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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Agressiv durch Mastodynon?



Katinka1976
14.06.2006, 11:34
Hallo,

wir haben seit einigen Monaten (Ende Februar) Probleme mit unserer Enie.

Wir haben sie vor über einem Jahr aus Griechenland bekommen. Sie ist schätzungsweise knapp 2 Jahre alt.

Enie war anfangs ein sehr unterwürfiger, teils ängstlicher Hund. Nach ihrer 1. Hitze im letzten Jahr war sie scheinträchtig und hatte Milch. Da sich entlang der Zitzen Verhärtungen bildeten, fragten wir unseren TA, was wir bei der nächsten Hitze dagegen unternehmen können. Da für uns eine Kastration nicht in Frage kam, ließen wir uns ein Rezept für Mastodynon-Tropfen ausstellen. Diese bekam Enie Mitte Januar am Ende der Hitze an 2 Tagen.

Seit Ende Februar ist sie auffallend agressiv gegenüber Hündinnen. Besonders wenn diese sehr unsicher sind. Leider droht Enie nicht nur, sondern versucht auch, die Hunde zu beißen.

Seit einigen Wochen trainieren wir mit Halti (in der Öffentlichkeit wegen anderer unangeleinter Hunde fast unmöglich). Glücklicherweise können wir 1 Mal wöchentlich in unserer Hundeschule bei den Begleithunden mitlaufen. Das klappt gut.

Nun kreisen natürlich meine Gedanken am laufenden Band. Was haben wir falsch gemacht? Es gab keine Begegnungen mit anderen Hunden, wegen denen Enie so agressiv geworden sein könnte.
Liegt es am Mastodynon? Es scheint ja eine Langzeitwirkung zu haben, wenn es die Scheinträchtigkeit so lange ausschalten kann.

Mir tut unser Mäuschen einfach leid, dass wir andere Hunde immer mehr meiden. Mit Maulkorb ist so eine Sache. Unsere Erfahrungen mit anderen Hundebesitzern sind leider nicht so positiv, dass ich mir sicher sein kann, dass nicht Enie am Ende zum Opfer wird, weil sie sich nicht wehren kann.

Andererseits sind wir selbst natürlich auch sehr angespannt, weil wir ständig nach anderen Hunden Ausschau halten müssen, um schnell genug reagieren zu können.

Hat jemand einen Rat? Um's nicht gar so lang zu machen, hab ich versucht, mich erst mal kurz zu fassen. Wenn's aber noch Fragen gibt - her damit. Wir sind für jeden Tipp dankbar.

LG

Katharina

Juni
14.06.2006, 15:26
Hallo Katharina,

ich glaube nicht, dass Mastodynon die Ursache für das Verhalten deiner Hündin ist. Das Mittel verhindert übrigens keine Scheinträchtigkeit, sondern verringert die Probleme an der Milchleiste. In der Humanmedizin wird Mastodynon bei Brustbeschwerden eingesetzt. Ich vermute eher, dass die zunehmende Aggressivität gegenüber Hündinnen alters- und entwicklungsbedingt ist. Sie wird mit 2 Jahren allmählich psychisch erwachsen, was bei vielen Hunden damit einher geht, dass sie sich mit gleichgeschlechtlichen Artgenossen nicht mehr so gut vertragen. Dazu braucht es keine negativen Erfahrungen, es entwickelt sich einfach.

Hündinnen neigen bei solchen Auseinandersetzungen eher zu Beschädigungskämpfen als Rüden, da ihr Instinkt ihnen sagt, dass sie ihr Revier für ihre (potentiellen) Nachkommen sichern müssen. Im Zusammenhang mit Läufkigkeiten und Scheinträchtigkeiten verstärkt sich dieses Verhalten oft noch.

Es gibt Hündinnen, die dauerhaft unverträglich mit anderen Hündinnen werden, sobald sie erwachsen sind. Oft kann man das aber verhindern, indem man bewusst immer wieder soziale Kontakte ermöglicht. Dabei finde ich die Idee mit dem Maulkorb durchaus überlegenswert. Wenn eure Hündin stänkert, muss sie auch einen Rüffel ertragen, von daher kann ich das Argument mit dem "nicht wehren können" nicht so ganz nachvollziehen. Wenn sie beißen könnte, würde das ja nicht bedeuten, dass sie sich damit schützt, sondern nur, dass es ihr damit möglich wäre, die andere Hündin zu verletzen.

