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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dominanzproblem bei 2 Hündinnen



alex78
27.05.2006, 20:17
Hallo zusammen!

Wir haben ein Problem... mein Freund hat eine 9 Monate alte große Mixhündin und ich habe eine 1 Jahr und 4 Monate alte Labradorhündin. Die beiden noch sehr jungen Hunde mögen sich "eigentlich" ganz gerne. Spielen viel und schlafen recht oft gemeinsam auf einer Decke. Jedoch bin ich mit meiner Hündin bei ihm und seiner eingezogen. Das Problem ist nun, dass die beiden Mädels sich extrem angreifen, wenn ein Besitz (Knochen, Futter, Stöckchen) in der Nähe ist. Eben war ich mit meiner beim Tierarzt, weil sie sich wieder massiv in der Wolle hatten.
Was nun? Die jüngere verteidigt ihr zu Hause und meine ältere ihr Alter....
Habt ihr einen Tip für mich?
Danke schon mal...

Juni
28.05.2006, 13:37
Hallo Alex,

das Problem, das du beschreibst, haben fast alle Hunde, die plötzlich zusammen leben müssen - unabhängig davon, ob sie sich vorher prima vertragen haben. Für die Hunde beginnt mit dem Zusammenleben automatisch eine neue Rudelordnungsphase, die fast immer mit zum Teil heftigen Auseinandersetzungen einher geht. Nicht nur das Teilen des Reviers muss geklärt werden, auch die Beziehungen zu den Menschen werden diskutiert. Bisher hatte jeder Hund einen Menschen für sich, nun müssen die beiden herausfinden, wie die Beziehungen zukünftig aussehen. Je klarer ihr euch verhaltet, desto einfacher wird es für die Hunde.

Bei euren beiden kommt erschwerend hinzu, dass der Altersabstand sehr gering ist und man keinen von beiden als erfahrenen Althund bezeichnen kann. Eigentlich sind es zwei Halbstarke, die ihre eigenen Stärken und Schwächen erst einmal selbst ausprobieren und kennenlernen müssen.

Ich würde zunächst mal alles an Stressfaktoren rausnehmen, was ihr beeinflussen könnt. Dazu gehören ganz zuerst Futter und Beute wie Spielzeug und Kauknochen. Ich würde die Hunde getrennt voneinander füttern (am besten in verschiedenen Räumen mit geschlossener Tür dazwischen). Auch wenn die Hunde derzeit vielleicht keine Form von Futteraggression zeigen, ist es für sie in der jetzigen Situation massiver Stress, in Sichtnähe zum anderen fressen zu müssen. Dieser Stress wird dann bei anderen Gelegenheiten abreagiert. Dann würde ich alles an Spielzeug und Kauartikeln wegräumen. In 3-4 Monaten, wenn die erste Ordnung geklärt ist, könnt ihr versuchen, das wieder zu ändern.

Wenn ihr Kauartikel (Schweineohren o.ä.) geben wollt, würde ich auch hierzu wieder die Hunde in verschiedenen Räumen unterbringen oder zumindest an zwei weit voneinander entfernten Plätzen und NUR in eurer Anwesenheit. Verlässt ein Hund seinen Platz, nehmt ihm das Kauteil weg und bringt ihn wieder zurück. Er darf erst aufstehen, wenn der andere Hund ebenfalls fertig ist.

Wichtig ist auch, dass ihr beiden Menschen euch einig seid, was für die Hunde erlaubt und verboten ist und das auch konsequent durchsetzt. Da beide Hunde rein altersbedingt ohnehin in den nächsten Monaten viel ausprobieren werden, werdet ihr eine Menge an Konsequenz und Gelassenheit brauchen, um Stabilität in euer gemischtes Rudel zu bringen.

Streit zwischen den Hunden - solange es sich nicht um eine ernsthafte Rauferei handelt - solltet ihr möglichst zulassen. Nur auf diesem Weg können die beiden ihre Rangordnung klären. Knurren, Fauchen, Keifen, Abschnappen und auch mal richtig Terz machen gehören dazu. Wenn man das unterbindet, schafft man zwar manchmal vordergründig Ruhe, aber unter der Oberfläche brodelt es weiter und wird sich früher oder später umso heftiger entladen. Dazu braucht es von eurer Seite in erster Linie gute Nerven.

