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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Seelisches Gleichgewicht der Katze



CaveCanem
05.05.2006, 09:22
Hallo!

Mich beschäftigt seit längerer Zeit eine Frage. Meine Tammy habe ich vor 3 Jahren aus dem Tierheim geholt. Äußerlich war sie gesund, aber sie hatte offensichtlich vorher eine sehr schwere Zeit gehabt, von der man, da sie erst zwei Tage zuvor eingefangen worden war, nichts bemerkt hatte (außer einem großen Misstrauen gegenüber Menschen). Das erste Jahr sahen meine Hände und Arme aus, als ob ich ständig in irgendwelche Dornenbüsche gefallen sei. Lange hatte sie Angst vor Füßen, und die ersten Monate durfte ich ihr nachts nicht ohne feste Schuhe begegnen, denn sie schlug mir schnell die Krallen in den Fuß. Da sie meine erste Katze war und mir somit jegliche Erfahrung mit Problemkatzen fehlte, konnte ich ihr nur mit viel Geduld helfen. Obwohl Freunde mir oft rieten, sie wieder ins Tierheim zu bringen, kam das natürlich für mich nicht in Frage. Über jeden kleinen Fortschritt habe ich mich gefreut wie eine Schneekönigin.

Sie ist ein Sensibelschen geblieben. Ein lautes Nein (kommt nicht oft vor) quittiert sie immer mit einem Blick, als ob für sie eine Welt eingestürzt sei. Doch das Misstrauen mir gegenüber ist vorbei, nicht aber gegenüber fremden Menschen. Obwohl man ihr ansieht, dass sie gern Kontakt aufnehmen würde, traut sie sich nicht. Seit einem Jahr darf ich ihren Bauch berühren (nicht streicheln), sie auf den Arm nehmen etc. Bis heute ist es jedoch so, dass sie sich nicht "fallen lassen" kann, wenn sie gestreichelt wird. Immer ist der Schwanz in Bewegung, selbst wenn sie dabei die Augen schließt. So richtig aufgefallen ist mir dies natürlich erst, seitdem ich das völlig andere Verhalten von Mimmi, meiner Zweitkatze, sehe, die seit etwa 7 Wochen bei mir ist.

Nun frage ich mich, ob ich hier noch zusätzlich helfen kann, ihr "seelisches Gleichgewicht" zu finden, ohne deswegen zum Tiertherapeuten rennen zu müssen. Haben Bachblüten einen Sinn? Oder gibt es noch andere Möglichkeiten?

Steffi-Anna
05.05.2006, 09:42
Hallo,
ich weiss genau was du meinst. Leon ging es genauso (Leon ist der rechts im Bild).

Versuch es mit Bachblüten (Star of Betlehem).
Das hilft über schlimme Ereignisse hinweg. Und Zeit hilft.

Unser Leon hat nach 2 Jahren das Verhalten von unserer Zweitkatze kopiert und mittlerweile ist er zu 99% normal in seinem Sozialverhalten. Es hat zwar fast 4 Jahre gedauert, aber das war uns egal :love:

Auch uns wurde geraten, den Kater abzugeben. Aber wir haben es auch nicht übers Herz gebracht. Er war auch unser erster Kater und wir hatten keine Erfahrung. Aber dafür haben wir die jetzt um so mehr :cup: :cu:

Gloriaviktoria
05.05.2006, 10:07
Ich würde auf jeden Fall Bachblüten ausprobieren. Schau mal unter www.doc-nature.com oder kauf dir das Buch "Bach-Blüten für Katzen" von Gisela Kraa. Das ist nicht teuer, sehr übersichtlich und mit einem kleinem Ankreuztest als Auswahlhilfe. Meinen beiden haben Bachblüten immer sehr gut geholfen, egal ob es zum TA ging oder bei der Zusammenführung.
Du hast mit viel Geduld und Liebe schon sehr viel erreicht und darauf kannst du wirklich stolz sein! :cu:

cynthi
05.05.2006, 10:53
Karlchen ist bis heute eine Problemkatze, selbst mit Bachblüten ist er nicht in allen Belangen eine "normale" Katze. Aber es ist wesentlich besser geworden.
Er liebt uns über alles, aber fallen lassen kann er sich auch nicht richtig, ist immer auf der Hut, könnte ja doch noch was schlimmes kommen.
Wir haben ihn so akzeptiert und mussten trotz Bachblüten Geduld haben. Ich habe mittlerweile einen Zugang zu ihm, es hat mir geholfen, dass ich mich mit "Katzensprache" beschäftigt hab. Wenn er also heute nervös wird, zwinkere ich ihm zu und meist zwinkert er zurück und alles ist wieder gut. Oder wenn er im Auto weint, dann miaue ich aufmunternd zurück und er hört ein paar Minuten auf.
Dann habe ich angefangen zu Clickern und ich muss sagen, auch wenn er immer noch keine Zirkusreifen Kunststücke kann, freut er sich tierisch ! Und wir uns auch !
Hab Geduld, probier Bachblüten und zeig ihm, dass du ihn so liebst wie er ist :-)

wailin
05.05.2006, 11:38
Er liebt uns über alles, aber fallen lassen kann er sich auch nicht richtig, ist immer auf der Hut, könnte ja doch noch was schlimmes kommen.


Bei Lilly ist das sehr ähnlich - sie ist jetzt ein 3/4 Jahr bei mir. Kleine Dinge können sie immernoch völlig aus der Fassung bringen.

Lilly's Therapeut ist eindeutig Rony. Sie orientiert sich sehr stark an ihm. Solange er cool bleibt wird sie vielleicht unruhig gerät aber zumindest nicht mehr in Panik. Auch wenn es um kuscheln mit uns oder Besuch geht ist Rony das Maß der Dinge - wenn ihm nichts passiert könnt man ja zumindest mal dran schnuppern ;)

Wie verstehen sich denn Tammy & Mimmi ?

viele Grüsse Catrin

CaveCanem
05.05.2006, 13:27
Erst einmal vielen Dank für Eure Antworten und Hinweise.

An Star of Bethlehem hatte ich auch gedacht und vielleicht noch an ein, zwei andere Blüten, die ihr helfen könnten, mehr aus ihrer Isolation herauszukommen. Bis heute holt sich Tammy nur wenige Streicheleinheiten bei mir ab, sondern ich muss mich zu ihr setzen, um mit ihr zu kuscheln. Ihr Schnurren ist kaum hörbar, wird es mal lauter, erschrickt sie und sucht das Weite (immer noch Angst vor Strafe?).

Ich habe von Anfang an viel mir ihr gespielt, auch wenn sie sich manchmal nur als interessierter Beobachter gezeigt hat (schön, wie Frauchen den Ball rollen lässt und hinterherläuft, um ihn wiederzuholen). Gerade in den ersten Monaten kam es vor, dass sie mich zwei bis drei Stunden immer wieder zum Spielen aufgefordert hat, als ob sie viel nachzuholen hätte. Seit ein paar Tagen setzt sie sich wieder dazu, wenn ich mit Mimmi spiele, und lässt sich wieder ein wenig animieren. Vorher zog sie sich sofort zurück, wenn Mimmi ins Spiel eingriff, oder kam erst gar nicht.

Auch das mit dem Clickern werde ich mir jetzt ernsthaft überlegen. Da es aber über Belohnungen läuft, muss ich noch darüber nachdenken, was ich ihr geben kann, denn Leckerlis nimmt sie überhaupt nicht, weil sie allem Neuen gegenüber abwehrend ist. Nur ein einziges neues Futter, eine Probe, hat sie sofort und mit Heißhunger gefressen, das könnte ich vielleicht einsetzen, da sie es sonst nicht bekommt.

Katzensprache wende ich bei ihr ebenfalls an, nämlich das Zuzwinkern, das können wir minutenlang machen.

Ehe Mimmi als Therapeutin arbeiten kann, wird sicherlich noch eine Weile vergehen. Die beiden haben ein Stadium erreicht, wo es kein Fauchen und kein Knurren mehr gibt, aber sie sind noch ein wenig auf der Hut voreinander. Sie jagen sich auch noch, wobei es auch schon ruppiger zugeht, aber so richtige Belagerungen haben aufgehört. Freundliche Nasenstüber und das erste kurze Schnuppern am Po gibt es aber, und wenn ich in die Wohnung komme, sitzen beide oft im Korridor und begrüßen mich gemeinsam. Sie sind auch oft zusammen bei mir im Arbeitszimmer, liegen auf dem Schreibtisch und lassen sich kraulen. Auch da geht es aufwärts.