Nach meiner Erfahrung sind die meisten Hundebesitzer durchaus zugänglich, wenn man ihnen die Sachlage erklärt. Wenn ihr euch zudem gezielt Hündinnen sucht, die von ihren Besitzern als unkompliziert beschrieben werden, sehe ich gute Chancen auf eine erfolgreiche weitere Sozialisation. Übrigens funktioniert das Ganze in aller Regel in einer Gruppe deutlich besser als mit Einzelhunden. Dabei ist es sinnvoll, nicht irgendwo rumszustehen, sondern gemeinsam mit den Hunden vorwärts zu gehen. Dann haben die Hunde nämlich auch noch anderes zu tun, als sich nur aufeinander zu konzentrieren. Hierbei kann die Erfahrung gemacht werden, dass man durchaus auch nebeneinander leben kann, wenn man schon nicht miteinander leben möchte - und das ist in meinen Augen deutlich besser als gegeneinander.

Der andere Weg ist Vermeidung. Das mag zunächst einfacher erscheinen, bedeutet aber für den Rest ihres hoffentlich noch recht langen Lebens ständige Wachsamkeit von eurer Seite.

Schöne Grüße,
Juni

Katinka1976
14.06.2006, 16:08
Hallo Juni,

ich hatte ehrlich gesagt auf eine Antwort von dir gehofft. Hab einige deiner Beiträge gelesen und fand sie sehr verständlich, hilfreich, aufschlussreich, ...

Dass Enies Verhalten an ihrem Alter liegt haben wir auch schon bedacht. Uns ist auch sehr klar, dass es ein langer Prozess sein wird, ihrer Zickigkeit entgegen zu wirken. Und auch wenn's manchmal schwer fällt, die Nerven blank liegen und man sich einfach nur verkriechen möchte - wir haben unsre kleine Maus sehr, sehr lieb und werden das mit ihr durchstehen!

Wir haben uns beim "Training" auf jeden Fall für Konfrontation und nicht für Meideverhalten entschieden. Unser Ziel ist es, dass Enie irgendwann wieder unangeleint laufen darf und wir regelmäßig mit ihr auf die Hundewiese können. Momentan sind unsere Ausflüge sehr kontrolliert.

Was eben sehr auffällig ist, dass Enie im Umgang mit Artgenossen immer unsicherer wird. Wenn sie die Situation mit einer Aufforderung zum Spiel auflöst, könnte ich heulen vor Freude. Es passiert aber auch, dass sie anfängt zu knurren und es dabei nicht belässt - wendet sich der andere Hund ab, geht sie meist hinterher.

Allerdings zeigt sie dieses Verhalten meist nur dann, wenn der andere Hund selbst unsicher ist. Begegnet sie sicheren, dominanten Hunden (egal ob Rüde oder Hündin), ordnet sie sich unter, beschwichtigt, fordert zum Spiel auf. Das wird von uns auch immer sehr gelobt.

Ich hab auch schon beobachtet, wie sie mit einer ihrer Freundinnen gespielt hat und sie dabei spielerisch untergeordnet hat. Und zwar so, dass ihre Freundin weder den Schwanz einzog, noch winselte oder sonst ein Anzeichen von Angst oder Schmerz erkennen ließ. Auch dafür hab ich Enie sehr gelobt. Nur leider sind solche positiven Erfahrungen einfach zu selten.

Den Maulkorb haben wir bisher nicht eingesetzt, weil mir die Erfahrungen, die wir mit Enie und Halti gemacht haben, reichen! Bitte ich entgegenkommende Hundehalter, ihren Hund anzuleinen, stoße ich fast ausschließlich auf Unverständnis. Anstatt zu handeln, wollen die Leute diskutieren. Im Zweifel ist Enie aber dann schon in Angriffsposition und ich kann im Ernstfall nicht 2 Hunde halten! Vor allem im Halti fühlt sich Enie auch sehr eingeengt, wenn ihr andere Hunde zu Nahe kommen und dann flippt sie erst recht aus. Ich hab da also eher ein schlechtes Bauchgefühl, wenn Enie 'nen Maulkorb trägt und der andere Hundebesitzer seinen Hund bei einer Auseinandersetzung nicht zurück ruft / nimmt.

Ein Training mit "unkomplizierten" Hündinnen ist eher schwierig. Bei bekannten Hunden gibt's nämlich Null Probleme. Da hat Enie ein Gedächtnis wie ein Elefant und erkennt alle wieder. Fremde Leute trau ich mir ehrlich gesagt nicht anzusprechen. Und dann ist sie ja wie gesagt nur bei unsicheren Hündinnen agressiv. Diese Hundebesitzer ergreifen dann auch eher die Flucht, als mit uns zu trainieren!!!

