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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schleppleinentraining



Amy2005
04.06.2006, 12:42
Hallo an Alle :)

ich habe mal eine Frage zum Schleppleinentraining. Ich lasse die Leine immer komplett los, so dass sie hinterher schleift. Wenn sich dann meine Hündin vom Acker machen will, rufe ich hier, wenn sie nicht hört, stelle ich mich auf die Leine.
Nun habe ich aber oft gehört, dass das andere Ende festgehalten werden soll. Soll denn der Hund sich nur in dem Radius der Leine aufhalten (10 m)? Wenn Amy sich mehr als 10 m entfernt, sehe ich zu, dass es nicht zu weit wird, so dass ich dass Ende nicht mehr erwische. Soll ich denn immer ein Komando zum stehenbleiben geben, wenn sie sich mehr als 10 m entfernt?

Wie handhabt ihr das denn?:confused:

Juni
04.06.2006, 13:39
Hallo Anja,

auf die Gefahr hin, mich dem allgemeinen Unmut auszusetzen: In meinen Augen ist Schleppleinentraining nur als Krisenmanagement tauglich. Das heißt, es funktioniert, so lange der Hund die Leine dran hat und ich ihn einfach durch Festhalten der Leine oder Drauftreten daran hindern kann, sich zu entfernen. Das klappt natürlich nur, wenn ich die Leine auch rechtzeitig erreichen kann. In dieser Kombination wird es vermutlich auch gelingen, den Hund abrufen zu können.

Ich kenne allerdings keinen Hund, der nicht ganz genau weiß, wann er eine Schleppleine dran hat und wann nicht. Und ich gehe jede Wette ein, dass für jeden Hund der Zeitpunkt kommen wird, wo er ohne Schleppleine den Versuch unternehmen wird, abzuhauen. Da dieser Versuch natürlich erfolgreich ist, war's das dann mit dem Gehorsam.

Aus diesem Grund bedeutet für die Mehrzahl aller Hunde (einige seltene Ausnahmen mag es geben) einmal Schleppleine immer Schleppleine. Damit der Hund wenigstens einigermaßen so etwas wie Freilauf haben kann, braucht er einen Aktionsradius von mindestens 30 Metern. Da es kaum möglich sein dürfte, mit einer 30-Meter-Leine durch die Gegend zu laufen, heißt das für mich, dass der Hund lernen muss, die Grenze von 30 Metern in jede Richtung einzuhalten.

Damit ist auch klar, dass ich das Ende der Leine nicht permanent in der Hand halten kann. In meinen Augen wäre das auch kein SCHLEPPleinentraining, sondern ein Laufen an langer Leine. Grundsätzlich sollte das Training an der Schleppe auch dazu dienen, den Hund auf den Hundeführer zu konzentrieren. Das bedeutet, dass der Hund lernt zu "fragen" ob er sich weiter entfernen darf oder nicht, indem er sich immer wieder zum Hundeführer umschaut und auf ein Signal zum Weiterlaufen oder Warten oder Zurückkommen erhält.

Zu erreichen ist das z.B. über häufige Richtungswechsel, die den Hund zwingen, seinen Menschen im Blick zu behalten. Zunächst muss dabei der Aktionsradius natürlich deutlich geringer sein, und das Ende der Schleppe so dicht beim Hundeführer, dass er den Hund auch daran hindern kann, der Richtungsänderung nicht zu folgen. Aufmerksames Folgen wird belohnt, am Anfang immer, später nur sporadisch. Statt der Richtungswechsel kann man nach einiger Zeit auch einfach stehen bleiben, wobei der Hund sich ohne Kommando sofort am Hundeführer orientieren sollte. Unaufmerksamkeit oder Desinteresse wird bestraft, indem das Ende der Leine festgehalten wird.

Das Ganze sollte nach meiner Überzeugung OHNE Kommando funktionieren. Das Kommando "Hier!" oder auch "Platz" (um den Hund zu stoppen), sollte getrennt vom SL-Training trainiert werden und nur ab und zu benutzt werden. Abgesehen davon, dass man den Hund ansonsten permanent rufen muss, nutzt sich das Kommando schnell ab, und der Hund wird es nicht mehr befolgen (es sei denn er lernt über einen aversiven Reiz, dass Nichtbefolgen unangenehm ist).

