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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hündin mag keine anderen Hündinnen



jeto
05.06.2006, 20:08
Hallo,
meine 7 1/2 jähr. Toni stammt aus Rußland. War dort in der Todeszelle, sollte vergast werden und ist aber von Tierschützern dort rausgeholt worden. Hat also -damals in ihrem jungen Leben- schon viel mitgemacht.
Ihre Vorgängerin mussten wir Wochen vorher einschläfern lassen und so wurde Toni bei uns liebevoll und hundeerfahren aufgenommen. Das nur zu ihrem Vorleben.
Nun zu der Tatache, daß sie sich s e h r selten mit Geschlechtsgenossinnen verträgt. Sie geht sofort in Angriffsstellung und läßt sich "die Butter nicht vom Brot nehmen". Ich habe es im Guten wie mit Schimpfen versucht: bei anderen Hündinnen ist Vorsicht geboten, ob klein oder groß.
Wer hat Tips zu diesem Problem?
Danke
jeo & Toni :(

Juni
05.06.2006, 20:26
Hallo Jeo,

verletzt sie andere Hunde ernsthaft?

Schöne Grüße,
Juni

jeto
05.06.2006, 20:42
Ich habe schon mal die Erfahrung mit einem Dackelmädchen gehabt: musste am Bauch genäht werden...
Seitdem bin ich -gebe ich ja zu- ein "gebranntes Kind". Toni ist dominant und "steigt" voll in den Machtkampf mit ein. Sie macht auch gewaltigen "Tertz" vorher schon. Ich nehme sie dann lieber kurz oder verdrücke mich mit ihr in eine sichere Ecke.
Tja....

Juni
05.06.2006, 23:06
Hallo Jeto (oder Jeo?),

eigentlich würde ich von einem ehemaligen Straßenhund erwarten, dass er auf Artgenossen gut sozialisiert ist. Aus diesem Grund würde ich deiner Hündin zunächst einmal zutrauen, dass sie mit anderen Hunden zurecht kommt.

Erwachsene Hündinnen untereinander sind grundsätzlich nicht ganz unproblematisch, da sie schneller in Beschädigungskämpfe geraten können als Rüden. Das hat seinen Ursprung im Instinkt der Hündinnen, der ihnen sagt, dass sie das Revier und die Ressourcen für den eigenen Nachwuchs sichern müssen. In diesem Fall geht es um Existenzielleres als nur die Rangordnung. Dennoch beweisen (gerade bei den Straßenhunden) unzählige Hündinnen, dass sie sehr wohl auch reine Rangordnungsrangeleien führen können, ohne sich ernsthaft zu verletzen.

Den Grund für die Verletzung des Dackels kann ich natürlich nicht nennen, ich halte es aber durchaus für möglich, dass es an der nicht korrekten Unterwerfung gelegen haben kann, dass deine Hündin so massiv geworden ist. Im Augenblick macht deine Meidestrategie das Ganze in jedem Fall eher schlimmer als besser - obwohl ich sie natürlich verstehen kann.

Grundsätzlich sehe ich zwei Möglichkeiten: Du akzeptierst ihre Schwierigkeiten mit anderen Hündinnen als Ist-Zustand und vermeidest zukünftig Begegnungen dieser Art. Oder du probierst aus, ob sie nicht doch erfolgreich mit anderen Hündinnen kommunizieren kann.

Ich würde vermutlich den Weg gehen, die Hündin an einen Maulkorb zu gewöhnen und dann kontrolliert Begegnungen zu suchen. Am Besten zunächst mit Hündinnen, deren Besitzer sie als verträglich bezeichnen und die ihr größenmäßig in etwa gewachsen oder überlegen sind. Der Maulkorb wird dir selbst Sicherheit geben und diese wird sich auch auf deine Hündin übertragen. Du solltest in keinem Fall eingreifen - passieren kann ja nichts. Nicht eingreifen heißt auch, nicht beschwichtigend auf den Hund einreden. Das schürt in der Regel das Aggressionsverhalten zusätzlich.

