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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unser erster Hund



gismo007
03.06.2006, 02:33
Hallo,
Gismo ist unser erster Hund und dazu noch ein Labrador(Dickkopf).
Im September wird er 2 Jahre, wir haben Ihn im Juli erst 1 Jahr. Vorher war er in einer Familie mit 3 kleinen Kindern, die Ihn bereits als Welpen bekommen haben. Die vorbesitzer haben einigemale die Welpenschule besucht und dann abgebrochen aus finanziellen Grünen, weshalb auch der Hund weg mußte. Wir haben mit Ihm letztes Jahr im Oktober die Hundeschule besucht und einen Kurs mit Ihm durchgezogen. Soweit alles Klasse, unser Hund ist sehr gelehrig(denken wir zumindest).
Nun kommen die Probleme:
Wir sind beide Berufstätig, das heißt unser Hund muß am Stück für 4 Stunden allein bleiben. Anfangs hatten wir Ihn nur im Bad gelassen, da wir nicht wußten wie er sich verhält, denn laut vorbesitzer hat er schon mal schnell das Kinderbett zerlegt oder einen Stuhl zu kleinholz verarbeited. Bei uns war es auch nicht viel anders, alles was er im Bad erreichen konnte wurde abgeräumt und zum Teil zerstört unter anderem auch unsere Duschkabine.
Daraufhin haben wir uns eine Hundetransportbox besorgt die er sehr gut animmt. Jetzt war unser Gedanke wir stellen Ihn einen Zwinger in den Garten, so daß er sich wenigstens etwas bewegen kann, es soll ja nur für die Zeit sein wo wir auf arbeit sind, also nicht die ganze Nacht oder so wir möchten ja keinen Zwingerhund.
Wir haben Ihn über 2-3 Wochen jetzt den Zwinger schmackhaft gemacht, indem er ausschließlich sein Futter im Zwinger bekommen hat. Die Tür war am Anfang immer offen, mit der Zeit haben wir die Tür zugemacht und die Zeit verlängert, zeitweise waren wir mit im Zwinger und haben mit Ihm darin gespielt. Wie sich jetzt herausstellt aber alles ohne Erfolg. Kaum sind wir außer Sichtweite fängt er an zu bellen was er sonst nicht macht.
Uns ist auch aufgefallen, daß er zu fiepen anfängt wenn er nicht mit uns im selben Raum ist wenn wir uns unterhalten oder TV schauen. Nachts schläft er in seinem Korb im Zimmer neben unserem Schlafzimmer. Die Türen in unserer Wohnung sind immer offen, da gibt es keine Probleme.
Manchmal haben wir das Gefühl er hat keine Bindung zu uns, z.B. wenn er ein scharfen "Nein" bekommt wenn er einen Hasen jagt oder beim Gasi Gehn wenn er geduckt läuft>sich hinlegt und einen Hund fixirt um gleich darauf loszustürmen. Viele Hund sind dadurch völlig verängstigt haben wir das Gefühl.
Gismo in diesen Moment mit Leckerli auf uns zu fixiren klappt nicht, in dem Moment ist Futter völlig Nebensächlich, ansonsten macht er alles für Futter.
Was haben wir alles schon falsch gemacht und was können wir noch ändern.
Bitte um viel Hilfe bei der Erziehung von uns und unserem Hund.

M. und E.

Juni
03.06.2006, 13:16
Hallo M. und E. (ein ganzer Name wäre nett :) ),


...daß er zu fiepen anfängt wenn er nicht mit uns im selben Raum ist wenn wir uns unterhalten oder TV schauen.

Das scheint mir ein Schlüsselsatz in eurem Posting zu sein. Es sieht danach aus, als sei euer Hund gewöhnt, sehr viel Aufmerksamkeit zu bekommen. So viel, dass er es kaum erträgt, wenn ihr euch in seiner Anwesenheit nicht immer wieder auf ihn konzentriert. Für ihn scheint eure Zuwendung zu ihm so selbstverständlich, dass er sie prompt einfordert, wenn ihr sie auch nur ansatzweise entzieht.

In diesem Zusammenhang scheint es mir nicht verwunderlich, dass der Hund es nicht aushalten KANN, euch völlig aus den Augen zu verlieren oder sogar alleine zurück gelassen zu werden. Das setzt ihn massiv unter Stress, und Zerstören und Bellen sind Ventile, um diesen abzureagieren.

