ares wiegt 40Kilo. Dies brachte nur soviel, daß ich mehr Gewalt über den Hund bekam, also beschlossen wir mit Ares in die Hundeschule zu gehen. Dieses hat für unser Verhältnis bislang sehr viel gebracht, auch Menschen gegenüber ist er toleranter geworden( bsp. im Treppenhaus, die er vorher verbellt hat):p Allerdings kommen wir mit der Agression gegenüber Artgenossen noch nicht weiter, da er diese auf dem Hundeplatz nur wenig oder nicht zeigt, in der Nachbarschaft aber immer, wenn er angeleint ist. Bislang habe ich es mit Ablenkung durch Spielzeug/Leckerlies probiert, leider klappt das nicht, da die Aufmerksamkeit dann auf die sich nähernden Hunde gerichtet ist. Wenn ich ihn Platz machen lasse und dann Leckerlies gebe, klappt das nur bei kleineren Hunden, bei gleich großen Nie:confused: Sonst reagiert er aber inzwischen gut auf unsere Stimme und der Gehorsam sonst uns gegenüber ist bestens:p Wir wollen möglichst ohne Stachelwürger und ohne Kastration auskommen, wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht und diese in den Griff bekommen? Wir freuen uns über jeden Tip!

Maggie_HH
14.10.2002, 09:08
Hatte gerade einen riesenlangen Beitrag geschrieben....und dann war ALLES wieder weg!!!!!!!! :mad: :mad: Hier die Kurzfassung:
1. Habt ihr das Halti unter fachlicher Anleitung benutzt????
2. Ich würde mir einen Hundetrainer suchen, der zu euch kommt und sich das Problem vor Ort ansieht und euch bei alltäglichen SItuationen helfen kann....!
3. Hunde können an der Leine schneller aggressiv werden, weil sie durch die Leine eingeschränkt sind und den indivduellen Abstand zum Artgenossen nicht selbst bestimmen können, sich in der Nähe des Hundehalters eventuell sicher fühlen und stark! Oder er bewacht deine Leckerchen, wenn du welche dabei hast....kann das sein?
Wie verhält sich dein Hund denn, wenn er abgeleint ist???? Auf jeden Fall solltest du schnell was tun, bevor noch was schlimmes passiert! Wie verhält er sich denn dir gegenüber??? Weiß er denn wer der Chef bei euch ist???? Oder weiß er etwa, dass ER der chef ist???

Juliane

Dagi
14.10.2002, 10:11
Hallo,

kann zu diesem Thema nur das Buch
"Der Familienbegleithund im modernen Hausstand" von Günther Bloch empfehlen. Ich lese es gerade und Deine Beschreibungen erinnerten mich sofort an einige Fallbeispiele. Dort wird auch beschrieben, wie schrittweise eine Lösung gefunden wurde, und vor allen Dingen WAS alles hinter diesem Verhalten steckt, bzw. WAS es sein kann und wodurch es noch verstärkt wird. Das sind oft Dinge, denen wir gar keine Bedeutung beimessen, wie Platz des Körbchens, bestimmte Rituale, Aufbewahrung des Futters, "Privilegien" des Hundes...
Wie gesagt, ich kann es Dir nur dringend ans Herz legen. Zusätzlich noch den Ratschlag von Juliane befolgen, einen Hundetrainer zu finden, der die Situation vor Ort analysiert!

Wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg

Dagi

Kay
14.10.2002, 11:36
Das Halti haben wir selbst ohne Anleitung aber nach Beschreibung benutzt. Allerdings wollte er es beim Spazierengehen oft abstreifen und reagierte meines Erachtens ein wenig panisch, wenn andere Hunde auf uns zukamen.
Das mit dem Hundetrainer habe ich auch schon in Erwägung gezogen, da mir sogar vom Tierheim Hilfestellung angeboten worden ist.Vielleicht ist das die beste Lösung.
Zu Hause achte ich sehr darauf, daß er nach mir und meinem Mann, evtl. auch nach Gästen die Wohnung betritt.
Wenn ich mich über ihn stelle, unterwirft er sich sofort.
Auch für das Futter muß er Übungen, wie z. B. Sitz, Platz oder Fuß ausführen. Hier gibt es keinerlei Probleme. Dominanzverhalten uns gegenüber zeigt er nicht, da auch insbesondere von der Hundeschule ein Augenmerk darauf gerichtet wurde, und wir hier nützliche Tips erhalten haben.
Wenn er unangeleint auf andere Hunde trifft, legt er sich in Lauerstellung, pirscht sich an und startet durch. Bei dem anderen Hund angekommen, zeigt er Machogehabe durch grummeln und Bürste machen, das legt sich aber schnell und die Hunde trotten nebeneinander friedlich her oder spielen zusammen,er kommt dann sogar aus dem Siel heraus auf Zuruf schnell zu mir. Wenn er aber wieder an der Leine ist, geht das ganze wieder los, allerdings nur bei Hunden, die ab diesem Zeitpunkt auch dazukommen. Die vorher kennengelernten Hunde sind o.k. für ihn.:confused: Vielleicht bin ich draußen für ihn noch nicht ganz der Boss, aber ich weiß nicht so recht, ob es daran liegt. Das vorgeschlagene BUch werde ich mir auf jeden Fall besorgen, habe aber schon einiges gelesen, bsp."Probleme mit de Hund erkennen und verstehen, der schwierige HUND" Manchmal verwirrt es aber, da die Trainer unterschiedlich vorgehen. IM Moment versuche ich Ares beizubringen, Platz zu machen, den anderen Hund vorbeigehen zu lassen und belohne ihn, wenn er artig war, versuche also eine Ersatzhandlung zu schaffen.Ich freue mich über weitere Anregungen, nochmals danke!!!

Maggie_HH
14.10.2002, 12:05
Man sollte nie ein Halti ohne erfahrenen Trainer benutzen, das erklärt, warum der Hund es abstreifen wollte und eventuell auch warum er panisch reagiert hat! Benutze es bitte nicht mehr! Du musst den vorher langsam daran gewöhnen und später gibt es bei der Handhabung auch einiges zu beachten. Nur weil er sich dir unterwirft, wenn du dich über ihn stellst, heisst das noch nicht, dass er dich als chef akzeptiert, denn es gibt hunde die so ihre Menschen ganz gut manipulieren. natürlich muss es bei deinem Hund nicht so sein, aber es ist sehr schwierig das aus der Entfernung einzuschätzen. Würde euch auf jeden fall, ein paar stunden mit einem Hundetrainer anraten, der euch grundsätzliches über Verhalten von Hunden erzählen kann, und auf eure Fragen eingeht! Da dein Hund anderen Hunden gegenüber dominant zu sein scheint, würde ich nicht unbedingt mit Platz anfangen, als Ersatzhandlung, sondern mit Sitz, denn das wird für ihn erstmal einfacher sein. Und für dich ist es auf einfacher es dann konsequent durchzusetzen. Denn ich denke, dass dein Hund sich sofort aus dem Platz erhebt, wenn ein anderer ihm zu Nahe kommt, oder?

Lies bitte nicht zu viele Bücher, denn wie du schon gemerkt hast, verwirrt das nur! Das Buch von G.Bloch kann ich auch empfehlen, es ist ok!

Juliane

klasu
14.10.2002, 15:39
Hi Dr.Kay,
ich würde den Hund in so einer Situation weder Sitz noch platz machen lassen, sondern sobald er anfängt in Richtung des anderen Hundes zu ziehen, die Richtung wechseln, ein Stück zurücklaufen (immer schön bei Fuß), wieder vor und bei Bedarf wieder zurück. Gutes Folgen wird positiv bestärkt (Lob, Leckerchen, Spiel, Clicker).Wenn der Hund in solchen Situationen eine ruhende Position einnimmt, hat er viel zu viel Zeit, sich auf den anderen Hund zu konzentrieren und auf dumme Gedanken zu kommen.
Viele Grüsse
klasu

Kay
14.10.2002, 23:03
Hallo Klasu,

deinen tip testen wir schon geraume Zeit und haben festgestellt,daß es zu 30% dann besser laüft .Aber in den anderen 70% ist er immer noch stark auf den anderen Hund fixiert zeigt dann allerdings nicht immer so aggressives Verhalten.Das hängt wohl vom anderen Hund ab.
Manchmal hängt er sich aber so sehr in die Leine,daß meine Frau ins stolpern kommt. Deshalb die Ersatzhandlung.Was würdest Du in diesem Fall machen?#

