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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sprayhalsband als Erziehungshilfe



Maribel24
19.06.2006, 10:29
Hallo :cu:

habe seit April eine Galga-Podenco mischund aus Spanien (Lilly), eine ganz liebe treue seele. Nur leider frisst "Madame" fuer ihr leben gerne Hundescheisse.:-(0)

Hatte mit diesem Problem schon mal ein eintrag im Zooplus Forum eigegeben. Ich hatte auch sehr viele Tipps die ich auch alle befolgt hatte, nur leider wird es immer schlimmer, seit dem ich eine Woche weg war und die kleine Maus, bei Hundeoma verwoehnt worden ist. Ich muss dazu sagen das alle Welpen dieses Wurfs das gleiche Problem haben. Die Welpen wurden einer Deutschen Drogenabhaengigen abgenommen die bei Zigeunern gelebt hat. Die hat zwar die Hunde sauber gehalten um sie teuer verkaufen und sich davon Drogen kaufen zu koennen, Gott sei dank konnte man sie ihr vorher wegnehmen. Doch ich gehe davon aus das die kaum was zu essen bekommen haben und sich dieses Problemchen dort angeeignet haben. Der Rest des Wurfes ist noch bei der Organisation von der ich sie hab, mit denen ich noch Regen Kontakt pflege, die Geschwister sehen sich einmal im Monat, daher kann ich genau sagen, das leider alle die gleiche eigenart haben.
Unsere Hundetrainerin in der Hundeschule hatte mir geraten mal ein Sprayhalsband zu nehmen, doch erstens sind die Dinger recht teuer und ausserdem kann das auch nach Hinten los gehen. Denn als ich Lilly bekommen habe war sie sehr verängstigt und schüchtern. :( Und es hat viel Geduld, Zuneigung und Liebe gebraucht um ihr die Angst vor allem zu nehmen. Jetzt ist sie total selbstbewusst und Rotzfresch. :p

Habt ihr denn Erfahrung mit dem Sprayhalsband? Wisst ihr vielleicht wo man das guenstig erwerbern kann?

Liebe Gruesse
Maribel & Crew

Juni
19.06.2006, 14:14
Hallo Maribel,

Bei Spraybändern ist entscheidend wichtig, sie unbedingt immer nur für EINE Sache einzusetzen. Da sie auf einem reinen Schreckreiz beruhen, muss man sich bewusst sein, dass sich ein solcher sehr schnell abnutzt, wenn nichts an Sanktionen folgt. Ein Hund, der sich einmal über den Schreckreiz hinweggesetzt hat, kann nicht mehr damit konditioniert werden. Aus diesem Grund macht ein Sprayband grundsätzlich nur bei Hunden Sinn, die auf Geräusche reagieren. Von daher besteht vermutlich bei deiner eher unsicheren Hündin Aussicht auf Erfolg. Allerdings vergibst du dir damit die Chance, das Sprayband irgendwann einmal bei Problemen einzusetzen, die vermutlich schwerer wiegen als Scheiße fressen (bei diesem Mix denke ich da primär an Jagdverhalten, das sich etwa ab einem Jahr zeigen wird).

"Nach hinten los gehen" kann ein Schreckreiz immer dann, wenn das Timing nicht stimmt. Kommt der Sprühstoß exakt im richtigen Moment, wird sich der Hund erschrecken (was ja Sinn der Sache ist), das Ganze aber auch richtig verknüpfen. Der Schreckreiz dient als Unterbrechung des Verhaltens, und es ist sinnvoll, dem Hund danach ein Alternativverhalten anzubieten. Das kann so aussehen, dass du den Hund unmittelbar nach dem Erschrecken freundlich zu dir rufst und ihn fütterst. Nach 5-6 Wiederholungen (mehr sollten es nicht werden, sonst verbraucht sich der Effekt), hat dein Hund die Verknüpfung gelernt: "Scheiße fressen ist unangenehm, stattdessen zu Frauchen laufen, bedeutet Futter".