Ich würde anregen, mal einen kritischen Blick auf euren alltäglichen Umgang mit dem Hund zu werfen:
- Ist der Hund zuhause permanent in eurer Nähe und lässt euch nicht aus den Augen?
- Fordert er Streicheleinheiten, indem er euch anstubst, den Kopf aufs Knie legt etc. ?
- Reagiert ihr jedesmal auf ihn, wenn er jammert, indem ihr ihn anschaut, euch ihm zuwendet, ihn schimpft...?
- Seid ihr dem Hund draußen weitgehend egal? Reagiert er nur zögernd oder gar nicht auf Heranrufen?
- Holt ihr ihn aus dem Zwinger (oder geht zumindest hin), wenn er bellt und jault?

Wenn davon einige Dinge zutreffen, hätten wir schon mögliche Ansatzpunkte für eine Veränderung gefunden.

Schöne Grüße,
Juni

gismo007
03.06.2006, 15:39
- Ist der Hund zuhause permanent in eurer Nähe und lässt euch nicht aus den Augen?

Bei meiner Frau läuft er ständig in der Wohnung hinterher, ich schicke Ihn auf seine Decke was er auch immer schnell macht bei mir, aber nach einiger Zeit meldet er sich dann doch.
Wenn wir uns im Haus bewegen und nicht ausdrücklich zu ihm sagen "Bleib" ist er unser schatten.
- Fordert er Streicheleinheiten, indem er euch anstubst, den Kopf aufs Knie legt etc. ?
Klares Ja, jedoch habe ich mir angewöhnt ihn nur oben auf dem Kopf oder den Schulter zu Streicheln, bzw. machmal gehe ich überhaupt nicht darauf ein.

- Reagiert ihr jedesmal auf ihn, wenn er jammert, indem ihr ihn anschaut, euch ihm zuwendet, ihn schimpft...?
Wenn wir essen schicken wir Ihn in seinen Korb der im anderen Zimmer steht und so keinen Blickkontakt zu uns ermöglicht. Wenn er dann zu fiepen anfängt bekommt er nur ein "Ruhig" was aber nicht lange anhält und ich mich so wiederholen muß. Wenn ich Ihn auf seine Decke geschickt habe und er einfach wieder kommt, nehme ich Ihn schonmal im Nackenfell und ziehe Ihn wieder auf seine Decke mit den Worten "Bleib" und dann ist es auch gut. Dann bleibt er liegen und ergiebt sich seinem Schicksal.
- Seid ihr dem Hund draußen weitgehend egal? Reagiert er nur zögernd oder gar nicht auf Heranrufen?
Solage keine Ablenkung da ist( anderer Hund, Hase, usw.) klappt das sehr gut. Wenn er sich ausgetollt hat und ruhig mit dem anderen Hund nebenher läuft geht das Abrufen auch super. Wenn wir seinen Namen vor einem Komando vorrausschicken, geht das alles etwas schneller, ansonsten sehr zögerlich (z.B. Sitz, Platz, hier,) mann könnte gerade meinen er überlgt sich gerade warum soll ich mich setzen? Kommt da wohl ein anderer Hund?
Auch beim Spielen wenn er was bringen soll, geht er erst mal an den Busch und hebt das Bein, um uns zu zeigen ich komme wann ich will, so wurde es uns in der Hundeschule erklärt, aber leider keine Lösung dafür.
- Holt ihr ihn aus dem Zwinger (oder geht zumindest hin), wenn er bellt und jault?
Wir haben die Aktion Zwinger zur Zeit eingestellt, er bekommt nur sein Futter bei geöffneter Tür.
Diese Woche haben wir unsere Tür vom Haus zum Garten offen gelassen, so daß er sich bewegen kann. Als wir zuhause waren hat unser Nachbar uns angesprochen was los war. Gismo hat den ganzen vormittag gebellt.
Er war in den Garten gelaufen und hinter Ihm ist durch den Wind die Tür zugefallen und er kam nicht mehr rein.
Es gibt zwar solche Halsbänder die Luft ausstoßen wenn der bellt, aber das kann doch nicht die Lösung sein, Oder? Wir haben bedenken, daß er sich negativ dadurch verändert.