Deshalb bin ich auch so froh, dass wir in der Hundeschule kontrolliert die Begegnung mit fremden Hunden üben können. Da werden wir dann auch mal den Maulkorb zum Einsatz bringen und Enie mitspielen lassen. In der Gruppe sind auch fast nur Hündinnen.

Ich fürchte, dass wir in den nächsten 50 Jahren mit Enie immer wachsam bleiben müssen. Aber ich hab doch allergrößte Hoffnung, dass wir miteinander einen Weg finden, wie wir mit anderen Hunden auskommen. Ich hab so das Gefühl, dass Enie momentan eine Lösung braucht, wie sie mit ihrer eignen Unsicherheit klarkommt. Wir müssen ihr also einen Weg zeigen, was sie in so einer Situation tun kann. Ich hab da bloß grad gar keine Idee, was man ihr als Alternative anbieten kann...


Vielleicht hast du ja noch einen Tipp?

Bis dahin schon mal ganz lieben Dank!!!

VG, Katharina

billymoppel
14.06.2006, 16:40
der sache mit dem maulkorb möchte ich widersprechen:
maulkörbe sind für wald-und-wiesen-experimente nicht geeignet, sie haben vielleicht in einer kontrollierten raufergruppe, wo sich gleiches kaliber trifft, ihre berechtigung, aber wie sähe denn die realität aus? ich habe einen hund, der nach außen aggression signalisiert (daran ändert ja der maulkorb nichts). sozial ansonsten unauffällige tiere werden darauf mit verschiedenen strategien reagieren:
1.) meideverhalten
2.) flucht
3.) der einladung zur klopperei mit gehandicaptem gegner nicht widerstehen können. - gegenaggression also
alle drei alternativen haben für die hündin keinerlei lernerfolg. wenn man mit glück auf nr.3 trifft (was bei hündinnen eben doch insgesamt seltener ist als bei rüden, auch wenn innerhalb der auseinandersetzungen die anzahl der ernstlichen beschädigungkämpfe wohl höher ist), müsste man zudem noch das glück haben, das die hündin körperlich in der lage und psychisch willens ist, ihr gegenüber ohne beschädigung in die knie zu zwingen - es bedeutet aber auch, dass die andere willens ist und in dert lage ist, eine niederlage anzuerkennen und hinzunehmen. wenn aber nicht? mag man sich die situation ausmalen, was dann passiert?
außerdem ist die hündin doch sicher mit allen drei folgen ihres verhaltens auch schon konfrontiert worden, ebenfalls ohne lernerfolg.
ich bin sicher der meinung, dass hunde einen großteil ihrer kommunikation selbst regeln müssen, aber ein bißchen ist es auch am halter, dem hund ziviles verhalten zu obstruieren und überbordende aggressionen zu beschneiden.
wenn ich billy, als er einst mit seiner über die monate im th gepflegten zwingeraggression bei uns einzog, hätte machen lassen, wäre er entweder vermutlich längst tot, und/oder die haftpflicht hätte mir gekündigt, ich wäre arm und der hund trüge von amts wegen einen maulkorb.
ich habe ihm schon "helfen" müssen, die grenzen zivilen hundeverhaltens auszuloten.
ich würde an der stelle übrigens noch mal nachfragen wollen, was "beißen" heißen soll? vollführt sie scheinkämpfe oder ist bereits ein hund ernsthaft verletzt worden (ich rede nicht von einer unabsichtlichen lochung oder kratzern)? hat sich wirklich jemals wirklich ernsthaft in einen hund verbissen (nicht bloß ins fell)?

Katinka1976
14.06.2006, 17:30
Hallo Billymoppel,

vielen Dank für deinen Beitrag.

Ja, wenn die Enie beißt, dann doch richtig.

Ihr 1. Opfer war eine Staff-Hündin. Bei ihr hatte sich Enie im Nacken festgebissen. Glücklicherweise ohne Wunde, aber als ich sie wegnehmen wollte, musste ich warten, bis sie locker ließ, um der andern Hündin nicht tatsächlich Schaden zuzufügen.

2. Opfer war eine Cocker-Hündin. Die hatte Enie an der Kehle und hat sie geschüttelt. Auch hier hatten wir Glück und die Kleine wurde nicht verletzt.

Alle anderen Attacken konnte ich glücklicherweise rechtzeitg verhindern. Allerdings sind dabei 3 Jeans in Mitleidenschaft gezogen worden. Eine davon gehörte nicht mir...

In einer anderen Situation hatte sich eine Whippet-Hündin im Gewusel erschreckt. Da ging Enie auch hinterher, hat aber glücklicherweise "nur" sehr böse gedroht. Sie ist nicht "handgreiflich" geworden.