Schöne Grüße,
Juni

jeto
06.06.2006, 12:29
Joh, da habe ich ja einiges zu verarbeiten. Was noch zu bemerken wäre, ist, daß Toni -selbstverständlich- aufgrund ihrer Dominanz mit unterwürfigen Hündinnen oder älteren/kranken keine Probeme hat, genausowenig wie mit Rüden, egal welcher Größe.
Ich werde weiter versuchen, das Problem in Ruhe anzugehen-auch wenn sich meine Angst ("Klappts oder nicht?") natürlich auf Toni überträgt.
Was haltet Ihr in diesem Falle von Ablenkung mit "Goodies"?
Ich danke Euch jedenfalls für Eure Tips und freue mich, wenn weiter etwas kommt.
Jeto und Toni grüssen alle!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !

Juni
06.06.2006, 14:04
Hallo Jeto,


Was haltet Ihr in diesem Falle von Ablenkung mit "Goodies"?


Wenn du die Entscheidung triffst, bestimmte Kontakte zu vermeiden, hilft eine Ablenkung über Futter möglicherweise dabei zu verhindern, dass deine Hündin sich an der Leine aufbaut. Verträglicher wird sie dadurch nicht, aber ich denke, das ist dir klar.

Ich finde es ziemlich wichtig, dass du für dich eine Entscheidung triffst, womit du dich auf Dauer wohler fühlst: Mit Vermeiden und Ablenken oder mit dem Versuch der Konfrontation. Beides ist in meinen Augen okay, und beides wird nur zufrieden stellend funktionieren, wenn du selbst dahinter stehst. Es kann durchaus schon ausreichen, Toni einfach so zu akzeptieren wie sie ist, und ihr keine Gelegenheit mehr zum Raufen zu geben - dann solltest du aber nicht immer im Hinterkopf haben, dass du ihr Verhalten gerne anders hättest. Das bringt dir (und Toni) nur unnötigen Stress.

Schöne Grüße,
Juni

jeto
06.06.2006, 17:45
Ich denke mal, für mich persönlich wäre die Entscheidung: Vermeiden und Ablenken und Akzeptanz ihrer Macke die nervenschonenste. Letztendlich sind wir beide gestresst, wenn wir den Weg der Konfrontation gehen. Also, warum nicht den einfacheren (?) Weg gehen!?

Juni
06.06.2006, 18:33
Hallo Jeto,

ich finde das völlig in Ordnung. Aber du hattest nach Tipps gefragt, und die beiden Alternativen, die ich sehe, habe ich dir geschrieben. Wenn du dir jetzt klar geworden bist, welcher Weg für dich und Toni der bessere ist, hat das Ganze ja seinen Zweck erfüllt. Ob es der einfachere ist, wird die Erfahrung zeigen, das kannst du aber nur selbst rausfinden. Wichtig finde, ich, dass du ihr soviel Sozialkontakte wie möglich mit Hunden, bei denen es klappt, verschaffst, sonst besteht die Gefahr, dass sie irgendwann ihr Abwehrverhalten generalisiert (wobei aufdringliche Rüden verhauen durchaus okay ist :D ).

Schöne Grüße,
Juni

jeto
07.06.2006, 10:36
Hallo Juni,
ja ich bin auch sehr dankbar, um die Diskussion und die Tips um dieses leidige Thema.
Sozialkontakte hat Toni ansich. Wir toben uns jeden Tag in einem nahen Waldgebiet von Bonn aus.
Ich muss bloß manchmal auf unsere Zicke aufpassen...
LG
jeto und Toni

hundkatzevogel
07.06.2006, 11:14
Hallo,
ich würde eine gute Hundeschule in bertracht ziehen.
Sonntags 19:15 kommt immer die Tier-Nanny auf VOX da kann man sich auch eine menge bei abgucken und lernen.
Wir hatten auch mal so eine Hündin und die hat dann zum guten Schluß einen kleinen Westi totgebißen.
Das war nicht unbedingt das tollste.