Wenn davon einige Dinge zutreffen, hätten wir schon mögliche Ansatzpunkte für eine Veränderung gefunden.

Das sind bestimmt schon Dominanz Probleme, die wir uns bisher nicht eingestehen wollten.
Beim füttern gibt es klare Regeln, erst essen wir und dann der Hund wenn er uns fragt. Beim Gang durch die Tür egal ob beim weggehen oder kommen, gehen erst wir und dann der Hund durch die Tür. Seit neustem bleibt er vor der Wohnung sitzen und wartet auf das Komando zum Kommen, was wir Ihm aber nicht extra beigebracht haben.

Matthias und Elke

Schöne Grüße,
Juni[/QUOTE]

Juni
03.06.2006, 16:18
Hallo Matthias und Elke,

eure Antworten bestätigen meine Vermutung: Euer Hund bekommt ein Übermaß an Aufmerksamkeit und zwar von euch beiden. Es ist dabei zweitrangig, ob diese Aufmerksamkeit positiv ist, der Hund also gestreichelt, angeschaut, freundlich angesprochen wird oder ob ihr negativ auf ihn reagiert, indem z.B. du ihm immer wieder sagst, er solle ruhig sein. Der Hund hat in jedem Fall mit seinem Verhalten Erfolg, weil er euch beide immer dazu bringt, sich in irgend einer Form mit ihm zu befassen.

Er kennt ganz offensichtlich den Zustand nicht, über einen längeren Zeitraum absolute Sendepause zu haben und in dieser Zeit von niemandem beachtet zu werden. Und: Er hat euch perfekt im Griff, indem er entweder aufdringlich Zuwendung sucht (und bekommt) oder so lange nervt, bie er euch wieder dazu gebracht hat, auf ihn zu reagieren.

Es ist fast unausweichlich, dass er dieses Verhalten in ähnlicher Form draußen praktiziert: So lange ER nicht beschließt, dass andere Dinge spannender sind, tut er euch den Gefallen und befolgt eure Kommando zumindest halbwegs (als "Gehorsam" würde ich das nicht bezeichnen). Hat er Besseres zu tun, tut er das auch. Er weiß ja, dass ihr ihm ohnehin nicht verloren geht und lebt in dem Bewusstsein, dass er die Entscheidungen trifft, wie das "Rudelleben" auszusehen hat.

Ich würde den Ansatz für eine Verhaltensänderung zu Hause sehen. Das Erste und Wichtigste, was euer Hund lernen muss ist, dass sich die Welt nicht mehr um ihn dreht, sondern er lediglich ein Bestandteil derselben ist. Das klingt leider einfacher als es ist, denn um das zu verändern braucht ihr sehr viel Selbstdisziplin und vor allem gute Nerven.

Für mich wäre der erste Schritt, ab sofort in keiner Weise mehr auf sein Jammern zu reagieren. "In keiner Weise" bedeutet: nicht ansprechen (auch nicht zurechtweisen), nicht anfassen (auch nicht wegschieben) und vor allem (und das ist am Schwersten) nicht anschauen. Wenn ihr das versucht wird euch vermutlich erst bewusst werden, wie oft ihr euren Hund normalerweise anschaut :D . Es wird wahrscheinlich mindestens eine Woche dauern (wenn ihr konsequent seid), bis der Hund sein Fiepen einstellt. Er war sehr lange erfolgreich mit diesem Verhalten und wird das nicht ohne Weiteres aufgeben. Das heißt, ihr braucht eine Menge Durchhaltevermögen (und vielleicht eine Packung Oropax :D ). Es kann sein, dass sich sein Verhalten zunächst sogar verschlimmert und er z.B. anfängt zu bellen. Wichtig ist, weiterhin stur zu sein, sonst hat er gewonnen.

Gleichzeitig würde ich dazu übergehen, in den kommenden Wochen auf KEINE Aufforderung des Hundes, gestreichelt zu werden, zu reagieren. Nicht wegschieben, nichts sagen, nicht anschauen, sondern IGNORIEREN. Wird er aufdringlich, einfach wegdrehen und weggehen. Stattdessen tauscht ihr die Rollen und entscheidet selbst darüber, wann der Hund Zuwendung bekommt. Das geschieht, indem ihr ihn immer dann zu euch ruft, wenn er gerade mit etwas anderem beschäftigt ist (z.B. Liegen oder an einem Kauknochen kauen). Kommt er, wird er liebevoll und ausgiebig (IHR entscheidet, wann das Ganze zu Ende ist, nicht der Hund! Geht er vorher, wird er zurück gerufen) gestreichelt und zwar ganz bewusst von oben über Kopf und Rücken.