Das ist ja auch das Dumme: die Situation kann ganz plötzlich umschlagen. Und dann reagier ich ehrlich gesagt so schnell wie möglich und lass es nicht drauf ankommen. Ich hab jetzt möglichst auch immer 'ne Wasserflasche dabei. Entweder zum Duschen von aufdringlichen Hunden oder zur Abkühlung für Enies Köpfchen.

Wenn sie an der Leine hochgeht, schnapp ich sie mir auch sofort am Brustgeschirr. Sie bekommt ein scharfes "Nein" mit in die Augen schauen. Wenn sie sich entspannt, setz ich sie wieder ab und lobe sie.

Nun suche ich jede Hundebegegnung, um sie für Nicht-Fixieren, Weiterlaufen und Entspannung zu loben. Ist aber ein langer Weg mit vielen Rückschlägen.

Und wie bereits gesagt, suche ich noch immer nach einem Weg, Enie eine Alternative zu ihrem Aufbrausen zu zeigen.

Habt bisher vielen Dank für eure Ratschläge! Und ich freue mich über jeden weiteren!

LG, Katharina

Juni
14.06.2006, 19:45
Hallo Billymoppel,


...der einladung zur klopperei mit gehandicaptem gegner nicht widerstehen können

Damit implizierst du, dass der andere Hund erkennt, dass a) sein Gegenüber einen Maulkorb trägt und b) auch logisch schlussfolgern kann, dass dieser ihn am Beißen hindert. Das halte ich für unmöglich.

Meine Erfahrungen mit Maulkörben bei Aggressionsproblemen sind folgende: Die Angst der Besitzer, dass ihr Hund den anderen verletzen könnte, sinkt rapide. Sie entspannen sich, was sich unmittelbar auf den Hund und sein Verhalten auswirkt. In Bezug auf die Kommunikation zwischen den Hunden schränkt der Maulkorb (vorausgesetzt, es ist ein richtiger und nicht so ein Nylonfummel) den Hund nicht maßgeblich ein. Seine Mimik bleibt intakt und für den anderen Hund auch erkennbar. Ich behaupte sogar, dass ein Maulkorb auf einem kurzhaarigen Hund noch deutlich mehr an Mimik erkennen lässt als das "unbekorbte" Gesicht eines Wuschels. Und wenn es sich um einen Wuschel handelt, ist es ohnehin egal.

Ein Maulkorb hindert am Beißen und damit natürlich am Öffnen des Fangs, um z.B. dem unterlegenen Hund die Zähne an die Kehle zu setzen, was eigentlich ein Nachteil sein könnte. Der unterlegene Hund weiß das aber nicht. Der Druck, den der Maulkorb in einem solchen Fall auf seine Kehle ausübt, ist vergleichbar mit den Zähnen. Für den Fall der Fälle verhindert der Maulkorb aber, dass der Hund zumacht.


alle drei alternativen haben für die hündin keinerlei lernerfolg.

Der Hund lernt genau das, was an Reaktionen auf aggressives Verhalten möglich ist (und das völlig unabhängig vom Maulkorb). Ich vermute aber du meinst, dass das Vertreiben und Unterordnen von unterlegenen Hunden für einen sozial aggressiven Hund keine erstrebenswerte Lernerfahrung ist? Dem stimme ich zu. Aus diesem Grund finde ich es wichtig, Begegnungen unter möglichst kontrollierten Bedingungen ablaufen zu lassen. Zudem halte ich zuverlässigen Gehorsam für entscheidend, um den Hund z.B. daran zu hindern, einen flüchtenden Hund zu verfolgen.


aber ein bißchen ist es auch am halter, dem hund ziviles verhalten zu obstruieren und überbordende aggressionen zu beschneiden

Kannst du bitte mal beschreiben, wie das konkret ausschauen könnte?

Schöne Grüße,
Juni

Juni
14.06.2006, 20:25
Hallo Katharina,


...ordnet sie sich unter, beschwichtigt, fordert zum Spiel auf. Das wird von uns auch immer sehr gelobt.

Das halte ich für problematisch. Zum einen deshalb, weil es ja nicht bei jeder Hundebegegnung angesagt ist, sich unterzuordnen (auch wenn du das vielleicht ganz angenehm fändest :D ), zum anderen aber auch deswegen, weil ich mir nie so sicher wäre, WAS man dabei gerade tatsächlich bestätigt. Die Kommunikation unter Hunden ist so komplex, dass ich im Verlaufe einer Hundebegegnung niemals auf die Sekunde genau entscheiden könnte, was genau da gerade passiert.