Es ist übrigens auch bei einem Sprayband sinnvoll, das Band 5-6 Wochen am Hund zu haben, OHNE es auszulösen. Sonst hast du u.U. den Effekt, dass der Hund das Ganze mit dem Tragen des Bandes verknüpft und sich nur entsprechend verhält, wenn das Band dran ist. Völlig auszuschließen ist dieses Risiko nie, durch lange Tragezeiten vorher aber zu minimieren. Du siehst, das Ganze ist - wenn man es richtig machen will - ziemlich aufwändig. Dadurch, dass es immer nur für eine Sache einzusetzen ist, ist der Preis nochmal in einem anderen Verhältnis zu sehen, ein Sprayband ist für einen normalen Hundebesitzer keine Anschaffung fürs Leben.

Hier meine Erfahrungen mit Sprayhalsbändern:

Ein gutes Band zeichnet sich durch folgende Dinge aus:
1. Zuverlässiges Auslösen
2. Kräftiger Sprühstoß
3. Reichweite mind. 200 Meter
4. Verschiedene Befüllungen möglich
5. Geringes Gewicht
6. wasserdichter Empfänger

Damit fallen sämtliche Billigprodukte von selbst unter den Tisch. Diese erfüllen nämlich nahezu keines der o.g. Kriterien. Viele Geräte unter 150,00 Euro bieten z.B. nur Citronella-Befüllung an, was durchaus problematisch sein kann, da manche Hunde empfindlich darauf reagieren. Entscheidend ist aber das zuverlässige Auslöseverhalten, denn davon hängt eine saubere Konditionierung ab. Man muss sich auch darüber im Klaren sein, dass die Spritzdüse die Achillesferse sämtlicher Spraybänder ist, und man gut daran tut, das Halsband pfleglich zu behandeln. Staub, Dreck etc. verstopfen eine Düse schnell. Aus diesem Grund würde ich ein Sprayband auch nie ausleihen, da man nicht weiß, wer da u.U. schon mit einer Nadel o.ä. dran rumgedoktert hat.

Billigere Bänder haben in der Regel Reichweiten von ca. 80 Meter - bei optimalen Bedingungen. Zieht man die Toleranzen ab, ist man schnell bei deutlich geringeren Reichweiten angelangt. Achten sollte man auch auf die Frequenz. Die einzige in Deutschland zugelassene liegt bei ca. 865 mhz. Billigimporte haben häufig andere Frequenzen. Billigbänder bergen eine große Gefahr der Fehlkonditionierung, wenn sie nicht sauber auslösen, aus diesem Grund würde ich die Finger davon lassen.

Ich habe sehr gute Erfahrungen mit folgenden Bändern gemacht:
1. Jet Care, Reichweite 300 Meter, wasserdicht, 86g, ca. 198,00 Euro
2. Dynavet Master Plus Pro, Reichweite 300 Meter, wasserdicht, 80g, 219,00 Euro
3. Haelics Dogtrainer Pro III, Reichweite 300 Meter, wasserdicht, für 2 Hunde gleichzeitig einsetzbar (mit Zusatzband), sehr starker Sprühstoß, 259,00 Euro

Für diese Bänder gibt es z.T. unterschiedliche Befüllungen (Wasser, Citronella, Senfspray), wobei ich persönlich Wasser bevorzuge.Die Preise sind nur Richtwerte, wenn man ein wenig sucht, findet man sicher auch billigere/ teurere Angebote. Trotzdem wird klar, dass ein gutes Band auch seinen Preis hat.

Schöne Grüße,
Juni

Sabiba
19.06.2006, 15:26
Hallo Juni, wir hatten kürzlich schonmal gechattet wegen meinem Hund, der immer die Nachbarschaft besucht und Katzenfutter klaut. Ich prüfe gerade die Möglichkeiten, das Grundstück einzuzäunen und stieß dabei auf den sogenannten "unsichtbaren Zaun". Im Prinzip funktioniert das Ganze so wie oben beschrieben (ein Empfänger am Halsband löst automatisch entweder einen Sprühstoß oder einen Stromstoß aus, wenn eine Grenze überschritten wird). Ich tendiere ja eher zu Strom, weil mein kleines Schätzchen sich von einem Wassernebel vermutlich eher nicht von der "Jagd" abhalten lassen würde. Kannst Du mir da einen Tipp geben?

billymoppel
19.06.2006, 15:44
was tut dein hund im garten, wenn kein sicherer zaun drum ist und du ihn nicht beaufsichtigst?
und dafür gibsts dann den stromstoß - einfach eine grandiose idee!
übrigens habe ich einen freund - 80kg, jung und gesund, der voriges jahr beim berühren eines weidezauns einen herzanfall erlitten hat, aber das nur am rande.