Die Hausapotheke sollte Betaisadona-Salbe (zur Desinfektion), Wasserstoffperoxid 3%ige Lösung (Blutstillung) und Bepanthensalbe (bei kleineren Wunden zur Wundheilung) beinhalten. Bisswunden in den Ohren kann man, obwohl sie meist heftig bluten, in aller Regel problemlos selbst behandeln, da die Haut dünn ist und keine tiefen Löcher entstehen können. Bisse in anderen Körperteilen (auch wenn die Löcher klein und harmlos aussehen) sollten immer zum TA, da sich darunter oft tiefgehende Gewebeverletzungen verbergen.

Schöne Grüße,
Juni

alex78
28.05.2006, 16:42
Hi Juni!

Ja, getrennt füttern - das machen wir sowieso, das würde sonst mord und tutschlag geben, Kauknochen etc. auch getrennt und Spielsachen sind alle weg! Im Wald die Stöckchen - nagut da passen wir auf, dass jeder eins bekommt oder keiner eines anrührt - das klappt soweit...
Aber z.B. gestern - die zwei "Mädels" waren im Garten (das klappte sonst problemlos) und auf einmal ging es richtig zur Sachen. Ich meine keine bloße Knurrerei, sondern richtig ernsthafte Beisserei. Danach musste ich mit meiner zum T-Arzt, weil die andere ihr nicht nur in die Flanke (das ist halb so schlimm), sondern auch ins Auge gebissen hat (gott sei dank nicht die Netzhaut verletzt, sondern "nur" einen mega-Bluterguss).

Aber was tun?

Die werden ja auch älter, was ja nicht zwangsläufig bedeutet, dass sie ihr Revier etc. weniger verteidigen. Klar müssen die das erst einmal aushandeln, aber man kann ja auch nicht jede noch so heftige Beisserei zulassen...

???

Juni
28.05.2006, 19:25
Hallo Alex,

in diesem Fall würde ich die Damen zumindest zu Hause mit einem Maulkorb versehen. Dann können sie sich prügeln, aber nicht verletzen. Und dann bleibt in meinen Augen nur die Hoffnung, dass die beiden ihre Rangordnung klären können. Wenn das nicht klappt (was leider durchaus passieren kann), bleibt entweder dauerhaft höllisch aufpassen und die beiden mehr oder weniger getrennt halten - oder euch von einer der beiden trennen.

Das mag natürlich niemand hoffen, aber dauerhafte Kämpfe mit ernsten Verletzungen wären wohl auch keine Lösung.

Schöne Grüße
Juni

alex78
30.05.2006, 09:33
Hi! :cu:

Ja das mit den Maulkörben ziehe ich auch in Erwägung, obwohl es nicht die charmanteste Lösung ist.... :schmoll:
Also wenn ihr noch andere Tips habt, nur her damit. Wäre sehr dankbar. Es ist ja so, dass es zwei prima Hunde sind und sich (wie schon gesagt) recht gut verstehen...
Natürlich hab ich immer ein Auge auf die beiden Mädels und habe alles Spielzeug weggeräumt, aber dass sie irgendwo mal ein Stöckchen finden, kann man halt nie ganz ausschließen.:man:

Nochmal zu den Maulkörben: hat jemand schonmal die Lylonmaulkörbe ausprobiert? Ich meine die, die mehr o weniger so aussehen wie ein "Halti"? Damit (so steht es zumindestens in der Beschreibung) können die Hunde hecheln und trinken, aber trotzdem nicht beißen - das wäre mir natürlich am liebsten (wenn überhaupt Maulkorb, dann so einer der sie am wenigsten einschränkt). Sind diese wirklich robust genug und geeignet? :?:

Viele Grüße

Juni
30.05.2006, 10:30
Hallo Alex,

auch wenn du eher zu einer unauffälligen Lösung tendierst: Wenn du Schutz haben willst und nicht nur Dekoration wirst du zumindest um Plastikmaulkörbe nicht herum kommen. Am stabilsten sind die Drahtteile, ich habe aber mit den Plastik-Ausführungen gute Erfahrungen gemacht - auch in Bezug auf Hecheln. Und noch was: Wenn die Hunde alleine sind, sollten sie niemals Maulkörbe tragen, dann sperre sie lieber getrennt.

Schöne Grüße,
Juni