Ich könnte mir vorstellen, dass die zunehmende Unsicherheit deiner Hündin mit deinem Eingreifen zusammen hängt. Ein Hund, der gerade Meideverhalten gegenüber einem Hund zeigt, wird dafür von einem Menschen gelobt. Der Hund befindet sich dabei gerade hochgradig im Stress und vor allem in einem völlig anderen Wahrnehmungsbereich. In meinen Augen ist die Gefahr von Fehlverknüpfungen dabei sehr hoch.


...Und zwar so, dass ihre Freundin weder den Schwanz einzog, noch winselte oder sonst ein Anzeichen von Angst oder Schmerz erkennen ließ. Auch dafür hab ich Enie sehr gelobt.

Was genau, glaubst du, hat deine Hündin bei diesem Lob verstanden? Du setzt hier eine Übertragungsleistung bei Enie voraus, die sie niemals bringen kann. Welchen Zusammenhang soll Enie zwischen deinem Lob, ihrem Verhalten UND dem der anderen Hündin herstellen? Deine Wahrnehmung ist ganz sicher nicht ihre Wahrnehmung.

Ich halte es nicht für sinnvoll, sich in diesem Fall in die Kommunikation zwischen Hunden einzumischen, weil ich überzeugt bin, dass das nur Missverständnisse und Fehlverknüpfungen zur Folge haben kann - auch wenn ich natürlich dein Bedürfnis, erwünschtes Verhalten zu verstärken, verstehen kann. Enie lernt in diesem Zusammenhang über andere Wege. Jede (in deinem Sinne) positiv verlaufene Begegnung ist auch für Enie eine solche, weil sie eine entscheidende Facette in ihrer Kommunikatiosfähigkeit darstellt. Es gibt Hunde, die diese nicht haben.

Zudem verfügt Enie über die entscheidende Fähigkeit, sich selbst unterordnen zu können, wenn sie erkennt, dass sie einer überlegenen Hündin gegenüber steht. Das ist eine ganz hervorragende Voraussetzung für ein angemessenes Sozialverhalten - und auch darüber verfügen viele Hunde nicht.

Das einzige Problem liegt derzeit also bei nicht unterordnungsbereiten, unsicheren Hündinnen. Die Beispiele, die du geschildert hast, hören sich für mich nach dem (durchaus massiven, aber nicht wirklich gefährlichen) Versuch an, diese angemessen unterzuordnen. Hätte sie beißen wollen, wäre keine dieser Hündinnen ohne massive Verletzungen aus diesen Rangeleien hervorgegangen. Für diese Form von Begegnungen fände ich den Maulkorb wirklich hilfreich. Was ich nicht dulden würde wäre, dass Enie flüchtende Hündinnen verfolgt. Hier solltest du am Gehorsam arbeiten. Die Hundeschule ist dabei ganz sicher eine gute Möglichkeit.

Schöne Grüße,
Juni

ruth_kyno
14.06.2006, 23:21
hallo
ich kann dir nicht sagen, ob die reaktion deines hundes an dem medikament liegt, da ich dies nicht kenne.
mir ist aber schon sehr oft aufgefallen, dass viele hündinnen im alter von 2-3 jahren plötzlich aggressiv werden. du bist also mit deinem problem nicht allein. ich kann mir die gründe nur so erklären, dass der hund entweder andere hündinnen als konkurrenz sieht oder dass sich bei dem hund aggression aufgestaut haben, die jedoch zurückgehalten wurden, bis irgendetwas das fass zum überlaufen gebracht hat.
mein hund ist selbst leidtragend unter diesem problem, obwohl er ein rüde ist, aber leider ein kastrierter, denn er wird ständig von zickenden hündinnnen angegriffen, wie ich vermute, auch aus konkurrenzgründen: es ist kein rüde und auch keine hündin, da bleibt von der natur her nur noch eine möglichkeit eine läufige hündin und dies könnte konkurrenz sein.
aber genau kann ich mir das verhalten nicht erklären.

billymoppel
15.06.2006, 09:45
@ juni

"Damit implizierst du, dass der andere Hund erkennt, dass a) sein Gegenüber einen Maulkorb trägt und b) auch logisch schlussfolgern kann, dass dieser ihn am Beißen hindert. Das halte ich für unmöglich."

das ist ganz einfach und genauso wie an der leine: das gegenüber erkennt es am verhalten des mit dem maulkorb beglückten.

ich gebe dir recht, dass in den geschilderten fällen wahrscheinlich keine große beschädigungsabsicht vorlag: wer ne kurzhaarige hündin am nacken hat und die hat hinterher keiner verletzung - der wollte nicht ernsthaft beißen.
auf der anderen seite ist es so: es handelt sich - davon gehe ich aus - um x-beliebige park-begnungen. welchen nachvollziehbaren grund gibt es (jedenfalls in dieser menge), mit jedem dahergelaufenen hund irgendwelche auseinandersetzungen zu führen? machen das hunde im normalfall? nein, wozu auch. um die goldene butterblume zu gewinnen? das ist mitnichten sozial sicheres verhalten und hochgradig unklug.
enie ist ein raufer.