Hallo Maggi
Sicher passiert es uns auch,Daß er sich wütend aus dem Platz erhebt,aber häufig klappt es auch daß er liegen bleibt, dann wird er kräftig gelobt..
Das Buch werden wir uns besorgen.

klasu
15.10.2002, 02:09
Hi,


Manchmal hängt er sich aber so sehr in die Leine,daß meine Frau ins stolpern kommt.
Das ist natürlich immer ein Problem mit einem grossen Hund (ich habe 2 davon und wenn die mit zusammen 70 KG los ziehen, wird man ganz schön schnell:eek: ). Wir haben gottseidank einen immerverträglichen Rüden , der relativ neutral bleibt, wenn unser Mädel mal versucht, rumzuzicken, so daß uns in einem solchen Falle "nur" die beherrschbare halbe Zugkraft trifft.
Die Sache mit dem Hundetrainer solltet ihr so schnell wie möglich in Angriff nehmen. Zum einen um die Hundeverträglichkeit zu trainieren, zum anderen um einen korrekten Umgang mit dem Halti zu erlernen. Zusammen mit einem Brustgeschirr wäre dies m.E. die sicherste Methode für Mensch und Hund.
Hundeschule ist auch nicht gleich Hundeschule, ich würde Euch eigentlich auch dazu raten, einen auf Verhaltenstherapie spezialisierten Hundetrainer aufzusuchen,speziell bei der Vorgeschichte des Hundes.
Wir hatten zuletzt in unserer Begleithundübungsstunde auch einen DSH als Gast zum Testen, der vorher bei jedem Hund Theater machte und jetzt nach intensivster Einzeltherapie von Hund und Halter durch unsere Trainerin keinen einzigen Hund in den Stunden angemacht hat.
Ein verträglicher Hund und ein glücklicher Halter - was will man mehr.
Tut mir leid, daß ich jetzt keine Patentlösung für die akute Situation bieten kann. Ich würde evt. zur Zeit erstmal versuchen, anderen Hunden, bei denen Ares viel Theater macht, aus dem Weg zu gehen und zunächst mit verträglicheren Hunden eine Begegnung zu üben und dann das weitere mit einem Hundetrainer zu besprechen.Dient zwar nicht der Sozialisierung, aber der Sicherheit, speziell wenn deine Frau Probs bekommt, den Hund zu halten. Und dann das Ganze halt ausbauen.
MfG
klasu

Kay
15.10.2002, 10:51
Das komische ist, daß Ares ei ihm bekannten Hunden gar kein Theater macht, er ist tagsüber bei unseren Nachbarn mit einer kleinen Mischlingshündin( Dackelgröße) zusammen, wenn wir arbeiten gehen.
Auch wenn wir mit unseren Freunden spazieren gehen, die einen Schäferhund und Welshterrier haben, ordnet Ares sich ohne Probleme dem Welsh unter, obwohl der ihn schon im Nacken gepackt hat und nicht mehr los ließ, bis sein Besitzer dazwischen ging.
Auf dem Hundeplatz tritt dieses Phänomen übrigens auch auf, daß Ares nicht oder wenn nur vereinzelt agressives Verhalten zeigt.
Prinzipiell wird es das Beste sein, einen erfahrenen Hundetrainer zu bitten, bei Spaziergängen, wo diese Agression auftritt insbesondere unser Verhalten zu beobachten. Vielleicht geben wir Ares unbewußt das Gefühl, wenn er an der Leine ist, wenn ein einzelner Hund auf uns zukommt, das Zepter zu übernehmen.
Auf der Hundewiese z.B., wo viele Hunde sind und auch Ares ohne Leine laufen kann, ist Ares das Spielen mit uns wichtiger, als irgendwie zu stänkern. Wenn dann ein Hund oder mehrere auf uns zukommen, dann begrüßt er ihn oder sie, manchmal gibt es auch ein grummeln, das wars.
Nach dem Anleinen dasselbe Spiel mit der Agression bei neu hinzu kommenden Hunden.