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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Abschaffung der Tiere ?



Manuela
27.09.2002, 18:55
Hallo,
eine gute Freundin von mir ist vor einiger Zeit dank Firmenpleite zum Sozialfall geworden.
Nun legte ihr das Sozialamt nahe, zwei ihrer drei Katzen "abzuschaffen", da das sozusagen ein Punkt ist, woran gespart werden kann.
Sie hat sich in allen täglichen Dingen schon soweit eingeschränkt oder einschränken müssen, so daß sie sich tatsächlich auf die allernötigsten Ausgaben beschränkt. Es ist so, daß sie auch selbst auf ihre Gesundheit keine Rücksicht nimmt, wichtig ist ihr zuerst, daß es ihren Katzen gut geht (womit kein Luxus für die Tiere gemeint ist, nur grundsätzliche Dinge)
Laut Meinung des Sozialamtes sind also nun zumindest zwei ihrer drei Katzen "Luxus", von denen sie sich also trennen soll,- als wären diese ein unnützes Möbelstück !?-
Meine liebe Freundin ist zumindest derzeit soweit, daß sie in Nichts mehr einen Sinn sieht, sogar schon an Selbstmord gedacht hat, aber weil ihr doch ihre Samtpfoten wie ihre Kinder sind, hat sie das davon abgehalten, sich etwas anzutun.
Ich kann ihre Katzen leider auch nicht aufnehmen, da ich selbst drei Katzen habe und mehr auch bei mir nicht geht.
Es bliebe also tatsächlich nur die Möglichkeit für sie, sich von ihren Katzen zu trennen, was sie aber, laut meiner Einschätzung nicht verkraften würde.
Ich bitte um Entschuldigung für die lange Erklärung, ich mache mir nur ganz große Sorgen.
Meine Frage ist jetzt nur die, wie sehen die gesetzlichen Regelungen für solche Fälle aus, in wie weit darf das Sozialamt Vorschriften machen für die Haltung von Haustieren (insbesondere Katzen) ?
Ich hoffe sehr, daß sich Jemand von euch damit auskennt.

Liebe Grüße
Manuela

Wheatenmummy39
27.09.2002, 22:40
Hallo Manuela,

es ist absolut nicht berechtigt vom Sozialamt die Abschaffung der Katzen zu fordern. Es ist jedem Menschen selbst überlassen wieviele Tiere er hat es sei denn es wären Tiere von hohem Wert ( allerdings sind das nur Tiere wie Kühe oder so ) diese müsste sie abgeben um ihrem Lebensunterhalt selbst zu finanzieren. Katzen oder Hunde gehören nicht dazu. Selbst Rassekatzen oder Rassehunde nicht.
Was sie allerdings nicht dürfte wäre züchten, da daraus Einahmen entstehen die ausreichen um den Lebensunterhalt zu sichern. Das es nicht so ist wissen wir hier im Forum alle aber das Sozialamt sieht dieses anders.

Mich würde jetzt allerdings interessieren woher das Sozialamt von den Katzen weiss ? Hat es Deine Freundin dem Amt gesagt ? Wenn ja mit welchem Grund ?


Als Tipp möchte ich Euch geben geht umgehend zum Sozialgericht und legt Widerspruch gegen den Bescheid ein. Habt ihr den Bescheid vom Sozialamt wo dieses drin steht? Dann diesen mitnehmen.
Solltet ihr ihn nicht haben geht trotzdem hin dort ist die Antragsstelle wo ihr den Widerspruch kostenlos einlegen könnt, es wird auch beim Ausfüllen des Antrages geholfen.
Es ist wirklich wichtig das dies schnell passiert da man einen Widerspruch nur innerhalb von 14 Tagen tätigen kann.


Bitte sage mir wie es mit Deiner Freundin weiter geht.

Und sie soll den Kopf hoch halten und kämpfen sie wird gewinnen.

Sei lieb gegrüsst

Anja und ihre 3 Fellmonster


PS: Auch dei Klage wenn es dazu kommt ist kostenlos

Manuela
28.09.2002, 00:49
Liebe Anja,

einen "Bescheid" gibt es noch nicht (Gott sei dank) für meine Freundin.
Bisher war es nur der Mann vom Sozialamt, welcher ihr gewissermaßen diesen "Rat" gab.