"Es passiert aber auch, dass sie anfängt zu knurren und es dabei nicht belässt - wendet sich der andere Hund ab, geht sie meist hinterher."

das braucht man nicht zu beschönigen. und sie ist vermutlich groß und stark.
enie verhält sich sozial keinesfalls adäquat - woher willst du von hier aus wissen, dass sie es in einer bis zum ende durchgeführten auseinandersetzung tun wird, das sie sich an die regeln hält? was, wenn sie einfach keinen bock hätte, sich zu unterwerfen?
wer sich von einem leicht durchgenknallten raufer wie enie provozieren läßt, ist selber nicht viel besser, d.h. am ende hat enie mit wirklich sozial sicheren tieren nichts zu tun, maulkorb und einschätzung der halter hin oder her.
und genau hier setzt die verantwortung des halters ein, nämlich dem hund seine wünsche - prügeleien bitte nur, wenn es sinnvoll und nötig ist - zu verdeutlichen, denn andere hunde werden es nicht tun. dazu braucht es keinen maulkorb, allerdings halte ich auch eine leine für wenig hilfreich.
hinzu kommt, dass ja wohl noch ein zweiter hund im spiel ist? wir wissen von hier aus nichts über das gefüge innerhalb dieses "rudels" und nichts über die interaktionen die dort stattfinden und ob nicht hier die gründe für enies überschießendes verhalten nach außen zu suchen sind. vielleicht wird sie aus dem rudel heraus in eine rolle gedrängt, zu der ihr einfach die geistige reife fehlt?

Katinka1976
15.06.2006, 09:53
Guten Morgen Ihr Lieben,

vielen Dank für eure zahlreichen Ratschläge.

Ich werd heut noch einen passenden Maulkorb für Enie kaufen. Wir haben zwar schon einen, an dem ist aber das Riemchen über den Kopf zu kurz. Dann können wir am Samstag in der Hundeschule die kleine Maus mit den anderen mal toben lassen. Ich hoffe auch sehr auf eine Einschätzung der Trainer. Bisher kennen sie Enies Attacken auf andere Hündinnen ja nur aus unseren Berichten.

An Enies Gehorsam arbeiten wir vor allem seit dem Auftreten dieser Agressionsprobleme mit Nachdruck.
Ich kann die Zeit leider nicht zurück drehen. Aber ich muss eingestehen, dass wir einfach aus Mitleid und falscher Rücksicht dem Hund zu viel haben durchgehen lassen. Enie beherrscht alle Grundkommandos und auch ein paar "Zirkusnummern". Nur bei dem Wörtchen "Komm" hat sie Krümel in den Ohren gehabt. Seit Ende Februar sind wir nun viel Schleppleine unterwegs und haben auch unseren Befehl darüber durchsetzen können. Oder auch Versteckspiele gemacht. Da sehen wir nun große Fortschritte, obwohl es noch ein langer Weg sein wird, bis Enie zuverlässig abrufbar ist.

Vielleicht sollte ich noch ein wenig mehr über Enies Charakter erzählen.

Sie kommt wie gesagt aus Griechenland. Im Alter von schätzungsweise 6 Monaten kam sie nach Deutschland in eine Pflegefamilie mit Hunden, Katze und Kindern. Wir haben sie dort als SEHR schüchterne Hündin kennengelernt. Schwanz zwischen den Beinen, die Ohren verschmolzen nach hinten fast mit dem Kopf. Nach 2 Wochen Pflegefamilie zog sie bei uns ein.

Wir haben schnell gemerkt, dass Enie sich ganz drastisch zurück zieht, wenn man Druck auf sie ausübt. Ich spreche hier von verbalem Druck. Körperlich hat sie sich schon unter Druck gesetzt gefühlt, wenn man nur nach ihrem Halsband griff. Das ist heute übrigens noch immer so. Wir denken, dass sie in Griechenland da irgendeine schlimme Erfahrung gemacht haben könnte.

Im Laufe der Zeit und je mehr ich mich mit Hunderassen beschäftigt habe, glaube ich, dass in Enie ein gewaltiger Anteil Podenco steckt. An ihrer Kopfform meine ich einen Maremmano wiederzuentdecken. Diese Mischung von sturen Jagdhund und Hütehund macht die Sache mit der Erziehung nicht grad leichter.