Kommt er nicht (was ich mir durchaus vorstellen kann) wird er ignoriert. Selbstverständlich auch seine Annäherung, die er vermutlich einige Minuten später von sich aus startet.

Wenn es euch gelingt, euren Hund dazu zu bringen, dass er nicht mehr fiept und bedrängt, habt ihr in meinen Augen den entscheidenden Schritt geschafft, an den sich dann das Alleinbleib-Training und der Gehorsam außerhalb anschließen können.

Schöne Grüße,
Juni

gismo007
05.06.2006, 18:06
Gleichzeitig würde ich dazu übergehen, in den kommenden Wochen auf KEINE Aufforderung des Hundes, gestreichelt zu werden, zu reagieren. Nicht wegschieben, nichts sagen, nicht anschauen, sondern IGNORIEREN. Wird er aufdringlich, einfach wegdrehen und weggehen. Stattdessen tauscht ihr die Rollen und entscheidet selbst darüber, wann der Hund Zuwendung bekommt. Das geschieht, indem ihr ihn immer dann zu euch ruft, wenn er gerade mit etwas anderem beschäftigt ist (z.B. Liegen oder an einem Kauknochen kauen). Kommt er, wird er liebevoll und ausgiebig (IHR entscheidet, wann das Ganze zu Ende ist, nicht der Hund! Geht er vorher, wird er zurück gerufen) gestreichelt und zwar ganz bewusst von oben über Kopf und Rücken.

Kommt er nicht (was ich mir durchaus vorstellen kann) wird er ignoriert. Selbstverständlich auch seine Annäherung, die er vermutlich einige Minuten später von sich aus startet.

Heute hat er ein Stück Hirnhaut bekommen und nach der Aufordeung zu kommen und aus zugeben, hat super geklappt. Erst hat er uns angeschaut was wir jetzt von Ihm wollen, aber nachdem ich nochmals zu Ihm gesagt habe komm, stand er auch gleich auf kam zu mir und hat mir sein Leckerli gegeben.

Wenn es euch gelingt, euren Hund dazu zu bringen, dass er nicht mehr fiept und bedrängt, habt ihr in meinen Augen den entscheidenden Schritt geschafft, an den sich dann das Alleinbleib-Training und der Gehorsam außerhalb anschließen können.

Gestern Abend war es wieder soweit, wir haben uns seit einigen Tagen angewöhnt Gismo eine Auszeit von zirka 20 Minuten zu geben. Das heißt wir sind im Wohnzimmer und er wird im Esszimmer auf seine Decke geschickt ohne daß es Ihm möglich ist uns im Blickfeld zu haben. Nach zirka 10 Minuten fing es also an das fiepen, wir haben es einfach ignoriert, irgendwann war es ruhig und er hat sich entspannt auf seine Decke gelegt und geschlafen. Einige Zeit später hab ich Ihn dann gerufen und er durfte sich nben dem Sofa auf seinen Platz legen.

Wie sollen wir weitermachen?

Matthias und Elke

Juni
05.06.2006, 19:38
Hallo Matthias und Elke,

das klingt doch nach einem guten Anfang :D ! Diese "Auszeiten" würde ich öfter am Tag einbauen. Ihr werdet vermutlich bald merken, dass sich euer Hund zunehmend beruhigt. Das Ganze sollte sich über die nächsten 3-4 Wochen festigen. Wenn es gut läuft, könnt ihr dazu übergehen, zwischen euch und dem Hund eine Tür zu schließen, so dass er seine "Auszeit" für einige Minuten auch in einem anderen Zimmer hat, ohne zu jammern.

Was das Herrufen betrifft, verbindet es bitte nicht immer mit Futter hergeben müssen. Das könnte sonst zu der Verknüpfung führen, dass zu euch kommen gleichbedeutend mit der Herausgabe der Beute ist und das soll es nicht.

Schöne Grüße,
Juni