Schöne Grüße,
Juni

Amy2005
05.06.2006, 11:52
:tu:
vielen Dank für die Info! Ich werde das dann so handhaben. Die Grundkommandos beherrscht meine Amy ja auch. Wenn sie gut drauf ist, auch unter Ablenkung. Nur manchmal hat sie Phasen, da testet sie mich wieder extrem aus und rennt trotzdem auf die Wiese, obwohl ich vorher nein gesagt habe. Sie ist jetzt 21 Monate, vor 6 Monaten hat sie das noch nicht gemacht.

Ich habe sie auch erst mit 6 Monaten bekommen, eine Streunerhündin aus Rumänien. Ich musste ihr von Grund auf alles beibringen, sie kannte ja noch nicht mal ein Halsband, geschweige denn eine Leine. Sie hatte auch eine ganz schlimme Demodikose (Haarbalgmilben) gehabt, darum bekam sie auch sehr viel Aufmerksamkeit. Jetzt geht es ihr gut und sie fängt an den King zu spielen.

Ich werde sie zu Hause jetzt auch ignorieren, habe das auch schon mit meiner Familie besprochen, dass alle mitziehen. Nur draußen wird noch geübt, gespielt und gefüttert. Mal sehen ob das klappt.

Kebmo
08.06.2006, 17:44
HI,

bei mir hat das Schleppleinen training super funktioniert. Ich habe es zusammen mit einer Trainerin gemacht.

Die Leine schleifte auf dem Boden, ich hatte sie so gut wie nie in der Hand. Wenn der Hund sich zu weit aus meinem Radius bewegt hat haben ich "halt" gerufen, wenn er nicht stehen geblieben ist,bin ich auf die Leine getreten. so hat er schnell gelernt was halt bedeutet. wenn er stand habe ich "hier" gerufen. Wenn er nicht kam, sanft an der leine herangezogen.

nach ca. 3 monaten habe ich die leine abgenommen und es hat weiterhin alles wunderbar funktioniert. richtungswechsel habe ich trotzdem gemacht, wie schon empfohlen wurde.

die schleppleine hat den großen vorteil, dass man den hund "einfangen" kann ohne ihm zu nahe zu kommen. mein hund war aus dem tierheim und am anfang sehr ängstlich und schreckhaft. ich konnte ihn so halt immer sanft zu mir holen. und musste nicht von oben an sein geschirr greifen.
man sollte das aber immer mit befehl machen. nicht einfach so drauftreten oder einfach so heranziehen.
und für den halter, wenn er selbst unsicher ist auch psychologisch ganz gut, da man 10 m leine hat.

viel spass noch.

Nadine&Katra
08.06.2006, 23:08
Hey!

Das sie den King spielt könnte daran liegen, dass ihre Position im Rudel nicht eindeutig geklärt ist.
Mach mit ihr Unterordnungsübungen, leg sie vorm Napf 5 Min. ab und erlaube ihr dann erst zu fressen oder an Orten, die sie nicht gerne mag...sie muss alle Befehle so lange durchhalten, bis du sie auflöst, z.B. mit "lauf", darf keine eigenen Entscheidungen treffen; geh immer du zuerst aus der Tür oder die Treppe rauf/runter usw.
Wenn der Hund seine Position gefunden hat, wird er ein "nein" sofort akzeptieren. Ja, es ist ein stetiger Kampf :)

Ich persönlich halte das Training mit einer Schleppleine für sehr sinnvoll, ich hatte damit jedenfalls Erfolg. Ich hab eine Hündin mit 4 Monaten aus Griechenland adoptiert, die so ziemlich alle Eigenschaften eines Border-Collies hat und zudem auch noch sehr ängstlich und schreckhaft war und manchmal auch noch ist. Ohne das Training wäre ich wahrscheinlich heute noch am rumeiern, hab aber auch eine Hundeschule mit Einzelunterricht besucht...wenn du sicherer bist, lass die Leine einfach schleifen, auch weiter entfernt, als nur 10m. Tritt aber nie ohne einen Befehl zu geben einfach so drauf, das bringt nichts und verwirrt den Hund nur. Wenn sie sich zu weit entfernt, sag einfach nur "komm" und lass sie dir folgen. Wenns brenzlig wird, ruhig auf die Leine zu gehen und sie nehmen "sitz" sagen oder was auch immer, wenn sie es nicht tut an der Leine rucken und sie so bestrafen. Ausserdem biete ihr was ganz Tolles, wenn sie auf "hier" hört, nicht nur nen Leckerli, sondern vielleicht ihr Lieblingsspielzeug. Sie sollte einfach lernen, dass es die besten Sachen gibt, wenn sie auf dich hört...
Ausserdem hat die lange Leine einfach den Vorteil, dass man den Hund besser unter Kontrolle hat und seine eigene Sicherheitauf den Hund übertragen wird.