Zum anderen hat Enie in Griechenland gelernt, dass sie ganz prima selbst zurecht kommt. Man muss sich nicht unbedingt an einen bestimmten Menschen binden, um zu überleben. Vielleicht unterstelle ich ihr zu viel, aber wir haben schon oft beobachtet, wie sie freudig auf Menschen zugeht, sich dort streicheln lässt und auch oft genug ein Leckerchen bekommt. Und es ist erstaunlicherweise sehr schwierig, anderen Hundehaltern klar zu machen, dass man nicht möchte, dass sie unserem Hund nichts geben! Ich muss dazu sagen, Enie ist weiß und hat ein ganz weiches kurzes bis mittellanges Fell. Da scheint kein Zweibeiner widerstehen zu können :cool:

Die Bindung ist wesentlich besser geworden. Wir haben mit ihr mit dem Clicker gearbeitet, sie aus der Hand gefüttert. Ich war mit ihr beim Agility (haben wir wegen Knochenhautentzündung wieder abgebrochen).

Vielleicht resultieren unsere Probleme auch ein wenig daraus, dass wir ein Jahr um diesen Hund gekämpft haben. Haben Rücksicht genommen auf ihre Ängste. Was wir allerdings nie gemacht haben, dass wir uns eingemischt haben, wenn Enie mit anderen Hunden gespielt hat. Um Enie hab ich da auch keine Angst. Im Zweifel bin ich halt ein Stück vom wilden Hundetreiben weggegangen, um ihr eine Auszeit zu verschaffen. Jetzt habe ich ehrlich gesagt nur Angst um die anderen Hunde.

Wegen Lob oder nicht Lob bei der Begegnung mit anderen Hunden bin ich ehrlich gesagt hin und her gerissen. Ich kann nachvollziehen und muss dem zustimmen, dass man ganz schlecht einschätzen kann, was in Enie wirklich vor sich geht. Die Gefahr ist groß, falsch zu loben. Aber wie soll sie sonst lernen, dass sie auch was richtig macht? Ich glaube nicht, dass sie eine Nichtbestrafung als Lob empfindet.

Ich hoffe, dass wir auch mit Hilfe der Hundeschule auf dem richtigen Weg sind. Glücklicherweise haben wir eine Handvoll Freunde mit Hunden (die Enie nicht fressen will), mit denen wir uns treffen können. So kann sich Enie mit ihren Kumpels austoben und ich steh nicht die ganze Zeit unter Strom.

Ich danke euch nochmals für eure guten Ratschläge. Es ist einfach schon hilfreich zu wissen, dass man nicht allein mit seinen Problemen ist.

LG, Katharina

Katinka1976
15.06.2006, 10:07
@ Billymoppel

Hab so lange für meinen letzten Beitrag gebraucht und deine Antwort erst jetzt gelesen.

Also, unser Rudel besteht aus 2 Menschen, 1 Kampfkatze und 2 Hutzen (Hund+Katze=Hutze). Nee, Spaß beiseite. Wir haben 2 Katzen und Enie. Die Katzen liebt Enie abgöttisch. Mit der einen war sie eine zeitlang ziemlich futterneidisch. das hat sich aber gegeben. Wir achten auch darauf, dass die Katzen über Enie im Rudel stehen. Sie werden vor dem Hund gefüttert. Gibt's Leckerchen, muss Enie sitzen und bekommt das Letzte, wenn sie kein Theater gemacht hat.

Ansonsten zu Enies körperlichen Dimensionen :D : sie ist ca. 50 cm hoch und ca. 23 kg schwer. Also etwas kleiner als die meisten Labradormädchen.

Groß und Stark - weiß ich nicht, ob sie sich das einredet. Was von Anfang an erkennbar war, dass sie was gegen Deutsche Doggen hat. Da rennt sie stundenlang brüllend hinterher und versucht, sie in die Hinterläufe zu zwicken. Allerdings hat sie aber auch 'nen Irischen Wolfshund als Kumpel.
Und Blindenhunde findet sie zu K... Die werden auch angebrüllt.

Ansonsten hatten wir anfänglich den Eindruck, dass sie Theater macht, wenn sie an der Leine nicht zu jedem Hund darf. Über den Winter war der Knoten plötzlich geplatzt. Da lief sie völlig gelassen weiter, auch wenn auf der anderen Straßenseite, hinter oder vor ihr ein Hund lief. Das haben wir zwar auch erarbeitet, aber mit Beginn dieser Agressionsprobleme war dieser Erfolg zunichte.