Und woher der Mann das weiß..?

Dummerweise von ihr persönlich.
Meine Freundin war ja bisher nie in so einer sozialen Notlage, daß sie dann wohl auch promt von selbst erzählt hat, daß sie eben DREI Katzen hat, für die sie sorgen muß ( sozusagen, wie andere Leute für ihre Kinder, weil ihre Katzen für sie wie ihre Kinder sind).
Sorry, ich werd jetzt nicht ganz schlau aus deiner Antwort, ist das nun deine "persönliche" Meinung, oder ist das, was du sagst Gesetz ?
Das wäre sehr wichtig zu wissen.
Die Katzen meiner Freundin sind wahrscheinlich rein gesellschaftlich nicht von "hohem" Wert, da alle drei Katzen aus dem Tierheim stammen.
Das heißt dann wohl soviel, wie "Wegwerfkatzen"!?, da diese Geschöpfe sozusagen KEINEN WERT!!! ???haben .
Dann wäre das in diesem Fall ja goldrichtig, daß es "wertlose Katzen " sind, oder ?
So makaber das auch klingt.
Allerdings zielte betreffender Mensch vom Sozialamt wohl eher auf die Haltungskosten einer Katze/ bzw. zweier Katzen, wenn ich es richtig verstanden habe.?

Liebe Grüße
Manuela

Angoracat
28.09.2002, 01:19
Hallo Manuela,

das Sozialamt kann keinesfalls die Abgabe der Katzen fordern. Die Kosten, die die Katzen verursachen, muss Deine Freundin allerdings vom Regelsatz (und der wird der eines Haushaltsvorstandes sein) bestreiten. Das ist leider bitter wenig und ich kann Deiner Freundin nur die Daumen drücken, dass keine ihrer Katzen ernsthaft krank wird.

Anders sieht es bei Rassekatzen aus. In dem Falle, dass Deine Freundin drei wertvolle Rassekatzen besitzt, kann der Wert der Katzen faktisch als Vermögen angerechnet und eingesetzt werden. Aber mal ernsthaft... Woher soll das Sozialamt das wissen? Wer will einen solchen Wert festlegen und einschätzen? Sind Rassekatzen kastriert, ist aus Ihnen sowieso kein wirklicher materieller Nutzen mehr zu ziehen (sorry für diese fürchterliche Formulierung). Mir jedenfalls ist kein Fall bekannt, in welchem Kleintiere jemals als Vermögen eingesetzt wurden.

Zurück zu Deiner Freundin... ich kann mir nicht vorstellen, dass das Sozialamt die Abschaffung der Katzen verlangt hat, es sein denn Deine Freundin hat vorgesprochen dass sie mit dem Geld nicht hinkommt. Sei mir nicht böse, ich weiß, dass ich dafür gesteinigt werde, aber es geht einfach nicht, dass das Sozialamt Darlehen über den Regelsatz hinaus gewährt, damit Deine Freundin ihre Katzen finanzieren kann. Abgesehen davon gäbe es dafür keine rechtliche Grundlage.

Vielleicht ist es einfach nur ein Hilferuf an Dich oder andere, weil sie ihre Katzen einfach nicht mehr finanzieren kann und der verpackt mit der Story von dem bösen Sozialamt und der drohenden Abschaffung der Katzen, ein wenig mehr an Dramatik bekommt und ihr die absolut nachvollziehbare Scham und Traurigkeit hinsichtlich des Eingeständnisses kein Geld für den Unterhalt der Katzen zu haben, ein wenig erleichtert.