Naja,wie auch immer, jedenfalls viel Erfolg

Nadine

ruth_kyno
12.06.2006, 22:56
ich würde sagen mach es so wie du willst. wenn du willst, dass dein hund nicht mehr als 10m von dir weggeht, dann halte die leine fest, wenn es dir darum geht, dass du deinem hund das herkommen beibringen willst, unabhängig von seiner entfernung, dann kannst du die leine loslassen.
du musst dein ziel wissen, dass du erreichen willst!

Juni
12.06.2006, 23:15
Hallo Ruth-Kyno,


...wenn es dir darum geht, dass du deinem hund das herkommen beibringen willst, unabhängig von seiner entfernung, dann kannst du die leine loslassen.

Das verstehe ich nicht. Wie soll man sicher stellen, dass der Hund herkommt, wenn er sich in beliebiger Entfernung befindet und man die Leine loslässt? Was macht man, wenn er nicht kommt?

Schöne Grüße,
Juni

ruth_kyno
12.06.2006, 23:27
wenn man richtig trainiert, wird der hund kommen
man sollte ihn natürlich erst gar keine 100m weit weglaufen lassen, wenn man weiß, dass er nicht kommt.

Amy2005
13.06.2006, 12:17
@Nadine und Katra,

dass mit dem Freßnapf habe ich so lange noch nicht gemacht. Sie muss sich erst mal hinsetzen, dann sieht sie mich an und nach ca. 5 Sec. gebe ich ihr das Kommando, dass sie fressen darf.
Dass mit den Türen mache ich so wie so. Beim Gassi gehen mache ich auch jedes mal Unterordnungsübungen z.B. Ablegen, sich entfernen ca. 30 m und dann langsam wieder hingehen und belohnen :-*
Sie reagiert aber auf Spielzeug gar nicht. Hatte mal ihren Ball mit, mit dem sie im Garten gerne spielt, aber draußen war der total uninteressant.
Nur wenn ich ihren Mod mitnehme und ihn mit Futter befülle wird es wieder interessant für sie. Aber in der letzten Zeit halt auch nicht immer.

@all

Im Moment mache ich es so, dass ich die Leine schleifen lasse und meine, wenn es zu weit wird, gebe ich das Kommando bleib, wenn sie das nicht macht, renne ich schnell zum Ende und trete drauf, darum darf das Ende natürlich nicht zu weit weg sein.

Oft geht sie aber auch hinter mir und bleibt sehr weit weg. Wenn sie hinter mir geht, dann nehme ich das Ende in die Hand, damit ich sie gleich zum Weitergehen bringe, wenn sie mal stehen bleibt oder zu lange schnuppert. Dann sage ich aber kein Kommando, wenn die 10 m rum sind, muss sie kommen. Hinter mir habe ich sie ja sonst gar nicht unter meiner Kontrolle.

Außerdem mache ich jetzt auch noch mal verstärkt Basistraining im Verein. Hoffentlich wirkt das alles, sie ist aus ihrer Phase nämlich immer noch nicht raus. Sonst war das mal eine Woche, wenn sie mal testete :0(

Amy2005
13.06.2006, 12:24
ach ja, noch was zum Ignorieren.
Das ging ganz schön nach hinten los. Amy hat sich irgendwie weiter von mir entfernt in der Zeit.
Sie freute sich nicht mehr mich zu sehen, ignorierte mich ebenso. Das habe ich jetzt sein gelassen.
Kam mir vor, als wäre sie richtig eingeschnappt gewesen.:confused:

Juni
13.06.2006, 13:12
Hallo Anja,


Amy hat sich irgendwie weiter von mir entfernt in der Zeit.
Sie freute sich nicht mehr mich zu sehen, ignorierte mich ebenso. Das habe ich jetzt sein gelassen.

