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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welpe zum älteren Hund



Katrin
23.05.2006, 01:57
Hallo an alle,
in ca 5 Wochen kommt ein Sohn meines Mischlingsrüden Spike zu uns. Wir haben die Möglichkeit, den Kleinen sowie die Wurfgeschwister jeden Tag zu sehen und mit ihnen umzugehen. Nun meine Frage, wie sollen wir den Kleinen bei uns eingliedern, wie gewöhne ich Spike an die "Konkurrenz",bzw. wie vermeide ich unnötigen Stress? Spike ist sehr gut erzogen (gestern hatten wir den Teamtest und er hat sogar Vereinshunde "geschlagen", hatte im Straßentest die volle Punktzahl als einziger von den Hunden - merkt man, wie stolz ich auf meinen Kleinen bin?). Wir sind in der Hundeschule, er macht Agility, ist dort der Stolz des Trainers.
Leider ist Spike sehr auf mich fixiert, eigentlich zu sehr, und ich erhoffe mir, dass sich das mit dem Einzug des Welpen ändert. Bis jetzt habe ich die Erfahrung gemacht, dass Spike mit jüngeren Hunden (4-8 Monate) sehr gut klarkommt, gern mit ihnen spielt (er ist 4 Jahre alt). Er kann es auch ab, wenn ich mit den anderen Hunden schmuse, mit ihnen arbeite. Aber, wie wird es sein, wenn einer dauerhaft zu uns nach Hause kommt?
Kann mir jemand Ratschläge geben oder von eigenen Erfahrungen berichten?
Meine Erziehungstipps habe ich auch aus diesem Forum, und mein Spike ist wirklich ein Superhund geworden.
Danke schon mal im Voraus

Juni
23.05.2006, 20:56
Hallo Katrin,

ganz zu Anfang stelle ich mal die Gretchenfrage: Bist du sicher, dass du Spike einen Gefallen tust, wenn ein zweiter Hund bei euch einzieht? Mir gibt ein wenig zu denken, dass Spike sehr auf dich fixiert ist, und dass er gerne mit Welpen und jungen Junghunden spielt. Wenn er sich mit älteren Rüden nicht so gut versteht, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass es früher oder später auch zuhause ordentlich rauchen wird. Ein Zweithund KANN bedeuten, dass du dir einen unglücklichen Spike und viel Stress einhandelst. Aber da kannst du deinen Rüden am besten einschätzen.

Was ich als Vorteil sehen würde ist, dass Spike schon 4 Jahre alt ist und damit ein ausreichender Altersabstand zwischen den Hunden besteht. Das erleichtert in aller Regel die Rangordnungsfindung.

Wenn du dich für den Welpen entscheidest, dann solltest du dich darauf einstellen, dass Spike die Erziehung übernehmen wird - und das auch dürfen soll. Es kann so aussehen, dass die beiden sich in den ersten Tagen und Wochen hervorragend vertragen und dann erst mit dem Aushandeln der Rangordnung beginnen, es kann auch sein, dass Spike vom ersten Tag an das Spiel "MEIN Haus, MEIN Ball, MEINE Schüssel..." spielt. Das sieht meist äußerst dramatisch aus (und klingt furchtbar gefährlich) wenn quasi jeder Schritt des Welpen vom Althund mit Knurren, Fauchen und Umwerfen quittiert wird (und der Welpe möglicherweise zum Erbarmen schreit), aber es ist eine extrem wichtige Klärungsphase, die du unbedingt zulassen solltest.

Wenn du Spike in seiner Rolle als Chef stützt (er wird zuerst begrüßt, wenn ihr nach Hause kommt, er wird zuerst gestreichelt und er wird NICHT geschimpft, wenn er den Kleinen maßregelt), sind diese scheinbar heftigen Auseinandersetzungen meist innerhalb weniger Tage gegessen und die beiden haben sich für die nächste Zeit arrangiert. Wenn du eingreifst und Spike maßregelst, wird das endlos dauern. Es ist eine Illusion zu glauben, man könne als Mensch die Rangordnung unter den Hunden beeinflussen. Das funktioniert bestenfalls dann, wenn Mensch anwesend ist. Sind die Hunde allein miteinander, wird es umso heftiger (und durchaus auch gefährlicher) ablaufen.

Wenn der Welpe älter wird, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Rangordnung immer wieder mal diskutiert werden, und es kann passieren, dass irgendwann der Junghund das Kommando übernimmt. Einen solchen Machtwechsel muss man als Mensch erkennen und dann den neuen Stärkeren stützen (auch wenn einem der Althund Leid tut).

Was sicher auch ein Thema werden wird ist, dass für zwei Hunde auch außerhalb des Hauses Rudelgesetze gelten. D.h. dass du damit rechnen musst, dass beide sich gegen andere Hunde (vorzugsweise Rüden) verbünden. Wenn Spike schon ein Problem mit anderen erwachsenen Rüden haben sollte, wird ein zweiter Rüde das mit Sicherheit nicht einfacher machen, sondern verschärfen.