jeto
07.06.2006, 18:54
Na ja, ganz so agressiv ist Toni (hoffentlich!) nicht. Ich bin halt ein "gebranntes Kind": unsere vorherige Hündin war das Gegenteil: bekam immer eins drauf! Meine Devise ist halt seit dem "Dackelvorfall": lieber aus dem Weg gehen.
Die Nanny sehe ich auch. Kann man geteilter Meinung sein; mal gute Tips, mal "lala".
Toni liebt halt Menschen, Rüden und weniger ihre Geschlechtsgenossinnen. Muß ich mit leben. Sonst ist unsere "Zuckerschnecke" eine Superliebe. Sie hat uns noch nie angeknurrt, man kann ihr ans Fressen gehen usw. Auch mit kleinen Kindern ist sie superverträglich.
Ist, glaube ich, kein Einzelfall. Von Rüdenbesitzern habe ich auch schon das gleiche gehört.

hundkatzevogel
07.06.2006, 20:09
Das Problem ist nur das es eine Landeshundeverordnung gibt die besagt das Hunde die Aggressiv anderen gegenüber sind zur Leinenpflicht und Maulkorb verdonnert werden.
Es ist ja nicht mein Hund ,aber ob ich ihm das antun wollte nur weil ich nichts an der Situation ändern kann oder will.
Wir selber haben einen Hund übernommen der schon 7 Jahre alt war und auch schon Leute gebissen hat(haben wir leider erst später erfahren).
Er hat letzten Weihnachten ein kleines Kind ins Gesicht gebissen,wir haben eine Anzeige von den Eltern des Kindes bekommen und mußten dann auch mit den daraus entstandenen Kosequenzen leben.
Der TA hat ihn dann auch einschläfern müssen weil er kurze Zeit später auf einen Berner Sennen los ist der ihn dann ziemlich schwer verletzt hat(er war ein klein-Pudel)

Juni
07.06.2006, 22:15
Hallo Hundkatzevogel,

ich sehe die Umstände bei deinem Hund und bei Jeto's Hündin völlig anders. Toni verhält sich im Prinzip völlig artgerecht und ist keinesfalls unberechenbar. Jeto kann vermutlich ziemlich genau erkennen, bei welchen Hündinnen er vorsichtig sein sollte, und wo es problemlos läuft. Mit Erziehung ist da auch nichts zu machen, man keinen einen erwachsenen Hund dazu "erziehen", andere gleichgeschlechtliche erwachsene Hunde zu mögen. Man kann ihn lediglich dazu bringen, sich an der Leine manierlich zu verhalten und sich abrufen zu lassen.

Das wäre für mich aber die einzige sinnvolle Maßnahme, bei der eine Hundeschule helfen könnte. Natürlich mag (und wird es vermutlich, wenn die Trainer nicht völlig unfähig sind) auch funktionieren, dass Toni sich mit den dort anwesenden Hündinnen verträgt - über Gewöhnung ist Vieles möglich. Das wird sie aber nicht auf jede x-beliebige fremde andere Hündin übertragen.

Mit Konfrontationstherapien arbeiten die wenigsten Hundeschulen, weil sie Angst haben, dass etwas passieren könnte - und meistens auch das notwendige Wissen in Bezug auf Kommunikation unter Hunden fehlt. Und wenn den Trainern die Sicherheit fehlt, kriegen sie Hundebesitzer und Hunde erst recht nicht.

Schöne Grüße,
Juni

jeto
08.06.2006, 19:29
Ja, Juni da muss ich Dir beipflichten. Du hast mich ziemlich gut erkannt, bis auf, das ich auch ein Mädel bin. So, wäre das aufgeklärt!
Toni ist nun nicht die total aggessive Hündin: "Tür auf und wo ist der Feind..."
Sie kann sich auch benehmen. Manchmal ist es halt nur stressig. Vor allem, wenn einem Leute mit Hund entgegenkommen und man bittet (aus Sicherheitsgründen) ihren Hund auch eben festzuhalten/-machen und die kommen dann mt der Argumentation: "Meiner tut nichts!" Die denken manchmal von 12 bis Mittag: fragen die sich nicht, ob vielleicht der andere Hund was tut????
Ich gehe jedenfalls auf Nr. Sicher und mit meiner Streithenne an die Seite!
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jeto und Toni