Damit hast du einen Kampf verloren. Dein Hund hat bisher erfolgreich gelernt, dass es dein Job ist, sich darum zu kümmern, dass er dir nicht verloren geht, indem du immer wieder rufst oder action machst, damit er bei dir bleibt.

Als du das eingestellt hast, hat Amy ausprobiert, ob es damit nun tatsächlich vorbei ist. Sie hat ihren Radius erweitert und getestet, ab wann du dich wieder um sie kümmerst. "Eingeschnappt" war sie nicht, Hunde können solche Empfindungen nicht haben. Sie hat dich herausgefordert - und gewonnen. Sie hat dich ignoriert und damit bei dir erreicht, was dir umgekehrt nicht gelungen ist: Sie hat entschieden, wer auch weiterhin tun darf, was er will, nämlich sie.

Schöne Grüße,
Juni

Amy2005
13.06.2006, 15:57
Hallo Juni,

das kann sein, dass ich verloren habe :0(

aber ich habe ja erst angefangen sie zu ignorieren, als sie nicht mehr so gut hörte und in der Zeit der Ignoranz, hat sie ja ebenso wenig gehört, wenn nicht sogar noch schlechter.

Ich habe sie ja zu Hause auch komplett ignoriert: nie angesehen, nie angesprochen, weggedereht, wenn sie kam...
Auch von mir aus habe ich sie nicht aufgefordert zu spielen.

Wenn sie mich zu irgendetwas auffordert, gehe ich so wie so nicht drauf ein, früher nicht und jetzt nicht.
Aber ich streichele sie mal, wenn sie einfach nur da liegt, oder rede mit ihr.

Hätte der Gehorsam draußen besser geklappt, als ich sie ignoriert habe, hätte ich das ja auch weiter gemacht, aber ich hatte ja auch keinen Erfolg.

Juni
13.06.2006, 19:07
Hallo Anja,

nicht aufgeben :D . Nimm dir doch mal deinen Hund als Vorbild, was konsequent sein bedeutet: Der Hund gibt nicht nach ein paar Tagen auf, was er vorher als erfolgreich erlebt hat - oft auch nicht in Wochen oder Monaten. Dabei ist eines sicher: Es gewinnt langfristig der, der den längeren Atem hat.


Auch von mir aus habe ich sie nicht aufgefordert zu spielen.

Da ist wohl was falsch angekommen: DU sollst sie auffordern! Du sollst dich nur nicht von ihr auffordern lassen. Aber natürlich musst du ihr eine Alternative anbieten. Solange du sie ignorierst, läuft sie ja ins Leere, und da muss es unbedingt ein Gegengewicht geben. Sie muss erkennen: Zuwendung gibt es nicht, wenn ICH das will, sondern wenn Frauchen das will. Zu diesem Zweck musst du ihr aber auch Möglichkeiten geben!

Schöne Grüße,
Juni

Amy2005
13.06.2006, 22:08
Hallo Juni,

dann habe ich bis jetzt ja doch fast alles richtig gemacht.
Denn ich habe sie bis jetzt immer ignoriert, wenn sie etwas wollte.

Als ich sie vollkommen ignorierte, habe ich es wohl auch etwas übertrieben, denn ich tat wirklich so, als gäbe es Amy gar nicht. Das durchzuhalten ist ganz schön schwer. Ich meine auch gar nichts aus Eigeninitiative machen.

So möchte ich auch gar nicht leben. Wenn ich Lust habe mit ihr zu spielen, oder sie zu streicheln mache ich das auch.
Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg.

Ich komme auch gerade vom Basistraining. Sie muss noch ein bisschen lernen bei Fuß zu gehen, aber sonst klappt alles, Ablegen, heranrufen, ins Sitz, ins Platz, auch aus weiterer Entfernung und mit anderen Hunden.:tu:

Heute sagte erst eine Frau zu mir (die uns noch nicht kennt):" Da sieht man aber, dass ihr ein tolles, enges Verhältnis habt!"
Tja, die weiß eben nicht, wie es beim Gassi gehen aussieht :(
Da hört sie eben nur 70 %ig. Vielleicht würde das jedem anderen schon reichen, aber mir nicht! Aber wir arbeiten ja dran...