Schöne Grüße,
Juni

Katrin
24.05.2006, 00:59
Hallo Juni,
vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Diese Gedanken, Rangordnung und so, hab ich mir schon gemacht. Als erstes, er kommt nicht nur mit jüngeren Hunden klar. Es ist nur so, früher konnte er mit Junghunden nichts anfangen, jetzt geht er souverän mit ihnen um, sprich: er erzieht sie mit. Dann denke ich über Kastration nach, um den unnötigen Trieb zu umgehen (erst mal abwarten, wie es sich gestaltet).
Auf unserem Reiterhof (wir sind jeden Tag dort) hat er Umgang mit vielen Hunden (dort wohnen 5 und dann kommen die Besucherhunde dazu) gibt es keinen Ärger, er spielt oder ist der Coole. Er verschafft sich, auch bei den Junghunden, Respekt, ohne zu fauchen oder sie umzuwerfen.
Wegen der starken Fixierung habe ich Hoffnung, dass er sich dann vielleicht mehr auf Herrchen einlässt. Wie schon geschrieben, er neigt nicht zur Eifersucht oder Futterneid oder sonstigem, solange er bei allem, was ich mache, dabei sein darf. Spike war jetzt eine Woche auf dem Reiterhof, während unseres Urlaubs, hat sich dort hervorragend integriert und sich dort sofort auf das Frauchen fixiert.
Mit seinen Sachen zuhaus wird es so sein, dass es weiterhin seine Sachen sind. Der Welpe bekommt seine eigenen, und ich denke, dass wird klappen, hat es auch, wenn wir andere Hunde bei uns zuhaus hatten.
Wenn wir nicht zuhaus sind, werde ich auch erstmal beide Hunde getrennt halten, damit da kein unnötiger Stress für Spike entsteht, immerhin liegt er, solange ich aus dem Haus bin, unter dem Bett.
Jetzt beim Schreiben merke ich, dass mein Entschluss ziemlich fest steht.
Spike erhält trotzalledem meine absolute Aufmerksamkeit und ich erhoffe mir, dass er mir bei der Erziehung des Kleinen so gut hilft, wie er mir draussen auf dem Hof bei der Erziehung der Rotti-Hündin (jetzt 1 Jahr) und bei der Collie-Hündin (8Monate) hilft, einfach durch seine Vorbildwirkung.

Juni
24.05.2006, 17:47
Hallo Katrin,

welchen von beiden willst du denn kastrieren lassen? Abgesehen davon, dass ich persönlich eher zu den Kastrationsgegnern gehöre, würde ich WENN, dann den Jungrüden kastrieren lassen, um den Rangordnungsunterschied noch deutlicher zu machen.


Mit seinen Sachen zuhaus wird es so sein, dass es weiterhin seine Sachen sind. Der Welpe bekommt seine eigenen, und ich denke, dass wird klappen, hat es auch, wenn wir andere Hunde bei uns zuhaus hatten.

Das wage ich eher zu bezweifeln, da es für die meisten Hunde sehr wohl einen Unterschied macht, ob ein Artgenosse zu Gast ist oder dauerhaft bleibt.

Ansonsten klingt das, was du in deiner Antwort schreibst, recht viel versprechend :D . Ob das mit der Herrchen-Frauchen-Plaunung so klappt, wird sich zeigen, aber wenn du auch bei näherem Hinschauen ein gutes Gefühl hast, stehen die Vorzeichen eigentlich positiv. Ich wünsch dir viel Spaß mit dem Doppelpack!

Schöne Grüße,
Juni

Katrin
25.05.2006, 17:20
hallo Juni,
ich gehöre auch zu den Kastrationsgegnern, deswegen werde ich auch erstmal abwarten. Und wenn es denn nicht zu umgehen ist, wird Spike definitiv ein ganzer Kerl bleiben, der Jüngling dann nicht, aber wie schon geschrieben, erstmal sehen.
Na gut, mit dem Spielzeug geb ich dir Recht, aber eigentlich sollen Hunde damit ja auch nur spielen dürfen, wenn die Chef's zuhause sind :rolleyes:
Herrchen hat heute seinen Anspruch auf den Welpen erhoben, an Spike würde er eh nicht mehr so rankommen (er liebt ihn sehr, aber Spike ist ein "Frauenhund":-* ) Mal sehen, was die Zukunft bringt.
Wir haben zuhaus über die Probleme gesprochen, die auftreten können und unser Verhalten,das wir dann zeigen sollten, das einzige bisher noch ungelöste Problem ist der Name für den Kleinen, der mit S anfangen soll, aber dafür ist denn mein Mann zuständig.
Ich wünsch noch einen schönen Feiertag.