Ich kann die Not in der sich Deine Freundin befindet sehr gut nachvollziehen und ich kann mir vorstellen, wie sie sich fühlt. Gibt es für sie in absehbarer Zeit die Möglichkeit aus der Sozialhilfe rauszukommen? Falls nein, unterstütze sie indem Du ihr Futter oder Streu kaufst und falls das nicht geht dränge sie nicht die Katzen um jeden Preis zu behalten. Helfe ihr einen guten Platz für die Tiere zu finden. Glaube mir, Sozialhilfe ist sehr wenig Geld und für den Fall, dass einer der drei Katzen etwas passiert und sie tierärztliche Hilfe benötigt, könnte das in eine ausweglose schlimme Situation für Deine Freundin führen. Damit ist keinem geholfen, weder ihr, noch der Katze. Ich denke ihr geht es schon schlecht genug, wenn sie sich mit dem Gedanken der Abschaffung tragen muss und der Leidensdruck ist noch größer, wenn alle Welt auf sie einredet, wie schlecht sie doch ist, wenn sie sich wirklich von den Tieren trennt.

Sollte sie jedoch mit dem ihr zustehenden Geld auskommen, wird kein Sozialamt der Welt die Abschaffung fordern. Noch was, sollte sie umziehen müssen, weil der Vermieter nur eine Katze toleriert, kann es schon sein, dass der Sachbearbeiter auf die Abschaffung der anderen beiden drängt. Denn ein Umzug wird leider aus diesem Grund auch nicht übernommen.

Nur zur Info: Ich bin Beamtin, im Sozialamt....

Wheatenmummy39
28.09.2002, 01:28
Hallo Manuela,

selbst wenn es Katzen von Wert wären gäbe es trotzdem keinen Grund.
Im Land Berlin ist es Gesetz. Allerdings hat jedes Bundesland seine eigenen Regeln.
Mein persönlicher Tipp war nur der Gang zum Sozialgericht.
Ansonsten wenn Deine Freundin sich nicht auf den Kampf einlassen möchte soll Sie doch zu ihrem Sozialarbeiter sagen das Sie sich schweren herzens von 2 Katzen getrennt hat.
Nach Hause zum kontrollieren kommen sie eh nicht dann hätten Sie nämlich viel zu tun. Und sollte jemand wirklich kommen was mir persönlich unbekannt ist dann hat sie zwei Katzen vom Nachbarn zur Pflege auf Gegenseitigkeit für 2 Tage das darf man nämlich. Sie dürfte nur kein Geld bekommen aber da es ihre sind. Ich hoffe Du verstehst was ich meine.
Leider muss man heutzutage besch....... aber um den tieren zuliebe was macht man da nicht alles.
Meine Erfahrung mit Behörden hat mich gelehrt nicht mehr ehrlich zu sein zumindest was meine Tiere betrifft.

Sei lieb gegrüsst

Anja und ihre 3 Fellmonster und ihren 2 Wheatenteddys
von denen ich mich nieeeeeeeeee trennen würde.
Und wenn ich sonst was tun müsste

Wheatenmummy39
28.09.2002, 01:46
@ Angoracat:D :D :D

Da kann ich ja echt nur sagen Gott sei Dank muss ich keine Sozialhilfe beziehen. Sonst wäre ich nun ertappt worden.

Aber das eine Abschaffung der Tiere gefordert wird war mir auch neu.

Selber habe ich vor Jahren auch leider mal Sozialhilfe beziehen müssen aber zur abgabe meiner Irish Soft Coated Wheaten terrier wurde ich nicht genötigt. Und den TA da mein Rüde damals einen Darmverschluss hatte konnte ich ihn kleinen Raten bezahlen.


Liebe Grüsse

Anja und ihre 3 Fellmonster

Manuela
08.10.2002, 20:05
Hallo nochmal,
nach diesen Schikanen (Anmerkungen) ihres Sachbearbeiters hatte ich hier ja vor einigen Tagen die Frage gestellt, was sozusagen vorgeschrieben werden kann. Dank eurer Antworten konnte ich meine Freundin dann auch überzeugen, die Sache nicht so stehen zu lassen und sich weiter zu wenden ( an die übergeordnete Instanz sozusagen). Klar, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, aber ihr hattet völlig recht, der Grundsatz ist, wenn sie ihre Katzen von dem Geld mit ernähren kann, dann gibt es keine Handhabe per Gesetz.
Klar, das Argument der eventuell anfallenden Tierarztkosten ist auch zu bedenken, aber wozu hat man eine Freundin, die auch Katzennärrin ist, was dann für mich möglich ist, tue ich auch.
Also, ihr habt uns sehr geholfen, danke.

Manuela