Maribel24
19.06.2006, 16:01
Hallo Juni,

danke für Deinen Auführlichen Bericht. Das mit dem Thema Jagen, könnte auch noch zum Problem werden, wie Du schon sagst die Mischung machts. Doch bis jetzt läufts ganz gut und ich kann sie wenn sie nicht an der Leine ist gut abrufen. Ich hab jedoch noch eine Frage bezueglich Deinem Komentar :"dass sich ein solcher sehr schnell abnutzt, wenn nichts an Sanktionen folgt" muss ich dann gleich pfui rufen und wenn sie ablaesst sofort loben?

Gruss
Maribel

AN Sabiba,

ich bin leider gleicher Meinung wie billymoppel. Die Gefahr ist einfach zu gross ihn auf einem ungesicherten Gelände zu lassen. Und Stromstöße muss doch auch nicht sein. Es gibt doch bestimmt bessere alternativen. Ich wuerde das Grundstueck einfach einzäunen, so verhinderst Du auch, das andere auf Dein Grundstueck kommen, oder evtl. sogar andere Hunde die Deinem was tun könnten. Ich kenn ja eure Gegend nicht und denk halt das die Möglichkeit ja evtl. bestehen koennte.

Viel Glück
Maribel

Juni
19.06.2006, 19:50
Hallo,

@Sabiba:
Ich halte nichts von diesen unsichtbaren Zäunen. Die Gründe:
- Jegliche Form von Strafreiz MUSS nach meiner Überzeugung vom Menschen berechnet und entsprechend gesetzt sein. Das dem Zufall zu überlassen und in einer völlig unkontrollierten Situation einzusetzen (potentielle Fehlfunktionen inklusive) halte ich für fahrlässig.
- Wenn jeder optische Anhaltspunkt fehlt, ist der Hund darauf angewiesen auszuprobieren, bis wohin er gehen darf, ohne dass er bestraft wird. Im schlimmsten Fall führt das zu dauerhaftem Stress, der hochgradig belastend für den Hund ist.
- Ein unsichtbarer Zaun verhindert (u.U.), dass ein Hund hinaus nicht aber, dass andere Tiere hinein laufen. So muss sich der Hund in seinem Territorium möglicherweise gegen andere Hunde zur Wehr setzen und erhält in dieser Situation vielleicht sogar noch Strafimpulse, wenn er sich im Eifer des Gefechts der Grenze nähert.
- Was immer besteht ist das Risiko, dass der Hund - z.B. weil ein Jagdimpuls stärker ist als die Angst vor der Strafe, trotz dieser die Grenze überschreitet. Hat er das einmal getan, wird er die Grenze nicht mehr akzeptieren.

Da es bei deinem Hund stark um Verselbstständigung ging, würde ich in jedem Fall einen festen Zaun UND möglichst wenig Zeiten, in denen er im Garten sich selbst überlassen ist, für wichtig halten.

@Maribel:
Die Grenze bei jedem Schreckreiz liegt darin, dass der Hund so erschrecken muss, dass er sein Verhalten unterbricht und ansprechbar für ein Alternativverhalten ist. Tut er das auch nur einmal nicht, ist es mit der Wirkung vorbei. Dann müsste ein Schmerzreiz folgen, um dem Hund das alte Verhalten zu verleiden. Mit "Pfui"-Rufen ist da nicht geholfen, das ist keine Konsequenz für den Hund, sondern nur ein weiteres Kommando, das er nicht befolgen muss. Bei unsicheren Hunden funktionieren Schreckreize meistens recht gut, von daher lohnt es sich in aller Regel, einen solchen auszuprobieren.

Schöne Grüße,
Juni