Ich spiele ehrlich gesagt etwas auf Zeit und hoffe, mit Konsequenz Enie ihre Grenzen zeigen zu können und dass sich diese gefährliche Macke "verwächst".

LG, Katharina

Katinka1976
15.06.2006, 10:36
Ich hab mal ein paar Bilderchen von Enie als Signatur hochgeladen. Ich hoffe, sie werden angezeigt. Ansonsten gehört der Versuch dann eben in die Katgorie "Blond" :D

Juni
15.06.2006, 12:23
Hallo Billymoppel,


das gegenüber erkennt es am verhalten des mit dem maulkorb beglückten.

Das kann dann zutreffen, wenn der Maulkorb tragende Hund diesen nicht positiv kennen gelernt hat und sich gegen das Tragen wehrt. Hat der Hund den Maulkorb aber selbstverständlich akzeptiert - was für mich immer die Voraussetzung für den Einsatz wäre - verhält er sich nicht anders - warum sollte er?


...dass sie es in einer bis zum ende durchgeführten auseinandersetzung tun wird, das sie sich an die regeln hält? was, wenn sie einfach keinen bock hätte, sich zu unterwerfen?
Das Risiko, dass aus einem Kommentkampf ein Ernstkampf wird, besteht immer, auch bei sozial sicheren Hunden. In dieser Beziehung gibt es unter sozialen Raubtieren keine Garantien. Verantwortlich dafür ist häufig das Eingreifen des Menschen in irgend einer Form. Das bedeutet natürlich nicht, dass Begegnungen unkontrolliert ablaufen sollen.

Ich stimme dir auch darin zu, dass nicht jede Zufallsbegegnung zu einer Kontaktaufnahme führen muss. In Anbetracht der Tatsache, dass Hunde ursprünglich nur innerhalb des eigenen Rudels ihre sozialen Fähigkeiten entwickelt haben, ist es ohnehin eine erstaunliche Anpassungsleistung, dass es heute in so vielen Fällen möglich ist, diese auch auf rudelfremde Artgenossen anzuwenden. Der Umstand, dass viele Hundebesitzer aber genau das von ihrem (und jedem anderen) Hund als normal erwarten, setzt jedoch bestimmte Mechanismen nicht automatisch außer Kraft. Und natürlich kann es keine Lösung sein, jede derartige Zufallsbekanntschaft per Maulkorbabsicherung stattfinden zu lassen. Im Rahmen der von Katharina genannten Hundeschule, in der wohl soziale Begegnungen möglich sind, halte ich diese aber nach wie vor für eine mögliche Lösung.

Schöne Grüße,
Juni

Katinka1976
19.06.2006, 11:21
Mahlzeit,

will nur mal schnell von der HuSchu am Samstag berichten: Enie durfte vor Beginn des Trainings mit den anderen !!! 6 !!!! Hundedamen spielen. Das sah so aus, dass Enie den Mädels eigentlich hauptsächlich aus dem Weg gegangen ist. Als sie (ich denke aus Unsicherheit) die Leonbergerhündin und die Berner Sennenhündin aus sicherer Entfernung anbrüllte, bekam sie vom Trainer eine kurze Dusche. Und dann lief alles sehr entspannt ab.

Enie hat dann während des Trainings noch zwei Kaspereinheiten abgeliefert. Da musste sogar die Trainerin schmunzeln ... Ansonsten hatte ich den allerliebsten, allergehorsamsten Hund der Welt dabei.

Eine gewisse Entspannung in der Begegnung mit anderen Hunden können wir auch verzeichnen. Bleibt Enie stehen, lasse ich die Leine fallen und gehe ungerührt weiter. Sie lässt dann wie zur Salzsäule erstarrt den andern Hund passieren und kommt dann zu mir geflitzt.

Fängt Enie an, sich anzuspannen und den anderen Hund zu fixieren, bekommt sie ein scharfes "NEIN". Bei Blickkontakt zu mir, wird sie gelobt. Ist die Entfernung zum kommenden Hund noch recht groß, gehe ich mit ihr eine Linksdrehung. Oder eben noch mal ein Stück zurück. Dreht sie sich um, gibt's wieder ein "NEIN" und beim Blicken in Laufrichtung ein dolles Lob. Ich hab den Eindruck, dass sie sich trotzdem entspannt und wir dann letztendlich an dem anderen Hund ohne Zoff vorbei gehen können.

Wollt ich nur mal auf die Schnelle schreiben. Vielen Dank auch noch mal für eure Unterstützung. Neben all den Ratschlägen ist vor allem die moralische Unterstützung Gold wert :p .

LG, Katharina